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Sonntag, 18. März 2012

Sterben verboten!


In dieser Woche konnte man in den Zeitungen lesen, dass der Bürgermeister des italienischen Kleinstädtchen Falciano del Massico ein Dekret erlassen hat, indem er seinen Bürgern verbietet zu sterben!

Zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme sah sich der Bürgermeister der kleinen Gemeinde bei Neapel gezwungen, da er nicht mehr weiß wo er die Verstorbenen seiner Kleinstadt hinbetten soll.
Über Jahre hinweg war es ihm nicht gelungen, wegen parteipolitischen Querelen, Finanzmittel für einen gemeindeeigenen Friedhof zusammenzubekommen.

Um auf diese prekäre Situation aufmerksam zu machen, griff er also zu der ungewöhnlichen und radikalen, aber doch sehr pressewirksamen Maßnahme, und verbot seinen Einwohnern das dahinscheiden.

Hier in Lissabon hat Bürgermeister Antonio Costa zwar noch nicht seinen Bürgern verboten zu sterben, aber wer in nächster Zeit daran denkt ins friedliche Jenseits überzuwechseln, der sollte dies schnellstmöglich machen, denn glaubt man dem Lissabonner Rathaus, sind auf den Friedhöfen (port.: cemitérios) der Stadt nur noch knapp 7.000 freie Gräber vorhanden!

Im Augenblick, so scheint es, ist es leichter einen Parkplatz in der Lissabonner City zu ergattern, als einen Platz auf einem der sieben Stadtfriedhöfe zu bekommen.

Die sieben Lissabonner Stadtfriedhöfe sind:

• Cemitério da Ajuda
• Cemitério do Alto de São João
• Cemitério de Benfica
• Cemitério de Carnide
• Cemitério do Lumiar
• Cemitério dos Olivais
• Cemitério dos Prazeres

Da noch kein Lebenselixier erfunden wurde, und die Menschen auch weiterhin wohl sterben werden, weiß keiner so genau wie in naher Zukunft mit den Toten verfahren werden soll, wenn den Friedhöfen die Gräber ausgehen.
Man munkelt sogar, demnächst könnten Seebestattungen wieder in Mode kommen.

Wer für diese Misere hier verantwortlich ist, ist nicht klar erkennbar.
Die im Stadtparlament oppositionelle konservative Partei PSD schiebt die Schuld auf den sozialistischen Bürgermeister Antonio Costa.
Der Bürgermeister seinerseits schiebt die Schuld auf die konservative Regierung von Prämierminister Pedro Passos Coelho.
Und der wiederum macht die vorherige Regierung von José Socrates verantwortlich…
Und so schiebt jeder dem anderen die Schuld in die Schuhe, ohne das auch nur ein einziger Platz auf den Friedhöfen geschaffen wird.

Auch wenn es nicht so aussieht, die Situation ist mehr als ernst.
Sollte es den jeweiligen Parteien im Lissabonner Stadtparlament nicht gelingen in naher Zukunft aus dem Stadthaushalt Geldmittel für die Erweiterung und Modernisierung der Lissabonner Friedhöfe abzuzwacken, was bei der aktuellen Finanzkrise fast unmöglich erscheint, dann stehen die Lissabonner bald wirklich vor dem Problem ihre verstorbenen Lieben nicht mehr in der Stadt beerdigen zu können und so auf die Friedhöfe anderer Gemeinden auszuweichen.

Eines ist aber jetzt schon klar:
genauso wie die Bürger der italienischen Kleinstadt Falciano del Massico, so werden sich auch die Lissabonner, vor allem die älteren, auch weiterhin das Sterben nicht verbieten lassen und so öffentlich ihren zivilen Ungehorsam zeigen!

Freitag, 22. Juli 2011

Die neue Stadtteilaufteilung von Lissabon


Nach einem Beschluss des Stadtrates von dieser Woche, besteht Lissabon ab jetzt, anstatt der 53 Stadtteile (port.: freguesia) die es bis dato hatte, nur noch aus 24 Stadtteilen.
Dies ist eine Reduzierung um mehr als die Hälfte.
Die meisten Stadtteile werden zusammengelegt und erhalten neue Namen.
Das neue Stadtteilaufteilungsgesetzt soll im September im Stadtparlament zur Wahl stehen und soll dann bei der nächsten Kommunalwahl im Jahre 2013 in Kraft treten.

