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Donnerstag, 10. April 2014

Lissabon, so wie es einmal war...





Seit dem vergangenen Samstag, den 05. April 2014, kann man in den Ausstellungsräumen der ehemaligen königlichen Schiffstaufabrik Cordoaria Nacional (dt.: Nationales Tauwerk), im Rahmen der alljährlich stattfindenden Lissabonner Kunst- und Antiquitätenmesse (port.: Feira de Arte e Antiguidades de Lisboa), vier ganz besondere Ölgemälde besichtigen.

Bei diesen vier Bildern eines unbekannten Meisters, die von den Galeristen Álvaro Roquette und Pedro de Aguir-Branco ausgestellt werden, handelt es sich um vier 50cm x 60cm große Ölgemälde aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die noch nie öffentlich ausgestellt wurden.

Die vier Gemälde zeigen einzigartige Ansichten von Lissabon vor dem großen Erdbeben vom 01. November 1755, wie das alte Königliche Allerheiligenkrankenhaus (port.: Hospital Real de Todos-os-Santos), das ehemalige Königsschloss (port.: Palácio Real da Ribeira), das Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) und den Klosterpalast von Mafra (port.: Convento-Palácio de Mafra).

Die vier Gemälde im Einzelnen:

Das erste Gemälde stellt das ehemalige königliche Allerheiligenkrankenhaus (port.: Hospital Real de Todos-os-Santos) am Lissabonner Rossio dar.
Das dreistöckige Gebäude stand einstmals da, wo sich heute der Platz Praça da Figueira befindet. Es war König João II der zwischen 1492 und 1504 das Krankenhaus als das modernste der damaligen Zeit erbauen lies. Mit seinen ursprünglich 250 Betten war diese Heilanstalt bis ins 18. Jahrhundert hinein die größte und bedeutendste Krankenanstalt, nicht nur Lissabons, sondern ganz Portugals. Weil das Hospital Real für alle Bevölkerungsschichten zugänglich war – auch für die Armen der Armen – wurde es von der Bevölkerung auch oftmals „Hospital dos Pobres“ (dt.: Krankenhaus der Armen) genannt.
Hinzu kam, das das Hospital Real de Todos-os-Santos nicht nur als Krankenhaus diente, sondern auch als Irrenanstalt (port.: Casa dos doidos) und Kinderheim (port.: Casa das crianças abandonadas).
Als ein großes Erdbeben am 01. November 1755, dem Allerheiligentag, die Stadt Lissabon verwüstete, fiel auch das königliche Allerheiligenkrankenhaus – welche Ironie des Schicksals –  der Naturgewalt zum Opfer. Das Krankenhaus wurde nach dem Erdbeben nicht wieder aufgebaut!

Das zweite Bild zeigt das ehemalige königliche Stadtschloss Paço da Ribeira (dt.: Uferpalast), der einstmals am Fluss Tejo stand, dort wo sich heute die Gebäude des großen Platzes Praça do Cemercio befinden. Auch wenn das königliche Schloss heute nicht mehr existiert, so wird der Platz heute noch, wie zu Zeiten der Monarchie, von den meisten Lissabonnern Terreiro do Paço genannt, was soviel wie Palastterrasse heißt.
Es war König Manuel I der im Jahre 1498 beschloss von der festungsartigen, zügigen Burg Castelo de São Jorge runter in die Lissabonner Unterstadt zu ziehen und dort seine neue luxuriöse Unterkunft zu errichten. Bewusst wählte er als Standort für seinen Palast das Hafengebiet aus, mit all seinen Werften, Kontoren und Lagerhäusern, um so der ganzen Welt die damals beginnende Beziehung Portugals zur Seefahrt und zu seinen Überseekolonien symbolisch zu demonstrieren.
Der König und sein Hof bezogen den im manuelistischen Stil errichteten Palast, der als einer der schönsten in Europa galt, im Jahre 1503, nach einer Rekordbauzeit von nur fünf Jahren.
Im ersten Stock des königlichen Schlosses war aber auch die mächtige Casa da India (dt.: Indienhaus) untergebracht, die zentrale Behörde des damaligen Königreiches, die alle Kolonien und Überseeprovinzen verwaltete und gleichzeitig als Archiv aller Entdeckungsfahrten diente.
Im Erdgeschoß befand sich die Casa da Livraria, eine riesige und bedeutende Bibliothek mit über 70.000 verschiedenen Büchern, unzähligen und einzigartigen handschriftlichen Dokumenten und tausenden von See- und Landkarten.
Zum Palastkomplex gehörte ab dem 17. Jahrhundert auch der damals neu erbaute Palácio Corte Real, genau neben den Paço da Ribeira, das als Wohnpalast des jeweiligen Thronfolgers diente.
Am Morgen des 01. November 1755, dem Allerheiligenfeiertag, wurde auch der imposante Paço da Ribeira, mit all seinen einzigartigen Schätzen, ein Opfer des furchtbaren Erdbebens.
Der Königspalast wurde nach dem Erdbeben nicht wieder aufgebaut!

