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Montag, 10. August 2015

Musikfestival unter der Sonne von Costa de Caparica


Am kommenden Wochenende steigt im Badeort Costa de Caparica, südlich von Lissabon, wieder das Musikfestival „O Sol da Caparica“, ein Event das sich über vier Tage hinzieht und auf dem rein portugiesischsprachige Musik zu hören sein wird.

Musiker und Bands aus Portugal und den lusophonen Ländern Brasilien, Cabo Verde, Angola und São Tomé und Principe werden hier live die unterschiedlichsten Musikgenre, wie z.B. Fado, Rock, Reggae oder Hip Hop, zum besten geben und so die portugiesische Musik, in Zeiten in dem die englischsprachige Musik immer präsenter wird, würdigen.

Vom 13. bis zum 14. August werden über 30 verschiedene portugiesischsprachige Sangeskünstler und Musikpoeten den Badeort Costa de Caparica in eine Beachparty verwandeln.
Am Sonntag, dem 15. August, werden die Sänger Avô Cantigas und Luisa Sobral versuchen dem Publikum von Morgen – den Kindern – ein ganz besonderes Konzert mit vielen Kinderliedern und –melodien zu geben.

Hier die Agenda für das diesjährige Festival „O Sol da Caparica“ für all diejenigen die portugiesischer Musik mögen und diese vielleicht auch mal gerne live hören wollen:

13. August (Donnerstag)
-       Camané (Fado)
-       Carlão (Hip Hop)
-       Dengaz (Reggae)
-       DJ Marfox (Kuduro)
-       HMB (Soul)
-       Marcelo D2 (Rap)
-       Resistência (All-Star-Projekt)
-       Richie Campbell (Reggae)
-       The Legendary Tigerman (Blues)
-       UHF (Rock)
-       Mimicat (Soul & Blues)

14. August (Freitag)
-       Brigada Victor Jara (portuguisische Volksmusik)
-       Dino D´Santiago (Hip Hop)
-       Jorge Palma (Rock)
-       Linda Martini (Punk Rock)
-       Paulo Flores (Kizomba)
-       Paulo Gonzo (Schlager/Pop)
-       PAUS (Pop)
-       TIM (Pop)
-       Vitorino & Som Habanero (traditionelle Volksmusik)
-       Oquestrada (AtlanticBeat/Fado)
-       DJ Mastiksoul (Housemusik)

15. August (Samstag)
-       Agir (portugiesische Volksmusik)
-       Batida (Beat/Pop)
-       Luis Represas (Pop)
-       Miguel Araújo (Rock/Folk/Pop/Bossa Nova)
-       Regula (Rap)
-       Tito Paris (akrikanische Volksmusik)
-       Xutos & Pontapés (Rock)
-       Tiago Bettencourt (Rock)
-       Berg (Pop/Rock)

16. August (Sonntag)
-       Avô Cantigas (Kinderlieder)
-       Luisa Sobral (Jazz)

Die Stadt Costa de Caparica liegt südlich von Lissabon, auf der anderen Flussseite des Tejo. Die knapp 15.000 Einwohner zählende Stadt ist berühmt für ihre weitläufigen und feinsandigen Strände und dank diesen lebt der Ort hauptsächlich vom Tourismus.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Welterbe der UNESCO in Portugal


Als Ende November dieses Jahres die UNESCO den originellen Chorgesang Cante Alentejano auf ihre Liste des Immateriellen Kulturwelterbes setzte, war diese prestigeträchtige Liste um eine kulturelle Tradition und Ausdrucksform reicher.
Nach dem Fado ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische darstellende Kunst die es auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft hat.

Die Liste des UNESCO-Welterbes umfasst aber nicht nur diese zwei portugiesischen Kulturformen, sondern auch 14 Weltkulturdenkmäler und ein Weltnaturdenkmal.
Außerdem sind im Rahmen des im Jahre 1992 gegründeten Programms „Memory of the World“ (port.: „Memória do Mundo“ / dt.: „Gedächtnis der Welt“) auch fünf wertvolle portugiesische Handschriften oder Handschriftensammlungen in das Weltdokumentenerbeverzeichnis aufgenommen worden.

Hier nun die Liste des gesamten UNESCO-Welterbes in Portugal:

Weltkulturerbe (port.: Património Mundial da Cultura)

-   Kloster der Heiligen Maria von Alcobaça
Das Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça) wurde im Jahre 1989 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Aus dem 12. Jahrhundert stammend, beherbergt die riesige Zisterzienserklosteranlage, außer den üblichen Wirtschaftsräumen eines Klosters, fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, eine Bibliothek und die größte Kirche Portugals
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Alcobaça“ vom 17. November 2013)

-   Weinanbaugebiet des Alto Douro
Das steile Tal des Alto Douro und seine Weinanbaukultur (port.: Região Vinhateira do Alto Douro) sind seit 2001 Weltkulturerbe. Mit den Tälern weniger Nebenflüsse bildet der Alto Douro das älteste gesetzlich abgegrenzte Weinanbaugebiet der Welt! Es beginnt 100 km östlich der Stadt Porto und zieht sich über 120 km in Richtung spanisch-portugiesische Grenze. Nur in dieser Region, die auch als „País do Vinho“ (dt.: Weinland)  bezeichnet wird und in der seit über 2.000 Jahre Weinanbaukultur praktiziert wird, darf u. a. der weltberühmte Portwein angebaut werden.

-   Historisches Stadtzentrum von Angra do Heroismo
Die Stadt Angra do Heroismo, auf der Azoreninsel Terceira, ist die erste portugiesische Stadt die außerhalb Festlandportugals im Jahre 1534 gegründet wurde. Das historische Stadtzentrum von Angra do Heroismo hat mehrere besuchenswerte stattliche Barockbauten, eine schöne Kathedrale und eine mächtige Burg, den Castelo de São João Baptista, von dem man eine prächtige Panoramasicht über die Stadt hat. Bis 1822 war Angra do Heroismo die Hauptstadt der Azoren, bis es dann von Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, abgelöst wurde. Aber noch heute gilt die Stadt, die 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde, als der kulturelle Mittelpunkt der Azoren
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Die Azoreninsel Terceira“ vom 8. September 2009)

