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Sonntag, 31. August 2014

Political correctness ist in einer Demokratie nicht immer zwingend korrekt!


Wer die Stadt Lissabon als Tourist besucht, den wird der Weg, über kurz oder lang, auch in den geschichtsträchtigen Stadtteil Belém führen, der die Heimat der zweifellos bekanntesten Postkartenmotive der portugiesischen Metropole ist.
Bis vor kurzem war Belém, mit all seinen historischen Denkmälern aus dem „goldenen Zeitalter“ der Seefahrt und seinen wunderschönen, weitläufigen Parks, der Vorzeigestadtteil der portugiesischen Hauptstadt.

Der zentrale Platz in Belém, ist der weitflächige Park der Praça do Império (dt.: Platz des Imperiums oder Reichsplatz), der sich zwischen dem weltberühmten Hieronymuskloster auf der einen Seite und dem monumentalen Denkmal der Entdeckungen (port.: Padrão dos Descobrimentos) am Tejoufer auf der anderen Seite erstreckt.
Errichtet wurde die Praça do Império im Jahre 1940, als sich die Stadt Lissabon damals anschickte die „Ausstellung der Portugiesischen Welt“ (port.: Exposição do Mundo Português), eine von der damaligen Salazar-Diktatur ins Leben gerufene sechsmonatige Kolonialausstellung, die der Welt ein christliches, multikulturelles und kontinentales Portugal präsentieren sollte, auszurichten.

Den Mittelpunkt der Praça do Império bildet wiederum eine riesige Brunnenanlage, die von symmetrischen Wegen, Olivenbäumen und Steinbänken umrahmt wird.
Dieser Brunnen, der heute noch kaum in Betrieb genommen wird, ist gleich doppelt mit Wappen geschmückt: einmal in weißem Stein, direkt am Brunnen, die Wappen der wichtigsten portugiesischen Städte und einmal in grünem Buchsbaum, auf der Rasenfläche um die Brunnenanlage, die Wappen der ehemaligen portugiesischen Überseekolonien und deren Hauptstädte.
Da die Buchsbaumwappen und Blumenarrangements  – wie die ganze Grünanlage überhaupt – seit Monaten keine Gärtnerhand mehr gesehen haben, sieht der Park momentan ziemlich verwahrlost aus.

Jetzt haben sich einpaar Einwohner von Belém im Lissabonner Rathaus über den schlechten Zustand des Parks bei der Stadt beschwert und diese darum gebeten, sie möge doch bitte den Park wieder ansehnlicher machen, schließlich wäre er ja im Fokus eines jeden Besuchers von Belém.
Das Rathaus hat nicht lange auf eine Antwort warten lassen, und dieser Tage die Einwohner Lissabons in einer Pressemitteilung wissen lassen, die Stadtverwaltung werde die Buchsbaumwappen der einstigen portugiesischen Überseegebiete und die der ehemaligen Kolonialstädte nicht mehr arrangieren, bzw. die entsprechenden Wappen nicht mehr bepflanzen, stutzen und zurechtschneiden!
Als Grund nannte die Stadtverwaltung die aktuelle finanzielle Lage der Stadt und außerdem seien die Wappen aus der Kolonialzeit „geschichtlich überholt“ (port.: „históricamente ultrapassados“), so das Rathaus.

Woanders auf der Welt stehen solche Parks und Bauwerke, wie die in Belém, unter Denkmalschutz.
Hierzulande entscheidet eine Stadtverwaltung einfach mal so, was „geschichtlich überholt“ oder was „political correctly“ ist oder nicht.

Diese Wappen, um die es da geht, sind ein Teil der portugiesischen Geschichte, egal wie man zur Kolonialgeschichte Portugals steht!
Zur Geschichte der portugiesischen Nation gehören nicht nur die Seefahrer, Entdecker und Eroberer. Nein, zur Geschichte dieser wunderbaren Nation gehören nun einmal auch die Kolonien in Afrika, Suedamerika und Asien, die ehemalien Kolonialstädte und die fremden Völker, die diese Kontinente, Länder und Städte einstmals bewohnten.
Man muss mit seiner Geschcihte verantwortungsvoll umgehen, sie positiv oder negativ als Beispiel nehmen, sich vielleicht auch einmal für sie schämen, aber man darf niemals, niemals seine Geschichte verleugnen oder sie als „geschichtlich überholt“ betrachten, so wie gewisse Stadtverwaltungen...

Eine Gruppe Lissabonner Bürger hat sich nun dieses Wochenende im Park getroffen, und angefangen die einzelnen Wappen erst einmal von dem wuchenden Unkraut und vom ganzen Müll zu befreien.
Mal sehen was die sozialistische Stadtverwaltung zu so viel „unverschämter“ Eigeninitiative und Engagement ihrer Bürger sagen wird…

Mittwoch, 19. Juni 2013

Betriebsausflug mit dem Bus der Linie 728





In Lissabon gibt es zwei große Tourismusbusunternehmen, die Besuchern Lissabons praktische Rundreisen durch die Stadt anbieten. Es sind dies die gelben Doppeldeckerbusse von „Yellow Buses“ und die roten Doppeldecker von „City Sightseeing Portugal“.
Beide Busunternehmen durchfahren zwar die Hauptstadt von Nord nach Süd, und von Ost nach West, immer an den wichtigsten touristischen Punkten entlang, aber man muss den stolzen Preis von etwa 20 Euro berappen, will man solch eine Rundfahrt mitmachen.

Da Lissabon ein sehr gutes öffentliches Nahverkehrsnetz hat, ausgenommen natürlich an den in letzter Zeit immer häufiger stattfindenden Streiks, ist eigentlich jeder Punkt mit den normalen Bussen, Bahnen, der Metro und den Fähren leicht zu erreichen.
Da eine Fahrt mit den Öffentlichen im Durchschnitt 1,80 Euro kostet, schlage ich meinen Freunden und Bekannten aus Deutschland oftmals vor, wenn sie hier in Lissabon zu Besuch sind, die Stadt mit öffentlichen Verkehrsmittel zu erkunden, schließlich ist dies um einiges billiger als mit den schon erwähnten Touri-Bussen und zweifelsohne genauso sehenswert.

