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Donnerstag, 27. November 2014

Weltkulturerbe Cante Alentejano


Nach einer zweijährigen Bewerbungszeit ist heute morgen in Paris der „Cante Alentejano“ (dt.: Alentejo-Gesang) in die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen worden.
Insgesamt 58 Volksbräuche, Traditionen und Kulturpraktiken aus aller Welt bewarben sich wieder einmal bei der UNESCO um eine Aufnahme in die berühmte Liste und glücklicherweise wurde der regionale Musikstil des Alentejo heute in Paris vom UNESCO-Komitee einstimmig anerkannt.

Als Portugiese, und vor allem als großer Freund des Alentejo, habe ich mich über die heutige Wahl der UNESCO sehr gefreut!
Nach dem Fado im Jahre 2011 ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische Musikform die es auf die begehrte Liste des Weltkulturerbes geschafft hat.

Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang der immer von Amateuren ohne instrumentale Begleitung und fast immer in Tracht vorgetragen wird, erzählt in kleinen poetischen Versen über die Alltagsereignisse, die Liebe, die Freundschaft und den schweren Arbeitsalltag im ländlichen Alentejo.
Dieser Musikstil unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristisch harmonisch-monotonen Takt.
Ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieser sehr typische Chorgesang, durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse, auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen widerspiegelt.

Über die Herkunft des Cante Alentejano weiß man heute leider wenig.
Man vermutet das dieser jahrhundertealte Musikstil entweder eines der kulturellen Erben der maurischen Herrschaft in Portugal ist oder aber das gregorianische Mönche, die im Alentejo im Mittelalter mehrere Gesangsschulen gründeten, die Vorfahren des Cante Alentejano sind.

Heute ist der Cante Alentejano, trotz vieler Versuche der Modernisierung und Kommerzialisierung, vor allem als die traditionelle Musik des Volkes der Alentejanos bekannt und wird von diesem mit Stolz vorgetragen und gesungen.
Aber immer mehr Nicht-Alentejanos – Portugiesen und Ausländer – verlieben sich in den Klang dieses sehr originellen Musikstils und fangen an diese „Volksmusik“ zu schätzen und anzuerkennen – so wie heute auch die Damen und Herren das Komitees der UNESCO.

Wer mal eine kurze Klangimpression des Cante Alentejano hören will, hier eines von vielen You-Tube-Links:



Sonntag, 26. Oktober 2014

12 Schätze Europas


Vergangene Woche publizierte die einflussreiche amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ einen interessanten Artikel in ihrer Wochenendausgabe mit dem Titel „12 Treasures of Europe“ (dt.: „12 Schätze Europas“).

In diesem Artikel stellt die „New York Times“ zwölf europäische Städte vor und ihre jeweiligen typischen Symbole oder wichtigsten Charakteristika.
Die portugiesische Hauptstadt Lissabon ist mit ihren wunderschönen Kacheln (port.: azulejos / engl.: tiles) vertreten, aber auch Berlin mit seiner außergewöhnlichen Straßenkunst oder das belgische Brüssel mit seiner leckeren Schokolade.

„Gibt es ein blaueres Land als Portugal?“
(engl.: „Is there a bluer country than Portugal?“),
fragt Seth Sherwood in seinem Artikel, indem er von den portugiesischen blau-weißen Azulejos, vom blauen Himmel und vom Atlantik schwärmt.
Weiter schreibt der US-Amerikaner:
 „In ganz Portugal sind die typisch blauen Kacheln in und an Kirchen, Klöstern, Burgen, Schlössern, Universitätshallen, Parks, Bahnhöfen, Hotellobbys und Hausfassaden verbreitet“.
(engl.: „And all across Portugal, the typically blue designs of azulejos – ceramic tiles – are spread across churches, monasteries, castles, palaces, university halls, parks, train stations, hotel lobbies and apartment facades“.)

Und da hat Sherwood Recht!
Azulejos sind ohne Zweifel eines der  Markenzeichen dieser Nation.
Diese Kunst an den Wänden, die in ihren oftmals imposanten Bildern viel über die Geschichte dieses Land erzählen, ist überall gegenwärtig, vor allem hier in Lissabon.

Deshalb ist es für mich als Lissabonner mehr als verständlich, das die renommierte amerikanische Tagezeitung die Azulejos zu den „12 Schätzen Europas“ zählt!
Die anderen Schätze Europas sind, laut der „New York Times“:


- die Straßenkunst in Berlin
- die Schokolade in Brüssel
- die Paprika in Budapest
- das Design in Kopenhagen
- die Seide in Florenz
- die Duftstoffe von Istanbul
- die Hüte in London
- die Gitarren in Madrid
- die Regenschirme in Paris
- das Spielzeug in Prag
- die Kaffeeservice in Sarajevo

Wer den Originalartikel nachlesen will, hier der dazugehörige Link:


Sonntag, 3. August 2014

Adolfo Medeiros, der erste portugiesische Soldat des Ersten Weltkrieges


Heute, auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 03. August 1914, trafen sich nachmittags die zwei portugiesischen Freunde José de Freitas Bragança und Adolfo Medeiros in einem Kaffeehaus im Pariser Stadtviertel Quartier Latin um einen Kaffee zu trinken und um die damalige aktuelle politische Lage zu diskutieren.
Wenige Tage zuvor, am 28. Juli 1914, hatte Österreich-Ungarn dem Serbischen Königreich den Krieg erklärt und nun hatte das Deutsche Kaiserreich der Französischen Republik am 03. August 1914 ebenfalls den Krieg erklärt (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „100 Jahre Erster Weltkrieg“, vom 28.Juli 2014).

Der 03. August 1914 war ein strahlender, sonniger Sommertag, aber die Nachrichten die an diesem Tag durch die französische Hauptstadt kursierten sagten eher einen gewaltigen Sturm voraus – einen Kriegssturm!
In ganz Paris, so wie wohl im ganzen Land, war die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich das Gesprächsthema Nr. 1.
Und auch am Kaffeetisch von Freitas Bragança und Adolfo Medeiros gab es an diesem Tag kein anderes Thema als den Krieg.
An diesem Nachmittag beschlossen die zwei Portugiesen, beide eingefleischte Republikaner, freiwillig der französischen Armee beizutreten um für die Französische Republik und ihre Werte zu kämpfen.

