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Dienstag, 2. Juni 2015

Ohne Sardinen – keine Santos populares – kein Volksfest!


Nun ist er endlich da, der Monat Juni, der hierzulande der „Monat der Volksheiligen“ (port.: „mês dos Santos populares“) genannt wird.
Als Volksheilige werden die drei Heiligen Santo António (dt.: Heiliger Anton), São João (dt.: Sankt Johann) und São Pedro (dt.: Sankt Peter) bezeichnet.
Traditionell ist der Juni der Monat, indem hier in Portugal landauf landab viele kirchliche Zeremonien, Prozessionen, Wallfahrten und Volksfeste stattfinden. Vor allem in Lissabon (Santo António), in der nordportugiesischen Metropole Porto (São João) und in vielen Städten der Algarve (São Pedro) wird dieser Monat mit viel Belustigungen, Umzügen, Tanz, Gesang, Brauchtum, gutem Essen und Trinken gefeiert.

Festschmaus der landesweit stattfindenden Feste sind traditionell gegrillte Sardinien (port.: sardinhas assadas).
Was die Weißwürste für München, das Eisbein für Berlin und die gekochten Rippchen für Frankfurt sind, sind ohne Zweifel die Sardinen für Lissabon und Porto in der Volksfestzeit.

Sardinen sind das Symbol, das Wahrzeichen des feiernden Portugals – ein Wahrzeichen das langsam in den Meeren Portugals selten wird.
Um es deutlicher zu sagen, dieser hier so beliebte Fisch droht regelrecht auszusterben!

Laut einer Schätzung des Instituto Português do Mar e da Atmosfera (dt.: Portugiesisches Institut des Meeres und der Atmosphäre), einem Institut welches die Aufgabe hat die Öffentlichkeit über Forschungsaktivitäten und Expertisen zu informieren und unabhängige Veröffentlichungen herauszubringen, werden dieses Jahr im Feiermonat Juni schätzungsweise nur ca. 2.000 t Sardinen von portugiesischen Trawlern aus dem Meer geholt werden.

2.000 t Sardinen entsprechen, so haben es einpaar kluge Köpfe ausgerechnet, schätzungsweise 35 Millionen Sardinen.
Da der Monat 30 Tage hat, heißt das mit anderen Worten, das etwas mehr als 1 Million dieser Fische diesen Monat hierzulande auf den Tisch kommen werden, das sind 48.000 Sardinen jede Stunde, 805 Sardinen pro Minute oder 13 Sardinen jede Sekunde.

Das mag jetzt einem unheimlich viel erscheinen, aber Tatsache ist, dass die Sardinenfischerei hierzulande jedes Jahr geringere Fangresultate aufweisen kann – dieses Jahr die kleinste Menge an Sardinen der letzten 75 Jahre überhaupt!

Vor 30 Jahren konnte Portugal gut 200.000 t Sardinen anlanden.
Vor zehn Jahren waren es dann, wegen jahrelanger Überfischung und immer stärker werdenden klimatischen Veränderungen, nur noch 100.000 t.
Während portugiesische Trawler im Jahre 2012 gut 32.000 t Sardinen aus dem Meer holten, waren es 2013 bereits nur noch 28.000 t und 2014 gar nur noch 16.000 t, d.h. in zwei Jahren hat sich die Fangmenge um ganze 50% reduziert.
Für das Jahr 2015 ist eine Fangquote von lediglich nur noch 13.500 t vorgesehen, was den Preis dieses Fisches ins astronomische katapultiert hat.
Hat man letztes Jahr für ein Kilo Sardinen noch um die 3,50 Euro bezahlt, so wird man dieses Jahr wohl bereits gut 5,00 Euro für das Kilo hinblättern müssen.

Nichtsdestotrotz sind die meisten Portugiesen weiterhin bereit Sardinen zu kaufen, auch wenn diese fast unerschwinglich geworden sind.
Denn jeder Portugiese ist sich über eines im Klaren:

ohne Sardinen – keine Santos populares – kein Volksfest!

Sonntag, 18. Mai 2014

Lissabonner Stadtfest 2014








Wie in den vergangenen Jahren, so hat Lissabon auch in diesem Jahr die schönsten Sardinen als offizielle Symbole für das diesjährige Sankt Antoniusfest, dem Lissabonner Stadtfest, durch einen Wettbewerb bestimmt.
Dieser Wettbewerb, an dem knapp Fünftausend Personen teilgenommen haben, wurde durch das Lissabonner Event- und Managementunternehmen für Kultureinrichtungen EGEAC (port.: Empresa de Gestão de Equipamentos e Animação Cultural) durchgeführt.

