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Freitag, 10. April 2015

Der Brand der Rua da Madalena in Lissabon


Brände haben seit jeher die Geschichte der Städte mitgeschrieben, sei es durch die immer wieder vernichtenden Feuersbrünste die oftmals immense materielle Schäden verursachten oder durch die manchmal zahlreichen Menschenopfer die die Brände forderten.
Die Stadt Lissabon ist da keine Ausnahme!

Oftmals in der Stadtgeschichte Lissabons mussten ihre Einwohner hilflos mit ansehen wie Teile der Hauptstadt Opfer wütender Flammen wurden und zusehen wie wichtige Gebäude ihrer Stadt durchs Feuer bis auf ihre Grundmauern zerstört wurden, so z.B. im Jahre 1996 als das Rathaus (port.: Câmara Municipal) brannte – davor hatte ein Feuer bereits 1863 das Gebäude völlig zerstört – oder im August 1988 als der halbe Stadtteil Chiado ein Opfer der Flammen wurde.
Im August 1959 versank die Barockkirche São Domingos (port.: Igreja de São Domingos) am Rossio in Schutt und Asche und wenige Jahre darauf, im Dezember 1964, brannte ein Flamenmeer das Nationaltheater D. Maria II (port.: Teatro Nacional D. Maria II), ebenfalls am Rossio liegend, nieder.
Als am 01. November 1755 nach einem verheerenden Erdbeben die Stadt völlig zerstört wurde, brannte sie tagelang lichterloh und auch 1363, als das Lissabonner Judenviertel (port.: Jadiaria) durch Brandstiftung ein Raub der Flammen wurde, brannte dieser  Teil der Stadt mehrere Tage.

Ein Großbrand, der den Bürgern Lissabons bis heute im Gedächtnis geblieben ist, auch wenn er schon vor über Hundert Jahre gewütet hat, ist ein Brand der unter dem Namen „Incêndio da Rua da Madalena“ (dt.: Brand der Rua da Madalena) bekannt ist und der sich damals in der Straße gleichen Namens, in der Lissabonner Unterstadt Baixa, ereignet hat.
In den Morgenstunden des 10. April 1907, also auf den Tag genau vor 108 Jahren, breitete sich in einem vierstöckigen Wohn- und Lagerhaus in der Rua da Madalena / Ecke Escadinhas de Santa Justa ein Brand aus, bei dem 14 Menschen starben.
Zehn der Opfer kamen in den Flammen um, die vier anderen wiederum starben, weil sie sich in den oberen Stockwerken befanden und sie auf die Straße sprangen. Ihnen war durch die lodernden Flammen der Fluchtweg auf die Straße versperrt gewesen.
37 Personen konnten sich aber, zum Teil schwer verletzt, retten.

Für den Brand wurden damals zwei spanische Bürger – Leandro Gonzalez und Antonio Fernandez – verantwortlich gemacht, zwei Männer die im Untergeschoß des Gebäudes ein kleines Stofflager betrieben.
Nach dem Brand kam heraus, dass die zwei Spanier nur drei Monate vor dem Brand eine hohe Versicherung für ihr Lager im Erdgeschoß des Gebäudes und die darin befindliche Ware abgeschlossen hatten. Außerdem fand man später in einem anderen Lager der beiden Spanier mehrere Kanister des Brandbeschleunigers Ethanol.
Nachdem Gonzalez und Fernandez der Brandstiftung überführt waren und sie die Tat gestanden, wurden die zwei festgenommen und zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt.
Antonio Fernandez starb nach drei Jahren Zuchthaus im Jahre 1910.
Leandro Gonzalez reichte nach acht Jahren Haft – in der Zwischenzeit war aus dem monarchistischen Portugal eine Republik geworden – einen Gnadengesuch bei dem ersten verfassungsmäßig gewählten Staatspräsidenten Manuel de Arriaga ein.
Arriaga, der von Haus aus Jurist und als ehemaliger Generalstaatsanwalt für seine Kompromisslosigkeit in Rechtsdingen bekannt war, gab dem Gnadengesuch nicht statt und ließ den Häftling daraufhin wissen:
„Politische Systeme mögen kommen und gehen, das Rechtsbewusstsein eines Menschen aber sollte unumstößlich sein.
Ich kann einem Mörder keine Gnade vor Recht gewähren!...“.

