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Sonntag, 1. September 2013

Ein Wiedersehen


Es ist im Leben gar zu schön,
wenn sich alte Kollegen und Freunde wieder sehen.
Und schön ist es auch, wenn sie beisammen bleiben,
gemütlich sich die Zeit mit gutem Speis, Trank und Gespräch vertreiben.
Doch wenn sie schließlich wieder auseinander gehen,
dann ist das auch recht schön!
Ein Wiedersehen wird es sicherlich wieder geben,
man muss nur seine Kollegen und Freundschaften pflegen!

(Reim in Anlehnung an ein Gedicht von Wilhelm Busch)

Ângelo Paulo, Miguel, Conxi, Sandra, David, Nadja, Christina, Fitzer (und Malene, die später zu uns gestoßen ist) im Restaurant „Sabores do Tejo“, in Cacilhas.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Schönes Antoniusfest 2013



Na noite de Santo António
Há alegria no ár
A sardinhada soube muito bem
Só faltou a gente dançar!


Miguel, Ângelo und Nadja in der Sankt Antoniusnacht (port.: noite de Santo António) im Restaurant „Sabores do Tejo“ in Cacilhas.

Die Sankt Antoniusnacht ist der Abend vor dem Lissabonner Stadtfest, dem Sankt Antoniustag, der traditionell in der Stadt am 13. Juni gefeiert wird.
Jedes Jahr wird in dieser Nacht mit guter Musik, farbenprächtigen Umzügen (port.: marchas) und viel gutem Essen und Trinken dem Heiligen Antonius, einem Sohn der Stadt, gedacht und gefeiert.

Ich wünsche allen ein wunderschönes Sankt Antoniusfest 2013 (port.: Festas de Santo António)!

Sonntag, 26. Mai 2013

Die drei neuen F´s



Heute traf ich mich mit meiner guten Freundin Beate aus Regensburg, um mit ihr und ihrem Freund zu Mittag zu essen.
Während des Gesprächs, das wir während des Essens führten, fragte mich Beates Freund, der im Gegensatz zu Beate zum ersten Mal hier in Portugal ist, ob es stimmen würde, das man Portugal auf die die drei F-Wörter „Fado – Fatima – Fußball“ reduzieren könne?
Er hätte das in seinem schlauen Reiseführer gelesen.

Nun, da ich nicht wusste ob er wegen des gestrigen Champions-League-Finalsieges seiner Bayern noch etwas alkoholisch angeschlagen war und weil ich, aus Respekt vor Beate, die ich sehr schätze, nicht gleich eine meiner trocken-sarkastischen Antworten geben wollte, konterte ich mit einer Gegenfrage, nämlich was er denn davon halten würde, wenn man Deutschland klischeehaft als das Land der grölenden, humorlosen und biertrinkfreudigen Trabifahrer bezeichnen würde?

Sicherlich die drei F´s gibt es wirklich und sie sind tatsächlich eine portugiesische Erfindung.
Es war der ehemalige portugiesische Diktator António de Oliveira Salazar, der während seiner faschistischen Herrschaft, die von 1932 bis 1968 dauerte, den Portugiesen tatsächlich weiß machen wollte, sie bräuchten, um glücklich und zufrieden zu sein, nur die sehnsuchtsvolle und wehmütige Fadomusik, eine alljährliche Wallfahrt nach Fátima und, getreu dem altem römischen Motto „Panem et circenses“ (dt.: „Brot und Spiele“), ab und zu ein Besuch im Fußballstadion!
Alles andere, wie Wissen, Lesen oder Schreiben, da war sich Salazar sicher, würde das Volk zum Denken animieren, und somit unglücklich machen!
So hielt der Diktator sein, zumeist analphabetisches Volk, über Jahrzehnte hinweg willenlos, schwach und dumm!

Diese drei F-Wörter „Fado – Fátima – Fußball“ (port.: „Fado – Fátima – Futebol“) waren und sind leider immer noch so klischeehaft behaftet, das sie es doch tatsächlich anscheinend geschafft haben, in Reiseführer unserer Zeit Einzug zu finden!

