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Freitag, 6. Januar 2012

Bolo Rei


Heute, nach Feierabend, habe ich über 90 Minuten in der Confeitaria Nacional angestanden, um mir einen Bolo Rei zu kaufen.
Viele werden sich jetzt wohl Fragen:

1. Was oder wer ist die Confeitaria Nacional?
2. Was ist ein Bolo Rei?
3. Wieso steht jemand, nach einem langen und stressigen Arbeitstag, freiwillig 90 Minuten irgendwo an?

Nun, die Antworten auf diese drei Fragen lauten wie folgt:

Die Confeitaria Nacional (dt.: Nationale Konditorei) ist wohl die beste Konditorei, nicht nur hier in der Hauptstadt, sondern wohl des ganzen Landes – wenn nicht gar eine der Besten Europas!
In dieser Konditorei wurde im Jahre 1870 zum ersten Mal ein Bolo Rei gebacken und dann angeboten.
Überhaupt ist der Bolo Rei unweigerlich mit der Geschichte dieser Konditorei verbunden.

Ein Bolo Rei (port.: Königskuchen) ist ein portugiesischer Weihnachtskuchen der heute hier in Portugal auf keinem Weihnachtstisch fehlen darf.
Er ist mit dem deutschen Christstollen vergleichbar, und man isst ihn traditionell in der Weihnachtszeit bis zum 06. Januar herum, dem Tag der Heiligen Drei Könige.

Heute ist es aber auch so, das man in manchen Konditoreien das ganze Jahr über einen Bolo Rei käuflich erwerben kann.
In meiner Familie wird meistens erst am 06. Januar traditionell ein Bolo Rei in der Confeitaria Nacional gekauft und dann gegessen – so wie heute.

Und somit ist dann auch die dritte Frage beantwortet, warum ich nämlich freiwillig irgendwo 90 Minuten anstehe um mir solch einen Kuchen zu kaufen.
Ich stehe aus Tradition so lange an!
Und ich bin da weiß Gott nicht der einzige.
Hunderte Portugiesen stellen sich jedes Jahr in dieser Konditorei an, um sich einen Bolo Rei zu besorgen.

Seinen Namen hat dieser mit kandierten Früchten, Rosinen und Nüssen dekorierte Kuchen wegen seiner kranzförmigen Form, die eine Königskrone symbolisieren soll.
Der Bolo Rei, so wie wir ihn heute kennen, kam zwar um das Jahr 1870 in besagter Confeitaria Nacional in den Handel.
Aber diesen Typ von Früchtekuchen soll es schon bei den alten Römern gegeben haben.

Das Römische Reich hatte irgendwann einmal ein Ende, aber die Römer hinterließen das Rezept des Kuchens in vielen Teilen ihres ehemaligen Reiches zurück – unter anderem auch bei den Galliern.
Fakt ist, das es in Frankreich zu Zeiten König Ludwig XIV, traditionell einen Früchtekuchen zum Jahreswechsel, bzw. zum Fest der Heiligen Drei Könige, gab.

Nach der Französischen Revolution und der Abschaffung der Monarchie im Jahre 1789 durfte der Kuchen nicht mehr unter seinem royalen Namen „Gâteau roi“ (dt.: Königskuchen) verkauft werden.
So nannten ihn die Konditoren der neuen Französischen Republik fortan nur noch „Gâteau des Sans-culottes“ (dt.: Sansculottenkuchen), abgeleitet nach dem Begriff „sans culottes“ (dt.: ohne Kniebundhose).
Sans culottes wurden in dieser revolutionären Zeit Frankreichs die normalen Bürger genannt, die im Gegensatz zu den Adeligen, immer lange Hosen trugen.

Als Baltazar Rois Castanheiro Jr., der Sohn des Begründers der Confeitaria Nacional, dann im Jahre 1870, nach einem Besuch in Paris, das Rezept des beliebten Kuchens nach Portugal brachte, fing er an auch hierzulande unter dem Namen Bolo Rei (dt.: Königskuchen) beliebt und bekannt zu werden.