Aus insgesamt 8.258 eingereichten Vorschlägen – darunter knapp 1.500 aus dem Ausland, wie Italien, Brasilien, Mexiko und sogar China – kürte die Agentur EGEAC letztendlich die sieben schönsten und originellsten Sardinen aus, und gab die Sieger – sechs Portugiesen und ein Mexikaner – diese Woche bekannt.

Die Gewinner-Sardinen werden in den folgenden Wochen für das Lissabonner Stadtfest Werbung machen.
Das Lissabonner Stadtfest findet jedes Jahr im Monat Juni statt und hat seinen Höhepunkt am 13. Juni, dem Antoniustag.
Der Heilige Antonius (port.: Santo António) ist der Schutzheilige der Stadt Lissabon, und auch wenn die Welt ihn eher unter dem Namen Antonius von Padua kennt, so wird er hierzulande einfach nur Santo António de Lisboa (dt.: Antonius von Lissabon) genannt, denn er ist ein Sohn der Stadt. Hier wurde Antonius Ende des 12. Jahrhunderts geboren. (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Santo António de Lisboa“, vom 12. Juni 2009) und hier wird er auch verehrt, wie kaum anderswo auf der Welt.

Die Gewinner-Sardinen werden, abgesehen davon das sie recht bald überall in der Stadt auf Postern und Plakaten abgebildet sein werden, demnächst auch, zusammen mit anderen Sardinen die den Wettbewerb leider nicht gewonnen haben, in einer Ausstellung in der Rua Augusta, im Stadtteil Baixa, zu sehen sein.

Samstag, 15. Juni 2013

Wenn Aufzüge sich in Schale werfen







Der Juni ist hier in Portugal traditionell als „Mês dos Santos Populares“ (dt.: „Monat der Volksheiligen“) oder als „Mês das Festas Populares“ (dt.: „Monat der Volksfeste“) bekannt.
Auch hier in Lissabon ist der Juni der Monat an dem den drei katholischen Heiligen Antónius (port.: Santo António), Johannes (São João) und Peter (São Pedro) gedacht wird.
Jeder dieser drei, beim Volk sehr beliebten Heiligen, daher auch die Bezeichnung „Volksheiligen“, hat im Monat Juni seinen Feiertag:

Santo António am 13. Juni,
São João am 24. Juni und
São Pedro am 29. Juni.

Und wie es sich für eine Stadt gehört, die in Feierlaune ist, ist Lissabon dann immer traditionsgemäß festlich geschmückt und die Stimmung generell sehr fröhlich.
Auch dieses Jahr hat sich Lissabon wieder herausgeputzt und vor allem die Stadtteile Alfama, Mouraria und Santa Catarina sind, trotz knapper Stadtkasse, mit sehr schönen und bunten Girlanden und Ballons geschmückt worden.

Auch die charakteristischen Lissabonner Standseilbahnaufzüge (port.: elevadores oder ascensores) haben sich dieses Jahr in Schale geworfen.
Der Elevador da Glória, der die Stadtteile Baixa und Bairro Alto verbindet, der Elevador do Lavra, im Stadtteil São José und der Elevador da Bica, im gleichnamigen Stadtteil Bica, haben ihre übliche knallgelbe Farbe verändert, und haben nun, für einen ganzen Monat, ein bunteres Outfit bekommen.

Zu diesem neuen Aussehen kam es, weil die Lissabonner Stadtverwaltung vor kurzem in einem Wettbewerb die junge Architektin Mariana Cidade, ausgewählt hat, die beliebten Aufzüge anlässlich des diesjährigen Stadtfestes, umzugestalten.

Mariana Cidade, die 26 Jahre alt ist und aus der Kleinstadt Luso in Mittelportugal stammt, ist eine Liebhaberin des portugiesischen Kachelschmuckes (port.: azulejos) und der weiß-schwarzen Bürgersteige des Landes (port.: calçada portuguesa), und diese Liebe hat sie nun in origineller Art und Weise in die Verkleidung der Aufzüge gesteckt.
Sie hat jedes einzelne dieser über 125 Jahre alten Lissabonner Ikonen mit einer Folie aus Vinyl ummantelt, die verschiedene typische Azulejo- und Bürgersteigmuster zeigen.
So ist jeder Elevador für die nächsten Wochen einzigartig dekoriert!

Die Aufzüge können in ihrer farbenfrohen Aufmachung noch bis zum Ende dieses Monats, dem 30 Juni, besichtigt und natürlich auch benutzt werden.
Danach werden sie, man muss schon beinahe sagen leider, wieder in ihrer gelben Farbe zu sehen sein.

