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Sonntag, 17. Mai 2015

Etwas gewöhnungsbedürftig: Kuttel nach Porto-Art


Wie in anderen mediterranen Ländern auch, wird hier in Portugal mittags und abends dem Essen eine große Beachtung geschenkt.
Ob Fleisch- oder Fischgerichte, die portugiesische Küche ist sehr vielfältig, durchaus lecker und obwohl die portugiesischen Nationalgerichte oftmals als sehr einfach gelten, bestehen sie fast immer aus qualitativ hochwertigen Produkten.

Eines der ausgefallensten portugiesischen Gerichte feiert dieses Jahr seinen offiziellen 600. Geburtstag – die „Tripas à moda do Porto“ (dt.: Kutteln nach Porto-Art), in Südportugal oftmals auch unter dem Namen „dobrada“ bekannt.

Zugegebener Maßen, Kutteln sind nicht jedermanns Geschmack – meins ist es jedenfalls nicht! – aber viele meiner Landsleute, vor allem die aus der Stadt Porto und dem nördlichen Portugal, lieben Kutteln so sehr, das sie sie irgendwann zum wichtigsten Bestandteil ihres Stadtgerichts „Tripas à moda do Porto“ machten.

Aber wie wurden aus Kutteln (port.: tripas), die eigentlich nichts anderes als Rindermägen oder –pansen sind und oftmals nur als Hundefutter Verwertung finden, ein hier in Portugal so beliebtes Gericht???

Nun, als am 25 Juli 1415 der damalige König von Portugal, João I, mit einer Armee von 20.000 Mann Lissabon verließ und sich anschickte die damalige Hochburg der arabischen Mauren, die marokkanische Stadt Ceute, zu erobern, wurde er von seinen Brüdern begleitet, unter ihnen auch der junge Infante Henrique, der später unter dem Namen „Heinrich der Seefahrer“ Weltruhm erlangen sollte.

Infante Henrique war im Jahre 1394 als vierter Sohn von König João I und seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) in der Stadt Porto geboren und war seit seinen Kindestagen mit seiner Geburtsstadt immer sehr verbunden.
Diese Bindung war so groß, das König João I, als er für seine Flotte im ganzen Königreich Lebensmittel für die groß angelegte Militäraktion in Marokko zusammentragen ließ, er seinen jüngeren Bruder Henrique darum bat in der Stadt Porto, die schon immer nicht besonders königstreu war, ein gutes Wort bei den Bürgern der Stadt für ihn einzulegen.

Dies tat Henrique auch, und die Bürger von Porto, die ihn schon damals sehr verehrten, trugen im Frühjahr 1415 alles Essbare zusammen, darunter jede Menge Gemüse, Eier, Fisch, Zitrusfrüchte, Getreide und Fleisch – sehr viel Fleisch!
Alles an Fleisch wurde damals mit Salz konserviert und später auf die über 200 Schiffe der Armada gebracht.
Für die Bevölkerung von Porto blieben, so hieß es später, lediglich nur die Innereien übrig.

Mehr gezwungen als freiwillig ihren gewohnten Lebensmitteln beraubt, musste die Stadtbevölkerung nun eine Alternative finden um sich Überbrückungsweise mit hochwertigen Nährstoffen und Proteinen vernünftig zu ernähren.

Und so kam es, der Legende nach, das irgendwann vor 600 Jahren einer oder mehrere Bürger der Stadt Porto auf die Idee kamen, die Rindermägen die ihnen übrig geblieben waren, zu säubern, in kleine Streifen zu schneiden, diese in einen Topf mit Wurst, Speck und weißen Bohnen zu schmeißen und daraus dann eine gastronomischen Besonderheit zu machen.

Die „Tripas à moda do Porto“ sind heute wohl die charakteristischste Spezialität Portos.
Die Bürger von Porto identifizieren sich so sehr mit diesem traditionellen Eintopf, das sie heute voller Stolz den Spitznamen „tripeiros“ (dt.: „Kuttelesser“) tragen und diesen in keinster Weise als Schimpfwort betrachten!


Donnerstag, 30. Oktober 2014

Azulejos – handbemalte Kostbarkeiten






Laut der amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ sind die portugiesischen Azulejos eines der zwölf Kostbarkeiten Europas (lesen sie hierzu meinen vorherigen Blogeintrag 
„12 Schätze Europas“, vom 26. Oktober 2014).
Zweifellos sind die Azulejos, diese bunten Kacheln, eines der bedeutendsten Symbole der portugiesischen Hauptstadt und des ganzen Landes.
Heute wurde ich gefragt wie die Azulejos denn nach Portugal kamen, wie alt die Kachelkunst hier zulande ist und welchen Stellenwert sie hatte und noch heute hat?!?  

Nun, ursprünglich waren es die Mauren, die die bemalten Kacheln aus Arabien auf die Iberische Halbinsel brachten. Sie dekorierten mit ihnen die Alhambra in Granada und den Alcázar in Sevilla. Von Spanien wurden die mit geometrischen Dekormustern und orientalischen Ornamenten bemalten Kacheln dann nach Portugal importiert.
Der Name Azulejo stammt nicht, wie viele glauben, vom portugiesischen Wort „azul“ (dt.: blau), sondern basiert auf dem arabischen Wort für „kleiner polierter Stein“ (arab.: al-zulij), denn der Ursprung des Azulejos liegt in der Mosaikkunst Arabiens.

Als König João I um 1400 seinen königlichen Palast in Sintra auf den Fundamenten des alten Maurenpalastes errichtete, gab er bei arabischen Kunsthandwerkern Azulejos in Auftrag.
König Manuel I ließ etwa hundert Jahre später, um 1500, Kacheln im Mudéjarstil herstellen und damit die Innenhöfe des Palastes von Sintra verkleiden.
Mudéjares waren Araber, die im Verlauf der Reconquista unter der Herrschaft der christlichen Königreiche in Portugal und Spanien lebten, die aber weiterhin ihren muslimischen Glauben ausüben konnten.
Die Azulejos im Mudéjarstil wurden damals mit dem Zeichen der Weltkugel dekoriert, dem königliches Symbol für Seefahrt und Entdeckungen zur Zeit Manuels I.
Da im Islam die Darstellung von Menschen verboten war und ist, zeichneten die Mudejár-Künstler abstrakte oder florale Muster auf die Kacheln und füllten die Flächen zwischen den geritzten Vertiefungen mit glasierter Farbe.
Diese Kacheln können heute bei einem Besuch des Nationalpalastes von Sintra (port.: Palácio Nacional de Sintra) bewundert werden.

Nach der Vertreibung der Mauren aus Portugal und später aus Spanien, fertigte man Kacheln in der aus Italien stammenden Majolika-Technik (ital.: Maiolica / port.: Maiólica) an: Flachkacheln auf die direkt mit dem Pinsel Figuren, Pflanzen und Landschaften aufgetragen wurden.
Anfang des 16. Jahrhunderts, als der Handel mit Flandern zu florieren begann, hatte sich der Einfluss flämischer Kachelkunst verstärkt.

Aber bereits Mitte des 16. Jahrhunderts machte sich ein individueller portugiesischer Stil vom ausländischen Einfluss frei.
Kachelbilder entstanden, die ganze Wände bedeckten. Ihre Szenen in Blau und Gelb auf weißem Grund erinnern an orientalische Teppiche.
Die Kombination aus kühlen Kacheln und „Talha dourada“, dem vergoldeten Holzschnitzwerk als typischem Dekorationselement, wurde im 17. Jahrhundert zum typischen Gestaltungsmerkmal für die Innenräume der Kirchen Portugals.
Die Farbpalette wurde um Grün, Rosa, Rot, Violett und Braun erweitert, und die Entwürfe reichten von naturalistischen bis zu phantastischen Bildern.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden flämische Kacheln immer beliebter; binnen kurzer Zeit setzten sich die feingezeichneten blau-weißen Kacheln in Portugal durch.
Die ersten Importe damals waren „azulejos de motivo solto“ (dt.: Kacheln mit lockerem Motiv), d.h. jede Kachel war mit einer einzelnen Figur bemalt.
Die portugiesische Vorliebe für das Monumentale führte dazu, dass damals ganze Räume mit großen Kachelwandbildern, wahren Fliesengobelins, verkleidet wurden.

