Posts mit dem Label Santos werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Santos werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 24. August 2011

Brás Cubas


Im Dezember 1507, das genauere Datum ist nicht bekannt, wurde in der portugiesischen Stadt Porto den Edelleuten João Pires Cubas und Isabel Nunes ein Sohn geboren, welches sie auf den alten portugiesischen Namen Brás tauften.

Nachdem er die seinerzeit übliche Erziehung eines jungen Mannes aus gutem Hause genossen hatte, heuerte er 1531, im Alter von 24 Jahren, beim Seefahrer Martim Afonso de Sousa an, und begleitete diesen auf seiner damaligen Expedition nach Brasilien, in die heutige Region der Stadt Santos im Bundesstaat São Paulo.

Er erhielt von Martim Afonso de Sousa, dem Begründer der Stadt São Vicente, Ländereien (port.: sesmarias) auf der Insel gleichen Namens, um diese landwirtschaftlich zu bearbeiten.
Brás Cubas ließ Zuckerrohr auf riesigen Plantagen anbauen, und widmete sich fortan der Zuckerproduktion. Man kann sagen, dass er der erste Landwirt der neuen Welt war.
Mit der Zeit wurde er der größte Grundbesitzer der „Baixa Santista“, einer Region die heute einen großen Teil des Gebietes um die Stadt Santos ausmacht, von São Paulo bis nach Guarujá.

Er gründete, unweit der Stadt São Vicente, einen Hafen, eine Kapelle und 1543 ein Krankenhaus, das den Namen Santa Casa de Miséricordia de Todos-os-Santos erhielt und das heute das älteste Krankenhaus Amerikas ist.
All diese Bauten waren die Keimzelle der heutigen Stadt Santos und Brás Cubas gilt somit als Begründer der Stadt.

1545 wurde er zum Capitão-mor (dt.: Hauptkapitän) von São Vicente ernannt, was dem heutigen Posten eines Bürgermeisters gleichkommt.
Sechs Jahre später, 1551, machte ihn König João III zum Vorsteher und Zahlmeister der Region.
Auf seine Anweisung hin wurde im Jahre 1552 mit dem Bau der Festung Forte de São Filipe auf der benachbarten Insel Santo Amaro begonnen.
Brás Cubas wurde mit den Jahren einer der einflussreichsten, wenn nicht gar der einflussreichste Bürger, von Santos.

Im Jahre 1580 annektierte Spanien das portugiesische Königreich. König Filipe I tauschte im ganzen Reich die Verwaltungsangestellten und Beamten durch Leute seines Vertrauens aus.
Auch in der Region São Vicente musste Brás Cubas von seiner Rolle als Capitão-mor (dt.: Hauptkapitän) zurücktreten und sich auf seine Plantage zurückziehen.
Der Posten des Capitão-mor blieb aber in der Familie.
Sein Sohn Pedro Cubas wurde sein Nachfolger.

Brás Cubas starb im Jahre 1592 in Santos, der Stadt die er gründete und die er so sehr liebte.
Genauso wie sein Geburtsdatum, so ist auch sein genauerer Todestag für immer ein Geheimnis der Geschichte geblieben.

Dienstag, 5. Juli 2011

Palácio dos Santos


Im Lissabonner Stadtteil Santos, durch den ich jeden Tag auf dem Weg zu Arbeit fahren muss, liegt ein prachtvoller Palast, welches durch die französische Trikolore im Palastgarten, seine heutige Bestimmung jedermann von weitem anzeigt.
Es handelt sich bei diesem Stadtpalast um den Sitz des französischen Botschafters in Portugal, Monsieur Pascal Teixeira da Silva, einem portugiesischstämmigen Franzosen.

Der Palácio dos Santos (dt.. Palast der Heiligen), wie er im Volksmund heißt, liegt auf einer Anhöhe im gleichnamigen Stadtteil Santos.
Dank seiner privilegierten Lage am Ufer des Tejo, wurde die Anhöhe auf dem heute der Palast steht, schon zur Zeit der Römer besiedelt.