Freitag, 22. Juli 2011

Die neue Stadtteilaufteilung von Lissabon


Nach einem Beschluss des Stadtrates von dieser Woche, besteht Lissabon ab jetzt, anstatt der 53 Stadtteile (port.: freguesia) die es bis dato hatte, nur noch aus 24 Stadtteilen.
Dies ist eine Reduzierung um mehr als die Hälfte.
Die meisten Stadtteile werden zusammengelegt und erhalten neue Namen.
Das neue Stadtteilaufteilungsgesetzt soll im September im Stadtparlament zur Wahl stehen und soll dann bei der nächsten Kommunalwahl im Jahre 2013 in Kraft treten.

Diese neue Aufteilung wurde unternommen, um die Bürokratie in der Stadt zu minimieren, um Geld zu sparen und um Entscheidungen die im Stadtparlament getroffen werden, besser umsetzen zu können.

Nicht jeder, zumal die die schon seit Generationen in so manch altem Stadtteil leben, war mit dieser neuen Grenzziehung der Stadtteile einverstanden.
Aber die Mehrheit des Stadtrates hat entschieden und das Gesetz wird sicherlich mit großer Mehrheit im September angenommen.

Die 24 neuen Lissabonner Stadtteile sind:

• Belém (hier werden die ehemaligen Stadtteile Francisco Xavier und Santa Maria de Belém zusammengelegt)
• Ajuda (unverändert)
• Alcântara (unverändert)
• Benfica (unverändert))
• São Domingos de Benfica (unverändert)
• Alvalade (hier werden die Stadtteile Campo Grande, São João de Brito und Alvalade zusammengelegt)
• Marvila (unverändert)
• Areeiro (Zusammenschluss der zwei Stadtteile Alto do Pina und São João de Deus)
• Santo António (drei Stadtteile bilden dieses Stadtteil: São Mamede, São José und Coração de Jesus)
• Santa Maria Maior (insgesamt 13 alte Stadtteile legen sich zu diesem neuen Mega-Stadtteil zusammen. Es sind: Mártires, Sé, Socorro, Sacramento, São Nicolau, Madalena, Santa Justa, Santiago, São Cristóvão, São Lourenço, Castelo, São Miguel und Santo Estêvão)
• Estrela (hier tun sich Lapa, Santos-o-velho und Prazeres zusammen)
• Campo de Ourique (Zusammenlegung von Santo Condestável und Santa Isabel)
• Misericórdia (vier Stadtteile tun sich hier zusammen: Mercês, Santa Catarina, Encarnação und São Paulo)
• Arroios (hier werden die Stadtteile Anjos, Pena und São Jorge de Arroios zusammengehen)
• Beato (unverändert)
• São Vicente (Zusammenlegung der ehemaligen Stadtteile São Vicente de Fora, Graça und Santa Engrácia)
• Avenidas Novas (besteht aus den zwei Stadtteilen São Sebastião da Pedreira und Nossa Senhora de Fátima)
• Penha de França (Zusammenlegung der zwei Stadtteile São João und Penha de França)
• Lumiar (unverändert)
• Carnide (unverändert)
• Santa Clara (Charneca e Ameixoeira)
• Olivais (Santa Maria dos Olivais)
• Campolide (unverändert)
• Parque das Nações (neu gegründet)

Freitag, 17. Juni 2011

Kissing Alley


Gestern war ich in der Lissabonner Altstadt Alfama (bitte lesen sie auch meinen Beitrag „Das Badehaus in der Al-khama, vom 04.06.2009).
Die Alfama ist in diesen Tagen des Antoniusfestes, voller bunter Ballons, Girlanden und Lampions.
Nirgendwo ist die Seele der Hauptstadt so zu spüren, wie hier!
Ich liebe es, durch die Gassen der Altstadt zu laufen.
In diesem Straßenlabyrinth, das sich nur zu Fuß erforschen lässt, habe ich jedes Mal das Gefühl an einem Ort aus 1001 Nacht zu sein.
Obwohl kein einziges Gebäude aus der Zeit der Mauren mehr steht, habe ich dieses Gefühl immer wieder.
Die maurische Herrschaft hinterließ hier nämlich deutlich ihre Spuren. Die Straßen, Gassen, Treppen und kleine Plätze verraten noch heute ihr arabisches Gepräge.

Eines meiner Lieblingsecken in der Alfama sind die Treppen von Santo Estevão (port.: Escadinhas de Santo Estevão), die von der Kirche gleichen Namens bis fast hinunter zum Tejo reichen.
Jedes Mal, wenn ich diese Treppen hoch steige, oder so wie gestern runter laufe, muss ich schmunzelnd daran denken, das vor einiger Zeit irgendeiner angefangen hat diese Treppen „Kissing Alley“ (dt.: „Küsschengässchen“) zu nennen, so das heute viele in Lissabon, vor allem Jugendliche, von der „Kissing Alley“ sprechen, wenn sie die Escadinhas de Santo Estevão meinen.