-   Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico
Der jungvulkanische Boden der Azoreninsel Pico ist auf weiten Stecken völlig ohne Humusdecke, was kaum eine erträgliche Landwirtschaft zulässt. Agrarisch ertragreich ist lediglich der Weinanbau an den mühevoll bearbeiteten Hängen des Pico Alto, einem noch heute tätigen Vulkan der mit 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist. Seit dem 15. Jahrhundert ist Pico für seine exquisiten Weine berühmt. Im Jahre 2004 nahm die UNESCO die Weinanbaukultur der Azoreninsel Pico (port.: Cultura da Vinha da Ilha do Pico) in ihre Welterbeliste auf
(lesen sie hierzu auch bitte einem Blogeintrag „Die Azoreninsel Pico“ vom 05. September 2009)

-   Kloster von Batalha
Die schlichte Stadt Batalha, zwischen Lissabon und Coimbra in einem fruchtbaren Talkessel des Flusses Lena gelegen, wäre wohl kaum jemanden bekannt, gäbe es da nicht das ehemalige Dominikanerkloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht (port.: Mosteiro de Santa Maria da Vitótia da Batalha). Das sich an der Nordseite des Ortes erhebende Kloster wurde 1387 von König João I auf Grund eines Gelübdes gegründet, das er am 14. August 1385, zu Beginn der für die Unabhängigkeit Portugals vom Königreich Kastilien siegreichen und entscheidenden Schlacht von Aljubarrota, abgelegt hatte. Das Kloster von Batalha ist das große steinerne Freiheitsdenkmal der Portugiesen. Es wurde im Jahre 1840 zum Nationaldenkmal erklärt und ist seit 1983 Weltkulturerbe
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Batalha“ vom 21. Juni 2011)

-   Universität von Coimbra
In der Altstadt von Coimbra befindet sich die ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit all ihren alten Universitätsgebäuden, ihrer Universitätskirche, ihrer grandiosen Bibliothek und dem angrenzenden Botanischen Garten. Sie ist die älteste und bedeutendste Universität Portugals und eine der renommiertesten in Europa. Die Universität ist auch heute, über 700 Jahre nach ihrer Gründung, mit ihren Studenten ein kultureller und wissenschaftlicher Mittelpunkt Portugals
(lesen sie hierzu auch meine zwei Blogeinträge „Die Universität von Coimbra“ vom 18. Januar 2012 und „Coimbras Universität ist Weltkulturerbe“ vom 22. Juni 2013)

-   Die Stadt Elvas und ihre Befestigungsanlagen
Nahe der spanisch-portugiesischen Grenze liegt die alte Garnisonsstadt Elvas, mit ihren 220 registrierten Baudenkmälern. Als Stützpunkt gegen das nahe gelegene spanische Badajoz wurde die „Königin der Grenze“, wie die Stadt auch genannt wird, seit dem späten Mittelalter mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und im 17. und 18. Jahrhundert mit mächtigen Forts gesichert, die zu den eindruckvollsten ihrer Zeit in Portugal gehören. Die Befestigungsanlagen von Elvas sind die größten und besterhaltenen der Welt! Seit 2012 ist diese alte Stadt Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte meinen Eintrag „Elvas, die Königin der Grenze, ist auch UNESCO-Weltkulturerbe“, vom 01. Juli 2012)

-   Historisches Stadtzentrum von Évora
Évora, die ehemalige Hauptstadt der Provinz Alentejo, steht seit dem Jahre 1986 auf der Liste des Weltkulturerbes. Die Stadt wird hier in Portugal wegen ihrer vielen historisch bedeutenden Bauwerke, darunter zahlreiche Stadtpaläste, Kirchen und Klöster, auch stolz „Cidade Museu“ (dt.: Museumsstadt) genannt
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Évora“ vom 11. November 2011)

-   Historisches Stadtzentrum von Guimarães
Guimarães, die Geburtsstadt des ersten portugiesischen Königs, Afonso Henriques I, war die erste Hauptstadt Portugals und trägt hierzulande auch den Beinamen „Berço da Nação“ (dt.: Wiege der Nation). Die recht malerische Altstadt von Guimarães mit ihrer stattlichen Burg, ihren zahlreichen Stadtpalästen, Kirchen, Klöstern und ihren blumengeschmückten Granithäusern ist seit 2001 Weltkulturerbe der UNESCO
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Guimarães“ vom 02. Januar 2012)

-   Turm von Belém und Hieronymuskloster in Lissabon
Belém, der südwestlichste Stadtteil Lissabons, ist wegen seiner großartigen historischen Baudenkmäler und höchst sehenswerten Museen berühmt. Die zwei wohl bekanntesten Bauwerke Lissabons, der Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das ehemalige Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) liegen in diesem Stadtteil. Beide Bauwerke sind bedeutende Beispiele manuelistischer Baukunst und eindrucksvolle Symbole für Portugals Macht und Reichtum zur Zeit der kolonialen Eroberungen. Sowohl der Turm als auch das Kloster sind seit 1983 Weltkulturerbe

-   Historisches Stadtzentrum von Porto
Die historische Altstadt von Porto (port.: Centro Histórico do Porto), der zweitgrößten Stadt Portugals, beherbergt mehrere bedeutende Bauwerke, wie etwa die gut erhaltene Stadtmauer, die imposante romanische Kathedrale, den neo-klassischen Börsenpalast oder die barocke Kirche Igreja dos Clérigos mit dem Wahrzeichen der Stadt, der Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchenglockenturm Portugals. Seit 1996 gehört das historische Stadtzentrum Portos zum Weltkulturerbe

-   Kulturlandschaft Sintra
Die von der UNESCO im Jahre 1995 qualifizierte Kulturlandschaft von Sintra (port.: Paisagem Cultural de Sintra) beinhaltet die Altstadt von Sintra und das romantische Sintragebirge mit all seinen exotischen Parks und prächtigen Gärten und den vielen architektonisch-einzigartigen Palästen, den jahrhundertealten Klöstern und den märchenhaften Schlössern
(lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Sintra“ vom 23. Juli 2013)

-   Christuskloster in Tomar
Die Tempelrittermönche des 1162 gegründeten Christusritterordens (port.: Ordem de cavalharia de Nosso Senhor Jesus Cristo) sind verantwortlich für den Bau der Klosteranlage von Tomar, die aus einer umfangreichen Gruppe imposanter und reich verzierter Gebäude des 12. bis 17. Jahrhunderts besteht. Einst „zur Verteidigung des Glaubens“ von den Tempelrittern erbaut, erlebte das im gotisch-manuelistischem Stil erbaute Christuskloster (port.: Convento de Cristo) unter seinen Großmeistern Heinrich dem Seefahrer und König Manuel I seine größte Blüte. Das Christuskloster wurde 1983 auf die Weltkulturerbeliste aufgenommen

