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Donnerstag, 28. Mai 2015

Das neue Kutschenmuseum in Lissabon





D. Afonso de Albuquerque, einst Vizekönig in Indien, blickt gelassen, in Bronze, von einer pseudo-manuelinischen Säule auf den gleichnamigen Platz und Grünanlage im Lissabonner Stadtteil Belém herab.
Am Nordende der Praça Afonso de Albuquerque befindet sich das alte Gebäude des nationalen Kutschenmuseums (port.: Museu Nacional dos Coches), eines der meistbesuchten Museen der portugiesischen Hauptstadt.
Auf der anderen Straßenseite, praktisch gegenüber des alten Museums, ist am vergangenen Wochenende, nach einer langen Plan- und Bauphase, endlich das neue Gebäude des Kutschenmuseums eröffnet worden. Eigentlich ist das neue Museumsgebäude bereits seit 2013 fertig gebaut, konnte aber aufgrund der schlechten finanziellen Lage in Portugal erst jetzt eröffnet werden.

„Portugals Seewege sind seine besten Trophäen. Die grässlichen Landwege stapft höchstens der Teufel entlang, und selbst der Belzebub würde umkehren, grau von Staub und krumm von Mühsal und höllisch fluchend vor Entsetzen.“
Diese wenig schmeichelhaften Reiseerinnerungen eines Franzosen sind über 150 Jahre alt. Aber die Kutschen, Karossen, Tragstühle und Sänften im alten und im neuen Lissabonner Kutschenmuseum sind um vieles älter (lesen sie hierzu bitte auch meinen Blogeintrag „Das Kutschenmuseum in Belém“, vom 06. Januar 2010).

Das imposante Museumsgebäude das am 23. Mai 2015 eröffnet wurde, auf den Tag genau 110 Jahre nach der Eröffnung des ersten Kutschenmuseums im Jahre 1905, ist ein Werk des brasilianischen Stararchitekten und renommierten Pritzker-Preisträgers Paulo Mendes da Rocha und des Portugiesen Ricardo Bak Gordon.

Insgesamt hat das neue Museum eine Ausstellungsfläche von 6.000 m², bestehend aus zwei riesigen Ausstellungshallen und einer großen Halle für Sonderausstellungen, sowie einem Auditorium und einer Bibliothek. Somit ist das neue Museum drei Mal so groß wie das alte Ausstellungsgebäude.

Vorerst 80 Kutschen und Karossen aus verschiedenen Epochen und Ländern, wie Italien, Frankreich, Spanien, Österreich und natürlich auch Portugal, werden im neuen Museumsgebäude ausgestellt.
55 Reisegefährte wurden vom alten in das neue Museum transportiert und 25 Kutschen wurden aus dem Museum der ehemaligen Königsresidenz, dem Herzogspalast von Vila Viçosa, nach Lissabon gebracht.
Zu besichtigen sind fortan im neuen Kutschenmuseum so prachtvolle und aufwendig gestaltete Kutschen wie

– Coche de D. Filipe II (dt.: Kutsche von Philipp II)
mit dieser Reisekutsche, die älteste des Museums, reiste der spanische König Philipp II im Jahre 1581 von Madrid nach Lissabon, um sich hier die portugiesische Königskrone aufzusetzen und so die portugiesisch-spanische Personalunion zu proklamieren

– Coche de D. Maria Francisca de Sabóia (dt.: Kutsche von Maria Francisca von Savoyen)
diese besonders schöne Kutsche aus dem 17. Jahrh., eine französische Arbeit, gehörte zum Fuhrpark der Nichte des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV, Königin Maria Francisca, die hintereinander Gattin zweier portugiesischer Könige war

– Coche do Embaixador (dt.: Kutsche des Botschafters)
mit dieser prachtvollen Kutsche fuhr im Jahre 1716 der portugiesische Botschafter D. Rodrigo de Almeida e Meneses bei Papst Clemens XI in Rom vor. Der prunksüchtige portugiesische König João V ließ diese pompöse, goldverzierte Kutsche einstmals in Rom bauen. Große mythische Figuren die die Flüsse Tiber und Tejo und die Städte Rom und Lissabon symbolisieren, zieren die Seitenwände des offenen Wagens.
In überlieferten Schriften heißt es, die anderen Diplomaten hätten sich damals geniert in ihren eigenen Kutschen beim Heiligen Vater vorzufahren. Diese Galakutsche war eine von fünf Kutschen die König João V einstmals in Rom anfertigen ließ. Zwei andere dieser fünf Kutschen waren die Kutsche der Ozeane und die Lissabonner Krönungskutsche

– Coche dos Oceanos (dt.: Kutsche der Ozeane)
Dies war eine weitere Kutsche die der damalige Botschafter Portugals, D. Rodrigo de Almeida e Meneses, im Jahre 1716 bei seinen diplomatischen Missionen in Rom bei Papst Clemens XI benutzte.
Auch sie wurde, wie die so genannte Kutsche des Botschafters, von König João V in Rom in Auftrag gegeben.
Das besondere an dieser pompösen Kutsche sind die vergoldeten Putten, die den Atlantik, den Indischen Ozean, den Pazifik und das Mittelmeer symbolisieren 

– Coche da Coroação de Lisboa (dt.: Lissabonner Krönungskutsche)
auch diese Kutsche ließ sich der prunkliebende König João V im Jahre 1716 in Rom anfertigen. Im Gegensatz zu den anderen Kutschen die sich der König in Italien anfertigen ließ, war diese nicht für den diplomatischen Dienst angefertigt worden, sondern war für zukünftige Krönungszeremonien in Lissabon gedacht.
Da die Kutsche über 7 m lang und 3 m breit war ist sie in den damaligen engen Straßen Lissabons nie im Einsatz gewesen. Nach ihrer Fertigung wurde diese prachtvolle Kutsche per Segelschiff nach Lissabon gebracht

– Coche da Coroa (dt.: Kutsche der Krone)
diese Galakutsche aus dem Anfang des 18. Jahrh. wurde von vom portugiesischen König João V in Frankreich in Auftrag gegeben und von dessen Botschafter am Hofe des Sonnenkönigs, Luis Manuel da Câmara Graf von Ribeira Grande, benutzt

– Coche Papa Clemente XI (dt.: Kutsche von Papst Clemens XI)
König João V erhielt diese Kutsche im Jahre 1715 von Papst Clemens XI als Geschenk zur Geburt seines Sohnes, des portugiesischen Thronfolgers José, geschenkt

– Coche de D. Pedro II (dt.: Kutsche von Pedro II)
diese mit vergoldeten Holzschnitzereien versehene Kutsche aus dem 17. Jahrh. gehörte einstmals dem Bragança-König Pedro II. Sie ist im französischen Stil aber in Portugal angefertigt worden

– Coche dos Patriarcas (dt.: Kutsche der Patriarchen)
die Lissabonner Patriarchen ließen sich in dieser im 17. Jahrh. gebauten und mit silberbesticktem Samtbrokat versehenen Kutsche anno dazumal über das schlechte Pflaster schaukeln

– Coche de D. Maria Ana de Austria (dt.: Kutsche von Maria Ana von Österreich)
als die Habsburger Erzherzogin Maria Ana von Österreich im Oktober 1708 mit einer Flotte von elf Schiffen in Lissabon eintraf um den portugiesischen König João V zu ehelichen, brachte sie unter anderem aus ihrer Heimat eine prachtvolle Kutsche mit.
Diese Kutsche, die heute ihren Namen trägt, wurde vom Bruder von Maria Ana, Kaiser Josef I, in Österreich in Auftrag gegeben und dort von österreichischen und holländischen Handwerkern gebaut

