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Samstag, 1. Februar 2014

Gedenken an zwei feige Morde







Am heutigen Tag gedenken portugiesische Monarchisten (und nicht nur die) an die feigen Morde, die vor 106 Jahren an dem portugiesischen König Carlos I und seinem Sohn, Kronprinz Infante Luis Filipe, begangen wurden.
Damals, am kalten Spätnachmittag des 01. Februar 1908, wurden König und Kronprinz bei einem Anschlag republikanischer Anarchisten auf dem Terreiro do Paço, Mitten in Lissabon, ums Leben gebracht.

Diese Morde waren der Anfang vom Ende der Monarchie in Portugal, denn nur knapp drei Jahre später, am 05. Oktober 1910, fegte eine republikanische Revolution den letzten König von Portugal, Manuel II, vom Thron.
Nach dem Sturz der Monarchie herrschte eine instabile, chaotische und krisenreiche Zeit in Portugal.
Von 1910 bis 1926, in der so genannten Ersten Republik, gaben sich damals über 40 verschiedene Regierungen die Klinke in die Hand!

Diese ganze Misere begann mit den erwähnten Morden an den König und seinen Thronfolger am 01. Februar 1908.
Die Ereignisse dieses tragischen Tages sind von Zeitzeugen gut dokumentiert und schriftlich überliefert worden, allerdings gibt es von dem Mordanschlag auf König Carlos I keine fotografischen Bilder.
Das hängt damit zusammen, dass die Fotografie damals noch in den Kinderschuhen steckte.
Anfang des 20. Jahrhunderts war das Medium Fotografie weltweit noch nicht sehr verbreitet und die Fototechnik noch nicht sehr gut entwickelt.

Die Nachricht von dem Attentat auf König Carlos I und seinen Sohn verbreitete sich schnell. Sowohl die nationale als auch die internationale Presse berichteten sogleich in den nächsten Tagen von den Ereignissen in Lissabon.
Aber alle Zeitungen und Zeitschriften der damaligen Zeit hatten, wie schon erwähnt, kein Bild von dem Geschehnis und konnten so nur schriftlich ihre Eindrücke und Sachverhalte an ihre Leserschaft weitergeben.
Und da, wie jeder weiß, ein Bild mehr aussagt als tausend Worte, dauerte es nicht lange, bis zahlreiche Zeichnungen, Drucke und kolorierte Postkarten von dem Ereignis publiziert wurden.

In Portugal waren die Illustrationen damals für die mehrheitlich analphabete Bevölkerung unheimlich wichtig, damit diese das Geschehnis überhaupt nachvollziehen konnte. Zwar war die königliche Familie in der Bevölkerung damals nicht sehr beliebt, aber einen Königsmord war damals für die meisten Portugiesen unvorstellbar.
In der ausländischen Presse wurde das Attentat auf König Carlos I das erste große Medienereignis aus Portugal, von dem sie berichten konnten.

All die Darstellungen, die damals in Umlauf gesetzt wurden, wurden von Zeichner und Maler gemacht, die bei dem Attentat nicht persönlich dabei waren. Die Künstler mussten sich bei der Fertigung ihrer Illustrationen alleine vom Hörensagen anderer inspirieren lassen. Die einen erfassten daher eine eher sensible und nüchterne Perspektive des Unglücks, die anderen ließen ihrer Fantasie freien lauf und legten nicht allzu großen Wert auf die Authentizität des Geschehens.
So fertigte z.B. ein anonymer Zeichner in der damals sehr beliebten französischen Zeitung „Le Petit Journal Illusré“ ein Bild, auf dem anstatt der zwei Attentäter sogar vier Mörder abgebildet waren.

Aber, so genau oder ungenau alle Abbildungen der damaligen Zeit auch waren, eines hatten sie allerdings gemeinsam:
Sie gaben und geben auf perverse Art und Weise wieder, welches Drama sich an diesem Tag in Lissabon ereignet hat.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Wie der Weihnachtsbaum nach Portugal kam



Diese Woche hatte ich während der Mittagspause ein interessantes Gespräch mit meinen Arbeitskolleginnen Lili und Sabine, welches über Weihnachtstraditionen in Portugal handelte.
Sabine, die aus Österreich kommt, und nun dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten hier in Portugal feiert, fragte mich während des Gesprächs welches denn eigentlich das Weihnachtssymbol in Portugal schlechthin sei.

Ich gab ihr zur Antwort, dass hier in Portugal, genauso wie in ganz Südeuropa, eigentlich immer die Weihnachtskrippe traditionell im Mittelpunkt stand.
Erst im letzten Jahrhundert setzte sich dann der Weihnachtsbaum in den portugiesischen Wohnzimmern gegen die Krippe durch.