José de Freitas Bragança, von Haus aus Journalist, hatte sich schon drei Wochen zuvor, im Juli 1914, bei der französischen Armee beworben, aber von dieser eine Absage erhalten, mit der Begründung es wäre noch zu früh um an einen Krieg zu denken.
Freitas Bragança hat sich dann nicht, wie geplant, noch einmal bei der französischen Armee vorgestellt, sondern er war, bis Portugal 1916 selbst ins europäische Kriegsgeschehen eingriff, als Zeitungsredakteur verschiedener portugiesischer Zeitungen und Zeitschriften der damaligen Zeit sehr engagiert tätig.

Adolfo Medeiros allerdings, der aus dem Ort Ribeira Grande auf der Azoreninsel São Miguel stammte, machte sein Vorhaben wahr, und Anfang August wurde er bei den französischen Streitkräften vorstellig. Er hatte in der Schweiz Ingenieurswesen studiert und dort den Führerschein während seines Studiums gemacht. Dieser Führerschein öffnete ihm die Tür zum französischen Heer, denn er wurde sofort als Militärfahrer rekrutiert.
Mitte August, Adolfo Medeiros wartete auf den Einberufungsbefehl der französischen Armee, erhielt er per Post eine Einladung eines befreundeten Fabrikanten, um dessen Zuckerfabrik im Norden Frankreichs zu verwalten. In dem Brief erklärte ihm der Fabrikant, dass die gesamte männliche Belegschaft der Zuckerfabrik zum Kriegsdienst einberufen worden war und das die Produktion des Werkes nun durch Frauen und Kinder mehr schlecht als recht aufrecht gehalten wurde.

José de Freitas Bragança, der Freund von Adolfo Medeiros, der noch wenige Tage zuvor mit ihm in den Krieg ziehen wollte, schlug Medeiros vor, dem französischen Kriegsministerium den Brief des Fabrikanten vorzulegen, um so vom Kriegsdienst befreit zu werden. Medeiros, so meinte Freitas Bragança, könne mit seinem Einsatz in der Zuckerfabrik der Französischen Republik eher von Nutzen sein als mit dem Dienst an der Waffe.
Adolfo Medeiros ließ sich den Vorschlag seines Freundes wohl noch durch den Kopf gehen, aber bereits am 26. August erhielt er vom Pariser Kriegsministerium den Einberufungsbefehl an die Marne, wo er gleich vom 05. bis zum 12. September 1914 an der Ersten Marne-Schlacht (port.: Primeira Batalha do Marne) gegen die Deutschen teilnahm.

Im April 1916 fiel Adolfo Medeiros auf einem Schlachtfeld in Verdun.
In der Schlacht von Verdun (port.: Batalha de Verdun), die sich vom 21. Februar bis zum 20. Dezember 1916 hinzog, starben damals ca. 500.000 Soldaten beider Kriegsparteien einen brutalen und sinnlosen Tod.

So wie die zwei Freunde José de Freitas Bragança und Adolfo Medeiros verpflichteten sich damals viele junge Portugiesen entweder bei der französischen oder belgischen Armee auf der einen Seite, bei den deutschen Streitkräften auf der anderen Seite oder sie taten Dienst beim Internationalen Roten Kreuz.

Adolfo Medeiros war nachweislich der erste Portugiese, der als Soldat am Ersten Weltkrieg (port.: Primeira Guerra Mundial) teilnahm!
Ab August 1914 befand sich Portugal somit irgendwie im Ersten Weltkrieg, obwohl das Land erst 1916 aktiv in das europäische Kriegsgeschehen eingreifen sollte.

Sonntag, 25. November 2012

Luisa Todi – „die Sängerin aller Jahrhunderte“



An der breiten Mündungsbucht des Flusses Sado liegt die Industrie- und Distrikthauptstadt Setúbal, mit ihren bedeutenden Fischkonservenfabriken, Werften und Salinen.
Für eine Industriestadt besitzt Setúbal ein durchaus ansprechendes Ortsbild.
Entlang des Sado ziehen sich der Güter-, der Yacht- und der Fischereihafen.

Parallel zu den Häfen verläuft in Ost-West-Richtung die Hauptverkehrsstraße der Stadt, die Avenida Luisa Todi, an der, unter anderem, die Markthalle (port.: Mercado), das Stadttheater (port.: Teatro Municipal und das Ozeanographische und Fischereimuseum (port.: Museu Oceanográfico e de Pescas) liegen.
In etwa der Mitte der Avenida Luisa Todi befindet sich ein imposantes weißes Denkmal, das der großen Opernsängerin Luisa Todi gewidmet ist, die eine berühmte Tochter der Stadt ist.
Heute kennt kaum noch einer außerhalb Portugals Luisa Todi.
Aber vor 200 Jahren war Luisa Todi die berühmteste und meistgefragte Operndiva ihrer Zeit.

Geboren wurde Luisa Rosa de Aguiar, wie sie mit vollem Taufnamen hieß, am 09. Januar 1753 in der setubalenser Gemeinde Nossa Senhora da Anunciada, als Tochter des Geigers und Musiklehrers Manuel José de Aguiar und dessen Frau Ana Joaquina de Almeida.
Luisa Rosa hatte zwei Schwestern – die sieben Jahre ältere Cecilia Rosa und die drei Jahre ältere Isabel Ifigénia.

Luisa, die in eine wahre Künstlerfamilie hineingeboren wurde, in der es zahlreiche Musiker, Schauspieler und Sänger gab, kam schon in sehr jungen Jahren mit dem Musischen in Berührung.
Sie soll schon sehr früh mit dem Singen angefangen haben.
Als sie 12 Jahre alt war, zog ihre Familie mit ihr in die Hauptstadt Lissabon.

In Lissabon hatte sie dann auch ihren ersten öffentlichen Auftritt.
Im Jahre 1767, trat sie 14jährig, mit ihrer Schwester Cecilia Rosa im Teatro do Conde de Soure im Bairro Alto auf. Sie spielte und sang bei ihrem Debüt die Rolle der Lauriana in der komischen Oper „Tartufo“ (fr.: „Le Tartuffe“) von Moliere.
Leiter des Orchesters des Theaters des Bairro Altos war damals der aus Neapel stammende Geiger Francesco Saverio Todi, der nach ihrem Debütauftritt einer ihrer größten Fans wurde.
Francesco Todi erkannte sofort Luisas musikalisches Talent und begeisterte und unterstützte fortan das junge Mädchen für die klassische Oper.