Uns Portugiesen sind die drei F´s also sehr wohl ein Begriff.
Doch wenn heute meine Landsleute an die drei F´s denken, dann meinen sie nicht „Fado – Fátima – Futebol“, sondern neuerdings, in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise, verbinden sie mit den drei F´s eher die Begriffe „Frustração“ (dt.: „Frustration“), „Falta de Emprego (dt.: Arbeitslosigkeit) und „crise Financeira“ (dt.: Finanzkrise).

Die Zeiten sind zweifellos andere, die Probleme und die Nöte sind andere, die Begriffe sind andere und auch die Menschen sind andere.
Aber was gleich geblieben ist, und was auch unbedingt gleich bleiben muss, ist der starke Überlebenswille der Portugiesen gegen die alltäglichen Ungerechtigkeiten die auch heute noch in diesem Land herrschen!

Montag, 7. Mai 2012

Dia da Marinha 2012



Im Monat Mai feiern wir hier in Portugal traditionell den „Dia da Marinha“ (dt.: Tag der Marine).
Dieser Tag, der alljährlich am 20. Mai gefeiert wird, geht auf den 20. Mai 1498 zurück.
An diesem besonderen Tag landete der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama am Strand von Kappakadavu, nördlich der Stadt Calecut, mit seiner Flotte an und entdeckte so den Seeweg nach Indien (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Vasco da Gama“ vom 12. Januar 2012).
Dieses Ereignis, am Ende des 15. Jahrhunderts, gilt noch heute als die höchste Leistung der portugiesischen Marine (port.: marinha portuguesa).
Dieser Leistung gedenkt man, wie schon erwähnt, jedes Jahr im Mai.

Die Stadt Almada wird in diesem Jahr die Feierlichkeiten zum „Dia da Marinha“ ausrichten.
Vom 12. bis zum 20. Mai 2012 wird sich dann die portugiesische Marine wieder einmal mit den verschiedensten Aktionen, Veranstaltungen, einer Regatta, einer Ausstellung und sogar einem Konzert den Bürgern präsentieren.

An allen Tagen wird es dem Publikum möglich sein an verschiedenen Flugsimulatoren (port.: simuladores de voo) und Navigationssimulatoren (port.: simuladores de navegação) auszuprobieren, wie sich z.B. ein Marinehubschrauber oder eine Fregatte manövrieren lässt.
Ein Tauchkurs für Kinder wird ebenfalls angeboten werden.

Während dieser Tage wird einem auf dem Marinestützpunkt Alfeite außerdem die Gelegenheit geboten werden, mit verschiedenen Barkassen und Torpedobooten den Tejo zu befahren.
Außerdem wird man die Möglichkeit haben, unter anderem, eine Marinefregatte, eine Korvette und das Segelschulschiff „Sagres“ (port.: Navio Escola „Sagres“) zu besuchen, welches dieses Jahr seinen 75sten Geburtstag feiert.

Am Freitag, dem 18. Mai 2012, wird dann abends die Marinekapelle der Portugiesischen Armada (port.: Banda da Armada) auf dem zentralen Platz Almadas, der Praça São João Batista, ein Freiluftkonzert geben.

Eine kirchliche Messe in der Pfarrkirche Nossa Senhora da Assunção (port.: Igreja Paroquial de Nossa Senhora da Assunção) in Almada und eine militärische Zeremonie der Seestreitkräfte auf dem Platz vor dem Museumsschiff „Fragata Dom Fernando II e Glória“ in Cacilhas werden dann am 20. Mai die Feierlichkeiten zum Tag der Marine schließlich beenden.

Da für die kommenden Tage schönes Wetter vorhergesagt ist, hoffen die Veranstalter auf viele Besucher.
Wer noch nie an einem „Dia da Marinha“ teilgenommen hat, dem kann ich nur empfehlen ab dem 12. Mai in Almada vorbeizuschauen.
Sie werden es sicherlich nicht bereuen!

Dienstag, 3. Mai 2011

Plötzlich und unerwartet


„Plötzlich und unerwartet…“, so heißt es oft in Todesanzeigen oder wenn einem von einem Augenblick auf den anderen etwas zustößt was man nicht erwartet hat oder etwas Unerklärliches mit einem passiert.

