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Montag, 27. Januar 2014

Lissabon ist so cool


Die bekannte und erfolgreiche amerikanische Reisejournalistin und Buchautorin Fiona Dunlop hat am gestrigen Sonntag auf der Internetseite des US-Fernsehsenders CNN einen Artikel über Lissabon geschrieben, den sie „7 reasons Lisbon could be Europe’s coolest city“ tituliert hat.
In diesem Artikel führt Fiona Dunlop ihre persönlichen sieben Argumente auf, warum sie meint, das Lissabon die coolste Stadt Europas sein könnte:

7 reasons Lisbon could be Europe’s coolest city:

1. Das Nachtleben
Fiona Dunlop lobt die vielen guten Szene-Locations der Hauptstadt, verweist auf die über 250 ausgefallenen Bars und verrückten Kneipen die zwischen dem Bairro Alto und dem Cais do Sodré liegen hin und empfiehlt außerdem sie die schicken Clubs der Stadt, wie z.B. das LUX, wo jeden Abend das Nachtleben pulsiert.

„If you think Madrid stays out late, try a night out in Lisbon”
(Fiona Dunlop)
„Wenn Sie denken Madrid bleibt lange auf, dann versuchen sie erst einmal eine Nacht in Lissabon“

2. Die experimentelle Küche
Mit experimenteller Küche meint die Autorin die perfekte Kombination zwischen der modernen, anspruchsvollen und dennoch erschwinglichen Küche die sich in den letzten Jahren neben der traditionellen portugiesischen Küche behauptet hat, und die man überall in der Hauptstadt genießen kann.

„No traveler to Lisbon should miss the famed egg tarts pasties de nata“
(Fiona Dunlop)
„Kein Besucher Lissabons sollte sich die berühmten Pasteis de Nata entgehen lassen“

3. Die Ironie
Fiona Dunlop führt als drittes Argument für die Coolness Lissabons Ironie an.
Nun, Tatsache ist, dass Ironie eines der Sachen ist, die uns Lissabonner überhaupt nur wenige zutrauen oder zugestehen wollen. Die meisten halten uns Portugiesen ja doch eher für übertrieben melancholisch und fatalistisch.
Aber wir Lissabonner sind von Natur aus wirklich humorvoll und neigen sogar zur Selbstironie, auch wenn das Leben hierzulande im Augenblick alles andere als spaßig ist.
Wie dem auch sei:
es scheint so, als ob unsere Ironie auch von unseren internationalen Gästen positiv aufgenommen wird.

4. Strände und Burgen
Die vielen schönen Strände und Burgen die sich im Großraum Lissabons befinden werden von der Autorin als hervorragende Ausflugsziele angegeben.
Sowohl Estoril mit seinem Casino und Badestränden, Cascais mit seiner Gastronomie und auch das romantisch-verträumte Sintra mit seinen einzigartigen Burgen, Schlössern und Herrenhäuser sind für sie erwähnungswert.

„Lisbon is a place to inhale salty Atlantic air, sunbathe and hit the waves“
(Fiona Dunlop)
„Lissabon ist ein Ort an dem man salzige Atlantikluft einatmet, sonnenbadet und die Wellen schlagen hört“

5. Das großartiges Design
Sei es die stilvolle und zugleich aufregende Mode, die ausgefallene Kunst in den Museen und Galerien oder die preisgekrönte Architektur – Lissabon strotzt nur so vor Moderne, Lifestyle und Design.
Lissabon ist fashion!
…und das nicht zur Fashionweek

„This is a city that loves to look good“
(Fiona Dunlop)
„Das ist eine Stadt, die es liebt gut auszusehen“

6. Die Kunst
Ob ein Ausflug in die private Gulbenkian-Stiftung an der Praça de Espanha, ein Besuch im modernen Museu Berardo in Belém, einpaar Stunden im bedeutenden Museum für Alte Kunst mit seiner wertvollen Kunstsammlung alter portugiesischer Künstler oder eine Visite im exklusiven Museu do Oriente mit all seinen wertvollen asiatischen Exponaten – Lissabons Museen, Stiftungen und Kunstgalerien sind immer einen Besuch wert, so die Autorin.