Als nun diese Woche meine Arbeitskollegen Melanie aus Berlin hier in Lissabon zu Besuch war, habe ich sie, in Begleitung anderer Arbeitskollegen aus unserem Büro, auf so eine Reise mit einem Bus der Lissabonner Verkehrsbetriebe Carris, mitgenommen.

Wir sind mit dem Bus der Linie 728, der die Strecke Portela – Restelo bedient, vom Oceanario (dt.: Ozeanarium) bis nach Belém gefahren.
Für einen Lissabonner, der diese Strecke tagtäglich fahren muss, mag diese Busverbindung nichts weiter als eine alltägliche Fahrt zum Arbeitsplatz sein, aber ein Tourist oder ein Besucher der Stadt mag es kaum glauben, wie viele Sehenswürdigkeiten man alleine auf dieser Stecke zu sehen bekommt.

Hier ein kleiner Auszug von einigen Sehenswürdigkeiten, die man sich vom Bus der Linie 728 bequem während der Fahrt anschauen kann:

- Museu da Ciência e Tecnologia (dt.: Wissenschafts- und Technologiemuseum)
- Antiga Fábrica do Gás de Portugal (dt.: ehemalige Gasfabrik)
- Praça 25 de Abril (dt.: Platz des 25. April)
- Poço do Bispo (alter Stadtteil von Lissabon)
- Palácio da Mitra (dt.: Bischöfliches Palais)
- Convento de São Francisco de Xabregas (dt.: Kloster Sankt Franziskus im Stadtteil Xabregas)
- Manutenção Militar (dt.: Militärische Wartungshallen)
- Doca de Xabregas (dt.: Wasserdock von Xabregas)
- Convento da Madre de Deus (dt.: Kloster der Mutter Gottes – Kachelmuseum)
- Fábrica Nacional (dt.: große Nudel- und Teigwarenfabrik Nacional)
- Tipografia Antiga (dt.: Alte Druckerei)
- Estação de Santa Apolonia (dt.: Bahnhof von Santa Apolonia)
- Museu Militar (dt.: Militärmuseum)
- Bairro São Vicente de Fora (dt.: alter Stadtteil von Lissabon)
- Igreja de São Vicente de Fora (dt.: Sankt Vinzenzkirche)
- Panteão Nacional (dt.: Nationaler Pantheon)
- Casa do Conto (dt.: Münzhaus)
- Alfândega (dt.: Zollhaus)
- Alfama (dt.: alter Stadtteil von Lissabon)
- Sé Patriarcal (dt.: Kathedrale)
- Casa dos Bicos (dt.: Haus der Spitzen)
- Ministerio das Finanças (dt. Finanzministerium)
- Praça do Cemercio (dt.: Handelsplatz)
- Praça do Municipio (dt.: Rathausplatz)
- Arsenal da Marinha (dt.: Marinearsenal)
- Cais do Sodré (alter Stadtteil von Lissabon)
- Praça da Ribeira (dt.: die Markthalle von Ribeira)
- Santos (alter Stadtteil von Lissabon)
- Museu de Arte Antiga (dt.: Museum für alte Kunst)
- Alcântara ( alter Stadtteil von Lissabon)
- Hospital Égas Moniz (dt.: Krankenhaus Égas Moniz)
- Antiga Cordoaria Nacional (dt.: alte Nationale Seilfabrik)
- Museu dos Coches (dt.: Kutschenmuseum)
- Praça do Vice-Rei da India Afronso de Albuquerque (dt. Platz des Vizekönigs von Indien Afonso de Albuquerque)
- Palácio de Belém (dt.: Palast von Belém)
- Mosteiro dos Jerónimos (dt.: Hieronymuskloster)
- Praça do Império (dt.: Imperiumplatz)
- Monumento dos Descobrimentos (dt.: Denkmal der Entdeckungen)

In Belém angekommen, bin ich dann mit Melanie, Sandra, Ana Rita, Sabine, Tanja und Miguel in der alten Konditorei „Casa dos Pasteis de Belém“ eingekehrt, in dem die original Pasteis de Belém hergestellt werden.
Die Pasteis de Belém sind kleine Törtchen aus Blätterteig, die mit einer geheimen Creme aus Sahne (port.: natas), Eigelb und Zucker, hergestellt werden, und weit über die Grenzen Portugals hinaus wegen ihres deliziöesn Geschmacks berühmt sind.

Wir haben diesen gemeinsamen „Betriebsausflug“ sehr genossen und uns vorgenommen, bei Gelegenheit wieder solch eine „Rundreise“ zu unternehmen.
Dazu mehr demnächst hier in diesem Blog!

Mittwoch, 31. Oktober 2012

01. November 1755 – O grässliches Schauspiel! Welch Entsetzen!



Als am frühen Morgen des 01. November 1755, dem Allerheiligentag (port.: Dia de todos os Santos), ein verheerendes Erdbeben (port.: terremoto) die Stadt Lissabon in Trümmern legte, war man danach nicht nur in Portugal tief betroffen und schockiert, sondern auch in ganz Europa.
Mehrere zehntausend Menschen, die genaue Zahl ist bis heute unbekannt, starben an diesem Tag durch das große Beben, der darauf folgenden Tsunami, den vielen Nachbeben und den riesigen Flächenbränden.

Viele Naturwissenschaftler, Philosophen, Schriftsteller und Dichter, wie Goethe, Voltaire, Leibniz, Rousseau und Kant, setzten sich damals mit dieser unbeschreiblichen Katastrophe auseinander, die an diesem Tag über Lissabon und Portugal hereingebrochen war.
Aber auch viele Unbekannte brachten damals die Ereignisse dieses Tages zu Papier.

