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Dienstag, 8. Januar 2013

Principe Real

In Lissabon, im Stadtteil Mercês, gibt es einen öffentlichen Park und Platz, die beide den Namen Principe Real tragen.
Principe Real heißt, wörtlich ins deutsche übersetzt, „königlicher Prinz“.
Ich bin nun dieser Tage gefragt worden, welcher „königlicher Prinz“ der Namensgeber dieser Orte ist.

Man könnte meinen, da früher alle legitimen Söhne eines Königs oder einer Königin automatisch königliche Prinzen waren, könne wohl jeder mit Principe Real gemeint sein.
Aber in Wahrheit ist nur einer der „königlichen Prinzen“ der Namensgeber dieses wunderschönen Parks und Platzes, Mitten in Lissabon.

Aber zur Namensgebung komme ich etwas später.

Die Gegend, in der sich heute der ca. 1.2 ha große Park befindet, wurde schon Anfang des 15. Jahrhundert unter dem Namen Alto da Cotovia urkundlich erwähnt.
Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein war der Alto da Cotovia eine verwahrloste, heruntergekommene Gegend und nichts weiter als die Müllhalde für den nahe gelegenen Stadtteil Bairro Alto.
Im Jahre 1740 verkaufte die Stadt Lissabon das Land an die Gesellschaft Jesu (port.: Companhia de Jesus), die die Gegend von Müll und Unrat befreiten und an dieser Stelle eine Missionarschule der Jesuiten (port.: Colégio das Missões Jesuitas) errichteten. Wenige Jahre später, beim großen Erdbeben vom 01. November 1755, wurde die Schule aber leider völlig zerstört.

Nach dem Erdbeben brach in Lissabon das Chaos los. Raub, Plünderung und Mord waren in der ganzen Stadt an der Tagesordnung.
Zwar versuchte der Marques de Pombal der immer größer werdenden Gewalt, durch das Stationieren verschiedener Infanterieregimenter aus der portugiesischen Provinz, Einhalt zu gebieten. Aber nur mit der Zeit und mit sehr harter Hand konnte er sich in der Stadt durchsetzen.

Die Gegend am Alto da Cotovia schien unter keinem guten Stern zu stehen.
Das Infanterieregiment von Peniche, das aus dem Norden Portugals hierher verlegt worden war, um für Zucht und Ordnung zu sorgen, hatte hierbei nur geringen Erfolg.
Hinzu kam es, dass mehrere Bauvorhaben am Alto da Cotovia mit der Zeit kläglich scheiterten.
So plante man z.B. dort zunächst den Bau einer neuen Kathedrale (port.: Sé) für Lissabon, die aber niemals über den Rohbau hinausging, da dieser bei einem Brand völlig zerstört wurde. Auch der Bau des Königlichen Zentralschatzamtes (port.: Tesouraria Central do Reino), vergleichbar mit dem heutigen Finanzministerium, wurde hier aus Kostengründen niemals realisiert.
Mit den Jahren verwahrloste die Gegend erneut.
Die Ruinen der niemals erbauten Kathedrale boten zudem vielen zwielichtigen Gestalten, Mördern und Dieben, reichlich Unterschlumpf und viele in der Hauptstadt hielten alsbald den Alto da Cotovia gar für einen verwunschen Ort.

Im Jahre 1850 ging die Lissabonner Stadtverwaltung daran den Alto da Cotovia zu säubern, um hier, auf Wunsch Königin Maria II, einen öffentlichen Park und Platz zu errichten.
Der Park wurde, zur Zeit der Romantik, im englischen Stil erbaut, und die stattlichen Prachtbauten die sich mit der Zeit um den Platz bildeten, machten die Praça do Principe Real alsbald zur feinen Adresse.
Königin Maria II ließ den Park, nach seiner Vollendung im Jahre 1853, nach ihrem Sohn und Thronfolger Pedro benennen.