Wie es dazu kam?
Nun, ein Deutscher ist dafür verantwortlich!

Es war nämlich Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha-Koháry, der Prinzgemahl von Königin Maria II, der im 19. Jahrhundert den Weihnachtsbaum in Portugal einführte.

In einem Brief an Königin Victoria von England, die mit Albert von Sachsen-Coburg-Gotha verheiratet war, einem Cousin von Ferdinand, beschreibt die portugiesische Königin Maria II, wie ihr Gemahl Ferdinand II (port.: Fernando II) an Weihnachten 1844 ihre sieben Kinder zum ersten Mal mit einem Weihnachtsbaum überraschte.

In einer Radierung aus dem Jahre 1848, die der künstlerisch sehr begabte Fernando II selbst zeichnete, kann man sehen, wie er als Weihnachtsmann verkleidet, mit einem Sack voller Geschenke und mit einer Rute in der Hand, seine Kinder beschert.
Vor ihm, auf einem Tisch, steht ein kerzengeschmückter Weihnachtsbaum, den er zur Überraschung seiner Kinder hatte aufstellen lassen.
Über Fernando II ist bekannt, dass er seine Kinder sehr liebte und er einen ausgesprochenen Familiensinn hatte.
Da ist es nicht mehr als natürlich, das er versuchte, fernab seiner Heimat, deutsche Traditionen und Bräuche in seiner neuen portugiesischen Familie einzubringen.

Abgesehen von ihren Kindern muss auch Königin Maria II von der Tradition des Weihnachtsbaumes sehr angetan gewesen sein, und so wird berichtet, das der Weihnachtsbaum im Königspalast mit den Jahren immer größer wurde.
In einem Hofbericht aus dem Jahre 1851 wird über den Weihnachtsabend 1850 berichtet, das inmitten des Saals des Staatsrates im Palácio das Necessidades, dem damaligen königlichen Palast, am Weihnachtsabend eine riesige beleuchtete Tanne voller Geschenke stand
(port.: „…no meio da sala do Conselho de Estado do Palácio das Necessidades viu-se naquela noite um enorme pinheiro iluminado e cheio de presentes“).

Seit dieser Zeit war der Weihnachtsbaum fester Bestandteil der Weihnachtsfeiern der königlichen Familie.
Aus dem rein religiösen Weihnachtsfest wurde, Dank Fernando II, mit den Jahren ein Familien- und Kinderfest.
König Pedro V und König Luis I führten die Tradition ihres Vaters Fernando II fort und auch König Carlos I übernahm diesen deutschen Weihnachtsbrauch.
Auch außerhalb der königlichen Paläste wurde es mit der Zeit populär, sich zur Weihnachtszeit eine geschmückte Tanne ins Haus zu holen – bis zum heutigen Tag!

Prinzgemahl Fernando II hat mit dem Weihnachtsbaum auch versucht den Adventskranz in Portugal einzuführen, womit er weitaus weniger Erfolg hatte.
Denn während der Baum heute zweifellos zur portugiesischen Weihnacht gehört, ist der Adventskranz leider noch immer den meisten Portugiesen unbekannt.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Luis Filipe, der vergessene Prinz


Am 21. März 1887 wurde im Königspalast von Belém, in Lissabon, ein Infant geboren, über den viele Menschen heute zwar wissen wie er gestorben ist, aber leider kaum ein Mensch kennt heute die Geschichte seines kurzen Lebens.

Der vollständige Name des kleinen Infanten war Luis Filipe Maria Carlos Amélio Vítor Manuel António Lourenço Miguel Rafael Gabriel Gonzaga Xavier Francisco de Assis Bento de Bragança Sachsen-Coburg-Gotha e Orleans.
Er war der erstgeborene Sohn von König Carlos I und seiner Gattin, Königin Maria Amélia, aus dem Hause Orleans.

Als Kronprinz hatte Luis Filipe den Titel eines Prinzen von Beira, und er trug auch den Titel eines Herzogs von Bragança und den Titel eines Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha.
Die Erziehung von Luis Filipe war die eines Thronfolgers.
Er wuchs in einem liebevollen Elternhaus auf, im Schoße einer harmonischen und charismatischen Familie.
Nichtsdestotrotz wuchs er in einer politischen und sozialen sehr schwierigen Zeit auf.
Vor allem das englische Ultimatum von 1890 und die immer häufiger werdenden republikanischen Bewegungen sorgten für eine ständige Krise im Königreich.