Luisa und Francesco Todi scheinen sich in dieser Zeit sehr Nahe gekommen zu sein, denn bereits am 28. Juli 1769, Luisa Todi ist gerade einmal 16 Jahre alt, geben sich beide in Lissabon das Jawort.
Von diesem Tag an förderte Francesco seine Luisa wo er nur konnte und bereitete mit aller Kraft systematisch ihre internationale Karriere vor. Eine Karriere, die ihr später einmal Auftritte in ganz Europa ermöglichen sollten.

1770 besorgte Francesco Todi bei seinem Freund, dem aus Neapel stammenden Opernkomponisten David Perez, der Kapellmeister am portugiesischen Hof war, für seine Frau Luisa Gesangsstunden.
Mit Perez, der Autor von Opern wie „Solimano“, „L´Olimpiade“ und „Arminio“ war, arbeitete Luisa Todi die folgenden Jahre eng zusammen, unter anderem an der Nationaloper Teatro Nacional de São Carlos.
Im Sommer desselben Jahres engagierte das Theater im Bairro Alto Luisa Todi.
Dort sang sie in der Oper „Il viaggiatore ridicolo“, des Italieners Giuseppe Scolari, sehr erfolgreich ihre ersten Opernarien.
Im Oktober sang sie im selben Theater die Gianneta in der Oper „L'incognita persiguitata“, des italienischen Opernkomponisten Nlcolau Piccini.
Kronprinzessin Maria, die zukünftige Königin Maria I, hörte von den Erfolgen Luisa Todis und bat daraufhin den königlichen Kapellmeister David Perez, er möge ihr doch einen Privatauftritt im königlichen Schloss organisieren.
Zu diesem Privatkonzert kam es dann im Januar 1771.
Wochen später, sie war weiterhin am Theater im Bairro Alto engagiert, übernahm sie in der Oper „Il beiglierbei di Caramania“, ein weiteres Werk von Giuseppe Scolarri, die Rolle der Zoffira.

Ende 1771 zogen die Todis nach Porto, wo Luisa bis 1777 als Sängerin und Privatgesangslehrerin tätig war.
Hier in Porto wurde Luisa auch zum ersten Mal Mutter.
Im April 1772 brachte sie ihr erstes Kind, ihren Sohn João, zur Welt.
Im September 1773 wurde, ebenfalls in Porto, ihre Tochter Ana José geboren.
1775 brachte sie in der Stadt Guimarães ihre zweite Tochter, Maria Clara, zur Welt.
Ihren zweiten Sohn Francisco Xavier brachte Luisa im März 1777 im spanischen Aranjuez, unweit der spanischen Hauptstadt Madrid, zur Welt.

Nach der Geburt ihres Sohnes Francisco Xavier, begab sich Luisa Todi Ende 1777 nach London, wo sie am King´s Theatre ihr erstes Auslandsengagement hatte.
Von London zogen die Todis weiter nach Versailles und Paris, wo Luisa verschiedene Gastspiele hatte.
In Paris schenkte Luisa Todi am 22. November 1778 einer weiteren Tochter, Adelaide, das Leben.

Von Paris reisten die Todis weiter nach Wien, wo Luisa Todi am 28. Dezember 1779 vor der österreichischen kaiserlichen Familie auftrat.
Dann reiste sie weiter nach Italien, wo sie in Turin 1780 ihren ersten Vertrag als Primadonna am Teatro Regio di Torino unterschrieb.
Von Turin zog Luisa Todi nach Preußen und anderen deutschen Staaten weiter, wo sie mehrere Gastspiele hatte.
In Deutschland lernte sie die damals in Europa ebenfalls sehr gefeierte deutsche Opernsängerin Gertrud Elisabeth Mara persönlich kennen und trat mehrere Male in verschiedenen öffentlichen Wettbewerben gegen diese gesanglich auf.
Das musikbegeisterte Europa spaltet sich unweigerlich in zwei Lagern auf:
Einmal in die „Todiisten“ und einmal in die „Maraisten“.
Dank dieser Gesangswettbewerbe mit Gertrud Elisabeth Mara stieg die Beliebtheit von Luisa Todi damals ins unermessliche.

Nach Deutschland reiste Luisa Todi wieder nach Turin wo sie erneut am Teatro Regio di Torino auftrat.
Am 24. November 1782 brachte sie in dieser norditalienischen Metropole ihr sechstes und letztes Kind zur Welt, ihren Sohn Leopoldo Rodrigo Ângelo.

1784 brach Luisa Todi mit ihrem Mann und ihren Kindern, auf ausdrücklichen Wunsch von Zarin Katharina II, zu einem längeren Engagementaufenthalt nach Russland auf, der bis 1788 dauern sollte.
1788, auf dem Weg von Sankt Petersburg nach Paris, machte sie am preußischen Hof in Potsdam halt, wo sie vor König Friedrich II sang.
Sie gastierte noch in anderen deutschen Städten, wie Hannover, Wiesbaden und Mainz. In Bonn trat sie 1789 sogar mit Ludwig van Beethoven auf.
Dann reiste sie weiter nach Italien, wo sie 1790 mehrere triumphale Auftritte in Parma, Genua, Padua, Bergamo, Turin und Venedig hatte.
In Italien bekam sie zum ersten Mal Probleme mit ihrem Augenlicht. Sie fing an unscharf zu sehen und hatte ständig starke Kopfschmerzen. Als Konsequenz unterbrach sie daraufhin für einige Monate ihre Karriere.

Am 25. August 1792 trat Luisa Todi, nach einer knapp zweijährigen Pause, zum ersten Mal in Madrid wieder auf. Hier in Madrid blieb sie bis 1796, wo sie vor allem am Teatro de los Caños del Peral, dem späteren königlichen Theater, zahlreiche Erfolge feierte.
Da ihr Augenlicht immer schwächer wurde, kehrte sie 1796 wieder nach Lissabon zurück, wo sie fortan mit ihrem Mann etwas zurückgezogen lebte.
1799 reiste Luisa Todi noch einmal nach Italien, wo sie in Neapel Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte.
1801 kehrte Luisa Todi aus Italien nach Portugal zurück, und ließ sich mit ihrem Mann Francesco in der Stadt Porto nieder.
Zwei Jahre später, am 28. April 1803, verstarb ihr geliebter Gatte Francesco.