Die große Nachfrage nach Kacheln förderte die Konkurrenz und die Herausbildung eines Stils von hoher Qualität und Sensibilität.
Der aus dem Alentejo stammende António de Oliveira Bernardes, der der „Michelangelo der portugiesischen Kachelmalerei“ genannt wurde, gründete an der Wende zum 18. Jahrhundert eine Schule, die sich auf Lissabonner Szenen spezialisierte. Die Azulejos aus seiner Werkstatt waren später für die Rekonstruktion einer Ansicht Lissabons vor dem Erdbeben 1755 von unschätzbarem Wert.
Eines dieser Kachelwandbilder, das größte und sicherlich eines der Schönsten, aus der Werkstatt von António de Oliveira Bernardes, ist knappe 23 m lang und trägt den Namen „Grande panorama de Lisboa“ (dt.: Großes Panorama von Lissabon). Man kann dieses imposante Kachelgemälde heute im nationalen Kachelmuseum (port.: Museu Nacional do Azulejo), der im ehemaligen Kloster Madre de Deus in Lissabon untergebracht ist, bewundern.

Der Wiederaufbau nach dem großen Erdbeben 1755 steigerte den Bedarf an Kacheln, sowohl für die Dekoration von Kirchen und Palästen als auch für Profanbauten, wie Krankenhäuser, Bäckereien, Gasthäuser, Tabakläden, etc.
Die Azulejos waren nicht nur attraktiv, sondern auch pflegeleicht und – ganz im Gegensatz zur Wandfarbe – bedurften nach der Anbringung keiner weiteren Instandhaltung mehr.
Unausweichlich führte die erhöhte Produktion zu einer Verminderung der Qualität.
Der Marques de Pombal ließ im Lissabonner Stadtteil Rato die königliche Kachelmanufaktur (port.: Real Fábrica de Louça do Rato) erbauen, um der immer stärker werdenden Nachfrage gerecht zu werden. In der Real Fábrica de Louça do Rato wurden z.B. die Kacheln für den Palácio Nacional de Queluz hergestellt (lesen sie hierzu bitte auch meine Blogeinträge „Der königliche Palast von Queluz, vom 27.03.2014 und „Die Wasserfontainen im Schlosspark von Queluz, vom 27.11.2010).

Um 1750 war der Import flämischer Ware fast zum Stillstand gekommen, und man fand zu mehrfarbigen Kacheln zurück.
Entsprechend dem Zeitgeschmack tauchten Ende des 19. Jahrhunderts Kränze, Vögel, Bäume, Segelschiffe, Blumen und oftmals Heilige oder ganze biblische Geschichten als dominierende Motive auf.
Wichtig sei zu erwähnen, dass die Azulejos damals, trotz Massenproduktion in den Fabriken, weiterhin handbemalt wurden.
Doch ab 1860 begann die Herstellung im Siebdruckverfahren und die großen Produktionszahlen konnten die hohen Preise mindern und den gestiegenen Bedarf decken, denn nun wurden auch die Fassaden ganzer Gebäude mit Kacheln verkleidet.

Bei der zeitgenössischen Kachelkunst lassen sich zwei Strömungen ausmachen: einerseits die Replika alter Entwürfe und andererseits die Ausführung individueller moderner Werke.
Viele namhafte portugiesische Künstler haben Kachel-Editionen produziert und produzieren sie noch, unter ihnen die Maler Rolando Sá Nogueira und Julio Pomar, die Grafikerin Maria Helena Vieiera da Silva und das Künstlerehepaar Francisco Keil do Amaral und Maria Keil.
Viele der Werke moderner Künstler können heute z.B. in den einzelnen Lissabonner Metrostationen oder auf dem ehemaligen Expo-Gelände bewundert werden.

Heute bieten viele Antiquitätenhändler alte Kacheln an, und auch auf dem berühmten Lissabonner Flohmarkt Feira da Ladra werden alte Azulejos für gutes Geld zum Verkauf angeboten.
Bei diesen angebotenen Azulejos handelt es sich aber oftmals um von den Hauswänden alter Gebäude entwendeter Kacheln.
Es ist eine Tragödie das heutzutage soviel Geschichte und Identität Portugals auf Flohmärkten verramscht wird.
Aber da letztendlich die Nachfrage das Angebot bestimmt und Azulejos in den letzten Jahren vor allen Dingen bei ausländischen Touristen sehr gefragt sind, wird sich an diesem Ausverkauf portugiesischer Geschichte und Identität in nächster Zeit leider kaum etwas ändern.
Jeder muss selber wissen, in wie weit er zur Zerstörung historischen Erbes beisteuern will!

Samstag, 9. August 2014

Feira de São Mateus – ein Volksfest mit Tradition


Dieses Wochenende hat in der nördlich von Lissabon gelegenen Stadt Viseu das traditionsreiche Volksfest Feira de São Mateus (dt.: Matthäusvolksfest) begonnen.
Die Feira de São Mateus, die weit über die Region Viseus hinaus bekannt ist, ist nicht nur der älteste Jahrmarkt Portugals sondern, mit seinen 622 Jahren, auch der älteste Verkaufsmarkt fahrender Händler auf der ganzen Iberischen Halbinsel.

Ihren Ursprung hat die Feira de São Mateus in einem Erlass von König João I aus dem Jahre 1392.
König João I hatte ein Jahr zuvor, 1391, mit seiner Gemahlin Königin Filipa de Lencastre (engl.: Philippa of Lancaster) aus Évora kommend, in der Stadt Viseu Einzug gehalten.
Hier in Viseu wurde dem Königspaar am 31. Oktober 1391 ein Thronfolger geboren, der spätere König Duarte I.
Aus Anlass dieses freudigen Ereignisses, erlaubte der König im schon erwähnten Erlass vom 10. Januar 1392, den Bürgern der Stadt fortan einen alljährlich stattfindenden steuerfreien Jahrmarkt (port.: feira franca) abzuhalten. Ein „steuerfreier Jahrmarkt“ bedeutete, das alle Bauern und Händler auf alle erwirtschaffteten Einkünfte während der Dauer des Volksfestes keine Steuern zu zahlen brauchten.  Dieser „Steuerfreie Jahrmarkt von Viseu“ (port.: „Feira Franca de Viseu“), so der erste Name des Volkfestes, fand in den ersten Jahren immer im Frühling, um den Tag des Heiligen Sankt Georgs herum statt, und dauerte immer drei bis vier Wochen.

Die Feira war, vom Beginn ihrer Gründung an, wirtschaftlich sehr bedeutsam.
Die umliegenden Bauern boten auf diesem Markt ihre Agrarerzeugnisse und ihr Vieh feil und die örtlichen Händler und Handwerker boten die unterschiedlichsten Waren und Erzeugnisse an. Aber auch viele Fernkaufleute und sogar Mauren aus der Algarve und Nordafrika boten damals die verschiedensten Produkte auf der „Feira Franca“ an.
Wie alle Jahrmärkte zog auch dieser mit der Zeit viele Schausteller, fahrendes Volk, Gaukler, Quacksalber, Wahrsager und Musikanten an.

In der Regentschaft von König Afonso V wurde der Jahrmarkt vom Frühling in den Herbst verlegt, und ab 1475 begann er alljährlich immer am 20. Oktober, dem Tag von Santa Iria (dt.: Heilige Irene von Portugal) und dauerte dann 14 Tage.
Da der Jahrmarkt nun bis in den November hineinreichte und das Wetter im Norden Portugals im Herbst oftmals sehr widrig war und ist, wurde die „Feira Franca die Viseu“ ab 1490 wieder im April veranstaltet.

Erst auf Veranlassung von König Manuel I wurde ab 1501 beschlossen die Feira Franca um den ersten Herbsttag eines jeden Jahres herum, dem 21. September, abhalten zu lassen. Da der 21. September kirchenkalendarisch der Tag des Heiligen Matthäus ist, wurde der Jahrmarkt fortan Feira de São Mateus genannt.