Infant Luis Filipe und seinen Lehrern war die schwierige Situation, in der sich die Nation damals befand, sehr wohl bewusst. Dementsprechend bereiteten die Lehrer den Kronprinzen auf seine zukünftige, verantwortungsvolle Aufgabe vor.
Sie zogen ihn zu einem gütigen, intelligenten, ehrlichen und sensiblen Menschen heran, der einen einwandfreien Charakter vorweisen konnte.

Wie ernst es König Carlos I mit der Erziehung seines Erstgeborenen war, sieht man, wenn man sich die Namen der Lehrer anschaut, die ihn von klein auf unterrichteten.
Seine Lehrer waren Oliveira Ramos, der ihn in portugiesischer Literatur unterrichtete, Lopes Praça unterwies ihn in Philosophie und Recht, Garcia Guerreiro in Geographie und Geschichte, der Marques Leitão brachte ihm Mathematik bei, Oberstleutnant José Joaquim de Castro unterwies ihn in Topographie, Ballistik und Taktik und der deutsche Kerausch unterrichtete ihn in deutscher Literatur, Geographie, Philosophie und Geschichte.

Als Luis Filipe 13 Jahre alt war, im Jahre 1900, wurde er der Obhut von Joaquim Augusto Mouzinho de Albuquerque, einem Helden der Afrikafeldzüge, anvertraut.
Mouzinho de Albuquerque weißte den jungen Infanten in der Kriegsführung ein.
Mit all diesen Lehrern und Mentoren wuchs Infant Luis Filipe zu einer charismatischen, humorvollen und starken Persönlichkeit heran.

Diese Persönlichkeit demonstrierte Luis Filipe das erste Mal öffentlich am 25. Mai 1901.
An diesem Tag legte er offiziell den Eid als Thronfolger ab.
Als seine Eltern, der König und die Königin, im Jahre 1906 dem Königreich Spanien einen Staatsbesuch abstatteten, vertrat er als legitimer Thronfolger, König Carlos I im Staatsrat (port.: Conselho de Estado).
Er nahm von da an mehrmals an den Sitzungen des Staatrates teil und er entwickelte mit der Zeit ein gewisses Feingefühl für die Politik.

Das Jahr 1907 wird ein ganz besonderes Jahr im kurzen Leben von Luis Filipe.
Vom 01. Juli bis zum 27 September stattet er den portugiesisch-afrikanischen Kolonien Angola, Moçambique, Cabo Verde, São Tomé und Principe und den englischen Kolonien Rhodesien und Südafrika einen offiziellen Besuch ab.
Seit João VI aus Brasilien zurückgekehrt war – wo er die Jahre der französischen Besatzung in Portugal verbracht hatte – hatte kein Mitglied der königlichen Familie jemals wieder einen Fuß in eine ihrer Kolonie gesetzt.

Diese Reise, die Luis Filipe machte, fand zu einer Zeit statt, in der ausländische Mächte, auch Deutschland, anfingen offen Interesse an den portugiesischen Gebieten zeigen.
Um den Anfängen zu wehren, schickt also der König seinen Sohn ins südliche Afrika, um den vorhandenen Machtanspruch Portugals zu bekräftigen.

Heute würde man sagen, diese Reise war alles andere als sicher, ja manchmal sogar gefährlich.
Aber der Infant und sein Gefolge überstanden alle diese Reise heil und sicher.
Keiner der an dieser Reise teilgenommen hatte, konnte auch nur annähernd ahnen, dass sie den möglichen Gefahren Afrikas entkommen waren, um nur ein paar Monate später Zeugen eines gewaltsamen Mordes, mitten in Lissabon, zu werden, der die königliche Familie, das Königreich Portugal und selbst andere Königreiche tief erschütterte.

Es war am 01. Februar 1908, als der König und die Königin, zusammen mit dem Kronprinzen in Lissabon, mit der königlichen Barkasse eintrafen. Sie hatten einpaar Tage in Vila Viçosa, dem Stammsitz der Braganças, verbracht und kehrten nun an diesem Tag in die Hauptstadt zurück.
Sie wurden von Infante Manuel, dem jüngeren Sohn des Königs, Infante Afonso, dem Bruder des Königs und der Regierung empfangen.