Wobei wir nun zur Erklärung es Namens kämen:

Der Name, der dem Park einstmals gegeben wurde, ist Jardim do Principe Real.
Principe Real (dt.: „königlicher Prinz“) ist ein Titel, der hier in Portugal nach der konstitutionellen Verfassung von 1822, nur an den ältesten Sohn und Thronfolger des jeweiligen Monarchen verliehen wurde, vergleichbar dem englischen Titel des „Prince of Wales“, der an den jeweiligen ältesten Sohn und Thronfolger des britischen Monarchen verliehen wird.
Alle anderen königlichen Sprösslinge in Portugal waren und sind Infanten von Portugal (port.: Infantes de Portugal).
Da der älteste Sohn von Königin Maria II Infante Pedro war, wurde ihm der Titel des Principe Real zuteil

Infante Pedro hieß mit vollem Namen Pedro de Alcântara Maria Fernando Miguel Rafael Gonzaga Xavier João António Leopoldo Victor Francisco de Assis Júlio Amélio de Saxe-Coburgo-Gotha e Bragança.
Man stelle sich nur vor, Königin Maria II hätte den Park nach dem vollen Taufnamen ihres Sohnes benannt
Da hört sich Jardim do Principe Real doch wesentlich besser an…

Nach dem Principe Real D. Pedro, dem zukünftigen König Pedro V, gab es nur noch drei Männer, die den Titel eines Principe Real trugen.
Diese waren:

- D. Carlos, der spätere König Carlos I

- D. Luis Filipe, Sohn von König Carlos I, der bei einem Attentat im Jahre 1908 mit seinem Vater starb

- D. Afonso, Bruder von König Carlos I, nach der Ermordung seines Bruders Carlos I und seines Neffen Luis Filipe erhielt er den Titel nur provisorisch

Es mag also vier Principes Reais (= Mehrzahl von Principe Real) gegeben haben, aber D. Pedro ist der wahre Namensgeber des Parks und des Platzes.

Nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1910 wurde der Park in Jardim França Borges, einem Journalisten der vornehmlich republikanischen Hetztiraden verfasste, umbenannt und der Platz wurde in Praça do Rio de Janeiro umgetauft.
In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde aus der Praça do Rio de Janeiro wieder die Praça do Principe Real, aber der Park behielt bis heute den Namen Jardim França Borges, obwohl ihn heute kaum ein Lissabonner unter diesem Namen kennt.

Heute ist der Jardim do Principe Real ein mit Wasserbecken, Rabatten, Kiosken und Denkmälern angelegter Park, in dessen Mitte eine uralte, auf Stelzen ruhende und weit ausladende Zeder steht, der zum verweilen einlädt – eine kleine grüne Oase inmitten der hektischen Hauptstadt!

Sonntag, 23. Dezember 2012

Wie der Weihnachtsbaum nach Portugal kam



Diese Woche hatte ich während der Mittagspause ein interessantes Gespräch mit meinen Arbeitskolleginnen Lili und Sabine, welches über Weihnachtstraditionen in Portugal handelte.
Sabine, die aus Österreich kommt, und nun dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten hier in Portugal feiert, fragte mich während des Gesprächs welches denn eigentlich das Weihnachtssymbol in Portugal schlechthin sei.

Ich gab ihr zur Antwort, dass hier in Portugal, genauso wie in ganz Südeuropa, eigentlich immer die Weihnachtskrippe traditionell im Mittelpunkt stand.
Erst im letzten Jahrhundert setzte sich dann der Weihnachtsbaum in den portugiesischen Wohnzimmern gegen die Krippe durch.

Wie es dazu kam?
Nun, ein Deutscher ist dafür verantwortlich!

Es war nämlich Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha-Koháry, der Prinzgemahl von Königin Maria II, der im 19. Jahrhundert den Weihnachtsbaum in Portugal einführte.

In einem Brief an Königin Victoria von England, die mit Albert von Sachsen-Coburg-Gotha verheiratet war, einem Cousin von Ferdinand, beschreibt die portugiesische Königin Maria II, wie ihr Gemahl Ferdinand II (port.: Fernando II) an Weihnachten 1844 ihre sieben Kinder zum ersten Mal mit einem Weihnachtsbaum überraschte.