Über fünf Jahrhunderte hinweg konnte sich dieser einstmals so wichtige Jahrmarkt über Wasser halten. Aber Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts, verlor die Feira de São Mateus an Bedeutung. Das ging soweit, dass ab dem Jahre 1916 das Volksfest für neun Jahre nicht mehr abgehalten wurde.
Erst 1925 wurde der Marktbetrieb wieder ins Leben gerufen – seitdem bis heute ohne Unterbrechung!

Heute, 2014, erstreckt sich die Feira de São Mateus über ein Areal von 18.000 km² und hunderte Schausteller, in Portugal „feirantes“ genannt, bieten dort ihre Waren und Dienstleistungen an.
Aber auch der kulturelle Veranstaltungskalender kann sich dieses Jahr sehen lassen. Hierzulande sehr bekannte und beliebte Sänger und Gruppen wie z.B. Xutos & Pontapés, Ana Moura, Tony Carreira, Blind Zero, Paulo Gonzo oder Linda Martini werden dieses Jahr auf der Bühne der Feira de São Mateus 2014 auftreten.
Die diesjährige Feira de São Mateus findet bis zum kommenden 14. September 2014 statt.

Sonntag, 15. Januar 2012

Brites, die Bäckerin von Aljubarrota


Brites de Almeida wurde um das Jahr 1350 herum, in der Stadt Faro, an der Algarve, geboren, wo ihr Vater eine kleine Weinwirtschaft (port.: taberna) besaß.

Das ganze Leben dieser Frau, die tatsächlich einmal gelebt hat, basiert auf einer Legende, die heute noch, nach vielen, vielen Jahrhunderten, hier in Portugal gerne erzählt wird.

Der Legende nach war Brites de Almeida nicht gerade mit Schönheit gesegnet. Sie soll dickleibig gewesen sein, krauses Haar und eine Hakennase gehabt haben und außerdem sollen je sechs Finger ihre beiden Hände geziert haben.
Der Geschichte nach, muss Brites wohl ein recht schwieriges Kind gewesen sein, wohl das, was man heute hier in Portugal eine „Mariarapaz“ (dt.: ein Mannsweib) nennt.
Man sagt ihr nach, dass sie ihren Eltern das Leben nicht gerade einfach machte, denn ihre Lieblingsbeschäftigungen waren das Raufen und das Saufen, was für eine junge Frau von damals, und auch heute, nicht gerade eine erbauliche Lebensart war und ist.
Als sie 20 Jahre alt ist stirbt zuerst ihr Vater, und dann ein paar Monate später, auch ihre Mutter.

Nach dem Tod ihrer Eltern lernt sie einen jungen Soldaten kennen, der sie wohl mehr liebte, als sie ihn.
Eines Tages macht er ihr, wohl im betrunkenen Zustand, einen Heiratsantrag und bedrängt sie übermütig. Brites schlägt ihn daraufhin kurz und klein und rammt ihm ein Messer in die Brust.
Ihrer schweren Tat bewusst, verlässt sie sofort Faro auf dem erstbesten Schiff, das zum Auslaufen bereit ist.
Das Schiff ist auf dem Weg ins spanische Kastilien, wird aber nur zwei Tage nach dem Auslaufen in Faro von algerischen Piraten geentert und sie und alle anderen Passagiere werden als Sklaven nach Algier verkauft.
In Algier gelingt ihr die Flucht und sie nimmt wieder ein Schiff, diesmal eines in Richtung Heimat.
In Ericeira, nördlich von Lissabon, geht sie an Land. Da sie immer noch wegen Totschlags gesucht wird, schneidet sie sich die Haare kurz, verkleidet sich als Mann und verdient ihren Lebensunterhalt erst einmal als Eselstreiberin.
Irgendwann ist sie aber das ständige Flüchten leid, lernt einen Bäcker aus Aljubarrota kennen und heiratet diesen.

Als sich am 14. August 1385, auf einem Feld unweit ihrer Bäckerei, die Truppen Kastiliens und die Truppen Portugals, letztere befehligt von König João I und seinem großen Feldherren Nuno Álvares Pereira, sich in der Schlacht von Aljubarrota gegenüber stehen, hält es Brites nicht mehr zuhause aus.

In der Nähe des Feldes, auf dem die Schlacht tobt, hilft sie dem portugiesischen Heer, das in der Unterzahl ist und daher jede Hilfe gebrauchen kann, Gräben auszugraben und mit Fallen für die kastilischen Reiter zu drapieren, so genannten „Krähenfüße“, um die Pferde und die Füße der kastilischen Soldaten zu verletzen.
Die Portugiesen gewinnen, wie wir heute wissen, die Schlacht von Aljubarrota und die Kastilier werden in die Flucht geschlagen.

Als Brites an diesem Tag erschöpft in ihre Bäckerei zurückkehrt, sieht sie dass das Schloss ihrer Backstubentür aufgebrochen ist. Ihr wird klar, dass sich kastilische Feinde auf der Flucht in ihrer Bäckerei versteckt haben. Nach kurzem suchen, findet sie sieben kauernde kastilische Soldaten in ihrem Backofen.
Sofort nimmt sie ihren Brotschieber und machte kurzen Prozess.
Sie erschlägt die sieben Soldaten einen nach dem anderen – sozusagen „Sieben auf einen Streich“!

Bei dieser, von der Phantasie beflügelten Geschichte, handelt es sich fraglos um eine Legende, die als Beiwerk zu dem Wunder der Schlacht von Aljubarrota, in der eine kleine portugiesische Armee eine Übermacht Kastiliens besiegte, alsbald nach der Schlacht überall erzählt wurde.

Aber obwohl nur eine Legende, so hat es Brites de Almeida dennoch zu einer portugiesischen Heldin gebracht, die später in vielen Geschichten und Volksliedern verherrlicht wurde, die heute noch erzählt und gesungen werden.

Mittwoch, 30. November 2011

Die zweite Belagerung von Lissabon


In meinem post-Eintrag „Die Erste Belagerung und Eroberung von Lissabon“, vom 15. Oktober 2011, berichte ich, wie es der Titel deutlich macht, von der ersten Belagerung der Stadt Lissabon im Jahre 1147 durch die Portugiesen.

Wann immer die Bezeichnung „Erstes“ vor einem Geschehnis oder Ereignis steht, gibt es für gewöhnlich dann auch immer mindestens ein „Zweites“, wenn nicht gar ein „Drittes“, „Viertes“ usw. das folgt.
Im Falle der portugiesischen Hauptstadt gab es nach der ersten leider noch eine zweite Okkupation der Stadt, die dann auch als die „Zweite Belagerung von Lissabon“ (port.: „Segundo Cerco de Lisboa“) in die Geschichte einging.

Genau 237 Jahren nach der ersten Belagerung und Eroberung Lissabons durch die Truppen Afonso Henriques, bei der sie den moslemischen Mauren die Stadt entrissen haben, versuchten diesmal im Jahre 1384 die Truppen König Juan I von Kastilien, den Portugiesen die Herrschaft über die Stadt und das Land zu nehmen, in dem sie sie knapp fünf Monate lang belagerten.

Die Kastilier wollten damals die portugiesische Hauptstadt einnehmen, weil durch den Tod König Fernandos I im Jahre 1383, Portugal in eine schwere dynastische Krise gestürzt war.

König Fernando I war am 22. Oktober 1383 ohne direkten Thronfolger gestorben.
Seine einzige legitime Tochter Beatriz war, durch ihre Hochzeit mit Juan I, Königin von Kastilien geworden und lebte, als ihr Vater starb, schon außerhalb Portugals.

Ihr Ehemann Juan I erklärte seine Frau als legitime Herrscherin von Portugal um wohl selber später den portugiesischen Thron zu besteigen.
Zwar garantierte er dem portugiesischem Adel gegenüber, dies sei niemals seine Absicht, dennoch fügte er noch während der Krise, seinem kastilischen Wappen die Wappen von Portugal und der Algarve hinzu und ließ sogar Münzen mit dem Wappen beider Länder herausbringen.