– Coche de D. João V (dt.: Kutsche von João V)
in Portugal hergestellt, ist diese Kutsche eine der wenigen, von denen man mit Sicherheit sagen kann wer sie gebaut, bzw. dekoriert hat.
Anfang des 18. Jahrh. bat der portugiesische Monarch João V die Brüder José de Almeida, Bildhauer, und Felix Vicente de Almeida, Holzschnitzer, darum ihm eine Prunkkarosse zu bauen. Für die malerischen Verzierungen und Bilder an der Kutsche wurden die beiden Maler José da Costa Negreiros und der Franzose Pierre-Antoine Quillard herangeholt.
Das Ergebnis ist die prachtvolle Kutsche die man heute im Kutschenmuseum bewundern kann  

– Coche de D. José I (dt.: Kutsche von José I)
diese in Portugal, im Stile Louis XV erbaute Kutsche, wurde im 18. Jahrh. von König José I in Auftrag gegeben.
Für ihren Bau waren die Brüder José de Almeida und Felix Vicente de Almeida verantwortlich. Die Malereien die den Wagen zieren werden dem portugiesischen Künstler Cirilo Volkmar Machado zugeschrieben

– Carruagem da Coroa (dt.: Staatskarosse)
König João VI gab diese Kutsche im Jahre 1824, kurz nachdem er aus Brasilien nach Portugal zurückgekehrt war, in Auftrag.
Sie diente ihm und seinen Nachfolgern als Staatskarosse. Im Jahre 1889 wurde die Kutsche signifikant umgebaut um dem Monarchen Carlos I als Krönungskutsche zu dienen.
1957 wurde die Kutsche anlässlich des Staatsbesuches von Königin Elisabeth II von Großbritannien aus dem Museum geholt und nochmals als Staatskarosse benutzt.
Dies war das letzte Mal, bis auf die kurze Reise die sie jetzt vom alten ins neue Museumsgebäude gemacht hat, das die Kutsche das Museum verlassen hat  

– Landau do Regicidio (dt.: Landauer des Königsmord)
diese viersitzige, vierrädrige und an beiden Achsen gefederte Kutsche, Landauer genannt, ist ein portugiesisches Fabrikat und stammt aus dem Ende des 19. Jahrh. Dieser Landauer ist das Fahrzeug, auf den am 01. Februar 1908 ein Attentat gegen den König verübt wurde.
Als der königliche Landauer an diesem Tag den zentralen Platz Terreiro do Paço überquerte, feuerten zwei Attentäter auf die königliche Familie.
König Carlos I und der Thronfolger Luis Filipe kamen bei diesem Königsmord (port.: regicidio) ums Leben. Nur Königin D. Amélia, die Begründerin des ersten Kutschenmuseums, und der zweitälteste Sohn des Königpaares, Manuel,  überlebten das Attentat.
An dem ausgestellten Landauer kann man heute noch sehr deutlich die entsprechenden Einschusslöcher erkennen.

Das neue Museu dos Coches, das pro Jahr an die 350.000 Besucher anziehen soll, hat dem portugiesischen Staat 40 Millionen Euro gekostet.
Am jetzigen Eröffnungswochenende besuchten knapp 20.000 Besucher die neuen Ausstellungshallen.

Sonntag, 13. April 2014

Mafra – die größte Votivgabe der Welt


Zwei Wege führen in das 45 km nordwestlich von Lissabon gelegene Städtchen Mafra.
Der eine verläuft über Sintra nach Norden, der andere führt weiter östlich über Loures. Wählt man die über Loures führende Straße, so sieht man gleich hinter der Stadtgrenze von Lissabon Odivelas liegen – eine zu schnell gewachsene Satellitenstadt die einmal für ihr Zisterzienserinnen-Kloster, den Mosteiro de São Dinis e de São Bernardo, berühmt war, das König Dinis, dessen schwerer gotischer Steinsarkophag in der Apsis steht, um 1300 von dem Baumeistergeschwisterpaar Antão und Afonso Martins errichten ließ.

Unter einem späteren Nachfolger von König Dinis auf dem portugiesischen Thron, König João V, war Odivelas und sein Kloster vor allem für köstliches Gebäck aus der Klosterbäckerei bekannt. Aber es gab einen anderen, viel triftigeren Grund warum Odivelas bei João V so beliebt war. Der Monarch hatte mit mehreren Nonnen des Klosters lustvolle Verhältnisse.
Mit einer dieser Nonnen, Madre Paula Teresa, hatte er sogar eine längerdauernde Beziehung. Diese amouröse Beziehung zu Madre Paula führte dazu, dass diese dem König drei Söhne schenkte. Einer dieser Söhne, Gaspar, wurde später einmal Erzbischof von Braga und ein anderer, José, sogar Großinquisitor des Landes.
Das Erdbeben von 1755 ließ von dem alten Kloster kaum etwas übrig, und so wurde er im alten Stil wieder aufgebaut.

Dafür glänzt, nur 30 km nordwestlich von Odivelas, ein anderes Kloster in einem unscheinbaren Städtchen: der gigantische Klosterpalast von Mafra (port.: Convento e Palácio de Mafra), der Kloster, Kirche und Palast in einem ist.
Nur ein prunkliebender Barockfürst wie König João V konnte sich diese imposante Anlage ausdenken, die als Konkurrenzunternehmen zum spanischen El Escorial von Philipp II erbaut wurde und gleichzeitig ein steinernes Gelübde zum Dank für die Geburt des Thronfolgers von João V ist.
Sicherlich, königliche Gelübde schlugen in Portugal schon mal öfters in prächtige Kirchenbauten zu Buche.
Manuel I mit seinem Mosteiro dos Jerónimos (dt.: Hieronymuskloster) in Belém, den er zum Dank für die Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama einst bauen ließ, war das große Vorbild.
Es war nun einmal in Portugal Gang und Gäbe, dass die Monarchen ihren privaten Handel mit Gott machten, und Votivgaben als Versprechungen leisteten.

Und so gelobten König João V und seine Gemahlin Königin Maria Anna von Österreich ein Kloster zu Ehren des in Portugal sehr beliebten Heiligen Antonius (port.: Santo António) zu bauen, wenn ihnen endlich ein Thronfolger geboren würde.
João V und Maria Anna hatten im Oktober 1708 geheiratet und erst 1711 wurde ihnen ein Kind geboren – allerdings ein Mädchen.
Erst 1714 wurde dem Paar endlich der ersehnte Thronfolger Infante José geboren und so wurde, wie versprochen, Mafra gebaut!

Die ehrgeizige Anlage für 300 Franziskanermönche und 150 Novizen stellte seinerzeit ein Großprojekt dar, dem das Land zu Beginn des 18. Jahrhunderts kaum finanziell gewachsen war und der das Königreich damals fast in den Staatsbankrott geführt hätte.
Nur die plötzlich aufkommenden riesigen Goldfunde in Brasilien konnten letztendlich das Projekt wahr machen.

Zahlreiche Ausländer mussten für die Vollendung des Bauwerks ins Land geholt werden.
Der Entwurf stammt z.B. von dem Deutschen Johann Friedrich Ludwig, den man hier in Portugal eher unter dem Namen João Frederico Ludovice kennt. In Portugal, wo er sich seit etwa dem Jahr 1700 aufhielt, wurde er von Königin Maria Anna, einer Habsburgerin, protegiert.
Für die Bildhauerwerkstatt rief man den Italiener Alessandro Giusti ins Land – die besten Skulpturen aus Carraramarmor aber bestellte der König gleich direkt in Rom und Florenz.

Am 17. November 1717 wurde der Grundstein für das Kloster gelegt. Um den Bau zu beschleunigen, wurden 45.000 arbeitsfähige Männer aus dem ganzen Land zum Dienst gezwungen. Sie mussten Tag und Nacht, praktisch unentgeltlich, arbeiten um den Traum des Königs zu verwirklichen. Deshalb wurden 7.000 Soldaten an die Baustelle abkommandiert um Aufpasser und Antreiber spielen.
Offiziellen Berichten zufolge sollen angeblich „nur“ 1.400 Männer bei den Bauarbeiten gestorben sein, obwohl andere Quellen von über 3.000 Toten Arbeitern während der Bauphase sprechen.
Die Kirche konnte bereits am 22. Oktober 1730, dem 41. Geburtstag von König João V, eingeweiht werden. Die Arbeiten an der Gesamtanlage zogen sich jedoch noch bis 1750 hin.