Zu diesem originellen Namen kamen die Treppen dank eines Ereignisses, welches sich vor Jahren dort zugetragen haben soll.

Eine Reiseführerin brachte eines schönen Tages eine französische Reisegruppe durch die Gassen der Altstadt.
An den Treppen angekommen, die zu jedem Reiseführertrip gehören, weil man von hier eine wunderschöne Aussicht auf die Dächer der Altstadt und den Tejo am Horizont hat, sah die Reiseführerin den damaligen Stadtverordneten (port.: Presidente da Junta de Fréguesia) vom nahen Stadtteil São Vicente de Fora an der Treppe, wie er eine Frau innig küsste, die nicht die seinige war.

Woher die Reiseführerin wusste das der Stadtverordnete eine fremde Frau küsste???
Nun, dummerweise war die Reiseführerin die Ehefrau des Stadtverordneten…

Die Ehe der beiden wurde kurz darauf geschieden.
Der Stadtverordnete aber, verlor nicht nur die Ehefrau, sondern auch seinen schönen Posten bei der Stadt und wurde für lange Zeit zur Witzblattfigur.

Wie das deutsche Sprichwort so schön sagt:
„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen…“

Samstag, 11. Juni 2011

Quadras Populares


In meinem vorhergehenden Text „Manjerico“ habe ich über die Topfpflanze Manjerico geschrieben und hierbei die vierzeiligen Reime (port.: quadras populares) erwähnt, die zumeist im Blumentopf auf einem kleinem Zettel Papier eingesteckt werden, und mit dem Manjerico verschenkt werden.

Diese Vierzeiler handeln fast immer von der Liebe, den Volksheiligen Santo António, São João, São Pedro und von der Stadt Lissabon und ihren Eigenarten.
Leider ist eine Übersetzung dieser Reime nur schwer möglich, da sie sich auf Deutsch leider nicht reimen.

Im Original heißt es in einem z.B.:

No mês dos santos populares
Vou p´rá rua, vou cantar
Não quero estar em casa
Quero é ir pular.

Ins Deutsche übersetzt heißt es in diesem Reim so viel wie:

Im Monat der Volksheiligen (Juni)
Gehe ich auf die Straße und singe
Ich will nicht zuhause bleiben
Sondern hüpfen und tanzen.

In diesem Stil etwa, sind diese Vierzeiler geschrieben: humorvoll, kurz und knapp.

Ich habe hier ein paar Reime zusammengetragen und hoffe sie sind auch für die, die wenig Portugiesisch sprechen können, verständlich.
Da sie sehr volksnah geschrieben sind, sind sie auch in einem sehr einfachen Portugiesisch geschrieben und sehr unterhaltsam:


No Santo António
E no São João
Como as sardinhas
E deixo o pão.

Nas noites de Santo António
Vou saltar uma latada
E vou cantar, divertir-me
Com a minha namorada.

Ó meu rico Santo António
És um santo popular
Na tua festa não falta
Sardinha para assar.

Santo António, Santo António
Que bonito que tu és
Vou-te comprar um manjerico
E vou pô-lo a teus pés.

Lisboa, és meu amor,
Quero contigo dançar
Cantar cheia de fulgor
A tradição popular.

Alegrias como estas
É difícil encontrar
Vestida toda de festas
Lisboa vai a cantar.

Há festa em Portugal
São os santos populares
Da sardinha ao manjerico
Os cheiros andam pelos ares.

Em Junho todos bailam
Assim é a tradição
As ruas estão enfeitadas
Lá de cima até ao chão

Santo António sem ricos
E toda a gente a saltar
Enfeitado de manjericos
Que eu vou comprar

De manjerico na mão
Uma quadra a namorar
E com arquinho e balão
Vamos todos a bailar.

Santo António e São João
Vão ao desafio cantar
Nas barracas das sardinhas
Espero poder passar.

Ó meu rico Santo António
Tu estás muito calado
Quando estás à minha beira
Fico todo envergonhado.

Santo António, Santo António
Que tens tu de especial?
Só sei que na tua festa
Há alegria no arraial.

Santo António enfeitado
Dá cá um balão!
Pois quero um encarnado
Para dar ao meu irmão.

São Pedro com as chaves do céu
Com o cordeiro São João
E Santo António
Com o menino na mão.

