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Dienstag, 2. Juli 2013
Wenn einem Premierminister die Kabinettsmitglieder davonlaufen
Erst gestern habe ich hier in meinem Blog vom Rücktritt des portugiesischen Finanzministers, Vitor Gaspar, geschrieben und dabei erwähnt, das die Nachricht von seinem Rücktritt bei vielen Bürgern, mich eingeschlossen, wie eine Bombe eingeschlagen hat.
Nun, anscheinend werden wir uns wohl hier in Portugal in nächster Zeit an solche „Bombeneinschläge“ im übertragenden Sinn gewöhnen müssen, denn heute ist erneut eine solche Bombe hochgegangen.
Außenminister Paulo Portas hat heute seinen Stuhl im Palácio das Necessidades, dem Außenministerium (port.: Ministério dos Negócios Estrangeiros) hier in Lissabon, geräumt.
Mit dieser Amtsniederlegung befindet sich Portugal nun endgültig in einer Regierungskrise, auch wenn Premierminister Pedro Passos Coelho das anscheinend ignoriert.
Paulo Portas, Vorsitzender der rechtskonservativen Partei CDS-PP (port.: Centro Democrático e Social – Parido Popular / de.: Sozialdemokratisches Zentrum – Volkspartei), dem wichtigen Koalitionspartner von Premierminister Passos Coelho, hat seinen Rücktritt damit begründet, das er die Wahl seines Chefs, die ehemalige Staatssekretärin Maria Luis Albuquerque als neue Finanzministerin zu ernennen, nicht mittragen kann und will.
Unklar ist jetzt, ob der Abgang von Paulo Portas bedeutet, dass die Koalitionsregierung von Premierminister Passos Coelho nun zu Ende ist oder nicht.
Gestern der Rücktritt des Finanzministers, heute der Rücktritt des Außenministers und morgen?
Wie lange wird Premierminister Pedro Passos Coelho noch im Amt bleiben?
Eines ist sicher: ohne die Stimmen der Rechtskonservativen hat die Regierung keine Mehrheit im Parlament – und das kann selbst Premierminister Passos Coelho mit der Zeit nicht ignorieren!
Sonntag, 23. Dezember 2012
Wie der Weihnachtsbaum nach Portugal kam
Diese Woche hatte ich während der Mittagspause ein interessantes Gespräch mit meinen Arbeitskolleginnen Lili und Sabine, welches über Weihnachtstraditionen in Portugal handelte.
Sabine, die aus Österreich kommt, und nun dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten hier in Portugal feiert, fragte mich während des Gesprächs welches denn eigentlich das Weihnachtssymbol in Portugal schlechthin sei.
Ich gab ihr zur Antwort, dass hier in Portugal, genauso wie in ganz Südeuropa, eigentlich immer die Weihnachtskrippe traditionell im Mittelpunkt stand.
Erst im letzten Jahrhundert setzte sich dann der Weihnachtsbaum in den portugiesischen Wohnzimmern gegen die Krippe durch.
Wie es dazu kam?
Nun, ein Deutscher ist dafür verantwortlich!
Es war nämlich Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha-Koháry, der Prinzgemahl von Königin Maria II, der im 19. Jahrhundert den Weihnachtsbaum in Portugal einführte.
In einem Brief an Königin Victoria von England, die mit Albert von Sachsen-Coburg-Gotha verheiratet war, einem Cousin von Ferdinand, beschreibt die portugiesische Königin Maria II, wie ihr Gemahl Ferdinand II (port.: Fernando II) an Weihnachten 1844 ihre sieben Kinder zum ersten Mal mit einem Weihnachtsbaum überraschte.
In einer Radierung aus dem Jahre 1848, die der künstlerisch sehr begabte Fernando II selbst zeichnete, kann man sehen, wie er als Weihnachtsmann verkleidet, mit einem Sack voller Geschenke und mit einer Rute in der Hand, seine Kinder beschert.
Vor ihm, auf einem Tisch, steht ein kerzengeschmückter Weihnachtsbaum, den er zur Überraschung seiner Kinder hatte aufstellen lassen.
Über Fernando II ist bekannt, dass er seine Kinder sehr liebte und er einen ausgesprochenen Familiensinn hatte.
Da ist es nicht mehr als natürlich, das er versuchte, fernab seiner Heimat, deutsche Traditionen und Bräuche in seiner neuen portugiesischen Familie einzubringen.
Abgesehen von ihren Kindern muss auch Königin Maria II von der Tradition des Weihnachtsbaumes sehr angetan gewesen sein, und so wird berichtet, das der Weihnachtsbaum im Königspalast mit den Jahren immer größer wurde.
In einem Hofbericht aus dem Jahre 1851 wird über den Weihnachtsabend 1850 berichtet, das inmitten des Saals des Staatsrates im Palácio das Necessidades, dem damaligen königlichen Palast, am Weihnachtsabend eine riesige beleuchtete Tanne voller Geschenke stand
(port.: „…no meio da sala do Conselho de Estado do Palácio das Necessidades viu-se naquela noite um enorme pinheiro iluminado e cheio de presentes“).
Seit dieser Zeit war der Weihnachtsbaum fester Bestandteil der Weihnachtsfeiern der königlichen Familie.
Aus dem rein religiösen Weihnachtsfest wurde, Dank Fernando II, mit den Jahren ein Familien- und Kinderfest.
König Pedro V und König Luis I führten die Tradition ihres Vaters Fernando II fort und auch König Carlos I übernahm diesen deutschen Weihnachtsbrauch.
Auch außerhalb der königlichen Paläste wurde es mit der Zeit populär, sich zur Weihnachtszeit eine geschmückte Tanne ins Haus zu holen – bis zum heutigen Tag!