Angesichts der Ausdehnung und Maße des fertigen, fast quadratischen Komplexes stellt sich beim heutigen Betrachter fast ein leichtes Schwindelgefühl ein:
Der Klosterpalast von Mafra besitzt eine 220 m lange Fassade, eine unglaubliche Fläche von 40.000 m², 4.500 Fenster und Türen, 9 Innenhöfe und 1.200 Zimmer und Sälen deren Besichtigung in der Mehrzahl leider nicht möglich ist, da ein großer Teil des Convento heute als Militärkaserne dient.
Die Vorderfront ist rechts und links von riesigen Eckpavillons eingerahmt und wird von der zentralen Kirchenfassade mit ihren zwei Türmen sowie von einer Vierungskuppel beherrscht. Die mit Marmor ausgestattete Kirche wirkt Dank ihrer klaren Linien harmonisch, aber kühl.
Marmor ist zweifelsohne Mafras Baustein.

Sehenswert ist auch die von Manuel Caetano de Sousa entworfene Bibliothek mit ihren 36.000 Bänden.
Die Kulisse dieser Bibliothek ist einfach nur edel.
Sie ist ganz aus rosafarbenem Marmor und exotischen Hölzern aus den königlichen Kolonien. Eine doppelstöckige, 88 m lange Galerie mit Schränken voller wertvoller Bücher, von denen viele Erstausgaben sind machen sie zu einer der schönsten Bibliotheken Europas.
Zu den Kostbarkeiten der Bibliothek zählen die älteste Homerausgabe in Griechisch, mehrere Bibel aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die Stücke von Gil Vicente, des ersten Dramaturgen Portugals, aus der Zeit Manuel I, und vor allem die Erstausgabe der weltberühmten „Os Lusíadas“ von Luis Vaz de Camões.
Bedauerlich, dass man hier nicht sitzen und blättern kann, denn die Bibliothek ist heute nur fürs Auge gedacht. Wahrscheinlich saß auch nie ein Bragança-König hier, um in seinen Schätzen zu schmökern.
Einfach nur schade!

An die Bibliothek grenzt der Botanische Garten des Klosterpalastes und an diesen schließt sich das 819 Hektar große ummauerte Waldgebiet Tapada de Mafra an. Dieses Waldgebiet, in dem es auch heute noch Wildschweine, Rot- und Damhirsche und noch anderes Jagdwild gibt, war einmal das königliche Jagdrevier und wurde von allen Monarchen rege für ihre Jagdgesellschaften benutzt.

Mafra spielt eine wichtige und positive Rolle in der portugiesischen Kunstgeschichte. Eine ganze Generation portugiesischer Handwerker und Künstler wurden in der so genannten „Schule von Mafra“ geschult und geprägt. Zu ihnen zählen, um nur zwei von vielen zu erwähnen, der Bildhauer Joaquim Machado de Castro und der Architekt des Königpalastes von Queluz Mateus Vicente de Oliveira.
Als im Jahre 1807 die französischen Truppen Napoleons Portugal überfielen und die Bragança nach Brasilien flohen, waren die Tage von Mafra als ständiger Wohnpalast gezählt.
Als König João VI 1822 wieder nach Portugal zurückkehrte, weigerte er sich den Palast wieder regelmäßig zu bewohnen. Er zog die Paläste von Queluz und Sintra vor; sie waren ihm weniger kalt und protzig.
Das Kloster wurde im Jahre 1834 von den Mönchen aufgegeben.
Dafür kamen 1840 die Militärs und blieben dort bis heute.
In einem Teil des riesigen Komplexes des Klosterpalastes ist heute ein Infanterieregiment untergebracht.

So protzig und museal die königlichen Räume der Bragança auch waren, so spartanisch und genügsam waren die Zellen der Mönche die hier Tür an Tür mit dem König und seinem Gefolge lebten. Wie einfach die Mönche damals im Kloster leben mussten, so ganz ohne Komfort, kann jeder heute bei einem Besuch des Klosterkomplexes mit eigenen Augen sehen.
Erst wenn man die Mönchszellen besucht hat, wird einem das Abgründige in König Joãos einst gegebenes Gelübde deutlich:
Er baute den Mönchen eine armselige Bleibe mit Totenschädeln an den Zellwänden, während er sich selbst und den Seinen einen feudalen Palast errichten ließ, der trotz aller Grenzenlosigkeit einfach nicht wohnlich genug war.
Und selbst der letzte Monarch Portugals, König Manuel II, hat einmal gesagt, dass er mit Mafra nur melancholische und schmerzhafte Erinnerungen verbinden würde.
Wer will es ihm verdenken!
Hier in diesem riesigen Palast verbrachte er seine letzte Nacht in Portugal, bevor er mit seiner Mutter und Großmutter am 05. Oktober 1908 vom nahen Strand in Ericeira nach England ins Exil fliehen musste.

Aus Mafra muss man heute aber nicht mehr fliehen.
Im Gegenteil, heute sollte man sich auf alle Fälle die Zeit nehmen und diesen Abstecher in das Lissabonner Umland, nach Mafra, unbedingt gönnen, wenn man einpaar Tage Urlaub in Lissabon plant.
Es lohnt sich alle mal!

Donnerstag, 10. April 2014

Lissabon, so wie es einmal war...





Seit dem vergangenen Samstag, den 05. April 2014, kann man in den Ausstellungsräumen der ehemaligen königlichen Schiffstaufabrik Cordoaria Nacional (dt.: Nationales Tauwerk), im Rahmen der alljährlich stattfindenden Lissabonner Kunst- und Antiquitätenmesse (port.: Feira de Arte e Antiguidades de Lisboa), vier ganz besondere Ölgemälde besichtigen.

Bei diesen vier Bildern eines unbekannten Meisters, die von den Galeristen Álvaro Roquette und Pedro de Aguir-Branco ausgestellt werden, handelt es sich um vier 50cm x 60cm große Ölgemälde aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die noch nie öffentlich ausgestellt wurden.

Die vier Gemälde zeigen einzigartige Ansichten von Lissabon vor dem großen Erdbeben vom 01. November 1755, wie das alte Königliche Allerheiligenkrankenhaus (port.: Hospital Real de Todos-os-Santos), das ehemalige Königsschloss (port.: Palácio Real da Ribeira), das Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) und den Klosterpalast von Mafra (port.: Convento-Palácio de Mafra).

Die vier Gemälde im Einzelnen:

Das erste Gemälde stellt das ehemalige königliche Allerheiligenkrankenhaus (port.: Hospital Real de Todos-os-Santos) am Lissabonner Rossio dar.
Das dreistöckige Gebäude stand einstmals da, wo sich heute der Platz Praça da Figueira befindet. Es war König João II der zwischen 1492 und 1504 das Krankenhaus als das modernste der damaligen Zeit erbauen lies. Mit seinen ursprünglich 250 Betten war diese Heilanstalt bis ins 18. Jahrhundert hinein die größte und bedeutendste Krankenanstalt, nicht nur Lissabons, sondern ganz Portugals. Weil das Hospital Real für alle Bevölkerungsschichten zugänglich war – auch für die Armen der Armen – wurde es von der Bevölkerung auch oftmals „Hospital dos Pobres“ (dt.: Krankenhaus der Armen) genannt.
Hinzu kam, das das Hospital Real de Todos-os-Santos nicht nur als Krankenhaus diente, sondern auch als Irrenanstalt (port.: Casa dos doidos) und Kinderheim (port.: Casa das crianças abandonadas).
Als ein großes Erdbeben am 01. November 1755, dem Allerheiligentag, die Stadt Lissabon verwüstete, fiel auch das königliche Allerheiligenkrankenhaus – welche Ironie des Schicksals –  der Naturgewalt zum Opfer. Das Krankenhaus wurde nach dem Erdbeben nicht wieder aufgebaut!