Mir erging es am letzten 12. April so:
Plötzlich und unerwartet änderte sich von einem Moment auf den anderen mein Alltag, mein Leben…

Wie an jeden Morgen, war ich auch an diesem Dienstagmorgen früh aufgestanden und mit dem Bus zur Arbeit gefahren.
Als ich die Fähre in Cacilhas, in Richtung Lissabon nahm, ging es mir noch gut.
Als wir aber im Cais do Sodré ankamen und ich aufstehen wollte um in Richtung Ausgang zu gehen, da ging plötzlich gar nichts mehr.
Ich hatte, wie aus heiterem Himmel, keine Gewalt mehr über meine Arme und Beine.
Mit großer Anstrengung schaffte ich es dennoch torkelnd aus der Fähre und aus dem Fährhafen zu kommen.
Ich weiß nicht woher ich die Kraft nahm, aber ich kam bis zur Haltestelle an der die Busse und Bahnen in Richtung meines Arbeitsplatzes abfahren.

Irgendetwas tief in mir sagte mir, dass ich diese Kraft haben musste um bis an meinen Arbeitsplatz zu kommen.
Am Cais do Sodré zusammenzubrechen, dort wo die ganzen Alkoholiker und Obdachlosen ihr klägliches Dasein fristen, das wollte ich nicht.
Gott vergebe mir, aber ich wollte nicht dort aufgegriffen werden, wo ich genau wusste, die meisten die an mir vorbei gehen würden, würden denken ich sei einer der vielen Schnapsleichen die dort üblicherweise ihren Rausch ausschlafen.
Eine Straßenbahn kam und ich stieg ein.
Ich setzte mich nicht auf einen Platz hin, da ich Angst hatte nicht wieder aufzustehen.
Vom Cais do Sodré bis zur Avenida Infante Santo, wo mein Büro liegt, sind es mit der Straßenbahn höchstens fünf Minuten, aber mir kam die Fahrt viel, viel länger vor.

An der Avenida Infante Santo angekommen, kämpfte ich mich zu meinem Büro durch.
Die Ängste und die Hilflosigkeit die ich auf diesem Weg verspürte waren unermesslich.
Aber innerlich war ich froh - wenn man meinen Zustand so nennen darf - dass ich im Büro angekommen war, das ich mich völlig „hinfallen“ ließ. Ich war so erleichtert „angekommen“ zu sein, das ich jede Energie verlor. Ich konnte regelrecht spüren wie all die Kraft die ich bis dahin gehabt hatte, von mir wich. Trotz aller Kraftlosigkeit fühlte ich mich an einem sicheren Ort.
Trotz aller Schmerzen fühlte ich mich sicher!

Ab diesem Moment waren meine Kollegen da, um mich zu unterstützen.
Mit all ihrer Kraft und Fürsorge standen sie mir bei.
Unseren Pförtner Nélson und meinen Kollegen David, Miguel und Malene habe ich es zu verdanken das ich nicht zusammengebrochen und in Ohnmacht gefallen bin, bis der Krankenwagen gekommen ist, der mich ins Krankenhaus São José (port.: Hospital de São José) gebracht hat.

Im Krankenhaus São José wurden mir extrem hohe Blutdruckwerte diagnostiziert und ich wurde mit dem Verdacht auf einen Schlaganfall (port.: Acidente Vascular Celebral = AVC) behandelt und erstversorgt.
Abends wurde ich nach Almada, ins Krankenhaus Garcia de Orta (port.: Hospital Garcia de Orta) verlegt und in diesem Krankenhaus blieb ich dann über zwei lange Wochen, bis zum 28. April.
Ich musste in dieser Zeit etliche Untersuchungen an Nieren, Lungen, dem Herzen und noch vieles mehr über mich ergehen lassen.
Aber das Bestreben, sowohl der Ärzte als auch der Schwestern, herauszufinden was meinen konstant hohen Bluthochdruck verursacht war beispiellos.
Leider ist man bis dato zu keinem richtigen Ergebnis gekommen, aber die Ärzte geben die Suche nicht auf.
Ich habe in der Zwischenzeit das Krankenhaus verlassen, werde aber von den Fachärzten im Krankenhaus Garcia de Orta weiterhin begleitet.