Zusammen bestieg die königliche Familie eine offene Kutsche und begab sich in Richtung des Necessidades-Palastes.
Aber sie kamen nicht weit.
Noch in der Praça do Comercio, kurz vor dem einbiegen in die Rua do Arsenal, wurde aus der Menge heraus auf die königliche Familie geschossen.
Die Attentäter Alfredo Costa e Manuel Buíça treffen König Carlos I im Rücken und im Nacken. Er ist sofort tot.
Infant Luis Filipe wird schwer verwundet und Infant Manuel wird am Arm getroffen. Nur die Königin bleibt unverletzt.
(zu dem Anschlag auf die königliche Familie werde ich bei Gelegenheit in diesem Blog einen Beitrag schreiben!)

Der Thronfolger ist so schwer verletzt, das er den König nur um knapp eine halbe Stunde überlebt.
Sein Bruder Manuel wird noch am selben Tag den verwaisten portugiesischen Thron als Manuel II besteigen.
Luis Filipe stirbt an diesem 01. Februar, noch nicht einmal 21jährig, in den Armen seiner Mutter, der Königin.

Aber mit Luis Filipe stirbt auch die Hoffnung einer ganzen Nation.
Er, der er mit so viel Hingabe und Liebe als zukünftiger König erzogen worden war, starb einen völlig sinnlosen und gewalttätigen Tod.
Luis Filipe wird am 08. Februar 1908 im Mausoleum der Braganças, im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon, beigesetzt

Die Monarchie sollte sich von dem blutigen Attentat auf Carlos I und Luis Filipe nie wieder erholen.
Knapp zwei Jahren nach dem Königsmord, musste Manuel II und der Rest der königlichen Familie ins Exil gehen, und in Portugal wurde die Republik ausgerufen.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Kaiser Wilhelm II zu Besuch in Portugal



In meinem vorhergehenden Beitrag „Deutsche Kriegserklärung an Portugal“, schreibe ich ausführlich wie es im 1. Weltkrieg zum Zerwürfnis zwischen den bis dahin eng befreundeten zwei Nationen, Deutschland und Portugal, kam.

Als in Portugal 1910 die Republik ausgerufen wurde, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den beiden Nationen zunehmend.
Ihren Höhepunkt fanden diese schlechten Beziehungen dann, in der schon erwähnten Kriegserklärung Deutschlands an Portugal, vom 09. März 1916.

Aber es war nicht immer so.
Der Deutsche Kaiser Wilhelm II verstand sich sehr gut mit Carlos I, und nach dessen Ermordung am 01. Februar 1908, auch mit seinem Sohn Manuel II, als diese noch Könige von Portugal waren.

Einer der Höhepunkte der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts war z.B., sowohl für das deutsche Kaiserreich als auch für die portugiesische Monarchie, der Besuch Kaiser Wilhelms II in Portugal, als dieser, auf dem Weg nach Marokko, im Jahre 1905 Lissabon und Sintra einen Besuch abstattete.

Vom 27. bis 30. März war Wilhelm II zu Gast bei Carlos I.
Er empfing während dieser Tage im Palast von Belém (port.: Palácio de Belém) und im Palast von Sintra (port.: Palácio de Sintra) viele Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur.
Auch mit einer Abordnung der deutschen Kolonie, die damals von Generalkonsul Daehnhardt angeführt wurde, kam der Kaiser zusammen.

Höhepunkt seines Besuchs war ein Mittagsessen im Palast von Sintra am 28. März 1905.
Bei diesem Treffen in Sintra, wurde Wilhelm II von König Carlos I, seiner Gattin Königin Maria Amélia, den zwei Infanten Luis Filipe und Manuel, sowie dem portugiesischen Hochadel, empfangen.

Bei diesem Mittagsessen in Sintra wurde dann auch ein Gruppenfoto im Palasthof gemacht, der die beiden Monarchen mit ihren Delegationen zeigt.
Dieses Foto sollte das letzte offizielle Foto sein, bei dem beide Monarchen auf einem Bild zu sehen sind.
Fast auf den Tag genau, elf Jahre später, brach ein blutiger Krieg zwischen beiden Nationen aus, der als 1. Weltkrieg in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Montag, 4. Oktober 2010

Hundert Jahre Was???


Heute vor genau hundert Jahren fand hier in Lissabon ein Denkwürdiges Bankett statt.
Dieses Bankett wurde zu ehren des gewählten brasilianischen Staatspräsidenten Marechal Henrique da Fonseca, der gerade zu einem Staatsbesuch in Portugal weilte, im königlichen Palast von Ajuda gegeben.