Als aber im Jahre 1910 in Portugal die Republik ausgerufen wurde, ereilte dem Bolo Rei (dt.: Königskuchen) das gleiche Schicksal wie dem „Gâteau roi“ im revolutionären Frankreich.
Er musste als Symbol der Monarchie per Gesetz den Namen wechseln.
So wurde er in den ersten Jahren der Republik „Bolo Republicano“ (dt.: Republikanischer Kuchen), „Bolo de Ano Novo“ (dt.: Neujahrskuchen), „Bolo Nacional“ (dt.: Nationaler Kuchen) und sogar „Bolo Presidente“ (dt.: Präsidentenkuchen) genannt.
Nach den ersten Wirren der Republik wurde der Kuchen aber alsbald vom Volk wieder „Bolo Rei“ genannt.

Traditionell backte man früher den Kuchen mit einer Saubohne (port.: fava) und einer Silbermünze.
Die Münze, die dann mit den Jahren durch eine in Backpapier umwickelte kleine versilberte Figur ersetzt wurde, durfte von demjenigen behalten werden, dem sie beim aufschneiden des Kuchens per Zufall zufiel.
Wer aber die Saubohne bekam, musste traditionell den nächsten Bolo Rei ausgeben.

Als Portugal im Jahre 1986 der Europäischen Union beitrat, musste Portugal dann mit dieser alten Tradition brechen. Laut EU-Richtlinien war es nämlich verboten Lebensmittel, also auch Kuchen, mit metallenen Gegenständen zu verkaufen, auch wenn es nur eine kleine silberne fingernagelgroße Figur war.

Heute ist der Bolo Rei beliebter denn je.
In der Weihnachtszeit bis in den Januar hinein, stellt jede Bäckerei und Konditorei ihren eigenen Bolo Rei her.
Aber den besten gibt es wirklich, meiner Meinung nach, in besagter Confeitaria Nacional.
Da aber die Geschmäcker verschieden sind, gibt es wohl keinen besseren Weg dies herauszufinden, als ihn selber einmal zu probieren!

Mittwoch, 6. Januar 2010

Die Heiligen Drei Königinnen


Nach der Meinung einer sehr guten Freundin von mir, ist die Bibel das wohl frauenfeindlichste Schriftwerk der Menschheit.
Nun, das mag ein jeder so sehen wie er will, und sicherlich hat sie ansatzweise auch Recht.
Nur darf sie, und alle die, die vehement auf die Gleichberechtigung der Frauen pochen, nicht vergessen, das die Bibel in einer Zeit geschrieben wurde, als Frauen leider generell wenig Meinungsfreiheiten hatten.
Schließlich ist die Bibel ja nicht eine Erfindung von heute, sondern ein zweitausend Jahre altes Schriftstück!

Und machen wir uns nicht vor, wie sehe die Welt wohl heute aus, wenn in gewissen Stellen der Bibel die Frauen die Hauptrolle spielen würden und nicht die Männer.

Heute, am 06. Januar, feiern wir den Tag der „Heiligen Drei Könige“.
Was wäre z.B., wenn es anstatt der drei heiligen Könige, „Drei Heilige Königinnen“ gewesen wären, die das Christkind in Bethlehem aufgesucht hätten?

Nun, im Gegensatz zu ihren männlichen Vorbildern wären sie bestimmt nicht zwei Wochen unterwegs gewesen, denn sie hätten garantiert zwischendurch mal nach dem Weg gefragt.
Dann hätten sie garantiert den Stall durchgefegt, aufgeräumt und auf Vordermann gebracht.
Anstatt Weihrauch und Myrrhe hätten sie dem Christkind wohl nützlichere Geschenke gebracht, wie Windeln, Hipp-Gläser und einen Schnuller.
Und sie hätten bestimmt für alle Anwesenden etwas zum Essen mitgenommen.

Aber was hätten diese „Drei Königinnen“ wohl gesagt, wenn sie dann den Heimweg angetreten wären?
Bestimmt hätten sie, wenn sie dem Stall den Rücken zugekehrt hätten, solche Dinge von sich gegeben wie:

- habt ihr die Schuhe von Maria gesehen? Die passen überhaupt nicht zum Kleid!
- Das Christkind sieht dem Josef überhaupt nicht ähnlich, meint ihr nicht auch?
- Wie können die sich nur die ganzen Tiere zuhause halten? Dieser Gestank!
- Und Josef, der ist doch bestimmt Arbeitslos!...

So gesehen ist mir die von der Bibel überlieferte Variation der Geschichte Tausend mal lieber…