Das zweite Bild zeigt das ehemalige königliche Stadtschloss Paço da Ribeira (dt.: Uferpalast), der einstmals am Fluss Tejo stand, dort wo sich heute die Gebäude des großen Platzes Praça do Cemercio befinden. Auch wenn das königliche Schloss heute nicht mehr existiert, so wird der Platz heute noch, wie zu Zeiten der Monarchie, von den meisten Lissabonnern Terreiro do Paço genannt, was soviel wie Palastterrasse heißt.
Es war König Manuel I der im Jahre 1498 beschloss von der festungsartigen, zügigen Burg Castelo de São Jorge runter in die Lissabonner Unterstadt zu ziehen und dort seine neue luxuriöse Unterkunft zu errichten. Bewusst wählte er als Standort für seinen Palast das Hafengebiet aus, mit all seinen Werften, Kontoren und Lagerhäusern, um so der ganzen Welt die damals beginnende Beziehung Portugals zur Seefahrt und zu seinen Überseekolonien symbolisch zu demonstrieren.
Der König und sein Hof bezogen den im manuelistischen Stil errichteten Palast, der als einer der schönsten in Europa galt, im Jahre 1503, nach einer Rekordbauzeit von nur fünf Jahren.
Im ersten Stock des königlichen Schlosses war aber auch die mächtige Casa da India (dt.: Indienhaus) untergebracht, die zentrale Behörde des damaligen Königreiches, die alle Kolonien und Überseeprovinzen verwaltete und gleichzeitig als Archiv aller Entdeckungsfahrten diente.
Im Erdgeschoß befand sich die Casa da Livraria, eine riesige und bedeutende Bibliothek mit über 70.000 verschiedenen Büchern, unzähligen und einzigartigen handschriftlichen Dokumenten und tausenden von See- und Landkarten.
Zum Palastkomplex gehörte ab dem 17. Jahrhundert auch der damals neu erbaute Palácio Corte Real, genau neben den Paço da Ribeira, das als Wohnpalast des jeweiligen Thronfolgers diente.
Am Morgen des 01. November 1755, dem Allerheiligenfeiertag, wurde auch der imposante Paço da Ribeira, mit all seinen einzigartigen Schätzen, ein Opfer des furchtbaren Erdbebens.
Der Königspalast wurde nach dem Erdbeben nicht wieder aufgebaut!

Das dritte Gemälde zeigt das im frühen 15. Jahrhundert erbaute Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos), noch völlig schnörkellos und ohne den manuelistischen Schmuck, so ganz anders wie wir ihn heute kennen.
Es war König Manuel I der dieses bedeutende Gotteshaus, gleich nach der Ankunft Vasco da Gamas von dessen ersten Indienreise, in Belém, am Ufer des Tejo, errichten lies.
Das Hieronymuskloster war eines der wenigen Gebäude Lissabons, das das Erdbeben vom 01. November 1755 ziemlich unbeschadet überstand.

Das vierte und letzte Bild stellt den Nationalpalast von Mafra (port.: Palácio Nacional de Mafra) dar, ca. 45 km nordwestlich von Lissabon.
Einstmals von dem aus Deutschland stammenden Architekten João Frederico Ludovice (dt.: Johann Friedrich Ludwig) im Auftrag von König João V zwischen 1717 und 1730 im Barockstil erbaut, ist dieses Schloss die größte Palast- und Klosteranlage Portugals und die zweitgrößte der Iberischen Halbinsel. Nur der Palastkomplex von El Escorial, in der Nähe von Madrid, ist imposanter.
Um eine Vorstellung der Größe vom Palastkloster von Mafra zu haben, hier einige ziemlich imposante Zahlen und Fakten:
Der Palast hat eine Fläche von etwa 40.000 m² die sich über 1.200 einzelne Räume verteilen. In diesen Räumen gibt es über 4.500 Türen und Fenstern. Es sind 9 stattliche Innenhöfe vorhanden und die Klosterkirche beherbergt 6 imposante Orgeln. Die 96 Glocken der zwei Glockenspiele wiegen zusammen unglaubliche 217 t.
Und noch eine bemerkenswerte Zahl: die Bibliothek, der größte Schatz des Palastkomplexes, besitzt 36.000 gebundene Bücher!

Diese vier wunderbaren Ölgemälde sind Bildnisse eines einzigartigen Lissabons, so wie es vor dem großen Erdbeben 1755 existiert hat, und wie wir alle, die wir heute Leben, es nie kennen lernen durften.
Deshalb, wenn es ihnen möglich ist, besuchen sie die Ausstellung in der Cordoaria Nacional im Stadtteil Belém, und schauen sie sich Lissabon an, so wie es einmal war.
Sie werden es nicht bereuen!

Sonntag, 15. Dezember 2013

500 Jahre Bairro Alto


Jede größere Stadt auf der Welt hat ihr klassisches Vergnügungsviertel oder ihre Vergnügungsmeile, wo an jedem Abend und vor allem an den Wochenenden,  das Leben pulsiert und die meisten Nachtschwärmer auf ihre Kosten kommen.

Auch Lissabon hat solch ein Viertel – den  Bairro Alto (dt.: oberes Viertel).
Dieses Viertel hat tagsüber eine recht ruhige und idyllische Atmosphäre, wo eine nachbarschaftliche Gemeinschaft großgeschrieben wird.
Aber jede Nacht verwandelt sich das Bairro Alto, mit all seinen urigen Bars, schicken Clubs, flippigen Szenelokalen, traditionellen Restaurants und hippen Diskotheken in ein El Dorado für Nachtschwärmer.

Am heutigen 15. Dezember feiert dieses, auch im Ausland, berühmte Lissabonner Stadtviertel, seinen 500. Geburtstag!

Wer heute durch die engen Gassen des Bairro Alto geht, der kann sich nur schwer vorstellen, wie es hier vor 500 Jahren ausgesehen hat, bzw. wie sehr sich diese Gegend hier in den letzten fünf Jahrhunderten verändert hat.

Vor 500 Jahren gab es hier auf dieser Anhöhe über der Altstadt von Lissabon nur Felder und Wiesen. Hier wurde Landwirtschaft betrieben und vor allem Weingärten, Weideflächen und Olivenhaine breiteten sich hinter der fernandinischen Stadtmauer aus.
Noch heute erinnern Straßennamen wie Rua da Vinha (dt.: Weinbergstraße), Rua do Loreiro (dt.: Lorbeerstraße), Rua do Carvalho (dt.: Eichenstraße) oder Rua da Horta (dt.: Gemüsegartenstraße) an diese Vergangenheit.

Damals gehörten die Ländereien dem jüdischen Chirurgen und Astrologen Abraão Guedelha Palaçano, der im 15. Jahrh. im Dienste der portugiesischen Könige Duarte I und Afonso V stand.
Als unter König Manuel I die Judenverfolgungen einsetzten, verkaufte die Witwe Guedelhas den außerhalb der Stadtmauern liegenden Besitz an die zwei Edelleute Filipe Gonçalves und Luis Atouguia, deren Erben 1513 mit seiner Erschließung und Parzellierung der Gegend begannen.
Diese Parzellierung erfolgte, dies ist urkundlich belegt, am 15. Dezember 1513!
So wurde das Bairro Alto, deren erster Name eigentlich Vila Nova de Andrade war, mit seinen fast rechtwinkeligen Gassen und Straßen zum ersten Beispiel einer planmäßigen Urbanisierung in der Geschichte Lissabons.
Einem zeitgenössischen Bericht aus dem Jahre 1527 nach, standen in dem neuen Viertel, gerade mal 14 Jahre nach seiner Gründung, schon bereits 408 Gebäude und ca. 1000 Menschen lebten hier.