-   Archäologischer Park im Tal des Côa
Im Nordosten Portugals befindet sich das Tal des Flusses Côa. In den steinernen Uferhängen dieses Flusstals wurden Ende des letzten Jahrhunderts mehrere Tausend eingravierte Felszeichnungen aus prähistorischer Zeit, manche von ihnen gut 30.000 Jahre alt, entdeckt. Diese Felsmalereien erstrecken sich über insgesamt 17 km im ganzen Tal und zeigen vor allem Tiermotive, wie man sie bisher nur aus Höhlen und Felsengrotten Mitteleuropas her kannte. Die prähistorischen Felsmalereien stehen seit 1998 auf der Liste des UNESCO-Welterbes

Weltnaturerbe (port.: Património Mundial da Natureza)

-   Der Lorbeerwald von Madeira
Der Lorbeerwald Madeiras bedeckt 20 % der Insel, also gut 150 qkm. Er besteht aus 20 verschiedenen, für die Insel charakteristischen Baumarten, wie z.B. den Madeira-Lorbeer (port.: vinhático / latein.: Persea indica), den Madeira-Holunder (port.: sabugueiro madeirense / latein.: Sambucus lanceolata), den Barbusano (port.: barbusano / latein.: Apollonias barbujana) oder den Stinklorbeer (port.: til / latein.: Ocotea foetens), sowie aus verschiedenen Farnarten. Im Dezember 1999 wurde dieser einzigartige Urwald zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt

Immaterielles Weltkulturerbe (port.: Património Cultural Imaterial da Humanidade)

-   Fado
Der Musikstil des Fado wurde 2011 von der UNESCO zum Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (port.: Patrimônio Cultural Imaterial da Himanidade) ernannt. Er ist wohl der portugiesischste aller Musikstile in Portugal. Der Fado ist voller Schmerz und Sehnsucht, und handelt meistens von nicht erfüllter Liebe, vom Unglück, vom Schicksal und alten, verlorenen Zeiten. Dennoch ist der Fado, trotz dieser ganzen negativen Gefühle, voller Hoffnung und Leben. Da der Fado die wehmütigen Sehnsuchtsgefühle der Portugiesen so praktisch musikalisch symbolisiert, wird er oftmals – und das zu Recht – als „die Seele Portugals“ (port.: „a alma de Portugal“) bezeichnet
(lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011)

-   Chorgesang Cante Alentejano
Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Fado wurde der portugiesische Musikstil des Cante Alentejano im Jahre 2014 auf die Weltkulturerbeliste von der UNESCO gesetzt.
Der Cante Alentejano ist ein Chorgesang der ohne Instrumente in einem langsamen Tempo und in einem charakteristischen harmonisch-monotonem Takt gesungen wird. Fast immer handeln die vorgetragenen Lieder vom Alltag, von der Liebe, der Freundschaft und dem schweren Arbeitsalltag im Alentejo.
(lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Weltkulturerbe Cante Alentejano“ vom 27. November 2014)

Weltdokumentenerbe (port.: Programa Memória do Mundo)

-   Brief über die Entdeckung Brasilien
Der Brief über die Entdeckung Brasiliens am 22. April 1500 (port.: Carta do Achamento do Brasil) ist ein dokumentarischer Bericht des Seefahrers Pedro Álvares Cabral an den portugiesischen König Manuel I. In diesem mit dem 01. Mai 1500 datierten Brief beschrieb der Chronikschreiber Pêro Vaz de Caminha an den König in Portugal die ersten Eindrücke der Portugiesen in der neu entdeckten Welt, ihre erste Begegnung mit den Ureinwohnern und ihre ersten Einblicke in die neue, unbekannte Flora und Fauna Südamerikas. Der vierzehn Seiten doppeltbeschriftete lange Brief, der eigentlich eine Art Chronik ist, befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv Torre do Tombo und gilt als das erste literarische Dokument Brasiliens. Die UNESCO nahm den Brief über die Entdeckung Brasiliens im Jahre 2005 in die Weltdokumentenerbeliste auf
(bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogbeitrag „Pero Vaz de Caminha“ vom 20. Februar 2012)

-   Vertrag von Tordesilhas
Der Vertrag von Tordesilhas (port.: Tratado de Tordesilhas), der am 07. Juni 1494 nach langwierigen Verhandlungen zwischen Portugal und Spanien abgeschlossen wurde, gilt als die dokumentierte Abschlussvereinbarung zwischen diesen beiden Königreichen, die damalige bekannte Welt untereinander aufzuteilen und die Hälfte des anderen zu respektieren. Der Vertrag von Tordesilhas gilt somit als der erste „Nichtangriffspakt“ zwischen Portugal und Spanien. Der Vertrag befindet sich heute im portugiesischen Nationalarchiv der Torre do Tombo und ist seit 2007 ein Welterbedokument

-   Chronologische Manuskriptsammlung „Corpo Cronologico“
Der „Corpo Cronologico“ ist eine Sammlung von verschiedenen Dokumenten und Manuskripten die zwischen 1756 und 1784 vom damaligen Leiter des Nationalarchivs Torre do Tombo, Manuel da Maia, zusammengetragen wurden. Die Sammlung umfasst insgesamt 83.212 verschiedene Verträge, Manuskripten und Dokumente des portugiesischen Staates die zwischen den Jahren 1161 und 1696 verfasst wurden.
Der Tatsache, das Manuel da Maia seinerseits die Schriftstücke alle chronologisch archivierte, versankt die Sammlung ihren Namen „Corpo Cronologico“. Seit 2007 ist die Sammlung, die sich weiterhin im Nationalarchiv Torre do Tombo befindet, Welterbedokument der UNESCO

-   Bericht der Flugpioniere Gago Coutinho und Sacadura Cabral
Im Jahre 1922 unternahmen die portugiesischen Flugpioniere Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Cabral den ersten Südatlantikflug der Geschichte. Am 30.März 1922 flogen beide Piloten mit ihrem Wasserdoppeldeckerflugzeug „Santa Cruz“ von Lissabon nach Rio de Janeiro in Brasilien. Über ihre Flugreise schrieben sie einen detaillierten Bericht (port.: Relatório dos aeronautas Gago Coutinho e Sacadura Cabral), der dann im Jahre 2010 als Welterbedokument von der UNESCO in ihre Liste aufgenommen wurden. Der Bericht der beiden Flugpioniere Coutinho und Cabral befinden sich heute im Archiv der Marinebibliothek in Lissabon