Einer dieser unbekannten Schreiber verfasste im November 1755 ein anonymes Gedicht, das am 06. Dezember 1755 in der Leipziger Zeitung (port.: Jornal de Lípsia) publiziert wurde.
Der damals sehr einflussreiche preußische Schriftsteller und Dramaturg Johann Christoph Gottsched meinte später zu diesem deutschen Text, er stamme wohl von „keiner ungeschickten Feder“.
Einige meinen deshalb heute, dass es wohl Gottsched selber war, der diesen Mehrzeiler einst schrieb.
Wie dem auch sei, dieses Gedicht ist, wie ich meine, ein schriftliches Zeugnis der Geschehnisse dieses denkwürdigen Tages.

Das Gedicht lautet wie folgt:

Das prächtige Lissabon hieß lange schön und groß;
Doch eine halbe Viertelstunde
Verwüstet solches bis zum Grunde
Aus seiner Kluft reißt sich der Gott der Winde los.
Gebäude, welche noch so feste,
Die schönsten Klöster und Palläste
Erschüttert bloß ein Hauch, und schmeißt dieselben um.
Vulcan stimmt da mit ihm zusammen,
Und es verzehren seine Flammen
Was Aeolus geschont. Man sieht es, und wird stumm.
Man siehts, und alle Glieder zittern:
Und wie bey schweren Ungewittern
Der bange Vogel scheu in Feldern sich verkriecht;
So flüchten König und Vasallen,
Da die Palläste stürzend fallen,
Erstaunt aufs freye Feld, den Vögeln gleich verscheucht.
O grässliches Schauspiel! Welch Entsetzen!
Wer denkt hier an ein Ergötzen?
Wer lebt nicht und denkt, daß ihn auch treffen kann,
Was dort in Portugal geschehen?
Ein solches Elend anzusehen
Greift auch die härtesten und kältesten Seelen an.

(Anonym, November 1755)

Nur einige Teile der Altstadt Alfama und der damalige Vorort Belém überstanden das Beben.
Will man wissen, wie die Stadt Lissabon vor dem 01. November 1755 ausgesehen hat, dann muss man sich ins Lissabonner Museu da Cidade (dt.: Stadtmuseum) im Stadtteil Campo Grande begeben.
Dort sind einpaar wunderschöne Drucke aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt, die auf eindrucksvolle Weise die Stadt so zeigen, wie wir sie leider niemals wieder sehen werden.

Freitag, 22. Juli 2011

Die neue Stadtteilaufteilung von Lissabon


Nach einem Beschluss des Stadtrates von dieser Woche, besteht Lissabon ab jetzt, anstatt der 53 Stadtteile (port.: freguesia) die es bis dato hatte, nur noch aus 24 Stadtteilen.
Dies ist eine Reduzierung um mehr als die Hälfte.
Die meisten Stadtteile werden zusammengelegt und erhalten neue Namen.
Das neue Stadtteilaufteilungsgesetzt soll im September im Stadtparlament zur Wahl stehen und soll dann bei der nächsten Kommunalwahl im Jahre 2013 in Kraft treten.

Diese neue Aufteilung wurde unternommen, um die Bürokratie in der Stadt zu minimieren, um Geld zu sparen und um Entscheidungen die im Stadtparlament getroffen werden, besser umsetzen zu können.

Nicht jeder, zumal die die schon seit Generationen in so manch altem Stadtteil leben, war mit dieser neuen Grenzziehung der Stadtteile einverstanden.
Aber die Mehrheit des Stadtrates hat entschieden und das Gesetz wird sicherlich mit großer Mehrheit im September angenommen.

Die 24 neuen Lissabonner Stadtteile sind:

• Belém (hier werden die ehemaligen Stadtteile Francisco Xavier und Santa Maria de Belém zusammengelegt)
• Ajuda (unverändert)
• Alcântara (unverändert)
• Benfica (unverändert))
• São Domingos de Benfica (unverändert)
• Alvalade (hier werden die Stadtteile Campo Grande, São João de Brito und Alvalade zusammengelegt)
• Marvila (unverändert)
• Areeiro (Zusammenschluss der zwei Stadtteile Alto do Pina und São João de Deus)
• Santo António (drei Stadtteile bilden dieses Stadtteil: São Mamede, São José und Coração de Jesus)
• Santa Maria Maior (insgesamt 13 alte Stadtteile legen sich zu diesem neuen Mega-Stadtteil zusammen. Es sind: Mártires, Sé, Socorro, Sacramento, São Nicolau, Madalena, Santa Justa, Santiago, São Cristóvão, São Lourenço, Castelo, São Miguel und Santo Estêvão)
• Estrela (hier tun sich Lapa, Santos-o-velho und Prazeres zusammen)
• Campo de Ourique (Zusammenlegung von Santo Condestável und Santa Isabel)
• Misericórdia (vier Stadtteile tun sich hier zusammen: Mercês, Santa Catarina, Encarnação und São Paulo)
• Arroios (hier werden die Stadtteile Anjos, Pena und São Jorge de Arroios zusammengehen)
• Beato (unverändert)
• São Vicente (Zusammenlegung der ehemaligen Stadtteile São Vicente de Fora, Graça und Santa Engrácia)
• Avenidas Novas (besteht aus den zwei Stadtteilen São Sebastião da Pedreira und Nossa Senhora de Fátima)
• Penha de França (Zusammenlegung der zwei Stadtteile São João und Penha de França)
• Lumiar (unverändert)
• Carnide (unverändert)
• Santa Clara (Charneca e Ameixoeira)
• Olivais (Santa Maria dos Olivais)
• Campolide (unverändert)
• Parque das Nações (neu gegründet)

Dienstag, 17. Mai 2011

Schiffsfahrt auf dem Tejo






Als Auftakt zum Jubilatewochenende hat die Deutsche Evangelische Gemeinde zu Lissabon (DEKL) am vergangenen Samstag, den 14. Mai 2011, einen besonderen Ausflug gemacht.

Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich die Mitglieder der Gemeinde und Ehrengäste aus Deutschland und Spanien um kurz nach 11 Uhr im Bootshafen von Belém (port.: Estção Fluvial de Belém) zu einer Schiffsfahrt auf dem Tejo.

Mit dem Katamaran „Pedro Nunes“, Baujahr 2002, einem modernen Schiff der Lissabonner Transportgesellschaft TransTejo, stachen wir um kurz vor 12 Uhr in See, zu einem Spaziergang auf dem Wasser, den viele, auch wenn sie seit Jahren in Portugal leben, noch nicht kannten.

Vom Tejo aus gesehen sieht Lissabon so schön aus!
Hügel, versteinert und vielerorts hinuntergetreppt, mit intimen Vierteln, die wie kleine Städtchen in der Stadt sind, individuelle Häuser, bröckelnde Stadtpaläste, imponierende Betonklötze, dazwischen kleine, grüne Inseln zum Atemholen und alles vereint mit einem faszinierenden Blick über das Wasser.

In diesem Ambiente bewegten sich unser Schiff und die Festgesellschaft, unter dem Motto „Ein Schiff das sich Gemeinde nennt“, den Tejo langsam hinauf.
So oder so ähnlich müssen sich vor über 250 Jahren die ersten hanseatischen Kaufleute gefühlt haben, als sie damals aus dem fernen Deutschland mit dem Schiff ankamen und aus dem Atlantik kommend, in den Tejo rein gefahren kamen.

Es wurden am Samstag auch ein paar kurze Worte vom Gemeindekirchenrat, den Pfarrern und dem Besuch aus Deutschland an die Gemeinde gerichtet, aber da dies nicht ein Tag der großen Reden, sondern eher ein Tag des gemeinsamen Ausflugs war, wurden wir, alleine schon landschaftlich, dazu angehalten die vielen Aus- und Eindrücke, die uns während der Fahrt begleiteten, zu genießen.

Von Belém aus sahen wir den Turm von Belém (port.: Torre de Belém) und das Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos), sowie das riesige Komplex des Kulturzentrums (port.: Centro Cultutal de Belém) und das große, steinerne Entdeckerdenkmal (port.: Padrão dos Descobrimentos).
Dann fuhren wir, an den Stadtteilen Santo Amaro und Alcântara vorbei, unter der imposanten Tejobrücke des 25. April (port.: Ponte 25 de Abril), hindurch.
Wir fuhren weiter über Santos und die Baixa, am mächtigen Handelsplatz (port.: Praça do Comercio) vorbei, und folgten dem Tejo stromaufwärts, immer mit der Alfama, der alten Stadtburg Sankt Georg (port.: Castelo de São Jorge), der Kirche São Vicente (port.: Igreja de São Vicente) und dem Nationalpantheon (port.: Panteão Nacional) im Blickfeld.
Dann schipperten wir an vielen Containern aus aller Welt vorbei, an Silos und Raffinerien, bis wir endlich am ehemaligen Expogelände vorbeifuhren.
Hier unterquerten wir auch die riesige, moderne Brücke Vasco da Gama (port.: Ponte Vasco da Gama) und machten uns, jetzt nicht mehr geographisch ihm Lissabonner Stadtgebiet befindend, auf die Rückfahrt, diesmal stromabwärts den Tejo hinunter.

Auf dem Rückweg begegneten uns wieder riesige Ozeanliner, einfache Fährschiffe, große Industrieanlagen, der lang gezogene Containerhafen und wir fuhren wieder an Lissabons wunderschöne Hauptplätze vorbei.

Viele meinten es wäre schade, dass man nicht näher an dies allem vorbeifahren konnte.
Aber ich finde die Entfernung schadet der Stadt nicht, im Gegenteil!
Sie macht Lissabon „weicher“, verdeckt das Brüchige und verbirgt ihre Narben.

Nach etwas mehr als zwei Stunden war die Fahrt über den Tejo vorbei, und wir legten an unseren Anfangspunkt, im Stadtteil Belém, an.
Jeder ging nun seiner Wege, aber jeder dankbar für dieses wunderbare Landschaftsgeschenk das sich die Gemeinde zu ihrem 250jährigen Bestehen selber gemacht hat.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Jubilatefestwochenende


Endlich ist er da, das von vielen seit langem ersehnte Festwochenende der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde zu Lissabon.

Am kommenden Wochenende, dem 14. und 15. Mai feiert eine der ältesten Auslandskirchengemeinden Deutschlands hier in Lissabon ihren 250. Geburtstag!

Als Auftakt werden die Gemeinde und die vielen Gäste aus dem In- und Ausland am kommenden Samstag eine Schiffsfahrt auf dem Tejo machen, die vom Stadtteil Belém bis zur Brücke Vasco da Gama (port.: Ponte Vasco da Gama), und zurück, gehen wird.
Diese Schiffsfahrt soll an die hanseatischen Kauf- und Seeleute die im Jahre 1761, kurz nach dem schweren Erdbeben von Lissabon diese Gemeinde auch gegründet haben, erinnern.

Das Festwochenende wird allerdings am kommenden Sonntag um 11 Uhr seinen Höhepunkt finden, wenn Pfarrerin Anke Stalling, Pfarrer Stefan Stalling und Auslandsbischof Martin Schindehütte aus Hannover, gemeinsam einen Festgottesdienst in der alten Deutschen Evangelischen Kirche, an der Praça de Espanha, halten werden.

Leider bin ich im Augenblick gesundheitlich nicht so ganz auf der Höhe, und weiß dementsprechend auch noch nicht, in wie fern ich an diesen Festlichkeiten werde teilhaben können.
Nichtsdestotrotz freue ich mich als Gemeindemitglied sehr auf das kommende Wochenende und wünsche uns allen einen schönen 250. Geburtstag.

