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Sonntag, 26. Oktober 2014

12 Schätze Europas


Vergangene Woche publizierte die einflussreiche amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ einen interessanten Artikel in ihrer Wochenendausgabe mit dem Titel „12 Treasures of Europe“ (dt.: „12 Schätze Europas“).

In diesem Artikel stellt die „New York Times“ zwölf europäische Städte vor und ihre jeweiligen typischen Symbole oder wichtigsten Charakteristika.
Die portugiesische Hauptstadt Lissabon ist mit ihren wunderschönen Kacheln (port.: azulejos / engl.: tiles) vertreten, aber auch Berlin mit seiner außergewöhnlichen Straßenkunst oder das belgische Brüssel mit seiner leckeren Schokolade.

„Gibt es ein blaueres Land als Portugal?“
(engl.: „Is there a bluer country than Portugal?“),
fragt Seth Sherwood in seinem Artikel, indem er von den portugiesischen blau-weißen Azulejos, vom blauen Himmel und vom Atlantik schwärmt.
Weiter schreibt der US-Amerikaner:
 „In ganz Portugal sind die typisch blauen Kacheln in und an Kirchen, Klöstern, Burgen, Schlössern, Universitätshallen, Parks, Bahnhöfen, Hotellobbys und Hausfassaden verbreitet“.
(engl.: „And all across Portugal, the typically blue designs of azulejos – ceramic tiles – are spread across churches, monasteries, castles, palaces, university halls, parks, train stations, hotel lobbies and apartment facades“.)

Und da hat Sherwood Recht!
Azulejos sind ohne Zweifel eines der  Markenzeichen dieser Nation.
Diese Kunst an den Wänden, die in ihren oftmals imposanten Bildern viel über die Geschichte dieses Land erzählen, ist überall gegenwärtig, vor allem hier in Lissabon.

Deshalb ist es für mich als Lissabonner mehr als verständlich, das die renommierte amerikanische Tagezeitung die Azulejos zu den „12 Schätzen Europas“ zählt!
Die anderen Schätze Europas sind, laut der „New York Times“:


- die Straßenkunst in Berlin
- die Schokolade in Brüssel
- die Paprika in Budapest
- das Design in Kopenhagen
- die Seide in Florenz
- die Duftstoffe von Istanbul
- die Hüte in London
- die Gitarren in Madrid
- die Regenschirme in Paris
- das Spielzeug in Prag
- die Kaffeeservice in Sarajevo

Wer den Originalartikel nachlesen will, hier der dazugehörige Link:


Mittwoch, 29. August 2012

Die Portugiesen bei den Paralympischen Sommerspielen 2012 in London




Im Beisein des portugiesischen Premierministers Pedro Passos Coelho, eröffnete heute Abend in der britischen Hauptstadt London die englische Königin Elisabeth II die XIV. Paralympischen Sommersiele 2012 (port.: Jogos Paralimpícos de Verão de 2012).

Über 4.200 körperamputierte, blinde, körperlich oder geistig behinderte Sportlerinnen und Sportler aus 166 Nationen werden zwischen dem 29. August und dem 09. September 2010 an diesen größten Behinderten-Weltspielen teilnehmen.
Seit 1948 werden für Sportler mit Behinderungen nach den Olympischen Sommer- und Winterspielen immer begleitende Spiele veranstaltet.

Warum diese Spiele immer nach den „normalen“ Olympischen Spielen stattfinden müssen und nicht etwa mit diesen zusammengelegt werden, habe ich nie verstanden.
Meiner Meinung nach gehören behinderte Menschen zweifelsohne in die Gesellschaft – und das sollte auch für den Sport gelten!

Insgesamt 30 behinderte Athletinnen und Athleten aus Portugal werden in den kommenden 12 Tagen in London in fünf Disziplinen an den Start gehen.
Dies ist die kleinste portugiesische Mannschaft seit den Paralympics 1992 in Barcelona.
Die grün-rote Flagge Portugals trug heute Abend, bei der Eröffnungsfeier im Olympiastadion, die Kugelstoßerin Inês Isabel Maciel Fernandes.