In einer Radierung aus dem Jahre 1848, die der künstlerisch sehr begabte Fernando II selbst zeichnete, kann man sehen, wie er als Weihnachtsmann verkleidet, mit einem Sack voller Geschenke und mit einer Rute in der Hand, seine Kinder beschert.
Vor ihm, auf einem Tisch, steht ein kerzengeschmückter Weihnachtsbaum, den er zur Überraschung seiner Kinder hatte aufstellen lassen.
Über Fernando II ist bekannt, dass er seine Kinder sehr liebte und er einen ausgesprochenen Familiensinn hatte.
Da ist es nicht mehr als natürlich, das er versuchte, fernab seiner Heimat, deutsche Traditionen und Bräuche in seiner neuen portugiesischen Familie einzubringen.

Abgesehen von ihren Kindern muss auch Königin Maria II von der Tradition des Weihnachtsbaumes sehr angetan gewesen sein, und so wird berichtet, das der Weihnachtsbaum im Königspalast mit den Jahren immer größer wurde.
In einem Hofbericht aus dem Jahre 1851 wird über den Weihnachtsabend 1850 berichtet, das inmitten des Saals des Staatsrates im Palácio das Necessidades, dem damaligen königlichen Palast, am Weihnachtsabend eine riesige beleuchtete Tanne voller Geschenke stand
(port.: „…no meio da sala do Conselho de Estado do Palácio das Necessidades viu-se naquela noite um enorme pinheiro iluminado e cheio de presentes“).

Seit dieser Zeit war der Weihnachtsbaum fester Bestandteil der Weihnachtsfeiern der königlichen Familie.
Aus dem rein religiösen Weihnachtsfest wurde, Dank Fernando II, mit den Jahren ein Familien- und Kinderfest.
König Pedro V und König Luis I führten die Tradition ihres Vaters Fernando II fort und auch König Carlos I übernahm diesen deutschen Weihnachtsbrauch.
Auch außerhalb der königlichen Paläste wurde es mit der Zeit populär, sich zur Weihnachtszeit eine geschmückte Tanne ins Haus zu holen – bis zum heutigen Tag!

Prinzgemahl Fernando II hat mit dem Weihnachtsbaum auch versucht den Adventskranz in Portugal einzuführen, womit er weitaus weniger Erfolg hatte.
Denn während der Baum heute zweifellos zur portugiesischen Weihnacht gehört, ist der Adventskranz leider noch immer den meisten Portugiesen unbekannt.

Dienstag, 3. Januar 2012

Die wertvollsten portugiesischen Briefmarken


In einer Fernsehsendung sah ich heute einen Bericht über alte portugiesische Briefmarken, ihre Rarität und welchen Wert sie heute für Briefmarkensammler haben.

Fakt ist, dass die wertvollsten Briefmarken Portugals auch gleichzeitig die allerersten sind, die in Portugal herauskamen.
Sie erschienen am 01. und am 02. Juli 1853 und hatten als Motiv die Büste von Königin Maria II.
Herausgegeben wurden diese Briefmarken von der Münze (port.: Casa da Moeda) in Lissabon, die in erster Linie für die damaligen Geldmünzen und Geldscheine verantwortlich war, die mit einer ähnlichen Büste der Königin, zur gleichen Zeit im Umlauf waren.

Der Künstlers Francisco de Borja Freire inspirierte sich beim zeichnen seiner Briefmarken an den englischen Briefmarken mit der Büste Königin Victorias, die 1847 und 1848 von der britischen Post herausgegeben worden waren.

Die ersten zwei Briefmarken der Serie, mit der Büste Königin Maria II, kamen am 01. Juli 1853 in den Handel und hatten den damaligen Nennwert von 5 Reis und 25 Reis.
Die 5 Reis-Briefmarken waren rötlich-braun und erschienen in einer Auflage von 2.294.112 Stück.
Die 25 Reis-Briefmarken hatten eine blaue Farbe und erschienen in einer Auflage von 4.888.729 Stück.