Portugal wollte aber keinesfalls unter der Herrschaft Kastiliens stehen, und rebellierte daraufhin offen mit einem Volksaufstand gegen Juan I und seine Truppen.
Diese dynastische Krise sollte sich noch bis in den Dezember 1385 hinziehen, bis sich nämlich João de Avis, ein illegitimer Sohn von König Pedro I, dem Vater von König Fernando I, mit dem Namen João I feierlich krönen ließ.

Am 08. April 1384 fingen die Kastilier an, Lissabon einzukreisen und zu belagern.
Die 38 Tore der Lissabonner Stadtmauer wurden ab diesem Tag von den Portugiesen hermetisch abgeriegelt und die 77 Wachtürme wurden alle mit kriegbereiten Truppen besetzt.
Die Kastilier versuchten vom 08. April bis Anfang August fast täglich die Stadtmauer zu überwinden, doch diese erwies sich als ziemlich wehrhaft.

Der größte Feind der Lissabonner wurde mit der Zeit der Belagerung nicht Kastilien, sondern der Hunger, der sich langsam innerhalb der Stadtmauern breit machte
Eine aus Porto kommende portugiesische Armada, bestehend aus sieben Kriegsschiffen, konnte am 18. August für kurze Zeit die Umzingelung Lissabons durchbrechen und so die Stadt mit ein paar wenigen Lebensmitteln versorgen.
Doch die Kastilier konnten die Belagerung Lissabons wieder aufnehmen und sogar drei portugiesische Kriegsschiffe kapern.

Ab dem 22. August wurden die Eroberungsangriffe der Kastilier schlagartig weniger.
Der Grund war der Schwarze Tod (port.: peste negra), der sich unter den kastilischen Soldaten heftig ausgebreitete.
Durch die Epidemie und durch eine heldenhafte Intervention des Feldherren Nuno Álvares Pereira, der mit frischen Truppen aus dem Alentejo kam, konnte eine weitere Belagerung der Hauptstadt Anfang September verhindert werden.
Am 03. September 1384 konnte die zweite Belagerung Lissabons aufgehoben werden.

Die kastilischen Belagerungstruppen, oder das was von ihnen übrig geblieben war, flohen gen Norden.
Auf ihrem Weg in Richtung Kastilien plünderten und brandschatzten die feindlichen Soldaten, wohl aus Frust die Eroberung Lissabons nicht gemeistert zu haben, noch etliche Dörfer und Kleinstädte die auf ihrem Weg lagen.

Knapp ein Jahr nach der fehlgeschlagenen Belagerung und Eroberung Lissabons standen sich die Trupppen João I von Portugal und Juan I von Kastilien am 14. August 1385, auf einem Feld in der Nähe des kleinen Ortes Aljubarrota, gegenüber.
Die Portugiesen konnten damals, mit der Hilfe Englands, die Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) für sich gewinnen.
Die Verluste auf kastilischer Seite waren so groß, das Kastilien es sich die nächsten Jahre nicht leisten konnte erneut Portugal zu überfallen.

Somit hatten die Portugiesen an diesem 15. August 1385 nicht nur eine Schlacht gewonnen, sondern einen ganzen Krieg.
Juan I zog sich für lange Zeit nach Kastilien zurück und João I konnte als „Regent und Verteidiger des Königreiches“ ( port.: „Regedor e Defensor do Reino“) fortan über Portugal regieren.

Montag, 28. November 2011

Eselsohren: „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“


In der Zeit, in der ich jetzt gezwungen war im Krankenhaus zu liegen, habe ich zwei Bücher gelesen.
Zum einen das Buch „A vida privada dos Braganças“, von den zwei Schriftstellerinnen Ana Cristina Pereira und Joana Troni, das ich immer noch lese, und zuvor den Historienroman „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“, geschrieben von der großen englischen Autorin Isabel Stilwell.

Das Buch von Isabel Stilwill über die ehemalige Königin Filipa von Portugal, hatte ich schon im Jahre 2007, kurz nach seiner Erscheinung, gelesen.
Aber irgendwie konnte ich erst jetzt so richtig in die Geschichte dieses Romans „eintauchen“.

Als ich „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“ zum ersten Mal las, konnte ich mir damals zuerst nicht vorstellen das die vierjährige Philippa in ihrer Zeit so „erwachsen“ denken und handeln konnte, wie am Anfang des Buches beschrieben.
Ich hielt das ganze Werk von Isabel Stilwell einfach zu romantisch und kitschig.

Aber seitdem ich es mit meiner kleinen Nichte Lorena zu tun habe, weiß ich sehr wohl das Kleinkinder „erwachsen“ denken und handeln können – meistens wenn wir es Erwachsene am wenigsten von ihnen erwarten.

Als ich jetzt das Buch zum zweiten Mal las, habe ich es nicht mehr so übertrieben und unrealistisch dargestellt empfunden.
Im Gegenteil, ich glaube jetzt viel mehr über Königin Filipa und ihre Zeit, den damaligen Beziehungen zwischen Portugal und England, die Schlacht von Aljubarrota und die Inclita Geração erfahren zu haben!

Das Buch, das mit deutschem Titel „Philippa von Lancaster – Die Königin die Portugal veränderte“ heißen würde, handelt über die erste und einzige Königin Portugals die im Jahre 1387 aus England kam um hier, an der Seite ihres Mannes, König João I, zu regieren.

Philippa of Lancaster, wie ihr Geburtsname war, wurde im Jahre 1359 auf Lancaster Castle geboren.
Im Alter von 28 Jahren verließ die englische Prinzessin ihr geliebtes England um in der Stadt Porto König João I zu ehelichen.
Sie schenkte dem König und der Nation insgesamt acht Kinder, die so genannte Inclita Geração (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Inclita Geração“ vom 13. Oktober 2011) und sie soll eine gute, liebevolle Mutter und Königin gewesen sein.
Eines dieser Kinder war der weltberühmte Heinrich, der Seefahrer (port.: Henrique, o Navegador).
Sie stirbt am 19. Juli 1415, mit nur 55 Jahren, an der Pest, auch Schwarzer Tod (port.. peste negra) genannt, im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas), bei Lissabon

In ihrem historischen Roman bringt uns die Schriftstellerin und Journalistin Isabel Stilwell diese, für die damalige Zeit sehr kultivierte und couragierte Frau, eindrucksvoll näher.

Erschienen ist das Buch „Filipa de Lencastre – A Rainha que mudou Portugal“ bereits im Jahre 2007, im portugiesischen Verlag „Esfera dos Livros“.

Freitag, 2. September 2011

Praça da Figueira





Lissabon schwelgt in Plätzen, die Plätze schwelgen in Denkmälern, die Denkmäler schwelgen in Bronzekönigen und die Bronzekönige schwelgen in Benzinschwaden und Dreck.
Dies ist leider die traurige Wahrheit der vielen Plätze in Lissabon!

Eines dieser Plätze ist die große „Praça da Figueira“ (dt.: Platz des Feigenbaums) in der Lissabonner Baixa Pombalina.
Neben der Praça do Comércio und dem Rossio gehört die Praça da Figueira zu den drei wichtigsten und prachtvollsten Plätzen der Lissabonner Innenstadt.

Dort wo sich heute der Platz befindet, stand bis zum großen Erbeben vom 01. November 1755 der imposante „Hospital Real de Todos os Santos“ (dt.: „Königliches Allerheiligenspital“), wie die Fundamente beweisen, die 1960 bei den Ausschachtungsarbeiten für die Metro und die Tiefgarage, dort gefunden wurden.
Das Allerheiligenspital war zu seiner Zeit das größte und fortschrittlichste Krankenhaus Europas und hatte schon damals z.B. eine Abteilung für tropische Krankheiten!
Nach dem Erdbeben von 1755 waren die Schäden an dem Krankenhaus so gravierend, das König José I anorderte das Gebäude abzureißen, damit der Marques de Pombal die Baixa ungehindert nach seinen Vorstellungen bauen konnte.