Als sich im Jahre 1553 die Jesuiten am Rande des Viertels niederließen und mit dem Bau ihrer Prunkkirche São Roque (port.: Igreja de São Roque) begannen, kam das Bairro Alto so richtig in Mode.
In unmittelbarer Nähe der Kirche ließen sich damals viele adelige Familien und reiche Kaufleute ihre Stadtpalais und eleganten Häuser errichten.

Mit den Entdeckungsreisen der portugiesischen Seefahrer flossen ab dem 16. Jahrh. aus Indien, Afrika und Brasilien ungeahnte Reichtümer nach Portugal und ließen so das Handwerk und den Handel in Lissabon florieren.
Dafür brauchte man in der Stadt unbedingt neue Geschäftsviertel, zumal Lissabon nach zwei großen Erdbeben so schwer beschädigt worden war, das man zusätzlich neunen Wohnraum benötigte.
Also ließen sich damals wie heute im Bairro Alto viele kleine Handwerker, Sattler, Möbeltischler, Schuster, Barbiere, Bader und Kupferschmiede nieder und auch Bäcker, Metzger, Trödler, Krämer Drucker und Gemüsehändler eröffneten hier ihre Läden.

Das Bairro Alto wurde mit den Jahren zu dem geschäftigsten Stadtteile Lissabons und sein Auftrieb war so bedeutend, das im Jahre 1742 König João V dem Viertel sogar einen autonomen Status einräumte.
Mit diesem autonomen Status sollte die Wirtschaft weiter gestärkt werden, aber auch die steigende Kriminalität und die Prostitution im Viertel sollten leichter kontrolliert und bekämpft werden.

Im Bairro Alto wurde 1759 die erste „grüne“ Verordnung Portugals erlassen. Damals war das Viertel so dicht bevölkert, das es zunehmend Probleme mit der Müllbeseitigung gab. Und so wurde damals per Gesetz erlassen, dass die Bewohner des Viertels keine Esel und Pferde mehr halten durften und auch das Beschmutzen der Straßen mit Unrat und Abfällen wurde ihnen bei Strafe verboten.
Verboten wurde ihnen auch der Bau von Holzhütten, da diese das Bild des Bairro Alto „störten“, wie es damals hieß.

Ende des 18. Jahrh., das Bairro Alto hatte das große Lissabonner Erdbeben vom 01. November 1755 ziemlich unbeschadet überstanden, siedelten sich hier viele Druckereien, Verlage und
Zeitungshäuser an.
Die beiden Straßennamen Rua do Século, benannt nach der nicht mehr existierenden Zeitung „O Século“, und Rua do Diário de Noticias, benannt nach der heute noch erscheinenden Tageszeitung „Diário de Noticias“, zeugen davon.
Die Zeitungsverlage mussten dann, in Folge der Industrialisierung, mit den Jahren aus dem Viertel wegziehen.

Nur die Antiquitätengeschäfte, die Boutiquen, die Restaurants, die Fadolokale und die vielen Bars sind dem Bairro Alto geblieben.
Sie geben noch heute diesem Lissabonner Stadtviertel, das jeden Einwohner und Besucher die verschiedenen Facetten seiner Welt im Kleinen spüren lässt, etwas ganz besonderes.
Und auch die Probleme mit denen sich das Bairro Alto und die Lisabonner Stadtverwaltung heute herumschlagen müssen, wie die steigende Prostitution, die Drogen, das verbotene Glücksspiel oder die bedenkenlose Ausbeutung der Untermieter, werden daran nichts ändern.
Das Bairro Alto wird sich immer wieder neu erfinden und überleben – bestimmt noch die nächsten 500 Jahre.

Happy Birthday Bairro Alto!

Freitag, 7. Juni 2013

Miradouro da Senhora do Monte



Hügelstädte sind immer unordentliche Städte.
Sie sind unbequem, sie zerfallen in Quartiere und nie kann man sie an einem Zug durchwandern.
Auch Lissabon ist solch eine unordentliche Stadt, die von Hügeln gekrönt wird!
Einer dieser Hügel ist der Hügel von Graça (port.: Colina da Graça), der vom Miradouro da Senhora do Monte (dt.: Aussichtspunkt Unserer Lieben Frau auf dem Berg) gekrönt wird.
Zweifellos hat man von diesem atemberaubenden Aussichtspunkt den, meiner Meinung nach, schönsten Panoramablick über Lissabon, von der Georgsburg (port.: Castelo de São Jorge) hinüber zur Baixa und den Tejo.

Seinen Namen verdankt der Miradouro da Senhora do Monte einer alten Kapelle, die an diesem Ort steht.
Die ursprüngliche Kapelle geht auf den Bau eines kleinen Gotteshauses, der bereits im Jahre 1147, gleich nach der Eroberung von Lissabon durch die Portugiesen von den arabischen Mauren, zurückgeht.
Sie wurde damals dem katholischen Heiligen Sankt Genesius gewidmet.
Dieser Sankt Genesius, den die Portugiesen São Gens nennen, war der erste Erzbischof Lissabons, und predigte bereits zu Zeiten der Römer das Wort Gottes in der Stadt am Tejo.

Die ursprüngliche Kapelle stand einstmals, vom Mittelalter bis zum großen Erdbeben von 01. November 1755, etwa 130 Meter weiter südlicher als die heutige Kapelle gleichen Namens.
Die Capela da Senhora do Monte, so wie wir sie heute kennen, wurde im Jahre 1796 von Augustinermönchen neu erbaut.
Sie ist sehr klein, und sie ist heute nur sehr sporadisch zu Gottesdienstzeiten geöffnet.

Obwohl sie, im vergleich zu anderen Lissabonner Gotteshäusern, winzig ist, verbirgt sie in ihrem Inneren einen sehr ausgefallenen „Kirchenschatz“.
Unmittelbar gleich nach dem Eingang der Kapelle, auf der rechten Seite, fällt dem Besucher eine dunkele Holztür auf.
Hinter dieser Holztür befindet sich ein Stuhl, der aus einem einzigen Stein gehauen ist, und eine Reliquie ist.

Dieser Steinstuhl soll der Stuhl sein, auf dem einstmals Sankt Genesius als Erzbischof saß.
Er wurde nach dem Erdbeben von 1755 aus der alten, zerstörten Kapelle gerettet und dann 1796 in dem neuen Gotteshaus wieder aufgestellt.
Als Reliquie ist dieser Stuhl seit dem 12. Jahrhundert ein Gegenstand religiöser Verehrung, denn dem Glauben nach kann jede schwangere Frau, die sich auf ihn vor ihrer Niederkunft hinsetzt, mit einer ruhigen, entspannten und unkomplizierten Geburt rechnen.

Ob Legende oder nicht – Fakt ist, das noch heute einige schwangere Frauen, aus vielen entlegenen Orten Portugals, vor ihrer Niederkunft, in dieser Lissabonner Kapelle vorbeischauen, um sich auf den Stuhl von Sankt Genesius (port.: Cadeira de São Gens) zu setzen.

Das Aufsuchen dieser Kapelle und des Stuhls durch schwangere Frauen hat eine lange Tradition, durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten der Gesellschaft hinweg.
Selbst die Gemahlin des portugiesischen Königs João V, Königin Maria Ana von Österreich, soll jedes Mal vor der Geburt eines ihrer sechs Kinder, den Stuhl des Heiligen Genesius aufgesucht haben.

Wie ich schon erwähnt habe, ist die Capela da Senhora do Monte, und somit natürlich auch der Stuhl, nur sehr selten zu besuchen, da die Kapelle die meiste Zeit verschlossen ist.
Nur ab und zu wird sie heute noch als Bet- und Andachtsraum von den Augustinermönchen des nahen Convento da Graça (dt.: Kloster von Graça) benutzt.

Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Leser dieses Blogs einmal Glück und findet die Tür dieses Gotteshauses geöffnet.
Dann empfehle ich ihm auf alle Fälle einen Besuch der Kapelle und des Stuhls.
Er wird diesen Besuch, verbunden mit der einzigartigen Aussicht vom Miradouro, für immer in Erinnerung behalten!

Dienstag, 10. Januar 2012

Königin Maria Sofia de Neuburgo


In der hessischen Stadt Darmstadt, meiner zweiten Heimatstadt, kann man im dortigen Museum des großherzoglichen Schlosses ein Porträt eines Kleinkindes bewundern.
Das Gemälde, aus dem Jahre 1675, zeigt die neunjährige Enkelin des damaligen Landgrafen Georg II von Hessen-Darmstadt.
Kaum einer, der das Museum besucht, weiß dass auf dem Gemälde eine zukünftige portugiesische Königin abgebildet ist.

Bei dem neunjährigen Mädchen, das hier von dem unbekannten Maler mit einem dezenten Lächeln gemalt worden ist, handelt es sich um die kleine Marie Sophie Elisabeth von Neuburg und der Pfalz, die später einmal unter dem Namen Maria Sofia Isabel de Neuburgo e do Palatino do Reno e Bragança den portugiesischen Thron besteigen wird.

Die kleine Marie Sophie war eine Tochter des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz und dessen zweiten Ehefrau Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt.
Sie erblickte am 06. August 1666 auf Schloss Benrath bei Düsseldorf das Licht der Welt.

Wie alle Kinder von Kurfürst Philipp Wilhelm, genoss auch Prinzessin Marie Sophie eine, für die damalige Zeit, äußerst umfangreiche, musikalische, religiöse und wissenschaftlich fundierte Ausbildung.

Marie Sophie wurde in ein kinderreiches Haus hineingeboren. Insgesamt hatte sie 16 Brüder und Schwestern!
Als zukünftige Königin war sie, was ihre Geschwister anging, in allerbester Gesellschaft.
Ihre Brüder Johann Wilhelm und Karl Philipp z.B. folgten ihrem Vater als Kurfürsten von der Pfalz.
Ihre Schwester Eleonore Magdalena wurde an der Seite von Leopold I Kaiserin des römisch-deutschen Kaiserreiches.
Eine andere Schwester von ihr, Maria Anna, wurde als Ehefrau von Carlos II, Königin von Spanien.
Drei ihrer Brüder schlugen eine Kirchenlaufbahn ein.
So wurde ihr Bruder Franz Ludwig Kurerzbischof von Trier, ihr Bruder Ludwig Anton wurde Bischof von Worms und Alexander Sigismund wurde Bischof von Augsburg.

Sie ist 20 Jahre alt, als der portugiesische Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva sich am 08. Dezember 1686 auf dem Weg macht, um bei ihrem Vater, im Auftrag von König Pedro II, der seit vier Jahren Witwer ist, um ihre Hand anzuhalten.
Man wird sich schnell über die Einzelheiten einig, und am 22. Mai 1687 wird der Heiratsvertrag in Heidelberg unterschrieben.

11 Tage später, am 02. Juli 1687, heiratet Marie Sophie per procura in der kurfürstlichen Kapelle zu Heidelberg König Pedro II von Portugal und wird dessen zweite Ehefrau.
Ihr Vater, Kurfürst Philipp Wilhelm, hatte sich im Heiratsvertrag verpflichtet, seiner Tochter eine Mitgift von 100.000 Gulden auf dem Weg nach Lissabon mitzugeben.

Aber der Kurfürst konnte diese Vereinbarung nicht einhalten.
Zwar hatten die Stände von Pfalz-Neuburg der Braut, anlässlich ihrer Hochzeit, 20.000 Gulden geschenkt, ihr zukünftiger Schwager Carlos II von Spanien gab ihr weitere 20.000 Gulden mit auf dem Weg und die jülich-bergischen Landstände machten ihr 10.000 Gulden zur Schenkung.
Dennoch blieb Kurfürst Philipp Wilhelm dem portugiesischen Königshaus erst einmal 50.000 Gulden schuldig, die Hälfte der vereinbarten Mitgift.
Er verpflichtete sich, in einem Zusatz des Heiratvertrages, die fehlende Summe innerhalb von 12 Monaten zu begleichen.

Nichtsdestotrotz machte sich Prinzessin Marie Sophie mit Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva und ihrem kleinen Gefolge am 01. August auf den Weg nach Portugal.
Sie reiste zuerst auf einem Schiff den Rhein hinauf und wurde in den Städten Worms, Mainz und Köln feierlich empfangen und dann jedes Mal mit Glanz und Pomp verabschiedet.
Dann überschritt die Prinzessin mit ihrem Gefolge die Grenze zu den Niederlanden.
Hier bestieg Marie Sophie in der Kleinstadt Brila ein englisches Schiff, das ihr James II von England zur Verfügung gestellt hatte, und das sie nach Portugal bringen sollte.

Am 12. August, zur Mittagszeit, ankerte das Schiff, welches Prinzessin Marie Sophie nach Portugal gebracht hatte, im Hafen von Lissabon an.
König Pedro II persönlich holte sie vom Schiff ab und gemeinsam begaben sich beide zur Kapelle des, heute leider nicht mehr existierenden, königlichen Palastes Paço da Ribeira, wo sie vom Lissabonner Erzbischof Luis de Sousa in persona verheiratet wurden.
Die umfangreichen Reisekosten Marie Sophies bestritt damals ihr Bruder Johann Wilhelm.

Maria Sofia, wie die portugiesische Form ihres Namens fortan lautete, war die 25. Königin Portugals.
Die zwölf Jahre, in dem sie den Titel einer Königin trug, waren ohne eine einzige Intrige oder einem einzigen negativem Ereignis ihrerseits behaftet.
Dennoch wurde König Pedro II schon kurze Zeit nach der Hochzeit ihrer überdrüssig, wahrscheinlich weil Kurfürst Philipp Wilhelm ihm die restliche Mitgift schuldig blieb.
Das Verhältnis zwischen dem König und der Königin wurde mit den Jahren immer schwieriger und war alsbald auch vor dem Hof nicht mehr zu verbergen.

Maria Sofia war eine sehr gläubige, gutmütige, respektvolle und beim Volk sehr beliebte Königin.
Die Tatsache, dass sie Witwen und Waisen finanziell unterstützte und das sie sogar, zum Leidwesen ihres Ehemanns Pedro II, in einem Teilflügel des Königspalastes Kranke, Behinderte und Bettler zeitweise unterbrachte, brachten ihr die vollste Hochachtung des ganzen Volkes.

Politisch trat sie nur einmal in Erscheinung, nämlich als sie erfolglos gegen einen Beschluss des Königs vorging, der den kategorischen Verbot beinhaltete, ihren Lieblingsbruder Ludwig Anton am Lissabonner Hof zu empfangen.
Ludwig Anton hatte seine Schwester Maria Anna nach Spanien begleitet, als diese Carlos II ehelichte, und Königin von Spanien wurde.
Maria Sofia, seine andere Schwester, die jetzt Königin von Portugal war, schickte ihrem Bruder eine Einladung nach Madrid, damit dieser sie in Lissabon besuchen möge.
In Coimbra erhielt Ludwig Anton die Nachricht, dass er am Lissabonner Hof nicht erwünscht sei, da Pedro II auch nicht zur Hochzeit von Anna Maria und Carlos II an den spanischen Hof eingeladen worden war.
Selbst nach mehrmaligen Bitten Maria Sofias an Pedro II, ihren Bruder in Lissabon empfangen zu dürfen, blieb der König hart.

Bis auf diese und ähnliche unerfreuliche persönliche Begebenheit mit ihrem Mann, verlief das Leben von Maria Sofia am Lissabonner Königshof recht ruhig und unspektakulär.