„Large European capitals such as London, Paris, Berlin and Madrid may have blockbuster art collections, but Lisbon’s half million inhabitants have access to their own rare panoply“
(Fiona Dunlop)
„Große europäische Hauptstädte wie London, Paris, Berlin oder Madrid mögen vielleicht bedeutende Kunstsammlungen haben, aber nur eine halbe Million Lissabonner haben Zugriff auf ihre eigene seltene Kunstpalette“

7. Die faszinierenden Straßen
Als siebten und letzten Grund für die Coolness der portugiesischen Hauptstadt gibt Fiona Dunlop die Straßen Lissabons an, mit all ihren farbigen Kacheln an den Wänden und den kunstvoll schwarz-weißen Pflastermustern unter den Füßen.


Fiona Dunlop hat hier einen, wie ich finde, sehr informativen, interessanten und humorvollen Artikel geschrieben, der aber eigentlich nur das bestätigt, was wir Lissabonner selber schon seit langem wissen:
Lissabon ist so cool!

Wer den Originalartikel von Fiona Dunlop bei CNN lesen will, der findet hier den link:


Donnerstag, 24. September 2009

Das Haus der Geschichten von Paula Rego




Am letzten Freitag, dem 18. September 2009, wurde in Cascais, im Beisein von Staatspräsident Anibal Cavaco Silva und seiner Ehefrau, ein bemerkenswertes neues Museum eröffnet, das voll und ganz dem Werk der portugiesischen Malerin Paula Figueiroa Rego gewidmet ist.

Der in den Farben rotbraun gehaltene Neubau "Casa das Histórias Paula Rego" (dt.: Haus der Geschichten von Paula Rego) wurde von dem Architekten Eduardo Souto de Moura entworfen.
Mit zwei Türmen in Pyramidenform und ganz schlichten Mauern ist das Museum im Stil historischer Gebäude gebaut.

Im Inneren kann man die einzigartigen Bilder der seit Jahrzehnten in London lebenden und international anerkannten 73jährigen Künstlerin bewundern.
Paula Rego hat dem Museum mehr als 500 ihrer Werke überlassen. Hinzu kommen noch einige Bilder ihres verstorbenen englischen Ehemannes Victor Willing.

Das Museum heißt nicht umsonst „Haus der Geschichten von Paula Rego“.
Denn wer sich jemals die Bilder von Paula Rego angeschaut hat, weiß wie ausdrucksstark ihre Kunst ist.
Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte, mit seinen überwiegend grotesken, aggressiven, dominanten und geschundenen Figuren.

Ich war gestern in Cascais und habe mir das Museum und die Werke von Paula Rego angeschaut.
Abgesehen davon, das das Museum eines der wenigen, wenn nicht gar das einzige, in Cascais ist das keinen Eintritt verlangt, lohnt sich ein Besuch in der „Casa das Histórias Paula Rego“ alleine schon wegen der Einzigartigkeit der Bilder dieser renommierten Künstlerin.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Kunst für den Papierkorb






Im vorherigen post mit dem Namen „Donnerstag nachts im Campo Pequeno“ habe ich über den Spektakel berichtet, der sich jeden Donnerstagabend, und manchmal auch an Samstagen und Sonntagen, in den einzelnen Stierkampfarenen des Landes ereignen und der vielen Portugiesen als das höchste Gut ihres Brauchtums gilt.

Wie von mir beschrieben, so gibt es zwei Typen von Menschen, wenn es um den Stierkampf geht.
Nämlich der Typ, der den Stierkampf abgöttisch liebt und sich als „aficionado“ (Stierkampfliebhaber) öffentlich bekennt.
Und dann der Typ, der jegliche Form des Stierkampfes als barbarischen Akt bezeichnet und als grausame Tierquälerei abtut.