Das dritte Gemälde zeigt das im frühen 15. Jahrhundert erbaute Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos), noch völlig schnörkellos und ohne den manuelistischen Schmuck, so ganz anders wie wir ihn heute kennen.
Es war König Manuel I der dieses bedeutende Gotteshaus, gleich nach der Ankunft Vasco da Gamas von dessen ersten Indienreise, in Belém, am Ufer des Tejo, errichten lies.
Das Hieronymuskloster war eines der wenigen Gebäude Lissabons, das das Erdbeben vom 01. November 1755 ziemlich unbeschadet überstand.

Das vierte und letzte Bild stellt den Nationalpalast von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra) dar, ca. 45 km nordwestlich von Lissabon.
Einstmals von dem aus Deutschland stammenden Architekten João Frederico Ludovice (dt.: Johann Friedrich Ludwig) im Auftrag von König João V zwischen 1717 und 1730 im Barockstil erbaut, ist dieses Schloss die größte Palast- und Klosteranlage Portugals und die zweitgrößte der Iberischen Halbinsel. Nur der Palastkomplex von El Escorial, in der Nähe von Madrid, ist imposanter.
Um eine Vorstellung der Größe vom Palastkloster von Mafra zu haben, hier einige ziemlich imposante Zahlen und Fakten:
Der Palast hat eine Fläche von etwa 40.000 m² die sich über 1.200 einzelne Räume verteilen. In diesen Räumen gibt es über 4.500 Türen und Fenstern. Es sind 9 stattliche Innenhöfe vorhanden und die Klosterkirche beherbergt 6 imposante Orgeln. Die 96 Glocken der zwei Glockenspiele wiegen zusammen unglaubliche 217 t.
Und noch eine bemerkenswerte Zahl: die Bibliothek, der größte Schatz des Palastkomplexes, besitzt 36.000 gebundene Bücher!

Diese vier wunderbaren Ölgemälde sind Bildnisse eines einzigartigen Lissabons, so wie es vor dem großen Erdbeben 1755 existiert hat, und wie wir alle, die wir heute Leben, es nie kennen lernen durften.
Deshalb, wenn es ihnen möglich ist, besuchen sie die Ausstellung in der Cordoaria Nacional im Stadtteil Belém, und schauen sie sich Lissabon an, so wie es einmal war.
Sie werden es nicht bereuen!

Dienstag, 10. Januar 2012

Königin Maria Sofia de Neuburgo


In der hessischen Stadt Darmstadt, meiner zweiten Heimatstadt, kann man im dortigen Museum des großherzoglichen Schlosses ein Porträt eines Kleinkindes bewundern.
Das Gemälde, aus dem Jahre 1675, zeigt die neunjährige Enkelin des damaligen Landgrafen Georg II von Hessen-Darmstadt.
Kaum einer, der das Museum besucht, weiß dass auf dem Gemälde eine zukünftige portugiesische Königin abgebildet ist.

Bei dem neunjährigen Mädchen, das hier von dem unbekannten Maler mit einem dezenten Lächeln gemalt worden ist, handelt es sich um die kleine Marie Sophie Elisabeth von Neuburg und der Pfalz, die später einmal unter dem Namen Maria Sofia Isabel de Neuburgo e do Palatino do Reno e Bragança den portugiesischen Thron besteigen wird.

Die kleine Marie Sophie war eine Tochter des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz und dessen zweiten Ehefrau Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt.
Sie erblickte am 06. August 1666 auf Schloss Benrath bei Düsseldorf das Licht der Welt.