Die portugiesischen Teilnehmer an den XIV. Paralympischen Sommersielen 2012 in London sind:

Boccia (port.: boccia)

- Abílio Manuel Bessa Valente
- Armando Fonseca Costa
- Cristina Maria Jesus Gonçalves
- Domingos Vieira
- Fernando Manuel da Costa Ferreira
- João Paulo dos Santos Fernandes
- José Carlos da Silva Macedo
- Luís Daniel Ferreira Silva
- Susana Cristina Carvalheira Barroso

Leichtathletik (port.: atletismo)

- Firmino Francisco Andrade Baptista
- Gabriel Macchi
- Gabriel Potra
- Hugo Miguel Veríssimo Cavaco
- Inês Isabel Maciel Fernandes
- Joaquim Ferreira Machado
- Jorge Teixeira Pina
- José Alves
- Lenine Francisco da Silva Cunha
- Maria Odete Fiúza
- Nélson da Conceição Madeira Gonçalves
- Nuno Miguel Fernandes Alves
- Raquel Andreia de Sousa Faria Cerqueira
- Ricardo Manuel Martins do Vale
- Ricardo Marques

Reitkunst (port.: equitação)

- Sara Duarte

Rudern (port.: remo)

- Filomena Maria Rosa Esteves Franco

Schwimmen: (port.: natação)

- Adriano Nascimento
- David Realista Grachat
- João Manuel Rodrigues Martins
- Simone Silva Machado Fragoso


Noch vor wenigen Wochen wurden wir mit etlichen Beilagen in den hiesigen Tageszeitungen und vielen Sondersendungen im Fernsehen zur EM und zu Olympia bombardiert.
Mal sehen wie es jetzt bei der Olympiade für Behinderte aussehen wird!

Mittwoch, 8. August 2012

Ein goldener Moment in Silber

Die zwei portugiesischen Kajakfahrer Emanuel Silva und Fernando Pimenta haben heute Morgen in London die erste, lang ersehnte, Olympische Medaille für Portugal gewonnen – ein goldener Moment in Silber!

Beide gewannen sie die Silbermedaille im Kajak-Zweier (port.: duplo-caiaque) der Herren über 1.000 m, hinter Rudolf Dombi und Roland Kokeny aus Ungarn, die die Goldmedaille gewannen, und noch vor den Deutschen Martin Hollstein und Andreas Ihle, die die Bronzemedaille erhielten.

Viele außerhalb Portugals werden jetzt sagen:
„Ach, ist ja nur eine Silbermedaille!“
Aber für uns Portugiesen ist diese Silbermedaille die lang erhoffte und lang ersehnte Medaille dieser Olympischen Spiele.
Bis heute hatte Portugal nämlich noch keine Medaille in London gewonnen!

Wir Portugiesen wissen, dass wir keine Sportnation sind, so wie China, Deutschland oder die USA eine sind.
Nichtsdestotrotz haben wir uns mehr von den diesjährigen Olympischen Spielen in London erwartet.
Aber die Tatsache, das wir bis jetzt leer ausgegangen sind, ist nun einmal die traurige Realität, der wir uns Portugiesen, seien wir Sportler oder Zuschauer, nun einmal stellen müssen.

Und die traurige Realität ist die, das außer im Fußball, die meisten Portugiesen zum größten Teil überhaupt nicht die portugiesischen Sportler kennen.
Und weil sie sie fast alle nicht kennen, können sie sich weder mit ihnen identifizieren, können weder mit ihnen zittern noch bangen oder sich mit ihnen freuen.
Und, die wenigen Sportler außerhalb des Fußballs, die man hier in Portugal kennt, bekommen ehrlicherweise auch nur alle vier Jahre eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt – nämlich eben zu den Olympischen Spielen.