Wie ich so schön zu sagen pflege:
„Jedem das seine – mir das meiste!“
Es steht mir nicht zu die Meinung anderer zu kritisieren.
Aber ich erlaube es auch keinem, mich zu „missionieren“.

Worüber es aber keine Meinungsverschiedenheit geben sollte, sind die in ganz Portugal und Spanien berühmten „cartazes“ die extra für den Stierkampf gezeichnet und gemalt werden.
Diese „cartazes“ stellen Szenen aus dem Stierkampf, bzw. Szenen aus dem Leben der Stiere und der „toureiros“ dar.

Ein „cartaz“ ist nichts weiter als eine Info, auf dem das Datum des nächsten Stierkampfes abgedruckt ist, und die Namen der „toureiros“ und der „forcados“.
Was diese Infos allerdings so besonders macht, ist die künstlerische Art und Weise wie sie gestaltet werden. Manche von ihnen sind richtige Kunstwerke.
Ein „cartaz“ kann die Größe eines DIN-A5-Blattes haben, und wird dann in einen Briefkasten eingeworfen, aber er kann auch 10 x 30 Meter groß sein, und hängt dann an verschiednen Häuserwänden oder an der Arena selbst, um den nächsten Stierkampf anzukündigen.

Es gibt in Portugal und Spanien Zeichner, Maler und Druckereien, die sich auf diese Art der Kunst regelrecht spezialisiert haben.
Wer jemals, bei einem Besuch in Lissabon, Santarém oder Vila Franca de Xira, diese überdimensionalen „Gemälde“ gesehen hat, kommt so leicht aus dem Staunen nicht heraus.

Aber, ob ein „cartaz“ nun so groß ist wie ein Blatt Papier, die Größe eines Plakates hat, oder vielleicht doch die Größe einer ganzen Hauswand besitzt; eines haben sie alle gemeinsam:
nach dem Stierkampf enden sie alle im Papierkorb.