Am folgenden Tag, dem 02. Juli 1853, wurde dann eine Briefmarke mit einem Nennwert von 100 Reis herausgegeben.
Diese Briefmarke erschien in einer Auflage von 147.600 Stück und war lila.

Am 22. Juli desselben Monats kam noch eine Briefmarke mit dem Nennwert 50 Reis dazu.
Diese war grün-gelb und erschien in einer Auflage von 179.400 Stück.

Alle diese Briefmarken waren nicht gezackt und erschienen damals in Bögen von jeweils 24 Stück.
Die Briefmarke mit dem Nennwert von 100 Reis ist heute die wertvollste der ganzen Serie.
Sie gilt als die wertvollste Briefmarke Portugals überhaupt!

Der frühe Tod von Königin Maria II, die nur wenige Monaten nach dem Erscheinen „ihrer“ Briefmarken am 15. November 1853 im Alter von nur 34 Jahren verstarb, verhinderte damals leider eine schon geplante Ausgabe einer 20 Reis-Briefmarke.

Dienstag, 9. August 2011

Cognomen


Der wohl berühmteste Träger eines Beinamen hier in Portugal ist Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador).
Ohne den Namenszusatz „der Seefahrer“ währe Heinrich der Seefahrer nichts weiter als einer von vielen Heinriche die es auf der Welt gibt.
Erst der Beiname „der Seefahrer“ machen aus diesem Infanten aus dem Hause Avis, jemand unverwechselbares und einzigartiges.

Der Beiname (port.: cognome / lat.: cognomen) ist ein schon in der Römerzeit verwendeter Namenszusatz, der dazu diente die verschiedenen Träger eines und des selben Vornamens, voneinander zu unterscheiden.
Eigentlich war der „cognomen“ ursprünglich ein Beiname der seinen Träger wenig schmeichelte, ja sogar verspottete.
Doch mit der Zeit wurden die Beinamen zu richtigen Titeln.
Da es in Portugal bis in ins 13. Jahrhundert hinein keine Nachnamen gab, sondern nur Vornamen, wurde aus dem Beinamen vieler Personen mit der Zeit auch deren Nachnamen.

Vor allem die Monarchen, und das nicht nur hier in Portugal, erhielten mit der Zeit Beinamen die sie charakterisierten oder aber auch, wie ich schon erwähnte, verspotteten.
Mit den Jahrhunderten wurden die „cognomen“ zu so etwas wie die Spitznamen der Edelleute.

Nicht immer war das Volk bei der Namensgebung der „cognomen“ schmeichelhaft.
So wurde z.B. der portugiesische König Afonso II lächerlich gemacht, in dem man ihn „den Dicken“ nannte, obwohl nicht übermäßiges Essen für seine Leibesfülle verantwortlich war, sondern eine Art von Lepra.
Pedro I wurde wenig schmeichelhaft „der Stotterer“ genannt, Fernando I war „der Wankelmütige“, João II „der Tyrann“ und Königin Maria II musste sich sogar den Beinamen „die Wahnsinnige“ gefallen lassen.

Anbei nun eine Liste all der Beinamen, die portugiesischen Könige über die Jahrhunderte hinweg, als „cognomen“ vom Volk erhielten:

• Afonso I Henriques – „O Conquistador“ (dt.: der Eroberer), „o Fundador“ (dt.: der Gründer) und „o Grande“ (dt.: der Große)

• Sancho I – „O Povoador“ (dt.: der Bevölkerer“)

• Afonso II – „O Gordo“ (dt.: der Dicke), „o Crasso“ (dt.: der Grobe) und „o Legislador“ (dt.: der Gesetzgeber)

• Sancho II – „O Capelo“ (dt.: der Kaplan) und „o Piedoso“ (der Fromme)

• Afonso III – „O Bolonhês“ (dt.: der Bolognese)

• Dinis I – „O Lavrador“ (dt.: der Landwirt), „o Tovador“ (dt.: der Troubadour), „o Rei-Poeta“ (dt.: der Poetenkönig) und „o Rei-Agricultor“ (dt.: der Bauernkönig)