Ich möchte nun die Gelegenheit wahrnehmen, und all denen danken die mich während dieser so schwierigen Zeit unterstützt haben.

- Ich danke in erster Linie Nélson, David, Miguel und Malene für ihre Erste Hilfe, die wortwörtlich und zweifelsohne eine „erste Hilfe“ war.
- Dann danke ich den zwei Engeln im Krankenwagen. Sowohl sie als auch er waren hervorragend bei ihrer Erstversorgung auf dem Weg ins Krankenhaus São José.
- Mein großer Dank gilt auch dem Personal in der Notaufnahme des Krankenhaus São José in Lissabon.
- Ganz besonderer Dank gilt dem ganzen ärztlichen und pflegerischen Team des Krankenhaus Garcia de Orta in Almada, die mir mit viel Fachwissen, Aufmerksamkeit, Fürsorge und Hingabe die ganzen Tage beigestanden haben und die versucht haben mir meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.
- Ein besonderer Dank gilt all denen die mich während meines Krankenhausaufenthaltes besucht haben, hier vor allem Stefan und Anke Stalling für die Gespräche die mir viel Kraft gaben, und einen besonderen Dank an die, dir mir telefonisch beigestanden haben. Vor allem die täglichen Anrufe meiner Schwester Carla, meines Schwagers Egbert und der Kinder waren für mich etwas ganz besonderes. Die Stimmen von Nélson und Lorena am Telefon zu hören waren die reinste Medizin für mich. Aber auch die Telefongespräche von Susana Morais und die anderer Arbeitskollegen, sowie die unzähligen Anrufe aus Deutschland haben mich riesig gefreut.
- Und zu guter letzt möchte ich meinen Eltern Luisa und António für ihre Liebe und Kraft danken. Ohne diese beiden besonderen Menschen in meinem Leben hätte ich diese schwierige Zeit nicht so schadlos überstanden. Die Liebe und Zuneigung die ich für meine Eltern empfinde sind grenzenlos! Mama und Papa, ich liebe Euch!

Euch allen die ihr mir beigestanden habt und weiterhin beisteht, meinen tief empfundenen Dank!

Dienstag, 6. April 2010

Mein Lesezeichen



Heute Morgen wurde ich auf mein originelles Lesezeichen angesprochen.
Auf dem Weg nach Lissabon, auf der Fähre die Cacilhas mit der Hauptstadt verbindet, pflege ich meistens zu lesen, um die Überfahrtzeit zu überbrücken.
Ein Junge, ca. 5 Jahre alt, welches mit seiner Mutter reiste, fragte mich nach dem Lesezeichen, das ich beim lesen immer in der rechten Hand zu halten pflege.
Ihm fielen die Zeichnungen auf dem Lesezeichen auf, und er meinte er könne auch so gut malen.

Nun, das will ich dem Knirps wohl glauben, denn mein Lesezeichen wurde nämlich von meinem kleinen Neffen Nélson und meiner noch kleineren Nichte Lorena kunstvoll kreiert.

Und das kam so:
Anfang des Jahres kaufte ich in Évora ein Lesezeichen aus Kork (port.: marcador de cortiça).
Daheim angekommen, legte ich das neue Lesezeichen auf meinen Schreibtisch. Lorena war von dem „jungfräulich leeren“ Lesezeichen so angetan, das sie beschloss diesen, als ich ihr den Rücken zukehrte, sofort zu bekritzeln.

Da nun der erste Schritt zu einem „abstrakten Kunstwerk“ getan war, ermutigte ich die Kleine weiter zu malen.
Und ich fragte dann auch Nélson ob er gerne die andere Seite des Lesezeichens bemalen würde. Er stimmte freudig zu, und malte mir eines seiner Lieblingsmotive, eine Space Shuttle, auf das Lesezeichen.

Und so kommt es, das ich ein individuelles Lesezeichen jeden Tag bei mir trage und jeden Tag, wenn ich das Buch aufschlage, welches ich gerade lese, denke ich mit „saudade“ an meine zwei Mini-Künstler.