Während des Abendessens, drangen mehrere portugiesische Militärs in den Bankettssaal ein und berichteten den Anwesenden, dass sich im Zentrum der Stadt, am Marques de Pombal, bewaffnete Aufrührer zusammengetan hätten, und diese nun auf dem Weg zum Palast seien.
Sofort verließen die anwesenden Politiker, Adelige und selbst der junge König Manuel II den Raum, und begaben sich alle auf die Flucht vor dem Mob, der marodierend durch die Straßen ging und skandierte: „Abaixo o rei, viva a República“ (dt.: Nieder mit dem König, es lebe die Republik).

Am nächsten Tag, dem 05. Oktober1910, wurde in Lissabon die Republik von einer kleinen militärischen und bürgerlichen Elite vom Balkon des Rathauses ausgerufen, gegen den Willen der Mehrheit der Portugiesen.
Man schätzt heute, dass damals lediglich 7% der Bevölkerung dem republikanischen Gedanken zugetan war!
König Manuel musste mit seiner Mutter Amélia, seiner Großmutter Maria Pia und seinem Onkel D. Afonso (aus nur diesen vier Mitgliedern bestand die ganze portugiesische Familie), von Ericeira aus ins britische Exil gehen.

Heute, 100 Jahre nach dieser Vertreibung, feiert man hier in Portugal, die Republik.

Aber ich frage mich allen Ernstens, was diese Republikaner eigentlich feiern wollen?

Den feigen Mordanschlag (port.: regicídio) an König Carlos I und dem Thronfolger Luis Filipe, der der republikanischen Revolution zwei Jahre zuvor voran ging?
Oder feiern sie die Erste Republik, die das Land ins Chos stürzte und innerhalb von 15 Jahren 44 verschiedene Regierungen unter acht Präsidenten vorbrachte, eine inkompetenter als die andere?
Feiern sie etwa die Diktatur Salazars, die der Ersten Republik folgte und die das Land zum Stillstand zwang?
Oder Feiern sie gar die Tatsache, das wir heute vor einem Staatsbankrott stehen und das wir extreme Schwierigkeiten in der Arbeits-, Gesundheits-, Justiz-, Schul- und Wohnungspolitik haben?

Ich weiß nicht wie viele meiner Landsleute die Idee der Wiedereinführung der Monarchie befürworten würden.
In nächster Zeit werde ich dies wohl auch nicht erfahren, denn die aktuellen demokratisch gewählten Regierungen weigern sich beharrlich ein Volksentscheid durchzuführen.

Aber eines weiß ich mit Sicherheit: Die Anhänger der Monarchie werden immer mehr. Sei es im Internet oder auf der Straße, die Idee eines Königs in Portugal ist nicht mehr so abwegig wie noch vor einigen Jahren.

Ein Präsident der Republik kann, auch wenn er das Gegenteil behauptet, niemals der Präsident aller Portugiesen sein!
Dafür hat er eine oder mehrere Parteien hinter sich, die ihn an den Platz gebracht haben, an dem er ist.
Ein König dagegen ist von Natur aus überparteilich und als solcher ist er nicht nur ein natürlicher Repräsentant Portugals und aller Portugiesen, sondern auch ein Garant der Nationalen Einheit und der Stabilität des Landes.

Daher möchte ich gerne der Republik, zu ihrem 100jährigen Geburtstag folgendes in ihr Gästebuch eintragen:

Es lebe der König!
Es lebe die Monarchie!
Es lebe Portugal!

Viva El-Rei!
Viva a Monarquia!
Viva Portugal!

Dienstag, 27. Juli 2010

Eselsohren: „Dona Amélia“


Heute möchte ich Euch und Ihnen ein Buch ans Herz legen, welches mir eine Menge Spaß beim lesen gebracht hat.

Es handelt sich hierbei um die Romanbiografie der letzten portugiesischen Königin Amélia, die mit vollem Namen Maria Amélia Luísa Helena de Bourbon Orleães e Bragança hieß, und die 1865 im englischen Twickenham, als erste Tochter der Grafen von Paris (port.: Condes de Paris), geboren wurde.

„Eine Königin flüchtet nicht, und lässt ihr Land und ihr Volk im Stich“ – nach diesem Motto lebte Königin Amélia ein Leben lang.
Aber das Schicksal sollte sie eines anderen belehren.

Amélia war eine von der Tragödie gezeichnete Frau, als sie am 05. Oktober 1910, von Ericeira aus, nach Ausrufung der Republik in Portugal, ins englische Exil gehen musste.
Exil – dieses verfluchte Wort, hatte sie und ihre ganze Familie ein Leben lang verfolgt, und sollte sie nun weiter verfolgen, bis an ihr Lebensende.

