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Dienstag, 8. Juli 2014

Die Portugiesen in… São Paulo


Portugal ist bei der Fußball-WM 2014 (port.: Mundial de futebol 2014) in Brasilien bereits in der Vorrunde ausgeschieden.
Nichtsdestotrotz wird in Brasilien weiter Fußball gespielt.
Ich werde hier im „Planet Portugal“ versuchen in nächster Zeit noch den einen oder anderen Austragungsort dieser Fußball-WM in Brasilien vorzustellen. Fast all diese Städte haben eine portugiesische Entstehungsgeschichte und noch heute einen starken portugiesischen Einfluss, so auch die Megacity São Paulo.

São Paulo ist für mich die Stadt mit der größten Persönlichkeit die ich kenne.
Sicherlich, ich kenne Städte die sind schöner, ruhiger, besser gelegen, sauberer und sicherlich konfliktarmer; aber keine von ihnen ist so vielseitig, dynamisch, faszinierend, vorurteilslos, abwechselungsreich und multikulturell wie São Paulo.
São Paulo hat nun einmal zwei Gesichter:
ein friedliches, lebendiges, niveauvolles, kreatives, kosmopolitisches und gleichzeitig auch ein gewalttätiges, gnadenloses und fratzenhaftes.
Diese Stadt polarisiert: entweder man liebt sie oder man hasst sie.
Ich habe mich irgendwann dazu entschieden São Paulo zu lieben!

Im Jahre 1530 beauftragte König João III den Adligen Martim Afonso de Sousa damit, den Süden des 30 Jahre zuvor von Pedro Álvares Cabral neu entdeckten Brasiliens zu kolonialisieren.
Mit einer Flotte von fünf Schiffen und 500 Männer stach Martim Afonso de Sousa im selben Jahr in See und landete zuerst in Pernambuco, im Nordosten des Landes.
Nachdem er dort französische Piraten erfolgreich vertrieben hatte, führte er seine Fahrt an der brasilianischen Küste gen Süden weiter.
Am 22. Januar 1532 gründete er, auf einer dem Festland vorgelagerten Insel, die erste portugiesische Stadt in Brasilien und die erste europäische Siedlung in ganz Südamerika – den kleinen Ort São Vicente.

Im Jahre 1533 machte sich Martim Afonso de Sousa mit dem Abenteurer João Ramalho daran, die hohe Serra do Mar, ein Küstengebirge das die Indios Paranapiacaba nannten und das die Stadt São Vicente und die Küste vom Landesinneren trennte, zu besteigen.
Nach einer beschwerlichen Reise gründeten sie mit einpaar Indios des Stammes der Guaianases auf einer Hochebene, zwischen den Flüssen Anhangabaú, Tieté und Tamanduatei, das Dorf Vila de Piratininga.
Für die nächsten 20 Jahre war Vila de Piratininga nur ein kleiner unscheinbarer Handelsposten in den Bergen, das ab und zu von den Portugiesen auf ihrem Weg von der Küste ins Landesinnere aufgesucht wurde.

Im Januar 1554 machte sich eine Gruppe von zwölf jungen jesuitischen Geistlichen, unter ihnen die Jesuitenpater Manuel da Nobrega, José de Anchieta und Manuel de Paiva, von São Vicente auf den Weg nach Vila de Piratininga, um dort die Indios des Hochlandes im Christentum zu unterweisen.
Dort wo sich heute, Mitten in São Paulo, die Nachbildung des Jesuitenkollegs (port.: Pátio do Colégio) befindet, errichteten sie eine einfache Lehmhütte, in der sie die „Wilden“ fortan bekehrten.
Genau vor dieser Hütte hielt der Jesuitenpater Manuel de Paiva am 25. Januar 1554, dem Paulustag, eine Messe unter freien Himmel ab.
Dieser Gottesdienst gilt als die Geburtsstunde von São Paulo!

Zwei Jahre später errichteten die Jesuiten eine kleine Kirche und eine Ordensschule, einen so genannten Kolleg, den sie am 01. November 1556, dem Allerheiligentag, einweihten. Bis 1560 bauten sie dann die „Confraria da Misericórdia de São Paulo“, ein Krankenhaus, das erste im brasilianischen Hinterland.
Im selben Jahr ließ der Generalgouverneur Brasiliens, Dom Francisco de Sousa, ein Rathaus für die Siedlung bauen und fortan trug diese, auf seinen Erlass hin, den Namen São Paulo de Piratininga und gehörte zur Capitania von São Vicente.

