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Donnerstag, 8. April 2010

In memoriam: Dietrich Bonhoeffer


„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie uns nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern alleine auf ihn verlassen.“

Diese Worte schrieb der 1906 geborene Dietrich Bonhoeffer in seiner dunklen, nassen Zelle im Konzentrationslager Flossenbürg.
Dort, in der tiefsten Oberpfalz, saß Bonhoeffer seit April 1943 im Gefängnis weil er es gewagt hatte gegen das Naziregime Widerstand zu leisten.

Für die Nationalsozialisten war Bonhoeffer nichts weiter als ein gefährlicher Spion, feiger Vaterlandsverräter, dreckiger Judenfreund und hinterhältiger Verschwörer.
Aber Bonhoeffer war lediglich ein Mensch, der menschliche Gefühle und christliche Werte hatte, und der die unmenschliche Nazipolitik auf keinen Fall mittragen wollte.

Für seine Menschlichkeit und seinen Glauben wurde Dietrich Bonhoeffer vor genau 65 Jahren, im Morgengrauen des 09. April 1945, mit den Gleichgesinnten Admiral Canaris und General Oster, auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers, im KZ Flossenbürg, hingerichtet.

Mittwoch, 30. September 2009

„Wer Bücher verbrennt, verbrennt Menschen!“


„Wer Bücher verbrennt, verbrennt Menschen!“ (port.: „Quem queima livros, queima homens!“ – dies sagte einmal der deutsche Schriftsteller Heinrich Heine.
Das waren prophetische Worte!

Denn als die Nazis 1933 an die Macht kamen, verbrannten sie zuerst die Bücher der „entarteten“ jüdischen Künstler und dann massakrierten sie später die Millionen Juden selbst in den Gaskammern der Konzentrationslager.

Daher lobe ich mir den Mut des portugiesischen UNESCO-Botschafters Manuel Carrilho, der sich diese Woche in New York geweigert hat, den Anordnungen der portugiesischen Regierung folge zu leisten, und den Ägypter Farouk Hosni, einen bekennenden Antisemiten, zum Generalsekretär der Weltkulturorganisation UNESCO zu wählen.

Die Wahl Farouk Hosnis, der öffentlich bekennt schon selber jüdische Bücher verbrannt zu haben, zum Chef einer solch Prestigetragenden Organisation wie die UNESCO zu ermöglichen, wäre ohne Zweifel eine Schande.

Da ist es wirklich nur lobenswert, das sich ein portugiesischer Diplomat, allen politischen und wirtschaftlichen Vereinbarungen die zwischen Portugal und Ägypten herrschen, entgegenstellt, und sich öffentlich weigert aus rein wirtschaftlichen Gründen einer Wahl zuzustimmen, die gegen seine Prinzipien sind.

Ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen Manuel Carrilho von der portugiesischen Regierung zu erwarten hat.
Höchstwahrscheinlich wird er als UNESCO-Botschafter entlassen.

Aber selbst diese Entlassung, wird ihm nicht den Mut und den Respekt absprechen können, den dieser Diplomat von uns allen verdient.

Senhor Carrilho, sie haben meinen höchsten Respekt!

Dienstag, 22. September 2009

Der „portugiesische“ Maler, der in Auschwitz seinen Tod fand




Die Niederlande sind berühmt für ihre Zeichner und Maler.
Wer kennt nicht die Werke eines Rembrandts, eines Van Dijcks, eines Rubens oder eines Van Gochs? Alle haben sie in ihrer Zeit, und über diese hinaus, Werke erschaffen, die in der Kunstgeschichte ihresgleichen suchen.

Als einer bedeutendsten holländischen Porträtmaler des ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde am 16. Februar 1864 Baruch Lopes Leão de Laguna, als Sohn eines portugiesischen Sefardisten, in Amsterdam geboren.

Sein Leben begann, so wie es enden sollte – tragisch!
Als Sohn jüdischer Einwanderer aus Portugal hatte er von Geburt an gegen Antisemitismus und Rassismus zu kämpfen.
Mit nur zehn Jahren verlor er seine Eltern - Salomão Lopes de Leão Laguna und Sara Kroese - bei einem tragischen Schiffsunglück, und landet nach deren Tod im portugiesischen Kinderheim von Amsterdam.

Dort erlebt er zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Unterstützung und Förderung. Seine Lehrer und Erzieher, die sofort seine Begabung zur malerischen Kunst entdecken, ermöglichen ihm den Eintritt in die renommierte Amsterdamer Kunstschule Quellinus und später bekommt er sogar ein Stipendium für die weltberühmte Akademie der Schönen Künste Hollands.

Zuerst arbeitet Leão de Laguna als Assistent für den Maler Jacob Meijer de Haan, kann aber schon bald sein eigenes Atellier eröffnen, und widmet sich voll und ganz, mit Erfolg, der Porträtmalerei.
Im Jahre 1885 hat Leão de Laguna, in der Galerie Arti et Amicitiae in Amsterdam, seine erste Ausstellung, die ein voller Erfolg wird, und ihm sowohl von seinen Kollegen als auch vom Publikum aus, sehr positive Kritiken einbringt.

