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Montag, 5. Dezember 2011

Max Raabe & Palast Orchester


Wenn man Max Raabe auf der Bühne sieht, meint man, man wäre in einem Film von Fred Astaire.
Aber Max Raabe lebt eindeutig im hier und heute, obwohl er musikalisch ohne Zweifel in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zuhause ist.

Vor Tagen rief mich mein Freund Stefan Stalling an, und fragte mich, ob ich denn nicht Lust hätte, auf ein Konzert von Max Raabe zu gehen, da er eine Karte übrig hatte.
Begeistert sagte ich sofort zu und so gingen wir gestern in die Gulbenkianstiftung (port.: Fundação Calouste Gulbenkian) um uns dort ein Konzert des talentierten Sängers anzuhören.

Begleitet wurde Max Raabe von seinem Palast Orchester, welches aus den Künstlern Cecilia Crisafulli, Rainer Fox, Sven Bährens, Johannes Ernst, Bernd Frank, Thomas Huder, Michael Enders, Jörn Ranke, Bernd Hugo Dieterich, Ulrich Hoffmeier, Vincent Riewe und Ian Wekwerth besteht.

Max Raabe wurde im Jahre 1962, im nordrhein-westfälischen Lünen, geboren.
Er ist zwar ausgebildeter Opernsänger, aber sein ganzes Herz gehört der Musik der 20er, 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts.
1986 gründete er mit einigen Studienkollegen das schon erwähnte Palast Orchester.
Gemeinsam gingen sie daran mit Hilfe alter Schallplatten, die sie zumeist auf den verschiedensten Flohmärkten erstanden, die Lieder besagter Zeit zum Besten zu geben.

Mit Erfolg!
Bis heute sind Max Raabe & Palast Orchester eine feste Größe der klassischen Musik in Deutschland!
Raabe ist ein begnadeter Sänger, spielte in mehreren Filmen mit und viele der Lieder die er singt, schreibt er auch selber.
Er ist wohl das, was man ein musikalisches Allroundtalent nennt.

Sein letztes Projekt hob er mit Annette Humpe aus der Taufe. Gemeinsam produzierten sie das Album „Küssen kann man nicht alleine“ (port.: „São preciso dois para haver um beijo“), mit dessen Lieder er nun auf Tournee ist.
Dieses Album war es nun auch, der ihn hier nach Portugal brachte, wo er im Großen Auditorium der besagten Gulbenkianstiftung gestern aufgetreten ist.

Das Konzert fand praktisch vor ausverkauftem Haus statt.
Wir, das Publikum, waren durchweg begeistert.
Und diese Begeisterung dankten uns Max Raabe & Palast Orchester zum Schluss mit drei originellen Zugaben.

Es war, ohne Übertreibung, ein kulturell und musikalisch äußerst wertvoller Abend, für das ich Stefan nur danken kann!

Dienstag, 17. November 2009

Depeche Mode


Ich bin eigentlich nicht der Typ von Mensch, der entgangenen Chancen und Gelegenheiten nachtrauert.
Im Gegenteil, ich bin eher der Typ von Mensch, der nach vorne schaut und generell nichts, aber auch wirklich nichts, bereut.

Aber ich muss zugeben, das es auch Momente in meinem Leben gibt, wo ich mir denke: „Warum hast du dies oder jenes nicht gemacht?!?“
Und so ein Moment in meinem Leben mache ich gerade durch.

An diesem Sonntagmorgen musste ich nämlich aus einer Tageszeitung erfahren, wie spektakulär das am Vorabend von Depeche Mode gegebene Konzert im Lissabonner „Pavilhão Atlantico“ gewesen war.

Ich bin Depeche Mode Fan, seit der ersten Stunde.
Schon immer habe ich die Jungs gerne gehört und mir alle ihre Platten, bzw. CD´s besorgt.
Nachdem ich vor vielen Jahren an einem Konzert der Band in der Frankfurter Festhalle teilgenommen hatte, wollte ich dieses Jahr, im Juli, an ihrem einzigen Konzert in Portugal, anlässlich ihrer Welttournee „Sounds of the Universe“, teilnehmen.
Aber im Juli sagten DM, vier Tage vor ihrem Auftritt, das Konzert leider ab, und abertausende Fans, unter ihnen auch ich, nahmen das den Jungs sehr übel.

