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Mittwoch, 2. Juni 2010

Zum 1. Geburtstag von Planet Portugal


Man nehme ein halbes Pfund der schönsten Strände Europas, ein halbes Pfund weiter Ebenen mit Korkeichen- und Pinienwäldern, und zwei Teelöffel einer Kapitale mit alter Weltstadtatmosphäre.
Das Ganze in einem dreiviertel der besten süßen und roten Weine der Welt langsam quellen lassen und dann reichlich Kulturgewürz hinzugeben.
Je nach Geschmack ein paar Spritzer politisches Bittermandel-Essenz und eine Messerspitze Saudade.
Das Ganze gut durchrühren und auf der von der EU verordneten Sparflamme langsam gar kochen lassen.
Das fertige Gericht garniere man mit locker geschlagenem Optimismus und einer Prise Humor…

Sieht es wirklich so aus, mein Portugal?
Sicherlich, die Zutaten stimmen schon.
Und es gibt noch eine Menge anderer die Appetit machen.
Doch „kochen“ muss sich jeder, so glaube ich, Portugal schon selber.

Als ich vor genau einem Jahr, am 03. Juni 2009, anfing „Planet Portugal“ zu schreiben, wollte ich jedem der Interesse an meinem Heimatland hat, „Rezepte anbieten“, wollte jedem zeigen, was es hier im Land der Entdecker zu entdecken gibt.

Alleine die geschichtlichen und kulturellen Angebote meines Heimatlandes sind so umfangreich, dass auch der längste Urlaub nicht ausreicht, alles zu sehen und zu hören.
Die Gastronomie bietet Vielfältiges für jeden Gaumen und jeden Geldbeutel: von der einfachen „Bifana“ im Stehcafé an der Ecke, über den „Pastel de Nata“ in Belém bis zum Diner im Salon des Ritz-Hotels in Lissabon.
Das Nachtleben, die Feste und regionalen Feierlichkeiten sind auch nicht ohne und die vielen Strände und die historischen Städte alle Mal einen Ausflug wert.

Mir wurde einmal gesagt ich würde sehr kreativ und informativ über Portugal und seine Geschichte, seinen Alltag, seine Bürger, seine Politik und seine Gefühle in diesem Blog schreiben.

Aber diese Kreativität war mir nur möglich, weil ich den Lesern von „Planet Portugal“ immer mit „offenen Augen“ begegnete.
Ihre und Eure Anregungen und vor allem der vorgebrachte Lob, aber auch die Kritik, haben mich immer bestärkt weiter zu schreiben.
Deshalb möchte ich Sie und Euch einladen, mir auch in Zukunft Anregungen, Ideen und Empfehlungen zukommen zu lassen.

Hier in Portugal ist manches anders als anderswo – im Positiven wie im Negativen.
Es zu entdecken lohnt sich alle mal.
Ich hoffe „Planet Portugal“ ist meinen Lesern eine Hilfe dabei.

Danke für Ihre und Eure wunderbare Unterstützung in den letzten zwölf Monaten

Ângelo Paulo

Mittwoch, 6. Januar 2010

Nichts ist unmöglich: Kork


Anfang dieser Woche besuchte ich mit meiner Schwester und meinen Schwager in Lissabon den Laden eines Korkfabrikanten aus São Brás de Alportel.

Portugal ist der größte Korkproduzent auf Erden, und die Region um São Brás de Alportel, an der Algarve, rühmt sich, Herkunftsgebiet des „besten Korks der Welt zu sein“.
Die Stadt São Brás de Alportel liegt etwa 20 km nördlich der Provinzhauptstadt Faro und hat etwa 14.000 Einwohner, die alle, mehr oder weniger, von der Korkindustrie leben.
Schon immer war hier ein wichtiges Zentrum der portugiesischen Korkindustrie, denn in den angrenzenden Bergen der Serra do Caldeirão wird, wie gesagt, der qualitativ „beste Kork der Welt“ gewonnen.

Kork wird aus der Korkeiche (port.: sobreiro / lat.: Quercus suber) gewonnen.
Dieser immergrüne Laubbaum, mit ledrigen Blättern, kommt im ganzen westlichen Mittelmeerraum und Portugal, meistens in großen Korkeichenwäldern (port.: montados) vor und kann bis zu 400 Jahre alt werden.
Die Frucht der Korkeiche nennt man Eichel (port.: bolota).