Dienstag, 21. September 2010

Wir Portugiesen sind sozial und psychologisch sehr ausgeglichen


Heute Mittag, nachdem ich aus dem Büro kam, begegnete mir im Cais do Sodré ein älteres Touristenpaar aus Österreich, welches mich nach dem Weg nach Belém fragte.
Nachdem ich sie bis an die Straßenbahnhaltestelle gebracht, und ihnen grob die Richtung erklärt hatte, bedankte sich das Paar aus Linz freundlich, und die ältere Dame fügte noch hinzu, sie sei von Lissabon begeistert.
Von allen Städten auf der Spanischen Halbinsel (sie meinte wohl die Iberische Halbinsel), sei Lissabon wohl eine der schönsten.
Noch schöner als Madrid!

Nun, gut erzogen wie ich bin, habe ich mich für das Kompliment bedankt, mich auf den Absatz umgedreht und bin gegangen.

Aber liebe Österreicher, genauso wenig wie ein Kanadier für ein US-Amerikaner gehalten werden will, genauso wenig wie es ein Argentinier toll findet, wenn er mit einem Brasilianer verglichen wird und genauso wenig wie ihr Österreicher gerne als Süddeutsche tituliert werdet, genauso wenig mögen wir Portugiesen es, wenn wir mit den Spaniern in einen und den selben Topf geworfen werden!

Das hat nichts mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun, denn wir Portugiesen sind an sich sozial und psychologisch sehr ausgeglichen, und dementsprechend sehr schwer zu beleidigen.

Doch was den ständigen Vergleich mit Spanien angeht, so sind wir doch etwas empfindlich.
Wir sind zwei verschiedene Völker, haben zwei verschiedene Sprachen, gehören zwei verschiedenen Nationen an und haben zwei verschiedene Kulturen.

Ihr Österreicher müsstet es doch wohl am besten wissen was ich meine…

Mittwoch, 2. Juni 2010

Zum 1. Geburtstag von Planet Portugal


Man nehme ein halbes Pfund der schönsten Strände Europas, ein halbes Pfund weiter Ebenen mit Korkeichen- und Pinienwäldern, und zwei Teelöffel einer Kapitale mit alter Weltstadtatmosphäre.
Das Ganze in einem dreiviertel der besten süßen und roten Weine der Welt langsam quellen lassen und dann reichlich Kulturgewürz hinzugeben.
Je nach Geschmack ein paar Spritzer politisches Bittermandel-Essenz und eine Messerspitze Saudade.
Das Ganze gut durchrühren und auf der von der EU verordneten Sparflamme langsam gar kochen lassen.
Das fertige Gericht garniere man mit locker geschlagenem Optimismus und einer Prise Humor…

Sieht es wirklich so aus, mein Portugal?
Sicherlich, die Zutaten stimmen schon.
Und es gibt noch eine Menge anderer die Appetit machen.
Doch „kochen“ muss sich jeder, so glaube ich, Portugal schon selber.

Als ich vor genau einem Jahr, am 03. Juni 2009, anfing „Planet Portugal“ zu schreiben, wollte ich jedem der Interesse an meinem Heimatland hat, „Rezepte anbieten“, wollte jedem zeigen, was es hier im Land der Entdecker zu entdecken gibt.

Alleine die geschichtlichen und kulturellen Angebote meines Heimatlandes sind so umfangreich, dass auch der längste Urlaub nicht ausreicht, alles zu sehen und zu hören.
Die Gastronomie bietet Vielfältiges für jeden Gaumen und jeden Geldbeutel: von der einfachen „Bifana“ im Stehcafé an der Ecke, über den „Pastel de Nata“ in Belém bis zum Diner im Salon des Ritz-Hotels in Lissabon.
Das Nachtleben, die Feste und regionalen Feierlichkeiten sind auch nicht ohne und die vielen Strände und die historischen Städte alle Mal einen Ausflug wert.

Mir wurde einmal gesagt ich würde sehr kreativ und informativ über Portugal und seine Geschichte, seinen Alltag, seine Bürger, seine Politik und seine Gefühle in diesem Blog schreiben.

Aber diese Kreativität war mir nur möglich, weil ich den Lesern von „Planet Portugal“ immer mit „offenen Augen“ begegnete.
Ihre und Eure Anregungen und vor allem der vorgebrachte Lob, aber auch die Kritik, haben mich immer bestärkt weiter zu schreiben.
Deshalb möchte ich Sie und Euch einladen, mir auch in Zukunft Anregungen, Ideen und Empfehlungen zukommen zu lassen.

Hier in Portugal ist manches anders als anderswo – im Positiven wie im Negativen.
Es zu entdecken lohnt sich alle mal.
Ich hoffe „Planet Portugal“ ist meinen Lesern eine Hilfe dabei.

Danke für Ihre und Eure wunderbare Unterstützung in den letzten zwölf Monaten

Ângelo Paulo

Montag, 26. April 2010

Boa Hora


Gerstern, auf dem Weg vom Chiado zum Cais do Sodré, führte mich der Weg über die Rua Nova do Almada, am Alten Gericht „Boa Hora“ (port.: Tribunal da Boa Hora) vorbei.

Dieses alte Gebäude, ein ehemaliges Kloster irischer Dominikaner, wurde 1677 erbaut und vor 166 Jahren zum Gerichtsgebäude umgebaut.
In ihm fanden historische Prozesse statt, wie zur Zeit der Diktatur, die Prozesse gegen die oppositionellen Politiker Mário Soares und Álvaro Cunhal, die ins Exil gehen mussten, und in neuerer Zeit etwa die Korruptionsprozesse gegen Pedro Caldeira und den Ex-Benficapräsidenten Vale e Azevedo.

Heute ist das Gerichtsgebäude geschlossen, da die Stadtverwaltung Mitte letzten Jahres verschiedene Gerichte zusammengelegt hat, und in den Osten der Stadt verlegt hat.
Aus dem nun verlassenen Haus hätte ein Luxushotel werden sollen.
Aber durch eine Unterschriftsaktion und dem vehementen „Nein“ einer Bürgerinitiative wurde die Idee fallen gelassen, aus dem alten Gericht eine Luxusherberge für Touristen zu machen.