Nélson und Lorena, meine kleinen Künstler, ich liebe Euch von ganzem Herzen!

Dienstag, 10. November 2009

Herbsttage


Was ist das für ein Herbst!

Immer wieder gibt es diesen Herbst Regenschauer, wehen kalte Winde vom Atlantik her und gibt es graue, verhangene Morgen.
Etwas lustlos mache ich mich morgens auf den Weg nach Lisboa zur Arbeit, trinke unterwegs meine morgendliche Bica in Cacilhas und träume von den Herbsten von früher.
Da hatten wir hier in Portugal Herbsttage voller Sonne, liefen in kurzen Klamotten rum, suchten mittags einen schattigen Platz auf und an manchen Tagen gingen wir sogar an die Costa de Caparica um uns in den Atlantik zu stürzen, der uns zu dieser Jahreszeit nicht mehr so eisig vorkam wie in den Sommermonaten.

Ja, so war das damals.
Jetzt ist es den ganzen Morgen über draußen kühl und neblig. Gegen Mittag quält sich endlich die Sonne durch die Wolkendecke und erwärmt uns ein wenig.
Es ist mir schon aufgefallen, das es dieses Jahr kaum Pfirsiche, Orangen und Pflaumen gibt und auch das keine einzige Zitrone an den Bäumen hängt.
Die Älteren, die mehr Lebenserfahrung haben, sagen das liegt daran, dass es im Frühjahr, zur Blütezeit so stark geregnet hat.
Die Ernte ist verregnet, sagen die Bauern im Fernsehen.

Manchmal denke ich an die deutschen Herbste zurück. An meine Spaziergänge durch die Wälder Darmstadts und Wixhausens und an meine Wanderungen durch den Odenwald.
In Deutschland waren die Herbste auch kalt und schmuddelig. Aber wenigstens hatten wir dort Wälder durch die wir als Kinder spazieren gehen konnten, in denen wir Kastanien und Laub zum basteln fanden und in denen wir Pilze sammelten.
Hier gibt es kaum Wälder. Das kann man sich in Deutschland kaum einer vorstellen.

Ich wünschte mir, wir hätten hier in Portugal wieder sommerliche Herbsttage, so wie früher.
Zwar finden meine deutschen Arbeitskollegen den Herbst hier toll, zumal es momentan in Deutschland ja wesentlich kälter ist als hier.
Aber wenn sie wüssten, wie schön die Herbste früher hier in Portugal waren, dann würden sie diese noch schöner finden.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Fregatte Dom Fernando II e Glória


Seit gut einem Jahr ankert hier in Almada, im Stadtteil Cacilhas, die portugiesische Fregatte Dom Fernando II e Glória als Museumsschiff.

Die Dom Fernando II e Glória ist ein Segelschiff der portugiesischen Kriegsmarine, die zwischen 1845 und 1878 ihren Dienst zwischen Portugal und dem damaligen Portugiesisch Indien (Goa, Damão, Diu) versah, und die heute ein Museumsschiff ist.

Diese Fregatte war das letzte Segelschiff welches die portugiesische Kriegsmarine bauen ließ.
Gebaut wurde die Dom Fernando II e Glória in den Werften der portugiesischen Marine in Damão (heutiges Indien), unter der Aufsicht des Schiffsbauers und Ingenieurs Gil José da Conceição. Sie hatte 50 Geschütze an Bord und war somit eines der gewaltigsten Kriegsapparate ihrer Zeit.

Getauft wurde die Fregatte nach dem Prinzregenten Dom Fernando II und seiner Gemahlin Königin Maria II da Glória, die zur Zeit des Stapellaufes, das Land regierten.

Die Jungfernfahrt der Dom Fernando II e Glória fand vom 02. Februar bis zum 04. Juli 1845, zwischen Goa, in Portugiesisch Indien und Lissabon statt.
Der Segler hatte 145 Mann Besatzung und konnte 300 Passagiere befördern. Auf manschen Reisen waren sogar bis zu 600 Personen an Bord.
Bis zu ihrer Ausmusterung, im Jahre 1878 legte sie über 100.000 Seemeilen zurück, was einer fünfmaligen Weltumrundung gleichkommt.