Die meisten Portugiesen beachten diese Sportler also jahrelang nicht, wissen oftmals noch nicht einmal ihre Namen, aber wenn diese dann an den Start gehen, erhoffen sich die meisten, absurderweise, immer eine Medaille von ihnen, am besten noch eine goldene.

Gewinnen sie dann eine Medaille, so wie heute geschehen, dann sind sie die Größten, ja wahre Nationalhelden.
Die Fernsehanstalten bringen dann etliche Sondersendungen, in den Fernsehnachrichten werden die Eltern, die Geschwister, die Oma, der Schulfreund und sogar der Hund des jeweiligen Sportlers interviewt und die Sportler müssen dann zum X-Mal, vor laufender Kamera, in ihre Medaille beißen, damit auch jeder Hinterwäldler wirklich versteht, dass es sich bei dieser um Edelmetall handelt.

Bringen sie aber die erhoffte Medaille nicht nach Hause, dann sind sie „Versagen“, „Faulpelze“, „Witzblattfiguren“ und „Schmarotzer die auf Kosten der portugiesischen Steuerzahler im Ausland urlauben…“

Zu oft wird hierzulande vergessen, das die Männer und Frauen, die für Portugal bei großen sportlichen Events, und nicht nur bei Olympischen Spielen, laufen, schwimmen, Rad fahren, paddeln, reiten oder segeln reine Amateure sind.
Sie finanzieren oftmals ihren Sport selbst und müssen manchmal für viele Kosten, wie Hotelaufenthalt, Flug und Sportgeräte, selbst aufkommen.
Es wird einfach ignoriert das diese Sportler dann in einem ungleichen Wettbewerb gegen Gegner antreten müssen, die jegliche staatliche Förderung erhalten, von der Wirtschaft gesponsert werden und sich um ihre sportliche als auch berufliche Karriere keine Sorgen machen brauchen.

Umso wertvoller ist daher, zweifelsohne, die heute von den Amateuren Emanuel Silva und Fernando Pimenta gewonnene Silbermedaille in London.

Parabéns Emanuel e Fernando!

Freitag, 27. Juli 2012

Die Portugiesen bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London




Soeben wurden, mit einer spektakulären Eröffnungsfeier, die XXX. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit in London eröffnet.
Über angeblich vier Milliarden Menschen auf der ganzen Welt sollen sich dieses effektvolle Riesenspektakel, das mit vielen typisch britischen Details gespickt war, im Fernsehen angeschaut haben.

Mehr als 10.500 Athleten aus 204 Nationen werden in den kommenden zwei Wochen, vom heutigen 27. Juli bis zum 12. August 2012, in 26 Sportarten, verteilt auf 302 Wettbewerben, ihren Traum vom olympischen Gold leben.

Auch 44 Sportler und 33 Sportlerinnen aus Portugal werden an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London teilnehmen, obwohl hierzulande die Hoffnung auf Medaillen, zumal auf goldene, dieses Mal sehr gering sind.
Nichtsdestotrotz, und getrost dem Motto „Dabei sein ist alles“, werden die portugiesischen Athleten sicherlich versuchen ihr bestes zu geben.
Die 77 portugiesischen Athleten werden sich in insgesamt 13 Sportarten mit den Sportlern anderer Nationen messen müssen.

Die Judoka Telma Monteiro hatte heute die Ehre, bei der Eröffnungsfeier im Olympiastadion von London, die portugiesische Mannschaft als Fahnenträgerin anzuführen.