Nach dem Abriss des Krankenhauses entstand eine große Freifläche, die vor allem von den Bürgern für den wöchentlichen Gemüse- und Früchtemarkt genutzt wurde.
Man nannte diesen Markt zuerst „Horta do Hospital“ (dt.: Gemüsegarten des Spitals), dann „Praça das Ervas“ (dt.: Kräuterplatz) bis er letztendlich seinen heutigen Namen „Praça da Figueira“ (dt.: Feigenbaumplatz) erhielt.

Im Jahre 1885 wurde dann auf der freien Fläche des Platzes eine 8000 m² große, überdachte Markthalle aus Stahl und Glas errichtet, die von sechs rotlackierten Kuppeln überragt wurde.
Aus einem ursprünglich ambulanten Verkaufsort für Obst und Gemüse war nun ein fester und organisierter Platz geworden, an dem man alle Lebensmittel kaufen konnte, die man für den alltäglichen Bedarf benötigte.

Nicht nur für den Handel sondern auch für die Kultur war die Markthalle eine wichtige Institution der Hauptstadt.
In ihr fanden z.B. Kunstausstellungen und Liederabende statt, und jedes Jahr auch die Abschlussfeierlichkeiten des Sankt Antoniusfestes (port.: „Festas de Santo António), dem Lissabonner Stadtfest.
Die Halle stand hier 64 Jahre lang, bis sie dann 1949, total verrostet, abgerissen wurde und der Platz sein heutiges Aussehen erhielt.

Im Jahre 1971 errichtete die Lissabonner Stadtverwaltung, Mitten auf dem Platz, ein Reiterdenkmal.
Die imposante Bronzestatue ist ein Werk des Bildhauers Leopoldo Neves de Almeida, der auch der Schöpfer des Denkmals der Entdeckungen ist (lesen sie hierzu auch bitte meinen Eintrag „Padrão dos Descobrimentos“, vom 13.07.2011).
Das Reiterstandbild stellt König João I. von Portugal dar, der 1385 gemeinsam mit seinem Feldherrn Nuno Álvares Perreira die einfallenden Spanier in der Schlacht von Aljubarrota besiegte und damit Portugals Unabhängigkeit für viele Jahrzehnte sicherte.

In den Jahren 1999 und 2000 wurde die Praça da Figueira von Grund auf saniert.
Bei dieser Sanierung wurde das Reiterdenkmal von der Mitte des Platzes in die südwestliche Ecke verschoben, so das man ihn heute von der Praça do Comércio und der Rua da Prata sehen kann.

Der Platz ist umgeben von vierstöckigen Gebäuden die vorzugsweise Hotels, Cafés und die verschiedensten Geschäfte beherbergen.
Zwar herrscht heutzutage nicht mehr der Hochbetrieb den es einmal in den Cafés, Restaurants und Bars rund um die Markthalle gab, aber die Praça da Figueira ist auch heute noch eines der Plätze der Stadt in denen man gerne flaniert und gerne gesehen wird.

Samstag, 20. August 2011

Die zwölf von England


Die Geschichte, die ich heute hier in meinem Blog erzählen will, soll sich so tatsächlich in den Regierungszeiten von König João I von Portugal und von König Henry IV von England zugetragen haben.

Aber wie bei so vielen Geschichten von früher, ist auch diese wohl eine gelungene Kombination aus Wahrheit und Legende.
Es ist eine Geschichte die im Mittelalter spielt und die von zwölf mutigen Rittern (port.: cavaleiros) und von zwölf edlen Ladies handelt.
Bekannt wurde diese Geschichte hier in Portugal als „Os doze de Inglaterra“ (dt.: „Die zwölf von England“).

Die Geschichte geht in etwa so:

Zwölf junge Ladies, aus bestem englischem Hause, wurden auf das äußerste von zwölf, ebenfalls englischen, Edelmännern beleidigt, die ihre Ehrenwertigkeit anzweifelten und die tatsächlich behaupteten das die Damen den Titel einer Lady nicht verdienten.

Um ihre Ehre zu retten, baten die englischen Ladies ihre Freunde und Verwandte um Hilfe.
Aber alle verwehrten sie den Damen ihre Hilfe.
Da sie nicht mehr wussten, was sie noch tun sollten, um ihre Ehre wiederzuerlangen, beschlossen die zwölf Ladies dem König von England zu schreiben, damit er zwölf englische Ritter finden möge, die dann um die Ehre der Damen öffentlich kämpfen sollten.
Doch im ganzen Königreich meldete sich kein einziger Ritter freiwillig um für die Damen in den Kampf zu ziehen.

Da erinnerte sich König Henry IV von England, dass John of Gaunt, der Herzog von Lencaster (port.: João de Gant, 1.º Duque de Lencastre), Jahre zuvor Seite an Seite mit portugiesischen Rittern, in einem Krieg gegen das Königreich Kastilien gekämpft hatte.
Der Herzog von Lencaster hatte schon oft am Hofe von Henry IV von dem Mut und der Unerschrockenheit der portugiesischen Ritter berichtet und so beschloss der König John of Gaunt zu ersuchen, ob sich den in Portugal keine Ritter finden lassen würden, die bereit waren um die Ehre der englischen Ladies zu kämpfen.

Portugiesische Ritter, die dafür bekannt waren, im Gegenteil zu ihren englischen Brüdern, ein maßvolles und zurückhaltendes Leben zu führen, die Anstand, Würde, Wohlerzogenheit und Treue eindrucksvoll repräsentierten, galten damals als die edelsten in Europa.
Während wo anders in Europa, auch in England, damals Ritter meistens nichts weiter waren als Soldaten ihres Lehnsherren, waren sie Ende des 15. Jahrhunderts, hier am Rande Europas, Männer mit höfischen Umgangsformen und einem gesitteten und musischen Benehmen.

Für einen portugiesischen Ritter im Mittelalter gab es vier wichtige Regeln, die es galt einzuhalten:

• Frauen und Schwache zu beschützen
• für Gerechtigkeit zu sorgen
• das Vaterland zu lieben
• die Kirche zu verteidigen

Nach nur kurzer Zeit wurden im Königreich Portugal zwölf Ritter gefunden, die sich bereit erklärten im fernen England für die besagten Ladies in einem Turnier in Hampstead ihre Tapferkeit zu zeigen.

Diese zwölf Ritter waren:

• Álvaro Vaz de Almada, Graf von Avranches
• Álvaro Gonçalves Coutinho, genannt „O Grão Magriço“
• João Fernandes Pacheco
• Lopo Fernandes Pacheco
• Álvaro Mendes Cerveira
• Rui Mendes Cerveira
• João Pereira Agostim
• Soeiro da Costa
• Luís Gonçalves Malafaia
• Martim Lopes de Azevedo
• Pedro Homem da Costa
• Vasco Anes da Costa, genannt „Corte Real“

Als die zwölf englischen Ladies von dem Herzog von Lencaster erfahren hatten, wer die zwölf portugiesischen Ritter waren, schrieb jede von ihnen an einen der Ritter um diesen für ihren Mut im Voraus zu danken.
Gleichzeitig schrieben sie auch an König João I, um diesen für die Entsendung der edlen Ritter zu bitten.

So kam es, das sich eines Tages elf der Ritter, mit einem Segelschiff von Lissabon aus, auf den Weg nach England machten.
Einer der Ritter aber, Álvaro Gonçalves Coutinho, der den Beinamen „O Grão Magriço“ (dt.: „der lange Lulatsch“) trug, musste sich auf dem Landweg nach England machen, da er extrem Seekrank war.
Er versprach aber am verabredeten Tag des Turniers in Hampstead präsent zu sein.

Als der Tag des Turniers nun kam, stellten die elf anderen Ritter mit Schrecken fest, das ihr Freund und Mitstreiter noch nicht anwesend war.
Über fünf ganze Tage erstreckte sich das Turnier.
Die englischen Ladies und die portugiesischen Ritter sahen ihre Chancen am letzten Tag dahinschwinden, und befürchteten nun das Turnier gegen die Engländer zu verlieren.
Doch in letzter Minute tauchte Álvaro Gonçalves Coutinho auf, und konnte gegen den letzten englischen Edelmann, der für ihn als Gegner bestimmt war, antreten.
Er konnte das Turnier in Hampstead für sich und für seine Freunde entscheiden und somit die Ehre der englischen Ladies retten.

