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Samstag, 13. Juni 2015

Die Nacht der Nächte – die Sankt Antoniusnacht in Lissabon






In der Werbung, in der Musik und  in der Literatur wird uns Portugiesen oftmals suggeriert wie leicht das Leben doch ist.
Außerdem glauben wir hier das unsere Freunde stets für uns da sind und das wir immer einen guten Wein und einen guten Café zum trinken haben.
Auch glauben wir felsenfest, dass unsere „seleção“, unsere Fußballnationalmannschaft, jedes Turnier gewinnen kann und dass ein Volksfest ohne uns kein richtiges Volksfest ist.

Sicher, dies alles mag ja das ganze Jahr über reine Wunschvorstellung sein.
Aber spätestens in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni, wenn Lissabon ausgelassen die Sankt Antoniusnacht (port.: noite de Santo António) feiert und die Bürger der Stadt mit viel Musik und Tanz, bunten Umzügen, reichlich gutem Essen und Trinken diese besondere Nacht zum Tag machen, spätestens dann werden all diese Traumvorstellungen für uns Lissabonner Realität – und sei es mit Hilfe von Alkohol, viel Alkohol.

Das Lissabonner Stadtfest (port.: festas de Lisboa) findet im Rahmen der Feierlichkeiten für die drei Volksheiligen (port.: santos populares) – die drei Volksheiligen sind Santo António, São João und São Pedro –  den ganzen Monat Juni statt, erreicht aber am Vorabend des Sankt Antoniustag (port.: dia de Santo António), seinen Höhepunkt.

Gewidmet ist dieses Fest dem Heiligen Antonius, der einst in Lissabon geboren wurde, dann aber unter dem Namen „Antonius von Padua“ weltweit Berühmtheit erlangte.
Antonius, der Überlieferung nach ein wortgewaltiger Redner dem sogar die Fische zuhörten, ist Lissabons Schutzpatron.

Gestern feierten die Lissabonner, viele Zugereiste und Touristen, wieder eine fröhliche – teilweise auch feuchtfröhliche – Antoniusnacht und heute kann jeder den Stadtfeiertag ausgelassen genießen…

Schönen Feiertag!
Bom feriado!

Freitag, 12. Juni 2009

Santo António de Lisboa


Vorgestern feierten wir hier in Portugal den Camões-Tag (siehe auch meinen post vom 09. Juni mit dem Titel „Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas“).
Gestern war Fronleichnam (Corpo de Deus), ein kirchlicher Feiertag, den man auch in Deutschland feiert.
Und morgen, am 13. Juni, stehen der Hauptstadt und vielen anderen Orten der Nation, die Feierlichkeiten zum Antoniusfest bevor.
Heute schon, am Vorabend des großen Festes, steht die Stadt Lissabon Kopf, um ihren Schutzpatron zu feiern.
Wohlgemerkt „ihren“ Schutzpatron, denn wir sprechen hier über Antonius von Lissabon und nicht über Antonius von Padua (obwohl derselbe Heilige gemeint ist!), so wie er von so vielen genannt wird, denn er wurde in Lissabon geboren und nicht in Padua. Da sind die Lissabonner sehr eigen!

In einem kleinen Haus am Rande der Alfama, wurde 1195 Santo António de Lisboa, als Fernando Martins de Bulhões, geboren. Dort wo sein Geburtshaus stand, steht heute die Kirche mit seinem Namen, genau gegenüber der Lissabonner Kathedrale Sé.
Fernando Martins studierte zuerst in Coimbra, bevor er dann als junger Missionar, sich auf den Weg nach Italien machte. Bei Sizilien erlitt er aber Schiffbruch. Kaum gerettet ging er zuerst nach Assisi, wo er den Heiligen Franziskus kennen lernte, und wo er dem Franziskanerorden beitrat. Hier nahm er dann auch seinen neuen Namen, Antonius, an.
Später ging er dann nach Padua. Er soll ein wortgewaltiger Redner und Prediger gewesen sein, dem sogar die Fische zuhörten, so die Überlieferung. Dort, in einem Kloster in der Nähe von Padua, verstarb er dann auch, erst 36jährig. Als er starb war er bereits hoch verehrt, denn die Menschen liebten seine Predigten und sie mochten ihn, weil er ein einfacher, sympathischer Zeitgenosse war.
Sein Wunderboden waren Umbrien, die Romagna, Venetien und natürlich auch Padua. Und dort, in Padua blieben auch seine Reliquien.

Aber sein Geburtsort und die Kirche die an ihn erinnert, steht wie gesagt hier in Lissabon.
In Italien verehrt man den Heiligen Antonius. Hier in Portugal wird er aber nicht nur verehrt, sondern in erster Linie geliebt.
Jedes Jahr um den 13. Juni, dem Todestag von Antonius, steckt ganz Lissabon im Taumel des größten Festes der Stadt. Alles ist mit bunten Papierschlangen, Lampions und Girlanden geschmückt.
Überall in der Stadt trifft man kleine, tönerne Antonius-Figuren, meistens mit dem Jesuskind auf dem Arm, die uns väterlich aus einem Meer von Manjericos, dem wohlriechenden Basilikum, zu grüßen scheinen.

In der Nacht vor dem Fest finden die Marchas Populares (Volksmärsche) statt, bunte Umzüge mit Musik und Tanz. Diese Umzüge basieren auf uralte Traditionen.
Vereinfacht gesagt, wird jeder der 53 Stadtteile von 30 bis 40 Männer und Frauen bei diesen Volksmärschen vertreten, die Kostüme schneidern, Lieder verfassen und Tänze arrangieren, und sich damit bei der Parade entlang der Avenida da Liberdade präsentieren. Die spektakulärste der 53 Darstellungen wird am Antoniustag mit einem Preis ausgezeichnet. Fast jeder Bewohner – ob Mann oder Frau – feuert bei dieser Gelegenheit sein Stadtteil an. Denn das siegen bei den Marchas Populares ist eine Sache von höchstem Prestige.
Am Tag des Heiligen Antonius selbst, finden die Casamentos de Santo António statt, die Hochzeiten des Heiligen Antonius.
Auch sie sind eine uralte Tradition der Stadt. Jedes Jahr richtet die Stadt eine Hochzeitfeier für 20 Hochzeitspaare aus, wobei die Stadt die ganzen Kosten übernimmt, w.z.B. das Hochzeitskleid für die Braut, den Anzug für den Bräutigam, die Eheringe, die Hochzeitszeremonie, das anschließende Hochzeitsessen (für eine begrenzte Anzahl von Gästen natürlich) und die nach der Hochzeit stattfindende Hochzeitsreise.
Diese Hochzeiten waren früher für die Mittellosen der Stadt gedacht, die den Bund der Ehe schließen wollten, es sich aber finanziell nicht leisten konnten. Heute darf sich jeder bewerben, um als Braut oder Bräutigam bei einer Santo António Hochzeit teilzunehmen. Die einzige Bedingung die die Stadtverwaltung stellt ist, dass die Brautleute geborene Lissabonner sein müssen!

Der Heilige Antonius ist der Beschützer der Liebenden, der Ehen, der Kinder und der Familien. Außerdem ist er der Schutzpatron aller Tiere und der Finder aller verlorenen Dinge.
Man mag an Heilige glauben oder nicht und man mag katholisch sein oder nicht.
Aber für den Lissabonner ist Santo António ein bevorzugter und angenehmer Vermittler zu Gott, und – er ist ein Sohn der Stadt.