Wie alle Kinder von Kurfürst Philipp Wilhelm, genoss auch Prinzessin Marie Sophie eine, für die damalige Zeit, äußerst umfangreiche, musikalische, religiöse und wissenschaftlich fundierte Ausbildung.

Marie Sophie wurde in ein kinderreiches Haus hineingeboren. Insgesamt hatte sie 16 Brüder und Schwestern!
Als zukünftige Königin war sie, was ihre Geschwister anging, in allerbester Gesellschaft.
Ihre Brüder Johann Wilhelm und Karl Philipp z.B. folgten ihrem Vater als Kurfürsten von der Pfalz.
Ihre Schwester Eleonore Magdalena wurde an der Seite von Leopold I Kaiserin des römisch-deutschen Kaiserreiches.
Eine andere Schwester von ihr, Maria Anna, wurde als Ehefrau von Carlos II, Königin von Spanien.
Drei ihrer Brüder schlugen eine Kirchenlaufbahn ein.
So wurde ihr Bruder Franz Ludwig Kurerzbischof von Trier, ihr Bruder Ludwig Anton wurde Bischof von Worms und Alexander Sigismund wurde Bischof von Augsburg.

Sie ist 20 Jahre alt, als der portugiesische Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva sich am 08. Dezember 1686 auf dem Weg macht, um bei ihrem Vater, im Auftrag von König Pedro II, der seit vier Jahren Witwer ist, um ihre Hand anzuhalten.
Man wird sich schnell über die Einzelheiten einig, und am 22. Mai 1687 wird der Heiratsvertrag in Heidelberg unterschrieben.

11 Tage später, am 02. Juli 1687, heiratet Marie Sophie per procura in der kurfürstlichen Kapelle zu Heidelberg König Pedro II von Portugal und wird dessen zweite Ehefrau.
Ihr Vater, Kurfürst Philipp Wilhelm, hatte sich im Heiratsvertrag verpflichtet, seiner Tochter eine Mitgift von 100.000 Gulden auf dem Weg nach Lissabon mitzugeben.

Aber der Kurfürst konnte diese Vereinbarung nicht einhalten.
Zwar hatten die Stände von Pfalz-Neuburg der Braut, anlässlich ihrer Hochzeit, 20.000 Gulden geschenkt, ihr zukünftiger Schwager Carlos II von Spanien gab ihr weitere 20.000 Gulden mit auf dem Weg und die jülich-bergischen Landstände machten ihr 10.000 Gulden zur Schenkung.
Dennoch blieb Kurfürst Philipp Wilhelm dem portugiesischen Königshaus erst einmal 50.000 Gulden schuldig, die Hälfte der vereinbarten Mitgift.
Er verpflichtete sich, in einem Zusatz des Heiratvertrages, die fehlende Summe innerhalb von 12 Monaten zu begleichen.

Nichtsdestotrotz machte sich Prinzessin Marie Sophie mit Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva und ihrem kleinen Gefolge am 01. August auf den Weg nach Portugal.
Sie reiste zuerst auf einem Schiff den Rhein hinauf und wurde in den Städten Worms, Mainz und Köln feierlich empfangen und dann jedes Mal mit Glanz und Pomp verabschiedet.
Dann überschritt die Prinzessin mit ihrem Gefolge die Grenze zu den Niederlanden.
Hier bestieg Marie Sophie in der Kleinstadt Brila ein englisches Schiff, das ihr James II von England zur Verfügung gestellt hatte, und das sie nach Portugal bringen sollte.

Am 12. August, zur Mittagszeit, ankerte das Schiff, welches Prinzessin Marie Sophie nach Portugal gebracht hatte, im Hafen von Lissabon an.
König Pedro II persönlich holte sie vom Schiff ab und gemeinsam begaben sich beide zur Kapelle des, heute leider nicht mehr existierenden, königlichen Palastes Paço da Ribeira, wo sie vom Lissabonner Erzbischof Luis de Sousa in persona verheiratet wurden.
Die umfangreichen Reisekosten Marie Sophies bestritt damals ihr Bruder Johann Wilhelm.

