Posts mit dem Label Unglück werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Unglück werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 24. Oktober 2011

Jetzt ist es amtlich: Wir Portugiesen sind unglücklich!


Nach einer Studie der OCDE (engl.: Organisation for Economic Co-operation and Development / dt.: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung / port.: Organização para a Cooperação e Desenvolvimento Económico), die diesen Monat gemacht wurde, sind wir Portugiesen eines der unglücklichsten Nationen der Welt.
Nur die Chinesen und die Ungarn sind noch unglücklicher als wir.
Laut der Studie leben dagegen in Dänemark, in Kanada und in Norwegen die glücklichsten Menschen auf der Welt.

Diese Studie beruht auf Daten die in insgesamt 40 Ländern weltweit erhoben wurden.
Die wichtigsten Kriterien um das Glück und die Zufriedenheit der jeweiligen Bürger zu messen waren für die OCDE, unter anderem, Faktoren wie der monatliche Verdienst, die Gesundheit, eine saubere Umwelt und ein gut funktionierendes soziales Netz.

Zwar ist Portugal offiziell, gleich nach Neuseeland, das Land auf der Welt in dem die sozialen Strukturen stimmen und Polen, Frankreich und Ungarn die Länder in denen es am meisten an einem sozialen Umfeld fehlt, aber es sind die andauernden finanziellen Probleme, die immer stärker steigende Arbeitslosigkeit und das miserable Gesundheitssystem, die uns Portugiesen zu der drittunglücklichsten Nation der Welt machen.

Bei den Sparmaßnahmen die uns hier in Portugal in nächster Zeit noch bevorstehen, ist zu befürchten, dass wir bald wohl auch die Chinesen und Ungarn in der Unzufriedenheitsskala überholen werden!

Donnerstag, 21. Januar 2010

„Es war das Ende der Welt...“


„Gegen zehn Uhr morgens spürte ich ein leichtes Zittern, begleitet von einem Rumoren, wie von zehn zu schnell gefahrenen Karren, die in der Gasse näher kommen. (...)
Das Zittern wurde stärker, ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, das Haus schien sich zu drehen, ich sah Risse in den Wänden, die tiefer und tiefer wurden. Verriegelte Türen sprangen aus den Angeln, ich hörte draußen Menschen schreien (...)
Ich hörte wie alle das Haus verließen. Ich zog mir eilig eine Jacke über. Während ich herunter gefallene Bücher aufhob, begann das Zittern und Rumoren erneut, diesmal um einiges stärker.
Ich ließ von meinem Vorhaben ab, griff nach meinem Hut und lief hinaus. Ich hatte viel Glück, denn das Haus hätte mich begraben können. Jetzt erst sah ich nämlich, wie sich unser Haus vor und zurück beugte, wie ein Schiffsmast im Sturm. Es war gespenstig (...)
Später sah ich, dass in der ganzen bemitleidenswerten Nachbarschaft keiner außer mir etwas Anständiges am Leibe trug (…).“

„Das Volk war durchdrungen von dem Gedanken, dies sei der Jüngste Tag. So taten sie in den Momenten zwischen den Erdstößen Frommes. Sie beteten und bekreuzigten sich mitten auf den Straßen. Männer wie Frauen murmelten Litaneien und riefen schreiend die Toten an. Bei jedem neuen Erdstoß sanken sie auf die Knie und flehten um Gnade (...).“

„Jetzt erst, wo ich umherirrte merkte ich, dass mein Bein verletzt war und ich aus den Augen blutete. Ich ging zurück in den Hof, wo meine Brüder waren. Gott sei Dank, sie lebten (…)! Andere liefen zum Fluss, ein Schiff zu erreichen. Sie wollten fort, fort aus dieser toten Stadt, doch dort sollte sie bald ein noch schlimmeres Schicksal treffen, denn das Meer kam in riesigen Wellen in die Stadt. Es war das Ende der Welt (…).“



Dies ist nicht etwa der Bericht eines Überlebenden des schrecklichen Erdbebens von Haiti, vom 12. Januar dieses Jahres.
Nein, es ist der Auszug aus einem Brief des englischen Kaufmanns und Handelsgesandten Thomas Chase, der im heutigen Stadtteil Lapa lebte, und der über das große Erdbeben vom 01. November 1755, hier in Lissabon berichtet.
Er schrieb diese Zeilen an seinen Bruder, der in London weilte, am 13. November 1755.

Aber auch wenn diese Zeilen schon über 254 Jahre alt sind, so sind sie so doch so erschreckend aktuell, als ob sie wirklich erst heute geschrieben worden wären.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Man muss der Zeit genügend Zeit geben


Ein alter portugiesischer Spruch lautet: „É preciso dár tempo ao tempo“, was übersetzt so viel heißt wie: „Man muss der Zeit genügend Zeit geben“.
Diesen Spruch bekommt man hier in Portugal dann zu hören, wenn man ungeduldig ist, oder frühzeitig zu einem Ergebnis gekommen ist ohne das Ende abzuwarten.
Da ich, von Natur aus, eher ein ungeduldiger Typ bin, wurde ich schon mehrmals im Leben mit diesem Ausspruch konfrontiert.

Seinen Ursprung hat dieser Spruch in einer alten Sage aus der Provinz Trás-os-Montes (dt.: „Hinter-den-Bergen“), die im hohen Norden Portugals liegt.

Diese alte Sage lautet wie folgt:

Vor langer, langer Zeit lebte ein alter Bauer in Trás-os-Montes.
Der Bauer war sehr arm, aber auch sehr weise. Mit seinem jungen Sohn lebte er auf einem alten Hof und bearbeitete mit diesem den harten, kargen Boden.

Eines Tages sagt der Sohn zum Vater:
„Vater, was für ein Unglück, unser Pferd ist weggelaufen!“
„Warum sprichst Du von Unglück?“ antwortete ihm der Vater daraufhin „Wir werden sehen was uns die Zukunft bringen wird.“

Nach einigen Tagen steht das Pferd mit einer schönen, fremden Stute auf dem Hof.
„Vater, was für ein Glück!“ sagt der Sohn zum Vater „Unser Pferd ist mit einem anderen zurückgekehrt!“
„Warum sprichst Du von Glück?“ antwortete ihm der Vater „Wir werden sehen was uns die Zukunft bringen wird.“

Wieder ein paar Tage später wollte der Sohn das neue Pferd einreiten. Doch dieser, nicht an das Sattelzeug gewohnt, bäumte sich auf und warf seinen jungen Reiter ab.
Bei diesem Abwurf brach sich der Sohn ein Bein.

„Vater, was für ein Unglück, ich habe mir ein Bein gebrochen!“
„Warum sprichst Du von Unglück?“ antwortete ihm der Vater wohlmeinend „Wir werden sehen was uns die Zukunft bringen wird.“
Der Sohn konnte mit dieser Antwort des Vaters nichts anfangen und wurde böse.

Tage später kamen die Boten des Königs ins Dorf. Sie gingen auf jeden Hof und nahmen alle jungen, gesunden Männer mit, denn der König brauchte Soldaten für den bevorstehenden Krieg mit dem nahen Spanien.
Als die Boten des Königs den Hof des alten Bauern betraten und dessen Sohn mit gebrochenem Bein im Bett sahen, da ließen sie ihn liegen und gingen weiter zum nächsten Hof.

Da verstand der Sohn die Worte des alten Vaters, und er begriff auch das Glück und Unglück nicht immer weit voneinander entfernt sind.

Unser Leben ist oftmals so komplex und paradox, das Glück schnell in Unglück umschlagen kann, und umgekehrt.
Man muss der Zeit genügend Zeit geben!