• Afonso IV – „O Bravo“ (dt.: der Tapfere)

• Pedro I – „O Justiceiro“ (dt.: der Gerechte), „o Cru“ (dt.: der Rohe), „o Cruel“ (dt.: der Grausame), „o Tartamudo“ (dt.: der Stotterer), „o Apaixonado“ (dt.: der Verliebte) und „o Até-ao-fim-do-mundo“ (dt.: der Bis-ans-Ende-der-Welt)

• Fernando I – „O Formoso“ (dt.: der Schöne), „o Inconstante“ (dt.: der Wankelmütige) und „o Inconsciente“ (dt.: der Unverantwortliche)

• João I – „O de Boa Memória“ (dt.: der mit der Guten Erinnerung)

• Duarte I – „O Eloquente“ (dt.: der Beredete) und „o Filósofo“ (dt.: der Philosoph)

• Afonso V – „O Africano“ (dt.: der Afrikaner)

• João II – „O Princípe Perfeito“ (dt.: der Perfekte Prinz) und „o Tirano“ (dt.: der Tyrann)

• Manuel I – „O Venturoso“ (dt.: der Glückliche) und „o Afortonado“ (dt.: der Glückspilz)

• João III – „O Piedoso“ (dt.: der Fromme)

• Sebastião I – „O Desejado“ (dt.: der sehnsüchtig Erwartete)

• Henrique I – „O Casto“ (dt.: der Keusche“) und „o Cardeal-Rei“ (dt.: der Kardinalkönig)

• Filipe I (Philipp II von Spanien) – „O Prudente“ (dt.: der Kluge)

• Filipe II (Philipp III von Spanien) – „O Pio“ (dt.: der Gutherzige)

• Filipe III (Philipp IV von Spanien) – „O Grande“ (dt.: der Große)

• João IV – „O Restaurador“ (dt.: der Wiederhersteller oder der Erneuerer)

• Afonso VI – „O Vitorioso“ (dt.: der Siegreiche) und „o Prisioneiro“ (dt.: der Gefangene)

• Pedro II – „O Pacífico“ (dt.: der Friedliebende)

• João V – „O Magnânimo“ (dt.: der Großherzige“) und „o Rei-Sol-Portugues“ (dt.: der portugiesische Sonnenkönig)

• José I – „O Reformador“ (dt.: der Reformer)

• Maria I – „A Piedosa“ (dt.: die Fromme) und „a Louca“ (dt.: die Wahnsinnige)

• João VI – „0 Clemente“ (dt.: der Milde)

• Pedro IV – „O Libertador“ (dt.: der Befreier) und „o Rei-Soldado“ (dt.: der Soldatenkönig)

• Maria II – „A Educadora“ (dt.: die Erzieherin) und „a Boa-Mãe“ (dt.: die Gute Mutter)

• Pedro V – „O Esperançoso“ (dt.: der Hoffnungsvolle) und „o Muito-Amado“ (dt.: der Vielgeliebte)

• Luis I – „O Popular“ (dt.: der Volksnahe), „o Bom“ (dt.: der Gute) und „o Rei-Marinheiro“ (dt.: der Matrosenkönig)

• Carlos I – „O Diplomata“ (dt.: der Diplomat), „o Mártir“ (dt.: der Märtyrer), „o Oceanógrafo“ (dt.: der Ozeanograph) und „o Rei-Pintor“ (dt.: der Malerkönig)

• Manuel II – „O Patriota“ (dt.: der Patriot)

Die „cognomen“ die ich hier aufgeführt habe, sind sozusagen die offiziellen Beinamen der portugiesischen Monarchen gewesen.
Es gab auch inoffizielle „cognomen“ die aber niemals so charakteristisch für ihre Träger waren, und dementsprechend auch niemals so bekannt wurden, wie die die ich hier aufgezählt habe.