Maria Sofia, wie die portugiesische Form ihres Namens fortan lautete, war die 25. Königin Portugals.
Die zwölf Jahre, in dem sie den Titel einer Königin trug, waren ohne eine einzige Intrige oder einem einzigen negativem Ereignis ihrerseits behaftet.
Dennoch wurde König Pedro II schon kurze Zeit nach der Hochzeit ihrer überdrüssig, wahrscheinlich weil Kurfürst Philipp Wilhelm ihm die restliche Mitgift schuldig blieb.
Das Verhältnis zwischen dem König und der Königin wurde mit den Jahren immer schwieriger und war alsbald auch vor dem Hof nicht mehr zu verbergen.

Maria Sofia war eine sehr gläubige, gutmütige, respektvolle und beim Volk sehr beliebte Königin.
Die Tatsache, dass sie Witwen und Waisen finanziell unterstützte und das sie sogar, zum Leidwesen ihres Ehemanns Pedro II, in einem Teilflügel des Königspalastes Kranke, Behinderte und Bettler zeitweise unterbrachte, brachten ihr die vollste Hochachtung des ganzen Volkes.

Politisch trat sie nur einmal in Erscheinung, nämlich als sie erfolglos gegen einen Beschluss des Königs vorging, der den kategorischen Verbot beinhaltete, ihren Lieblingsbruder Ludwig Anton am Lissabonner Hof zu empfangen.
Ludwig Anton hatte seine Schwester Maria Anna nach Spanien begleitet, als diese Carlos II ehelichte, und Königin von Spanien wurde.
Maria Sofia, seine andere Schwester, die jetzt Königin von Portugal war, schickte ihrem Bruder eine Einladung nach Madrid, damit dieser sie in Lissabon besuchen möge.
In Coimbra erhielt Ludwig Anton die Nachricht, dass er am Lissabonner Hof nicht erwünscht sei, da Pedro II auch nicht zur Hochzeit von Anna Maria und Carlos II an den spanischen Hof eingeladen worden war.
Selbst nach mehrmaligen Bitten Maria Sofias an Pedro II, ihren Bruder in Lissabon empfangen zu dürfen, blieb der König hart.

Bis auf diese und ähnliche unerfreuliche persönliche Begebenheit mit ihrem Mann, verlief das Leben von Maria Sofia am Lissabonner Königshof recht ruhig und unspektakulär.

Spektakulär waren dagegen ihre Schwangerschaften.
In nur zwölf Jahren schenkte sie ihrem Mann sieben Kinder.
Die Tatsache, dass sie so viele Kinder in so kurzer Zeit gebar, obwohl sie und der König sich eigentlich nicht verstanden, lässt nur eine Schlussfolgerung zu, die damals ein offenes Geheimnis am Hofe war und die da lautete:
„der König nahm die Königin, wenn er einen gewissen Drang verspürte“.

Von den sieben Kindern die Maria Sofia auf die Welt brachte, starben zwei im Kindesalter, nämlich ihr Erstgeborener Sohn Infante João Francisco im Jahre 1688 und ihre Tochter, Infantin Teresa Maria, die 1696 geboren wurde und nur fünf Jahren alt wurde.

Das Erwachsenenalter erlangten ihr zweiter Sohn, der ebenfalls auf den Namen João getauft wurde und später seinem Vater als João V auf dem Thron folgte, Infante Francisco Xavier, Infante António Francisco, Infante Manuel José und Infantin Francisca Josefa.

Im Juli 1699 erkrankte Königin Maria Sofia in ihrer Residenz, dem Palácio dos Corte Real, plötzlich an einer schweren Gesichtsgürtelrose (port.: erisipela do rosto), die ihr ganzes Gesicht und ihren Kopf in Mitleidenschaft zog und ihr ungeheuerliche Schmerzen verursacht haben muss.
Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich von Tag zu Tag mehr und der König, obwohl er noch nicht einmal 200 Meter von ihr im angrenzenden Palast Paço da Ribeira lebte, lässt sich nicht ein einziges Mal an ihrem Krankenbett blicken.

Am 04. August 1699, zwei Tage vor ihrem 33. Geburtstag, erliegt Königin Maria Sofia in ihrem Palast an den Folgen ihrer schweren Krankheit.
Der König lässt daraufhin ihren Leichnam in den königlichen Palast Paço da Ribeira bringen und erst jetzt erweist er der Königin die letzte Ehre.

