Posts mit dem Label Araber werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Araber werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 4. Januar 2011

Salamaleque und Oxalá


„… der Frieden sei mit Dir (Euch)“ – das meint ein Portugiese, wenn er das Wort „salamaleque“ an sein Gegenüber richtet.
Dieses Wort, das heute eher selten benutzt wird, und das ich zum letzten Mal, jetzt über den Jahreswechsel, an der Algarve gehört habe, als sich zwei ältere Frauen in den Gassen der Altstadt von Albufeira begrüßten, wird heute kaum noch verwendet, und viele Portugiesen kennen es kaum noch.
Nur ältere Menschen, und die ausnahmslos aus dem Süden Portugals, benutzen heute noch diese, aus der Maurenzeit stammende, Begrüßungsformel.
„Salamaleque“ kommt aus dem arabischen „as-salam-malaik“ und bedeutet wortwörtlich: „der Frieden sei mit Dir (Euch)“.

Ein anderer, aus dem arabischen Wortschatz stammender Ausdruck, ist das Wort „oxalá“ (arab.: „inch-Allah“), das soviel bedeutet wie „so Gott will“.
Dieses Wort wird, im Gegensatz zu „salamaleque“ heute noch recht oft benutzt, auch hier im Lissabonner Raum.

Das heute noch das eine oder andere arabische Wort im portugiesischen Wortschatz benutzt wird, und ich meine damit nicht nur geographische Begriffe, haben wir Portugiesen sicherlich der langen maurischen Herrschaft über die Iberischen Halbinsel zu verdanken, aber auch der Tatsache das wir danach, als wir z.B. in Indien mit Arabern und Türken Handel trieben, noch lange mit der arabischen Kultur zu tun hatten.

In diesem Sinne:

„Salamaleque“ Euch allen im Neuen Jahr, und „oxalá“ treffen wir uns hier in meinem Blog!

Mittwoch, 29. Juli 2009

Die leckeren Pasteis de Al-Madan


Die arabischen Mauren haben, als sie das südliche Portugal Mitte des 12. Jahrhunderts wieder verließen, hier ein kulturelles, architektonisches, sprachliches und auch gastronomisches Erbe hinterlassen.

Zu den schmackhaftesten Hinterlassenschaften, die sie in der Stadt Almada (auf arabisch: Hisn al-Madin) zurückgelassen haben, gehören ohne Zweifel die Pasteis de Al-Madan (Al-Madan Gebäckstückchen).
Bei den Al-Madans handelt es sich um gefüllte Blätterteigstückchen, die noch heute in Almada, in der Konditorei gleichen Namens, hergestellt und verkauft werden.

Es existieren fünf Füllungen
- die traditionelle Mandelfüllung (Amêndoa), die noch auf die arabischen Mauren zurückgeht
- eine Nussfüllung (Nóz), die seit Mitte des letzten Jahrhunderts existiert
- eine Apfelmusfüllung (Maçã), die besonders fruchtig schmeckt
- eine Schokoladenfüllung (Chocolate), bestehend aus leckerer Vollmilchschokolade
- und eine süße Kürbisfüllung (Gila), die erst in den letzten Jahren ihren Weg als leckere Füllung für die Al-Madans gefunden hat.

Aus Gründen die mir unbegreiflich sind, haben die Al-Madans nie die weltweite Berühmtheit erlangt, die die Pasteis de Belém (Belém Gebäckstückchen), ihre Brüder auf der gegenüberliegenden Tejoseite, in Lissabon, erlangt haben.

Wenn sie mal in der Stadt Almada sind, fragen sie nach der Konditorei Al-Madan, in der Avenida Dom Afonso Henriques, einer Hauptstraße. Sie werden es nicht bereuen.
Aber übertreiben sie es nicht mit dem Schlemmen.
Denn zweifellos handelt es sich bei den Al-Madans, wie bei allen portugiesischen Süßspeisen, um authentische Kalorienbomben, die jede gute Figur gnadenlos zerstören.
Ich spreche aus eigener, trauriger Erfahrung…

