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Donnerstag, 12. November 2009

Chá Gorreana


Das Tee (port.: Chá / lat.: Camellia sinensis) seinen Ursprung im fernen China hat, ist wohl jedem bekannt.
Das es aber portugiesische Seefahrer waren, die Anfang des 17. Jahrhunderts, diese aromatischen Blätter aus Macau nach Europa brachten, wissen nur wenige.
Die Portugiesen waren es denn auch, die den Tee in Europa verbreiteten.

Auf den Britischen Inseln machte vor allem eine Frau, den Tee salonfähig.
Catarina de Bragança, portugiesische Infantin, und Tochter von João IV, heiratete 1662 den englischen König Charles II.

Catarina brachte als Mitgift, unter anderem, eine Truhe Tee aus China - zu dieser Zeit ein Vermögen wert - mit an den britischen Hof und führte seinen Gebrauch am englischen Hof ein.
Jeden Tag, um 17 Uhr, trank Königin Catarina ihre Tasse Tee, in Gesellschaft ihrer Hofdamen.

Dank Catarina de Bragança trinkt England noch heute so viel Tee wie kein anderes europäisches Land, und dank ihr, hat sich bis heute auch die Tradition des „Five o´clock teas“ beibehalten.

Der größte Teil der Teeproduktion findet auch heute natürlich in Asien statt. Aber auch in Europa wird Tee angebaut. An einem einzigen Ort. Nämlich auf der Azoreninsel São Miguel.
Dieser Tee ist eng mit einer azorianischen Familie verbunden, nämlich der Familie Hintze.

Es war Hermelinda Hintze, Tochter einer Azoreanerin und eines Deutschen, die im 18. Jahrhundert die Teeplantage Gorreana gründete.
Die Plantage ist heute noch in Familienbesitz, und wird von Margarida Hintze, einzige Erbin der Besitzungen und der Fabrik, und ihrem Ehemann, Hermano Ataíde Mota, geführt.

Die jährliche Teeproduktion beträgt nur ca. 25 bis 30 Tonnen.

Von diesen 25 bis 30 Tonnen Tee, sind nur drei Tonnen für den Export in die USA, Großbritannien und Kontinentaleuropa bestimmt.
Der Rest wird auf den Azoren selbst und natürlich in Portugal getrunken.

Tee hat auf den Azoren eine lange Tradition.
Während man auf Portugals Festland z.B. Kaffee trinkt, um wach zu werden, trinkt man auf den Azoren Tee.
Und während man auf dem Kontinent Wasser trinkt, um den Durst zu löschen, trinkt man auf den Azoren ebenso Tee.
Denn Tee ist weltweit das einzige Getränk, das sowohl einen aufputschenden als auch einen beruhigenden Wirkungsstoff hat.
Tee Gorreana ist qualitativ ein Spitzenprodukt, und unter Teetrinkern sehr beliebt.

Dienstag, 8. September 2009

Die Azoreninsel São Miguel





São Miguel ist die einzige Azoreninsel die ich persönlich kenne.
Als ich 1996 eine Woche auf ihr verbrachte, wurden ich und meine Familie von der dortigen Bevölkerung mit offenen Armen empfangen.
Ich möchte wetten, dass sich daran bis heute nichts geändert hat, und die Bewohner von São Miguel weiterhin ihre Gäste herzlich empfangen.

Was mir von São Miguel vor allem noch in Erinnerung geblieben ist, sind das quirlige Leben in Ponta Delgada, die Stille der weiten Landschaften, die schönen Kraterseen, die vielen Aussichtspunkte, die heißen Quellen in Furnas, die riesigen Hortensien und das sehr gute Essen.

Die Ilha de São Miguel ist eine der zwei Inseln der Östlichen Azorengruppe (Grupo Oriental) und sie ist mit 750 km² und 132.000 Einwohnern, die größte und bevölkerungsreichste Insel des Archipels.
Zugleich ist São Miguel das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Azoren.
Wegen der außergewöhnlichen Fruchtbarkeit wird São Miguel auch die „grüne Insel“ genannt.