Den Namen „Santos“ (dt.: „Heilige“) hat das Stadtteil von den Geschwistern Veríssimo, Máxima und Julia, die während der Regierungszeit Kaiser Diokletian, um 300 n. Ch. den Märtyrertod starben, und dessen Leichen, der Sage nach, in einem Boot hier an das Lissabonner Ufer angespült wurden.
Die Geschwister wurden für heilig gesprochen und in einer kleinen Kapelle, die sich ursprünglich an der Stelle befand, an der heute die Alte Kirche Igreja dos Santos-o-Velho steht, beigesetzt.
Den römischen Geschwistern verdankt dieser Lissabonner Stadtteil also seinen Namen.
Im 12. Jahrhundert wurde anstelle der Kapelle ein Kloster errichtet, in dem vor allem Witwen und Töchter des kleinen Adels unterkamen.

Nachdem der Orden das Kloster im Jahre 1490 verließ und in ein neues umzog, wurden sowohl das Kloster als auch die zu ihm gehörenden Ländereien am Ufer des Tejo an Fernão Lourenço vermietet. Er war ein sehr wohlhabender Bankier, der die wichtigsten portugiesischen See- und Entdeckungsreisen seiner Zeit finanzierte.

Nach dem Tod Fernão Lourenços im Jahre 1497 zieht König Manuel I als neuer Mieter in das Gebäude ein, und so wird aus dem ehemaligen Kloster und späteren Bürgerhaus ein königlicher Wohnsitz, so königlich das in seinen Mauern sogar König Manuel I die spanische Infantin Isabella, die Tochter der Katholischen Könige, ehelicht.

König Manuel I zieht später in dem von ihm neu erbauten Palácio da Ribeira um.
Dafür zieht sein Urenkel, der spätere König Sebastião I, in den Palácio dos Santos ein. Er verbringt sein ganzes kurzes Leben in dem Palast, bis er im Jahre 1578, erst 24jährig, im marokkanischen Alcácer Quibir in einer Schlacht fällt.
Der Geschichte nach soll D. Sebastião I im August 1578 im Palastgarten von Santos, auf dem weißen Marmortisch der heute noch dort steht, seine letzte Mahlzeit auf portugiesischem Boden zu sich genommen haben, bevor er nach Marokko segelte.

Nach dem Tod des jungen Königs wird der Edelmann Luis de Lencastre, ein Nachfahre der großen Königin Philippa of Lancaster, der neue Mieter des Stadtpalais.
Im Jahre 1629 erwirbt sein Sohn Francisco Luis de Lencastre das ehemalige Kloster käuflich vom Orden und ab dieser Zeit wird der Palast unter dem Namen Palácio dos Lencastre bekannt.
Im Besitz der Familie Lencastre sollte der Palast dann auch bis zum Jahre 1909 bleiben.

Durch die Jahrhunderte hinweg wird der Palast durch die neuen Eigentümer mehrmals renoviert.
Anfang des 18. Jahrhunderts werden die Palastkapelle und das Hauptgebäude des Palastes von dem Architekten João Antunes völlig neu gestaltet und der Palast auf seine heutige Größe erweitert.
Die nahe Kirche Igreja dos Santos-o-Velho wurde ebenfalls durch den Architekten João Antunes renoviert.

Im Jahre 1711 geht Pedro de Lencastre, der damalige Besitzer des Palastes, die Ehe mit Maria Sofia de Lorena, der Tochter von Rodrigo de Sá Menezes, dem Marquis von Abrantes (port.: Marquês de Abrantes), ein.
Mit dieser Heirat zieht auch die Kunst in den Palácio dos Santos ein.
Während die ehemaligen Besitzer mehr Wert auf das Äußere des Gebäudes gaben, konzentriert sich der neue Besitzer Pedro de Lencastre verstärkt auf die Inneneinrichtung.
Die meisten Zimmer und Salons lässt er mit Kacheln und Fresken ausgekleidet und mit wertvollen Möbelstücken, die heute noch dort existieren, dekorieren.
Im Porzellansaal (port.: Sala de Porcelana), dem schönsten und originellsten Saal des Palastes, lässt Pedro de Lencastre z.B. eine pyramidenförmige Decke aus reinstem Porzellan anfertigen.

