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Montag, 8. Juni 2009

Ein „Monster“ für den Papst


Vor zwei Woche, rechtzeitig zu den 125-Jahr-Feiern des Lissabonner Zoos, ist hier, in dem selbigen, ein kleines Indisches Panzernashorn geboren worden, das heute der Bevölkerung und den Besuchern vorgestellt wurde. Er hat zwar nicht die Menschenmassen wie damals der Berliner Eisbär Knut in den Zoo strömen lassen, aber dennoch kann dieser kleine Rhinozeros ( lat. rhino = Nase / ceronte = Horn) auf einen ganz berühmten Vorgänger verweisen.

Im Mai 1515 geht im Lissabonner Hafen eine Karavelle, aus Indien kommend, vor Anker. An Bord befindet sich ein merkwürdiger Passagier, den der portugiesische Vizekönig von Indien, Afonso de Albuquerque, an seine Majestät König Manuel I sendet. Dieser merkwürdige Passagier, ist das erste Nashorn das europäischen Boden betritt.
Das massige Tier wird zuerst in den Turm von Belém gesperrt, den er gilt als äußerst gefährlich. Der König und der gesamte Hofstaat besichtigen das „Monster“, wie er bald genannt wird, und sind von seiner Größe und seinem furchterregendem Aussehen regelrecht fasziniert.
Einen Monat später tritt das Rhinozeros auf dem Lissabonner Hauptplatz, dem Rossio, zum Duell gegen einen Elefanten an. Das Nashorn war natürlich ein Wildtier und der Elefant eine Handaufzucht, und dementsprechend gezähmt. Wie das Duell ausgefallen ist kann sich wohl ein jeder Denken. Der Elefant floh regelrecht vor dem Nashorn. Und die Damen und Herren des Hochadels und die Bevölkerung, die dem Spektakel beiwohnten, waren nun nicht nur von seiner Größe und seinem bizarren Aussehen fasziniert, sondern auch von seiner Kraft.
In ganz Europa sprach man bald nur noch von diesem „Monster“. Nach Skizzen eines Augenzeugens fertigt später Albrecht Dürer seinen berühmten Holzschnitt an.

Aber das arme Tier sollte ein trauriges Ende finden.
Um dem damaligen Papst Leo X zu imponieren, schickte König Manuel I das Nashorn wieder auf die Reise, um es ihm zu schenken. Aber wie es das Schicksal so will, gerät die Karavelle mit der wertvollen Fracht bei Genua in einen schweren Sturm und sinkt. Das Nashorn ertrinkt jämmerlich im Mittelmeer und der Papst bekommt sein „Monster“ nie zu sehen.

Aber jeder der die Gelegenheit hat, jetzt dem Lissabonner Zoo einen Besuch abzustatten, sollte sich das „Monster“ anschauen, welches gerade vor zwei Wochen geboren wurde.

Donnerstag, 4. Juni 2009

125 Jahre Lissabonner Zoo







Heute, vor genau einer Woche, feierte der Zoologische Garten von Lissabon seinen 125. Geburtstag.
Am 28. Mai 1884, öffnete damals der erste Zoo Portugals, im Beisein der gesamten königlichen Familie und vielen nationalen Berühmtheiten, seine Pforten.
Er war überhaupt der erste Zoo auf der ganzen Iberischen Halbinsel, und somit auch der erste Park in dem exotische Flora und Fauna ausgestellt wurden. Als solcher leistete er für die damalige Zeit, hervorragende Pionierarbeit.
Der Lissabonner Zoo stand zuerst im Stadtteil São Sebastião da Pedreira, da wo sich heute die Geburtsklinik Maternidade Alfredo da Costa befindet, in der übrigens meine Schwester und ich vor einigen Jahren das Licht der Welt erblickten. Doch nach wenigen Jahren wechselte der Zoologische Park nach Palhavã, an die Praça de Espanha, wo sich heute der Park der Gulbenkian-Stiftung erstreckt. Bis 1904 blieb er an dieser Stelle.
Erst 1905 wechselte der Zoo an die Estrada de Benfica, in den Stadtteil Sete Rios, wo er bis zum heutigen Tag, auf dem ehemaligen Landgut der Grafen von Farrobo, existiert.

Von dem portugiesischen Geschäftsmann José Thomas Souza Martins, seinem niederländischen Handelspartner Peter van der Laan und dem deutschen Baron von Kessler gegründet, hatte der Zoologischen Garten von Anfang an die Unterstützung des Ehemanns von Königin Maria II, dem deutschen Prinzgemahl Ferdinand von Sachsen Coburg Gotha.
Ferdinand war von der Gründung eines Zoos in der Hauptstadt so begeistert, das er all seinen Einfluss geltend machte, um aus den entlegensten Winkeln des portugiesischen Kolonialreiches die damals exotischsten Tiere nach Lissabon kommen zu lassen.
Am Tag der Eröffnung konnte man 1127 Tiere bestaunen, darunter zwei Elefanten, ein dutzend Paviane, ein Flusspferd, zwei Nashörner, vier Giraffen, drei Tiger, eine Schimpansenfamilie, sechs Löwen und viele exotische Vögel, wie Papageien, Tukane und sogar Kolibris, sowie Pferde, Kühe, Schweine, Katzen und Hunde. 170.000 Menschen besuchten den Zoo im ersten Jahr!

Heutigen Tierfreunden wäre der damalige Zoo wenig attraktiv gewesen, denn die Tiere wurden in viel zu engen Käfigen und Gehegen gehalten. Aber damals stand die Befriedigung der Neugierde der Besucher im Vordergrund und nicht das Wohl der Tiere.

Der Tierpark mag äußerlich einer großen Veränderung unterworfen worden sein. Was aber bis heute blieb, ist die Verwaltungspolitik, die schon unter den Gründern vor 125 Jahren gegolten hat:
damals wie heute wurde und wird der Tierpark hauptsächlich von privatem Einsatz getragen, ist er auf Gönner aus der Stadt sowie auf Spenden von Privatleuten und Unternehmen angewiesen.
Die Leitung liegt in den Händen der Zoologischen Gesellschaft von Lissabon (Associção Zoológica de Lisboa). Sie umfasst seit jeher maximal 40 Mitglieder. Über die Neuaufnahme eines neuen Mitgliedes, dass bereit sein muss, Geld und Zeit zu investieren, wird immer geheim abgestimmt. Die laufenden Geschäfte werden von einem zehnköpfigen Vorstand besorgt, der seine Arbeit ehrenamtlich leistet. Entlohnt werden nur die Tierpfleger und Kassierer!

Heute ist der Lissabonner Zoo, nach einem sehr großen Umbau, wieder sehr ansehnlich, und wird alljährlich von tausenden von Menschen besucht.