Als die französischen Truppen von Napoleon Bonaparte im Jahre 1806 Portugal überfielen, hätte Luisa Todi mit der portugiesischen königlichen Familie nach Brasilien fliehen oder sie hätte nach England reisen können.
Aber sie zog es vor in Portugal zu bleiben, sicherlich auch deshalb, weil sie sich der Ernsthaftigkeit der Situation nicht bewusst war.

Am 29. März 1809 überfielen die französischen Truppen, in ihrer zweiten Invasion in Portugal, auf brutalste Weise die Stadt Porto.
Luisa Todi versuchte, wie viele andere Bürger auch, an diesem Tag die Stadt fluchtartig zu verlassen.
Als sie zu tausenden versuchten den Fluss Douro über die Ponte das Barcas zu überqueren, eine aus einfachen Barkassen bestehende Brücke, brach die Brücke unter dem Gewicht der vielen Flüchtlinge zusammen und riss über 4.000 Menschen in den Tod.

Luisa Todi kam zwar mit ihrem Leben davon, doch der größte Teil ihres Reichtums, den sie in Form von wertvollem Schmuck, Edelsteinen und Perlen bei sich trug, fiel bei der Flucht in den Fluss Douro und sie selber wurde von den Franzosen gefangen genommen.
Als General Nicolas Soult, der Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Portugal, von ihrer Festnahme erfuhr, und er sich von ihrer Identität überzeugt hatte, veranlasste er ihre Freilassung und stellte sie unter seinen persönlichen Schutz.

Nach ihrer Freilassung zog Luisa Todi wieder nach Lissabon.
Hier lebte sie bis an ihr Lebensende in der Travessa da Estrela, eine Straße die heute ihren Namen trägt, unter sehr einfachen Verhältnissen. Ihr Augenlicht wurde immer schwächer und in den letzten Jahren ihres Lebens erblindete sie völlig.

Luisa Rosa de Aguiar Todi war zu Lebzeiten eine der besten und beliebtesten Operndivas der Welt. Sie konnte perfekte Opernarien auf italienisch, französisch, deutsch und englisch singen und wurde von vielen Opernliebhabern jeden Standes geliebt, ja regelrecht vergöttert.
Der böhmische Komponist und Musikpädagoge Anton Reicha nannte sie in seinem Buch „Traitéde melodie“ einfach nur die „Sängerin aller Jahrhunderte“.
Umso trauriger ist es da, das sie am 01. Oktober 1833, völlig blind und verarmt, in einem kleinen Zimmer in der Travessa da Estrela im Stadtteil Encarnação einsam verstarb.

Tröstlich ist es da, das heute der wichtigste Nachwuchspreis des klassischen Gesangs in Portugal, der Concurso Nacional de Canto Luisa Todi (dt.: Nationaler Gesangswettbewerb Luisa Todi), ihren Namen trägt.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Lissabon, Stadt des Lichtes



In meinem vorhergehenden Blogeintrag „Lisboa, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges“, vom 20. Oktober, erwähne ich das Buch „Lisboa, A Guerra nas Sombras da Cidade da Luz“ (dt.: „Lissabon, der Krieg im Schatten der Stadt des Lichtes“), des schottischen Schriftstellers Dr. Neill Lochery.
Heute wurde ich auf besagtes Buch, bzw. seinen Titel, angesprochen.

„Lissabon, der Krieg im Schatten der Stadt des Lichtes“ – dieser Titel sei doch wohl zu hoch gegriffen, meinte mein Freund Ricardo Capelotti, wo doch jeder wisse, das eigentlich Paris die wahre „Stadt des Lichtes“ sei.

Nun, wer schon einmal Paris besucht hat, zumal zur Weihnachtszeit, der weiß, wie hell Paris wirklich erleuchtet ist, wenn nämlich alle Gebäude, Avenuen und Monumente nachts im hellen Lichterglanz erstrahlen.
Aber das ist, wohlgemerkt, heute so.
Es war leider auch schon einmal anders!

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 war Paris, wie alle anderen Städte des Krieges in Europa in diesen Jahren auch, dazu verdammt sein Stadtbild aus Angst vor möglichen Luftangriffen der Deutschen Luftwaffe, nachts zu verdunkeln.
In Lissabon aber, wurde nichts verdunkelt!
Keiner musste damals, im neutralen Portugal, Angst vor nächtlichen Luftangriffen und Übergriffe aus Nazideutschland haben!

Als in diesen Jahren des Krieges die vielen religiös, kulturell und politisch Verfolgten nach Lissabon kamen, fanden sie eine Stadt vor, die tagsüber von der Sonne hell durchflutet war und nachts von tausenden Lampen erstrahlt wurde.
Während ganz Europa damals im Dunkeln lag, gab sich Lissabon dem Luxus des Lichtes und der Hoffnung hin!

Wohl auch deshalb spricht Neill Lochery in seinem Buch von der „Stadt des Lichtes“!

Anbei eine Aufnahmen aus der hier in diesem Blog schon erwähnten Fotoausstellung „Lisboa, Centro da Europa na Segunda Guerra Mundial” (dt.: „Lissabon, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges“), die auf eindrucksvolle Art zeigt, wie hell erleuchtet der Rossio in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 war.
Schaut man sich die Fotografien der 1940er Jahre an, und vergleicht sie mit der traurigen Realität von heute, dann muss man neidvoll zugeben, dass das Lissabon von damals besser beleuchtet war, als das Lissabon unserer Tage...

Samstag, 14. Januar 2012

Kandidatur der Universität Coimbra als Weltkulturerbe


Nach dem Ende letzten Jahres der Fado auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (port.: Lista do Património Cultural da Humanidade da UNESCO) gesetzt wurde (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag‚ „Weltkulturerbe Fado“ vom 27.11.2011) will sich Portugal nun diesen Monat mit einer weiteren Kandidatur bei der UNESCO um die Aufnahme in die berühmte Liste bemühen.

