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Freitag, 30. September 2011

Gil Vicente - der Vater des portugiesischen Theaters


Deutschland mag das Land der Dichter und Denker sein, aber auch für uns Portugiesen waren Wörter immer eine Leidenschaft.
Seitdem die mittelalterlichen Barden Verse verfassten, hat sich die Liebe zur Sprache, die schiere Freude am Klang von Wörtern – und natürlich an Geschichten – tief in die portugiesische Seele eingegraben.

Wo und wann Gil Vicente, der „Meister des geschriebenen Wortes“ und „Vater des portugiesischen Theaters“, der eigentlich von Haus aus Goldschmied war, geboren wurde, das weiß man heute nicht mehr so genau.
Man vermutet aber, dass er um das Jahr 1465 geboren wurde.
Sowohl die Städte Barcelos als auch Guimarães, beide in Nordportugal gelegen, als auch Lissabon kommen als mögliche Geburtsorte des Poeten, Dramaturgen und Stückeschreibers in die engere Auswahl.
Aber vielleicht ist er auch ganz woanders geboren…

Man weiß, dass er noch recht jung eine gewisse Branca Bezerra ehelichte die ihm zwei Söhne, mit Namen Gaspar und Belchior, schenkte.
Später, nachdem seine erste Frau verstorben war, war er in zweiter Ehe mit Melicia Rodrigues verheiratet, die ihm drei Kinder gebar: Paula, Luis und Valeria.

Um 1500 kam er, wie so viele seiner Zeitgenossen, an den Hof König Manuels I, um dort sein Glück zu machen.
Zunächst arbeitet er für die Königinwitwe Leonor in seinem erlernten Beruf als Goldschmied.
Doch dabei blieb es nicht.

Den 400 Höflingen – 30 Jahre zuvor, unter König João II, waren es lediglich 200 gewesen – fehlte es an Unterhaltung am Hof.
So kam es, dass Gil Vicente im Jahre 1502, vor königlicher Kulisse, sein erstes dramatisches Versdrama aufführte – ein so genanntes „Auto“, ein Versdrama mit gesungenen und getanzten Einlagen.

Dieses erste Auto von Gil Vicente hieß „Monólogo do Vaqueiro“ (dt.: „Monolog des Kuhhirten“) und wurde am Abend des 08. Juni in den königlichen Privatgemächern der Burg Castelo de São Jorge, aus Anlass der Geburt des Thronfolgers João, der zwei Tage zuvor auf die Welt gekommen war, uraufgeführt.
Den „Monólogo do Vaqueiro“ schrieb Gil Vicente damals in spanischer Sprache, um der Mutter des Thronerben, Königin Maria, die von Geburt Spanierin war, zu huldigen.
Der 08. Juni 1502 gilt seitdem als die Geburtsstunde des portugiesischen Theaters.
Gil Vicente rezitierte damals sein Werk lediglich vor König Manuel I, seiner Ehefrau Königin Maria, die noch im Kindbett lag, der Königin Leonor, der Witwe Königs João II, der Königinmutter, Infantin Beatriz und sechs Hofdamen.

Es gefiel, und von nun an bekam Gil Vicente den Auftrag zu allen Festen und offiziellen Anlässen des Hofes Spiele, Komödien, Tragikkomödien und Farcen zu verfassen.
Insgesamt schrieb er 46 Bühnenstücke, die durchweg alle voll scharfem Humor und sozialer Satire sind.

Zum Weihnachtsfest 1502 bat ihn die Königinwitwe Leonor sein „Monólogo do Vaqueiro“ noch einmal aufzuführen.
Doch Gil Vicente fand das dieses Werk für den Anlass nicht angemessen war, und so schrieb für die Weihnachtszeit sein Werk „Auto Pastoril Castelhano“ (dt.: „Das Kastilische Hirtengedicht“), ebenfalls auf spanisch.
Dieses Auto schrieb er nicht nur, sondern er spielte in ihm sogar zum ersten Mal mit.

Gil Vicente lebte in einer Zeit des Wandels.
Ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen, sagte und schrieb er, was er dachte, in einer offenen, oft derben Sprache – der Sprache des Volkes eben.

Noch nicht einmal 30 Jahre später sollte der große Dichter Luís Vaz de Camões, unter dem Einfluss des Humanismus, schon in einer neuen und kultivierten Sprache, die nur noch die gebildete Elite verstand, schreiben.

Hinter dem burlesken Komödianten Gil Vicente verbarg sich jedoch ein kritischer Beobachter, der die sozialen Umwälzungen seiner Zeit genau registrierte und das Verhalten der Beteiligten treffend darstellte: den verarmten Landarbeiter und Kleinbauern, der für den Sohn den sicheren Futtertrog beim Klerus, für die Tochter den Aufstieg am Hofe suchte, der sich nur zu oft als Abstieg in die Prostitution erwies;
er zeigte den um politischen Einfluss bemühten Klerus und reiche, adelige Nichtstuer und er karikierte die Aufblähungen des Hofes;
stellte Schmarotzer und Emporkömmlinge neben Handwerker und Händler.