-   Reisetagebuch der ersten Indienfahrt des Vasco da Gama
Als der Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama am 20. Mai 1498 seinen Fuß auf dem indischen Subkontinent setzte, hatte er als erster Mensch den Seeweg nach Indien entdeckt. Seine Reise hatte am 08. Juli 1497 in der portugiesischen Hauptstadt begonnen und erst zwei Jahre später, am 10. Juli 1499, segelte er wieder in Lissabon ein. Über seine Entdeckungsreise nach Indien verfasste er ein Reisetagebuch (port.: Diário da primeira viagem de Vasco da Gama), welches er später König Manuel I vorlegte. Dieses Reisetagebuch seiner ersten Indienfahrt ist 2013 von der UNESCO auf die Welterbedokumentenliste gesetzt worden. Es wird heute im Archiv der Stadtbibliothek von Porto aufbewahrt

Und hier nun eine Liste der von der portugiesischen Regierung nominierten Bauwerke und Naturschauplätze für eine zukünftige Bewerbung als Weltkultur- und Weltnaturerbe bei der UNESCO:

- die vulkanische Schachthöhle Angar do Carvão auf der Azoreninsel Terceira
- das historische Stadtzentrum von Santarém
- die Schwefelhöhle Furna do Enxofre auf der Azoreninsel Graciosa
- die von mittelalterlichen Mauern umgebene Kleinstadt Marvão und der kleine Berg auf dem es liegt
- die kleine unbewohnte Inselgruppe Ilhas Selvagens (dt.: Wilde Inseln) im Atlantik, vor der Küste Afrikas
- der Naturpark Südöstliche Alentejoküste im Alentejo
- die Lissabonner Unterstadt Baixa (port.: Baixa Pombalina)
- die Schloss- und Klosteranlage des Nationalpalastes von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra)
- die Ortschaft Buçaco und das Waldgebiet in dem es liegt
- der Naturpark der Serra Arrábida
- die Dinosaurierfußspuren im Naturpark von Ourém-Torres Novas (port.: Parque Natural das Pegadas de Dinossáurio de Ourém-Torres Novas)

Donnerstag, 27. November 2014

Weltkulturerbe Cante Alentejano


Nach einer zweijährigen Bewerbungszeit ist heute morgen in Paris der „Cante Alentejano“ (dt.: Alentejo-Gesang) in die UNESCO-Liste des Immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen worden.
Insgesamt 58 Volksbräuche, Traditionen und Kulturpraktiken aus aller Welt bewarben sich wieder einmal bei der UNESCO um eine Aufnahme in die berühmte Liste und glücklicherweise wurde der regionale Musikstil des Alentejo heute in Paris vom UNESCO-Komitee einstimmig anerkannt.

Als Portugiese, und vor allem als großer Freund des Alentejo, habe ich mich über die heutige Wahl der UNESCO sehr gefreut!
Nach dem Fado im Jahre 2011 ist der Cante Alentejano die zweite portugiesische Musikform die es auf die begehrte Liste des Weltkulturerbes geschafft hat.

Der Cante Alentejano, ein mehrstimmiger Chorgesang der immer von Amateuren ohne instrumentale Begleitung und fast immer in Tracht vorgetragen wird, erzählt in kleinen poetischen Versen über die Alltagsereignisse, die Liebe, die Freundschaft und den schweren Arbeitsalltag im ländlichen Alentejo.
Dieser Musikstil unterscheidet sich von anderen Chorgesängen vor allem durch sein langsames Tempo und seinen charakteristisch harmonisch-monotonen Takt.
Ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieser sehr typische Chorgesang, durch die Kraft seiner Melodien und die ausdrucksstarke Poetik seiner Verse, auf ganz besondere Art und Weise die Seele des Alentejo und seiner Menschen widerspiegelt.

Über die Herkunft des Cante Alentejano weiß man heute leider wenig.
Man vermutet das dieser jahrhundertealte Musikstil entweder eines der kulturellen Erben der maurischen Herrschaft in Portugal ist oder aber das gregorianische Mönche, die im Alentejo im Mittelalter mehrere Gesangsschulen gründeten, die Vorfahren des Cante Alentejano sind.

Heute ist der Cante Alentejano, trotz vieler Versuche der Modernisierung und Kommerzialisierung, vor allem als die traditionelle Musik des Volkes der Alentejanos bekannt und wird von diesem mit Stolz vorgetragen und gesungen.
Aber immer mehr Nicht-Alentejanos – Portugiesen und Ausländer – verlieben sich in den Klang dieses sehr originellen Musikstils und fangen an diese „Volksmusik“ zu schätzen und anzuerkennen – so wie heute auch die Damen und Herren das Komitees der UNESCO.

Wer mal eine kurze Klangimpression des Cante Alentejano hören will, hier eines von vielen You-Tube-Links:



Donnerstag, 20. November 2014

Parabéns Carlos do Carmo


Gestern fand im großen Hollywood MGM Theatre, in Las Vegas, im US-Bundesstaat Nevada, die seit 2000 alljährlich stattfindende Latin-Grammy-Verleihung statt.
Die „Latin Academy of Recording Arts and Sciences“ vergab dieses Jahr einstimmig den Latin Grammy Award an den wohl besten Fado-Sänger Portugals, Carlos do Carmo.

Der 74jährige Sänger erhielt als erster portugiesischer Musiker den renommierten Preis für sein Lebenswerk.
Die Akademie würdigte ihn als einen der größten und vielfältigsten Fadosänger unserer Zeit und bestätigte ihm eine der symbolträchtigsten Stimmen Portugals zu haben.

Carlos do Carmo hat eine 51 Jahre lange Karriere hinter sich und ist Interpret solcher melancholischer Fadoklassiker wie „Lisboa, menina e moça“, „Canoas do Tejo“ oder „Bairro Alto“.
Glückwunsch an einen erstklassigen Künstler!

Parabéns Carlos do Carmo!

Sonntag, 26. Mai 2013

Die drei neuen F´s



Heute traf ich mich mit meiner guten Freundin Beate aus Regensburg, um mit ihr und ihrem Freund zu Mittag zu essen.
Während des Gesprächs, das wir während des Essens führten, fragte mich Beates Freund, der im Gegensatz zu Beate zum ersten Mal hier in Portugal ist, ob es stimmen würde, das man Portugal auf die die drei F-Wörter „Fado – Fatima – Fußball“ reduzieren könne?
Er hätte das in seinem schlauen Reiseführer gelesen.