In der Kirche São Vicente de Fora, in der Gruft der Braganças, findet die vom Volk so geliebte und von ihrem Mann so wenig respektierte Königin Maria Sofia de Neuburgo letztendlich ihre letzte Ruhestätte.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Die Verschwörer


In meinem Eintrag „Bye-bye 01. Dezember“, vom 01. Dezember 2011, schreibe ich über den portugiesischen Feiertag „Dia da Restauração da Independência“ (dt.: Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit).
In ihm berichte ich, dass es wohl das letzte Mal gewesen ist, das wir hier in Portugal diesen Feiertag gefeiert haben.
Wenn es nach der Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho geht, wird er nämlich schon im kommenden Jahr abgeschafft sein.

Ich erwähne in dem Text, das wir diesen symbolträchtigen Feiertag dem Mut von 40 Verschwörern (port.: conjurados) zu verdanken haben.
Ich bin vor Tagen gefragt worden, wer denn diese 40 Verschwörer waren.

Nun, diese Verschwörer, die eigentlich 54 an der Zahl waren, gehörten vor allem dem portugiesischen Adel an. Aber es waren auch Kirchenmänner und einfache Männer aus dem Volk unter ihnen.
Als „Os 40 conjuradores“ (dt.: „Die 40 Verschwörer“) ging diese Gruppe von Männern in die Geschichte ein, weil 40 von ihnen damals dem portugiesischen Hochadel angehörten – was aber keinesfalls den Beitrag der anderen 14 bürgerlichen Aufrührer schmälern sollte!
Es ist einfach nur so, das der Adel zur damaligen Zeit einfach einen höheren Stellenwert hatte, als der einfache Mann vom Volk.

Im Jahre 1640 waren alle sozialen Schichten in Portugal der spanischen Herrschaft, die 60 Jahre lang gedauert hatte, überdrüssig geworden.
Das spanische Königshaus hatte in all den Jahren, in denen Portugal mit Spanien offiziell gleichwertig in einer Personalunion verbunden war, Portugal wie eine der vielen spanischen Provinzen behandelt.

Als am 07. Juni 1640 im spanischen Katalonien eine Revolte losbrach und König Philipp IV von Spanien, der auch gleichzeitig als Philipp III, König von Portugal war, den größten Teil seiner Truppen in diese spanische Provinz schickte um dort die Revolte zu unterdrücken, sah der portugiesische Adel seine Chance auf eine eigene Revolte gekommen.

Am 12. Oktober 1640 kamen im Hause von Antão de Almada, dem Grafen von Avranches, zum ersten Mal sechs Adelige zusammen um einen Aufstand gegen das spanische Königshaus zu planen.
Bei diesem Treffen waren zugegen der Hausherr, die Brüder Francisco und Jorge de Melo, sowie Pedro de Mendonça Furtado, António de Saldanha und João Pinto Ribeiro.
Die sechs Adeligen beschlossen dem Herzog von Bragança, einem Nachfahren von König João I, die Krone Portugals anzubieten.
Sollte der Herzog von Bragança die angebotene Krone aber ablehnen, so wollten die Verschwörer eine Republik ausrufen.
Die Spanier wollten sie aber auf alle Fälle loswerden!

Doch der Herzog von Bragança nahm dieses Angebot an, und mit der Zeit schlossen sich immer mehr Adelige den ursprünglichen Verschwörern an.
Bald war man sich nicht nur der Unterstützung des Adels sicher, sondern auch des Klerus und vor allem des Volkes.

Die meisten spanischen Militärs befanden sich im Herbst 1640 in Katalonien, um die dortige Revolte zu unterdrücken.
Die Adventszeit war gekommen und fast alle spanischen Beamten und Würdenträger hatten sich auf den Weg in ihre Heimat gemacht, um dort Weihnachten zu verbringen.
Die Zeit für den Aufstand war gekommen.
Die Verschwörer einigten sich auf den 01. Dezember 1640.

Die einzigen hohen Würdenträger die sich an diesem Tag in Lissabon aufhielten, waren die spanische Vizekönigin und Herzogin von Mantua, Margarida de Saboia (dt.: Margarete von Savoyen), und ihr portugiesischer Staatssekretär Miguel de Vasconcelos e Brito.

Früh am Morgen dieses Tages drangen die Verschwörer in die königliche Residenz „Palacio da Ribeira“ ein.
Sie setzten die Vizekönigin unter Arrest und zwangen diese den wenigen spanischen Soldaten, die sich damals in Lissabon aufhielten, den Befehl zu geben sich nicht gegen die Portugiesen zu widersetzen.
Ihr Staatssekretär Miguel de Vasconcelos e Brito, der wegen seiner Kollaboration mit Spanien regelrecht vom Volk gehasst wurde, wurde aus dem Palastfenster geworfen und getötet.

