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Dienstag, 26. Oktober 2010

In memoriam: Heidi Kopp


Der Herr selbst geht vor Dir her.
Er steht Dir zur Seite und verlässt Dich nicht,
immer hält er zu Dir.

(5. Mose 31, 8)


Zum Gedenken an Heidi Kopp (geb. 06. Mai 1940), eine liebe Freundin und gute Vertraute, die gestern, am 25. Oktober 2010, plötzlich und unerwartet, von uns gegangen ist.


A memória de Heidi Kopp

O Senhor, pois, é aquele que vai diante de ti.
Ele será contigo, não te deixará,
nem te desamparará.

(5. Moisés 31, 8)


A memória de Heidi Kopp (nas. 06. Maio 1940), uma querida amiga e grande confidente, que ontem, 25. Ourubro 2010, deixou um enorme vazio nos nossos corações.

Dienstag, 18. August 2009

Gelungene Kopie


Hier in Almada, der Stadt in der ich lebe, steht auf einem 75 Meter hohen Sockel die 28 Meter hohe Statue des „Cristo Rei“ (Christkönig-Statue).
Sie befindet sich auf einem über 100 Meter hohen Hügel im Stadtteil Pragal, am Tejoufer, genau gegenüber der Stadt Lissabon.

Obwohl in Almada gelegen, so denken viele im Ausland der „Cristo Rei“ wäre ein Lissabonner Denkmal. Aber dem ist nicht so! Zwar hat man vom „Cristo Rei“ wohl den spektakulärsten Blick auf die Stadt Lissabon, aber geografisch gesehen, gehört er zu der Stadt Almada.

Die Gründung dieses imposanten Denkmals, im Jahre 1959, geht auf den damaligen Erzbischof von Lissabon und Kardinal Manuel G. Cerejeira, einem Studienfreund des Diktators António de Oliveira Salazar, zurück.

Kardinal Cerejeira hatte bei einem Besuch in Rio de Janeiro im Jahre 1934 die dort kurz zuvor eingeweihte Christusstatue auf dem Corcovado bewundert.
In Lissabon wieder angekommen, beschloss er eine Nachbildung der weltberühmten Christusstatue von Rio de Janeiro in Lissabon nachbauen zu lassen.
Jahrelang versuchte Kardinal Cerejeira seine Bischofskollegen und den Diktator vom Bau der Statue zu überzeugen.

Dann endlich, bei einer Versammlung der portugiesischen Bischofskonferenz im Walfahrtort Fátima, im Jahre 1940 gelobten die Bischöfe die Christusstatue zu errichten, sollte Gott das neutrale Portugal vor dem Zweiten Weltkrieg verschonen.

Portugal wurde verschont, und 1949, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, begannen die Bauarbeiten, die sich über 10 Jahr hinweg ziehen sollten. Die Statue wurde von dem Bildhauer Francisco Franco de Sousa errichtet. Für den Sockel war der Architekt António Lino verantwortlich.

Wer vor dem Denkmal steht, und sich Statue und Sockel anschaut, der wird merken, dass die Proportionen nicht so ganz zu einander passen.
Der Sockel ist wesentlich größer und globiger als die, im Verhältnis, zierliche Statue. Das liegt daran, dass die Kirchenmänner eigentlich vorhatten eine wesentlich größere Statue bauen zu lassen. Doch dann ging der Kirche das Geld aus, und man musste sich mit der heutigen Statue zufrieden geben.

Angeblich soll aber der Diktator Salazar von so viel Protz und Verschwendung kirchlicher Gelder so erzürnt gewesen sein, das die Kardinäle eine kleinere Statue bauen ließen. Der Sockel aber, war bereits aufgestellt und konnte nicht mehr verkürzt werden.

Am 17. Mai 1959, einem Pfingstsonntag, wurde der „Cristo Rei“, in Anwesenheit von über 300.000 Menschen, darunter vielen Würdenträgern der katholischen Kirche und des portugiesischen Staates, feierlich eingeweiht.

Dieses Jahr, am 17. Mai 2009, feierte der „Cristo Rei“ seinen fünfzigsten Geburtstag.