Mit Jubel wurde sie als Prinzessin 1886, als Braut von Kronprinz Carlos, in Lissabon empfangen.
Und als Prinzessin war sie auch eine zeitlang glücklich.
Aber mit der Zeit wurde aus der glücklichen Prinzessin eine unglückliche Königin.
Ihr Mann, der König, betrog sie nach Strich und Faden mit anderen Frauen, die Politiker, egal welcher Partei, sahen in ihr nur die „Französin“ und der Hof intrigierte und konspirierte gegen sie, wo es nur konnte.

In dem Buch „D. Amélia – A rainha exilada que deixou o coração em Portugal“ (dt.: „Amélia – Die Königin im Exil, die ihr Herz in Portugal zurückließ“) erzählt die Bestsellerautorin Isabel Stilwell, in einem Roman, die Geschichte der letzten Königin Portugals, die 24 Jahre in einem Land lebte, das sie wie ihr eigenes liebte.
Obwohl dieses Land ihr alles nahm was sie liebte: ihren Erstgeborenen und ihren Ehemann, die beide bei einem Attentat am 01. Februar 1908, in Lissabon starben.

Isabel Stilwell hat wieder einmal ein wunderbares Buch geschrieben, das mich sehr gefesselt hat und das auch sie, sollten sie der portugiesischen Sprache mächtig sein, fesseln wird.

Erschienen ist das Buch im Verlag „A esfera dos livros“.

Dienstag, 20. Juli 2010

Dispensário de Alcântara






Von meinem Büro aus habe ich Sicht auf ein altes, ockerfarbenes Gebäude, mit einer riesigen Eingangstür und großen, hohen Fenstern, aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Dieses Gebäude hat zweifellos seine besten Jahre schon hinter sich, und das es heute überhaupt noch steht, und noch nicht einem modernen Büro- oder Wohnhauskomplex weichen musste, ist eher einem Zufall der Geschichte als einer gewollten Altstadtplanung zu verdanken.

An der Avenida Infante Santo, Ecke Rua Tenente Valadim, genau gegenüber dem Büro in dem ich arbeite, auf der anderen Straßenseite, steht der 1893 erbaute Dispensário de Alcântara, damals noch Dispensário Real de Alcântara, wobei „Real“ für „königlich“ steht.
Ein „dispensário“ kann man als eine „ärztliche Beratungsstelle“ übersetzen oder „Ärztehaus“.
In diesem Fall war der dispensário „ein Erste-Hilfe-Posten für Bedürftige und Arme“, vor allem für Kinder bis 12 Jahre.

An dem Platz, an dem heute dieses Gebäude steht, stand vorher schon ein anderes, in dem Kinder ärztlich untersucht und behandelt wurden.
Hier bekamen sie jeden Tag frische Milch zu trinken, frisches Obst und eine warme Mahlzeit zu essen.
Und hier wurden sie auch auf die Wichtigkeit von Hygiene und Sauberkeit unterwiesen.

Die größte Unterstützerin des Dispensário Real de Alcântara, und die Verantwortliche für den Bau der heute noch steht, war die damalige Königin Amélia von Orleans und Bragança (port.: Amélia de Orleães e Bragança), Ehefrau von König Carlos I.
Königin Amélia, eine gebürtige Französin, setzte sich mit viel persönlichem und finanziellem Engagement, auch gegen den Willen vieler republikanischer und anderer politischer Widersacher, für diese von Dominikanerschwestern geführte und vom Oberarzt Dr. Augusto da Silva Carvalho geleitete Anlaufstelle für arme, verwahrloste und zum Teil misshandelte Kinder, ein.

Die Königin und ihre beste Freundin, Mariana, Condessa de Sabugosa (dt.: Mariana, Gräfin von Sabugosa), die auch gleichzeitig eine ihrer Hofdamen war, verbrachten viel ihrer Freizeit im dispensário bei der Pflege der vielen Kinder die sich tagtäglich auf den Weg nach Alcântara machten um dort behandelt zu werden.
Die Königin stattete dem dispensário, sehr zum Missfallen ihres Mannes, mehrmals in der Woche einen Besuch ab.
Ein altes Kachelgemälde (port.: Painel de Azulejos), das früher an der Veranda des dispensários angebracht war, und welches heute im Lissabonner Apothekermuseum zu sehen ist, zeigt die Königin bei einem dieser Besuche.

Nach dem Attentat auf König Carlos I im Jahre 1908, den Königin Amélia nur knapp überlebte, und nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1910, waren auch die Tage des dispensários gezählt.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste der Dispensário de Alcântara, aus Geldmangel, seine Tore schließen.