Hier nun eine Auflistung der 77 portugiesischen Athleten die an den diesjährigen Sommerspielen in London teilnehmen und die 13 Sportarten in denen sie antreten werden:


Leichtathletik (port.: atletismo)

- Alberto Paulo (3.000m Hindernislauf)
- Ana Cabecinha (20-km-Gehen)
- Arnaldo Luis Isaías Abrantes (200-Meter-Lauf)
- Clarisse Maria Pinho Cruz (3.000-Meter-Hindernislauf)
- Ana Dulce Felix (Marathonlauf und 10.000-Meter-Lauf)
- Edi Maia (Stabhochsprung)
- Inês Henriques (20-km-Gehen)
- Irina Gomes (Diskuswerfen)
- Jéssica Augusto (Marathonlauf)
- João Almeida (110-Meter-Hürdenlauf)
- João Paulo Garcia Vieira (20-km-Gehen und 50-km-Gehen)
- Jorge Paula (400-Meter-Hürdenlauf)
- Luis Feiteira (Marathonlauf)
- E. Marisa B. Barros Rodrigues (Marathonlauf)
- Marco Fortes (Kugelstoßen)
- Marcos Chuva (Weitsprung)
- Maria Leonor RibeiroTavares (Stabhochsprung)
- Patricia Mamona (Dreisprung)
- Pedro Isidro (50-km-Gehen)
- Rui Pedro Silva (Marathonlauf)
- Sara Isabel F. Moreira (5.000-Meter-Lauf und 10.000-Meter-Lauf)
- Vânia Silva (Hammerwerfen)
- Vera Lúcia Mendes Barbosa (400-Meter-Hürdenlauf)
- Vera Lúcia M. Dos Santos (20-km-Gehen)


Badminton (port.: badminton)

- Telma Santos
- Pedro Martins


Fahrradfahren (port.: ciclismo)

- David Rosa (Mountainbike)
- Manuel Cardoso (Radrennen)
- Nelson Oliveira (Zeitfahren)
- Rui Alberto Faria da Costa (Radrennen)


Gymnastik (port.: ginástica)

- Ana Rente (Trampolin)
- Diogo Ganchinho (Trampolin)
- Manuel Campos (Gerätturnen)
- Zoi Lima (Gerätturnen)


Kanusport (port.: canoagem)

- Beatriz Gomes (K2 500m)
- Emanuel Eduardo Pimenta V. Silva (K2 1.000m und K2 200m)
- Fernando Pimenta (K2 1.000m und K2 200m)
- Helena Rodrigues (K4 500m)
- Joana Vasconcelos (K2 500m)
- Teresa Portela (K1 200m und K1 500m)


Judo (port.: judo)

- Joana Ramos
- João Pina
- Telma Monteiro
- Yahima Ramirez


Pferdesport (port.: hipismo)

- Luciana Diniz (Springreiten)
- Gonçalo Carvalho (Dressurreiten)


Rudern (port.: remo)

- Nuno Fraga
- Nuno Mendes


Segeln (port.: vela)

- Afonso Domingos
- Álvaro Marinho
- Bernardo Freitas
- Carolina Borges
- Diana Neves
- Francisco Andrade
- Frederico Melo
- Gustavo Lima
- João Rodrigues
- Mariana Lobato
- Miguel Nunes
- Rita Gonçalves
- Sara Ledo Lopez Mota Carmo


Schwimmen (port.: natação)

- Ana Rodrigues (100-Meter-Brust)
- Arseniy Lavrentyev (Freiwasserschwimmen)
- Carlos Almeida (100-Meter-Brust)
- Diogo Carvalho (200-Meter-Freistil und 400-Meter-Freistil)
- Pedro Oliveira (200-Meter-Schmetterling und 200-Meter-Lagen)
- Sara Oliveira (100-Meter-Schmetterling und 200-Meter-Schmetterling)
- Simão Morgado (100-Meter-Schmetterling)
- Tiago Venâncio (200-Meter-Freistil)


Sportschießen (port.: tiro desportivo)

- João Costa
- Joana Castelão


Tischtennis (port.: ténis de mesa)

- João Pedro Monteiro
- Lei Huang Mendes
- Marcos Freitas
- Tiago André Apolónia


Triathlon (port.: triatlo)

- Bruno Pais
- João Silva

Donnerstag, 3. Februar 2011

Die ägyptische Prinzessin


Francisco de Gouveia Martins Sarmento ist ohne Zweifel einer der bekanntesten Archäologen Portugals, und zu seiner Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts, war er wohl der berühmteste seines Fachs.