In diesem Jahr heiratet er dann auch Rose Ascher, Tochter eines Diamantenhändlers.
Baruch Lopes Leão de Laguna führte mit Rose eine glückliche Ehe und man kann sagen, beide hatten ein gutes, erfülltes Leben.
Bis zu dem Tag als die Nazis die Niederlande überfielen.
Als Jude und als Sohn jüdischer Sefardisten blieb Leão de Laguna nur die Flucht nach Portugal übrig.
Aber da seine Frau schwer erkrankte, und er sie nicht alleine zurücklassen wollte, versteckte er sich zuerst mit ihr in Amsterdam und danach in Laren, im Norden Hollands.

Dort, auf dem Hof einer einfachen Bauernfamilie kann er sich drei Jahre lang versteckt halten. In dieser Zeit der Flucht und des Versteckens hat Leão de Laguna seine produktivste Phase.
Unter anderem malt er in dieser Zeit, um 1940, auch sein berühmtes Selbstporträt, welches er seiner Gastfamilie schenkt, bevor er von den deutschen Nazis entdeckt wird, und ins Konzentrationslager Auschwitz abtransportiert wird.

Die portugiesische Regierung, die neutral war, und mit Deutschland relativ gute Beziehungen hatte, versuchte Leão de Laguna aus dem Konzentrationslager freizukaufen.
Die deutsche Regierung ging am 23. November 1943 auf den Deal ein und sicherte Portugal die Freilassung des Malers zu.

Doch zu spät.
Bereits vier Tage zuvor, am 19. November 1943 war Baruch Lopes Leão de Laguna in Auschwitz, im Alter von 79 Jahren, in einer Gaskammer, so wie viele Millionen anderer, vergast worden.

Dienstag, 11. August 2009

Wie isst man Lupinenkerne?


Viele in Deutschland werden keine Antwort auf diese Frage wissen.
Zumal die meisten ja noch nicht einmal wissen, was Lupinenkerne (tremoço) oder Lupinen (tremoceiro) eigentlich sind.
Wie sollen sie also da auch wissen, wie man diese isst?
Für die, die es nicht wissen, Lupinen sind Hülsenfrüchte und gehören zur Familie der Erbsen, Erdnüsse und Kichererbsen.

Für die deutschen Nachkriegskinder, die in den Jahren 1948 bis 1958 zur Erholung nach Portugal geschickt wurden, stellte sich der Verzehr der gelben Kerne, die als Snacks angeboten wurden und werden, aber durchaus als zunächst schwierige Aufgabe dar.

Der Zweite Weltkrieg hatte über ganz Europa Tod, Verwüstung und Vernichtung gebracht.
Abermillionen von Menschen waren in Konzentrationslager, auf dem Schlachtfeld oder auf der Flucht gestorben.
Die Überlebenden kämpften um ein Heim und um etwas Essen.
Da war vielen Familien das Angebot der Caritas in Deutschland mehr als willkommen, ihre Kinder in Länder zu verschicken, die es nicht ganz so schlimm getroffen hatte und wo die Versorgungslage besser war.

Die unterernährten Jungen und Mädchen wurden auf Antrag registriert und dann auf Portugal, auf die Schweiz, auf Schweden und Spanien verteilt.
Für insgesamt 6000 Kinder fanden sich in Portugal Familien, die bereit waren, ein Kind für Monate, manche sogar für Jahre, aufzunehmen.
Aber was hieß das konkret, eine neue Familie in einer neuen Heimat zu finden?

Nun, die Kinder, die meisten von ihnen waren zwischen vier und zwölf Jahren, mussten sich von ihren Eltern und Geschwistern, von ihren Freunden und von ihrer Heimat trennen.

Eine beschwerliche Reise im Nachkriegseuropa, unter teilweise erschreckenden hygienischen Bedingungen lag vor ihnen.
Was würde sie in dem fremden Land erwarten, von dem sie nicht einmal wussten, wo es lag?

Würde man sie gut behandeln?
Den meisten Jungen und Mädchen war noch nicht einmal bewusst, dass man in ihrer neuen Heimat eine andere Sprache sprach.
Später, als Erwachsene, wussten sie von sprachlichen Missverständnissen zu erzählen, die oftmals viel Anlass zum Lachen gaben.

Aber auch Trauriges gibt es zu berichten:
Von Kindern, die sich in ihrer portugiesischen Gastfamilie so wohl fühlten, dass sie nicht mehr in ihre Ursprungsfamilie zurückkehren wollten.
Von Kindern die ihre Muttersprache verlernt hatten, so dass eine Kommunikation mit den richtigen Eltern nur noch sehr schwer möglich war.
Von „Saudade“, dem Heimweh nach Portugal, Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit der zweiten Familie.

Viele sind über die Jahre in Kontakt geblieben, wenngleich die Elterngeneration auch nicht mehr lebt. Aber die portugiesischen Geschwister, Cousins und Cousinen laden nach wie vor zu Besuchen ein.
Familienfeiern werden gemeinsam begangen, ob in Portugal oder in Deutschland.

Und alle diese Kinder haben mit der Zeit dann auch gelernt, wie man am besten Lupinenkerne isst.