Die meisten Bewohner der Insel siedeln vorzugsweise an der Südküste. Sie leben vorwiegend von der Landwirtschaft, insbesondere von dem Anbau von Mais, Feigen, Ananas, Orangen, Wein und Tee.

Die höchste Erhebung der Insel ist mit 1105 m der Pico da Vara, im Osten der Insel. Die Insel hat wunderschöne Bergseen. Die sehenswertesten und schönsten sind die Caldeira das Sete Cidades, die Lagoa das Furnas und die Lagoa do Fogo.
Das die Insel vulkanischen Ursprungs ist, erkennt man an den vielen warmen und mineralischen Quellen, die es vor allem in den Tälern von Ribeira Grande und im Tal von Furnas gibt.

Hauptstadt der Insel und gleichzeitig auch Hauptstadt der Autonomen Region der Azoren (Região Autónoma dos Açores) ist, mit 66.000 Einwohnern, Ponta Delgada.

Weitere wichtige Städte auf São Miguel sind

- Ribeira Grande, im Norden der Insel. Diese kleine Stadt liegt reizvoll auf einem Lavaplateau und hat einen malerischen Stadtkern. In Riberira Grande kann man in der Pizzeria "O Canadiano", meiner persönlichen Meinung nach, die beste Pizza der Welt essen.

- Vila Franca do Campo, im Süden von São Miguel. Vila Franca do Campo war die ehemalige Hauptstadt der Insel, bevor sie 1522 durch ein verheerendes Erdbeben zerstört wurde.

- Furnas, im Zentrum der Insel. Furnas ist eine kleine Stadt inmitten einer vulkanischen Talsenke. Hier entspringen zahlreiche Spring-, Schlamm-, Schwefel- und Mineralquellen und Geysire. In Furnas befindet sich auch der schönste Botanische Garten der Insel, der Terra Nostra Park (Parque de Terra Nostra).

- Povoação, im Süden der Insel. Landschaftlich wunderschön, an einer weiten Bucht gelegen, ist Povoação die älteste Siedlung der Insel São Miguel.

Aber nicht nur die Städte sind auf São Miguel sehenswert.
Nein, vor allem die Landschaften sind atemberaubend.
Da wären z.B. die Caldeira das Sete Cidades, ein Vulkankrater mit zwei Kraterseen, einem grünen (Lagoa Verde) und einem blauen (Lagoa Azul).
Ein weiterer Kratersee, im Zentrum der Insel, ist die Lagoa do Fogo. Keine Straße führt an das Seeufer. Wer also an den See will, muss zu Fuß hinabsteigen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Abstieg, und danach der Aufstieg, sich auf alle Fälle lohnen!
Von den Aussichtspunkten in Achada, Nordeste, Povoação und Lagoa hat man eine wunderschöne Sicht auf die Insel und auf das Meer hinaus.
Von hier kann man auch oftmals die Wale vorbeischwimmen sehen!

Die größte wirtschaftliche Rolle spielt auf São Miguel der Tourismus, vor allem der Ökotourismus (Turismo rural).
Andere wirtschaftliche Standbeine der Insel sind die Landwirtschaft, hier vor allem der Obstanbau (Feigen, Maracujas und Orangen) und die Milchwirtschaft (Milch und Käse). Der Ananas- und Teeanbau spielen eine besondere Rolle für die Insel.
Auf São Miguel befinden sich nämlich die einzigen Ananas- und Teeplantagen (Chá de Gorreana) innerhalb der Europäischen Union.
Die Bedeutung des Tabakanbaus ist in den letzten Jahren dagegen stetig zurückgegangen. Bis noch vor zehn Jahren war São Miguel Europas größtes Anbaugebiet für Tabak.
Durch die vielen Antirauchkampagnen und den billigeren Tabak aus Afrika und Asien steht aber die Tabakindustrie auf São Miguel vor dem Aus.

Der Poet Antero de Quental, der Präsident der Republik Joaquim Teófilo Braga und der langjährige Außenminister und Parlamentspräsident Jaime Gama sind Söhne der Insel.