Erst zehn Jahren später, 1917, gab der neue Präsident Bernardino Machado, auf Druck Spaniens, endlich dem Gnadengesuch von Leandro Gonzales statt, verwaiste ihn aber, sobald er das Zuchthaus verlassen hatte, des Landes.

Heute steht an der Stelle, an der vor über Hundert Jahren eine der größten Brandkatastrophen des modernen Lissabon stattgefunden hat, ein Wohn- und Geschäftshaus das nach Originalplänen des ursprünglichen Gebäudes errichtet wurde.

Samstag, 3. November 2012

Ist die Monarchie überholt? – noch lange nicht!



Wer am heutigen Samstagmorgen in der portugiesischen Kleinstadt Marinha Grande, im Distrikt Leiria, über den Rathausplatz ging, der sah dort am Rathaus (Câmara Municipal), nicht wie üblich, die republikanische grün-rote Fahne Portugals wehen, sondern heute hing dort die blau-weiße Fahne der portugiesischen Monarchisten.

Wie die Fahne dort hingekommen ist und wer sie ans Rathaus angebracht hat, ist bis dato unbekannt.
Dies ist aber nun Gegenstand einer polizeilichen Ermittlung die eingeleitet wurde, nachdem Paulo Jorge Campos Vicente, der 2. Bürgermeister von Marinha Grande, im Namen der Stadt Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt hat.
Fakt ist aber, das nach Lissabon, Braga, Cascais, Viana do Castelo, Porto und anderen Städten des Landes, nun auch einer oder mehrere Bürger von Marinha Grande ihre Unzufriedenheit und ihren Unmut gegenüber dem aktuellen politischen System sprichwörtlich Flagge zeigen.

Das hissen der blau-weißen Fahne sei zwar ein sinnloses zur Schau stellen eines Symbols das schon längst überholt sei, so der Sozialist Paulo Vicente, nichtsdestotrotz sei dies aber ein Überfall auf ein öffentliches städtisches Gebäude und somit auf das öffentliche Leben gewesen.

Ich persönlich finde, das solche Vorfälle, wie sie heute wieder in Marinha Grande vorgefallen sind, doch sehr deutlich zeigen, das die Monarchie und ihre Symbole eben noch lange nicht überholt sind!
Die monarchistische Bewegung wird in Portugal zwar von so manchem sozialistischen und kommunistischen Politiker gerne totgeschwiegen, aber sie ist noch lange nicht tot!
Noch lange nicht!...

Viva a Monarquia!

Samstag, 20. Oktober 2012

Lissabon, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges



Basierend auf dem Buch „Lisboa, A Guerra nas Sombras da Cidade da Luz“ (dt.: „Lissabon, der Krieg im Schatten der Stadt des Lichtes“), des schottischen Schriftstellers Dr. Neill Lochery, ist an diesem Mittwoch, dem 17. Oktober, die Fotoausstellung „Lisboa, Centro da Europa na Segunda Guerra Mundial” (dt.: „Lissabon, Mittelpunkt Europas während des Zweiten Weltkrieges“ / „Lisbon, bottleneck of Europe in the Second World War“) in der Galerie des Lissabonner Rathauses (port.: Câmara Municipal) eröffnet worden.

Diese Ausstellung, die ich gestern besucht habe und die von der Stadt Lissabon organisiert wird, präsentiert seltene, zum Teil bis heute unveröffentlichte Bilddokumente, aus dem Lissabon der Jahre 1939 bis 1945.
Gezeigt werden auch geheime Polizeiakten, diplomatische Post und Visa und persönliche Briefe aus dieser Zeit.