In ihrer Dienstzeit segelte die Fregatte mehrere Male kommerziell zwischen Portugal und Indien hin und her, führte Truppentransporte nach Indien, Angola und Moçambique durch, nahm an verschiedenen kriegerischen Handlungen teil, wie die Seeblockade von Benguela und rettete 1878, auf ihrer letzten Fahrt, mehrere Seeleute des amerikanischen Seglers „Laurence Boston“ vor dem sicheren Ertrinkungstod, als deren Schiff auf hoher See, vor den Azoren, in Brand geriet und unterging.

Nach ihrer Außerdienststellung 1878 wurde die Dom Fernando II e Glória als Schulschiff der portugiesischen Marine eingesetzt.
Nach einem Brand im Jahre 1963 wurde sie schwer beschädigt. Wieder seetüchtig gemacht, nahm sie 1998 an der EXPO´98 in Lissabon, als Ausstellungsobjekt teil.

Laut Katalog, den man erhält, wenn man die Dom Fernando II e Glória in Cacilhas besucht, hat das Segelschiff die folgenden Maße:

- Länge: 86,75 m
- Breite: 12,80 m
- Höhe bis zur höchsten Mastspitze: 19,42 m
- Segelvolumen: 2052 m²
- Gewicht unbeladen: 1849,16 Tonnen

Donnerstag, 23. Juli 2009

Endlich eingeweiht


Wie in meinem post „Der grüne Leuchtturm von Cacilhas“, vom 18.06.2009, angekündigt, will ich heute hier über die Einweihung des neuen (alten) Leuchtturms von Cacilhas schreiben.

Nach seinem „Exil“ auf den Azoren, ist der alte Leuchtturm wieder nach Cacilhas zurückgekehrt und hier, in Anwesenheit der Bürgermeisterin von Almada, Maria Emília de Sousa, und dem Oberbefehlshaber der Marine, Admiral Fernando de Melo Gomes, am letzten Samstag, dem 18. Juli 2009, feierlich eingeweiht worden.

Die Einweihungszeremonie ging einigermaßen harmonisch über die Bühne, obwohl Tage zuvor, im Stadtparlament von Almada, die Sitzungen alles andere als harmonisch verliefen.
Hier, im Stadtparlament, ging es nämlich darum, das der Leuchtturm, der immer eine grüne Farbe hatte, plötzlich rot angestrichen worden war, und auch so bleiben soll.

Die Stadtabgeordneten der Opposition wollen es nicht akzeptieren, dass der Leuchtturm nun eine rote, anstatt eine grüne Farbe hat, denn, so argumentieren sie, mit dieser Farbe, ist er nicht mehr der selbe Leuchtturm.

Sie finden es äußerst Merkwürdig das der Leuchtturm nun ausgerechnet die Farbe hat, die auch gleichzeitig die politische Farbe der regierenden Partei im Stadtparlament ist, nämlich rot wie der Kommunismus.
Auf diesen Vergleich angesprochen, meinte die Bürgermeisterin nur, es handele sich um einen Zufall.

Die Stadt hätte sich dafür entschieden den Leuchtturm rot anzustreichen, weil noch eine Menge dieser Farbe in den Depots der Stadt gelagert gewesen seien und grüne Farbe allerdings, noch hätte eingekauft werden müssen.
Aus Kostengründen hätte man also den Leuchtturm rot angestrichen, und nicht aus politischen Gründen, wie die Opposition meine.

„Wer es glaubt, wird selig!“ – so konterte die!

Wie auch immer.
Der Führer der oppositionellen Sozialistischen Partei (PS), dessen politische Farbe rosa ist, hat schon versichert, das er nicht vorhat, bei einem Sieg der kommenden Kommunalwahlen im Oktober, den Leuchtturm rosa anzustreichen…

Montag, 29. Juni 2009

Die Burricadas von Cacilhas


An diesem Samstag, dem 27. Juni 2009, fanden in Almada, im Ortsteil Cacilhas, wieder die traditionellen „Burricadas", zur Gaudi der einheimischen Bevölkerung und vieler Touristen, statt.