Dienstag, 14. Juli 2009

Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben



Meine Mutter Luisa wurde am 11. Mai 1940 in Lissabon, im Stadtteil Santa Engrácia geboren.
Dies mag zwar weltpolitisch nicht gerade sehr bewegend gewesen sein, aber für mich persönlich ist die Geburt meiner Mutter natürlich insofern wichtig, als das ich sicherlich heute nicht hier sitzen würde, und diese Zeilen schreiben würde, wenn sie damals nicht in Lissabon das Licht der Welt erblickt hätte.

Nur wenige Kilometer Fluglinie vom Geburtsort meiner Mutter, fast zur gleichen Stunde, ereignete sich an diesem selben Tag, für einen Mann und seine Familie, sehr wohl ein persönliches weltbewegendes Ereignis.

Der jüdische Maler Marc Chagall, der als Moishe Segal 1887 im weißrussischen Witebsk geboren worden war, und nun als Marc Chagall die französische Staatsbürgerschaft besaß, war auf der Flucht vor den Nazis, mit seiner Ehefrau Bella und seiner Tochter, am späten Nachmittag, aus Madrid mit dem Zug kommend, sicher in Lissabon angekommen.
Die Flucht des „entarteten Künstlers“ Chagall war endlich vorbei. Er konnte aufatmen!

Hier in Lissabon sollte er für ein ganzes Jahr verweilen. Denn die USA taten es sich schwer, ihm ein Einreisevisum auszustellen.
Dann, 1941, bekam er endlich das lang ersehnte Einreisevisum, dank einer Einladung des New Yorker Museums of Modern Art.
Er und seine Familie durften am 07. Mai 1941, per Schiff, nach Amerika ausreisen.

Das eine Jahr, welches Marc Chagall in Lissabon verbringen musste, sollte sich als einer der unproduktivsten seiner künstlerischen Laufbahn erweisen.
Nicht das Chagall es sich so gewünscht hätte.
Im Gegenteil!
Marc Chagall war der Typ von Künstler, der jeden Tag, jede Stunde ein außergewöhnliches Kunstwerk produzieren konnte und wollte.
Pablo Picasso sagte einmal über ihn:

„Wenn Chagall malt, weiß man nicht, ob er dabei schläft oder wach ist. Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben.“

Nein, es war alleine die portugiesische Emigrationspolitik, die Chagall zum Nichtstun verdammte.
Den Flüchtlingen war es nämlich generell im neutralen Portugal verboten, sich, auf welche Art und Weise auch immer, beruflich oder künstlerisch zu betätigen!

Und so kommt es, dass es von Marc Chagall, der die wunderschönsten Gemälde malte, die einzigartigsten Kirchenfenster kreierte und die traumhaftesten Bühnenbilder entwarf, heute in ganz Portugal, dem Land das ihn und seine Familie vor den sicheren Tod im Konzentrationslager rettete, kein einziges Kunstwerk gibt.

So erfolgreich die Neutralitätspolitik der portugiesischen Regierung damals für das Überleben der hunderttausenden unbekannter und bekannter Juden, Politiker, Schriftsteller und Künstler auch war;
so verheerend war sie im künstlerischen Sinne.

Damals, in den Jahren zwischen 1933 und 1945 durchliefen an die 300.000 Flüchtlinge das neutrale Portugal, um nach Amerika, Canada oder Südamerika zu fliehen.
Aber nur wenige von ihnen hinterließen ein Werk ihres künstlerischen Schaffens in Portugal zurück!

Maler wie Marc Chagall, Max Baumann und Max Ernst, Philosophen wie die deutsche Hannah Arendt, Schriftsteller wie Franz Werfel, Leon Feuchtwanger, Golo Mann, Nelly Mann, Heinrich Mann, Antoine de Saint Exupéry („Der kleine Prinz“), Alfred Döblin und Erich Maria Remarque („Eine Nacht in Lissabon“), Komponisten wie Darius Milhaud und Bela Bartok, Filmemacher wie Jean Renoir und Alexander Korda, Schauspieler wie Tyrone Power, Robert Montgommery, Josephine Baker, Charles Boyer, Simone Simon, Michèle Morgan, Maurice Chevalier, Madeleine Carrol und Jean Gabin mussten ihre Freiheit mit „Nichtstun“ bezahlen.

Für sie alle hat es sich gelohnt, denn sie überlebten das Naziregime und die Konzentrationslager.
Für die portugiesische Kunst aber, ging leider ein unermesslicher Schatz in Form von künstlerischem Schaffens verloren!