No dia de São Pedro
Vamos todos à sardinha
Neste ano vou escolher
A que for mais pequenina.

A treze temos Santo António
A vinte e quatro São João
A vinte e nove São Pedro
E recebemo-los com uma grande emoção.

No dia de São João
Vamos todos cantar
Brincar com um balão
Até ele rebentar

No dia de São João
Vamos p´rá rua festejar
Lançar balões para o céu
Sempre, sempre a pular.

A noite de São João
É uma noite de folia
Vejo o fogo de artifício
Sempre com muita alegria.

Manjerico


Der Monat Juni ist gekommen!
In vielen portugiesischen Städten und Gemeinden, wie in Lissabon, Porto, Almada und vielen mehr, werden in diesem Monat die drei Volksheiligen gefeiert.
Die drei Volksheiligen sind der Heilige Antonius (port.: Santo António), der Heilige Johannes (port.: São João) und der Heilige Petrus (port.: São Pedro).

Wenn man dieser Tage durch Lissabon läuft, wird man vor allem in der Altstadt, eine Stadt in Feierlaune erleben.
Der 13. Juni naht, der Tag an dem die Hauptstadt ihren Heiligen Sankt Antonius (port.: Santo António) feiert (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Santo António de Lisboa“ vom 12.06.2009).
Mehr als ein religiöses Fest, ist das Sankt Antoniusfest ein Fest der Stadt und ihren Bewohnern.

Lissabonner zu sein und das Antoniusfest nicht zu feiern, wäre so, als wenn man als Brasilianer den Karneval nicht feiert würde.
Es würde einfach keinen Sinn machen!
Lissabon ist eine der wenigen Städte auf der Welt, in der das Stadtfest heute noch mit so viel Bürgerbeteiligung und populären Traditionen gefeiert wird.
Die Traditionen und die Rivalität der einzelnen Stadtteile unter sich, auch diese Rivalität ist eine Tradition, macht das Flair dieses Volksfestes aus.

Eine der schönsten Traditionen in dieser Zeit ist es, einem geliebten Menschen einen Manjerico (dt.: Kleinblättriger Basilikum / lat.: Ocimum minimum) zu schenken.
Manjerico ist die wilde Form des Basilikums und eng mit dem Manjericão (dt.: Echter Basilikum / lat.: Ocimum basilicum) verwandt.
Es handelt sich beim Manjerico um eine grüne, kleinblättrige Topfkräuterpflanze, die sehr intensiv und charakteristisch riecht.

Wenn man einen Manjerico kauft, so ist in dem Blumentopf in dem er gepflanzt ist, meistens zusätzlich zu der Pflanze, auch eine bunte Papiernelke (port.: cravo de papel) und ein kleines Spruchband mit einem vierzeiligen Reim ( port.: quadra popular) eingesteckt.
Der Reim handelt fast immer über die Liebe, über Lissabon und über den Stadtheiligen Antonius.

Der Manjerico, der kleine Herzförmige Blätter hat, soll Glück bringen, vor allem in der Liebe.
Deshalb verschenken vor allem Männer ihren Freundinnen oder Frauen noch heute in der Sankt Antoniusnacht einen Manjerico.
Schenkte in frühen Jahren ein Mann seiner Liebsten ein Manjerico, so war das sogar gleichzustellen mit einem Heiratantrag an die Geliebte.

Die Legende besagt, dass der Manjerico nach dem Antoniusfest vertrocknet und abstirbt, so dass es erst im nächsten Jahr wieder einen duftenden Manjerico gibt.

Wie bei jeder Legende, steckt auch in dieser nur die halbe Wahrheit.
Es ist wahr, dass nach dem Stadtfest viele Manjericos absterben, aber auch nur, weil ihre Besitzer sie einfach nicht richtig pflegen.
Der Kleinblättrige Basilikum braucht nämlich eine Menge Wasser und einen windstillen, sonnigen Platz auf der Fensterbank.
Da viele ihn aber in den Schatten stellen und oftmals auch einfach das gießen vergessen, geht er leider meistens auch ein.

Wahr ist aber, dass früher vor allem Schuster in ihren Werkstätten einen Manjerico hatten.
Nicht das diese Berufsklasse besonders oft verliebt war, jedenfalls nicht mehr oder weniger als andere.
Nein, sie hatten einen Manjerico in ihren Werkstätten, um den penetranten Ledergeruch zu übertünchen, der an ihrem Arbeitsplatz oftmals herrschte.