Spektakulär waren dagegen ihre Schwangerschaften.
In nur zwölf Jahren schenkte sie ihrem Mann sieben Kinder.
Die Tatsache, dass sie so viele Kinder in so kurzer Zeit gebar, obwohl sie und der König sich eigentlich nicht verstanden, lässt nur eine Schlussfolgerung zu, die damals ein offenes Geheimnis am Hofe war und die da lautete:
„der König nahm die Königin, wenn er einen gewissen Drang verspürte“.

Von den sieben Kindern die Maria Sofia auf die Welt brachte, starben zwei im Kindesalter, nämlich ihr Erstgeborener Sohn Infante João Francisco im Jahre 1688 und ihre Tochter, Infantin Teresa Maria, die 1696 geboren wurde und nur fünf Jahren alt wurde.

Das Erwachsenenalter erlangten ihr zweiter Sohn, der ebenfalls auf den Namen João getauft wurde und später seinem Vater als João V auf dem Thron folgte, Infante Francisco Xavier, Infante António Francisco, Infante Manuel José und Infantin Francisca Josefa.

Im Juli 1699 erkrankte Königin Maria Sofia in ihrer Residenz, dem Palácio dos Corte Real, plötzlich an einer schweren Gesichtsgürtelrose (port.: erisipela do rosto), die ihr ganzes Gesicht und ihren Kopf in Mitleidenschaft zog und ihr ungeheuerliche Schmerzen verursacht haben muss.
Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich von Tag zu Tag mehr und der König, obwohl er noch nicht einmal 200 Meter von ihr im angrenzenden Palast Paço da Ribeira lebte, lässt sich nicht ein einziges Mal an ihrem Krankenbett blicken.

Am 04. August 1699, zwei Tage vor ihrem 33. Geburtstag, erliegt Königin Maria Sofia in ihrem Palast an den Folgen ihrer schweren Krankheit.
Der König lässt daraufhin ihren Leichnam in den königlichen Palast Paço da Ribeira bringen und erst jetzt erweist er der Königin die letzte Ehre.

In der Kirche São Vicente de Fora, in der Gruft der Braganças, findet die vom Volk so geliebte und von ihrem Mann so wenig respektierte Königin Maria Sofia de Neuburgo letztendlich ihre letzte Ruhestätte.

Dienstag, 26. Januar 2010

Igreja de São Roque






Am letzten Freitag ging ich mit meinen Arbeitskollegen Yves und Miguel im Bairro Alto einen trinken.
Auf dem Weg zur Kneipe, die in der Rua de São Pedro de Alcântara liegt, steht auch die Igreja de São Roque (dt.: Sankt Rochuskirche), eines der reich geschmücktesten Kirchen der Hauptstadt.
Spontan beschlossen wir die Kirche zu besuchen, denn im Gegensatz zu mir, hatten Yves und Miguel noch nie die Kirche von innen gesehen, obwohl sie, wie sie selber meinten, schon tausende Male an ihr vorbeigelaufen waren.

Wer so vor der nüchternen, und gradlinigen Fassade der Igreja de São Roque steht, kann sich kaum vorstellen wie opulent und reich die Kirche von innen dekoriert und ausgestattet ist.

Die ursprüngliche Fassade dieser Jesuitenkirche, aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, war aber durchaus nicht so schlicht wie die heutige.
Sie war ein Werk des italienischen Architekten Fillipo Terzi, und wurde beim großen Erdbeben von 1755 leider zerstört.
Nicht so aber die wertvolle Innenausrichtung.
Die blieb der Nachwelt glücklicherweise bis heute erhalten.

Das Innere der Igreja de São Roque ist ein Überschwank aus purem Gold, Gemälden, Elfenbein, Marmor, Azulejos und barocken, vergoldeten Holzschnitzereien (port.: telha dourada).
Glanzvoller Höhepunkt dieser Innenausstattung ist die letzte Seitenkapelle, auf der linken Seite, die dem Heiligen Johannes dem Täufer (port.: Capela de São João Baptista) gewidmet ist.

Diese Kapelle, die zu den wertvollsten auf der Welt zählt, hat eine außergewöhnliche Geschichte.
Im Jahre 1742 gab König João V, dem italienischen Künstler und Architekten Luigi Vanvitelli in Rom den Auftrag, eine Kapelle zu bauen, „die alle bis dahin gebauten in den Schatten stellen sollte“.

So baute Vanvitelli in fünf Jahren in Rom die außergewöhnliche Kapelle zusammen.
Nachdem sie zusammengebaut war, wurde sie dann feierlich vom Papst geweiht, um dann wieder in ihre Bestandteile zerlegt zu werden, damit sie dann 1747 auf drei Schiffen nach Lissabon gebracht werden konnte.
Kaum war die wertvolle Fracht in Lissabon angekommen setzte man die Kapelle, wie ein Puzzle, Teil für Teil wieder zusammen, bis sie 1750 fertig gestellt war.
Diese einzigartige Kapelle ist ein barockes Kunstwerk in Gold, Edelsteinen, Silber, Elfenbein und Bronze.
Die Säulen sind aus reinem Lapislazuli, der Altar aus seltenem blauem Marmor und die Engel und Johannes der Täufer sind aus Carraramarmor und Elfenbein.

Überhaupt ist die ganze Kirche Igreja de São Roque ein einziges Wunderwerk an Pracht, Kunst und Reichtum.

Wer also von euch jemals an der schlichten Igreja de São Roque vorbeigehen sollte, der sollte sich wirklich die Zeit nehmen reinzuschauen.
Glaubt mir, es wird sich lohnen!

Dienstag, 24. November 2009

Ludovici, der Deutsche der zu Lebzeiten eine Legende war.


Wer jemals in Mafra war, einem kleinen Ort, 50 km nördlich von Lissabon entfernt, der wird vom gigantischen Klosterpalast (port.: Convento e Palácio Nacional de Mafra), der das kleine unscheinbare Städtchen fast erdrückt, begeistert sein.
Und wer aus Süddeutschland oder Österreich nach Mafra kommt, der wird staunen, wie sehr ihn der gewaltige Bau an seine heimatlichen Klöster und Barockschlösser erinnert.

Der Baumeister dieses riesigen Bauwerkes, Johann Friedrich Ludwig, der von den Portugiesen João Frederico Ludovici genannt wurde, brachte die Idee für dieses Werk, sein Meisterwerk, aus seiner deutschen Heimat nach Portugal.
Geboren wurde Johann Friedrich 1673, auf Schloss Honhardt in Schwaben, als Sohn von Peter Ludwig und dessen Ehefrau Elisabeth Rosina Engelhardt.

Als 14jähriger verliert Johann Friedrich seinen Vater, und sein Onkel Johann Wilhelm Engelhardt, Architekt von Beruf, nimmt sich seiner an.
Durch ihn lernt Johann Friedrich die liebe zur Architektur kennen. Doch von Beruf wird er erst einmal Goldschmied.
In Ulm und Augsburg erlernt er diese filigrane Fertigkeit.
1697 zieht er nach Rom, wo er in der Werkstatt des deutschen Goldschmieds Johann Adolf Gaap, arbeitet.
In Rom, wo er Anfang des Jahres 1700 die Italienerin Ciara Agnese Morelli heiratet, und, wie damals üblich, den italienischen Namen Giovanni Frederico Ludovici annimmt, widmet er sich nun regelmäßig seiner alten Liebe, der Architektur.
Aus Liebe zu seiner Frau, tritt er zum katholischen Glauben über, und lernt in dieser Zeit einige einflussreiche Jesuiten kennen.
Die Jesuiten sind es, die von seinen Goldschmiedarbeiten so begeistert sind, dass sie einige religiöse Dekorationsgegenstände für ihre Kirchen anfertigen lassen.