Geboren wurde Martins Sarmento am 09. März 1833 in der Stadt Guimarães.
Sein ganzes Leben widmete er der Archäologie Nordportugals und den ersten Bewohnern dieser Gegend - den Kelten, den Lusitaniern und den Iberern.
Vor allem die Gegend um seine Heimatstadt Guimarães hatte es ihm angetan, und man sah Martins Sarmento oft bei Ausgrabungen in dieser Gegend, die dann mit den Jahren auch zu seinem Hauptforschungsgebiet wurde.
Er war Autor interessanter und wichtiger Fachliteratur, wie z.B. „Os Argonautas“ (dt.: Die Argonauten), „Lusitanos“ (dt.: Lusitanier), „Ora Marítima“ und „Ligures e Celtas“.

Sein Herz schlug aber nicht nur für die nationale, sondern auch für die fremdländische Archäologie, auch wenn diese eher sein Hobby wurde, als seine Berufung.
Martins Sarmento hat nie an einer archäologischen Ausgrabung in Ägypten teilgenommen, obwohl er dies durchaus gerne getan hätte.
Wie damals üblich, hatte auch er einen Hang für alles was ägyptisch war.

1871 bestellte er sich deshalb bei einem englischen Händler in Porto die Mumie einer Prinzessin aus Ägypten, die so eine Art Attraktion seines neuen Heimes werden sollte, wenn ihn seine Freunde zuhause besuchen sollten.
Irgendwann, im laufe des Jahres 1872, traf diese Mumie dann auch in Porto, aus London kommend, endlich ein.
Als Martins Sarmento sie am Hafen abholen wollte, um sie nach Hause zu bringen, war die Mumie aber wie vom Erdboden verschwunden.
Es stellte sich heraus, dass die Hafenverwaltung - heute würde man gemeinhin sagen der Zoll - die Kiste geöffnet hatte.
Sie fanden einen schwärzlichen Körper vor und kamen zu dem Schluss, dass er einem Menschen gehört haben musste, den man in einem Ofen geröstet hatte.
Die antiken Bandagen, die die Mumie umhüllten, waren ihrer Ansicht nach, die Reste eines angesengten Hemdes.
Man brachte die Mumie daraufhin in eines der städtischen Leichenhäuser von Porto.
Wäre Martins Sarmento nicht rechtzeitig gekommen um die Mumie auszulösen, wäre die ägyptische Prinzessin sicherlich nach zweitausendjährigem Schlaf in den Pyramiden noch in einem katholischen Grab gelandet.

Noch heute kann man diese Mumie im Museum Sociedade Martins Sarmento bestaunen, welches in Sarmentos Geburtstadt Guimarães liegt. Dort kann man viele archäologische Objekte finden, die von Martins Sarmento persönlich ausgegraben und gesammelt wurden.
Die Sociedade Martins Sarmento ist „die“ kulturelle Institution von Guimarães.

Hier, in der Stadt in der er das Licht der Welt erblickte, verstarb er auch am 09. August 1899, im Alter von 66 Jahren.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Einladung zum Neujahresempfang


Dieses Jahr feiert die Deutsche Evangelische Kirchengemeinde zu Lissabon ihren 250. Geburtstag.
Nach Stockholm in Schweden und London in Großbritannien ist die Lissabonner Gemeinde somit die drittälteste evangelische Auslandsgemeinde auf der Welt.
Anlässlich der 250-Jahr-Feierlichkeiten, lädt die evangelische Gemeinde zu Lissabon am kommenden Samstag, dem 08. Januar 2011 um 11 Uhr, zum festlichen Neujahrsempfang ein.