Leider sind die schon erwähnten Vierzeiler ins Deutsche nicht originalgetreu übersetzbar.
Sie würden sich einfach nicht reimen.
Nichtsdestotrotz möchte ich hier einige Reime aufführen, die mir noch vom letzten Sankt Antoniusfest im Gedächtnis geblieben sind.
Wer minimal die portugiesische Sprache beherrscht, wird sie sofort verstehen:

Manjerico, manjerico,
Manjerico que te dei,
A tristeza com que fico
Inda amanhã a terei.

O manjerico comprado
Não é melhor que o que dão.
Põe o manjerico ao lado
E dá-me o teu coração.

Manjerico que te deram,
Amor que te querem dar...
Recebeste o manjerico.
O amor fica a esperar.

No Santo António enfeitado
Há cravos e manjericos
Sardinhas de cheiros encantados
Para os pobres e para os ricos.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Sardinhada






Vor ein paar Tagen war ich zu einer „sardinhada“, in der Nähe von Abrantes, eingeladen.
Waltraut, eine liebe Freundin, hatte auf ihrer Quinta ein paar Leute um sich versammelt.

Was dem Amerikaner sein „Barbecue“, dem Brasilianer sein „churrasco“ und dem Deutschen seine „Grillparty“ ist, das ist für uns Portugiesen die „sardinhada“.
Aber im Gegensatz zum Barbecue, zum churrasco und zur Grillparty, wo überwiegend gegrilltes Fleisch oder Würstchen auf dem Grillrost liegen, spielt bei der sardinhada ein einziger Fisch die Hauptrolle.

Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich hierbei um die Sardine. Sardinhada heißt nichts anderes als „gegrillte Sardinen“.
Nur mit Salz gewürzt, werden die Sardinen, ohne ausgenommen worden zu sein, fein säuberlich nebeneinander auf den Grillrost gelegt und dann von beiden Seiten leicht bräunlich gegrillt.

Man kann sie dann direkt vom Grill auf ein Stück Brot (Brot – kein Brötchen!) legen und verspeisen, oder man serviert die Sardinen mit Pellkartoffeln und einem Salat.
Mit einem guten Rotwein wird dann das ganze „runtergespült“.
Was früher ein Arme-Leute-Essen war, ist heute teilweise ein teurer Spaß.
Denn die Sardinenschwärme werden, durch die weltweit starke Überfischung, von Jahr zu Jahr immer weniger, und treiben so den Preis dieses Fisches in die Höhe.

Zum Lissabonner Stadtfest, dem Sankt Antonius Fest (port.: Festas de Santo António) z.B., kann es vorkommen, dass die Sardinen in den Gassen der Altstadt mal zu einem Stückpreis von zwei Euro verkauft werden, was für einen Sterblichen absoluter Wucher ist.
Denn normalerweise kostet ein Kilo Sardinen nicht mehr als drei oder vier Euro, und das sind gut ein Dutzend Sardinen.

Nichtsdestotrotz, handelt es sich bei einer sardinhada um eines der typischsten portugiesischen kulinarischen Erlebnisse.
Sollten sie jemals zu einer sardinhada eingeladen werden, lassen sie sich diesen Schmaus und dieses Gemeinschaftsgefühl nicht entgehen!

Dienstag, 1. Juni 2010

Viva a Sardinha


Jetzt ist sie endlich da, die Zeit auf die wir Lissabonner ein ganzes Jahr lang gewartet haben.
Die Lissabonner Stadtfeste (port.: Festas de Santo António), zu ehren des Stadtheiligen Antonius, haben begonnen.

Die Feierlichkeiten werden zwar am 13. Juni ihren Höhepunkt erreicht haben, aber schon jetzt, so konnte ich heute mit eigenen Augen sehen, sind die Gassen und Plätze der Altstadt alle mit bunten Fähnchen, Girlanden, Lampions und Papierblumen geschmückt, und hier und da, riecht es auch schon nach gegrillten Sardinen.

Unter dem diesjährigen Motto „Viva a Sardinha“ (dt.: „Es lebe die Sardine“) hat die Zeit der Konzerte, der Partys (port.: „arraiais populares“), der Ausstellungen, der Grillfeste und der Ausgelassenheit begonnen.

Das Fest geht auf die Strasse, und die Stadt wird von uns Feiernden eingenommen!