Insgesamt verfasste er 46 Werke.
Von diesen 46 Werken schrieb er 16 auf Portugiesisch, 11 auf Spanisch und 19 in einer portugiesisch-spanischen Mischsprache.
Seine bis heute bekannten Werke heißen:

• Monólogo do Vaqueiro oder Auto da Visitação (1502)
• Auto Pastoril Castelhano (1502)
• Auto dos Reis Magos (1503)
• Auto de São Martinho (1504)
• Quem tem Farelos? (1505)
• Auto da Alma (1508)
• Auto da Índia (1509)
• Auto da Fé (1510)
• O Velho da Horta (1512)
• Exortação da Guerra (1513)
• Comédia do Viúvo (1514)
• Auto da Fama (1516)
• Auto da Barca do Inferno (1517)
• Auto da Barca do Purgatório(1518)
• Auto da Barca da Glória (1519)
• Cortes de Júpiter (1521)
• Comédia de Rubena (1521)
• Pranto de Maria Parda (1522)
• Farsa de Inês Pereira (1523)
• Auto Pastoril Português (1523)
• Frágua de Amor (1524)
• Farsa do Juiz da Beira (1525)
• Farsa do Templo de Apolo (1526)
• Auto da Nau de Amores (1527)
• Auto da História de Deus (1527)
• Tragicomédia Pastoril da Serra da Estrela (1527)
• Farsa dos Almocreves (1527)
• Auto da Feira (1528)
• Farsa do Clérigo da Beira (1529)
• Auto do Triunfo do Inverno (1529)
• Auto da Lusitânia, intercalado com o entremez Todo-o-Mundo e Ninguém (1532)
• Auto de Amadis de Gaula (1533)
• Romagem dos Agravos (1533)
• Auto da Cananea (1534)
• Auto de Mofina Mendes (1534)
• Floresta de Enganos (1536)


Das alte Handwerk als Goldschmied verlernte er aber nie, und so fertigte er 1506, für das neu gegründete Hieronymus-Kloster in Belém, eine kostbare Monstranz aus dem ersten afrikanischen Gold das nach Portugal kam.
Diese Monstranz kann heute im Museu Nacional de Arte Antiga (dt.: Nationalmuseum für Alte Kunst) bewundert werden kann.

In mehreren seiner gewagten Spiele griff er die Kirche und vor allem ihr Geschäft mit den Ablassbriefen unverholen an.
Doch die Zeiten hatten sich geändert, und immer mehr brachte ihn seine unverblümte Sprache in Schwierigkeiten.

Im Jahre 1531, als König João III beim Papst „Die Erlaubnis für die Errichtung der Inquisition in Portugal (port.: „Autorização para o estabelecimento da Inquisição em Portugal“) beantragte, ließ der portugiesische Botschafter in Antwerpen Gil Vicentes Auto „Farsa do Clérigo da Beira“ (dt.: „Das Possenspiel des Geistlichen aus Beira“) aufführen.
Die päpstlichen Gesandten, die im Publikum anwesend waren, waren über das Stück alles andere als amüsiert, und beklagten sich daraufhin sogleich beim Papst.

Mit der Einführung der Inquisition wurde es für Gil Vicente und allen anderen, die der Linie der katholischen Kirche nicht treu folgten, zunehmend schwieriger und gefährlicher, sich öffentlich mit gesellschaftskritischen Themen auseinanderzusetzen.

1534 wurde Gil Vicente – der zudem die cristões novos (zum Christentum konvertierten Juden) öffentlich verteidigt hatte – als einen der ersten Opfer der Inquisition der Prozess gemacht.
Er wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, die er dann in dem Gefängnis Cadeia do Tronco, in der Rua das Portas de Santo Antão in Lissabon, unweit des Rossio, verbüßte.

1536, gleich nach seiner Freilassung, kehrte er noch einmal an den Hof zurück und stellte sich im Prolog seines letzten Autos „Floresta de Enganos“ (dt.: „Urwald der Täuschungen“) als verfolgten und geknebelten Denker dar.
Danach wurde es abrupt still um ihn.

Man vermutet, dass er irgendwann im Jahre 1536, wahrscheinlich an den Folgen der Haft, an unbekannter Stelle verstorben ist.
Jedenfalls ist ab diesem Jahr kein Werk von ihm mehr bekannt und er wird auch nicht mehr, wie bis dahin üblich, in den königlichen Hofdokumenten erwähnt.