Ihren Namen verdankt die Korkeiche den großen Korkschichten des Stammes, aus denen der Kork gewonnen wird.
Ein einzelner Baum kann während seines ganzen Lebens bis zu 250 kg Kork liefern.
Kork ist eigentlich nichts weiter als mit Luft gefüllte abgestorbene Rinde.
Kork ist sehr wärme- und schalldämmend und extrem wasserdicht.
Daher wird Kork nicht nur zur Herstellung von Flaschenkorken, sondern auch zur Herstellung von Wärme- und Schallisolierungen und Boden- und Wandverkleidungen verwendet.

Aber es werden auch Taschen, Geldbörsen, Lesezeichen, Krawatten, Mützen, Gürtel, Schreibmaterial, Schuhe, Stiefeln, Kissen und sogar Regenschirme und Schmuck hergestellt.
Eigentlich gibt es kaum etwas was sich nicht aus Kork produzieren lässt.
Selbst eine Briefmarken aus Kork, die die Portugiesische Post (port.: Correios de Portugal) in Umlauf gebracht, gibt es.

Kork, eigentlich ein uraltes Produkt, wird erst jetzt langsam wieder wertgeschätzt, nachdem, über Jahrzehnte hinweg, dieser Stoff nur zur Flaschenkorkenherstellung verwendet wurde.
Aber jetzt, da hier in Portugal, und auch im Ausland, die Liebe zum Kork wiederentdeckt wurde, steht diesem Produkt, so bin ich mir sicher, eine glänzende Zukunft bevor.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Ein Baum von nationalem Interesse


Um ihn zu umarmen braucht man sechs erwachsene Männer mit weit ausgebreiteten Armen.

Die Rede ist vom ältesten Olivenbaum (port.: oliveira / lat.: olea europea) Portugals.
Der in Pedras D´El Rei, an der Algarve, stehende Baum ist über 2000 Jahre alt und zählt seit heute zu den 409 „Bäumen von Nationalem Interesse“ die es in Portugal gibt.
Die Vergabe dieses Titels obliegt der Nationalen Forstverwaltung Portugals (port.: Autoridade Florestal Nacional / AFN) und wird ausschließlich an Bäume auf dem portugiesischen Festland vergeben.
Ausgenommen sind daher Bäume auf den Inseln Madeira und den Azoren, sowie Bäume in den Botanischen Gärten von Pena, Monserrate und Buçaco.

Der Titel „Baum von Nationalem Interesse“ wird an Bäume vergeben, die entweder ein außergewöhnliches Alter vorweisen können, die durch ihre Dimensionen oder ausgefallene Wuchsart bestechen oder die vom Aussterben bedroht sind.

409 Bäume werden auf der Liste der AFN aufgeführt, darunter nicht nur der heute ausgezeichnete 2000 Jahre alte Olivenbaum, sondern unter anderem auch eine 600 Jahre alte Korkeiche (port.: sobreiro / lat.: quercus suber) bei Palmela, die als die Ergiebigste der Welt zählt. Vom Kork dieser Korkeiche kann man über 100.000 Korken herstellen, was die 25-Fache Menge einer normalen Korkeiche ist.

In Santarém steht die größte Steineiche (port.: sobreiro) Europas und bei Braga, in Nordportugal steht mit 500 Jahren die älteste Eiche (port.: carvalho) der Iberischen Halbinsel.
In einem Wald bei Coimbra steht mit 75 m Europas höchster Eukalyptusbaum (port.: eucalipto / lat.: eucalyptus globulus), der sich nach einem verheerenden Waldbrand vor vier Jahren wieder langsam erholt.

Aber wie jede Liste, so hat auch diese der Nationalen Forstverwaltung, ihre „Problemkinder“.
Insgesamt 14 der 409 qualifizierten Bäume stehen auf der Roten Liste, darunter auch leider eine 517 Jahre alte Kastanie im Forst von Guarda, die letztes Jahr von einem Blitz getroffen wurde, und die nun zu sterben droht.
Aber dank der Liste der AFN, wird alles dafür getan, diesen Baum und die anderen zu retten!