Diese neue Aufteilung wurde unternommen, um die Bürokratie in der Stadt zu minimieren, um Geld zu sparen und um Entscheidungen die im Stadtparlament getroffen werden, besser umsetzen zu können.

Nicht jeder, zumal die die schon seit Generationen in so manch altem Stadtteil leben, war mit dieser neuen Grenzziehung der Stadtteile einverstanden.
Aber die Mehrheit des Stadtrates hat entschieden und das Gesetz wird sicherlich mit großer Mehrheit im September angenommen.

Die 24 neuen Lissabonner Stadtteile sind:

• Belém (hier werden die ehemaligen Stadtteile Francisco Xavier und Santa Maria de Belém zusammengelegt)
• Ajuda (unverändert)
• Alcântara (unverändert)
• Benfica (unverändert))
• São Domingos de Benfica (unverändert)
• Alvalade (hier werden die Stadtteile Campo Grande, São João de Brito und Alvalade zusammengelegt)
• Marvila (unverändert)
• Areeiro (Zusammenschluss der zwei Stadtteile Alto do Pina und São João de Deus)
• Santo António (drei Stadtteile bilden dieses Stadtteil: São Mamede, São José und Coração de Jesus)
• Santa Maria Maior (insgesamt 13 alte Stadtteile legen sich zu diesem neuen Mega-Stadtteil zusammen. Es sind: Mártires, Sé, Socorro, Sacramento, São Nicolau, Madalena, Santa Justa, Santiago, São Cristóvão, São Lourenço, Castelo, São Miguel und Santo Estêvão)
• Estrela (hier tun sich Lapa, Santos-o-velho und Prazeres zusammen)
• Campo de Ourique (Zusammenlegung von Santo Condestável und Santa Isabel)
• Misericórdia (vier Stadtteile tun sich hier zusammen: Mercês, Santa Catarina, Encarnação und São Paulo)
• Arroios (hier werden die Stadtteile Anjos, Pena und São Jorge de Arroios zusammengehen)
• Beato (unverändert)
• São Vicente (Zusammenlegung der ehemaligen Stadtteile São Vicente de Fora, Graça und Santa Engrácia)
• Avenidas Novas (besteht aus den zwei Stadtteilen São Sebastião da Pedreira und Nossa Senhora de Fátima)
• Penha de França (Zusammenlegung der zwei Stadtteile São João und Penha de França)
• Lumiar (unverändert)
• Carnide (unverändert)
• Santa Clara (Charneca e Ameixoeira)
• Olivais (Santa Maria dos Olivais)
• Campolide (unverändert)
• Parque das Nações (neu gegründet)

Samstag, 4. September 2010

Feira da Luz






Wie jedes Jahr, findet diesen Monat im Lissabonner Stadtteil Carnide, die Feira da Luz (dt.: Jahrmarkt des Lichtes) statt.
Dieses Jahr wird die Feira da Luz zum fünfhundertsten Mal stattfinden.
Sie ist somit eine der wenigen Jahrmärkte des Landes, die ein halbes Jahrtausend Geschichte vorweisen können.

Vom heutigen 04. September bis zum 26. September werden im Jardim da Luz, dem Stadtpark des Stadtteiles Carnide, wieder einmal tausende von Menschen zusammenkommen, um diesen, für mich, einzigartigen Jahrmarkt zu besuchen.
Natürlich ist die Feira da Luz nicht mehr das, was sie einmal war. Und ich meine nicht die Feira da Luz vor 500 Jahren. Nein, ich meine die Feira da Luz vor noch gut 35 Jahren.