Nach dem gewonnenen Turnier wurden sie von König Henry IV feierlich empfangen, und von diesem mit einem rauschenden Fest belohnt.

Soweit die Geschichte, die sich so oder so ähnlich zugetragen haben soll.
Fakt ist, das die zwölf portugiesischen Ritter alle wirklich gelebt haben und das sie wirklich in England an einem Turnier in Hampstead, einem heutigen Stadtteil von London, gegen englische Edelleute erfolgreich teilgenommen haben.

Ein Fakt ist es allerdings auch, das das portugiesische Rittertum, mit all seiner Würde und Höfischkeit, nicht sehr lange andauerte.
Es wurden zwar später noch viele junge Männer nach festen Regeln und Anstand erzogen, doch die stolze Zeit der Ritter war damals in Portugal unwiederbringlich verloren.

Dienstag, 9. August 2011

Cognomen


Der wohl berühmteste Träger eines Beinamen hier in Portugal ist Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador).
Ohne den Namenszusatz „der Seefahrer“ währe Heinrich der Seefahrer nichts weiter als einer von vielen Heinriche die es auf der Welt gibt.
Erst der Beiname „der Seefahrer“ machen aus diesem Infanten aus dem Hause Avis, jemand unverwechselbares und einzigartiges.

Der Beiname (port.: cognome / lat.: cognomen) ist ein schon in der Römerzeit verwendeter Namenszusatz, der dazu diente die verschiedenen Träger eines und des selben Vornamens, voneinander zu unterscheiden.
Eigentlich war der „cognomen“ ursprünglich ein Beiname der seinen Träger wenig schmeichelte, ja sogar verspottete.
Doch mit der Zeit wurden die Beinamen zu richtigen Titeln.
Da es in Portugal bis in ins 13. Jahrhundert hinein keine Nachnamen gab, sondern nur Vornamen, wurde aus dem Beinamen vieler Personen mit der Zeit auch deren Nachnamen.

Vor allem die Monarchen, und das nicht nur hier in Portugal, erhielten mit der Zeit Beinamen die sie charakterisierten oder aber auch, wie ich schon erwähnte, verspotteten.
Mit den Jahrhunderten wurden die „cognomen“ zu so etwas wie die Spitznamen der Edelleute.

Nicht immer war das Volk bei der Namensgebung der „cognomen“ schmeichelhaft.
So wurde z.B. der portugiesische König Afonso II lächerlich gemacht, in dem man ihn „den Dicken“ nannte, obwohl nicht übermäßiges Essen für seine Leibesfülle verantwortlich war, sondern eine Art von Lepra.
Pedro I wurde wenig schmeichelhaft „der Stotterer“ genannt, Fernando I war „der Wankelmütige“, João II „der Tyrann“ und Königin Maria II musste sich sogar den Beinamen „die Wahnsinnige“ gefallen lassen.

Anbei nun eine Liste all der Beinamen, die portugiesischen Könige über die Jahrhunderte hinweg, als „cognomen“ vom Volk erhielten:

• Afonso I Henriques – „O Conquistador“ (dt.: der Eroberer), „o Fundador“ (dt.: der Gründer) und „o Grande“ (dt.: der Große)

• Sancho I – „O Povoador“ (dt.: der Bevölkerer“)

• Afonso II – „O Gordo“ (dt.: der Dicke), „o Crasso“ (dt.: der Grobe) und „o Legislador“ (dt.: der Gesetzgeber)

• Sancho II – „O Capelo“ (dt.: der Kaplan) und „o Piedoso“ (der Fromme)

• Afonso III – „O Bolonhês“ (dt.: der Bolognese)

• Dinis I – „O Lavrador“ (dt.: der Landwirt), „o Tovador“ (dt.: der Troubadour), „o Rei-Poeta“ (dt.: der Poetenkönig) und „o Rei-Agricultor“ (dt.: der Bauernkönig)

• Afonso IV – „O Bravo“ (dt.: der Tapfere)

• Pedro I – „O Justiceiro“ (dt.: der Gerechte), „o Cru“ (dt.: der Rohe), „o Cruel“ (dt.: der Grausame), „o Tartamudo“ (dt.: der Stotterer), „o Apaixonado“ (dt.: der Verliebte) und „o Até-ao-fim-do-mundo“ (dt.: der Bis-ans-Ende-der-Welt)

• Fernando I – „O Formoso“ (dt.: der Schöne), „o Inconstante“ (dt.: der Wankelmütige) und „o Inconsciente“ (dt.: der Unverantwortliche)

• João I – „O de Boa Memória“ (dt.: der mit der Guten Erinnerung)

• Duarte I – „O Eloquente“ (dt.: der Beredete) und „o Filósofo“ (dt.: der Philosoph)

• Afonso V – „O Africano“ (dt.: der Afrikaner)

• João II – „O Princípe Perfeito“ (dt.: der Perfekte Prinz) und „o Tirano“ (dt.: der Tyrann)

• Manuel I – „O Venturoso“ (dt.: der Glückliche) und „o Afortonado“ (dt.: der Glückspilz)

• João III – „O Piedoso“ (dt.: der Fromme)

• Sebastião I – „O Desejado“ (dt.: der sehnsüchtig Erwartete)

• Henrique I – „O Casto“ (dt.: der Keusche“) und „o Cardeal-Rei“ (dt.: der Kardinalkönig)

• Filipe I (Philipp II von Spanien) – „O Prudente“ (dt.: der Kluge)

• Filipe II (Philipp III von Spanien) – „O Pio“ (dt.: der Gutherzige)

• Filipe III (Philipp IV von Spanien) – „O Grande“ (dt.: der Große)

• João IV – „O Restaurador“ (dt.: der Wiederhersteller oder der Erneuerer)

• Afonso VI – „O Vitorioso“ (dt.: der Siegreiche) und „o Prisioneiro“ (dt.: der Gefangene)

• Pedro II – „O Pacífico“ (dt.: der Friedliebende)

• João V – „O Magnânimo“ (dt.: der Großherzige“) und „o Rei-Sol-Portugues“ (dt.: der portugiesische Sonnenkönig)

• José I – „O Reformador“ (dt.: der Reformer)

• Maria I – „A Piedosa“ (dt.: die Fromme) und „a Louca“ (dt.: die Wahnsinnige)

• João VI – „0 Clemente“ (dt.: der Milde)

• Pedro IV – „O Libertador“ (dt.: der Befreier) und „o Rei-Soldado“ (dt.: der Soldatenkönig)

• Maria II – „A Educadora“ (dt.: die Erzieherin) und „a Boa-Mãe“ (dt.: die Gute Mutter)

• Pedro V – „O Esperançoso“ (dt.: der Hoffnungsvolle) und „o Muito-Amado“ (dt.: der Vielgeliebte)

• Luis I – „O Popular“ (dt.: der Volksnahe), „o Bom“ (dt.: der Gute) und „o Rei-Marinheiro“ (dt.: der Matrosenkönig)

• Carlos I – „O Diplomata“ (dt.: der Diplomat), „o Mártir“ (dt.: der Märtyrer), „o Oceanógrafo“ (dt.: der Ozeanograph) und „o Rei-Pintor“ (dt.: der Malerkönig)

• Manuel II – „O Patriota“ (dt.: der Patriot)

Die „cognomen“ die ich hier aufgeführt habe, sind sozusagen die offiziellen Beinamen der portugiesischen Monarchen gewesen.
Es gab auch inoffizielle „cognomen“ die aber niemals so charakteristisch für ihre Träger waren, und dementsprechend auch niemals so bekannt wurden, wie die die ich hier aufgezählt habe.

Dienstag, 21. Juni 2011

Batalha






In meinem vorhergehenden Beitrag „Grabesstätten der portugiesischen Monarchen“, erwähne ich das Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht).
Heute bin ich gefragt worden, wie dieses Kloster zu seinem durchaus ausgefallenen Namen kommt.