Prinzgemahl Fernando II hat mit dem Weihnachtsbaum auch versucht den Adventskranz in Portugal einzuführen, womit er weitaus weniger Erfolg hatte.
Denn während der Baum heute zweifellos zur portugiesischen Weihnacht gehört, ist der Adventskranz leider noch immer den meisten Portugiesen unbekannt.
Dienstag, 24. Mai 2011
Missfallen und zur großen Überraschung

In der hiesigen Presse konnte ich gestern nachlesen, das der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Helmut Elfenkämper, dieses Wochenende in den Palácio das Necessidades, dem Portugiesischen Außenministerium (port.: Ministério dos Negócios Estrangeiros) einbestellt worden ist.
Bei diesem Treffen wurde der Botschafter davon unterrichtet das die portugiesische Regierung mit Missfallen (port.: „desprazer“) und großer Überraschung (port.: „grande surpresa“) die Äußerungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (bitte hierzu meinen Blogtext „Von Klischees und Populismus“ vom 20. Mai 2011 lesen) vernommen hat, die sie vergangene Woche auf einem Treffen ihrer Partei in Meschede, über die arbeitende Bevölkerung in Portugal und seine Renten- bzw. Urlaubspolitik, von sich gegeben hat.
Die scheidende Regierung unter José Socrates bekundete dem Vertreter der Bundesrepublik nicht nur ihre Empörung (port.: „indignação“), sondern dem Botschafter wurde ein detaillierter Bericht über die aktuelle und reale Arbeitslage in Portugal ausgehändigt, der sich auf internationale Studien stützt, und die Worte der Bundeskanzlerin widerlegen.
Sicherlich, das Einbestellen des Deutschen Botschafters Elfenkämper, einem durchaus sehr kompetenten Mann, ins portugiesische Außenministerium, hat eine formelle, diplomatische Bedeutung.
Für den portugiesischen Arbeiter an sich aber, ist diese völlig bedeutungslos!
Dienstag, 12. Oktober 2010
Die Allroundbotschafterin

Das portugiesische Außenministerium (port.: Ministério dos Negócios Estrangeiros) im Palácio das Necessidades hat heute in einer Pressekonferenz verlautbaren lassen, dass aufgrund der schweren finanziellen Lage, in der sich die Nation im Augenblick befindet, einige Botschaften und Konsulate Portugals weltweit sich im kommenden Jahr auf starke Einsparungen einstellen werden müssen, manche von ihnen sogar auf Schließungen.
Wer sich in der portugiesischen Politik ein wenig auskennt, weiß dass die Auslandsvertretungen Portugals schon immer finanziell klein gehalten wurden.
Was ihnen aber im nächsten Jahr bevorsteht, wird so ziemlich das Härteste sein, was finanziell in den letzten Jahrzehnten auf sie zugekommen ist.
Um diesem gravierenden Problem entgegenzutreten hat das Außenministerium hier in Lissabon der Weltöffentlichkeit heute auf der Pressekonferenz auch einen neuen diplomatischen Beruf vorgestellt.
Dieser Beruf, oder besser gesagt diese Berufung, soll den Titel eines „Embaixador todo-o-terreno“ (dt.: „Allroundbotschafter“) oder „Embaixadora todo-o-terreno“ (dt.: „Allroundbotschafterin“) haben.
Natürlich habe ich mich, und sicherlich auch viele andere, sogleich gefragt was die Aufgabe eines „Allroundbotschafters“ sein könnte.
Der Sprecher des Außenministeriums hatte sofort eine Antwort parat, und gab als Beispiel der ersten „Allroundbotschafterin“ Dona Luisa Bastos de Almeida an, die bis dato Botschafterin unseres Landes in der Türkei (port.: Turquia) ist.
Dona Luisa Bastos de Almeida wird von einer Botschafterin Portugals in Ankara (port.: Ancara) zur Allroundbotschafterin „berufen“.
Als solche wird sie nicht nur, wie bis jetzt, erfolgreich Portugal im Ausland repräsentieren, sondern sie wird auch ihr eigener Chauffeur sein, ihre eigene Putzfrau, ihre eigene Köchin, und nebenbei wird sie auch noch als Konsularbeamtin Pässe und Visa abstempeln müssen!
Frau Botschafterin Luisa Bastos de Almeida wird all diese Tätigkeiten, ohne auch nur einen einzigen Euro mehr zu verdienen, erledigen.
Laut Außenministeriums hatte sie auch keine andere Wahl.
Denn hätte sie sich geweigert diese ihr übertragenen Mehrarbeiten zu erledigen, hätte man sie ihres Amtes entheben müssen, und die Botschaft in Ankara noch dieses Jahr schließen müssen.
In der portugiesischen Botschaft in Ankara waren einmal 18 Personen angestellt. In der Zwischenzeit wurde das Personal auf drei Personen reduziert.
Laut des Außenministeriums steht es aber der Botschafterin frei, Personal einzustellen. Das Außenministerium legt aber Wert darauf, dem portugiesischen Steuerzahler mitzuteilen, dass die Botschafterin dieses Personal dann aus ihrer eigenen Tasche bezahlen muss!
Einsparungen, zumal wenn sie auch den Staatsapparat betreffen, und nicht nur den normalen Steuerzahler, sind zwar begrüßungswert, aber in solch einem Fall, vielleicht etwas übertrieben.
Ich meine, was soll denn der türkische Staatspräsident bei seinem nächsten Neujahrsempfang in Ankara denken?
Das er „Ihre Exzellenz die Toilettenfrau“ als Vertreterin Portugals empfängt?
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