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Mittwoch, 13. November 2013

Ich bin wieder da!



Nach einer zweimonatigen Blog-Abstinenz melde ich mich heute hier im „Planet Portugal“ zurück.
Wie es einigen von Euch, die diesen Blog verfolgen, bekannt ist, ging es mir in letzter Zeit gesundheitlich überhaupt nicht gut, so dass an eine regelmäßige Präsenz von mir hier bei „Planet Portugal“ überhaupt nicht zu denken war!
Aber das Schlimmste habe ich nun, so meinen meine Ärzte und so hoffe auch ich, hinter mich gebracht, und so kann und will ich mich jetzt endlich mit neuen Ideen und neuem Elan wieder an die Arbeit machen, und diesen Blog, Schritt für Schritt, „wiederbeleben“.

Es ist in den letzten zwei Monaten unheimlich viel passiert hier im äußersten Südwesten Europas.
Es fanden in dieser Zeit viele wirtschaftliche, politische, soziale und kulturelle Ereignisse statt, über die ich hier im Blog, aus Gründen der Aktualität, nicht mehr so ausführlich schreiben werde.
Dennoch gab es das eine oder andere Geschehen, das ich hier gerne erwähnen würde.

So fanden hier in Portugal im September, genauso in Deutschland, wichtige Wahlen statt.
Während in Deutschland Kanzlerin Angela Merkel und ihre CDU/CSU-Union knapp die absolute Mehrheit bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 einholten und die SPD in den Keller rauschte, gewannen hier in Portugal die Sozialisten, am 29. September 2013, die wichtigen landesweiten Kommunalwahlen, und die Mitte-Rechts-Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho ging in den meisten Rathäuser des Landes baden.
Seit dieser Wahl sind nun, unter anderem die vier bevölkerungsreichsten Städte Portugals – Lissabon, Sintra, Vila Nova de Gaia und Porto – fest in sozialistischer Hand.
In einigen Kommunen des Landes, wie in Aveiro, Braga, Barcelos, Faro, Felgueiras, Porto, Ponte de Lima, Santo Tirso, Sintra, Soure, Valongo, Viana do Castelo und Vila do Conde sind jetzt auch Abgeordnete der portugiesischen Monarchischen Volkspartei (port.: Partido Popular Monárquico – PPM), in Koalitionen in den einzelnen Stadtparlamenten vertreten.

Im September, Oktober, und sogar jetzt im November, gab es im ganzen Land verschiedene Streiks. Einmal streikten die öffentlichen Verkehrsmittel, ein anderes Mal die Post und die verschiedensten Behörden, dann die Krankenhäuser und die Lehrer, usw., usw.
Für die kommenden Wochen sind weitere Streiks angekündigt, und somit bleibt das Thema hoch aktuell!

Ein anderes Thema, welches hierzulande in den letzten Wochen stark diskutiert wurde, ist der drastische Sparhaushalt für das kommende Jahr 2014. Von der Regierungskoalition eingebracht und von der Opposition stark kritisiert, wurde er Ende Oktober, unter starkem öffentlichen Protest, im Parlament zum ersten Mal beraten. Er wird wohl Ende November angenommen werden.

Sorgen macht den meisten Portugiesen im Moment auch die „Seleção“ (dt.: portugiesische Fußballnationalmannschaft).
Während Deutschland bereits das WM-Ticket nach Brasilien eingelöst hat, muss Portugal, nachdem es in der Qualifikationsgruppe F hinter Russland, auf den zweiten Platz gekommen ist, nun in den Playoffs noch diesen Monat gegen Schweden antreten.
Wer gewinnen wird – das wissen nur die (Fußball)götter.
Aber man stelle sich eine WM in Brasilien – ausgerechnet im Bruderland Brasilien – ohne Portugal vor!
Selbst ich, der ich kein Fußballfanatiker bin, kann mir solch ein Szenarium nicht vorstellen!