João Gabriel Silva, der Rektor der altehrwürdigen Universität der Stadt Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), die im Jahre 1290 als erste portugiesische Universität gegründet wurde, und eine der ältesten Universitäten der Welt ist, hat nun offiziell bestätigt das er Ende Januar eine formulierte Kandidatur bei der UNESCO in Paris einreichen wird.
Die Kandidatur, mit dessen Ausarbeitung schon bereits im Jahre 2005 universitätsintern begonnen wurde, soll aus über zweitausend Seiten bestehen.

Die Universität von Coimbra kann auf eine 700jährige traditionsreiche Geschichte zurückblicken.
Aber obwohl sie so alt ist, gehört die Universität zu den modernsten Portugals und Europas, mit einem überdurchschnittlichen Anteil an ausländischen Studenten, darunter auch viele Deutsche.

Mit einer Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes würden nicht nur die alten geschichtsträchtigen Fakultätsgebäude (port.. faculdades universitárias / lat.: Alma mater conimbrigensis) und die wunderschöne und wertvolle Johannesbibliothek (port.: Biblioteca Joanina) gewürdigt werden, sondern auch der prächtige Botanische Garten (port.. Jardim Botanico), der zum weitläufigen Universitätsgelände gehört.

Der Titel als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) käme der Universität sehr gelegen, denn in Zeiten knapper Kassen, könnten dann die zu erwarteten finanziellen Mittel, die mit solch einer Aufnahme in die berühmte Liste automatisch fliesen würden, für die Instandhaltung der alten historischen Gebäude sinnvoll verwendet werden.

Mit einer eventuellen positiven Entscheidung durch die UNESCO-Kommission wird dann Ende des Jahres 2013 gerechnet.

Freitag, 6. Januar 2012

Bolo Rei


Heute, nach Feierabend, habe ich über 90 Minuten in der Confeitaria Nacional angestanden, um mir einen Bolo Rei zu kaufen.
Viele werden sich jetzt wohl Fragen:

1. Was oder wer ist die Confeitaria Nacional?
2. Was ist ein Bolo Rei?
3. Wieso steht jemand, nach einem langen und stressigen Arbeitstag, freiwillig 90 Minuten irgendwo an?

Nun, die Antworten auf diese drei Fragen lauten wie folgt:

Die Confeitaria Nacional (dt.: Nationale Konditorei) ist wohl die beste Konditorei, nicht nur hier in der Hauptstadt, sondern wohl des ganzen Landes – wenn nicht gar eine der Besten Europas!
In dieser Konditorei wurde im Jahre 1870 zum ersten Mal ein Bolo Rei gebacken und dann angeboten.
Überhaupt ist der Bolo Rei unweigerlich mit der Geschichte dieser Konditorei verbunden.

Ein Bolo Rei (port.: Königskuchen) ist ein portugiesischer Weihnachtskuchen der heute hier in Portugal auf keinem Weihnachtstisch fehlen darf.
Er ist mit dem deutschen Christstollen vergleichbar, und man isst ihn traditionell in der Weihnachtszeit bis zum 06. Januar herum, dem Tag der Heiligen Drei Könige.

Heute ist es aber auch so, das man in manchen Konditoreien das ganze Jahr über einen Bolo Rei käuflich erwerben kann.
In meiner Familie wird meistens erst am 06. Januar traditionell ein Bolo Rei in der Confeitaria Nacional gekauft und dann gegessen – so wie heute.

Und somit ist dann auch die dritte Frage beantwortet, warum ich nämlich freiwillig irgendwo 90 Minuten anstehe um mir solch einen Kuchen zu kaufen.
Ich stehe aus Tradition so lange an!
Und ich bin da weiß Gott nicht der einzige.
Hunderte Portugiesen stellen sich jedes Jahr in dieser Konditorei an, um sich einen Bolo Rei zu besorgen.

Seinen Namen hat dieser mit kandierten Früchten, Rosinen und Nüssen dekorierte Kuchen wegen seiner kranzförmigen Form, die eine Königskrone symbolisieren soll.
Der Bolo Rei, so wie wir ihn heute kennen, kam zwar um das Jahr 1870 in besagter Confeitaria Nacional in den Handel.
Aber diesen Typ von Früchtekuchen soll es schon bei den alten Römern gegeben haben.

Das Römische Reich hatte irgendwann einmal ein Ende, aber die Römer hinterließen das Rezept des Kuchens in vielen Teilen ihres ehemaligen Reiches zurück – unter anderem auch bei den Galliern.
Fakt ist, das es in Frankreich zu Zeiten König Ludwig XIV, traditionell einen Früchtekuchen zum Jahreswechsel, bzw. zum Fest der Heiligen Drei Könige, gab.

Nach der Französischen Revolution und der Abschaffung der Monarchie im Jahre 1789 durfte der Kuchen nicht mehr unter seinem royalen Namen „Gâteau roi“ (dt.: Königskuchen) verkauft werden.
So nannten ihn die Konditoren der neuen Französischen Republik fortan nur noch „Gâteau des Sans-culottes“ (dt.: Sansculottenkuchen), abgeleitet nach dem Begriff „sans culottes“ (dt.: ohne Kniebundhose).
Sans culottes wurden in dieser revolutionären Zeit Frankreichs die normalen Bürger genannt, die im Gegensatz zu den Adeligen, immer lange Hosen trugen.

Als Baltazar Rois Castanheiro Jr., der Sohn des Begründers der Confeitaria Nacional, dann im Jahre 1870, nach einem Besuch in Paris, das Rezept des beliebten Kuchens nach Portugal brachte, fing er an auch hierzulande unter dem Namen Bolo Rei (dt.: Königskuchen) beliebt und bekannt zu werden.

Als aber im Jahre 1910 in Portugal die Republik ausgerufen wurde, ereilte dem Bolo Rei (dt.: Königskuchen) das gleiche Schicksal wie dem „Gâteau roi“ im revolutionären Frankreich.
Er musste als Symbol der Monarchie per Gesetz den Namen wechseln.
So wurde er in den ersten Jahren der Republik „Bolo Republicano“ (dt.: Republikanischer Kuchen), „Bolo de Ano Novo“ (dt.: Neujahrskuchen), „Bolo Nacional“ (dt.: Nationaler Kuchen) und sogar „Bolo Presidente“ (dt.: Präsidentenkuchen) genannt.
Nach den ersten Wirren der Republik wurde der Kuchen aber alsbald vom Volk wieder „Bolo Rei“ genannt.

