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Sonntag, 18. Dezember 2011

Die Invasion Goas


Heute vor genau 50 Jahren hörte Goa auf Portugiesisch zu sein.
Am 18. Dezember 1961 besetzten Soldaten der Indischen Union gewaltsam die drei portugiesischen Überseeterritorien Goa, Damão und Diu, und beendeten damals in wenigen Stunden die über 450 Jahre dauernde portugiesische Präsenz in Indien.

Die Geschichte Portugals in Goa begann im Jahre 1510.
Nachdem Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, nutzten die Portugiesen von Anfang an die Rivalitäten der einzelnen indischen Landesfürsten zu ihren Gunsten aus.
Das ging soweit, das im Jahre 1510 der zukünftige portugiesische Vize-König von Indien (port.. Vice-Rei da India), Afonso de Albuquerque, mit dem Maharadscha von Vijayanagar eine Allianz einging, und mit diesem das heutige Gebiet um Goa, vom Sultan von Bijapur, eroberte.

Von diesem Augenblick der Eroberung an, wurde Goa für viele Jahrhunderte die wichtigste portugiesische Kolonie in Asien.
Alle Überseegebiete in Asien und Ostafrika, vom Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) bis nach Japan, unterstanden damals dem jeweiligen Gouverneur von Goa, der gleichzeitig auch meistens den Titel eines portugiesischen Vize-Königs trug.
Im 16. Jahrhundert, als Goa am mächtigsten und reichsten war, sprach man sogar vom „Goldenen Goa“ (port.: „Goa dourada“).

Als Indien im Jahre 1947 vom britischen Empire unabhängig wurde, erhöhte sich der Druck auf Portugal, ebenfalls seine Kolonien an Indien abzutreten.
Doch die damalige portugiesische Regierung, unter Diktator Antonio de Oliveira Salazar, dachte nicht daran Goa, Damão und Diu an Indien abzutreten.

Am 18. Dezember 1961 marschierten indische Soldaten in Goa ein und besetzten es.
Die portugiesischen Soldaten die sich damals in Goa aufhielten hatten der großen Übermacht Indiens, die das Territorium von Land, von der See und von der Luft aus angriffen, nichts entgegenzusetzen.
Ganze 36 Stunden dauerten die Kriegshandlungen zwischen Indien und Portugal in Goa.
3.500 schlecht ausgerüstete portugiesische Soldaten standen damals über 60.000 indischen Soldaten gegenüber. Bei den Kämpfen kamen 26 portugiesische Soldaten, ca. 300 Zivilisten und an die 500 indische Soldaten ums Leben.

Da Ägypten der portugiesischen Marine damals das Passieren des Suezkanals verweigerte, und somit mit einer militärischen Verstärkung aus Portugal nicht zu rechnen war, sah der portugiesische Gouverneur Manuel Antonio Vassalo e Silva keinen Ausweg mehr, und kapitulierte am 19. Dezember 1961 mit seinen Soldaten.
Er wollte mit seiner Kapitulation ein weiteres Blutvergießen verhindern und so tausende Menschenleben retten.

Doch die Salazarregierung verurteilte dieses eigenmächtige Handeln aufs schärfste und brachte Gouverneur Vassalo e Silva, der gleichzeitig auch General war, nach dessen Rückkehr nach Portugal, vor ein Militärgericht.
Von diesem wurde er wegen „Feigheit, Eigenmächtigkeit und Befehlsverweigerung“ zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Mit dem Verlust Goas im Jahre 1961 begann der Zerfall des portugiesischen Kolonialreiches.
Von der indischen Invasion bestärkt, revoltierten in den nächsten Jahren auch die afrikanischen Kolonien gegen Portugal.
Portugal wurde in blutige Kolonialkriege (port.: Guerras do Ultramar) mit Angola, Moçambique, Guinea-Bissau, Cabo Verde und São Tomé e Principe verwickelt.
Erst 1974, nach der Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos), nahmen Portugal und Indien diplomatische Beziehungen auf.

Die portugiesische Kolonialzeit in Indien ist nun Geschichte.
Aber auch wenn Portugal damals über Nacht Portugiesisch-Indien (port.: Estado da India Portuguesa) verlassen musste, so erinnert heute noch vieles in Goa an die alte Kolonialmacht.
Sei es der alte Kolonialstil, die katholischen Kirchen oder die örtliche Gastronomie – überall merkt man heute noch den portugiesischen Einfluss.
Kein anderer Teil Indiens ist kulturell so von einer europäischen Kolonialmacht beeinflusst worden wie Goa.
Und keiner weiß das mehr zu schätzen, als die Bewohner Goas selbst!

Mittwoch, 29. Juli 2009

Fregatte Dom Fernando II e Glória


Seit gut einem Jahr ankert hier in Almada, im Stadtteil Cacilhas, die portugiesische Fregatte Dom Fernando II e Glória als Museumsschiff.

Die Dom Fernando II e Glória ist ein Segelschiff der portugiesischen Kriegsmarine, die zwischen 1845 und 1878 ihren Dienst zwischen Portugal und dem damaligen Portugiesisch Indien (Goa, Damão, Diu) versah, und die heute ein Museumsschiff ist.

Diese Fregatte war das letzte Segelschiff welches die portugiesische Kriegsmarine bauen ließ.
Gebaut wurde die Dom Fernando II e Glória in den Werften der portugiesischen Marine in Damão (heutiges Indien), unter der Aufsicht des Schiffsbauers und Ingenieurs Gil José da Conceição. Sie hatte 50 Geschütze an Bord und war somit eines der gewaltigsten Kriegsapparate ihrer Zeit.

Getauft wurde die Fregatte nach dem Prinzregenten Dom Fernando II und seiner Gemahlin Königin Maria II da Glória, die zur Zeit des Stapellaufes, das Land regierten.

Die Jungfernfahrt der Dom Fernando II e Glória fand vom 02. Februar bis zum 04. Juli 1845, zwischen Goa, in Portugiesisch Indien und Lissabon statt.
Der Segler hatte 145 Mann Besatzung und konnte 300 Passagiere befördern. Auf manschen Reisen waren sogar bis zu 600 Personen an Bord.
Bis zu ihrer Ausmusterung, im Jahre 1878 legte sie über 100.000 Seemeilen zurück, was einer fünfmaligen Weltumrundung gleichkommt.

In ihrer Dienstzeit segelte die Fregatte mehrere Male kommerziell zwischen Portugal und Indien hin und her, führte Truppentransporte nach Indien, Angola und Moçambique durch, nahm an verschiedenen kriegerischen Handlungen teil, wie die Seeblockade von Benguela und rettete 1878, auf ihrer letzten Fahrt, mehrere Seeleute des amerikanischen Seglers „Laurence Boston“ vor dem sicheren Ertrinkungstod, als deren Schiff auf hoher See, vor den Azoren, in Brand geriet und unterging.

Nach ihrer Außerdienststellung 1878 wurde die Dom Fernando II e Glória als Schulschiff der portugiesischen Marine eingesetzt.
Nach einem Brand im Jahre 1963 wurde sie schwer beschädigt. Wieder seetüchtig gemacht, nahm sie 1998 an der EXPO´98 in Lissabon, als Ausstellungsobjekt teil.

Laut Katalog, den man erhält, wenn man die Dom Fernando II e Glória in Cacilhas besucht, hat das Segelschiff die folgenden Maße:

- Länge: 86,75 m
- Breite: 12,80 m
- Höhe bis zur höchsten Mastspitze: 19,42 m
- Segelvolumen: 2052 m²
- Gewicht unbeladen: 1849,16 Tonnen