Zwei Wochen später, am 15. Dezember 1640, also heute vor genau 371 Jahren, wurde der Herzog von Bragança von den Verschwörern als João IV, zum König gewählt und ernannt.

Diese Verschwörer, die damals Portugal in die Unabhängigkeit von Spanien führten waren:


• Afonso de Menezes – zukünftiger Hofmeister Königs João IV

• Álvaro de Abranches da Câmara – General der Provinz Minho und Mitglied des Kriegsrates

• Antão de Almada – 7. Graf von Avranches, 10. Herr von Lagares d´El-Rei, 5. Herr von Pombalinho und Governeur der Stadt Lissabon

• António de Alcáçovas Carneiro – Herr von Alcáçovas, Generalhauptmann von Campo Maior und Ouguela

• António Álvares da Cunha – Herr von Tabua

• António da Costa – Kommandant des Christusordens und Herr von Mustela

• António Luís de Menezes – 3. Graf von Cantanhede, 1. Marques von Marialva

• António Mascarenhas – Kommandant von Castelo Novo und des Christusordens

• António de Melo e Castro – Kapitän von Sofala und Governeur von Indien

• António de Saldanha – Hauptmann von Vila Real

• António Teles de Meneses – 1. Graf von Vila Pouca de Aguiar

• António Telo – Admiral der portugiesischen Indien-Flotte

• Ayres de Saldanha – Kommandant und Generalhauptmann von Soure

• Carlos de Noronha – Kommandant von Marvão

• Estevão da Cunha – Prior von São Jorge in Lissabon, Kanon der Kathedrale von Faro an der Algarve und Bischof von Miranda

• Fernão Teles da Silva – 1. Graf von Vilar Mayor und Waffengoverneur der Provinz Beira

• Francisco Coutinho de Ataide – Bruder von Jerónimo Coutinho de Ataide

• Jerónimo Coutinho de Ataide – 6. Graf von Atouguia, Bruder von Francisco Coutinho de Ataide

• Fernando Telles de Faro – Herr von Damião de Azere und Santa Maria de Nide de Carvalho

• Francisco de Melo – königlicher Jagdmeister

• Francisco de Melo e Torres – 1. Graf von Ponte, Marques von Sande und General der Artillerie

• Francisco de Noronha – Bruder des 3. Grafen von Arcos

• Francisco de São Payo

• Francisco de Sousa – 1. Marques von Minas, 3. Graf von Prado

• Gastão Coutinho – Gouverneur der Provinz Minho

• Gaspar de Brito Freire – Herr von Santo Estevão und Herr von Nossa Senhora de Jesus im brasilianischen Bahia

• Gomes Freire de Andrade – Hofrittmeister

• Gonçalo Tavares de Távora – Hofrittmeister

• João da Costa – 1. Graf von Soure

• João Rodrigues de Sá e Menezes – 3. Graf von Penaguião

• João de Saldanha da Gama – Hofrittmeister

• João de Saldanha e Sousa

• João Pereira – Prior von São Nicolau und Stellvertreter des Papstes für die Inquisition

• João Pinto Ribeiro – Bachelor für kanonisches Recht und Richter von Fora de Pinhel und Ponte de Lima

• João Sanches de Baena – königlicher Berater und Richter am königlichen Hof sowie Doktor für Kirchenrecht

• Jorge de Melo – Admiral und Mitglied des Kriegsrates

• Luis de Almada – Sohn von Antão de Almada, dem 7. Graf von Avranches, 10. Herr von Lagares d´El-Rei, 5. Herr von Pombalinho und Governeur der Stadt Lissabon

• Luis Álvares da Cunha – Herr von Olivais

• Luis da Cunha de Ataíde

• Luis de Mello - königlicher Empfangschef

• Manuel Child Rolim

• Martim Afonso de Melo – 2. Graf von São Lourenço und Generalhauptmann von Elvas