Natürlich kann man die Lupinenkerne ganz essen.
Aber am besten schmecken sie, wenn man sich die Mühe macht, die zarte Schale von dem Fruchtfleisch, dem eigentlichen Kern, abzupulen.
Die Kerne werden hierbei mit der Öffnung voraus in den Mund gesteckt und mit den Zähnen holt man den Kern aus der Schale und lässt ihn dabei in den Mund flutschen.
Das klingt zwar unheimlich kompliziert, ist aber sehr leicht!

Probieren sie es, bei ihrem nächsten Portugalurlaub, einfach mal aus.

Dienstag, 14. Juli 2009

Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben



Meine Mutter Luisa wurde am 11. Mai 1940 in Lissabon, im Stadtteil Santa Engrácia geboren.
Dies mag zwar weltpolitisch nicht gerade sehr bewegend gewesen sein, aber für mich persönlich ist die Geburt meiner Mutter natürlich insofern wichtig, als das ich sicherlich heute nicht hier sitzen würde, und diese Zeilen schreiben würde, wenn sie damals nicht in Lissabon das Licht der Welt erblickt hätte.

Nur wenige Kilometer Fluglinie vom Geburtsort meiner Mutter, fast zur gleichen Stunde, ereignete sich an diesem selben Tag, für einen Mann und seine Familie, sehr wohl ein persönliches weltbewegendes Ereignis.

Der jüdische Maler Marc Chagall, der als Moishe Segal 1887 im weißrussischen Witebsk geboren worden war, und nun als Marc Chagall die französische Staatsbürgerschaft besaß, war auf der Flucht vor den Nazis, mit seiner Ehefrau Bella und seiner Tochter, am späten Nachmittag, aus Madrid mit dem Zug kommend, sicher in Lissabon angekommen.
Die Flucht des „entarteten Künstlers“ Chagall war endlich vorbei. Er konnte aufatmen!

Hier in Lissabon sollte er für ein ganzes Jahr verweilen. Denn die USA taten es sich schwer, ihm ein Einreisevisum auszustellen.
Dann, 1941, bekam er endlich das lang ersehnte Einreisevisum, dank einer Einladung des New Yorker Museums of Modern Art.
Er und seine Familie durften am 07. Mai 1941, per Schiff, nach Amerika ausreisen.

Das eine Jahr, welches Marc Chagall in Lissabon verbringen musste, sollte sich als einer der unproduktivsten seiner künstlerischen Laufbahn erweisen.
Nicht das Chagall es sich so gewünscht hätte.
Im Gegenteil!
Marc Chagall war der Typ von Künstler, der jeden Tag, jede Stunde ein außergewöhnliches Kunstwerk produzieren konnte und wollte.
Pablo Picasso sagte einmal über ihn:

„Wenn Chagall malt, weiß man nicht, ob er dabei schläft oder wach ist. Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben.“

Nein, es war alleine die portugiesische Emigrationspolitik, die Chagall zum Nichtstun verdammte.
Den Flüchtlingen war es nämlich generell im neutralen Portugal verboten, sich, auf welche Art und Weise auch immer, beruflich oder künstlerisch zu betätigen!

Und so kommt es, dass es von Marc Chagall, der die wunderschönsten Gemälde malte, die einzigartigsten Kirchenfenster kreierte und die traumhaftesten Bühnenbilder entwarf, heute in ganz Portugal, dem Land das ihn und seine Familie vor den sicheren Tod im Konzentrationslager rettete, kein einziges Kunstwerk gibt.

So erfolgreich die Neutralitätspolitik der portugiesischen Regierung damals für das Überleben der hunderttausenden unbekannter und bekannter Juden, Politiker, Schriftsteller und Künstler auch war;
so verheerend war sie im künstlerischen Sinne.

Damals, in den Jahren zwischen 1933 und 1945 durchliefen an die 300.000 Flüchtlinge das neutrale Portugal, um nach Amerika, Canada oder Südamerika zu fliehen.
Aber nur wenige von ihnen hinterließen ein Werk ihres künstlerischen Schaffens in Portugal zurück!

Maler wie Marc Chagall, Max Baumann und Max Ernst, Philosophen wie die deutsche Hannah Arendt, Schriftsteller wie Franz Werfel, Leon Feuchtwanger, Golo Mann, Nelly Mann, Heinrich Mann, Antoine de Saint Exupéry („Der kleine Prinz“), Alfred Döblin und Erich Maria Remarque („Eine Nacht in Lissabon“), Komponisten wie Darius Milhaud und Bela Bartok, Filmemacher wie Jean Renoir und Alexander Korda, Schauspieler wie Tyrone Power, Robert Montgommery, Josephine Baker, Charles Boyer, Simone Simon, Michèle Morgan, Maurice Chevalier, Madeleine Carrol und Jean Gabin mussten ihre Freiheit mit „Nichtstun“ bezahlen.

Für sie alle hat es sich gelohnt, denn sie überlebten das Naziregime und die Konzentrationslager.
Für die portugiesische Kunst aber, ging leider ein unermesslicher Schatz in Form von künstlerischem Schaffens verloren!