Bereits als Kleinkinder besuchten meine Schwester und ich, in Begleitung unserer Mutter, die Feira da Luz, um dort die beste Zuckerwatte der Welt zu essen, jedenfalls kam sie uns als Kinder so vor.
Die Feira war für uns Kinder auch so etwas wie ein Spielzeugbazar. Denn nie verließen wir die Feira ohne das eine oder andere bunte Holzspielzeug.
1972, als unser Vater bereits als Gastarbeiter in Deutschland weilte, ließ meine Mutter ein Foto von uns Kinder auf der Feira da Luz machen, um dieses Foto dann meinem Vater nach Deutschland zu schicken.
Dieses Foto, auf dem meine Schwester und ich auf zwei schwarz bemalten Holzpferdchen sitzen, gibt es heute noch.
Gemacht wurde dieses Foto, am 03. September 1972, damals von einem Fotografen, der noch diese alten Stehkameras mit einem schwarzen Tuch benutzte, welches er sich über den Kopf zog.

Heute sucht man auf der Feira da Luz vergeblich nach dem alten Fotografen, nach der besten Zuckerwatte der Welt und nach buntem Holzspielzeug.
Wie jedes andere Volksfest der Welt, hat auch die Feira da Luz sich weiter entwickelt.
In welche Richtung auch immer…

Wie es auch sei, die Feira da Luz ist immer einen Besuch wert. Und sie hat einen, wie ich finde, großen Vorteil: da sie noch heute ein Stadtteilfest ist, ist die Feira da Luz vielen im Land unbekannt; was den Vorteil hat, das sie noch, trotz allen Veränderungen, recht ursprünglich geblieben ist.

Ihren Höhepunkt wird die Feira, wie jedes Jahr, am letzten Sonntag des Monats haben.
Dann wenn die Prozession zu Ehren der Jungfrau da Luz (port.: Procissão da Nossa Senhora da Luz) stattfinden wird.
Es ist dieser Prozession zu verdanken, dass es die Feira da Luz überhaupt gibt!
Um diese Prozession herum, die noch heute eine der wichtigsten religiösen Demonstrationen der portugiesischen Hauptstadt ist, bildete sich mit den Jahren der Jahrmarkt.
Und während in den ersten Jahrhunderten die Prozession im Mittelpunkt stand, und die Festbuden, Schwenkbraten, Feuerschlucker und Liedermacher nur Beiwerk waren, so ist es heute genau umgekehrt.
Jeder kennt den Jahrmarkt, aber nur wenige die Prozession.

Der Sage nach, soll ein portugiesischer Ritter, der im 14. Jahrhundert am Feldzug gegen die Mauren, im marokkanischen Ceuta teilnahm, während der Schlacht schwer verletzt worden sein.
Auf dem Schlachtfeld, dem Tode nahe, soll er durch ein Licht gerettet worden sein, welches die Figur einer Jungfrau ausstrahlte (Luz ist das portugiesische Wort für Licht. Also ist die „Nossa Senhora da Luz“, die Jungfrau des Lichtes und die „Feira da Luz“ ist wörtlich übersetzt der Jahrmarkt des Lichtes. Ganz nebenbei, das Benfica-Stadion „Estadio da Luz“, ganz in der Nähe, ist nichts weiter als das Stadion des Lichtes!).
Als er wieder vom Krieg nach hause kam, errichtete er, dort wo sich heute die Kirche Nossa Senhora da Luz befindet, eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau, die ihn, der Sage nach, gerettet hatte.

Wie jede Sage und Legende, hat auch diese ihre wahren und unwahren Seiten. Fakt ist, das heute noch eine kleine Madonnenfigur aus dem 14. Jahrhundert zum Kirchenschatz der Kirche Nossa Senhora da Luz gehört.

Wer an der Prozession teilnehmen will, sollte wissen, dass der letzte Sonntag im September, dieses Jahr auf den 26. fällt.
Die Prozession selber, so hat mir das Pfarramt in Carnide mitgeteilt, wird wie jedes Jahr, ihren Anfang an der Kirche, am Largo da Luz, haben, und dann weiter durch die Straßen Rua da Fonte, Rua Neves da Costa, Estrada da Correia, Rua Maria Brown und Estrada do Colégio Militar ziehen, um dann, wieder an der Kirche angekommen, ihr Ende finden.

Allen eine wunderschöne Feira da Luz!