Hier ein paar wichtige Veranstaltungen die anlässlich des Lissabonner Sankt Antoniusfestes dieses Jahr stattfinden:


- „Lounge Festas de Lisboa“ – bis zum 15. Juli im Kino Cinema de São Jorge, mit Konzerten, Partys und DJ´s

- „Fado nos Eléctricos“ – Fado in der Straßenbahn, an verschiedenen Tagen im Monat Juni

- „Art a bordo“ – vom 23 bis 27. Juni, Theateraufführung in den Zügen der Linie Lisboa/Cascais

- „Jazz às onze“ – Jazzmusik in den historischen Aufzügen der Stadt, an verschiedenen Tagen im Monat Juli, immer um 11 Uhr morgens und um 23 Uhr nachts

- „Noite de Santo António“ – die Nacht des Heiligen Antonius, vom 12. auf den 13. Juni. Diese Nacht ist der Höhepunkt des Lissabonner Stadtfestes

- „Festa do Fado“ – Fadomusik den ganzen Monat Juni, im Fadomuseum (port.: Museu do Fado)

- “Arraial Pride” – GayPride auf der Praça do Comércio am 26. Juni

- “Fado no Castelo” – Fadomusik auf der Georgsburg (port.: Castelo de São Jorge) immer Freitags und Samstags in den Monaten Juni und Juli

- „Marchas Populares“ – In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni stellen sich die einzelnen Lissabonner Stadtteile jeweils mit einem Festzug und Musik dem Publikum und einer Jury vor. Diese küren dann die beste Präsentation, und somit den Stadtsieger

- „Casamentos de Santo António“ – wie jedes Jahr, so werden auch dieses Jahr 16 junge Paare sich das Ja-Wort in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa) geben, zu Ehren des Stadtheiligen, des Heiligen Antonius, der als Schutzpatron der Eheleute gilt. Die Kosten dieser Hochzeiten werden von der Stadt Lissabon getragen, die es somit diesen Paaren ermöglicht, eine Hochzeit zu feiern, die sie sich privat wohl nie leisten könnten

- außerdem werden in den Monaten Juni und Juli die verschiedensten Konferenzen, Debatten, Workshops, Aufführungen, Lesungen und Kinofilme in den einzelnen Lissabonner Theater, Kinos, Bibliotheken, Instituten und Museen stattfinden


Die Lissabonner Stadtfeste werden bis zum 15. Juli dauern.
Fast überall ist der Eintritt frei.
Mitgebracht werden muss, soweit ich aus eigener Erfahrung weiß, nur eine Menge gute Laune und Spaß!

Donnerstag, 25. Juni 2009

Die Sankt Johannisnacht


In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni feiert man jedes Jahr in Porto, Braga, und anderen Städten des Landes, hauptsächlich im Norden, die Johannisnacht (Noite de São João).
Was Santo António (bitte mein post „Santo António de Lisboa“ lesen) für die Lissabonner ist, ist Sankt Johannis (São João) für die Bewohner von Porto, der zweitgrößten Stadt des Landes.

Während Santo António mit einer gewissen „Organisation“ gefeiert wird, feiert man den São João eher „liberal“.
Hier gibt es keine „marchas“ (Volksmärsche), keine Festwagen, kein Festkomitee, keine Tribünen für die hohen Tiere der Stadt und nichts wird arrangiert.
Im Gegenteil!
Alles wird dem Zufall überlassen. Das klingt zwar unheimlich schön und zwanglos, hat aber einen großen Nachteil.
So viel Zwanglosigkeit hat manchmal zur Folge, dass viele über die Stränge schlagen, und es leider prozentual öfters zu Gewalttaten kommt als bei anderen ähnlichen Volksfesten im Land.

Aber abgesehen von diesem minimalen Gewaltrisiko, sind die Feiern des São João, so ziemlich die volksnahesten die es in Portugal gibt: sie werden ausgelassen, frei, natürlich und feuchtfröhlich bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.
Nichts wird geplant - alles ist spontan. Das essen, das trinken, das singen, das tanzen und natürlich das traditionelle Springen über das Johannisfeuer in der Johannisnacht.

Trotz aller bestehenden oder fiktiven Rivalitäten die es zwischen Porto und Lissabon, zwischen Nord- und Südportugiesen gibt, so muss man als Lissabonner eines ohne Neid zugestehen:
Die Menschen im Norden können viel ausgelassener Feiern als wir hier im Süden.

Freitag, 12. Juni 2009

Santo António de Lisboa


Vorgestern feierten wir hier in Portugal den Camões-Tag (siehe auch meinen post vom 09. Juni mit dem Titel „Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas“).
Gestern war Fronleichnam (Corpo de Deus), ein kirchlicher Feiertag, den man auch in Deutschland feiert.
Und morgen, am 13. Juni, stehen der Hauptstadt und vielen anderen Orten der Nation, die Feierlichkeiten zum Antoniusfest bevor.
Heute schon, am Vorabend des großen Festes, steht die Stadt Lissabon Kopf, um ihren Schutzpatron zu feiern.
Wohlgemerkt „ihren“ Schutzpatron, denn wir sprechen hier über Antonius von Lissabon und nicht über Antonius von Padua (obwohl derselbe Heilige gemeint ist!), so wie er von so vielen genannt wird, denn er wurde in Lissabon geboren und nicht in Padua. Da sind die Lissabonner sehr eigen!