Wie in Deutschland, so hat auch hier letzten Monat die Abhöraffäre der NSA, wenn nicht gerade für Überraschung, doch für ein gewisses Misstrauen gesorgt. Denn urplötzlich wird es nämlich jedem Bürger wirklich bewusst, in wie weit wir alle in unseren fundamentalen Grundrechten heutzutage von einem Verbündeten beschnitten werden und wie massiv unsere Privatsphäre tagtäglich verletzt werden.
Das die Geheimdienste der USA sowohl die Bürger Portugals, Deutschlands, Brasiliens und anderer „befreundeter“ Nationen (wobei ja jeder immer den Wert einer Freundschaft anders interpretiert) abhört war unsereins ja schon lange klar.
Das die Politiker unserer Länder aber solange nicht dagegen protestiert und gehandelt haben und erst dann reagiert haben, als es sie persönlich betraf, das ist der eigentliche Skandal!
Diese Teilnahmslosigkeit so mancher Politiker und Politikerin gegenüber ihren Bürgern finde ich, persönlich, verantwortungslos.
Wobei ich mich allerdings auch manchmal frage, ob sich hinter dieser ganzen politischen Passivität nicht auch ein wenig Eigennutz steckt.
Ich meine, wie wäre z.B. die Bundestagswahl für Kanzlerin Merkel ausgegangen, wenn ihre Handy-Affäre vor dem 22. September öffentlich geworden wäre, und nicht erst zwei Wochen danach?
Wir werden es nie erfahren!

Natürlich ist mir klar, dass der Grat zwischen politischer Verantwortung und Verärgerung zwischen zwei verbündeten Nationen zweifellos manchmal sehr schmal sein kann – vielleicht zwischen den USA und Deutschland noch etwas mehr, als zwischen Portugal und den USA.
Aber kann, oder muss man nicht sogar, „Freunden“ auch mal die Meinung sagen können und sie, gegebenenfalls, zurechtweisen?
Ich denke schon!

Aber lassen wir nun, nachdem wir es ein wenig Revue passieren haben lassen, das Geschehene Vergangenheit sein, und konzentrieren uns fortan hier in „Planet Portugal“ wieder an die Zukunft!
Ich freue mich wieder da zu sein.

Ich bin wieder da!

Montag, 12. November 2012

Portugiesisch ist nicht gleich portugiesisch



Während ich diese Zeilen hier schreibe, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl wieder in Berlin angekommen.
Für sage und schreibe sieben Stunden war sie heute hier in Portugal, und hat ihren ersten offiziellen Staatsbesuch absolviert.

Was genau sie hier gemacht hat und welchen Zweck ihr Aufenthalt hier hatte, ist mir und den meisten Portugiesen ein Rätsel.
Zuerst traf die deutsche Bundeskanzlerin mit Portugals Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva zusammen, dann aß sie mit Premierminister Pedro Passos Coelho und Außenminister Paulo Portas zu Mittag und dann traf sie mit deutschen und portugiesischen Wirtschaftsbossen zusammen.

Während ihres ganzen siebenstündigen Aufenthaltes zeigte sich Angela Merkel offenbar interessiert, war stets aufmerksam, würdigte die strikte Sparpolitik der hiesigen Regierung und zeigte Verständnis für die aktuelle schwere Lage der portugiesischen Bevölkerung.
Durch eine Dolmetscherin des Auswärtigen Amtes, die mit ihr aus Berlin angereist war, ließ sie all dies verlautbaren.

Interesse, Aufmerksamkeit, Würdigung und Verständnis, das sind Attribute die ich der deutschen Bundeskanzlerin an solch einem wichtigen Tag gerne abnehmen würde, wenn…
ja, wenn nicht da eine Kleinigkeit wäre, die ich und viele meiner Landsleute als inakzeptabel ansehen.

Die Dolmetscherin die Angela Merkel aus Berlin mitbrachte, und die für sie übersetzte, sprach nämlich nicht etwa portugiesisch, sondern brasilianisches portugiesisch!
Und portugiesisch ist nicht gleich portugiesisch, genauso wenig wie deutsch nicht gleich deutsch ist!

Viele meiner deutschen Freunde werden jetzt sagen, dass das ja wohl keine große Sache ist.
Aber, nur wer hier in Portugal lebt und wer die Geschichte der portugiesischen Sprache kennt, weiß welche Missachtung die Bundeskanzlerin heute an den Tag gelegt hat.
Man kann zu Angela Merkel politisch und menschlich stehen wie man will aber manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die nicht nur in der Diplomatie, zwischen taktvoll und taktlos unterscheiden!