Alle Fotografien und Dokumente der Ausstellung wurden aus mehreren privaten und öffentlichen Archiven in Portugal, Deutschland, Großbritannien, Spanien und den USA zusammengetragen.
Sie erzählen die Geschichte der abertausend verzweifelten Juden und politischen Flüchtlingen die damals aus Nazideutschland fliehen mussten und dann im neutralen Portugal Zuflucht fanden.
Sie zeigen, auf beeindruckende Art und Weise, welche bedeutsame Rolle die portugiesische Hauptstadt damals für diese Flüchtlinge hatte.

Lissabon hat in den schrecklichen Jahren des Zweiten Weltkrieges eine (lebens)wichtige Rolle als Ort der Zuflucht und der sicheren Weiterreise in ein Land außerhalb Europas gespielt.
Unter der Flut der Tausenden, zumeist deutschen Flüchtlinge, hatte sich die Stadt damals total verändert.
Meine eigene Großmutter erzählte mir oftmals, dass man in diesen Jahren auf den Straßen Lissabons viele Sprachen Europas hörte, aber kaum noch ein Wort Portugiesisch.
Die meisten, die hier in Lissabon gestrandet waren, waren einerseits von ihrer Verfolgung durch die Nazis traumatisiert und zugleich von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ohne Angst beseelt.
In Lissabon fanden sie dann eine Oase des Friedens vor, und Menschen mit einer enormen Toleranz, die zwar damals mit eigenen drängenden Problemen kämpften, sich aber der Not der deutschen Flüchtlinge nicht verschlossen hatten.

Die Ausstellung kann bis zum 09. November 2012, dem 74. Jahrestag der Reichskristallnacht (port.: Noite de cristais) von 1938, von Montags bis Freitags von 11:00 Uhr – 19:00 Uhr besucht werden.
Der Eintritt ist frei!

Ein Besuch der Ausstellung „Lisboa, Centro da Europa na Segunda Guerra Mundial“ im Rathaus von Lissabon, kann ich jedem, zumal jedem Deutschen, nur sehr empfehlen!

Mittwoch, 18. Juli 2012

MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA

Von meinem aufmerksamen Leser Stefan Maurer habe ich heute ein Feedback bekommen, bzw. eine Frage gestellt bekommen, die ich ihm gerne, hier und jetzt, mit dem folgenden Eintrag beantworten möchte.

In meinem Beitrag „Von zwei legendären Raben“, welches ich schon am 03. Juli 2009 veröffentlicht habe, schrieb ich einmal über das Lissabonner Stadtwappen und die Legende die sich um ihn rankt.
Es handelt sich um die Legende von zwei Raben, einem Schiff und die Gebeine eines Heiligen, nämlich dem Heiligen São Vicente.

Nach dem Lesen meines damaligen Blogbeitrages weiß Stefan nun welche Geschichte sich angeblich hinter dem Lissabonner Wappen verbirgt.
Was er allerdings nicht weiß, und was er jetzt gerne von mir wissen will ist, was auf dem Band geschrieben steht, welches besagtes Wappen umgibt.

Nichts Leichteres als das!
Auf dem weißen Band kann man, in schwarzer Großschrift, die folgende dreiteilige Devise lesen:

MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA

Ins Deutsche übersetzt lautet diese Devise der Stadt soviel wie:

SEHR EDEL UND IMMER TREUERGEBEN DIE STADT LISSABON

Lissabon hat erst seit dem Jahre 1897 ein eigenes Stadtwappen!
Dieses erste Wappen, der „edlen und treu ergebenen“ Stadt Lissabon, unterschied sich in einigen Details von dem heutigen Exemplar.
Erst 1940, also vor genau 72 Jahren, wurde das heutige Wappen, durch einen Beschluss des Lissabonner Rathauses, offiziell angenommen und ist bis heute gültig.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Es stinkt regelrecht zum Himmel