Von 1580 bis 1640 war die portugiesische Krone mit der spanischen offiziell in einer gleichberechtigten Personalunion; offiziell, denn die Realität sah leider anders aus. Nachdem Philipp II von Spanien gewaltsam Portugal besetzte, wurden Portugal und seine Überseegebiete 60 Jahre lang mehr schlecht als recht verwaltet.
Auch Brasilien, und hier ganz besonders das unscheinbare, kleine und arme São Paulo de Piratininga, gerieten während der spanischen Herrschaft über Portugal so gut wie in Vergessenheit.
1640 bestieg João IV, aus dem Hause Bragança, als portugiesischer König den Thron.

Wieder unter portugiesischer Herrschaft, blieb São Paulo de Piratininga zuerst weiterhin die wirtschaftlich unwichtige Stadt die es ehedem war. Die Zuckerrohrplantagen brachten nicht genug ein, und erst der Anbau von Weizen für den Eigenbedarf und für den Export Ende des 17. Jahrhunderts brachte der Stadt so etwas wie einen kleinen wirtschaftlichen Erfolg.

Am 22. März 1681 verlegte Luis Álvares de Castro, der 2. Marquês de Cascais und Gouverneur der Capitania, die Hauptstadt von São Vicente nach São Paulo de Piratininga.
Doch auch als Hauptstadt blieb die Stadt weiterhin die ärmste in ganz Portugiesisch-Amerika.
Am 11. Juli 1711 erhielt São Paulo de Piratininga auf Anordnung von König João V und auf Grund seiner strategisch günstigen Lage zwischen der Küste und den neu eroberten weiten Gebieten in Zentralbrasilien, in denen Gold gefunden worden war, den Status einer Stadt und durfte sich fortan nur São Paulo nennen.

Im Jahre 1723 konnte der Portugiese Francisco de Melo Palheta eine handvoll Samen aus französisch Guyana herausschmuggeln. Es waren ganz besondere Samen, nämlich Kaffeesamen!
Der Anbau von Kaffee war bis dahin fest in französischer und niederländischer Hand gewesen, aber nun wurde er auch von den Portugiesen in Brasilien angebaut. Melo Palheta brachte 1727 den Kaffee auch nach São Paulo und hier im Hochland gedieh er prächtig, so das bereits in den folgenden Jahrzehnten mit der Kaffeeproduktion begonnen wurde. São Paulos Bedeutungslosigkeit sollte sich eines Tages Dank des Kaffees schlagartig ändern und vielen seiner Bürger den langersehnten Reichtum und Wohlstand bringen.

1808 floh die portugiesische Königsfamilie vor den napoleonischen Truppen aus Portugal nach Brasilien.
Königin Maria I und ihr Sohn Prinzregent João, der spätere König João VI, residierten bis 1821 in Rio de Janeiro, der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches von Portugal, Brasilien und der Algarve (port.: Reino Unido de Portugal, Brasil e Algarves).
João VI erhob São Paulo zur Hauptstadt der neuen Provinz gleichen Namens.
1821 begab sich König João VI wieder nach Portugal zurück und ließ seinen Sohn Pedro als Regenten in der Kolonie zurück. Dieser proklamierte alsbald die volle Autonomie für Brasilien.
Am 07. September 1822 rief Pedro in São Paulo, am Ufer des Flusses Ipiranga, in einer bewegenden Rede, die Worte:
„Liberdade ou morte“ (dt.: „Unabhängigkeit oder Tod“).
Dieser Schrei, der als „Ruf von Ipiranga“ (port.: „Grito di Ipiranga“) bekannt ist, gilt als die Unabhängigkeitserklärung Brasiliens.
Am 12. Oktober 1822 wurde Pedro als Pedro I zum Kaiser von Brasilien proklamiert und daraufhin am 01. Dezember feierlich in Rio de Janeiro gekrönt.
Nach der Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal endete auch die portugiesische Ära in São Paulo.