Donnerstag, 4. Juni 2009

Das Badehaus in der Al-Khamá




Wer heute Abend die Hauptnachrichtensendung im portugiesischen Staatsfernsehen RTP (über Satellit auch Weltweit empfangbar) einschaltete, bekam Nachrichten aus aller Welt zu sehen und natürlich auch Landesinformationen geboten.
Zwei Nachrichten, die beide mehr oder weniger, mit dem baden zu tun haben, machten mich hellhörig.
Die erste fand ich dahingehend interessant, weil der portugiesische Prämierminister Socrates, als er gefragt wurde, was er denn davon hielt, das die kommunistische Fraktion im portugiesischen Parlament, wie die anderen im Parlament vertretenen Parteien, die nord-koreanischen Raketen- und Atomtests nicht verurteilt hatten, trocken meinte:
„Bem sábe, os comunistas gostam de ir à praia, mas não gostam de se molhar“ – was frei übersetzt soviel heißt wie:
“Ach wissen sie, die Kommunisten gehen unheimlich gerne baden, werden aber nicht gerne nass”.
Wer unseren Prämieminister kennt, weiß wie humorlos er eigentlich ist, und ist sich dementsprechend über die Bedeutung dieses Kommentars sehr wohl bewusst. Über Nord-Korea und seine kommunistischen Machthaber und Generäle fällt mir leider nichts ein.
Die andere Nachricht, die ich sehr interessant fand, war aber wirklich eine Nachricht!

In der Alfama, der Lissabonner Altstadt, sind bei Bauarbeiten die Reste eines alten Badehauses aus der Zeit der arabischen Mauren entdeckt worden.
Nur wenige wissen, dass es in der Alfama eine warme Quelle gibt.
Diese warme Quelle, die tief aus dem Bodeninneren ihren Weg an die Oberfläche findet, nannten die arabischen Bewohner Lissabons, die von 715-1147 n. Chr. über die Stadt herrschten, Al-Khamá, was so viel heißt wie „heißes Wasser“.
Da das lateinische Alphabet kein Buchstabe „K“ kannte, wurden damals, als die Portugiesen in der Reconquista Portugal Stück für Stück von den Mauren eroberten, in allen arabischen und jüdischen Wörtern in denen ein „Kh“ vorkam, dieser durch ein „F“ ersetzt. So wurde aus dem arabischen Al-Bukhera das portugiesische Albufeira, aus Kharum wurde Faro, aus Al-Kharb wurde die Algarve und aus Al-Khamá wurde Alfama.
Die Mauren, so weiß man heute nach einigen Funden von alten Badehäusern überall im südlichen Europa und Nordafrika, hatten eine ausgeprägte Badehauskultur, ebenso wie die Juden.
Die Christen dagegen hatten überhaupt keine Kultur, jedenfalls was das Baden anging. Aber seien wir fair: die Araber und Juden waren damals zwar wirklich reinlicher als die Christen, aber auch nur, weil es ihre religiösen Riten vorschrieben, und noch heute vorschreiben, sich mehrmals am Tag zu Waschen.

Aber wie wir heute aus alten Berichten der Inquisition wissen, konnte zu häufiges Waschen auch hochgradig Lebensgefährlich sein.
Die skurrilste Geschichte die ich je über dieses Thema gelesen habe (in einer Fachzeitschrift im Wartezimmer meines Arztes), war die eines Christen der in der Alfama lebte. Dieser arme Kerl hatte den Drang ständig seine Hände öffentlich im Stadtbrunnen Chafariz de Dentro (dieser alte Brunnen steht heute noch in der Lissabonner Altstadt) zu waschen. Heute würde man sagen der Mann litt unter einem Tick, einen neurotischen Waschzwang, unter dem Druck sich ständig zu reinigen, ein Leiden, das heute als Krankheit angesehen wird.
Doch damals, im Mittelalter, war die Tatsache, das sich dieser arme Kerl so häufig die Hände und Füße wusch, Grund genug für die Beamten der Inquisition ihn unter dem Vorwand, er übe den jüdischen Glauben aus, zu verhaften, zu verurteilen und öffentlich zu verbrennen!
Zum Thema Inquisition und Sauberkeit sei noch nachzutragen, das es in einer Propagandaschrift von 1612, welches alleine aus dem Grund geschrieben wurde, um Christen ein Leitfaden zur Denunziation zu sein, geschrieben stand (hier übersetze ich frei):
„…ein weiteres Merkmal um einen Juden oder Mauren zu erkennen ist die Tatsache, dass diese jeden Freitag saubere Kleidung anziehen…“

Das soeben wiederentdeckte Badehaus soll nun Stein für Stein abgetragen werden und im Detail im Archäologischen Museum wieder nachgebaut werden.
Bleibt zu hoffen dass dieses Unternehmen gelingt.
Denn obwohl die Mauren über 400 Jahre im Westen und Süden Portugals gelebt und geherrscht haben, sind leider nur wenige Zeugnisse ihrer einzigartigen Kultur und Baukunst erhalten geblieben.

In einem späteren Block werde ich mich ausführlicher über die Zeit der Mauren und auch der Juden in Portugal berichten.