Heute hat es mal wieder in Lissabon geregnet.
Nicht das es oft regnet in Lissabon.
Aber wenn es hier einmal in der Hauptstadt regnet, dann meistens sintflutartig.
Wenn dann noch der Regen zu einer Zeit fällt, in der das Land von einer Springflut heimgesucht wird, so wie heute Morgen, dann stehen die meisten Straßen und Plätze der Stadt vollkommen unter Wasser, da die Abwässer in den völlig veralteten Kanälen nicht abfließen können.
Steht das Wasser in den Straßen und laufen die Kanäle über, riecht es sofort überall streng.

Aber um ehrlich zu sein: es stinkt schon seit Wochen in der Stadt.
Überall riecht es nach Unrat.
Die Straßen und die Bürgersteige sind von stinkendem Müll übersät, mancherorts stapelt er sich sogar schon.
Die Straßen werden schon seit Wochen nicht mehr richtig sauber gemacht, geschweige denn, so wie früher, mit Wasserhochdruck gereinigt.
Experten sprechen schon von einer Zeitbombe für die öffentliche Gesundheit!
Und natürlich werden auch die Gullys nicht mehr gereinigt und sind so voller Laub und Dreck.
Dies hat zur Folge, dass die Gullys bei jedem Regen verstopfen.
Und diese Verstopfungen führen zwangsläufig zu den überfluteten Straßen, so wie wir sie heute hatten.
Ein Teufelskreis!

Schon seit langer, wirklich langer Zeit, war diese Stadt nicht mehr so verwahrlost und heruntergekommen wie jetzt, da António Costa als Bürgermeister im Rathaus (port.: Câmara Municipal) regiert. António Costa regiert nach dem Motto:
„Warum die Stadt sauber machen, wenn sie doch sowieso dreckig wird!?!“

Um der Wahrheit gerecht zu werden, muss man sagen das Lissabon noch nie eine sterile Stadt war.
Aber heutzutage stinkt sie regelrecht zum Himmel!
Die Bürger dieser Stadt waren noch nie die saubersten, aber sie sind auch keine Schweine.
Wie reinlich oder dreckig die Lissabonner auch sein mögen, Fakt ist, das die städtische Müllabfuhr einfach nicht mehr funktioniert.
Während früher die Müllabfuhr einmal am Tag kam und den Müll beseitigte, kommen die Männer von der Müllabfuhr jetzt nur noch eins- oder zweimal die Woche, wenn überhaupt.
Da die Mülltonnen aber nicht größer geworden sind, hat das zur Folge, dass überall die Mülltonnen überquellen und die Stadt so regelrecht im Müll versinkt.
Hinzu kommt noch das die Straßen und Plätze Lissabons wie öffentlichen Bedürfnisanstalten stinken, weil sich jeder an der nächsten Ecke erleichtert.
Für die, die in dieser Stadt leben und arbeiten müssen, sind diese Zustände unerträglich und es ist schon fast unmöglich geworden hier zu leben.

Anstatt in die Sauberkeit und die Sicherheit Lissabons zu investieren, hat Bürgermeister António Costa es vorgezogen in seiner bisherigen Amtszeit lieber in sinnlose Projekte zu investieren, wie z.B. in Kleingärten (port.: hortas) und in Fahrradwege (port.: ciclovias), die kein Mensch benutzt und braucht.
Man kann sagen, dass das Essenzielle sträflich vernachlässigt wurde, und dass Prestigeobjekte dafür umso mehr gefördert wurden.

Um Bürgermeister einer Stadt zu sein, muss man diese Stadt vor allem lieben und ihre Bürger achten.
Bei Bürgermeister António Costa ist es offensichtlich, dass er weder das eine noch das andere tut!

Sonntag, 25. September 2011

Verwahrloster Aussichtspunkt





Heute war ich in der Alfama.
Ich musste dort einer Freundin etwas vorbeibringen, die Anfang des Monats in die Rua do Limoeiro gezogen ist.
Nur ein paar Schritte von ihrer Wohnung entfernt befindet sich einer der schönsten Aussichtspunkte (port.: miradouro) der Hauptstadt, der Miradouro de Santa Luzia.

Ich beschloss zum Miradouro zu laufen, weil ich schon seit Jahren nicht mehr dort war, um die Aussicht zu genießen.
Was ich aber zu sehen bekam war allerdings alles andere als ein Genuss.
Ich hatte schon gehört, dass der Miradouro in einem etwas verwahrlosten Zustand sei, dass er aber so heruntergekommen ist hätte ich nie gedacht.

Der kleine Park Jardim de Julio de Castilho, der zum Miradouro gehört, ist etwas heruntergekommen, überall stehen leere Bier- und Weinflaschen herum und dort wo man früher eine der schönsten Aussichten über die Alfama hatte versperren jetzt teilweise Dächer und Fernsehantennen die Sicht.
Ich war über so viel Dreck, Unordnung und Zerstörung einfach nur entsetzt!

In diesem Moment, da ich diese Worte niederschreibe, kann ich es immer noch nicht fassen, das einer der touristischsten Orte Lissabons so heruntergekommen ist.
Man sollte die Verantwortlichen im Lissabonner Rathaus ( port.: Câmara Munícipal de Lisboa) dazu verdonnern, selber einmal mit einem Besen und einer Schaufel den Aussichtspunkt wieder auf Vordermann zu bringen.

Aus sparmaßnahmlichen Gründen gibt es jetzt weniger Müllabführen, Straßenkehrer und Gärtner in Lissabon – und leider nicht nur hier.
Die Stadt aber jetzt total verwahrlosen zu lassen, ist purer Wahnsinn.
Das Bürger einen solchen Platz beschmutzen und vandalisieren ist schon schlimm genug.
Aber die Ignoranz und Unfähigkeit von so manchem Kommunalpolitiker ist zweifelsohne dreist und beschämend!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Garage oder Kirche?


Dieser Tage hatten wir im Büro Besuch einer Kollegin aus Deutschland.
Da diese Kollegin nur fünf Tage in Lissabon war, und von diesen die meiste Zeit im Büro verbrachte, blieb ihr nichts anderes übrig, als Lissabon in der wenigen freien Zeit die ihr blieb, im „Schnelldurchlauf“ zu entdecken.

Also ging ich nach Büroschluss mit ihr los, und versuchte ihr ein wenig meiner Heimatstadt zu zeigen, und zwar nicht die üblichen Touristenhighlights die in den verschiedenen Reiseführern beschrieben sind, sondern das Lissabon der Lissabonner.

Es gelang mir ihr einige Plätze und Orte der Stadt zu zeigen, die mir persönlich ans Herz gewachsen sind und die ihr, so glaube ich, sehr gefallen haben.

An der Praça do Município, dem Rathausplatz, war Katrin, so der Name meiner Kollegin, nicht nur vom Rathaus und dem Pflastermuster begeistert, sondern auch von einer Kirche, die genau am Rathausplatz steht.

Diese Kirche, die eigentlich keine Kirche mehr ist, sondern eine Garage (oder sagt man in Deutschland Parkhaus dazu?), hat Katrin regelrecht mit offenem Mund dastehen lassen.

Aber wie wurde aus einer katholischen Kirche ein Parkhaus?

Nun, um es vorweg zu nehmen, in Lissabon ist es nichts Außergewöhnliches, das Gebäude aus Kirchenbesitz zu Öffentlichen Gebäuden werden.
Eine Kirche die zu einem Parkhaus wird, ist hier in Lissabon so „normal“ wie ein ehemaliges Kloster das zu einem Einkaufszentrum umfunktioniert wird oder eine kleine Kapelle die in ein schmuckes Wohnhaus verwandelt wird.

Die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche Sankt Julian (port.: „Igreja de São Julião“) wurde nach dem großen Erdbeben von 1755 wieder aufgebaut, musste aber dann im 20. Jahrhundert von der katholischen Kirche aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.

São Julião wurde in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts von der Römisch-Katholischen Kirche an die Portugiesische Nationalbank (port.: Banco de Portugal) verkauft, denn im Stadtteil Baixa gab es damals 34 Kirchen aber kaum Kirchengänger.
Und die Bank von Portugal, die ihren Hauptsitz am Rathausplatz hat, suchte händeringend nach Parkmöglichkeiten für ihre Angestellten.

Nach dem Erwerb des Gebäudes, lies die Bank die Bänke (Sitzbänke!) entfernen, die Treppen am Eingang durch eine Rampe ersetzen und machte eine Garage für 30 Autos aus ihr.
Eigentlich hatte die Bank die Kirche erworben, um sie abzureißen und an ihrer Stelle einen Neubau zu errichten.
Doch man war in den achtziger Jahren nicht mehr so skrupellos wie noch ein paar Jahrzehnte zuvor.

Zum Glück.
Denn so blieb Lissabon einer der schönsten Kirchengebäude und einer der kuriosesten Parkhäuser weltweit erhalten.

Dienstag, 18. August 2009

Viva El-Rei! Viva a Monarquia! Viva Portugal!


In meinem post „31 da Armada – Die Monarchie in Portugal lebt“, vom 13.08.2009, berichtete ich über vier vermummte junge Männer, die letzte Woche die Lissabonner Stadtflagge vom Balkon des Rathauses entwendet, und sich dabei selbst gefilmt hatten.

In diesem post merkte ich an, das dieser „Dummer-Jungen-Streich“ wohl ernsthafte Konsequenzen haben würde.
Nicht so sehr für die „Aktivisten“ von der monarchistischen Bewegung „31 da Armada“, aber sehr wohl für die Lissabonner Stadtpolizei, die ihre Polizeiwache noch nicht einmal 50 Meter vom Rathaus entfernt hat, und vom „Überfall“ auf das Rathaus nichts mitbekommen hat; was nicht gerade für die allgemeine Sicherheit in der Hauptstadt spricht.

Seit dem Vorfall hat sich die Stadtpolizei, um weiteren Kritiken zu entgehen, verstärkt um die Identifizierung der vier jungen Männer bemüht, aber kein Erfolg gehabt.

Gestern Abend, gegen 18 Uhr, betraten nun Henrique Burnay, Spross einer alten Lissabonner Bankiersfamilie, und Rodrigo Moita de Deus, Abkömmling einer alten portugiesischen Adelsfamilie, das Rathaus und teilten einer verdutzten Sekretärin mit, sie wären gekommen um Bürgermeister António Costa persönlich die „ausgeliehene“ Stadtflagge zurück zu geben.

Nach einer kurzen Wartezeit wurden sie nicht vom Bürgermeister empfangen, aber von zwei Polizeibeamten, die sie in Gewahrsam nahmen und sie dann in die nahe Polizeiwache brachten.
Dort wurden sie dann drei Stunden lang verhört und wegen Hausfriedensbruch, Diebstahl und Öffentlichen Ärgernis angezeigt.

Sie gaben zu, am frühen Morgen des 10. August 2009 auf dem Rathausbalkon die Lissabonner Stadtflagge durch die blau-weiße Flagge des Königreiches ausgewechselt zu haben.
Wohlgemerkt, sie gaben zu die Fahne ausgewechselt, nicht aber gestohlen zu haben!