Aber, auch wenn São Paulo schon lange nicht mehr unter portugiesischem Einfluss ist – jedenfalls dem politischen – so ist „Sampa“, wie die Stadt auch liebevoll genannt wird, doch eine sehr portugiesische Stadt.
Nirgendwo auf der Welt leben so viele Portugiesen und nirgendwo sind so viele portugiesische Unternehmen niedergelassen wie hier!
Dies sind nur zwei von vielen Superlativen dieser Stadt.

São Paulo ist die größte Stadt des Bundesstaates gleichen Namens, die größte Stadt Brasiliens und die größte Stadt der südlichen Hemisphäre und sie ist das wichtigste Wirtschafts-, Industrie-, Finanz- und Kulturzentrum, nicht nur Brasiliens sondern ganz Südamerikas.

Für mich persönlich ist São Paulo die Stadt der Städte!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Mit Übergepäck zur WM nach Brasilien


Wir schreiben den 22. April 1500, da entdeckte der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral, wohl eher zufällig, Brasilien und nahm das Land für die portugiesische Krone in Besitz.
Heute, 514 Jahren nach dieser bedeutsamen Entdeckung, landete ein Flugzeug mit 23 jungen Männern in der Stadt Campinas, im brasilianischen Bundesstaat São Paulo, deren Aufgabe es in den nächsten Wochen sein wird, Brasilien noch einmal zu erobern – diesmal bitte im Fußball!

Cristiano Ronaldo und seine Mannschaftskollegen reisen aber selbstverständlich nicht alleine zur Fußballweltmeisterschaft nach Brasilien.
Die Seleção (port.:Portugiesische Fußballnationalmannschaft) wird natürlich von ihrem Trainer Paulo Bento begleitet, von einem Trainerstab, verschiedenen Mannschaftsärzten, einem Koch und noch dem einen oder anderen Mitglied des Portugiesischen Fußballbundes FPF (port.: Federação Portuguesa de Futebol).
Und natürlich haben sie alle Gepäck dabei – viel Gepäck!

Wie viel, das hat jetzt der hiesige Fußballbund nach Anfrage der portugiesischen Medien gestern in einer Presseerklärung mitgeteilt.
Ich fand diese Auflistung des FPF teilweise so kurios, dass ich sie hier gerne übersetzt wiedergeben möchte.

Hier also eine kleine Auflistung der Dinge, die die Portugiesische Nationalmannschaft, unter anderem, an Sportequipment, Bekleidung, Medizin und Lebensmittel nach Brasilien mitnimmt:

- 1000 Spielertrikots der Seleção
- 100 Spielershorts der Seleção
- 140 Paar Spielerstrümpfe
- 160 Torwarttrikots der Seleção
- 30 Torwartshorts der Seleção
- 30 Paar Torwartstrümpfe
- 60 Sakkos für die Spieler der Seleção
- 150 Trainingsanzüge
- 400 Polohemden
- 200 Sweatshirts
- 200 T-Shirts
- 100 Paar Trainingstrümpfe
- 200 Shorts fürs Training
- 200 Ausgehshorts
- 200 Handtücher
- 100 Regenjacken
- 60 Regenhosen
- 100 Trainingswesten
- 70 Winterjacken
- 100 Lycrahemden
- 60 Lycrahosen (Radlerhosen)
- 100 Flip-Flops
- 90 Paar Fußballschuhe
- 300 Paar Ausgehstrümpfe
- 2 Textildruckmaschinen
- 40 Fußbälle
- 15 Hürden um Freistöße zu trainieren
- 100 Kegel (Hütchen)
- 20 Stangen
- 30 Dehngymnastikmatten
- 30 kleine Hürden
- 4 Dummies zum Torwarttraining
- 2 Drucker
- 2 Kisten mit Büromaterial
- 1 Kiste mit Presseakkreditierungen
- 1 Kiste mit Druckertoner
- 2 Kisten mit Kaffeemaschinen, Kaffeepads, Zucker und Becher
- 7 Koffer mit verschiedenem Verbandmaterial
- 1 Notfall- und Erste-Hilfe-Koffer
- 1 Ultraschallgerät
- 4 Krankentragen
- 7 Transportwägelchen
- 23 Koffer mit verschiedenen Medikamenten
- 200 kg Stockfisch (port.: bacalhau)
- 35 kg Hartwurst (port.: chouriço)
- 12 kg Weichwurst
- 36 Packungen Nudeln
- 20 kg Graupen
- 12 kg Rote Bohnen
- 2 ganze Schinken
- 60 kg Reis
- 48 Flaschen Olivenöl
- 12 Flaschen Rot- und Weißweinessig
- 12 kg Marmelade
- 12 kg Schafsmilchkäse von der Serra da Estrela
- 6 kg Kuhmilchkäse von der Insel São Jorge
- 12 Kugeln Azorenkäse
- 10 kg geräucherte Schweineohren
- 10 kg geräucherter Schweineschinken
- 3 l  frischer Honig
- 80 kg gefrorener Krake

Ebenso mit nach Brasilien wurden 48 Flaschen zehn Jahre alten edlen Tawny Portweines genommen!
Diese aber, so teilte der Portugiesische Fußballbund vorsichtshalber schon einmal mit, seien nicht zur Eigenverköstigung, sondern ausschließlich als Gastgeschenke gedacht!

Soll bloß hinterher keiner behaupten, Portugal wäre nicht Weltmeister geworden weil Alkohol mit im Spiel war!...

Donnerstag, 6. Dezember 2012

In memoriam: Oscar Niemeyer



Als ich vor zehn Jahren, aus São Paulo kommend, meinen Anschlussflug nach Frankfurt/Main verpasste, war ich eigentlich dazu verdammt die Nacht in dem Flughafen der brasilianischen Hauptstadt Brasilia zu verbringen.

Wie ich schon sagte, ich war eigentlich dazu verdammt.
Aber wer mich kennt, weiß das ich nicht so ohne weiteres eine Nacht auf einem fremden Flughafen verbringen würde, zumal ich einen erholsamen Urlaub hinter mich hatte und am nächsten Morgen einen langen entspannten Rückflug nach Deutschland vor mir hatte.
Da ich also mehr als ausgeruht war, und ich noch über sieben Stunden bis zur Rückreise hatte, beschloss ich ein Taxi zu nehmen, und nach Brasilia rein zufahren.

Die Fahrt in die Innenstadt Brasilias, in dieser tropisch schwül-heißen Nacht, ist mir bis heute unvergessen im Gedächtnis geblieben.
Vom Taxi aus blickte ich in eine supermoderne Stadt hinaus, deren Monumente, Regierungsgebäude und Kathedrale hell erleuchtet auf einem Hochplateau mitten im Urwald lagen, und die mir damals so futuristisch erschien, wie keine andere Stadt die ich bis dahin gesehen hatte.
Ich war nie wieder in Brasilia, aber diese nächtliche Fahrt durch die brasilianische Hauptstadt habe ich nie wieder vergessen.

Das mir das futuristische Brasilia so einprägsam im Gedächtnis geblieben ist, habe ich zweifelsohne auch einem Mann zu verdanken, der wie kein anderer, für moderne, inspirierende Architektur steht – dem von mir sehr geschätzten Star-Architekten Oscar Niemeyer!

Oscar Niemeyer wurde am 15. Dezember 1907 als Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho in Rio de Janeiro geboren.
Der Sohn eines deutschstämmigen Schriftsetzers, dessen Vorfahre Jakob Konrad von Niemeyer im Jahre 1807 mit der portugiesischen königlichen Familie vor den französischen Truppen Napoleons nach Brasilien floh, gilt als Wegbereiter der modernen brasilianischen Architektur.

In seiner über 70jährigen Karriere – noch mit über 100 Jahren war er angeblich oftmals in seinem Architekturbüro an der Copacabana anzutreffen – realisierte Oscar Niemeyer über 620 Projekte in aller Welt.
Zu diesen gehören nicht nur die von mir hier schon erwähnten weltberühmten Regierungsgebäude und die Kathedrale von Brasilia, sondern auch, unter anderen, das UNO-Hauptgebäude in New York, das Kulturzentrum von Le Havre in Frankreich, das Lateinamerika-Memorial in São Paulo und das Museum für Zeitgenössische Kunst in Niterói, das eher an ein UFO erinnert als an ein Museum.

Auch in Portugal und Deutschland hat Oscar Niemeyer, von dem oftmals gesagt wurde er könne mit seinen geschwungenen Formen Stahlbeton zum schweben bringen, wunderschöne architektonische Meisterwerke hinterlassen.
In Funchal, auf Madeira, entwarf er 1966 das futuristische Casino Park Hotel, ein Hotel das sowohl ein Casino als auch ein berühmtes Kongresszentrum beherbergt.
In Deutschland errichtete er 1957 im Berliner Hansaviertel das imposante Interbau-Wohnhochhaus.

Am gestrigen Mittwoch, dem 05. Dezember 2012, verstarb Oscar Niemeyer, zehn Tage vor seinem 105. Geburtstag, in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro an akutem Nierenversagen.

Der „Spiegel“ schrieb einmal in einer seiner Ausgaben über Oscar Niemeyer den Satz:
„Nie wieder wird die Zukunft so gut aussehen wie mit den Bauten des Brasilianers.“
Nun, ich weiß nicht wie die Zukunft wirklich aussehen wird.
Aber ich bezweifele stark, das es bald wieder jemanden geben wird, der solche Bauwerke voller Phantasie, Kurven und Träume errichten wird wie einstmals Oscar Niemeyer.

Sonntag, 4. September 2011

Städtepartnerschaften


Ob Lissabon eine Partnerstadt hat, bin ich heute gefragt worden.
Und ob!
Lissabon hat insgesamt sogar 21 Partnerstädte (port.: „cidades gémeas“) vorzuweisen.

Mit diesen 21 internationalen und nationalen Partnerstädten verpflichtet sich Lissabon wirtschaftlich zusammenzuarbeiten und kulturell auszutauschen.
Im Jahre 1977 ging Lissabon mit dem kroatischen Zagreb vertraglich die erste Städtepartnerschaft ein.
Zwei Jahre zuvor, 1976, war zum ersten Mal, zwischen der portugiesischen Universitätsstadt Coimbra und der damaligen ostdeutschen Stadt Halle an der Saale, überhaupt eine Städtepartnerschaft in Portugal geschlossen worden.

Auf vier Kontinenten befinden sich die 21 Partnerstädte die mit Lissabon ein kooperatives Abkommen abgeschlossen haben.
Darunter ist leider nicht eine einzige deutsche Stadt.

Die Lissabonner Partnerstädte sind:

• Zagreb in Kroatien (seit dem 15. Juli 1977)
• Madrid in Spanien (seit dem 31. Mai 1979)
• Rio de Janeiro in Brasilien (seit dem 10. Juni 1980)
• Maputo in Moçambique (seit dem 20. März 1982)
• Macau in China (seit dem 20. Mai 1982)
• Praia auf Kap Verde (seit dem 26. Mai 1983)
• São Tomé auf São Tomé und Principe (26. Mai 1983)
• Bissau in Guinea-Bissau (seit dem 31. Mai 1983)
• Malaca in Malaysia (seit dem 19. Januar 1984)
• Salvador da Bahia in Brasilien (seit dem 03. April 1085)
• Brasilia in Brasilien (seit dem 28. Juni 1985)
• Rabat in Marokko (seit dem 22. März 1988)
• Luanda in Angola (seit dem 11. Oktober 1988)
• Cacheu in Guinea-Bissau (14. November 1988)
• Budapest in Ungarn (seit dem 28. September 1992)
• Buenos Aires in Argentinien (seit 1992)
• Guimarães in Portugal (seit dem 29. Juni 1993)
• Tunis in Tunesien (seit dem 03. September 1993)
• Paris in Frankreich (seit 1998)
• São Paulo in Brasilien (seit dem 10. Juli 2007)
• Peking in China (seit dem 22. Oktober 2007)

Aber nicht nur Lissabon ist eine Städtepartnerschaft eingegangen.
Insgesamt 23 portugiesische Kommunen pflegen z.B. mit deutschen Städten eine partnerschaftliche Beziehung.

Die portugiesischen Städte, die mit deutschen Gemeinden geschwisterlich verbunden sind, sind:

• Coimbra / Halle an der Saale (seit dem 06.Juni 1975)
• Porto mit Jena (seit dem 15. Juni 1984)
• Condeixa-a-Nova mit Bretten (10. Februar 1985)
• Guarda mit Siegburg (seit dem 26. Mai 1985)
• Aljezur mit Kürnach (seit dem 10. Oktober 1987)
• Santo Tirso mit Groß-Umstadt (seit dem 31. Juli 1988)
• Mafra mit Leimen (seit dem 17. Februar 1990)
• Sesimbra mit Kotzling (seit dem 20. Mai 1991)
• Ansião mit Erbach (seit dem 14. Juni 1992)
• Setúbal mit Magdeburg (seit dem 02. März 1993)
• Vila Verde mit Lohmar (seit dem 22. März 1993)
• Castanheira de Pera mit Leimen (04. Juli 1993)
• Soure mit Dienheim (seit dem 13. Januar 1994)
• Funchal mit Leichlingen (seit dem 26. März 1996)
• Leiria mit Rheine (seit dem 19. Mai 1996)
• Góis mit Ravensburg (seit dem 11. September 2000)
• Guimarães mit Kaiserslautern (10. Oktober 2000)
• Vila Nova de Poiares mit Hungen (13.10.2000)
• Ilhavo mit Cuxhaven (seit dem 05. April 2002)
• Amarante mit Wiesloch (seit dem 01. September 2004)
• Vila Real mit Osnabrück (seit dem 20. Juli 2005)
• Grândola mit Rhein-Kreis Neuss (15. März 2006)
• Póvoa de Varzim mit Eschborn (29. Juni 2010)

Die Städtepartnerschaften Lissabons, genauso wie die meisten in Restportugal und sicherlich viele weltweit, leben von dem Engagement der jeweiligen Stadtverwaltung und vor allem von der Initiative der einfachen Bürger, Musik- und Sportvereine, Chöre, Museen, usw.

Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das je mehr Partnerstädte Lissabon hat, umso geringer dann doch tatsächlich das Engagement ist, den die Stadt und ihre Bürger an den Tag legen.

Das ist schade – einfach nur schade!

Mittwoch, 24. August 2011

Brás Cubas


Im Dezember 1507, das genauere Datum ist nicht bekannt, wurde in der portugiesischen Stadt Porto den Edelleuten João Pires Cubas und Isabel Nunes ein Sohn geboren, welches sie auf den alten portugiesischen Namen Brás tauften.

Nachdem er die seinerzeit übliche Erziehung eines jungen Mannes aus gutem Hause genossen hatte, heuerte er 1531, im Alter von 24 Jahren, beim Seefahrer Martim Afonso de Sousa an, und begleitete diesen auf seiner damaligen Expedition nach Brasilien, in die heutige Region der Stadt Santos im Bundesstaat São Paulo.

Er erhielt von Martim Afonso de Sousa, dem Begründer der Stadt São Vicente, Ländereien (port.: sesmarias) auf der Insel gleichen Namens, um diese landwirtschaftlich zu bearbeiten.
Brás Cubas ließ Zuckerrohr auf riesigen Plantagen anbauen, und widmete sich fortan der Zuckerproduktion. Man kann sagen, dass er der erste Landwirt der neuen Welt war.
Mit der Zeit wurde er der größte Grundbesitzer der „Baixa Santista“, einer Region die heute einen großen Teil des Gebietes um die Stadt Santos ausmacht, von São Paulo bis nach Guarujá.

Er gründete, unweit der Stadt São Vicente, einen Hafen, eine Kapelle und 1543 ein Krankenhaus, das den Namen Santa Casa de Miséricordia de Todos-os-Santos erhielt und das heute das älteste Krankenhaus Amerikas ist.
All diese Bauten waren die Keimzelle der heutigen Stadt Santos und Brás Cubas gilt somit als Begründer der Stadt.

1545 wurde er zum Capitão-mor (dt.: Hauptkapitän) von São Vicente ernannt, was dem heutigen Posten eines Bürgermeisters gleichkommt.
Sechs Jahre später, 1551, machte ihn König João III zum Vorsteher und Zahlmeister der Region.
Auf seine Anweisung hin wurde im Jahre 1552 mit dem Bau der Festung Forte de São Filipe auf der benachbarten Insel Santo Amaro begonnen.
Brás Cubas wurde mit den Jahren einer der einflussreichsten, wenn nicht gar der einflussreichste Bürger, von Santos.

