Dienstag, 15. Dezember 2009

Von Raubkunst und ihrer schweren Rückgabe


Diese Woche hat die Portugiesische Kulturministerin Gabriela Canavilhas, im Namen der Portugiesischen Regierung und des Prämieministers José Socrates ein offizielles Schreiben an die Französische Staatsregierung gesendet, in der sie den Französischen Staat darum bittet (die Zeiten sind vorbei, indem man forderte; jetzt wird freundlich darum gebeten!) portugiesische Kulturgüter und –schätze, die während der französischen Besetzungszeit vor 200 Jahren außer Landes geschafft wurden, zurückzugeben.

Von 1807-1811 hatten nämlich die napoleonischen Truppen, allen voran General Geoffrey Saint Hilaire, die portugiesischen Paläste, Kirchen, Klöster und Bürgerhäuser regelrecht ausgeräumt.
Saint Hilaire handelte damals ausdrücklich auf Napoleon Bonapartes Befehl, der ihm schriftlich die Erlaubnis erteilt hatte, „…alles aus Portugal mitzunehmen, was sie Monsieur, für unsere Grande Nation als wertvoll betrachten…“.

Damals fanden schätzungsweise 900 voll beladene Ochsenkarren mit Möbeln, Teppichen, Gemälden, Kunsthandwerk, Schmuck und Büchern ihren Weg von Portugal nach Paris.
Und so kommt es, dass heute wertvolle indo-portugiesische Wandteppiche im Stadtmuseum von Lyon hängen, Porzellan aus Macau im Louvre ausgestellt ist, goldener und edelsteinverzierter Kirchschmuck im Nationalmuseum von Marseilles in den Vitrinen ausgestellt wird und Gemälde portugiesischer Maler in den Museen für Alte Kunst in Bordeaux und Nantes hängen.

Bis heute weigerte sich die französische Regierung hartnäckig diese geraubten Kunstschätze an Portugal wieder zurückzugeben.
Aber die Zeiten haben sich geändert.
Denn nach einem neuen Gesetz der EU dürfen solche geraubten Kunstwerke nicht mehr öffentlich ausgestellt werden, d.h. die geraubte Kunst ist für Frankreich somit wertlos geworden.

Die Depots der französischen Museen sind übervoll, und so stehen die Chancen gut, das dieses Mal der Bitte des Portugiesischen Kulturministeriums entsprochen wird, und einige Kunsthandwerkstücke, Möbel und Gemälde ihren Weg wieder nach Portugal finden.

Aber es gibt auch Widerstand gegen eine Rückgabe an Portugal:
Der Direktor des Musée National d´Histoire Naturelle de Paris (dt.: Naturhistorisches Nationalmuseum von Paris), dessen Museum über 50% seiner fossilen Pflanzen, Dinosaurierskeletten und seltenen Steinen und Mineralien dem ehemaligen Naturhistorischen Museum von Lissabon verdankt, hat z.B. schon gedroht, seine Ausstellungsstücke lieber in den Lagerdepots vergammeln zu lassen, als sie freiwillig an Portugal zurückzugeben.

Zum Glück hat auch in Frankreich, wie in jeder gut funktionierenden Demokratie auf der Welt, der Staatspräsident und die Regierung das Sagen, und nicht so ein popeliger Museumsdirektor, der noch voll und ganz auf Napoleons Schiene zu fahren scheint.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen