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Mittwoch, 18. Juli 2012

MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA

Von meinem aufmerksamen Leser Stefan Maurer habe ich heute ein Feedback bekommen, bzw. eine Frage gestellt bekommen, die ich ihm gerne, hier und jetzt, mit dem folgenden Eintrag beantworten möchte.

In meinem Beitrag „Von zwei legendären Raben“, welches ich schon am 03. Juli 2009 veröffentlicht habe, schrieb ich einmal über das Lissabonner Stadtwappen und die Legende die sich um ihn rankt.
Es handelt sich um die Legende von zwei Raben, einem Schiff und die Gebeine eines Heiligen, nämlich dem Heiligen São Vicente.

Nach dem Lesen meines damaligen Blogbeitrages weiß Stefan nun welche Geschichte sich angeblich hinter dem Lissabonner Wappen verbirgt.
Was er allerdings nicht weiß, und was er jetzt gerne von mir wissen will ist, was auf dem Band geschrieben steht, welches besagtes Wappen umgibt.

Nichts Leichteres als das!
Auf dem weißen Band kann man, in schwarzer Großschrift, die folgende dreiteilige Devise lesen:

MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA

Ins Deutsche übersetzt lautet diese Devise der Stadt soviel wie:

SEHR EDEL UND IMMER TREUERGEBEN DIE STADT LISSABON

Lissabon hat erst seit dem Jahre 1897 ein eigenes Stadtwappen!
Dieses erste Wappen, der „edlen und treu ergebenen“ Stadt Lissabon, unterschied sich in einigen Details von dem heutigen Exemplar.
Erst 1940, also vor genau 72 Jahren, wurde das heutige Wappen, durch einen Beschluss des Lissabonner Rathauses, offiziell angenommen und ist bis heute gültig.

Freitag, 3. Juli 2009

Von zwei legendären Raben


Das Lissabonner Stadtwappen, besteht aus einem Schiff und zwei Raben.
Wie Lissabon zu diesem Wappen kommt, erzählt eine alte Legende, die sich über jahrhunderte lang überliefert hat.
Diese Legende lautet wie folgt:

Vor langer, langer Zeit, als König Rodrigo von Valencia die Schlacht von Guadalete gegen die arabischen Mauren verlor, und diese sein Königreich besetzten, da machten sich ein paar wagemutige Christen, mit den sterblichen Überresten des Heiligen Vinzenz, einem Diakon aus Saragossa der den Märtyrertod gestorben war, auf einem alten Nachen, auf den Weg ins noch nicht besetzte Asturien, um die Gebeine des Heiligen vor den Mauren zu retten.

Sicher reisten sie über das Mittelmeer, bis zur Straße von Gibraltar. Doch ab da, als sie den Atlantik erreichten, da wurde das Meer stürmisch, dort wo die Erde mit einem Paukenschlag aus Fels ins Meer endete. Und sie waren gezwungen an Land zu gehen.
Die Christen fragten den Bootsführer, wie denn das Land heißen würde, welches sie vom Schiff aus sehen konnten, und wie denn dieses, ins Meer hinausragende Kap, genannt wurde. Der Bootsführer antwortete ihnen, dass das Land von den Mauren Algarve genannt werden würde, und dass das Kap keinen Namen hätte.

So beschlossen die Christen aus Valencia an Land zu gehen um sich vor der stürmischen, rauen See zu schützen. Am nächsten Morgen, sie wollten schon ihre Reise fortsetzen, da erblickten sie in der Ferne ein Piratenschiff. Schnell ging der Bootsführer wieder an Bord und segelte davon, nicht ohne vorher versprochen zu haben, er würde wieder kommen und sie alle wieder mitnehmen. Er wolle nur sein Nachen vor den Piraten in Sicherheit bringen, so sagte er. Natürlich kam der Bootsführer nie wieder zurück, und so blieben die Christen einsam und verlassen an diesem namenlosen und verlassenen Kap, zurück.

Mit der Zeit errichteten sie eine kleine Kapelle, um die Gebeine des Heiligen Vinzenz zu beherbergen. Um die Kapelle herum bauten sie eine kleine Ortschaft. Das Kap nannten sie nach dem Heiligen, Kap Sankt Vinzenz („Cabo São Vicente“) und dem Ort gaben sie den Namen Sagres. Über viele Jahre ließen die Mauren sie gewähren, und sie konnten sogar unbehelligt ihrem christlichen Glauben nachgehen.

Viele Jahre gingen ins Land, und eines Tages führte der portugiesische König Afonso Henriques mit seinen Rittern Krieg gegen die maurischen Kalifen. Diese waren über die christlichen Ritter so erzürnt, dass sie die kleine Ortschaft Sagres dem Erdboden gleich machten und die Christen in die Sklaverei schickten.
Nach vielen, vielen Jahren, und vielen, vielen Schlachten, bezwang Afonso Henriques endlich die maurischen Kalifen, befreite die Algarve von den arabischen Herrschern und machte sie zu seinen Gefangenen. Durch Zufall erfuhr der König dass unter seinen Gefangenen auch ein alter Mönch aus Valencia war. Der König ließ diesen zu sich kommen und schenkte ihm die Freiheit.

Voller Ehrfurcht erbat sich der Mönch von König Afonso Henriques, die Gebeine des Heiligen Vinzenz, die er bei Zeiten vor den Mauren vergraben und versteckt hatte, an einen sicheren Ort bringen zu dürfen.
Der König kam dieser Bitte nach, ließ ein Schiff kommen und segelte mit dem Mönch zu der Ruine der Kapelle um die Gebeine des Heiligen Vinzenz zu bergen. Doch während der Überfahrt verstarb der alte Mönch, bevor er sagen konnte, wo denn genau die Gebeine des Heiligen vergraben und versteckt waren.

Afonso Henriques ging also alleine zur Ruine der Kapelle, und in ihrer Nähe sah er mehrere Raben, wie sie eine bestimmte Stelle umkreisten. An dieser bestimmten Stelle ließ er seine Männer graben, und tatsächlich fanden sie die Gebeine des Heiligen.
Er ließ die Gebeine mit einem Segelschiff nach Lissabon bringen, und während der ganzen Überfahrt begleiteten zwei Raben das Schiff, so erzählt man sich.

Dieses Segelschiff, und diese zwei Raben sind bis heute das Wappen von Lissabon!

Die Gebeine des Heiligen Vinzenz ruhen heute in einem kostbaren orientalischen Perlmuttschrein in der Sakristei der Kathedrale Sé von Lissabon.
Die Ironie der Geschichte aber ist es, das ausgerechnet ein spanischer Heiliger der Schutzpatron Lissabons geworden ist.

Um ehrlich zu sein, sind die Lissabonner mit dem Heiligen Vinzenz auch nie so richtig warm geworden. Er mag zwar der Schutzpatron der Stadt sein, geliebt und verehrt, wird aber der Heilige Antonius, ein Sohn der Stadt.

Auch mit den Raben haben die Lissabonner so ihre Schwierigkeiten. Denn die Mehrzahl der Lissabonner hat in ihrem ganzen Leben noch nie einen Raben in freier Wildbahn gesehen. Aus dem einfachen Grund, weil Raben in Portugal, und schon gar nicht in Lissabon, in freiere Wildbahn vorkommen.
Will der Lissabonner einen Raben sehen, so muss er in den Zoo gehen. Dies führt dazu, das nicht nur der Heilige Vinzenz zu einer Legende wurde, sondern auch die Raben regelrecht zu „Fabeltieren“ mutierten, so wie für andere z.B. ein Einhorn.

Die Lissabonner Stadtfarben sind übrigens die Farben Schwarz und Weiß. Schwarz steht für die Farbe der Raben und weiß für die Farbe der Segel des Schiffes, welches den Sarg mit den Gebeinen des Heiligen Vinzenz nach Lissabon gebracht hat.

Ich als Lissabonner, glaube natürlich an diese Legende.
Da der Glaube, so heißt es, Berge versetzen kann, warum soll er dann auch nicht Heilige auf die Reise schicken können, in Begleitung von Raben?