Am 01. November 1755 ereignet sich das große Erdbeben von Lissabon.
Dem Beben folgen riesige Tsunamiwellen die die Lissabonner Altstadt völlig zerstören.
Man weiß heute nicht mehr mit Sicherheit genau, inwieweit das Palastgebäude bei diesem großen Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Aber da der Stadtteil Santos im Allgemeinen zu den weniger zerstörten der Stadt gehörte, geht man davon aus, dass die Schäden eher geringfügig waren.
Was man mit Sicherheit heute belegen kann, ist die Tatsache, dass man anhand von Registrierungen weiß, dass viele Mitglieder der Familie Lencastre nach dem großen Beben im Palast Zuflucht gesucht und auch gefunden haben.

Als die zweite Herzogin von Abrantes (port.: Duquesa de Abrantes) 1780 kinderlos stirbt, erben die Mitglieder der Familie Lencastre den Adelstitel Abrantes.
Ab dieser Zeit ist der Palast auch unter dem Namen Palácio dos Abrantes bekannt.

Zwischen den Jahren 1841 und 1849 vermietet der damalige Besitzer des Plastes, Pedro de Lencastre, das Gebäude an Marie Amélie de Beauharnais, der Witwe des ehemaligen Kaisers von Brasilien, Pedro I.
Marie Amélie de Beauharnais wird die erste französische Bewohnerin des Hauses.

Im Jahre 1870, nach dem Tod von José de Lencastre, dem Bruder von Pedro de Lencastre, wird das Gebäude erneut vermietet. Diesmal an den französischen Botschafter in Portugal, den Grafen Armand (port.: Conde Armand), der aus dem Palast seinen Amts- und Wohnsitz macht.
Am 14. August 1909 verkauft João de Lancastre den Palast, nachdem dieser über 300 Jahren im Familienbesitz war, an den französischen Staat.
1937 zieht das Französische Sprachinstitut (port.: Instituto Francês / fr.: Institute Francais) in den Westflügel des Palastes ein.

Heute ist der Palácio dos Santos, der vor kurzem für 3 Millionen Euro restauriert wurde und eines der schönsten Königspaläste Portugals ist, nicht mehr Wohnsitz, sondern nur noch Amtssitz des französischen Botschafters.
Französische Diplomaten, die hier in Lissabon akkreditiert sind und waren, bezeichnen den Palast als die drittschönste Botschaft Frankreichs auf der Welt, gleich nach denen in Rom und Prag.
Nach Informationen der französischen Botschaft sind derzeit ca. 15.000 Franzosen in Portugal registriert.
Davon leben etwa 9.000 im Großraum Lissabon, etwa 6.000 in Porto und schätzungsweise 1.000 an der Algarve.

Vom Botschaftsgarten hat man, wenn die Botschaft einem die Gelegenheit dazu gibt, einen wunderschönen Blick über den Tejo und die andere Flussseite.
Leider öffnet die Botschaft, aus Sicherheitsgründen, nur selten ihre Pforten.
Eines der Tage an denen man sowohl den Palastgarten als auch einige Räume des Palastes besichtigen kann, ist jedes Jahr am 18. Mai, dem Internationalen Tag des Museums.
Leider war mir, krankheitsbedingt, ein Besuch in diesem Jahr nicht möglich.
Aber ich nehme es mir für das nächste Jahr ganz fest vor!

Freitag, 17. Juni 2011

Keine Metroerweiterung in den nächsten Jahren


Wie die Wirtschaftszeitung „Diário Económico“ heute in ihrer Ausgabe berichtet, hat die Lissabonner U-Bahngesellschaft (port.: Metro de Lisboa) mitgeteilt, das sie die geplante Erweiterung des Liniennetzes der U-Bahn, aus finanziellen Gründen, nicht wie geplant realisieren wird können.
In Zeiten der Krise, wäre ein Ausbau der Linie ein zu großes Risiko, so die Gesellschaft.
Die bereits im Bau befindlichen U-Bahnstationen aber werden zu Ende gebaut!

So wird die Strecke von der U-Bahnstation „Cais do Sodré“ bis nach „Santos“ (Grüne Linie) zu Ende gebaut, die Verbindung weiter bis nach „Alcântara“ wird aber verworfen.
Ebenso verworfen wurde, in der entgegen gesetzten Richtung, die Verbindung der U-Bahnstation „Telheiras“ über „Horta Nova“ bis nach „Pontinha“.
Die noch nicht begonnene Erweiterung, aber geplante, Linie von „São Sebastião“ nach „Campolide“ (Gelbe Linie) wird ebenfalls erstmal zu den Akten gelegt.