Das das Gebäude heute noch steht, ist wie schon gesagt, ein glücklicher Zufall der Geschichte.
Denn in einer Stadt, in der normalerweise wenig zimperlich mit alten Stadtpalästen, Bürgerhäusern, Kirchen und anderen alten Bauwerken umgegangen wird, ist es schon fast ein Wunder das dieses alte Gebäude noch steht.

Altes abreißen und Neues bauen, das ist hier in Portugal leider noch immer die traurige Normalität.
Und wenn dann Stadtarchitekten ihre modernen Bausünden aus Glas und Beton in eine Reihe stellen wollen, wie den Barock oder die Gotik, dann ist das für mich so, als ob einer versucht mir eine Käsestulle als vollwertiges Mittagessens darzustellen.

Ich hoffe, ich werde noch lange, von meinem Bürofenster aus, den alten, prachtvollen dispensário sehen können!

Mittwoch, 6. Januar 2010

Das Kutschenmuseum in Belém






An der Praça Afonso de Albuquerque, im Lissabonner Stadtteil Belém, liegt Portugals meist besuchtestes Museum, das „Nationale Kutschenmuseum“ (port.: „Museu Nacional dos Coches“.
Erst diese Woche war ich dort, und habe somit mit meinem Besuch dafür gesorgt, dass das Kutschenmuseum auch weiterhin das beliebteste des Landes ist.

Befinden tut sich das Kutschenmuseum in der ehemaligen alten königlichen Hofreitschule (port.: Picadeiro Real do Palácio de Belém), das vom italienischen Architekten Giacomo Azzolini im Jahre 1726 erbaut wurde.
Bereits im Jahre 1905 gründete Königin Maria Amélia, die Ehefrau von König Carlos I, das Königliche Kutschenmuseum.
Das Museum feiert somit dieses Jahr seinen 105 Geburtstag.

Das Nationale Kutschenmuseum in Lissabon beherbergt die weltgrößte Sammlung, einmalig in ihrer Art, an königlichen Fuhrwerken, darunter Kutschen, Kaleschen, Sänften, Cabrioletts und Kinderwägen, wie sie an den Höfen Europas zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert benutzt wurden.

Außerdem werden eine Reihe von Pferdegeschirren, Waffen, Sätteln und Gala-Uniformen ausgestellt.
Ein besonderes Highlight ist die Ölgemäldegalerie im Ersten Stock mit den Portraits der Monarchen der Dynastie Bragança.

Die schönsten Kutschen die in diesem Museum ausgestellt sind, sind unter anderem die Reisekutsche von Phillip II von Spanien, der als Filipe I seinerzeit über Portugal herrschte, dann die drei imposanten Kutschen von Rodrigo Almeida e Menezes, dem Marquês de Abrantes, die er als Botschafter im Vatikan benutzte und die jede über unglaubliche fünf Tonnen wiegt.
Und dann die Staatskutsche von João VI, die er sich nach seiner Rückkehr aus Brasilien bauen lies, und die noch 1957, beim Staatsbesuch der britischen Königin Elisabeth II, benutzt wurde.

Außerdem kann man zur Zeit im Museum, als Leihgabe, die Kutsche besichtigen, in der die königliche Familie am 01. Februar 1908 einem Anschlag zum Opfer fiel, bei dem König Carlos I und sein Sohn Infante D. Luis Filipe, der Thronfolger, ums leben kamen.
Normalerweise wird diese Kutsche im königlichen Schloss von Vila Viçosa, im Alentejo, ausgestellt.

Heute, am 06. Januar 2010, beginnen, schräg gegenüber vom jetzigen Museum, die Bauarbeiten an dem neuen Kutschenmuseum. Die Bauarbeiten sollen in etwa zwei Jahre dauern.
Dann sollen die Kutschen ins neue Gebäude einziehen.
Aus dem alten Gebäude wird dann das, was es ursprünglich einmal war: eine Hofreitschule.

Dienstag, 5. Januar 2010

Weg da!


Beim lesen eines Buches über König Dom Carlos I lass ich auch einige Worte über seinen Bruder Dom Afonso, Duque do Porto (dt.: Alfons, Herzog von Porto), die ich sehr amüsant fand.

Dom Afonso wurde am 31. Januar 1865 in Lissabon als zweiter Sohn von König Luis I und der Königin Maria Pia von Savoyen (port.: Maria Pia de Sabóia) geboren.