Freitag, 30. Oktober 2009

Zwei Völker, ein Ziel


„Zwei Völker, ein Ziel“ („Dois póvos – um objectivo“) – mit diesem Slogan haben sich dieser Woche Portugal und Spanien bei der FIFA in Zürich (Schweiz) um die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2018 beworben.

Joseph Blatter nahm die Bewerbung Portugals und Spaniens mit den folgenden Worten an: „Portugal und Spanien verbindet eine gemeinsame Grenze und eine gemeinsame Geschichte, nämlich die Geschichte der Iberischen Halbinsel. Beide Nationen können im Fußball viel Leisten und Erreichen“.

Das sind wunderschöne Worte, doch die Realität sieht leider anders aus.
Denn die gemeinsame Grenze von der Blatter spricht trennt uns eher, als das sie uns verbindet (sonst wäre sie ja auch keine Grenze!) und wir haben auch keine gemeinsame Geschichte wie Herr Blatter meint, sondern höchstens gemeinsame Wurzeln, aber nie und nimmer eine gemeinsame Geschichte.

Kaum ist nun aber die gemeinsame Bewerbung für die Fußball-WM 2018 abgegeben, melden sich schon die ersten Kritiker.

Zehn Fußballstadien werden für die Austragung der Fußball-WM gebraucht.
Und da finanziell das Megaevent Fußball-WM zu 60% von Spanien und zu 40% von Portugal getragen werden soll, müsste es also gerechterweise sechs Austragungsorte auf spanischer Seite geben und vier auf portugiesischer Seite.

Doch, da Portugal nur drei Stadien hat, die den Ansprüchen der FIFA, was das Zuschauervolumen angeht, gerecht werden können (nur das Stadion Dragão in Porto und die Stadien José Alvalade und Luz-Benfica in Lissabon haben mehr als 60.000 Sitzplätze, so wie von der FIFA verlangt), soll sich Portugal, so die Spanier, mit nur drei Austragungsorten zufrieden geben, und Spanien dagegen mit sieben!

Die spanische Rechnung lautet also: Portugal beteiligt sich an der WM mit 40% der Finanzen, darf aber nur 30% der Selbigen austragen!

Doch da haben die Spanier die Rechung ohne die Portugiesen gemacht. Denn noch heute hat die portugiesische Regierung bestätigt, dass einem Umbau des ehemaligen EM-Stadions in der Algarve, zu einem WM-Stadion nichts im Wege steht.
Portugal will auf alle Fälle vier Austragungsorte vorweisen können, wenn Anfang nächstes Jahr, die Bewerbung in eine neue Phase tritt.

Eines ist aber auf alle Fälle klar:
Wenn eine gemeinsame Bewerbung schon mit solch einem Hickhack anfängt, dann wird es nur sehr schwer sein, die Mitkonkurrenten USA, Argentinien, Türkei, Australien und Japan aus dem Feld zu schlagen.

Im März nächsten Jahres, wenn offiziell bekannt gegeben wird, mit welchen Städten und Stadien sich Portugal und Spanien für die Fußball-WM 2018 bewerben, werden die zwei nationalen Fußballverbände hoffentlich zu mehr Harmonie gefunden haben, damit Herr Blatter wenigstens mit einem seiner Kommentare Recht behält: „Beide Nationen können (wenn sie wollen) im Fußball viel Leisten und Erreichen!“

Mittwoch, 23. September 2009

Gründungsort: Parkbank


Portugals Hauptstadt hat mit den Fußballmannschaften von Benfica Lissabon (port.: Sport Lisboa e Benfica) und Sporting Lissabon (port.: Sporting Clube de Portugal) zwei Fußballclubs, die im nationalen und im internationalen Weltfußball immer wieder eine große Rolle spielen.

Zu diesen zwei Mannschaften, die sich sportlich nichts schenken, und immer eine gesunde Rivalität pflegen, gesellt sich eine dritte Stadtmannschaft, nämlich der im Stadtteil Restelo-Belém beheimatete Fußballclub Belenenses (port.: Clube de Futebol Os Belenenses).

Obwohl die Belenenses den Adlern aus Benfica und den Löwen aus Alvalade heute leider sportlich nicht mehr das Wasser reichen können, so waren sie einmal doch eine sehr erfolgreiche Mannschaft. Sie gewannen mehrmals die portugiesische Meisterschaft und waren auch mehrere Male UEFA-Teilnehmer.