Die Bauarbeiten zur Erweiterung der Linie bis zum Flughafen (Rote Linie), sind schon fast zu Ende.
Hier werden Anfang nächsten Jahres die drei neuen U-Bahnstationen „Aeroporto“, „Encarnação“ und „Moscavide“ an die Station „Gare do Oriente“ angeschlossen.


Die Weiterführung der Linie, über den Flughafen hinaus, zum Stadtteil „Lumiar“ fällt ebenso dem Rotstift zum Opfer.
Ebenso nächstes Jahr wird die Verbindung der zukünftigen U-Bahnstation „Reboleira“ zur jetzt schon bestehenden U-Bahnstation „Amadora-Este“ (Blaue Linie) stehen.

Wie wichtig die U-Bahn in Lissabon ist, sehen wir, die wir in dieser Stadt leben und arbeiten, jeden Tag.
Eine Nichtrealisierung der Erweiterung des Metroschienennetzes, ist zu bedauern, aber in Zeiten der Krise, verständlich.
Es kommen schwere Zeiten auf uns zu…

Dienstag, 30. November 2010

Gut, erschwinglich und traditionell


Oft werde ich gefragt, wo man denn in Lissabon gut und billig traditionell portugiesisch Essen kann.
Nun, um ehrlich zu sein, die Orte wo man gut und billig essen kann werden auch hier in der Hauptstadt langsam knapp.
Nichtsdestotrotz gibt es noch den einen oder anderen Geheimtipp hier in der Stadt, wo man hervorragend portugiesisch essen kann, was nicht heißen soll das diese Geheimtipps alle auch kostengünstig sind.

In der Zeit in der wir leben hat alles seinen Preis – auch eine gute Mahlzeit.
Und so soll es auch sein, denn lieber bezahle ich für ein gutes Essen etwas mehr, als für irgendein Hundefutter einen Fantasiepreis.

Ich habe mir Gedanken über das eine oder andere Restaurant und Lokal gemacht, und hier eine kleine Liste erstellt, von den Restaurants die man hier in Lissabon getrost besuchen kann, ohne Gefahr zu laufen bis aufs letzte Hemd ausgezogen zu werden.

- „Taberna Ideal“ – In der Rua da Esperança n° 112 gelegen, im Statteil Santos

- „Stop do Bairro“ – Liegt in der Rua Tenente Ferreira Durão n° 55ª, im Stadtteil Campo de Ourique

- „Galeto“ – Im Stadtteil Saldanha gelegen, an der Avenida da República n° 14ª

- „Café do Paço“ – Liegt im Paço da Rainha n° 62ª, im Stadtteil Canpo Mártires da Pártia

- „Alecrim ás Flores“ – In der Travessa do Alecrim n° 4 gelegen, im Stadtteil Cais do Sodré

- „Faz Figura“ – In der Alfama, dem ältesten Stadtteil der Stadt gelegen, in der Rua do Paraíso n° 15b

- „Sítio dos Bons Amigos“ – Liegt im Stadtteil Alvalade, in der Rua Dr. Gama Barros n° 32

- „A Merendeira“ – Im Stadtteil Santos, in der Avenida 24 de Julho (hier gibt es den besten Caldo Verde der Stadt!)

Alle Restaurants die ich hier aufgeführt habe stehen in einem guten Preis-Leistungsverhältnis und sind alle, wie es sich für ein gutes portugiesisches Restaurant gehört, auch sonntags geöffnet. Viele von ihnen bieten noch zu „unmöglichen“ Zeiten eine warme Mahlzeit an, wie das „A Merendeira“ welches bis um 6 Uhr morgens geöffnet hat oder das Restaurant „Sítio dos Bons Amigos“, der seinem Namen alle Ehre macht, und wo man mit seinen Freunden noch um 5 Uhr früh gutes portugiesisches Essen warm auf den Tisch bekommt!

In diesem Sinne: Guten Appetit!