Die Burricadas, vom portugiesischen Wort für Esel „burro" abgeleitet, sind ursprünglich Ausritte auf Eseln, die ihren Anfang Ende des 19. Jahrhunderts nahmen.
Damals war es zwischen den wohlhabenden Bürger Lissabons sehr in, an den Wochenenden mit ihren Familien eine Bootsfahrt auf die andere Tejoseite, nach Cacilhas, zu unternehmen.
In Cacilhas angekommen, warteten dann schon die, meistens aus dem nahen Alentejo stammenden, einfachen Bauern („burriqueiros") auf sie, um sie mit ihren Eseln auf das Plateau Almadas zu bringen (dort wo sich heute die Christusstatue Cristo Rei erhebt), wo sie sich dann die frische Seeluft um die Nase wehen ließen.

Auf dem Weg zum Plateau kehrten die Bauern und Eseltreiber, aber auch ihre Gäste, in verschiedenen Tavernen („tabernas") und Kneipen („tascas") ein, um alle dann gemeinsam, bei einem guten Wein ihren Durst zu löschen und sich mit essbaren Leckereien („petiscos") zu stärken. Frisch gestärkt und gut gelaunt, stand jetzt dem Feiern nichts mehr im Wege. Und so wurden die Burricadas schnell zu einem der beliebtesten Ereignisse der Städter der damaligen Zeit.

Als die Esel dann von Autos verdrängt wurden, starben die Burricadas langsam aus; genauso wie die Esel.
Während noch in meiner Kindheit überall, selbst in den Großstädten, Esel anzutreffen waren, so sind sie heute nur noch selten anzutreffen.
Vor genau vier Jahren hat nun die Associação Amigos da Cidade de Almada (Verein der Freunde der Stadt Almada) diese traditionellen Eselsritte wieder ins Leben gerufen, und somit die Esel regelrecht aus der Versenkung geholt.

Einmal im Jahr werden nun dutzende Menschen, zumeist Kinder, auf Eseln von Cacilhas in die Stadtmitte von Almada gebracht, und unterwegs tun sich Kinder und Erwachsene in eigens dafür errichteten Fressbuden und Straßencafés, stärken.
Musik-, Tanz-, Aktions- und Animationsbühnen, die über den ganzen Weg von Cacilhas bis nach Almada verstreut aufgebaut sind, sorgen für das richtige Ambiente.

Und so sind heute wie damals, dem Feiern keine Grenzen gesetzt.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Der grüne Leuchtturm von Cacilhas


Wer aus Lissabon, mit der Fähre kommend, in Cacilhas anlandet, sieht zu seiner Rechten ein sehr gutes Fischrestaurant mit dem Namen „O Farol“ (Der Leuchtturm).
Für mich, genauso wie für viele meiner Generation, war dieses Restaurant der einzige „Leuchtturm“ den es in Cacilhas gab.

Erst vor gut einem halben Jahr, habe ich erfahren, dass es ehemals einen richtigen Leuchtturm in Cacilhas gab, der 1886 in Betrieb genommen wurde, und bis 1978 an den Ufern des Tejo seinen Dienst als Wegweiser der Schifffahrt versah.
Mit der Modernisierung der maritimen Navigationssysteme wurde er ab 1978 für den Lissabonner Hafen nutzlos, wurde dann zerlegt, und auf die Azoreninsel Terceira verschifft. Dort wo er noch gebraucht wurde, versah er seinen Dienst noch bis Anfang des Jahres 2000.
Ab diesem Jahr, wurde er auch auf der Insel Terceira nicht mehr gebraucht, denn auch dort hatte nun das digitale und sonare Zeitalter begonnen.

Die Stadt Almada, zu der der Ort Cacilhas gehört, fragte im Verteidigungsministerium, der für alle Leuchttürme des Landes zuständig ist, nach, ob der Leuchtturm wieder zurück nach Cacilhas kommen könne.
Die Anfrage wurde positiv beantwortet, und so kommt es, dass nach einer 4jährigen Restaurierungsarbeit der Leuchtturm wieder nach Cacilhas gebracht wurde.
Dort wird er jetzt wieder zusammengebaut, und nächsten Monat soll er feierlich eingeweiht werden. Er muss nur noch seine original grüne Farbe erhalten.