Als Depeche Mode nun am 14. November das Konzert nachholen wollten, hatte ich mir selbst geschworen, diesmal würde ich Depeche Mode selber „abzusagen“!
Ich wollte mir nicht eine Eintrittskarte kaufen, um dann wieder aus den Nachrichten zu erfahren:
„Depeche Mode sagen ihr Konzert in Lissabon erneut ab!“

Also blieb ich am Samstagabend zuhause, las ein gutes Buch, schaute ein wenig Fernsehen und ging rechtzeitig zu Bett, während in der Zwischenzeit Depeche Mode im „Pavilhão Atlantico“ anscheinend ein großartiges Konzert gaben.

Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher sollen sich ganz schön ins Zeug gelegt haben, um ihren Fans zu beweisen, dass ihnen die Konzertabsage vom Juli leit tat.

Sie fingen das Konzert mit den Hits „In Chains“, „Wrong“ und „Hole to Feed“ aus ihrem neuen Album „Sounds of the Universe“ an, bevor sie dann an das Eingemachte gingen, und ihre musikalischen Schätze auspackten.
Unter anderem sangen sie „World in my Eyes“, „Policy of Truth“, „I feel you“ und „Never let me down again“.
Weiter ging es dann mit „Stripped“ und „Personal Jesus“, bevor sie dann zum Schluss „Enjoy the Silence“ sangen, mein Lieblingslied der Band.

Und jetzt, nachdem ich dies nun alles aus der Zeitung erfahren habe, muss ich mich immer wieder fragen:
„Warum bloß, bin ich nicht in dieses Konzert gegangen???“

Es gibt Dinge, die sollte man sich wirklich zwei Mal überlegen.
Es könnte sein, das man sie dann sonst hinterher bereut!...