Im Jahre 1580 annektierte Spanien das portugiesische Königreich. König Filipe I tauschte im ganzen Reich die Verwaltungsangestellten und Beamten durch Leute seines Vertrauens aus.
Auch in der Region São Vicente musste Brás Cubas von seiner Rolle als Capitão-mor (dt.: Hauptkapitän) zurücktreten und sich auf seine Plantage zurückziehen.
Der Posten des Capitão-mor blieb aber in der Familie.
Sein Sohn Pedro Cubas wurde sein Nachfolger.

Brás Cubas starb im Jahre 1592 in Santos, der Stadt die er gründete und die er so sehr liebte.
Genauso wie sein Geburtsdatum, so ist auch sein genauerer Todestag für immer ein Geheimnis der Geschichte geblieben.

Mittwoch, 18. November 2009

Von der Liebe zu einer Brasilianerin


Heute, vor zehn Jahren, besuchte ich zum ersten Mal Rio de Janeiro.
Ich hatte vorher schon viel über die Stadt gehört, und wollte unbedingt nun selber wissen wie sie aussah, wie sie roch und wie sie Samba tanzte.

Und tatsächlich, ich wurde von Rio de Janeiro gleich eingenommen.
Ich muss sogar gestehen, ich habe mich für kurze Zeit sogar in Rio de Janeiro verliebt.
Es war eine dieser spontanen, nichts sagenden Lieben.
Wie eine Sommerflirt (obwohl ich Rio im südamerikanischen Frühling kennen lernte), der intensiv ist, aber dann schnell vergeht.
So wirkte diese Stadt damals auf mich.

Manchmal denke ich an ihre lateinamerikanische, pulsierende und lebensfrohe Art zurück, und sehne mich dann auch nach dem Zuckerhut, der Copacabana und dem Corcovado.
Und wenn ich dann, mit etwas Wehmut, an Rio zurückdenke, nehme ich mir fest vor, Rio de Janeiro irgendwann einmal wieder zu besuchen.

Aber verliebt, so richtig verliebt, habe ich mich damals in São Paulo.
Denn São Paulo ist, im Gegensatz zu Rio de Janeiro, so echt, so ehrlich, so wunderbar offen.

Als ich zum ersten Mal São Paulo besuchte, spürte ich, dass ich in dieser Stadt mein Herz verlieren würde.
Andere verlieren ihr Herz im romantischen Heidelberg.
Ich habe halt mein Herz im chaotischen und lauten São Paulo verloren.

Denn Sampa, wie die Einheimischen ihre Stadt liebevoll nennen, besteht nicht nur aus Favelas, Verkehrschaos und Gewalt, sondern auch aus viel Kultur, Lebensfreude, einer vielschichtigen, bunten Gesellschaft und viel, viel Grün.

São Paulo ist einzigartig.
Sogar die Tatsache, dass São Paulo nicht am Meer liegt, so wie Rio de Janeiro, hat keine Rolle gespielt, als ich mich dieser Stadt erbarmungslos ergab.
Ich glaube, ich werde São Paulo immer lieben und vermissen.

Ob es in meinem Leben eine platonische Liebe gibt???
Ja, die gibt es auch:
Blumenau, im brasilianischen Staate Santa Catarina.

Mittwoch, 30. September 2009

Gott sprach zum Menschen…


Heute, auf dem Heimweg von der Arbeit nach Hause, bin ich im Stadtteil São Paulo, an der gleichnamigen Kirche vorbeigekommen.

An der großen Kirchentür, wo die üblichen Kirchenveranstaltungen aushängen und die obligatorischen Kirchentermine bekannt gegeben werden, sah ich ein Blatt Papier, mit einem Handy darauf.

Neugierig geworden, sah ich mir dieses ausgehängte DIN-A4 Blatt genauer an, auf dem übersetzt, folgendes zu lesen ist:

„Gott sprach zum Menschen auf verschiedenster Art und Weise.
Aber niemals benutzte er dabei ein HANDY

Bitte schalten sie ihr Handy aus, bevor sie in die Kirche betreten“

In meinen Augen, ein origineller „Kirchenschatz“!