Freitag, 12. Juni 2009

Mister Five Percent



Die Tatsache das Portugal im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben ist, und somit keine eigenen Opfer auf den Schlachtfeldern der Welt erleiden musste, sehen heute noch viele Portugiesen als ein Glücksfall der Geschichte an. Trotz all der Entbehrungen die die Portugiesen über sich ergehen lassen mussten, kamen sie recht gut davon und mussten nicht wie andere Nationen hungern, kriegsleiden und sterben. Von diesem Standpunkt ausgesehen, waren die Kriegsjahre für Portugal Glücksjahre.
Aber 1942 sollte sich als „das“ Glücksjahr schlechthin erweisen. Denn in diesem Jahr kam der armenische Ölmilliardär Calouste Sarkis Gulbenkian nach Lissabon - und blieb.
Gulbenkian wurde am 1. März 1869, in der Nähe von Istanbul als Sohn eines wohlhabenden armenischen Petroleumhändlers geboren. Schon als Kind zeigte er Interesse an Kunst. Man erzählt sich, dass er als Siebenjähriger mit seinem Taschengeld eine alte Münze auf einem Flohmarkt in Istanbul ergatterte. Diese Münze sollte das erste Stück der berühmten Gulbenkian-Sammlung werden. Sie ist heute im gleichnamigen Museum ausgestellt.
Mit 18 Jahren zog Gulbenkian nach England und fing an Ingenieurwissenschaften an der Londoner Universität zu studieren. Mit erst 22 Jahren besuchte er dann Mesopotamien, im heutigen Irak, und erforschte die dortigen Ölfelder. Der Forschungsbericht den er verfasste veranlasste eine internationale Kommission zu Probebohrungen und damit begann Gulbenkians Karriere und Iraks Ölförderung.
Als einer der Gründer der Iraq Petroleum Company handelte er 1928 mit Shell, BP und Mobil die Aufteilung der Gesellschaft aus und sicherte sich eine 5%-Beteiligung – daher auch sein Spitzname „Mister Five Percent“ - an den drei heutigen Multis. Zeitweilig galt Calouste Gulbenkian sogar als der reichster Mann der Welt.
Gulbenkian war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein eifriger Sammler. Aber er kaufte Kunst nicht einfach drauf los.
Nein, man erzählt sich, dass er jedes einzelne Objekt gnadenlos vor dem Erwerb studierte. Manche Stücke bewahrte er monatelang in seinem Haus auf, bis er endlich zu dem Entschluss kam ob er es kaufen oder nicht kaufen sollte. Für den Erwerb des Tafelsilbers der russischen Zarenfamilie z.B., brauchte er über vier lange Jahre!
Calouste Gulbenkian kam ungewollt nach Portugal.
Er war im Unfrieden aus London weggegangen. Ihm, der 1902 die britische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, wurden nun die Gewinne aus seinen Geschäften plötzlich als Feindeseigentum beschlagnahmt. Nach Istanbul konnte er nicht, denn dort herrschte der Krieg. Und auch in Paris, wo er lebte, wurde es ihm langsam zu unsicher, denn die deutschen Truppen kamen immer näher.
Eigentlich wollte er nach Amerika auswandern, als er eines Abends in London, dem portugiesischen Botschafter in Großbritannien, Armindo de Sttau Monteiro begegnete, und der ihm anbot nach Lissabon zu kommen. Als der Botschafter ihm diesen Vorschlag machte, konnte sich keiner erträumen das Gulbenkian später einmal all sein Vermögen nach Portugal bringen würde und hier seine Stiftung gründen würde.
Aber Gulbenkian sollte niemals vergessen, dass das friedliche Lissabon, das er bis dahin noch nicht einmal kannte, ihn 1942 liebenswürdig, gastfreundlich und mit offenen Armen empfangen hatte.
Bis zu seinem Tod, im Jahre 1955, wohnte er in einer luxuriösen Suite des Hotels Aviz (da, wo heute das Sheraton steht). Er starb ohne Ehefrau und kinderlos.
Als er starb hinterließ er all sein Geld (es sollen nach heutigem Wert mehr als 6 Milliarden Dollar gewesen sein) der von ihm gegründeten Stiftung „Fundação Calouste Gulbenkian“ in Lissabon.
Von der Stiftung, die alljährlich mehrere hundert Millionen abwirft, und die mit ihrem beträchtlichen Vermögen ein kleiner Staat im Staate ist, wird die Hälfte für die Kunst ausgegeben. Aber auch die Wohltätigkeit, die Wissenschaft und die Erziehung profitieren von Gulbenkians Geld. Aus dem kulturellen Leben des Landes ist die Stiftung nicht mehr wegzudenken: Sie vergibt Stipendien und Auslandsstipendien, veranstaltet Konzerte, Filmretrospektiven, Kurse, wissenschaftliche Tagungen, unterhält ein weltberühmtes Ballett, ein Observatorium, mehrere Konzertsaale, leitet eine wertvolle Bibliothek und führt natürlich das einzigartige Museum in Lissabon, sowie ein anderes in Paris. Zum Museum in Lissabon gehört auch ein riesiger Park, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Im Museumscafé kann man wunderbar frühstücken oder nachmittags sein Kaffee trinken.
Um sich eine Vorstellung von der Höhe des Geldbetrages zu machen (ich konnte es bis zur Recherche dieses Textes nicht!) von dem wir hier reden, so muss man wissen das der zur Verfügung stehende Gesamtbetrag der alljährlichen Gelder der Gulbenkianstiftung mehr als doppelt so groß ist, wie die Mittel der Rockefeller Foundation in New York!
Calouste Sarkis Gulbenkian sagte einmal: „Ich bin unwiderstehlich jeglichem Ausdruck von Kunst und Schönheit verfallen“.
Wir danken ihm dafür, von ganzem Herzen!
Anmerkung: Ich werde in einem späteren post ausführlicher über das Gulbenkian-Museum und seine Kunstschätze, in der Avenida de Berna, schreiben.