Traditionell backte man früher den Kuchen mit einer Saubohne (port.: fava) und einer Silbermünze.
Die Münze, die dann mit den Jahren durch eine in Backpapier umwickelte kleine versilberte Figur ersetzt wurde, durfte von demjenigen behalten werden, dem sie beim aufschneiden des Kuchens per Zufall zufiel.
Wer aber die Saubohne bekam, musste traditionell den nächsten Bolo Rei ausgeben.

Als Portugal im Jahre 1986 der Europäischen Union beitrat, musste Portugal dann mit dieser alten Tradition brechen. Laut EU-Richtlinien war es nämlich verboten Lebensmittel, also auch Kuchen, mit metallenen Gegenständen zu verkaufen, auch wenn es nur eine kleine silberne fingernagelgroße Figur war.

Heute ist der Bolo Rei beliebter denn je.
In der Weihnachtszeit bis in den Januar hinein, stellt jede Bäckerei und Konditorei ihren eigenen Bolo Rei her.
Aber den besten gibt es wirklich, meiner Meinung nach, in besagter Confeitaria Nacional.
Da aber die Geschmäcker verschieden sind, gibt es wohl keinen besseren Weg dies herauszufinden, als ihn selber einmal zu probieren!

Donnerstag, 13. Januar 2011

Es wird keine Taubstummen mehr geben, sondern nur Taube, die sprechen können


„Es wird keine Taubstummen mehr geben, sondern nur Taube, die sprechen können“ - als Jacob Rodrigues Pereira diesen denkwürdigen Satz sprach, war er auf der Höhe seiner wissenschaftlichen Forschungen, was die Taubstummensprache anging.
Pereiras Methode war revolutionär, denn sie stützte sich nur im Ansatz an die Aufzeichnungen des Gebärdespracheerfinders Juan Pablo Bonet. Pereira selbst entwickelte zur Gebärdensprache Bonets ein schnelleres phonetisches Fingeralphabet, welches die Laute der jeweiligen Sprache deutlicher machte.
Man kann also vereinfacht sagen, das Bonet der Erfinder der „Gebärdensprache“ (port.: lingua gestual) war und Pereira der Erfinder der „Taubstummensprache“ (port.: lingua oralizada)!

Als Jocobo Rodrigues Pereira wurde Jacob am 11. April 1715 im portugiesischen Peniche, als Sohn der jüdischen Bürger Magalhães Rodrigues Pereira und Abigail Ribea Rodrigues, geboren.
Als seine Eltern mit ihm vor der Inquisition in Portugal nach Frankreich fliehen mussten, war Jacob gerade mal sieben Jahre alt.
Sie ließen sich in der Stadt Bordeaux (port.: Bordéus) nieder, und hier in Südfrankreich wurde er zum Pädagogen und Lehrmeister der Taubstummensprache.
Er war der erste Mensch der Welt, der als Lehrer tauben Kindern Unterricht gab.
Für ihn sollten sich Taube nicht nur „stumm“ unterhalten können, sondern für ihn war es unheimlich wichtig das Taube sich vor allem durch Töne miteinander unterhalten konnten.

Da es keine schriftlichen Aufzeichnungen über seine Arbeiten gibt, er selber weigerte sich welche zu verfassen, sind die besonderen Lehrmethoden die er entwickelte nur von Aufzeichnungen einiger seiner Schüler bekannt.

Obwohl er sich voller Hingabe der Verbreitung seiner Lehrmethode hingab, so musste er sich doch zum Ende seines Lebens eingestehen, das die Gebärdensprache von Bonet, für die tauben Schüler wesentlich einfacher zu erlernen war als seine Taubstummensprache.

Traurig darüber, dass seine Lehrmethode nur schwerlich angenommen wurde, aber keineswegs resigniert, verstarb Jacob Rodrigues Pereira am 15. September 1780 in seinem Haus in Paris, als er einigen Schülern unterricht gab.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Von Raubkunst und ihrer schweren Rückgabe


Diese Woche hat die Portugiesische Kulturministerin Gabriela Canavilhas, im Namen der Portugiesischen Regierung und des Prämieministers José Socrates ein offizielles Schreiben an die Französische Staatsregierung gesendet, in der sie den Französischen Staat darum bittet (die Zeiten sind vorbei, indem man forderte; jetzt wird freundlich darum gebeten!) portugiesische Kulturgüter und –schätze, die während der französischen Besetzungszeit vor 200 Jahren außer Landes geschafft wurden, zurückzugeben.

Von 1807-1811 hatten nämlich die napoleonischen Truppen, allen voran General Geoffrey Saint Hilaire, die portugiesischen Paläste, Kirchen, Klöster und Bürgerhäuser regelrecht ausgeräumt.
Saint Hilaire handelte damals ausdrücklich auf Napoleon Bonapartes Befehl, der ihm schriftlich die Erlaubnis erteilt hatte, „…alles aus Portugal mitzunehmen, was sie Monsieur, für unsere Grande Nation als wertvoll betrachten…“.

Damals fanden schätzungsweise 900 voll beladene Ochsenkarren mit Möbeln, Teppichen, Gemälden, Kunsthandwerk, Schmuck und Büchern ihren Weg von Portugal nach Paris.
Und so kommt es, dass heute wertvolle indo-portugiesische Wandteppiche im Stadtmuseum von Lyon hängen, Porzellan aus Macau im Louvre ausgestellt ist, goldener und edelsteinverzierter Kirchschmuck im Nationalmuseum von Marseilles in den Vitrinen ausgestellt wird und Gemälde portugiesischer Maler in den Museen für Alte Kunst in Bordeaux und Nantes hängen.

Bis heute weigerte sich die französische Regierung hartnäckig diese geraubten Kunstschätze an Portugal wieder zurückzugeben.
Aber die Zeiten haben sich geändert.
Denn nach einem neuen Gesetz der EU dürfen solche geraubten Kunstwerke nicht mehr öffentlich ausgestellt werden, d.h. die geraubte Kunst ist für Frankreich somit wertlos geworden.