Nun, da ich nicht wusste ob er wegen des gestrigen Champions-League-Finalsieges seiner Bayern noch etwas alkoholisch angeschlagen war und weil ich, aus Respekt vor Beate, die ich sehr schätze, nicht gleich eine meiner trocken-sarkastischen Antworten geben wollte, konterte ich mit einer Gegenfrage, nämlich was er denn davon halten würde, wenn man Deutschland klischeehaft als das Land der grölenden, humorlosen und biertrinkfreudigen Trabifahrer bezeichnen würde?

Sicherlich die drei F´s gibt es wirklich und sie sind tatsächlich eine portugiesische Erfindung.
Es war der ehemalige portugiesische Diktator António de Oliveira Salazar, der während seiner faschistischen Herrschaft, die von 1932 bis 1968 dauerte, den Portugiesen tatsächlich weiß machen wollte, sie bräuchten, um glücklich und zufrieden zu sein, nur die sehnsuchtsvolle und wehmütige Fadomusik, eine alljährliche Wallfahrt nach Fátima und, getreu dem altem römischen Motto „Panem et circenses“ (dt.: „Brot und Spiele“), ab und zu ein Besuch im Fußballstadion!
Alles andere, wie Wissen, Lesen oder Schreiben, da war sich Salazar sicher, würde das Volk zum Denken animieren, und somit unglücklich machen!
So hielt der Diktator sein, zumeist analphabetisches Volk, über Jahrzehnte hinweg willenlos, schwach und dumm!

Diese drei F-Wörter „Fado – Fátima – Fußball“ (port.: „Fado – Fátima – Futebol“) waren und sind leider immer noch so klischeehaft behaftet, das sie es doch tatsächlich anscheinend geschafft haben, in Reiseführer unserer Zeit Einzug zu finden!

Uns Portugiesen sind die drei F´s also sehr wohl ein Begriff.
Doch wenn heute meine Landsleute an die drei F´s denken, dann meinen sie nicht „Fado – Fátima – Futebol“, sondern neuerdings, in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise, verbinden sie mit den drei F´s eher die Begriffe „Frustração“ (dt.: „Frustration“), „Falta de Emprego (dt.: Arbeitslosigkeit) und „crise Financeira“ (dt.: Finanzkrise).

Die Zeiten sind zweifellos andere, die Probleme und die Nöte sind andere, die Begriffe sind andere und auch die Menschen sind andere.
Aber was gleich geblieben ist, und was auch unbedingt gleich bleiben muss, ist der starke Überlebenswille der Portugiesen gegen die alltäglichen Ungerechtigkeiten die auch heute noch in diesem Land herrschen!

Donnerstag, 5. Juli 2012

Die Portugiesischen Gitarren von Malabar Emotional Design









Die Portugiesische Gitarre (port.: guitarra portuguesa) ist zweifelsohne das typischste portugiesische Musikinstrument und untrennbar mit dem Fado verbunden.
Sie ist birnenförmig, etwas kleiner als eine normale klassische Gitarre und im Gegensatz zu dieser hat sie nicht acht sondern zwölf Saiten auf denen gespielt wird.
Eine Portugiesische Gitarre besteht zumeist aus Fichten- oder Lindenholz, manchmal auch aus Zedernholz, und sie ist, entsprechend der Farbennuancen dieser Hölzer, immer holzfarben.

Man muss sagen:
sie ist für gewöhnlich holzfarben!

Denn jetzt hat die aus Porto stammende Designerfirma „Malabar Emotional Design“ eine Kollektion von Portugiesischen Gitarren hervorgebracht, die ihresgleichen suchen.
Unter dem Namen „Tudo isto é Fado…“ (dt.: „All dies ist Fado…“ stellte „Malabar Emotional Design“ in ihrer Pop Up Galerie ASA, die sich in der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Guimarães befindet, ihre neusten Gitarrenkreationen vor.

21 verschiedene Künstler, unter ihnen der renommierte Architekt Álvaro Siza Vieira, der Modedesigner Miguel Vieira und die bildende Künstlerin Joana Vasconcelos, haben verschiedene originelle und bis dato einzigartige Portugiesische Gitarren entworfen und diese nun einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Diese einzigartigen Gitarren von Malabar, so meinen viele junge Komponisten und Virtuosen der Portugiesischen Gitarre, sind qualitativ sehr hochwertig und ästhetisch wertvoll.
Meiner Meinung nach sind sie zudem vor allem ein Beweis dafür, wie kreativ portugiesische Künstler und portugiesische Kunst in unserer heutigen schwierigen Zeit sein können.

Bravo!

Donnerstag, 2. Februar 2012

„Ai se eu te pego“ – Fadoversion


Als im Oktober 2011 der für Real Madrid spielende Cristiano Ronaldo auf dem Fußballplatz anfing, nach jedem seiner erzielten Tore, einen speziellen Siegestanz zu vollführen, war das ein Hingucker.
Die originellen Tanzbewegungen hatte sich der weltberühmte Fußballer bei dem brasilianischen Sänger und Latinlover Michel Teló abgeschaut.
Der hatte im Sommer mit seinem Lied „Ai se eu te pego“ (dt.: „Ach, wenn ich dich kriege“) in Brasilien die Charts und die Tanzflächen erobert und für Wochen den Ersten Platz belegt.

Dank Cristiano Ronaldo verbreiteten sich dann die Tanzbewegungen zuerst auf den Fußballplätzen Spaniens, Portugals und Italiens aus und dann eroberten die verschiedensten Versionen des Liedes ganz Europa, darunter auch Deutschland.

Nun haben drei junge Lissabonner eine ganz besondere Version des Liedes von Michel Teló erschaffen.
Zusammen kreierten die drei Jungs, nur mit einer normalen akustischen Gitarre, einer Portugiesischen Gitarre, einer erstklassigen Gesangsstimme und mit viel Talent und Hingabe, eine Fadoversion von „Ai se eu te pego“.

Über 125.000 Menschen haben sich schon diese besondere Fassung des Liedes von Michel Teló angeschaut und angehört,
Viele meinen sogar die Lissabonner Fadoversion wäre besser als das Original, wobei dies sicherlich eine Sache des Geschmacks ist.

Fakt ist:
„Ai se eu te pego in Fadoversion ist einfach genial!

Unter folgendem link kann man sich diese besondere Version anhören und runterladen:

http://www.youtube.com/watch?v=9rB7pB-bksI

Montag, 16. Januar 2012

„Austeridade“ – das portugiesische Wort des Jahres 2011


Zum portugiesischen Wort des Jahres 2011 (port.: Palavra do Ano 2011) wurde letzte Woche das Wort „austeridade“ gewählt (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Wort des Jahres in Portugal“ vom 29. Dezember 2011).