Ich habe mich oft gefragt, zumal jetzt, da das Gebäude leer steht und dazu verurteilt ist, zu vergammeln, warum die Einwohner des Cais do Sordé, und da vor allem die Geschäftsleute, so stark gegen ein Luxushotel in ihrem Stadtviertel waren, zumal sie ja die größten Nutznießer eines solchen gewesen wären, so dachte ich.

Aber wahrscheinlich wollen die Einwohner des Cais do Sodré einfach nicht, dass ihr Stadtviertel einmal als Synonym für Tourismus steht, so wie heute die Alfama oder Belém.
Oder sie wollen nicht, wie die Einwohner der neuen Stadtteile im Osten, das ihre Bürgersteige schon um 20 Uhr hochgeklappt werden, weil sie nur tagsüber die Menschen anziehen.
Und bestimmt wollen sie nicht, wie die Einwohner des Bairro Alto, jede Nacht ins Bett gehen mit dem Wunsch es würde schon bald wieder Morgen sein, weil sie genau wissen, ihr Stadtteil wird über Nacht von marodierenden und alkoholisierten Jugendlichen „überfallen“ werden.

Das Geheimnis des Cais do Sodré ist die gesunde Mischung der „Klassen“.
Hier lebt die gutbürgerliche Mittelklasse neben dem einfachen Arbeiter, die wohlhabenden Ärzte neben den Prostituierten, und die fleißigen Handwerker neben dem Metzger, dem Bäcker und dem Tante-Emma-Ladenbesitzer.
Und alle kommen sie miteinander gut aus in ihrem Stadtteil.
Ein Luxushotel würde eventuell diese Infrastruktur nur zerstören.

Aber vielleicht findet sich ja ein anderer Verwendungszweck für das alte Gericht Boa Hora.
Vielleicht wird aus dem Tribunal ja ein Theater, ein Kino oder eine Bibliothek.
So viel ich weiß, hat Kultur noch Niemanden geschadet!

Donnerstag, 14. Januar 2010

Jardim Botânico Tropical: Die Kunst






Mitten im „Tropischen Botanischen Garten“ (port.: „Jardim Botânico Tropical“) im Lissabonner Stadtteil Belém, zwischen all den Zypressen, den Mammutbäumen, Palmen und anderen exotischen Bäumen und Blumen befinden sich mehrere Statuen, portugiesischer Künstler, zumeist aus der Kolonialzeit.

Vor allem die „Negerbüsten“ (port.: „Bustos dos negros“), die schwarze Ureinwohner der ehemaligen portugiesischen Kolonien darstellen, fallen einem ins Auge.
Sie sind sehr originalgetreu und stammen alle aus den 30iger und 40iger Jahren des letzten Jahrhunderts, als der Diktator António de Oliveira Salazar sie extra für den Jardim Botânico Tropical hat anfertigen lassen.

Diese Büsten sind die einzigen Kolonialkunstwerke, außer natürlich die, die in Museen ausgestellt werden, die heute noch öffentlich in Lissabon zu besichtigen sind!
Schon alleine ihretwegen lohnt sich ein Besuch im Tropischen Botanischen Garten zu Belém.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Jardim Botânico Tropical: Der Park






Letzte Woche besuchte ich den „Tropischen Botanischen Garten“ (port.: „Jardim Botânico Tropical“) im Stadtteil Belém, nicht zu verwechseln mit dem „Botanischen Garten“ (port.: „Jardim Tropical“) im Stadtteil Rato.

Der Tropische Botanische Garten, der, wie der Name schon sagt, hauptsächlich tropische und exotische Bäume, Blumen und Pflanzen aus den ehemaligen Kolonien Portugals und der ganzen Welt beherbergt, erstreckt sich über ein etwa 8 Hektar großes Areal, und beherbergt, unter anderem, ein altes Gewächshaus, ein Kakteenhaus, wunderschöne Statuen aus der Kolonialzeit und den alten Palast der Grafen von Calheta (port.: Palacio dos Condes de Calheta), dessen Außenwände mit wunderschönen Azulejos (dt.: Kacheln) ausgeschmückt ist.

Im „Palacio dos Condes de Calheta“ ist das „Tropisch-Landwirtschaftliche Museum“ (port.: Jardim Museu Agrícola Tropical (JMAT) untergebracht. Er wurde am 25. Januar 1906 in Anwesenheit seiner Majestät, König Carlos I, eingeweiht.

Seit seiner Gründung, soll es Aufgabe des Tropisch-Botanischen Gartens sein, die Pflanzen- und Tierwelt der Tropen, seinen Gästen nahe bringen.
Hier sollen die Besucher die landwirtschaftliche Nutzung der verschiedensten Bäume und Pflanzen aus den tropischen und subtropischen Gebieten der ehemaligen Kolonien Portugals kennen lernen.

Insgesamt wachsen in diesem Park über 430 verschiedene Bäume, Blumen und Pflanzen, wie

- riesige Zedern (dt.: Zeder / port.: cedro / lat.: Cedrus) aus dem heutigen Libanon
- mächtige Zypressen (dt.: Zypresse / port.: cipreste / lat.: Cupressus) aus Mexiko
- Gummibäume (dt.: Gummibaum / port.: árvore da borracha / lat.: Ficus elastica) aus Indien
- Drachenbäume (dt.: Drachenbaum / port.: dragoeiro / lat.: Dracaena draco) aus China
- uralte Ginkobäume (dt.: Ginkobaum / port.: gincgo / lat.: Ginkgo biloba) aus Japan
- Pfefferbäume (dt.: Pfefferbaum / port.: pimenteiro / lat.: Piper nigrum) aus Timor und
- Jakarandabäume (dt.: Palisanderbaum / port.: jacarandá / lat.: Jacaranda mimosifolia) aus Brasilien.