Doch was den Fußballclub Belenenses so besonders macht, und ihn von allen anderen portugiesischen und auch vielen europäischen Mannschaften unterscheidet, ist die Art seiner Gründung.

Während andere Mannschaften in einem Clubhaus, auf einem Fußballplatz oder in einem Anwaltsbüro gegründet wurden, hat der Fußballclub Belenenses, so außergewöhnlich das auch klingen mag, auf einer Parkbank im Stadtteil Belém das Licht der Welt erblickt.

Heute vor genau 90 Jahren, am 23. September 1919 trafen sich acht junge Männer, alle Hobbyfußballer aus gutem Hause (denn nur wer Geld hat, kann auch einen Fußballverein gründen – das gilt für heute genauso wie für damals!), im Park der Praça Afonso de Albuquerque, genau gegenüber dem Präsidentenpalast, und beschlossen nach einem Spiel auf dem Rasen des Parks, spontan die Gründung eines neuen Vereins.

Feierlich setzten Artur José Pereira, der Initiator des Ganzen, sein Bruder Francisco Pereira und Henrique Costa, Carlos Sobral, Joaquim Dias, Júlio Teixeira Gomes, Manuel Veloso sowie Romualdo Bogalho auf einer Parkbank ihre Unterschriften unter ein einfaches Blatt Papier, auf dem sie sich verpflichteten einen neuen Fußballverein zu gründen, „um sich einen Traum zu erfüllen“, so steht es schwarz auf weiß auf dem Gründungspapier.

Besagte Parkbank steht heute noch in dem Park, und zeugt mit der Gravur „Aqui nasceu o CF Os Belenenses 23-9-1919“ (dt.: Hier wurde der FC Belenenses am 23-9-1919 geboren) von der wohl originellsten Gründung eines Vereins in der portugiesischen Fußballgeschichte.

Anhänger eines Fußballvereins zu sein, hat hier in Portugal noch sehr viel mit Familientradition zu tun, d.h. wenn z.B. der Großvater Benfica-Fan war, der Vater Benfica-Fan ist und eventuell vorhandene Brüder auch Benfica-Fans sind, dann ist man automatisch von Geburt an Benfica-Fan.
Die Möglichkeit Anhänger eines anderen Vereins zu werden sind von vornherein gar nicht gegeben, außer man möchte von seinen Brüdern verprügelt werden…

Wäre ich also von Haus aus nicht Benfica-Fan, dann kann ich mir sehr gut vorstellen Belenenses-Fan geworden zu sein.
Denn seit meinen Kindestagen hat mich die Art und Weise der Gründung dieses Vereins fasziniert.

Freitag, 10. Juli 2009

Eine Stadt im nostalgischem Schwarz und Weiß






Immer wenn ich alte Aufnahmen von Lissabon sehe, oder von Portugal überhaupt, dann komme ich leicht ins Schwärmen, und gerate leicht in Nostalgie.

Wie gerne hätte ich in dieser Zeit gelebt, als die Fotos noch schwarz-weiß waren und die Bilder zu laufen anfingen. Damals, als die Hauptstadt noch ein ganz anderes Gesicht hatte, begann für die meisten Menschen der Tag um 6 Uhr morgens mit einem Gang in die nächste Kirche. Früher war man noch streng katholisch und da gehörte der Gang in die Messe einfach dazu. Nach dem Kirchgang ging jeder seinem Beruf nach und am Hafen spielte sich das Leben einer Kolonialhauptstadt ab. Die feinen Damen der Gesellschaft gönnten sich einen ausgedehnten Schaufensterbummel durch den Chiado und die Baixa, und die Bauern aus dem Lissabonner Umland brachten ihr Gemüse und ihr Obst in die Märkte der Stadt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Schaut man sich diese vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen an, dann wird einem schnell deutlich, wie schön die Stadt einmal war, so ganz ohne den täglichen Verkehrschaos von heute und ohne die konstante Verschmutzung.