Nachdem auf dem Adventsbazar, im letzten November, mit dem Verkauf des Jubilateweins, der dekorativen Jubiläumskacheln und den Festjahreskalendern begonnen wurde, werden am kommenden Samstag, mit besagtem Neujahrsempfang, die Festlichkeiten zum großen Jubeljahr nun endgültig eingeläutet.

An die 150 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur werden in der Kirche, an der Avenida Columbano Bordalho Pinheiro n° 48, erwartet.
Kleine, kurzweilige Reden werden gehalten werden und musikalisch wird das Nationalkonservatorium von Lissabon (port.: Conservatório Nacional de Lisboa) das Programm untermalen.
Höhepunkt des Neujahrsempfangs wird aber die feierliche Vorstellung der Festschrift „250 Jahre Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Lissabon 1761-2011“ sein.

Nach den Feierlichkeiten in der Kirche, wird die Gemeinde ihre Gäste zu einem herzlichen Empfang im Gemeinde- und Pfarrhaus einladen.

Alle sind herzlich eingeladen an diesem Festakt teilzunehmen!

Sonntag, 5. Dezember 2010

Eselsohren: „Das Kabinett der Wachsmalerin“


Als ich vor einigen Jahren in Paris war, stand auch das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud auf meinem Besuchsprogramm, ein Besuch welches ich niemals vergessen werde.
Die Figuren die dort ausgestellt wurden waren sehr realistisch modelliert worden, so realistisch, dass manche von ihnen wie echt aussahen.
Schon vor gut 200 Jahren, als Madame Tussaud ihr erstes Wachsfigurenkabinett in London eröffnete, war das so.

Als Madame Marie Tussaud im Jahre 1802 mit ihrem kleinen Sohn Joseph in England ankam, trauten die Zöllner ihren Augen nicht, denn kaum hatten sie eine Kiste geöffnet, kamen ihnen blutverschmierte Köpfe entgegen.
Die Wachsmalerin konnte aber den Irrtum aufklären.
Die blutverschmierten Köpfe waren aus Wachs und sehr realistisch verarbeitet worden.

Tussaud war von Frankreich nach England gereist, um dort die Figuren der hingerichteten, französischen Revolutionäre auszustellen.
Sie wollte auch nur kurz bleiben auf den britischen Inseln.
Doch der Krieg zwischen England und Frankreich zwang sie zu bleiben.

Marie Tussaud reiste jahrelang kreuz und quer durch das Land, lernte die Gefahren des Reiselebens kennen und musste sich als Geschäftsfrau behaupten, etwas was zu der damaligen Zeit äußerst ungewöhnlich war.
Erst viele Jahre und einige Kriege später, nachdem sie sich in England etabliert hatte, konnte sie in London ihr Weltberühmtes Wachsfigurenkabinett eröffnen, und schließlich zur Legende werden.

Über das Leben und Wirken dieser Frau handelt das Buch das ich heute hier vorstelle, und welches im List Verlag erschienen ist.
Geschrieben wurde dieser geschichtliche Roman von Sabine Weiß, die 1968 geboren wurde, und die dann später in Hamburg Germanistik und Geschichte studierte.
Seit 1995 arbeitet sie als freie Journalistin.
„Das Kabinett der Wachsmalerin“ ist der zweite Roman den Sabine Weiß schreibt und ich hoffe es werden noch viele, viele andere folgen.

Samstag, 27. November 2010

Die Wasserfontainen im Schlosspark von Queluz


Wenn sie den Königspalast von Queluz (port.: Palácio Nacional de Queluz) nur in den letzten 20 Jahren besucht haben, dann haben sie jetzt einen Grund mehr ihn zu besuchen!

Die 15 Wasserfontainen und Wasserspiele, die 20 Jahre außer betrieb waren, sind jetzt wieder repariert und restauriert, und können alle im neuen Glanz bestaunt werden.
Restauriert geben sie jetzt dem Besucher in etwa den Eindruck wieder, wie die königlichen Parks und Gärten in Queluz zu Zeiten der Könige ausgesehen haben, als sie bei großen Festen und Feiern den Palastgarten zum strahlen und glänzen gebracht haben.