Montag, 8. August 2011

Das Chalet der Comtesse d´ Edla


Wer das Sintragebierge (port.: Serra de Sintra) kennt, weiß das es dort an exklusiven Häuschen, Schlösschen und Burgen nicht mangelt.
Eines dieser exklusiven Häuser ist das Chalet der Comtesse d´ Edla (port.: Chalet da Condessa d´ Edla), der zweiten Ehefrau von Fernando II, dem Prinzgemahlen der ehemaligen portugiesischen Königin Maria II.

Als die Königin im November 1853 im Kindbett stirbt, bleibt Fernando II, der aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha stammte, zuerst einmal Witwer.
Im Jahre 1869 geht er aber eine zweite Ehe mit der deutschstämmigen Opernsängerin, Elise Frederica Hensler, der Comtesse d´ Edla, ein.
Elise Hensler war alles andere als beim Volk beliebt.
Und so ließ Ferdinand II in der Tapada da Vigia, im Sintragebierge, ein kleines Refugium für sich und seine zweite Frau errichten.

In diesem Refugium verbrachte das Paar viele intime Stunden zusammen.
Hier konnten sie auch die Natur genießen und der Botanik nachgehen, eine Leidenschaft die beide verband.

Auch wenn das Chalet einem heute wie ein UFO inmitten des Sintragebierges vorkommt, so gibt es für seine, für diese Gegend eher ausgefallene alpine Architektur, eine simple Erklärung.
Fernando II und Elisa Hensler stammen, wie schon erwähnt, beide aus Deutschland und sie wollten sich damals mit dem Bau des originellen Hauses lediglich „ein kleines Stück Heimat“ nach Portugal holen.

Insgesamt zwei Jahre brauchten damals die Architekten um die genauen Vorstellungen des Paares als Model aufs Papier zu bringen.
Die Bauzeit dagegen dauerte noch nicht einmal acht Monate.
Von außen sieht das Chalet wie ein nordamerikanisches Holzblockhaus aus.
Aber in Wirklichkeit ist diese Imitation ganz aus Stein, Ziegeln und Mörtel.

Dieses Jahr wurde das Chalet, nach dem schweren Brand im Jahre 1999, restauriert.
Man hat sich viel Mühe gegeben das Gebäude wieder im alten rustikalen Glanz erscheinen zu lassen.
Vor allen Dingen hat man sich den Malerarbeiten an der Fassade gewidmet, und diese, nach alten Fotografien, behutsam rekonstruiert.

Aber auch der zum Chalet gehörende Park wurde wieder hergerichtet.
Er war mit den Jahren vollkommen verwahrlost.
Jetzt hat man, anhand von alten Fotographien und Briefen, die vielen Azaleen, Rhododendrons und Kamelien wieder erblühen lassen
Auch viele riesige australische und neuseeländische Farne, die noch von der Comtesse d´ Edla damals gepflanzt wurden und in ganz Portugal ihres gleichen suchen, schmücken den Park.

Beide, sowohl das Chalet der Comtesse d´ Edla als auch der Park können jetzt jeden Tag von 9:30 Uhr bis um 19:00 Uhr besichtigt werden.
Ein Besuch in Sintra ist immer lohnend.
Aber einen Nachmittag im Park des Chalet der Comtesse d´ Edla kann ich jedem nur empfehlen!

Dienstag, 21. Juni 2011

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen






Seit einiger Zeit gibt es Zweifel an dem Geburtsort von Afonso Henriques, dem ersten König von Portugal, der am 27. Juli 1139, als Afonso I, den Thron bestieg.
Über Jahrhunderte hinweg galt die nordportugiesische Stadt Guimarães als Wiege der Nation (port.: Berço da Nação).
Doch seit kurzem wollen Wissenschaftler mögliche Hinweise dafür gefunden haben, das wahrscheinlich in der Stadt Viseu, ebenfalls in Nordportugal gelegen, die Wiege von Afonso Henriques stand.

Wie dem auch sei:
Keinen Zweifel gibt es über die Stadt in der Afonso Henriques starb, und dem Ort an dem er bestattet wurde, nämlich im Kloster Santa Cruz, in der Stadt Coimbra.

In Portugal regierten von 1139 bis 1910 insgesamt 33 Könige und Königinnen, die drei spanischen Könige mitgerechnet.