„Austeridade“, das im Deutschen mit „Strenge“, „Sparsamkeit“, „Genügsamkeit“ oder „Zurückhaltung“ zu übersetzen ist, steht hier in Portugal für die harte Sparpolitik mit der wir uns seit nunmehr fast einem Jahr tagtäglich herumschlagen müssen.

Genau 100 Wörter, die zuvor von Sprachanalysten und Sprachgelehrten aus tausenden eingereichten Wörtern ausgesucht worden waren, hatte der berühmte portugiesische Verlag „Porto Editora“ dieses Jahr ins Internet zur freien Wahl gestellt.

Hier nun eine kleine Rangliste der zehn meistvotierten Wörter:

1. Platz – „austeridade“ (dt.: Sparsamkeit, strenge Zurückhaltung)
2. Platz – „esperança“ (dt.: Hoffnung)
3. Platz – „troika“ (dt.: Troika)
4. Platz – „charter“ (dt.: Charter)
5. Platz – „fado“ (dt.: Fado)
6. Platz – „voluntariado“ (dt.: Freiwilligendienst)
7. Platz – „desemprego“ (dt.: Arbeitslosigkeit)
8. Platz – „sushi“ (dt.: Sushi)
9. Platz – „emigração“ (dt.: Auswanderung)
10. Platz – „subsidio“ (dt.: Hilfsgelder, Beihilfe)

Bis auf die zwei Wörter „sushi“ und „charter“ haben alle anderen Wörter dieser Top10-Liste irgendwie mit der aktuellen schweren wirtschaftlichen Lage hier in Portugal zu tun.
Das das Wort „esperança“, also die Hoffnung, gleich nach „austeridade“ den zweiten Platz belegt hat, zeugt dabei zweifelsohne von dem Empfinden den die meisten Portugiesen hier im Augenblick haben.

Samstag, 14. Januar 2012

Kandidatur der Universität Coimbra als Weltkulturerbe


Nach dem Ende letzten Jahres der Fado auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (port.: Lista do Património Cultural da Humanidade da UNESCO) gesetzt wurde (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag‚ „Weltkulturerbe Fado“ vom 27.11.2011) will sich Portugal nun diesen Monat mit einer weiteren Kandidatur bei der UNESCO um die Aufnahme in die berühmte Liste bemühen.

João Gabriel Silva, der Rektor der altehrwürdigen Universität der Stadt Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), die im Jahre 1290 als erste portugiesische Universität gegründet wurde, und eine der ältesten Universitäten der Welt ist, hat nun offiziell bestätigt das er Ende Januar eine formulierte Kandidatur bei der UNESCO in Paris einreichen wird.
Die Kandidatur, mit dessen Ausarbeitung schon bereits im Jahre 2005 universitätsintern begonnen wurde, soll aus über zweitausend Seiten bestehen.

Die Universität von Coimbra kann auf eine 700jährige traditionsreiche Geschichte zurückblicken.
Aber obwohl sie so alt ist, gehört die Universität zu den modernsten Portugals und Europas, mit einem überdurchschnittlichen Anteil an ausländischen Studenten, darunter auch viele Deutsche.

Mit einer Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes würden nicht nur die alten geschichtsträchtigen Fakultätsgebäude (port.. faculdades universitárias / lat.: Alma mater conimbrigensis) und die wunderschöne und wertvolle Johannesbibliothek (port.: Biblioteca Joanina) gewürdigt werden, sondern auch der prächtige Botanische Garten (port.. Jardim Botanico), der zum weitläufigen Universitätsgelände gehört.

Der Titel als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) käme der Universität sehr gelegen, denn in Zeiten knapper Kassen, könnten dann die zu erwarteten finanziellen Mittel, die mit solch einer Aufnahme in die berühmte Liste automatisch fliesen würden, für die Instandhaltung der alten historischen Gebäude sinnvoll verwendet werden.

Mit einer eventuellen positiven Entscheidung durch die UNESCO-Kommission wird dann Ende des Jahres 2013 gerechnet.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Wort des Jahres in Portugal


Genauso wie in Deutschland schon seit Jahren üblich, so wird auch hier in Portugal seit zwei Jahren das „Wort des Jahres“ (port.: „Palavra do ano“) gewählt.
Jeder kann im Internet eines oder mehrere Wörter zum „Wort des Jahres“ vorschlagen.
Aber nur ausgesuchte Sprachanalysten und Sprachgelehrte einerseits und Lektoren und Redakteure des berühmten Verlages „Porto Editora“ andererseits, der auch der Initiator des Wettbewerbes ist, wählen dann das „Wort des Jahres“ aus.
Wie in Deutschland soll auch hier das ausgewählte Wort des Jahres charakteristisch, repräsentativ und prägend für die aktuelle soziale, politische und wirtschaftliche Gesellschaftslage sein.

Mehrere Wörter stehen zur Auswahl.
Zurzeit ganz vorne ist das Wort „austeridade“, das im „Langenscheidt´s Wörterbuch Portugiesisch-Deutsch“ mit „Stränge, Sparsamkeit, Genügsamkeit, Zurückhaltung“ übersetzt wird, und so mit einem Wort die aktuelle finanzielle Situation des Landes ausdrückt.

An zweiter Stelle wird das Wort „charter“ angegeben und danach kommen die Wörter „troika“, „fado“, „desemprego“ (dt.: Arbeitslosigkeit), „subsídio“ (dt.: Beihilfe, Sozialhilfe, Arbeitslosenunterstützung) und „emigração“ (dt.: Auswanderung).

Das genaue Siegerwort steht aber noch nicht fest, da dies vor allem von der Inhaltsbewertung der aktuellen Nachrichtenlage abhängt.
Da aber „austeridade“ seit Beginn der Wahl bei den Sprachanalysten und Sprachforschern weit vorne liegt, ist es im Moment nur schwer vorstellbar das dieses (Un)Wort jetzt noch seine Spitzenposition verliert.

Am kommenden Samstag, pünktlich zum Jahreswechsel, wird hier in Portugal dann das „Wort des Jahres“ bekannt gegeben.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

„O Fado“


In meinem gestrigen Eintrag „Fado-Museum in Lissabon“, berichte ich von alldem, was man in diesem wunderbaren und einzigartigen Museum in der Lissabonner Alfama zu sehen bekommt.

Erst heute habe ich gemerkt, dass ich eines der wichtigsten und bedeutendsten Elemente des Museums ungewollt unterschlagen habe.
Ich habe nämlich vergessen das Gemälde, das den Namen „O Fado“ (dt.: „Der Fado“) trägt, zu erwähnen.