Die Depots der französischen Museen sind übervoll, und so stehen die Chancen gut, das dieses Mal der Bitte des Portugiesischen Kulturministeriums entsprochen wird, und einige Kunsthandwerkstücke, Möbel und Gemälde ihren Weg wieder nach Portugal finden.

Aber es gibt auch Widerstand gegen eine Rückgabe an Portugal:
Der Direktor des Musée National d´Histoire Naturelle de Paris (dt.: Naturhistorisches Nationalmuseum von Paris), dessen Museum über 50% seiner fossilen Pflanzen, Dinosaurierskeletten und seltenen Steinen und Mineralien dem ehemaligen Naturhistorischen Museum von Lissabon verdankt, hat z.B. schon gedroht, seine Ausstellungsstücke lieber in den Lagerdepots vergammeln zu lassen, als sie freiwillig an Portugal zurückzugeben.

Zum Glück hat auch in Frankreich, wie in jeder gut funktionierenden Demokratie auf der Welt, der Staatspräsident und die Regierung das Sagen, und nicht so ein popeliger Museumsdirektor, der noch voll und ganz auf Napoleons Schiene zu fahren scheint.

Dienstag, 21. Juli 2009

Und sagen sie hinterher nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!


Heute bin ich, nach einem Termin in Lissabon, durch die Avenida da Liberdade gelaufen und habe mich in einem Café hingesetzt um mir einen kühlen Orangensaft zu gönnen.

Wer noch nie in Lissabon war, dem sei gesagt, dass die Avenida da Liberdade oft mit der Champs-Elysées in Paris verglichen wird.
Denn genau wie diese, ist die Liberdade eine breite und viel befahrene Arterie der Stadt, mit vielen Büros (Lufthansa, Deutsch-Portugiesische Industrie- Handelskammer) und Geschäften (Chanel, Armani, Versace), überteuerten Kinos (Tivoli, Eden) und Clubs (Hard Rock Café, Hot Jazzclub).

Wenn diese Avenida schon den Ruf hat, wie die Champs-Elysées in Paris zu sein, dann sollte man meinen, dass sie auch gastronomisch diesem Vergleich Stand halten kann.
Weit gefehlt!

Wer wie ich, schon einmal an der Champs-Elysées war, weiß wie erbärmlich die Restaurants und Cafés an der Avenida da Liberdade sind.

Nichtsdestotrotz, und mit viel Durst, habe ich mich wie gesagt in ein Café gesetzt, und einen „frisch gepressten“ Orangensaft getrunken.
Oder besser: trinken wollen!

Denn seinen schon abgestandenen Orangensaft in einem mit Lippenstift verschmutzten Glas vorgesetzt zu bekommen, ist, selbst für mich, eine Überschreitung der erträglichen Schmerzgrenze.
Und da hört bei mir auch die Vaterlandsliebe auf.

Sollten sie, liebe(r) Leser(in) jemals nach Lissabon kommen, meiden sie es an der Avenida da Liberdade etwas Kulinarisches zu sich zu nehmen.
Flanieren sie die Avenida entlang, denn das ist wirklich ein Highlight.
Aber meiden sie die Restaurants und Cafés dieser Avenida!

Und sagen sie hinterher nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!

Freitag, 12. Juni 2009

Mister Five Percent



Die Tatsache das Portugal im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben ist, und somit keine eigenen Opfer auf den Schlachtfeldern der Welt erleiden musste, sehen heute noch viele Portugiesen als ein Glücksfall der Geschichte an. Trotz all der Entbehrungen die die Portugiesen über sich ergehen lassen mussten, kamen sie recht gut davon und mussten nicht wie andere Nationen hungern, kriegsleiden und sterben. Von diesem Standpunkt ausgesehen, waren die Kriegsjahre für Portugal Glücksjahre.
Aber 1942 sollte sich als „das“ Glücksjahr schlechthin erweisen. Denn in diesem Jahr kam der armenische Ölmilliardär Calouste Sarkis Gulbenkian nach Lissabon - und blieb.
Gulbenkian wurde am 1. März 1869, in der Nähe von Istanbul als Sohn eines wohlhabenden armenischen Petroleumhändlers geboren. Schon als Kind zeigte er Interesse an Kunst. Man erzählt sich, dass er als Siebenjähriger mit seinem Taschengeld eine alte Münze auf einem Flohmarkt in Istanbul ergatterte. Diese Münze sollte das erste Stück der berühmten Gulbenkian-Sammlung werden. Sie ist heute im gleichnamigen Museum ausgestellt.
Mit 18 Jahren zog Gulbenkian nach England und fing an Ingenieurwissenschaften an der Londoner Universität zu studieren. Mit erst 22 Jahren besuchte er dann Mesopotamien, im heutigen Irak, und erforschte die dortigen Ölfelder. Der Forschungsbericht den er verfasste veranlasste eine internationale Kommission zu Probebohrungen und damit begann Gulbenkians Karriere und Iraks Ölförderung.
Als einer der Gründer der Iraq Petroleum Company handelte er 1928 mit Shell, BP und Mobil die Aufteilung der Gesellschaft aus und sicherte sich eine 5%-Beteiligung – daher auch sein Spitzname „Mister Five Percent“ - an den drei heutigen Multis. Zeitweilig galt Calouste Gulbenkian sogar als der reichster Mann der Welt.
Gulbenkian war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein eifriger Sammler. Aber er kaufte Kunst nicht einfach drauf los.
Nein, man erzählt sich, dass er jedes einzelne Objekt gnadenlos vor dem Erwerb studierte. Manche Stücke bewahrte er monatelang in seinem Haus auf, bis er endlich zu dem Entschluss kam ob er es kaufen oder nicht kaufen sollte. Für den Erwerb des Tafelsilbers der russischen Zarenfamilie z.B., brauchte er über vier lange Jahre!
Calouste Gulbenkian kam ungewollt nach Portugal.
Er war im Unfrieden aus London weggegangen. Ihm, der 1902 die britische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, wurden nun die Gewinne aus seinen Geschäften plötzlich als Feindeseigentum beschlagnahmt. Nach Istanbul konnte er nicht, denn dort herrschte der Krieg. Und auch in Paris, wo er lebte, wurde es ihm langsam zu unsicher, denn die deutschen Truppen kamen immer näher.
Eigentlich wollte er nach Amerika auswandern, als er eines Abends in London, dem portugiesischen Botschafter in Großbritannien, Armindo de Sttau Monteiro begegnete, und der ihm anbot nach Lissabon zu kommen. Als der Botschafter ihm diesen Vorschlag machte, konnte sich keiner erträumen das Gulbenkian später einmal all sein Vermögen nach Portugal bringen würde und hier seine Stiftung gründen würde.
Aber Gulbenkian sollte niemals vergessen, dass das friedliche Lissabon, das er bis dahin noch nicht einmal kannte, ihn 1942 liebenswürdig, gastfreundlich und mit offenen Armen empfangen hatte.
Bis zu seinem Tod, im Jahre 1955, wohnte er in einer luxuriösen Suite des Hotels Aviz (da, wo heute das Sheraton steht). Er starb ohne Ehefrau und kinderlos.
Als er starb hinterließ er all sein Geld (es sollen nach heutigem Wert mehr als 6 Milliarden Dollar gewesen sein) der von ihm gegründeten Stiftung „Fundação Calouste Gulbenkian“ in Lissabon.
Von der Stiftung, die alljährlich mehrere hundert Millionen abwirft, und die mit ihrem beträchtlichen Vermögen ein kleiner Staat im Staate ist, wird die Hälfte für die Kunst ausgegeben. Aber auch die Wohltätigkeit, die Wissenschaft und die Erziehung profitieren von Gulbenkians Geld. Aus dem kulturellen Leben des Landes ist die Stiftung nicht mehr wegzudenken: Sie vergibt Stipendien und Auslandsstipendien, veranstaltet Konzerte, Filmretrospektiven, Kurse, wissenschaftliche Tagungen, unterhält ein weltberühmtes Ballett, ein Observatorium, mehrere Konzertsaale, leitet eine wertvolle Bibliothek und führt natürlich das einzigartige Museum in Lissabon, sowie ein anderes in Paris. Zum Museum in Lissabon gehört auch ein riesiger Park, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Im Museumscafé kann man wunderbar frühstücken oder nachmittags sein Kaffee trinken.
Um sich eine Vorstellung von der Höhe des Geldbetrages zu machen (ich konnte es bis zur Recherche dieses Textes nicht!) von dem wir hier reden, so muss man wissen das der zur Verfügung stehende Gesamtbetrag der alljährlichen Gelder der Gulbenkianstiftung mehr als doppelt so groß ist, wie die Mittel der Rockefeller Foundation in New York!
Calouste Sarkis Gulbenkian sagte einmal: „Ich bin unwiderstehlich jeglichem Ausdruck von Kunst und Schönheit verfallen“.
Wir danken ihm dafür, von ganzem Herzen!
Anmerkung: Ich werde in einem späteren post ausführlicher über das Gulbenkian-Museum und seine Kunstschätze, in der Avenida de Berna, schreiben.