Nun, die Gründung des Klosters Batalha ist eng ist den schweren Kämpfen um die Unabhängigkeit des jungen Königreichs Portugal im ausgehenden Mittelalter verbunden.
Immer wieder versuchten die mächtigen Könige von Kastilien (port.: Castela) und León (port.: Leão) ihren Anspruch auf den Thron Portugals mit Gewalt durchzusetzen.

In der Entscheidungsschlacht am 14. August 1385 siegten die mit den Engländern verbundenen Portugiesen bei Aljubarrota über die von den Franzosen unterstützten, weitaus zahlenmäßig überlegenen, Kastilier.
Der portugiesische König João I hatte vor der Schlacht in Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) gelobt der Jungfrau Maria ein Kloster zu errichten, wenn ihm der Sieg zufallen würde.

In Erfüllung des Gelübdes begann im Jahre 1387 der Bau des Klosters Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (port.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht), das der Volksmund sehr bald in Batalha (dt.: Schlacht) umtaufte.
Nach dem Willen von König João I sollte das von Dominikaner geführte Kloster auch das Mausoleum des neuen Könighauses Avis werden.

Rund 100 Jahre wurden Angehörige der Dynastie hier beigesetzt.
Insgesamt liegen hier vier Könige, drei Königinnen und neun Infanten (dt.: Prinzen) und Infantinnen (dt.: Prinzessinnen) begraben.
Die im Mausoleum beigesetzten Mitglieder der königlichen Familie sind:

• König João I
• König Duarte I
• König Afonso V
• König João II
• Königin Philippa of Lancaster (Gemahlin von João I)
• Königin Leonor de Aragon (Gemahlin von König Duarte I)
• Königin Isabel de Portugal (Gemahlin von Afonso V)
• Infante João (Sohn von König Duarte)
• Infante Fernão (Sohn von König João I)
• Infantin Maria (Tochter von König Duarte)
• Infantin Filippa (Tochter von König Duarte)
• Infante João (Sohn von König João I)
• Infante João (Sohn von König Afonso V)
• Infante Pedro (Sohn von König João I)
• Infante Afonso (Sohn von König João II)
• Infante Henrique (dt.: Heinrich der Seefahrer, Sohn von João I)

Erst König Manuel I bestimmt für sich und seine Nachfolger das neu erbaute Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém bei Lissabon als letzte Ruhestätte.

Sechs Könige und in ihrem Auftrag sechs Baumeister, darunter der portugiesische Baumeister Afonso Domingues und der aus Katalonien (port.: Catalunha) stammende Baumeister Huguet, haben fast 200 Jahre an dem mächtigen Kloster gebaut.
Die Stilrichtung der Bauten und Ausstattungen reicht von der Hochgotik bis zur Renaissance.
Ursprünglich war allein der Bau der Kirche, die Stiftergrabkapelle (port.: Capela do Fundador) und das Kloster mit Kreuzgang vorgesehen, die im Jahre 1436 vollendet wurden.
Dieser Baukomplex wurde jedoch bis Mitte des 16. Jahrhunderts durch einen zweiten und dritten Kreuzgang sowie ein neues Mausoleum im Anschluss an den Ostchor der Kirche stetig erweitert. Erst 1557 wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Das hochgotische Hauptportal der Klosterkirche ist mit rund 100 Figuren geschmückt, die Heilige, Propheten, Päpste und Könige darstellen.
Der Grundriss zeigt ein dreischiffiges Langhaus mit einem östlichen Querschiff, an das sich fünf Altarkapellen anschließen.
Das Innere der Kirche überrascht durch seine imposante Höhe von 32,50 m. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt stolze 79,20 m.

An dem südlichen Seitenschiff schließt sich die Grabkapelle des Stifters (port.: Capela do Fundador) an, mit einem sehr seltenen quadratischen gotischen Zentralbau mit einer Seitenlänge von 19,20 m, dessen figürliche Ornamente an die Phantasieformen mit Brüsseler Spitzen erinnert.
An die Chorkapellen schließt sich eine Halle an, die zu dem im 15. Jahrhundert neuen Mausoleum führt.

Um ein mächtiges Achteck von 20 m Durchmesser sind sieben Kapellen gruppiert, die reich mit Friesen geschmückt sind.
Da die Kapellen bis zum heutigen Tag unbedeckt blieben, werden sie als Unvollendete Kapellen (port.: Capelas Imperfeitas) bezeichnet.

Im Gegensatz zu anderen gotischen Kirchen auf der Welt, die stolz und unnahbar auf einem Hügel oder auf einer Anhöhe emporragen, liegt das Kloster Batalha sanft gebettet im Tal des Flusses Lena.
Bis in die Gegenwart mussten schwere Schäden behoben werden, die von den napoleonischen Truppen verursacht wurden, als diese Anfang des 19. Jahrhunderts Portugal besetzten.
Nach der französischen Besetzung wurde das Dominikaner-Kloster aufgelöst und ging in den Besitz des portugiesischen Staates über.
Man begann damals umfangreiche Restaurierungsarbeiten an dem Kloster vorzunehmen, die erst heute weitgehend abgeschlossen sind.

Aber das Kloster von Batalha ist nicht nur Grabesstätte der Königsfamilie aus dem Hause Avis.
Im Kapitelsaal (port.: Sala do Capítulo), der an der Ostseite des Kreuzganges gelegen ist, befindet sich auch die nationale Gedenkstätte mit den zwei Grabmäler für die zwei im Ersten Weltkrieg verstorbenen Unbekanten Soldaten (port.: Soldados desconhecidos).
Der eine stammt aus den französischen Schlachtfeldern von Flandern und der andere aus den Afrikakolonialkrieg im portugiesischen Moçambique.

Das Kloster, mit seiner leuchtenden Kalksteinfassade, hat durch diese auch rein äußerlich 1910 die Geltung bekommen, die ihm als erstem portugiesischem Nationaldenkmal gebührt.
1983 wurde das Kloster Batalha von der UNESCO feierlich in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, und somit auch international gewürdigt.

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen






Seit einiger Zeit gibt es Zweifel an dem Geburtsort von Afonso Henriques, dem ersten König von Portugal, der am 27. Juli 1139, als Afonso I, den Thron bestieg.
Über Jahrhunderte hinweg galt die nordportugiesische Stadt Guimarães als Wiege der Nation (port.: Berço da Nação).
Doch seit kurzem wollen Wissenschaftler mögliche Hinweise dafür gefunden haben, das wahrscheinlich in der Stadt Viseu, ebenfalls in Nordportugal gelegen, die Wiege von Afonso Henriques stand.

Wie dem auch sei:
Keinen Zweifel gibt es über die Stadt in der Afonso Henriques starb, und dem Ort an dem er bestattet wurde, nämlich im Kloster Santa Cruz, in der Stadt Coimbra.

In Portugal regierten von 1139 bis 1910 insgesamt 33 Könige und Königinnen, die drei spanischen Könige mitgerechnet.

Von diesen 33 Königen und Königinnen ist einer in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa), einer im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas) und eine regierende Königin in der Sternbasilika (port.: Basilica da Estrela) beigesetzt worden.

Zwei liegen im Kloster Santa Cruz (port.: Mosteiro de Santa Cruz) in der Stadt Coimbra beigesetzt und jeweils drei haben im Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Alcobaça) und im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Vielleicht sind es auch vier die im Hieronymuskloster liegen, denn ob die Gebeine von König Sebastião I, der bei einer Schlacht im marokkanischen Alcácer Quibir gefallen ist, wirklich die sind, die damals im Kloster beigesetzt wurden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Vier portugiesische Monarchen sind im Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha beigesetzt und insgesamt zwölf liegen im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon, der letzten Ruhestätte der Braganças.

Die drei spanischen Filipes sind im Kloster El Escorial, bei Madrid, in der Gruft der Habsburger beigesetzt und einer der portugiesischen Könige, nämlich Sancho II, liegt wahrscheinlich in der Kathedrale von Toledo. Sicher ist das aber nicht, denn nach seiner Flucht aus Portugal hat er sich zwar in dieser spanischen Stadt niedergelassen aber ob er auch dort gestorben ist und wann, ist fraglich.