Freitag, 12. Juni 2009

Mister Five Percent



Die Tatsache das Portugal im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben ist, und somit keine eigenen Opfer auf den Schlachtfeldern der Welt erleiden musste, sehen heute noch viele Portugiesen als ein Glücksfall der Geschichte an. Trotz all der Entbehrungen die die Portugiesen über sich ergehen lassen mussten, kamen sie recht gut davon und mussten nicht wie andere Nationen hungern, kriegsleiden und sterben. Von diesem Standpunkt ausgesehen, waren die Kriegsjahre für Portugal Glücksjahre.
Aber 1942 sollte sich als „das“ Glücksjahr schlechthin erweisen. Denn in diesem Jahr kam der armenische Ölmilliardär Calouste Sarkis Gulbenkian nach Lissabon - und blieb.
Gulbenkian wurde am 1. März 1869, in der Nähe von Istanbul als Sohn eines wohlhabenden armenischen Petroleumhändlers geboren. Schon als Kind zeigte er Interesse an Kunst. Man erzählt sich, dass er als Siebenjähriger mit seinem Taschengeld eine alte Münze auf einem Flohmarkt in Istanbul ergatterte. Diese Münze sollte das erste Stück der berühmten Gulbenkian-Sammlung werden. Sie ist heute im gleichnamigen Museum ausgestellt.
Mit 18 Jahren zog Gulbenkian nach England und fing an Ingenieurwissenschaften an der Londoner Universität zu studieren. Mit erst 22 Jahren besuchte er dann Mesopotamien, im heutigen Irak, und erforschte die dortigen Ölfelder. Der Forschungsbericht den er verfasste veranlasste eine internationale Kommission zu Probebohrungen und damit begann Gulbenkians Karriere und Iraks Ölförderung.
Als einer der Gründer der Iraq Petroleum Company handelte er 1928 mit Shell, BP und Mobil die Aufteilung der Gesellschaft aus und sicherte sich eine 5%-Beteiligung – daher auch sein Spitzname „Mister Five Percent“ - an den drei heutigen Multis. Zeitweilig galt Calouste Gulbenkian sogar als der reichster Mann der Welt.
Gulbenkian war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein eifriger Sammler. Aber er kaufte Kunst nicht einfach drauf los.
Nein, man erzählt sich, dass er jedes einzelne Objekt gnadenlos vor dem Erwerb studierte. Manche Stücke bewahrte er monatelang in seinem Haus auf, bis er endlich zu dem Entschluss kam ob er es kaufen oder nicht kaufen sollte. Für den Erwerb des Tafelsilbers der russischen Zarenfamilie z.B., brauchte er über vier lange Jahre!
Calouste Gulbenkian kam ungewollt nach Portugal.
Er war im Unfrieden aus London weggegangen. Ihm, der 1902 die britische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, wurden nun die Gewinne aus seinen Geschäften plötzlich als Feindeseigentum beschlagnahmt. Nach Istanbul konnte er nicht, denn dort herrschte der Krieg. Und auch in Paris, wo er lebte, wurde es ihm langsam zu unsicher, denn die deutschen Truppen kamen immer näher.
Eigentlich wollte er nach Amerika auswandern, als er eines Abends in London, dem portugiesischen Botschafter in Großbritannien, Armindo de Sttau Monteiro begegnete, und der ihm anbot nach Lissabon zu kommen. Als der Botschafter ihm diesen Vorschlag machte, konnte sich keiner erträumen das Gulbenkian später einmal all sein Vermögen nach Portugal bringen würde und hier seine Stiftung gründen würde.
Aber Gulbenkian sollte niemals vergessen, dass das friedliche Lissabon, das er bis dahin noch nicht einmal kannte, ihn 1942 liebenswürdig, gastfreundlich und mit offenen Armen empfangen hatte.
Bis zu seinem Tod, im Jahre 1955, wohnte er in einer luxuriösen Suite des Hotels Aviz (da, wo heute das Sheraton steht). Er starb ohne Ehefrau und kinderlos.
Als er starb hinterließ er all sein Geld (es sollen nach heutigem Wert mehr als 6 Milliarden Dollar gewesen sein) der von ihm gegründeten Stiftung „Fundação Calouste Gulbenkian“ in Lissabon.
Von der Stiftung, die alljährlich mehrere hundert Millionen abwirft, und die mit ihrem beträchtlichen Vermögen ein kleiner Staat im Staate ist, wird die Hälfte für die Kunst ausgegeben. Aber auch die Wohltätigkeit, die Wissenschaft und die Erziehung profitieren von Gulbenkians Geld. Aus dem kulturellen Leben des Landes ist die Stiftung nicht mehr wegzudenken: Sie vergibt Stipendien und Auslandsstipendien, veranstaltet Konzerte, Filmretrospektiven, Kurse, wissenschaftliche Tagungen, unterhält ein weltberühmtes Ballett, ein Observatorium, mehrere Konzertsaale, leitet eine wertvolle Bibliothek und führt natürlich das einzigartige Museum in Lissabon, sowie ein anderes in Paris. Zum Museum in Lissabon gehört auch ein riesiger Park, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Im Museumscafé kann man wunderbar frühstücken oder nachmittags sein Kaffee trinken.
Um sich eine Vorstellung von der Höhe des Geldbetrages zu machen (ich konnte es bis zur Recherche dieses Textes nicht!) von dem wir hier reden, so muss man wissen das der zur Verfügung stehende Gesamtbetrag der alljährlichen Gelder der Gulbenkianstiftung mehr als doppelt so groß ist, wie die Mittel der Rockefeller Foundation in New York!
Calouste Sarkis Gulbenkian sagte einmal: „Ich bin unwiderstehlich jeglichem Ausdruck von Kunst und Schönheit verfallen“.
Wir danken ihm dafür, von ganzem Herzen!
Anmerkung: Ich werde in einem späteren post ausführlicher über das Gulbenkian-Museum und seine Kunstschätze, in der Avenida de Berna, schreiben.