Die hübschen Häuser am Chiado und in Benfica, die Baixa mit ihren unzähligen Geschäften und den vielen bunten Fensterläden, die vielen historischen Gebäude in der Alfama und der Mouraria und die grünen Oasen in der Estrela und im Monsanto – das alles begeistert einen sofort, wenn man sich nur die alten Aufnahmen anschaut.

Im Teich des Campo Grande schwammen einst Kois, als im restlichen Europa noch keiner wusste was das für Fische waren. Die Avenida nach Belém war mit hunderten von Palmen bewachsen. Vor hundert Jahren noch, war Lissabon eine Stadt wie aus dem Bilderbuch. Ohne Autos, nur mit alten Straßenbahnen und Pferdekutschen. Mit Seeleuten aus aller Welt und Menschen aus allen Kolonien Portugals.

Wer heute vom Wasser her nach Lissabon reinkommt, oder das Glück hat mit dem Flugzeug in Lissabon anzukommen, der wird meinen Lissabon hebt sich wie eine Traumvision gegen den strahlenden blauen Himmel ab.

Und natürlich hat Lissabon auch heute noch ihre schönen Seiten, ohne Zweifel.

Aber sie wird niemals den Charme erreichen, den sie hatte, als sie für immer auf Schwarz-Weiß-Fotos verewigt wurde.

Dienstag, 16. Juni 2009

Die 53 Lissabonner Stadtteile und die 4 Bezirke



Diese Woche bin ich gefragt worden, nachdem ich in meinem post „Santo António de Lisboa“ von den 53 Lissabonner Stadtteilen geschrieben habe, die bei den Marchas Populares miteinander konkurrieren, wie denn die Lissabonner Stadtteile eigentlich heißen.
Die 53 Lissabonner Stadtteile (Freguesias) schließen sich zu vier Gemeinden (Bairros) zusammen, die keinen spezifischen Namen haben, sondern einfach 1. Bairro, 2. Bairro, 3. Bairro und 4. Bairro heißen.
Hier nun, in alphabetischer Reihenfolge die Namen der 53 Stadtteile. Ich habe, in Klammern gleichzeitig auch die Bairros dazugeschrieben, zu denen die einzelnen Stadtteile gehören:

Ajuda (2. Bairro)
Alcântara (2. Bairro)
Alto do Pina (4. Bairro)
Alvalade (3. Bairro)
Ameixoeira (3. Bairro)
Anjos (1. Bairro)
Beato (4. Bairro)
Benfica (3. Bairro)
Campo Grande (3. Bairro)
Campolide (3. Bairro)
Carnide (3. Bairro)
Castelo (1. Bairro)
Charneca (3. Bairro)
Coração de Jesus (1. Bairro)
Encarnação (1. Bairro)
Graça (1. Bairro)
Lapa (2. Bairro)
Lumiar (3. Bairro)
Madalena (1. Bairro)
Mártires (1. Bairro)
Marvila (4. Bairro)
Mercês (1. Bairro)
Nossa Senhora de Fátima (3. Bairro)
Pena (1. Bairro)
Penha de França (4. Bairro)
Prazeres (2. Bairro)
Sacramento (1. Bairro)
Santa Catarina (1. Bairro)
Santa Engrácia (1. Bairro)
Santa Isabel (2. Bairro)
Santa Justa (1. Bairro)
Santa Maria de Belém (2. Bairro)
Santa Maria dos Olivais (4. Bairro)
Santiago (1. Bairro)
Santo Condestável (2. Bairro)
Santo Estêvão (1. Bairro)
Santos-o-Velho (2. Bairro)
São Cristóvão e São Lourenço (1. Bairro)
São Domingos de Benfica (3. Bairro)
São Francisco Xavier (2. Bairro)
São João (4. Bairro)
São João de Brito (3. Bairro)
São João de Deus (4. Bairro)
São Jorge de Arroios (4. Bairro)
São José (1. Bairro)
São Mamede (1. Bairro)
São Miguel (1. Bairro)
São Nicolau (1. Bairro)
São Paulo (1. Bairro)
São Sebastião da Pedreira (3. Bairro)
São Vicente de Fora (1. Bairro)
Sé (1. Bairro)
Socorro (1. Bairro)

Donnerstag, 4. Juni 2009

Ungerechte Fussballwelt...