Ein portugiesischer Monarch, nämlich Pedro IV, war auch als Pedro I brasilianischer Kaiser. Er wurde nach seinem Tod im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, aber in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sein Leichnam nach Brasilien überführt, wo er im dortigen Freiheitsdenkmal Ipiranga, in der Stadt São Paulo, beigesetzt wurde. Sein Herz aber, wird in der Lapa-Kirche (port.: Igreja da Lapa) in der portugiesischen Stadt Porto aufbewahrt.

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen befinden sich an folgenden Orten:

Dynastie derer von Burgund (port.: Dinastia de Borgonha)

• Afonso Henriques ( +06.12.1185) – Mosteiro de Santa Cruz de Coimbra (dt.: Kloster Santa Cruz in Coimbra)
• Sancho I (+27.03.1211) – Mosteiro de Santa Cruz
• Afonso II (+25.03.1223) – Mosteiro de Alcobaça (dt.: Kloster von Alcobaça)
• Sancho II (+1247) – Wahrscheinlich in der spanischen Stadt Toledo?
• Afonso III (+16.02.1279) – Mosteiro de Alcobaça
• Dinis I (+07.01.1325) – Mosteiro de Odivelas (dt.: Kloster von Odivelas)
• Afonso IV (+28.05.1357) – Sé Catedral de Lisboa (dt.: Kathedrale von Lissabon
• Pedro I (+18.01. 1367) – Mosteiro de Alcobaça

Dynastie derer von Avis (port.: Dinastia de Avis)

• João I (+14.08.1433) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster von Batalha)
• Duarte I (+09.09.1438) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Afonso V (+28.08.1481) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• João II (+25.10.1495) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Manuel I (+13.12.1521) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa (dt.: Hieronymuskloster in Lissabon)
• João III (+11.06.1557)– Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa
• Sebastião I (+27.08.1578) Eventuell im Hieronymuskloster?
• Henrique I (+31.01.1580) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa

Dynastie der Habsburger (port.: Dinastia de Habsburgo)

• Filipe I (+13.09.1598) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe II (+31.03.1621) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe III (+01.12.1640) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien

Dynastie derer von Bragança (port.: Dinastia dos Bragança)

• João IV (+06.11.1656) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon (dt.: Kloster São Vicente de Fora)
• Afonso VI (+12.09.1283) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro II (+09.12.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• João V (+31.07.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• José I (+24.02.1777) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Maria I (+20.03.1816) – Basilica da Estrela em Lisboa (dt.: Sternbasilika in Lissabon)
• Pedro III (+05.03.1786) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro IV, Pedro I (+02.05.1826) von Brasilien – Wurde zuerst im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, und dann wurde sein Körper nach São Paulo in Brasilien überführt und sein Herz in die Lapa- Kirche in Porto gebracht
• Maria II (+15.11.1853) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Fernando II (+15.11.1853– Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro V (+11.11.1861 – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Luis I (+19.10.1889) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Carlos I (+01.02.1908) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Manuel II (+02.07.1932) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon

Mittwoch, 2. März 2011

Die Obersten Hüter des Nationalarchivs Torre do Tombo






In meinem post „Torre do Tombo“, in dem ich ausführlich über das nationale Archiv Portugals schreibe, erwähne ich, unter anderem, das das Nationalarchiv der Torre do Tombo (port.: Arquivo Nacional da Torre do Tombo), mit seinen 600 Jahren zu einem der ältesten portugiesischen Institutionen gehört.

Die Aufsicht über diese alte Institution hatte und hat seit dem Mittelalter der „guarda-mor“ inne, was sich leicht mit „Oberster Hüter“ oder „Oberster Wächter“ übersetzen lässt.
Der „guarda-mor“ wurde direkt vom jeweiligen König ernannt, und er hatte, wie der Name schon sagt, die Aufgabe die wichtigsten Dokumente, Urkunden und Akten des Staates, die in seine Obhut gegeben wurden, zu „behüten“ und zu „bewachen“.
Heutzutage nennt man den obersten Dienstherren des Nationalarchivs auch einfach nur Direktor (port.: Director do Arquivo Nacional da Torre do Tombo).

Nach meinen Nachforschungen hat es, seit der Gründung des Nationalarchivs der Torre do Tombo im Jahre 1387, bis heute, insgesamt 59 „guarda-mores“ gegeben.
Es sind, von 1387 als der erste guarda-mor durch seine Majestät König João I ernannt wurde, bis heute, der Reihe nach:

- 1387-1403 João Anes
- 1403-1411 Gonçalo Esteves
- 1414-1418 Gonçalo Gonçalves
- 1418-1454 Fernão Lopes
- 1454-1475 Gomes Eanes de Zurara
- 1475-1482 Afonso Eanes de Óbidos
- 1483-1484 Fernão Lourenço
- 1486-1496 Vasco Fernandes de Lucena
- 1497-1523 Rui de Pina
- 1523-1548 Fernão de Pina
- 1548-1571 Damião de Góis
- 1571-1591 António de Castilho
- 1591-1606 Rodrigo Homem
- 1606-1612 Luís Ferreira de Azevedo
- 1612-1632 Diogo de Castilho Coutinho
- 1632-1634 Manuel Jácome Bravo
- 1634-1640 Gregório Mascarenhas Homem
- 1640-1641 Cristóvão Cogominho
- 1641-1644 Cristóvão de Matos de Lucena
- 1644-1650 João Pinto Ribeiro
- 1650-1656 António de Carvalho de Parada
- 1656-1666 Aires Falcão Pereira
- 1666-1667 José Carneiro de Morais
- 1667-1678 João Duarte de Resende
- 1678-1690 D. António Alves da Cunha, Senhor da Tábua
- 1690-1695 António da Cunha Pinheiro
- 1695-1703 José de Faria
- 1703-1713 Luís do Couto Félix
- 1713-1742 José Couceiro de Abreu e Castro
- 1742-1745 Manuel de Mendonça Pina e Proença
- 1745-1768 Eng.º Manuel da Maia
- 1768-1774 José de Seabra da Silva
- 1774-1799 José Pereira Ramos de Azevedo Coutinho
- 1799-1802 José de Seabra da Silva
- 1802-1806 Luís Pinto de Sousa Coutinho, 1.º Visconde de Balsemão
- 1806-1813 Francisco Velho da Costa Mesquita Castelo Branco
- 1813 Francisco José da Horta Machado
- 1813-1821 António Salter de Mendonça, Visconde de Azurara
- 1821-1834 Manuel Francisco de Barros e Sousa de Mesquita de Macedo Leitão e Carvalhosa, 2.º Visconde de Santarém
- 1834-1836 D. Frei Francisco de São Luís Saraiva,
- 1836-1838 António Nunes de Carvalho
- 1838-1842 António Manuel Lopes Vieira de Castro
- 1842-1856 Manuel Francisco de Barros e Sousa de Mesquita de Macedo Leitão e Carvalhosa, 2.º Visconde de Santarém
- 1856-1861 Joaquim José da Costa Macedo
- 1861-1887 António de Oliveira Marreca
- 1887-1902 José Manuel da Costa Basto
- 1902-1908 Roberto Augusto da Costa Campos
- 1908-1949 António Eduardo Simões Baião
- 1949-1951 Alfredo Augusto Lopes Pimenta
- 1951-1966 João Martins da Silva Marques
- 1966-1988 José Pereira da Costa
- 1988-1990 Humberto Carlos Baquero Moreno
- 1990 Martim Corte-Real de Albuquerque
- 1990-1996 Jorge Borges de Macedo
- 1996-1998 José Mattoso
- 1998-2001 Bernardo de Vasconcelos e Sousa
- 2001-2004 Miriam Halpern Pereira
- 2004-2005 Pedro Dias
- 2005-bis mind. 2011 Silvestre Lacerda

Zu sehen sind hier auf den Bildern die Unterschriften von fünf bedeutenden guarda-mores, nämlich Damião de Góis, Manuel da Maia, Gomes Eanes de Zurara, Fernão Lopes und Rui de Pina.