Als Zweitgeborener hatte er bei weitem nicht die Aufgaben und Verantwortungen, die sein Bruder Carlos I als König hatte.
Afonso war weder an der Politik interessiert, noch machte er sich viel aus Kultur, im Gegensatz zu seinem Vater und seinem Bruder.
Dafür war Afonso allerdings das, was man heute wohl eine „Sportskanone“ nennen würde.

Er praktizierte mehrere Sportarten und er war es auch, der als erster Autorennen in Portugal veranstaltete.
Er war dem Automobilsport regelrecht verfallen.
Und es war auch die Liebe zur Geschwindigkeit, die ihm seinen Spitznamen ein brachte.
Er wurde vom Volk liebevoll „Arreda“ genannt, was auf Deutsch so viel heißt wie „zurück!“ oder „Weg da!“

Er hatte nämlich die Angewohnheit, so wird berichtet, durch die Straßen der Hauptstadt mit hoher Geschwindigkeit zu fahren.
Und anstatt abzubremsen, wenn ihm jemand vor das Auto erschien, rief er lieber: „arreda! arreda“, was also so viel heißt wie „Weg da! Weg da!“

Afonso starb am 20. Februar 1920 im Exil in dem kleinen Ort Posillipo, in Italien, an den Folgen eines Unfalls, das er Tage zuvor bei einem Autorennen erlitten hatte.

Die letzte Adresse der Könige von Portugal






Heute besuchte ich mit meiner Familie das Museum im „Palácio Nacional da Ajuda“, den ehemaligen Wohnsitz der königlichen Familie Portugals, im Stadtteil Ajuda.
Der „Palácio Real“ (dt.: Königliches Schloss), wie der Palast auch genannt wird, beherbergt nicht nur das wunderschöne Museum, sondern auch das Kultusministerium und eine Bibliothek.

In seiner heutigen Form wurde er im 19. Jahrhunderts im neoklassischen Stil errichtet, nachdem der Originalbau im Jahre 1795, mit all seiner reichen Inneneinrichtung, einem zerstörerischen Feuer zum Opfer gefallen war.
Der Originalbau war eine aus Holz und Zeltstoffen zusammengebaute Baracke (port.: Barraca Real), die sich König José hatte zusammenzimmern lassen, nachdem beim großen Erdbeben vom 01. November 1755 das königliche Schloss „Palácio da Ribeira“, am Tejoufer, zerstört worden war.
Da der König nach dem großen Beben eine regelrechte Phobie in geschlossenen Räumen hatte, lebte er bis an sein Lebensende im Jahre 1777 in dieser luxeriösen Holzhütte mit Zeltdach.

Nach dem großen Brand und nachdem die königliche Familie wegen der Truppen Napoleons ins Exil nach Brasilien musste, wurde der Palast erst 1861, unter König Luis I, wieder ständiger Wohnsitz der königlichen Familie, nachdem er im Jahr 1861 König geworden war.

Die luxuriösen Säle sind mit Seidentapeten, Porzellan, edlen Möbeln und Kristallleuchtern dekoriert.
Die „Sala Saxe“ (dt.: Sächsischer Saal) ist ein besonderes Beispiel des königlichen Luxus. Sie ist ein Geschenk des Königs von Sachsen an Königin Maria Pia, der Ehefrau von Luis I. Alle Möbelstücke dieses Saales sind verschwenderisch mit Meißener Porzellan geschmückt.
Andere wunderschöne Säle sind unter anderem der Wintergarten (port.: Jardim de Inverno), das Anziehzimmer der Königin (port.: Toilette), das Botschafterempfangszimmer (port.: Sala dos Embaixadores), die Kinderzimmer von König Carlos I und seinem Bruder Afonso (port.: Quartos dos Infantes) und der große Thronsaal (port.: Sala do Trono).

Im ersten Stock ist ein riesiger Bankettsaal mit Kristallleuchtern und seidenbespannten Stühlen bestückt. Das Deckenfresko dieses Saales zeigt eine Allegorie der Geburt von König D. João VI.
Dieser Saal wurde nicht nur zu Zeiten der Monarchie als Bankettsaal genutzt, sondern wird auch heute noch, zu Zeiten der Republik, als Bankettsaal für Staatsempfänge benutzt.
Überhaupt werden viele Säle des Palastes als Repräsentative Räume bei Staatsempfängen und Staatsfeierlichkeiten benutzt.

So sind sie halt, unsere republikanischen Freunde:
Erst gaben sie keine Ruhe bis sie den König außer Landes geschafft hatten, und heute schmücken sie sich gerne mit den Räumlichkeiten und den Objekten der Monarchie.
Als Monarchist kann ich über solche Dinge nur schmunzeln!