Mitte des Jahres 1700, fährt Ludovici mit seiner Frau Ciara in seine alte Heimat Schwaben, um sie dort seiner Familie vorzustellen.
Aus Gründen, die bis heute nicht nachvollziehbar sind, die aber so schwerwiegend gewesen sein müssen, das er sogar beschließt mit seiner Ehefrau nach Amerika auszuwandern, verwirft er sich mit seiner Mutter und seinen Geschwistern.

Ende 1700 kommt Ludovici mit seiner Gattin in Lissabon an, um hier ein Schiff in die Neue Welt zu nehmen.
Doch am 01. Januar 1701 ereignet sich ein Ereignis, welches Ludovici dazu bewegt, in Lissabon zu bleiben.
Sein Sohn João Pedro Ludovici kommt in Lissabon zur Welt, aber bei der Geburt des Kindes stirbt seine Ehefrau Ciara.

Ludovici verwirft daraufhin die Pläne nach Amerika auszuwandern und stürzt sich in die Arbeit.
Er ist verantwortlich für die Innenarchitektur vieler Jesuitenkirchen in Lissabon und Umgebung.
Auf Wunsch von König Pedro II erledigt er auch den einen und anderen Auftrag am Hofe.
Der Nachfolger von Pedro II auf dem portugiesischen Thron, König João V, ist von seinen Arbeiten so überzeugt, das er Ludovici 1712 den Auftrag für den Umbau des königlichen Palastes „Palácio da Ribeira“ gibt.
Völlig zufrieden mit diesen Umbauarbeiten, erteilt daraufhin der Monarch dem Architekten den Auftrag in Mafra ein Schlosskloster zu bauen, welches das spanische „El Escorial“ bei Madrid in den Schatten stellen soll.

Die Entwürfe Ludovicis sahen, auf Wunsch des Königs, eine Doppelfunktion der riesigen Anlage vor.
Einerseits sollte der Bau ein Palast für den Hof, andererseits ein Kloster für Hunderte von Mönchen sein.
João V und seine österreichische Gemahlin Maria Anna erfüllten aufgrund eines 1711 abgelegten Gelübdes und aus Dankbarkeit für die Geburt eines Thronerben, des späteren Königs José I, die Verwirklichung des Baus.
Mit den Bauarbeiten wurde am 17. November 1717 begonnen.
Sie sollten sich über 50 Jahr hinziehen…

Die Durchführung des überdimensionalen Projektes stellte für den Architekten keine geringe Aufgabe dar: Bisweilen arbeiteten 50 000 Handwerker und Hilfskräfte am Bau.
Den portugiesischen Staat brachte dieser Bau fast an den Rand des Ruins.
Über 60 Bildhauer fertigten, auf Anweisungen Ludovicis, die zahlreichen Statuen der Kirche, die zu den Meisterwerken portugiesischer Kunst zu zählen sind.
Mönche schufen die Einbände einer Bibliothek, die fast vollständig die Werke der Zeit umfasste.
Eine Kunstakademie (port.: Escola de Risco) die Ludovici in Mafra gründete, lehrte junge Portugiesen an, auch für spätere Generationen im Geiste der Schule von Mafra tätig zu sein.

Aber Ludovici ist nicht nur für den Monumentalbau in Mafra verantwortlich, sondern er ist auch der Erbauer, unter anderem, des Hochaltars der Kathedrale von Évora (port.: Sé de Évora), des Hochaltars von Sankt Vincent in Lissabon (port.: São Vicente de Fora), der Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), mit ihrem charakteristischen Uhrturm und teilweise ist er auch der Konstrukteur des Aquädukt von Alcântara (port.: Aqueduto das Águas Livres no Vale de Alcântara).

Für sich selbst erbaute Ludovici, in der Nähe von Benfica, das Landgut „Quinta de Alfarrobeira“, in dessen Kapelle er 1720 mit der Portugiesin Anna Maria Verney seine zweite Ehe einging, und mit der er sieben gemeinsame Kinder hatte.
Nach seiner Heirat nahm er die portugiesische Staatsbürgerschaft vom König dankend an und ließ sich erneut umtaufen.
Aus Giovanni Frederico Ludovici, ehemals Johann Friedrich Ludwig, wurde nun João Frederico Ludovici.

João Frederico Ludovice wurde 1750 von König José I zum Hofarchitekten (port.: Arquitécto-mor / lat.: Regius Architectus) ernannt und zum Brigadegeneral der Infanterie (port.: Brigadeiro da Infantaria) befördert. Außerdem wurde ihm der Christusorden verliehen, die höchste Auszeichnung der portugiesischen Nation.

Hoch geehrt, bewundert und sogar geliebt, verstarb Ludovici am 18. Januar 1752 in Lissabon, als lebende Legende.

Dienstag, 14. Juli 2009

Cembalos – Made in Portugal


Man mag es ja heute kaum glauben:
Aber es gab mal eine Zeit, da war Portugal im restlichen Europa, und somit natürlich weltweit (denn die damalige „zivilisierte Welt“ bestand ja nur aus Europa, so meinte man damals), berühmt und äußerst beliebt für seine Cembalos (port. Cravos) und seine Cembalo-Musikkomponisten.

Die Zeiten sind aber leider vorbei, denn im Portugal von heute werden, bis auf ganz wenige Ausnahmen, kaum noch eigene Marken und Selbstentwickelte Produkte hergestellt - und erst Recht keine portugiesischen Cembalos mehr gebaut.

Heute, so könnte man meinen, sind Portugiesen nur dazu in der Lage, bei VW-AutoEuropa am Fliesband zu stehen, und Autos zusammen zu basteln um sie dann dem deutschen Mutterkonzern mit der Aufschrift „Made in Germany“ zurückzusenden.

Aber wie am Anfang dieses postes schon erwähnt, so gab es mal eine Zeit in Portugal, nämlich im 18. Jahrhundert, da waren Cembalos aus Portugal äußerst beliebt und gefragt.

Jedes Könighaus in Europa, jeder angesehene Komponist und viele Kirchen die keine Orgel besaßen, nannten einen Cembalo Made in Portugal ihr Eigen.
Selbst im Vatikan wurden die portugiesischen Cembalos gespielt. Die Instrumente zeigten sich durch „technisch hervorragende Genialität“ aus, so Johann Sebastian Bach, der selber Besitzer eines solchen Instrumentes war.
Die berühmtesten Cembalo-Bauer waren Joaquim José Antunes und José Calisto. Ihre Instrumente waren so begehrt und sie selber als Instrumentenbauer so gefragt, das der portugiesische König João V, beide mit einen Ausreiseverbot versah, denn er wollte um keinen Preis das sie an einem anderen europäischen Königshof tätig wurden.

Aber wie schon Beethoven sagte: „Ein Instrument ist nur so gut, wie der der auf ihm spielen kann“.
Und so muss man hier, wenn man schon die Cembalos erwähnt, die wohl berühmtesten Cembalospieler der damaligen barocken Zeit erwähnen:

Es sind zum einen Pedro António Avandano (1714-1782) und zum anderen Carlos Seixas (1704-1742).
Carlos Seixas spielte schon als Kleinkind ganze Partituren und Konzerte. Mit 8 Jahren komponierte er sein erstes Stück. Diesem sollten noch über 150 eigene Kompositionen folgen. In Portugal wird Carlos Seixas als der portugiesische Mozart bezeichnet, weil er wie dieser, als sehr kleines Kind musikalisch Tätig war und komponierte, und weil er wie sein österreichischer Kollege sehr früh, im Alter von 38 Jahren, verstarb.

Mit diesem post ist es mir vielleicht gelungen klarzumachen, das Portugal nicht nur das Land der Seefahrer und Entdecker ist, sondern das es ebenso geniale Komponisten und Instrumentenbauer hatte, und teilweise auch heute noch hat, wie jede andere Kulturnation auch.

Mit einem gravierenden Unterschied:
in Portugal wurde früher und wird auch heute noch, im Gegensatz zu anderen Ländern Europas, leider recht wenig auf Kultur gegeben!