Von diesen 33 Königen und Königinnen ist einer in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa), einer im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas) und eine regierende Königin in der Sternbasilika (port.: Basilica da Estrela) beigesetzt worden.

Zwei liegen im Kloster Santa Cruz (port.: Mosteiro de Santa Cruz) in der Stadt Coimbra beigesetzt und jeweils drei haben im Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Alcobaça) und im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Vielleicht sind es auch vier die im Hieronymuskloster liegen, denn ob die Gebeine von König Sebastião I, der bei einer Schlacht im marokkanischen Alcácer Quibir gefallen ist, wirklich die sind, die damals im Kloster beigesetzt wurden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Vier portugiesische Monarchen sind im Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha beigesetzt und insgesamt zwölf liegen im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon, der letzten Ruhestätte der Braganças.

Die drei spanischen Filipes sind im Kloster El Escorial, bei Madrid, in der Gruft der Habsburger beigesetzt und einer der portugiesischen Könige, nämlich Sancho II, liegt wahrscheinlich in der Kathedrale von Toledo. Sicher ist das aber nicht, denn nach seiner Flucht aus Portugal hat er sich zwar in dieser spanischen Stadt niedergelassen aber ob er auch dort gestorben ist und wann, ist fraglich.

Ein portugiesischer Monarch, nämlich Pedro IV, war auch als Pedro I brasilianischer Kaiser. Er wurde nach seinem Tod im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, aber in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sein Leichnam nach Brasilien überführt, wo er im dortigen Freiheitsdenkmal Ipiranga, in der Stadt São Paulo, beigesetzt wurde. Sein Herz aber, wird in der Lapa-Kirche (port.: Igreja da Lapa) in der portugiesischen Stadt Porto aufbewahrt.

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen befinden sich an folgenden Orten:

Dynastie derer von Burgund (port.: Dinastia de Borgonha)

• Afonso Henriques ( +06.12.1185) – Mosteiro de Santa Cruz de Coimbra (dt.: Kloster Santa Cruz in Coimbra)
• Sancho I (+27.03.1211) – Mosteiro de Santa Cruz
• Afonso II (+25.03.1223) – Mosteiro de Alcobaça (dt.: Kloster von Alcobaça)
• Sancho II (+1247) – Wahrscheinlich in der spanischen Stadt Toledo?
• Afonso III (+16.02.1279) – Mosteiro de Alcobaça
• Dinis I (+07.01.1325) – Mosteiro de Odivelas (dt.: Kloster von Odivelas)
• Afonso IV (+28.05.1357) – Sé Catedral de Lisboa (dt.: Kathedrale von Lissabon
• Pedro I (+18.01. 1367) – Mosteiro de Alcobaça

Dynastie derer von Avis (port.: Dinastia de Avis)

• João I (+14.08.1433) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster von Batalha)
• Duarte I (+09.09.1438) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Afonso V (+28.08.1481) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• João II (+25.10.1495) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Manuel I (+13.12.1521) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa (dt.: Hieronymuskloster in Lissabon)
• João III (+11.06.1557)– Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa
• Sebastião I (+27.08.1578) Eventuell im Hieronymuskloster?
• Henrique I (+31.01.1580) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa

Dynastie der Habsburger (port.: Dinastia de Habsburgo)

• Filipe I (+13.09.1598) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe II (+31.03.1621) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe III (+01.12.1640) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien

Dynastie derer von Bragança (port.: Dinastia dos Bragança)

• João IV (+06.11.1656) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon (dt.: Kloster São Vicente de Fora)
• Afonso VI (+12.09.1283) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro II (+09.12.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• João V (+31.07.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• José I (+24.02.1777) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Maria I (+20.03.1816) – Basilica da Estrela em Lisboa (dt.: Sternbasilika in Lissabon)
• Pedro III (+05.03.1786) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro IV, Pedro I (+02.05.1826) von Brasilien – Wurde zuerst im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, und dann wurde sein Körper nach São Paulo in Brasilien überführt und sein Herz in die Lapa- Kirche in Porto gebracht
• Maria II (+15.11.1853) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Fernando II (+15.11.1853– Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro V (+11.11.1861 – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Luis I (+19.10.1889) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Carlos I (+01.02.1908) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Manuel II (+02.07.1932) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon

Dienstag, 19. Januar 2010

Der 62-Tage-Prinzgemahl


Fast auf den Tag genau, vor 175 Jahren, nämlich am 25. Januar des Jahres 1835, landete mit der Korvette „Nauenburg“, aus London kommend, ein junger Prinz im Tejo an, der dazu bestimmt war durch die Heirat mit Königin Maria II, Prinzgemahl von Portugal zu werden.

Dieser junge Prinz war August, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto, Duque de Leuchtenberg).
August war ein stattlicher, gut aussehender und hoch intelligenter junger Prinz, der sowohl der Kunst und der Literatur, als auch dem Militärhandwerk zugeneigt war.
Er hätte eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des portugiesischen Königshauses werden können.
Doch das Schicksal wollte es anders, und so wurde aus Augusto de Leuchtenberg nur eine der tragischsten Figuren der Monarchie.

Als Sohn des Generals Eugen de Beauharnais und Leuchtenberg und der bayerischen Prinzessin Auguste Amelie, wurde er am 09. Dezember 1835, als August Karl Eugen Napoleon de Beauharnais, Herzog von Leuchtenberg (port.: Augusto Carlos Eugénio Napoleão de Beauharnais, Duque de Leuchtenberg), in München geboren.

August war ein Nachfahre von Kaiserin Josefine, der Gemahlin Napoleon Bonapartes und er war ein Bruder der brasilianischen Kaiserin Maria Amélia, die Kaiser Pedro I geehelicht hatte.

Als 1828, die damals 12jährige Kronprinzessin Maria von Portugal in London als Gast von Queen Victoria weilt, trifft sie zum ersten Mal, auf einem Ball, auf August von Leuchtenberg.
Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, so berichten die Chronisten. Und da muss auch etwas Wahres dran sein, denn über sieben Jahre lang, bis zu ihrer Heirat, sollen die Kronprinzessin und der Prinz sich mehrere hundert Briefe geschrieben haben.

Kaiser Pedro I von Brasilien, selbst ein hoffnungsloser Romantiker, der zugunsten seiner Tochter Maria auf den portugiesischen Thron verzichtet hatte, steht damals einer Liebesheirat seiner Tochter mit dem deutschen Prinzen nicht im Wege.

Und so gehen Augusto de Leuchtenberg, wie er fortan in Portugal heißen wird, und die gerade erst 19jährige Königin Maria II, am 26. Januar 1835, den Bund der Ehe ein.

Die Hochzeit wurde in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa) zelebriert und laut den Chroniken sollen auf den Straßen der Hauptstadt tausende von Menschen dem jungen Paar begeistert zugejubelt haben.
Als Hochzeitsgeschenk bekam der Prinz den Titel eines Grafen von Santa Cruz.

Die Heirat zwischen Augusto und Maria II war, wie schon erwähnt, eine Liebeshochzeit, was zur damaligen Zeit, als es noch ganz normal war eine königliche Ehe rein aus politischen Gründen zu arrangieren, äußerst selten war.
Um so tragischer ist dann aber die Tatsache, das die Ehe zwischen Königin Maria II und ihrem Prinzgemahl gerade mal nur zwei Monate hielt.

Augusto de Leuchtenberg übernimmt als königlicher Prinzgemahl am 20. März 1835 das Amt des Oberbefehlshabers der Portugiesischen Truppen (port.: Comandante-chefe do Exército das Tropas Portuguêsas). An diesem Tag nimmt er in Almeirim, bei strömendem Regen, eine Ehrenparade ab.
Hier fängt er sich eine so schwere Grippe ein, von der er sich nicht mehr erholen wird.
Am 28. März 1835 stirbt Augusto de Leuchtenberg, nach nur 62 Tagen in Portugal, im Palácio das Necessidades, in Lissabon.