Außerdem leben hier, in freier Wildbahn, zusätzlich zu den vielen einheimischen Vögeln, 8 verschiedene exotische Vogelarten, die alle einmal aus Käfigen entflogen sind, und nun hier eine zweite Heimat gefunden haben, wie Papageien, Pfaue und die in Europa größte in Freiheit lebende Gruppe von Nymphensittichen.

Ich habe den Botanischen Garten jetzt im Winter besucht, und war begeistert, von der Vielfalt der Vegetation.
Aber man sagte mir, dass ein Besuch im Frühling oder Sommer besonders reizvoll sein soll.
Ich werde also wieder kommen, in ein paar Monaten!

Mittwoch, 23. September 2009

Gründungsort: Parkbank


Portugals Hauptstadt hat mit den Fußballmannschaften von Benfica Lissabon (port.: Sport Lisboa e Benfica) und Sporting Lissabon (port.: Sporting Clube de Portugal) zwei Fußballclubs, die im nationalen und im internationalen Weltfußball immer wieder eine große Rolle spielen.

Zu diesen zwei Mannschaften, die sich sportlich nichts schenken, und immer eine gesunde Rivalität pflegen, gesellt sich eine dritte Stadtmannschaft, nämlich der im Stadtteil Restelo-Belém beheimatete Fußballclub Belenenses (port.: Clube de Futebol Os Belenenses).

Obwohl die Belenenses den Adlern aus Benfica und den Löwen aus Alvalade heute leider sportlich nicht mehr das Wasser reichen können, so waren sie einmal doch eine sehr erfolgreiche Mannschaft. Sie gewannen mehrmals die portugiesische Meisterschaft und waren auch mehrere Male UEFA-Teilnehmer.

Doch was den Fußballclub Belenenses so besonders macht, und ihn von allen anderen portugiesischen und auch vielen europäischen Mannschaften unterscheidet, ist die Art seiner Gründung.

Während andere Mannschaften in einem Clubhaus, auf einem Fußballplatz oder in einem Anwaltsbüro gegründet wurden, hat der Fußballclub Belenenses, so außergewöhnlich das auch klingen mag, auf einer Parkbank im Stadtteil Belém das Licht der Welt erblickt.

Heute vor genau 90 Jahren, am 23. September 1919 trafen sich acht junge Männer, alle Hobbyfußballer aus gutem Hause (denn nur wer Geld hat, kann auch einen Fußballverein gründen – das gilt für heute genauso wie für damals!), im Park der Praça Afonso de Albuquerque, genau gegenüber dem Präsidentenpalast, und beschlossen nach einem Spiel auf dem Rasen des Parks, spontan die Gründung eines neuen Vereins.

Feierlich setzten Artur José Pereira, der Initiator des Ganzen, sein Bruder Francisco Pereira und Henrique Costa, Carlos Sobral, Joaquim Dias, Júlio Teixeira Gomes, Manuel Veloso sowie Romualdo Bogalho auf einer Parkbank ihre Unterschriften unter ein einfaches Blatt Papier, auf dem sie sich verpflichteten einen neuen Fußballverein zu gründen, „um sich einen Traum zu erfüllen“, so steht es schwarz auf weiß auf dem Gründungspapier.

Besagte Parkbank steht heute noch in dem Park, und zeugt mit der Gravur „Aqui nasceu o CF Os Belenenses 23-9-1919“ (dt.: Hier wurde der FC Belenenses am 23-9-1919 geboren) von der wohl originellsten Gründung eines Vereins in der portugiesischen Fußballgeschichte.

Anhänger eines Fußballvereins zu sein, hat hier in Portugal noch sehr viel mit Familientradition zu tun, d.h. wenn z.B. der Großvater Benfica-Fan war, der Vater Benfica-Fan ist und eventuell vorhandene Brüder auch Benfica-Fans sind, dann ist man automatisch von Geburt an Benfica-Fan.
Die Möglichkeit Anhänger eines anderen Vereins zu werden sind von vornherein gar nicht gegeben, außer man möchte von seinen Brüdern verprügelt werden…

Wäre ich also von Haus aus nicht Benfica-Fan, dann kann ich mir sehr gut vorstellen Belenenses-Fan geworden zu sein.
Denn seit meinen Kindestagen hat mich die Art und Weise der Gründung dieses Vereins fasziniert.

Samstag, 12. September 2009

GoCar´s


Haben sie jemals ein Auto gesteuert das ruckelt und quietscht, ihnen Witze erzählt und ihnen auch noch genau und ausführlich erklärt wo sie gerade entlangfahren?

Nein?!?
Dann müssen sie hier nach Lissabon kommen, denn hier können sie diese Autos mal fahren.
Seit neustem gibt es hier in der Hauptstadt nämlich die so genannten GoCar´s.

GoCar´s sind kleine, gelbe Cabriolets, die seit kurzem hier durch Lissabon tuckern.
Diese kleinen Zweisitzer sind alle mit GPS (Global Positioning System) ausgerüstet, und können dem Fahrgast akustisch genau sagen wo er gerade durchfährt und ihm zusätzlich auch geschichtliche, architektonische und kulturelle Infos über die einzelnen Sehenswürdigkeiten geben.

Dieses System, eines fahrenden und sprechenden Reiseführers, ist bis dato einmalig in Europa.
Die ersten GoCar´s kamen 2004 in der kalifornischen Stadt San Francisco zum Einsatz.
Dann wurde das System auch in den amerikanischen Städten San Diego und Miami eingeführt, bis es dann dieses Jahr auch hier in Lissabon in Betrieb genommen wurde.

Lissabon mit einem gelben GoCar zu erleben, ist wohl die originellste, lustigste und unvergesslichste Art und Weise die portugiesische Hauptstadt zu erkunden.
Belém, Alfama, Estrela und die Baixa kann man nun ganz neu entdecken.

Deshalb, sollten sie in nächster Zeit hier nach Lissabon kommen, dann durchfahren sie die Stadt einmal mit einem GoCar.
Probieren sie so eine Fahrt aus, solange die GoCar´s noch in keinem Reiseführer stehen und sie ein Geheimtipp sind.