Zu seinen Lebzeiten wurden nur wenige seiner Stücke in fliegenden Blättern veröffentlicht.
Aber die wenigen die Verbreitung fanden, erlangten Beliebtheitsstatus und wurden sogar über die damaligen Landesgrenzen bekannt.
So soll z.B. der holländische Philosoph Erasmus von Rotterdam sogar die portugiesische Sprache erlernt haben, nur um die Werke Gil Vicentes im Original lesen zu können.
Auch namhafte deutsche Schriftsteller und Komponisten, wie Emanuel von Geibel, Max Bruch oder Robert Schumann, ließen sich im laufe der Jahrhunderte durch die Werke Gil Vicentes inspirieren.

Im Jahre 1562 gaben sein Sohn Luis und seine Tochter Paula in dem Buch „Copilagem de todas as obras de Gil Vicente“ seine gesammelten, aber nicht ganz vollständigen Werke, zum ersten Mal heraus.
Die nächste Auflage wurde 20 Jahre später, im Jahre 1582, veröffentlicht, war aber bereits von der Zensur der allmächtigen Inquisition, stark gekürzt.
Erst im 19. Jahrhundert wird der große Gil Vicente wieder im Original verlegt.
Im Jahre 1834 erscheint unter der Feder des Portugiesen Barreto Feio, kurioserweise in einem Hamburger Verlag, die dritte Ausgabe der Gesammelten Werke von Gil Vicente.

Dienstag, 22. September 2009

Was ist wirklich typisch deutsch?


Die Deutschen sind fleißig, organisiert, akkurat, leicht pedantisch und immer am jammern!

Das ist im groben das Ergebnis einer Umfrage der Tageszeitung „O Público“, an der rund 12.000 Bürger teilnahmen, und in dem die Portugiesen gefragt wurden, was sie von ihren Partnern in der Europäischen Union halten, und was für sie typisch deutsch, typisch spanisch, typisch französisch, usw. ist.
Demnach halten wir Portugiesen, nach dieser Umfrage, die Deutschen auch für äußerst zuverlässig, umgänglich aber leider auch für wenig gesellig und absolut humorlos.

Jeder fünfte Portugiese findet die Deutschen nett und freundlich, und jeder vierte findet sogar, die Deutschen wären die besten Partner Portugals in der EU.
Dagegen halten 9% der Portugiesen die Deutschen für arrogant und überheblich.
Immerhin verbinden 82% der Portugiesen die Deutschen nicht mehr mit Hitler und den Nazis.

Fragt man die in Portugal lebenden Ausländer nach den Deutschen, so kommt Verwunderliches zu Tage.
Demnach halten die in Portugal lebenden Brasilianer die Deutschen für sehr freizügig, die Chinesen halten sie für langsam und die Inder finden die Deutschen sehr offen und sehr umgänglich.

Aber eines halten über 90% der Befragten für unbedingt typisch deutsch:
Die Deutschen trinken Bier bis zum Umfallen, haben ihren Garten voller Gartenzwerge und sie lieben ihre Autos mehr wie ihre Kinder…

Samstag, 12. September 2009

GoCar´s


Haben sie jemals ein Auto gesteuert das ruckelt und quietscht, ihnen Witze erzählt und ihnen auch noch genau und ausführlich erklärt wo sie gerade entlangfahren?

Nein?!?
Dann müssen sie hier nach Lissabon kommen, denn hier können sie diese Autos mal fahren.
Seit neustem gibt es hier in der Hauptstadt nämlich die so genannten GoCar´s.

GoCar´s sind kleine, gelbe Cabriolets, die seit kurzem hier durch Lissabon tuckern.
Diese kleinen Zweisitzer sind alle mit GPS (Global Positioning System) ausgerüstet, und können dem Fahrgast akustisch genau sagen wo er gerade durchfährt und ihm zusätzlich auch geschichtliche, architektonische und kulturelle Infos über die einzelnen Sehenswürdigkeiten geben.

Dieses System, eines fahrenden und sprechenden Reiseführers, ist bis dato einmalig in Europa.
Die ersten GoCar´s kamen 2004 in der kalifornischen Stadt San Francisco zum Einsatz.
Dann wurde das System auch in den amerikanischen Städten San Diego und Miami eingeführt, bis es dann dieses Jahr auch hier in Lissabon in Betrieb genommen wurde.

Lissabon mit einem gelben GoCar zu erleben, ist wohl die originellste, lustigste und unvergesslichste Art und Weise die portugiesische Hauptstadt zu erkunden.
Belém, Alfama, Estrela und die Baixa kann man nun ganz neu entdecken.

Deshalb, sollten sie in nächster Zeit hier nach Lissabon kommen, dann durchfahren sie die Stadt einmal mit einem GoCar.
Probieren sie so eine Fahrt aus, solange die GoCar´s noch in keinem Reiseführer stehen und sie ein Geheimtipp sind.

Ich bin mir sicher, sie werden ihre wahre Freude daran finden!