In einem kleinen Haus am Rande der Alfama, wurde 1195 Santo António de Lisboa, als Fernando Martins de Bulhões, geboren. Dort wo sein Geburtshaus stand, steht heute die Kirche mit seinem Namen, genau gegenüber der Lissabonner Kathedrale Sé.
Fernando Martins studierte zuerst in Coimbra, bevor er dann als junger Missionar, sich auf den Weg nach Italien machte. Bei Sizilien erlitt er aber Schiffbruch. Kaum gerettet ging er zuerst nach Assisi, wo er den Heiligen Franziskus kennen lernte, und wo er dem Franziskanerorden beitrat. Hier nahm er dann auch seinen neuen Namen, Antonius, an.
Später ging er dann nach Padua. Er soll ein wortgewaltiger Redner und Prediger gewesen sein, dem sogar die Fische zuhörten, so die Überlieferung. Dort, in einem Kloster in der Nähe von Padua, verstarb er dann auch, erst 36jährig. Als er starb war er bereits hoch verehrt, denn die Menschen liebten seine Predigten und sie mochten ihn, weil er ein einfacher, sympathischer Zeitgenosse war.
Sein Wunderboden waren Umbrien, die Romagna, Venetien und natürlich auch Padua. Und dort, in Padua blieben auch seine Reliquien.

Aber sein Geburtsort und die Kirche die an ihn erinnert, steht wie gesagt hier in Lissabon.
In Italien verehrt man den Heiligen Antonius. Hier in Portugal wird er aber nicht nur verehrt, sondern in erster Linie geliebt.
Jedes Jahr um den 13. Juni, dem Todestag von Antonius, steckt ganz Lissabon im Taumel des größten Festes der Stadt. Alles ist mit bunten Papierschlangen, Lampions und Girlanden geschmückt.
Überall in der Stadt trifft man kleine, tönerne Antonius-Figuren, meistens mit dem Jesuskind auf dem Arm, die uns väterlich aus einem Meer von Manjericos, dem wohlriechenden Basilikum, zu grüßen scheinen.

In der Nacht vor dem Fest finden die Marchas Populares (Volksmärsche) statt, bunte Umzüge mit Musik und Tanz. Diese Umzüge basieren auf uralte Traditionen.
Vereinfacht gesagt, wird jeder der 53 Stadtteile von 30 bis 40 Männer und Frauen bei diesen Volksmärschen vertreten, die Kostüme schneidern, Lieder verfassen und Tänze arrangieren, und sich damit bei der Parade entlang der Avenida da Liberdade präsentieren. Die spektakulärste der 53 Darstellungen wird am Antoniustag mit einem Preis ausgezeichnet. Fast jeder Bewohner – ob Mann oder Frau – feuert bei dieser Gelegenheit sein Stadtteil an. Denn das siegen bei den Marchas Populares ist eine Sache von höchstem Prestige.
Am Tag des Heiligen Antonius selbst, finden die Casamentos de Santo António statt, die Hochzeiten des Heiligen Antonius.
Auch sie sind eine uralte Tradition der Stadt. Jedes Jahr richtet die Stadt eine Hochzeitfeier für 20 Hochzeitspaare aus, wobei die Stadt die ganzen Kosten übernimmt, w.z.B. das Hochzeitskleid für die Braut, den Anzug für den Bräutigam, die Eheringe, die Hochzeitszeremonie, das anschließende Hochzeitsessen (für eine begrenzte Anzahl von Gästen natürlich) und die nach der Hochzeit stattfindende Hochzeitsreise.
Diese Hochzeiten waren früher für die Mittellosen der Stadt gedacht, die den Bund der Ehe schließen wollten, es sich aber finanziell nicht leisten konnten. Heute darf sich jeder bewerben, um als Braut oder Bräutigam bei einer Santo António Hochzeit teilzunehmen. Die einzige Bedingung die die Stadtverwaltung stellt ist, dass die Brautleute geborene Lissabonner sein müssen!

Der Heilige Antonius ist der Beschützer der Liebenden, der Ehen, der Kinder und der Familien. Außerdem ist er der Schutzpatron aller Tiere und der Finder aller verlorenen Dinge.
Man mag an Heilige glauben oder nicht und man mag katholisch sein oder nicht.
Aber für den Lissabonner ist Santo António ein bevorzugter und angenehmer Vermittler zu Gott, und – er ist ein Sohn der Stadt.