Warum schaut man sich ein Fußballspiel an? Aus Leidenschaft, aus sportlicher Begeisterung, oder wie ich, aus purer Langeweile? Um eine Antwort darauf zu finden, habe ich mir am Samstag das letzte Spiel der Saison, von Benfica Lissabon gegen Belenenses, im Fernsehen angeschaut. Ich sollte klarstellen, das ich seit frühester Kindheit Benficafan bin, und das aus drei unumstößlichen Gründen; erstens bin ich familiär vorbelastet (denn viele in meiner Familie sind Benficafans), zweitens habe ich die ersten Jahre meines Lebens in Pontinha-Benfica gelebt (und so was prägt ungemein) und drittens muss ich höchstwahrscheinlich masochistisch veranlagt sein (denn wenn man Benficafan ist, ist man zum Leiden geboren…).
Das Spiel war eine Katastrophe, obwohl Benfica Lissabon am Ende 3:1 gewonnen hat. Es war ein Spiel voller Fouls, Behinderungen und nicht allzu vielen sportlichen Höhepunkten.
Aber so langweilig der Fernsehabend auch war, eines habe ich wieder mal dazugelernt. Ich dachte nämlich immer, das das schießen von Toren, was ja eigentlich das Ziel eines jeden Fußballspiels sein sollte, bzw. das nicht erzielen von Toren, ausschlaggebend wären für die Freude oder den Frust eines jeden Fußballfans. Aber nein! Was die Masse bewegte, waren nicht die fehlenden Tore, die Benfica Lissabon zu einem höheren Sieg hätten führen können, sondern zwei, vom Schiedsrichter, nicht anerkannte Elfmeter! Als die von der Gegenmannschaft gemachten Fouls nicht vom Unparteiischen anerkannt wurden, standen auf einmal alle Benficaanhänger im Stadion (und wahrscheinlich auch viele vor den Fernseherapparaten!) auf, und wie aufgeschreckte Zombis brüllten sie „Betrug“ und „Schiebung“ (und das waren ohne Zweifel noch die harmlosesten Beschimpfungen, die die so genannten Fans von sich gaben). Ein Aufschrei ging durchs Stadion denn man konnte soviel Ungerechtheit einfach nicht glauben (wohlgemerkt, ich schreibe diese Zeilen aus der Sicht eines Benficafans. Sicherlich sieht die Gegenmannschaft und deren Anhängerschaft die Situation natürlich ganz, ganz anders!).
In nur einer Sekunde sprachen Fans, die gerade eben noch still und ziemlich gelangweilt neben einander saßen, und mehr oder weniger aufmerksam dem Spiel folgten, aufgeregt miteinander und diskutierten nun offen und voller Enthusiasmus über den „Clown“ und „Verbrecher“ von Schiedsrichter, der doch am besten zuhause hätte bleiben sollen. Selbst mein Vater, ein 100%iger Benficafan, konnte nicht glauben welcher Ungerechtigkeit er gerade Zeuge wurde. Natürlich brachten die verschiedenen Nachrichtensender dann später in den Abendnachrichten diese vom Schiri nicht angezeigten, angeblichen Fouls von allen Kamerablickwinkeln und mehrmals in Zeitlupe (vielleicht sollte ich noch erwähnen, das so manches Fußballspiel hier in Portugal, genauso wie in England, Italien oder hier im benachbartem Spanien, einen höheren Stellenwert hat als jede Nachricht über die Weltwirtschaftskrise, EU-Treffen oder ein Attentat irgendwo in Pakistan oder Timbuktu).
Und da wurde mir eines klar!
Wer mal gesagt hat „Sport verbindet“ und „Fußball ist die schönste Nebensache der Welt“, hatte vollkommen recht! Heutzutage muss man nicht ein Spiel gewinnen, um im Gespräch zu sein oder ein Gesprächsthema zu haben. Nein, eine einfache (Fehl)entscheidung eines Unparteiischen reicht aus, um die Massen zu vereinigen und ihnen ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben!
Es lebe der Sport!