• Miguel Maldonado – Schreiber im königlichen Außenministerium

• Miguel de Almeida – 4. Graf von Abrantes

• Nuno da Cunha de Ataíde – 1. Graf von Pontével

• Paulo da Gama – Herr von Boavista

• Pedro de Mendonça Furtado - Generalhauptmann von Mourão

• Rodrigo da Cunha – Erzbischof von Lissabon

• Rodrigo de Figueiredo de Alarcão – Herr von Ota

• Sancho Dias de Saldanha – Hofrittmeister

• Tomas de Noronha – 3. Graf von Arcos

• Tomé de Sousa – Aufseher des königlichen Haushaltes

• Tristão da Cunha de Ataíde – Herr von Povolide und Kommandant von São Cosme de Gondomar

• Tristão de Mendonça – zukünftiger Botschafter am niederländischen Hof


Doch mit der Ernennung von João IV zum König durch diese 54 Männer, am 15. Dezember 1640, war Portugals Unabhängigkeit gegen Spanien noch lange nicht gewonnen.
Ganze 28 Jahre sollten die ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den zwei Nationen dauern.

Erst am 13. Februar 1668 erkannte Spanien, im „Frieden von Lissabon“ (port.: „Páz de Lisboa“), die Unabhängigkeit Portugals „für immer und ewig“, wie es so schön im Friedensvertrag heißt, an!

Sonntag, 11. September 2011

Die Oper am Tejo


Auf die Frage hin, ob es ein Opernhaus in Lissabon gibt, gab ich heute die Antwort, dass im Teatro Nacional de São Carlos (dt.: Nationaltheater São Carlos) regelmäßig Opernaufführungen stattfinden.

Am kleinen, mit parkenden Autos voll gestopften Platz Largo de São Carlos (dt.: Sankt Karlplatz) gelegen, war das gleichnamige Theater immer ein Haus des Bürgertums und nie ein Schauspielhaus des Hofes.

Der Adel hatte sein eigenes Opernhaus – ein Opernhaus das einmal nur ganze 215 Tage stand!
Die Rede ist von der „Ópera do Tejo“ (dt.: „Die Oper am Tejo), die einmal im historischen Zentrum von Lissabon stand, genau am Ufer des Tejo, da wo heute die Avenida da Ribeira das Naus entlangführt.
Dort wo heute das Arsenal da Marina (dt.: Zeughaus der Marine) steht, stand einmal das Königliche Schloss „Paço da Ribeira“ und genau nebenan stand das riesige Opernhaus.

Beides, sowohl das königliche Schloss als auch die Oper wurden am 01. November 1755, bei dem großen Erdbeben von Lissabon (dt.: Grande Terramoto de Lisboa), völlig zerstört.

Erbaut wurde das weiß-goldene Opernhaus, in dem insgesamt 600 Personen Platz fanden, aufgeteilt in 38 Logen und einem riesigen Parkett, von dem italienischen Stararchitekten Giovanni Carlo Sicinio Galli Bibiena, der aus einer berühmten Architekten- und Bühnenbildnerfamilien stammt und der von König José I damals den Auftrag erhielt, ein Opernhaus zu bauen, „welches die Welt noch nie gesehen hat“.

Eröffnet wurde die Oper, die auch unter dem Namen „Real Casa da Ópera (dt.: „Königliches Opernhaus“) bekannt war, am 31. März 1755, dem Geburtstag von Königin Mariana Victoria, mit dem Werk „Alessandro nell’ Inche“, des Komponisten David Perez.

Noch zwei Opern wurden in dem majestätischen Opernhaus uraufgeführt:
Am 06. Juni die Oper „La clemenza di Tito“ und dann am 16. Oktober die Oper „Antigono“, beides Werke des italienischen Komponisten Antonio Mazzoni.

In den frühen Morgenstunden des Allerheiligentages 1755, nach nur 215 Tagen und drei Uraufführungen, fiel das Opernhaus, das eines der grandiosesten des damaligen Europas war, dem Erdbeben und dem nachfolgenden Feuer völlig zum Opfer.

Als Prämierminister Sebastião José de Carvalho e Melo, der Marquês de Pombal, daran ging Lissabon nach dem verheerenden Erdbeben wieder aufzubauen, hatte er ursprünglich vor, die Oper wieder zu errichten.
Doch durch die knappen Kassen geriet der Wiederaufbau der Ópera do Tejo immer wieder in weite Ferne, bis zum Jahr 1793, als das neue Teatro Nacional de São Carlos endlich eröffnet wurde.