„O Fado“ ist ein 150 cm x 183 cm großes Ölgemälde, das der portugiesische Maler José Malhoa im Jahre 1910 malte.

Der Künstler hat damals zwei fast identische Versionen dieses Gemäldes gemalt.
Das eine malte er schon im Jahre 1909 und befindet sich heute im Privatbesitz der Familie des Unternehmers Vasco Pereira Coutinho.
Das andere ist, wie schon erwähnt, im Jahre 1910 gemalt worden und befindet sich heute als dauerhafte Leihgabe des Lissabonner Stadtmuseums im Fado-Museum.

Beide Ölgemälde wurden bisher nur einmal zusammen ausgestellt, nämlich im Jahre 2010, bei der Ausstellung „Der Fado“, die in der Nationalen Galerie der Schönen Künste stattfand.

Das Gemälde stellt den stadtbekannten Raufbold und Außenseiter Amâncio und seine Freundin, die Dirne, Adelaide dar.
Sowohl Amâncio als auch Adelaide haben tatsächlich existiert und lebten im Lissabonner Stadtteil Mouraria.

Amâncio, der den Spitznamen „Pintor“ (dt.: „Maler“) trug, wird im Gemälde dargestellt, wie er seiner Freundin, die wiederum „Facada“ (dt.: „Messerstich“) genannt wurde, einen Fado vorspielt und singt.
Warum Amâncio „Maler“ genannt wurde ist nicht überliefert.
Warum aber Adelaide „Messerstich“ gerufen wurde, hatte wohl mit der großen Narbe zu tun, die sie damals im Gesicht trug.

Da Amâncio sich wegen seiner ständigen Gewalttätigkeiten oft im Gefängnis befand, musste José Malhoa, während er das Bild malte, mehrere Male ein gutes Wort bei der Stadtpolizei einlegen, damit Amâncio freikam, und er das Bild fertig malen konnte.

Die Zeit die der Raufbold aber hinter Gitter verbrachte, nutzte Malhoa dann um Adelaide ohne Druck zu malen.
Einmal, als Amâncio wieder einmal in Haft war, nahm sich José Malhoa die Freiheit Adelaide mit einer entblößten Brust darzustellen.
Erst ein Wutausbruch von Amâncio, der wieder freigekommen war, zwang den Künstler diese Brust auf dem Gemälde wieder zu bedecken.

Wie viele andere Maler, so wurde auch José Malhoa anfangs heftig für seine Kunst, und vor allem für dieses Bild, kritisiert.
Obwohl sein Bild eine realistische Szene der damaligen Zeit zeigte, wurde es von den nationalen Kritikern regelrecht verrissen.
Anerkennung und Ruhm fanden Maler und Bild erst im Ausland.

Das Bild wurde das erste Mal im Jahre 1910, kurz nach seiner Fertigstellung, in Buenos Aires, bei der Internationalen Kunstausstellung anlässlich der Hundertjahrfeiern der argentinischen Republik, unter dem Namen „Bajo el Encanto“, ausgestellt.

Zwei Jahre später, im Januar 1912, wurde das Gemälde dann zum ersten Mal, bei einer Ausstellung in Porto, dem portugiesischen Publikum vorgestellt.

Danach wurde es in Paris, unter dem Namen „Sous le Charme“ und in der englischen Stadt Liverpool mit dem Titel „The Native Song“, ausgestellt.

1915, bei der Panamá-Pacific International Exposition, die anlässlich der Eröffnung des Panamakanals in San Francisco stattfand, gewann das Gemälde seinen ersten Preis.

Im Jahre 1917 wurde dann das Gemälde zum ersten Mal in Lissabon ausgestellt.
Anlass war die 14. Ausstellung der Nationalen Gesellschaft der Schönen Künste (port.: 14ª Exposição da Sociedade Nacional de Belas Artes) die in diesem Jahr in der portugiesischen Hauptstadt stattfand.

Bei dieser Ausstellung wurde dann „O Fado“ an die Stadt Lissabon verkauft.
Im Rathaus (port.: Câmara Municipal de Lisboa) hing das Gemälde dann auch einige Jahre, bis es dann schließlich in den Besitz des Stadtmuseums (port.: Museu da Cidade) kam.
Vom Stadtmuseum kam es dann 1998, als Leihgabe, in das Fado-Museum (port.: Museu do Fado), wo es heute noch hängt und von allen bewundert werden kann.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Fado-Museum in Lissabon





In meinem am vergangenen Sonntag, dem 04.12.2011, hier in diesem Blog veröffentlichten Beitrag „Die Geschichte des Fado“, rate ich den Lesern am Ende meines Eintrages, einen Besuch im interessanten Fado-Museum (port.: Museu do Fado) von Lissabon.

Dieser befindet sich im Stadtteil Alfama, im alten Wasserwerk „Estação Elevatória do Recinto da Praia“.
Es handelt sich hierbei um das einzige Fado-Museum der Welt.
Dieses dem Fado und der Portugiesischen Gitarre gewidmete Museum ist am 28. September 1998 eingeweiht worden.

Seit dem Tag seiner Eröffnung ist dieses Museum ein kultureller und sozialer Treffpunkt der Lissabonner und ihrer Gäste.
In den letzten Tagen allerdings, seitdem der Fado von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen wurde, ist das Fado-Museum mehr als ein Treffpunkt – er ist regelrecht ein „Must“ für die Liebhaber dieser portugiesischsten aller portugiesischen Musikrichtungen geworden.

Es gibt aber auch viel zu sehen in diesem Museum.
Eine ständige Ausstellung zeigt die verschiedensten Exponate, wie Gitarren aller Art und andere Instrumente, Bilder, Fotographien, Poster, alte Schallplatten und viele Zeitungsausschnitte und Bücher, die die Geschichte des Fados und die Geschichte der Menschen die ihn einstmals sangen und heute noch singen, erzählt.
In einem reichhaltigen und informativen Multimediabereich kann man sich die Schallplatten hunderter bekannter Fadistas und ihre jeweiligen Biographien anhören, bzw. ansehen.

Während dezente Fadomusik im Hintergrund läuft, kann man hier eindrucksvoll die soziale Herkunft des Fados im Lissabon des 18. Jahrhunderts, seine spätere politische Vereinnahmung durch die Diktatur und seinen heutigen Stellenwert in der portugiesischen Gesellschaft erfahren.
In einem Extraraum wird auch die Geschichte der Portugiesischen Gitarre ganz genau erläutert.