Dienstag, 9. Juni 2009

Kopfarbeiter mit Bauchgefühl


Während andere Nationen, wie die USA und Deutschland, dutzendweise Nobelpreisträger der Literatur, der Medizin, der Chemie, der Physik usw. vorweisen können, kann Portugal seit dem Anfang der Vergabe der Nobelpreise nur zwei Preisträger vorweisen.

Und meiner persönlichen Meinung nach, verdient nur einer von ihnen wirklich den Nobelpreis. Der andere, José Saramago, muss zum Nobelpreis gekommen sein, wie die Jungfrau zum Kinde.
Denn persönlich finde ich die Vergabe des Literaturnobelpreises an den Schriftsteller José Saramago, vor wenigen Jahren, eine der größten Fehlentscheidungen in der Geschichte der schwedischen Nobelakademie.
Aber wohlgemerkt, ich offenbare hier nur meine ganz persönliche Meinung!

Aber über José Saramago soll dieses post ja gar nicht handeln.
Im Gegenteil, ich wollte hier über den anderen portugiesischen Nobelpreisträger, Prof. Dr. Egas Moniz, Nobelpreisträger für Medizin, schreiben.

Egas Moniz wird 1874 in Estarreja, in den Schoß einer wohlhabenden Familie geboren. Die Tatsache, dass die Familie wohlhabend ist, erleichtert es ihm, neurologische und neurochirurgische Medizin (Gehirnmedizin) an der Universität von Coimbra zu studieren.
Von 1902 bis 1911 praktiziert Egas Moniz an verschiedenen Krankenhäusern als Gehirnchirurg in Paris und Bordeaux.
1911 wird er Professor für Neurologie an der Universität von Lissabon.
Zwischendurch, von 1917-1919, ist er mal kurz portugiesischer Außenminister, denn er ist nicht nur Mediziner sondern auch Politiker, und ab 1927 fängt er seine Experimente mit Gehirnkranken an.

1936 gelingt ihm, sprichwörtlich, der Durchbruch.
Er operiert eine schwer depressive Patientin, und kann diese, durch eine neue, von ihm erfundene Operationsmethode, heilen. (ab hier übersetze ich frei aus einer Apothekerzeitschrift)
…mit einem Bohrer durchbohrt er das Gehirn der Patientin, mit zwei kleinen Löchern. Per Hand erweitert er die Löcher und injiziert anschließend Alkohol in die Nervenbahnen des Vorderhirns, die dadurch absterben. Leukotomie nennt er sein drastisches Verfahren, das zu einem positiven Ergebnis führt. Überall auf der Welt fangen Neurologen an, dieses Verfahren anzuwenden, und können so, schwer depressive Patienten heilen, manche sogar vollständig…

Als Kollegen aus aller Welt ihn fragen, wie er zu dieser revolutionären Methode gekommen ist, antwortet er, er hätte aus reinem Bauchgefühl heraus, den Bohrer bei der Patientin am OP-Tisch angesetzt. Er hatte es vorher gar nicht vorgehabt…

1949, auf der Höhe seines wissenschaftlichen Schaffens, wird Egas Moniz dann mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Leider wird Egas Moniz kein Glück mit seiner Arbeit haben.
Ein schizophrener Patient schießt bei einem Krankenbesuch mit einer Pistole auf ihn und verletzt ihn so schwer, dass Moniz für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt bleibt. 1955 stirbt Egas Moniz in Lissabon, an seinem Schreibtisch, an einem Herzschlag.