Von den 15 Fontainen wurden vier in London (port.: Londres) restauriert, im berühmten britischen Atelier von Rupert Harris.
Die anderen 11 wurden direkt an Ort und Stelle restauriert, allerdings auch mit der Unterstützung von Rupert Harris und seinem Atelier.
So wurden z.B. der berühmte Kachelkanal (port.: Canal de Azulejos) und der wunderschöne Neptunbrunnen (port.: Fonte de Neptuno) nach Jahrzehnte langer Deaktivation wieder zum laufen gebracht.

Gekostet hat die ganze Aktion dem portugiesischen Steuerzahler in etwa 3 Millionen Euro.
In Zeiten der Krise, sehr viel Geld, aber so wie ich glaube, gut investiertes Geld.
Wenn man bedenkt, das man bis dato, immer die vielen Autos von dem Nahen Autobahnzubringer IC19 bei einem Spaziergang im Schlosspark hörte, und diese, dank des Wasserplätscherns, jetzt nicht mehr so deutlich zu hören sind, alleine das ist jeden Euro wert!

Wer noch dieses Jahr die schönen Schloßfontainen sehen will, muss sich jetzt sputen, denn der Schlosspark von Queluz schließt Anfang nächsten Monat seine Pforten.
Erst im kommenden Frühling werden die Besucher dann wieder in den Genuss dieses Spektakels kommen können.

Donnerstag, 21. Januar 2010

„Es war das Ende der Welt...“


„Gegen zehn Uhr morgens spürte ich ein leichtes Zittern, begleitet von einem Rumoren, wie von zehn zu schnell gefahrenen Karren, die in der Gasse näher kommen. (...)
Das Zittern wurde stärker, ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, das Haus schien sich zu drehen, ich sah Risse in den Wänden, die tiefer und tiefer wurden. Verriegelte Türen sprangen aus den Angeln, ich hörte draußen Menschen schreien (...)
Ich hörte wie alle das Haus verließen. Ich zog mir eilig eine Jacke über. Während ich herunter gefallene Bücher aufhob, begann das Zittern und Rumoren erneut, diesmal um einiges stärker.
Ich ließ von meinem Vorhaben ab, griff nach meinem Hut und lief hinaus. Ich hatte viel Glück, denn das Haus hätte mich begraben können. Jetzt erst sah ich nämlich, wie sich unser Haus vor und zurück beugte, wie ein Schiffsmast im Sturm. Es war gespenstig (...)
Später sah ich, dass in der ganzen bemitleidenswerten Nachbarschaft keiner außer mir etwas Anständiges am Leibe trug (…).“

„Das Volk war durchdrungen von dem Gedanken, dies sei der Jüngste Tag. So taten sie in den Momenten zwischen den Erdstößen Frommes. Sie beteten und bekreuzigten sich mitten auf den Straßen. Männer wie Frauen murmelten Litaneien und riefen schreiend die Toten an. Bei jedem neuen Erdstoß sanken sie auf die Knie und flehten um Gnade (...).“

„Jetzt erst, wo ich umherirrte merkte ich, dass mein Bein verletzt war und ich aus den Augen blutete. Ich ging zurück in den Hof, wo meine Brüder waren. Gott sei Dank, sie lebten (…)! Andere liefen zum Fluss, ein Schiff zu erreichen. Sie wollten fort, fort aus dieser toten Stadt, doch dort sollte sie bald ein noch schlimmeres Schicksal treffen, denn das Meer kam in riesigen Wellen in die Stadt. Es war das Ende der Welt (…).“



Dies ist nicht etwa der Bericht eines Überlebenden des schrecklichen Erdbebens von Haiti, vom 12. Januar dieses Jahres.
Nein, es ist der Auszug aus einem Brief des englischen Kaufmanns und Handelsgesandten Thomas Chase, der im heutigen Stadtteil Lapa lebte, und der über das große Erdbeben vom 01. November 1755, hier in Lissabon berichtet.
Er schrieb diese Zeilen an seinen Bruder, der in London weilte, am 13. November 1755.