Das Fado-Museum beherbergt eine Fado-Schule, in der man das Singen des Fados und das spielen der Portugiesischen Gitarre erlernen kann.
Ebenso beherbergt es ein sehr gutes Restaurant, in dem man nicht nur gut essen, sondern auch noch an manchen Abenden den Fado live hören kann.

Ich kann jedem nur einen Besuch, in diesem eindrucksvollen und einzigartigen Museum in der Lissabonner Altstadt, empfehlen!

Sonntag, 4. Dezember 2011

Die Geschichte des Fado


Heute vor einer Woche wurde der Fado von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen (lesen sie bitte hierzu auch meinen Eintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011).

Von einigen Lesern meines Blogs bin ich nun angeschrieben worden, welches denn die Geschichte des Fado sei.
Fast allen habe zurück geschrieben, sie sollen sich doch einmal bitte meinen Eintrag „Was ist der Fado?“, vom 22. März 2010, durchlesen.
In diesem Eintrag hatte ich nämlich schon einmal versucht zu erklären, was denn der Fado so sei, vor allem für uns Portugiesen.

Da ich aber heute wieder gefragt worden bin, was denn für eine Geschichte der Fado hat oder was für Geschichten sich hinter dem Fado verbergen, will ich hier noch einmal versuchen die Geschichte des Fados, so weit es mir möglich ist, zu erzählen.

Also, der Fado ist, ganz banal gesagt, eine spezifische Gattung der portugiesischen Volksmusik.
Fado kommt von dem lateinischen Wort „fatum“ und bedeutet wörtlich Übersetzt soviel wie „Schicksal“ oder „göttlicher Wille“.
Als Portugiesen verbinden wir mit dem Fado immer die Vorstellung gewisser Negativgefühle, wie etwa Leid, Unglück, Unheil, Verderben und Untergang.

In vielen Fadotexten taucht oftmals der Ausdruck „saudade“ auf.
Saudade stammt ebenfalls aus dem lateinischen Wortschatz und geht auf das Wort „solitudo“ zurück, das wörtlich mit „Einsamkeit“ zu übersetzen ist.
Darüber hinaus beinhaltet die Saudade, welches wohl ohne Zweifel als das charakteristischste Wort Portugals gelten darf, aber noch Gefühle wie Verlassenheit, Heim- und Fernweh, Nostalgie, Wehmut und so etwas wie die Sehnsucht nach einem unerfüllbar scheinenden Glück.

Der Fado strahlt somit immer eine gewisse Melancholie aus wenn er gesungen wird.
So erklingen in aller Regel Fadomelodien in Moll-Tonarten und behalten manchmal auch in Dur ihren traurigen Klang.
Eine gute Fadosängerin oder ein guter Fadosänger wird immer entweder eine ehrliche Hingabe beim singen seiner Musik zeigen oder aber theatralisches und dramatisches Selbstmitleid zur Schau stellen.
Gleichgültig wird er oder sie den Fado niemals vortragen!

Wenn es mir auch schwer fällt den sehr eigentümlichen Charakter des Fado mit Worten zu beschreiben so kann ich doch sagen, dass er in jedem Falle eine gemütsbetonte und leidenschaftliche Ausstrahlung besitzt.
Die Fadotexte erzählen in ihrer ungekünstelten Balladenform meistens über Nöte, Sehnsüchte und Schicksale der Menschen, vor allem der einfachen Leute.

Der Fado, den man heute zu später Stunde vor allem in den Lissabonner Stadtteilen Alfama oder Bairro Alto hören kann, wird stets von einer weiblichen oder männlichen Solostimme vorgetragen.
Die oder den „Fadista“ begleiten für gewöhnlich mindestens zwei Gitarristen, von denen einer immer eine portugiesische Gitarre und der anderer eine normale Melodiegitarre spielt.

Die Begriffe „Fado“ und „fadista“ bringt man historisch in Verbindung mit den düsteren Gestalten der Lissabonner Unterwelt vergangener Zeiten, die ursprünglich eine Art Monopol auf diese Gesänge gehabt haben sollen.
Erst ab 1870 erreicht der Fado breitere Bevölkerungsschichten und sogar den Adel.

Die Frage nach der Herkunft des Fado ist nicht eindeutig geklärt. Manche meinen er sei auf die arabischen Mauren zurückzuführen, andere vermuten das der Fado aus dem Seemannsmilieu stamme und wiederum andere vermuten seinen Ursprung in den Tavernen und Freudenhäuser der Lissabonner Altstadt.

Fakt ist, das Gesänge und Tänze mit Gitarrenbegleitung in Lissabon nachweislich schon sehr lange existieren.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts tanzte und sang man in den Straßen Lissabons zum Klang der Gitarren den „Lundum“ und etwas später den „Modinha“.
Aus diesen beiden und Tanz- und Gesangsformen hat sich dann wohl im 19. Jahrhundert der Fado entwickelt.

Die berühmteste Fadista des 19. Jahrhunderts ist die legendäre Maria Severa, eine Prostituierte die das erste bekannte Gesicht des Fados war.
Mit dem Aufkommen des Rundfunks und der Schallplatten ist der Fado dann über die Stadtgrenzen Lissabons bekannt geworden.

Bekannte Fadosänger und –sängerinnen des letzten Jahrhunderts und der jüngeren Zeit sind Carlos do Carmo, Simone de Oliveira, Alfredo Maceneiro, Maria da Fé, Vasco Rafael, Ada de Castro, Dulce Pontes, Camané und Mariza.
Aber die bekannteste und außerhalb Portugals berühmteste Stimme des Fado ist wohl Amália Rodrigues, die anlässlich ihres Todes im Jahre 1999 von der Internationalen Presse mit so begnadeten Interpretinnen wie Ella Fitzgerald und Edith Piaf verglichen wurde.

Amalia Rodrigues hatte ihren letzten öffentlichen Auftritt bei der Lissabonner Weltausstellung EXPO1998 in Lissabon.
Ich durfte damals an diesem besonderen Konzert teilnehmen und ich werde niemals in meinem Leben vergessen, wie damals hunderttausende Menschen bei Liedern wie „Malmequer“ und „Cheira a Lisboa“ enthusiastisch mitsangen.

Dies hier war mein bescheidener Versuch die Geschichte des Fados und die musikalische Seele meiner Heimatstadt Lissabon und meines Heimatlandes Portugal zu erklären und zu erzählen.
Wer aber wirklich den Fado kennen lernen will, dem rate ich ein paar CD´s mit Fadomusik zu kaufen oder dann dem interessanten Fado-Museum in Lissabon unbedingt einen Besuch abzustatten.

Sie werden beides nicht bereuen!