Nach Übergabe der unversehrten Stadtflagge und Feststellung ihrer Personalien wurden sie dann aber wieder freigelassen, mit der Auflage sich einmal wöchentlich bei der jeweiligen Polizeiwache ihres Wohnortes zu melden.

Henrique Burnay und Rodrigo Moita de Deus weigerten sich, die Namen ihrer zwei „Komplizen“ zu nennen (mindestens einer von ihnen muss aber ganz in der Nähe gewesen sein, denn in der Zwischenzeit ist ein neues Video im Internet aufgetaucht, welches die „Übergabe“ der Stadtflagge im Rathaus, und die Abführung der zwei „Aktivisten“ durch die Polizei zeigt) und sie weigerten sich auch sich schuldig zu bekennen, denn, so ihr Standpunkt, sie hätten weder Hausfriedensbruch begangen (sie waren auf dem Rathausbalkon, nicht im Rathaus selbst), noch hätten sie ein Diebstahl begangen (schließlich haben sie ja die Fahne gewaschen und gebügelt wieder zurückgebracht) noch seien sie ein öffentliches Ärgernis (im Gegenteil, sie meinen sie seien sogar eine öffentliche Bereicherung).

Die Aktivisten der „31 da Armada“ überlegen nun, wie sie am besten gegen das Lissabonner Rathaus angehen sollen.
Denn, das Rathaus weigert sich, die blau-weiße Flagge der Monarchisten, die die Jungs in der Nacht- und Nebelaktion an Stelle der Lissabonner Stadtflagge gehisst hatten, wieder rauszurücken.

Meiner persönlichen Meinung nach, versucht das Lissabonner Rathaus, überhaupt die gesamte nationale politische Klasse, sich diesen „Dummen-Jungen-Streich“ zu Eigen zu machen, um von ihrer mittelmäßigen Kommunal- und Landespolitik abzulenken.

Politiker aller Parteien predigen immer, junge Leute sollen sich politisch mehr Engagieren und aktiv an der Kommunalpolitik teilnehmen.
Wenn sich dann aber ein paar junge Männer, weder fanatisch, militant oder aggressiv, sondern eher außergewöhnlich, aktiv und originell politisch einsetzen, dann bricht, so könnte man meinen, das ganze demokratische System zusammen.

Es sollten mehr so junge, politisch engagierte Menschen geben, wie die Jungs von der Bewegung „31 de Armada“.
Dann wären vielleicht der politische Alltag und die daraus resultierenden Diskussionen nicht so trocken und langweilig.

Ich werde mich demnächst um eine Mitgliedschaft bei den „31 da Armada“ bemühen!

Viva El-Rei!
Viva a Monarquia!
Viva Portugal!

Donnerstag, 13. August 2009

31 da Armada - Die Monarchie in Portugal lebt



In einer Nacht- und Nebelaktion haben vor drei Tagen, vier als „Darth Vader“ aus der „Star Wars Saga“ verkleidete junge Männer, das Lissabonner Rathaus regelrecht „geentert“.

Sie entfernten, in der Nacht zum Montag, die dort am Rathausbalkon hängende Stadtflagge und ersetzten diese durch die blau-weiße Königsflagge der Monarchisten.

Dort wehte sie dann bis zum Morgengrauen, bis Mitarbeiter der Stadtverwaltung sie wieder abhängten, und erneut eine Stadtflagge am Fahnenmast anbrachten.

Zu der Aktion bekannte sich die Bewegung „31 da Armada“, eine Gruppe monarchistischer, königstreuer junger Männer, die schon einige Male mit außergewöhnlichen Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt haben.
So hat diese Gruppe vor zwei Jahren, nach dem alten portugiesischen Motto „Português que é português chateia um espanhol pelo menos uma vez“ (= Was ein echter Portugiese ist, der ärgert gerne ab und zu mal einen Spanier“) die spanische Grenzstadt Olivenza (port.: Olivença), die von Portugal beansprucht wird, „in Besitz genommen“, indem sie die dortige Burg überfielen und die spanische Fahne durch die portugiesische ersetzten.