Aber auch wenn diese Zeilen schon über 254 Jahre alt sind, so sind sie so doch so erschreckend aktuell, als ob sie wirklich erst heute geschrieben worden wären.

Freitag, 30. Oktober 2009

Manuel II und Twickenham


Heute vor genau einem Monat, am 29. September 2009 wurde im englischen Twickenham, einem Stadtteil von London, eine Gedenktafel für Manuel II, den letzten portugiesischen König, enthüllt.
Manuel II verbrachte seine letzten Lebensjahre im Exil in Twickenham, ehemals ein kleiner, beschaulicher Ort südlich der britischen Hauptstadt, und heute ein Teil von Groß-London.

In Anwesenheit seiner Königlichen Hoheit, Prinz Miguel de Bragança, einem Mitglied der portugiesischen königlichen Familie, wurde am Tag der feierlichen Tafelenthüllung auch ein Gedenkgottesdienst von Bischof George Stack in der katholischen St. James Kirche zelebriert, der Kirche, in der Manuel II regelmäßig die Messe besuchte, als er von 1914 bis 1932 notgedrungen in England lebte.

Die St. James Kirche verdankt der Großzügigkeit von König Manuel II unter anderem zwei große bunte Kirchenfenster und das reich verzierte Taufbecken, welches heute noch benutzt wird.
Aber nicht nur die Kirche St. James hat König Manuel II viel zu verdanken.
Nein, auch das dortige Weisenhaus, das Armenhaus, die Feuerwehr und zwei Internate haben von der damaligen Großzügigkeit seiner Majestät Manuel II und seiner Gemahlin Auguste Viktoria profitiert.
Das Paar lebte, wegen dem Sturz der portugiesischen Monarchie im Jahre 1910, in Twickenham, auf dem königlichen Landsitz Fulwell-Park, auf dem der König dann auch am 02. Juli 1932 verstarb.

Mit der Gedenktafel will die Bevölkerung von Twickenham, die König Manuel II damals wie heute liebevoll „our king“ (dt.: „unser König“) nennt, für seine Großzügigkeiten ehren und danken.

Hier in Lissabon, wo Manuel II am 19. März 1889 geboren wurde, ist noch nicht einmal eine Gasse oder ein Hinterhof nach ihm benannt.
Dafür ist im Berliner Stadtteil Lichtenberg die Manuelstraße nach ihm benannt.
Verrückte Welt!

Freitag, 16. Oktober 2009

Pentateum


Das erste Buch Portugals wurde 1487 in der Satz- und Druckwerkstatt von Samuel Porteiro, einem Juden aus dem südportugiesischen Faro, gedruckt.

30 Jahre nachdem ein gewisser Johannes Gutenberg aus Mainz die Welt mit seiner gedruckten Bibel überraschte, verließ auch in Portugal ein Heiliges Buch zum ersten Mal eine Druckerei.
Das „Pentateum“ (port.: Pentateuco) war eine in hebräischer Sprache gedruckte Ausgabe der fünf Bücher Moses, die ein Teil der Thora (port.: Torá) bilden.

Das einzige noch existierende Exemplar dieser wertvollen Druckkunst befindet sich heute in der British Library in London.

In der British Library befindet sich auch ein anderes, einzigartiges portugiesisches Buch, nämlich der „Kommentar zum Pentateum“ (port.: Comentário ao Pentateuco), des Rabbiners Moisés ben Nahman.
Moisés ben Nahman druckte dieses, wie das „Pentateum“ ebenfalls in hebräischer Sprache verfasste Buch, im Jahre 1488 in Lissabon.