Dann können die Menschen, die in Cacilhas mit der Fähre anlegen, nicht nur auf der rechten Seite vom Anlegeplatz, das Restaurant mit dem Namen Leuchtturm sehen, sondern sie können wieder, wie zu vergangener Zeit, wenn sie nach links schauen, dann auch den Originalleuchtturm sehen und bewundern.

Wenn der Leuchtturm eingeweiht wird, werde ich es Euch mit einem post in diesem Blog wissen lassen.

Samstag, 13. Juni 2009

Die Liebe zu einem Fluss


Wer von meinen Freunden jemals hier in Portugal war, weiß dass er, wenn er mich hier zuhause, in Almada, besuchen will, immer übers Wasser kommen muss.
Er muss!

Egal ob er über eine der Hängebrücken mit dem Mietauto fährt, oder mit einer der Fähren über das Wasser kommt.
Er muss immer den Tejo überqueren.
Immer!

Wer nicht von hier ist, könnte meinen der Tejo ist wie eine Grenze oder wie eine Barriere, der Städte, ja ganze Provinzen und ihre Menschen, teilt.
Aber genau das Gegenteil ist der Fall.
Der Tejo, obwohl er von Osten nach Westen das ganze Land in zwei Hälften „teilt“, ist für uns Portugiesen seit Jahrhunderten die Verbindung in die Welt, die Nabelschnur die uns mit allen Weltmeeren verbindet. Er war und ist die Bühne eines vergangenen Weltreiches. Ohne den Tejo wäre Portugal niemals die Seefahrernation geworden, die es einmal war.
Unsere Entdeckungsfahrten fingen hier in diesem Fluss an, und nicht draußen auf dem offenen Meer!

Lissabon und die Lissabonner sind tejoverliebt, waren es schon immer. Aber wie mit jeder Liebe, so ist es auch mit dieser: mit der Zeit lässt vieles nach! Und heute sieht es so aus, als wenn der Lissabonner den Tejo vernachlässigt. Aber es sieht nur so aus, glauben sie es mir!

Die beste Aussicht auf den Tejo hat man übrigens von den vielen Aussichtterrassen (Miradouros) die über die Hügel der Stadt verteilt sind. Von ihnen aus kann man den riesigen Mündungssee bewundern, der sich erst im letzten Augenblick entschließt, noch einmal ein Fluss zu werden. Die Lissabonner nennen dieses riesige Binnensee „Mar da Palha“ (das Strohmeer), denn morgens und abends, wenn die Sonnenstrahlen auf das Wasser fallen, lassen sie die Fluten so aussehen als wären sie von schimmernden goldenen Halmen bedeckt.

Viele Touristen, die Lissabon besuchen, nehmen die Gelegenheit wahr, und überqueren den Tejo von Lissabon nach Cacilhas.
Ich selbst schlage so eine Überquerung des Tejos jedem Touristen vor, der mich nach einem originellen Trip in Lissabon fragen tut. So eine fahrt über den Tejo ist zwar keine „Weltreise“, aber es reicht, um sich in diesen Fluss zu verlieben.

Von Cacilhas aus, hat man auch den schönsten Ausblick auf Lissabon. Die Entfernung von knapp 3 km schadet Lissabon überhaupt nicht. Ich möchte sogar sagen, das Gegenteil ist der Fall! Die Entfernung macht Lissabon weicher, sie verdeckt das Brüchige, verbirgt die Narben und die Schatten, und die ewigen Baustellen die die Stadt ständig heimsuchen. Und außerdem sieht man immer Wasser, viel Wasser.

Ich stelle mir oft vor, wenn ich den Tejo überquere, so wie heute Abend, als ich von dem Antoniusfest nach hause gefahren bin, wie der Tejo vor drei oder vier Jahrhunderten ausgesehen haben muss, mit seinen hunderten und aberhunderten Karavellen, Naus, den Segelschiffen aus aller Welt und den Fischerbooten in allen Größen.
Wie muss dieser Fluss ausgesehen haben mit den ganzen weißen Segeln im Wind?