Die vier jungen Männer filmten sich bei der jetzigen Fahnen-Aktion selbst, und stellten ihre Aufnahmen ins Internet (unter

http://31daarmada.blogs.sapo.pt/2923148.html

kann man sich die Videoaufnahme anschauen).
Die Gruppe erklärte, sie wolle mit dieser außergewöhnlichen Aktion ihren Beitrag zu den für 2010 geplanten Feierlichkeiten anlässlich der 100-Jahrfeier zur Einführung der Republik leisten.

Die Lissabonner Stadtverwaltung hat nun Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Diebstahl gestellt.
Dies können die Jungs (moços =Jungs, so nennen sie sich wirklich selber!) des „31 da Armada“ nicht nachvollziehen, denn so ihre, in ihrem Blog vertretende, Meinung:

„Wir sind weder in das Gebäude des Rathauses eingebrochen, noch haben wir die Stadtflagge gestohlen.
Wir haben sie lediglich abgehängt, um sie reinigen und bügeln zu lassen.
Die Flagge war nämlich in einem kümmerlichen Zustand. Schließlich wissen wir ja alle wie erbärmlich Republikaner mit nationalem Eigentum umgehen“.

Was nichts weiter als ein Dummer-Jungen-Streich sein sollte, wird nun wohl ernsthafte Konsequenzen für die Polizei haben.
Denn, da sich noch nicht einmal 50 Meter vom Rathaus entfernt eine große Polizeistation befindet, fragen sich nun viele, wie Sicher es eigentlich in der Hauptstadt ist.

Wenn vier, als „Darth Vader“ verkleidete Männer, das Rathaus ohne Probleme einnehmen können, obwohl die Polizei genau nebenan präsent ist, wie ist es dann um die Sicherheit anderer öffentlicher und nicht öffentlicher Gebäude in Lissabon bestellt?

Mittwoch, 1. Juli 2009

Der Pranger als Symbol der Gerechtigkeit






Besucht man ein altes Dorf oder eine alte Stadt in Portugal, so fallen einem, zumeist im alten Stadtzentrum, große, gerade, steinerne und meistens reich verzierte Säulen auf.

Bei diesen Säulen, die auf Portugiesisch „pelourinhos“ genannt werden, handelt es sich ursprünglich um Schandpfähle oder Prangersäulen, die seit der Gründung Portugals im 12. Jahrhundert, bis tief in das 18. Jahrhundert hinein, in zahllosen Ortschaften aufgestellt wurden.

Diese Schandpfähle dienten aber seit jeher nicht in erster Linie dazu Diebe, Betrüger oder Fälscher zu bestrafen, und an den „Pranger“ zu stellen, sondern sie waren vor allem ein Sinnbild für die jeweilige örtliche Gerichtsbarkeit, die vom König der jeweiligen Ortschaft zugesprochen wurde.
Das portugiesische Wort „pelouro“ bedeutet denn auch „öffentliches Amt“ oder „kommunale Behörde“.

So ist denn auch zu erklären, warum diese Säulen für gewöhnlich kunstvoll ausgestattet und verziert sind. Wären sie einfache Prangersäulen, dann wären sie ohne jegliche Verzierung oder Verschnörkelung versehen.
Pelourinhos stehen meist in der Nähe von Stätten weltlicher und geistlicher Macht, wie Rathäusern, Gerichtsgebäude oder auch Kirchen, und es handelt sich bei ihnen immer um Unikate!

Pelourinhos erheben sich aber nicht nur in portugiesischen Städten und Ortschaften, sondern sie sind über die ganze Welt verteilt.
Von Brasilien bis nach Südafrika, von Indien bis nach Malakka und von Macau bis nach Timor, überall existieren diese zylindrisch, bisweilen einem Obelisken ähnelnden Pranger.