Ich bin mir sicher, sie werden ihre wahre Freude daran finden!

Freitag, 10. Juli 2009

Eine Stadt im nostalgischem Schwarz und Weiß






Immer wenn ich alte Aufnahmen von Lissabon sehe, oder von Portugal überhaupt, dann komme ich leicht ins Schwärmen, und gerate leicht in Nostalgie.

Wie gerne hätte ich in dieser Zeit gelebt, als die Fotos noch schwarz-weiß waren und die Bilder zu laufen anfingen. Damals, als die Hauptstadt noch ein ganz anderes Gesicht hatte, begann für die meisten Menschen der Tag um 6 Uhr morgens mit einem Gang in die nächste Kirche. Früher war man noch streng katholisch und da gehörte der Gang in die Messe einfach dazu. Nach dem Kirchgang ging jeder seinem Beruf nach und am Hafen spielte sich das Leben einer Kolonialhauptstadt ab. Die feinen Damen der Gesellschaft gönnten sich einen ausgedehnten Schaufensterbummel durch den Chiado und die Baixa, und die Bauern aus dem Lissabonner Umland brachten ihr Gemüse und ihr Obst in die Märkte der Stadt, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Schaut man sich diese vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen an, dann wird einem schnell deutlich, wie schön die Stadt einmal war, so ganz ohne den täglichen Verkehrschaos von heute und ohne die konstante Verschmutzung.

Die hübschen Häuser am Chiado und in Benfica, die Baixa mit ihren unzähligen Geschäften und den vielen bunten Fensterläden, die vielen historischen Gebäude in der Alfama und der Mouraria und die grünen Oasen in der Estrela und im Monsanto – das alles begeistert einen sofort, wenn man sich nur die alten Aufnahmen anschaut.

Im Teich des Campo Grande schwammen einst Kois, als im restlichen Europa noch keiner wusste was das für Fische waren. Die Avenida nach Belém war mit hunderten von Palmen bewachsen. Vor hundert Jahren noch, war Lissabon eine Stadt wie aus dem Bilderbuch. Ohne Autos, nur mit alten Straßenbahnen und Pferdekutschen. Mit Seeleuten aus aller Welt und Menschen aus allen Kolonien Portugals.

Wer heute vom Wasser her nach Lissabon reinkommt, oder das Glück hat mit dem Flugzeug in Lissabon anzukommen, der wird meinen Lissabon hebt sich wie eine Traumvision gegen den strahlenden blauen Himmel ab.

Und natürlich hat Lissabon auch heute noch ihre schönen Seiten, ohne Zweifel.

Aber sie wird niemals den Charme erreichen, den sie hatte, als sie für immer auf Schwarz-Weiß-Fotos verewigt wurde.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Straßenlaternen wie anno dazumal






Wer jemals in Lissabon zu besuch war, wird von dem gleißendem Sonnenlicht, der die Stadt durchflutet angenehm überrascht sein.
Der Regisseur und Filmemacher Wim Wenders, der mehrmals in Lissabon drehte, soll vom natürlichen Licht regelrecht angetan gewesen sein.

Und abends, wenn dann die Sonne untergeht, übernehmen der Mond und die vielen Straßenlaternen die Aufgabe, die Stadt zu erhellen. Und wenn einmal Neumond ist, dann strahlen die Straßenlaternen genug licht aus, um Lissabon in ein romantisches Licht zu tauchen.

Aber es war nicht immer so!
In Mittelalter wurde Lissabon, wie viele andere Städte in dieser Zeit, des Nachts zuerst mit Fackeln und später mit Lampionlampen mit Kerzenlicht erleuchtet.
Anfang des 19. Jahrhunderts lösten dann Lampen, gefüllt mit Olivenöl und einem Docht, die Lampionlampen mit Kerzen ab. Lissabon war weltweit die erste Stadt in der diese Lampen benutzt wurden.
Da sie um ein vielfaches heller leuchteten als die Kerzenlampen, führten bald auch andere Metropolen, wie London, Paris, Madrid und Wien, die Olivenöllampen ein.
Ein positiver Nebeneffekt für die portugiesische Wirtschaft war es damals, das Portugal als größter Olivenölproduzent, gute Geschäfte mit dem Verkauf von Olivenöl an das Ausland machen konnte.

1855 wurden dann, im Lissabonner Stadtteil Belém die ersten Gaslampen aufgestellt. Bis 1858 waren sie über die ganze Hauptstadt verteilt. Die Gaslampen, aus London eingeführt, ersetzten die Öllampen weil sie den Vorteil hatten, noch heller zu leuchten als diese.
1903, mit der Einführung der Elektrizität, wurden dann mit den Jahren die Gaslampen abgelöst.

Aber ob nun mit Öl betrieben, mit Gas oder, wie heute, mit Elektrizität, die Lampen blieben eigentlich immer die Selben. Nur die Speisung der Lichtquelle war immer eine andere.
Die gusseisernen, schwarzen Straßenlampen die heute das Lissabonner Straßenbild, vor allem nachts, prägen, sind fast alle die Selben, wie vor 200 Jahren.
Der Unterschied ist nur der, das die ganz alten Straßenlampen daran erkennbar sind, dass sie noch mit dem Lissabonner Wappen, das Sankt Vinzenzschiff mit den zwei Raben, verziert sind.
Die neueren Modelle, immerhin auch schon über 100 Jahre alt, haben kein Wappen, sondern bestehen nur aus bearbeitetem Gusseisen.

Die alten Straßenlampen findet man heute nur noch in den alten Stadtvierteln, wie in der Alfama, in der Baixa, im Bairro Alto oder in Belém.
In den moderneren Stadtteilen, wie Alvalade, Lumiar und Socorro trifft man nur die modernen, silberfarbenen Straßenbeleuchtungen aus Neon, an.
So wie sie in jeder anderen modernen Stadt der Welt auch anzutreffen sind.