Freitag, 9. November 2012

Persona non grata



Wenn es nach dem portugiesischem Wetteramt (port.: Instituto de Meteorologia) geht, wird der kommende Montag, der 12. November 2012, ein sonniger und wolkenloser Tag in Lissabon sein.
Dennoch wird der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die an diesem Tag Portugal anlässlich ihres ersten offiziellen Staatsbesuches in Portugal besuchen wird, sicherlich ein eisiger sozialer Wind entgegenwehen.

Man kann nicht behaupten, die Mehrheit der portugiesischen Bevölkerung wird die Bundeskanzlerin mit offenen Armen begrüßen.
Im Gegenteil, für die meisten Menschen hier in Portugal ist Merkel in den letzten Monaten zu einer wahren „persona non grata“, also zu einer unerwünschten Person, geworden.

Wie unbeliebt Angela Merkel hierzulande wirklich ist, kann man an vielen Hauswänden und Mauern Portugals sehen, die mit riesigen Graffitigemälden „geschmückt“ sind.
Alleine hier in Lissabon gibt es über zehn solcher überdimensionalen Satiregemälde, die über die ganze Hauptstadt verteilt sind.
Zweifelsohne nicht besonders künstlerisch wertvoll, aber dennoch doch sehr originell, ist ein Graffiti am Lissabonner Containerhafen, in der Avenida Infante Dom Henrique, das unseren Premierminister Passos Coelho zeigt, wie er Angela Merkel den Allerwertesten küsst.
Ich selbst halte eigentlich nichts von diesen Wandbemalungen oder gar von einer Verteufelung der deutschen Bundeskanzlerin.
Aber ich muss zugeben, dass einige Graffitis mich doch sehr wohl amüsieren.

Das allerjüngste Kunstwerk ist noch nicht einmal drei Wochen alt, und ist im Stadtteil Amoreiras zu bewundern.
Dort ist an einer Mauer zu sehen, wie eine Angela Merkel mit den Marionetten Pedro Passos Coelho und Paulo Portas, seines Zeichen Außenminister dieses Landes, in einem Kasperletheater spielt.

Merkel, die für das harte Spardiktat der Geldgebertroika verantwortlich gemacht wird, ist wahrlich nicht beliebt hier in Portugal!
Und dennoch bin ich mir absolut sicher, das sie hier in Portugal, niemals so einen hasserfüllten Empfang zu erwarten hat, wie sie ihn noch vor ein paar Wochen in Griechenland hatte.

Aber vielleicht überrascht Bundeskanzlerin Angela Merkel uns ja alle!
Sie reist an diesem Tag mit einer über hundertköpfigen Wirtschaftsdelegation an, und wird mit dieser an einem deutsch-portugiesischen Wirtschaftsforum in Lissabon teilnehmen.
Manche hoffen so, dass an diesem Montag vielleicht der eine oder andere wichtige Wirtschaftsvertrag unterschrieben werden könnte.
Nur so wäre der Besuch der Bundeskanzlerin hier in Portugal vielleicht doch noch ein Erfolg.
Dieser Erfolg wäre voll und ganz im Interesse Portugals und Europas, und somit auch zweifellos im Interesse Deutschlands!

Mittwoch, 8. Februar 2012

Von fehlgeleiteten Strukturfonds


Der Präsident der Autonomen Region Madeira (port.: Presidente da Região Autónoma da Madeira) Alberto João Jardim hat heute in einer Pressemitteilung verlautbaren lassen, er sei „empört“ und „schockiert“ über die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkels und die Ignoranz die sie, seiner Meinung nach, an den Tag legen würde!

Was treibt Alberto João Jardim zu solch einer Pressemitteilung und ist Frau Merkel wirklich ignorant?

Nun, Angela Merkel hatte sich gestern, bei einem Treffen mit Studenten der Bela Foundation in Berlin, negativ über die Verwendung der Europäischen Strukturfonds (port.: fundos estruturais europeus), die in den letzten Jahren auf der Insel Madeira verwendet wurden, geäußert.
Laut Merkel wurden diese milliardenschweren Fonds regelrecht verschwendet, indem sie, unter anderem, zu Unrecht für den Straßenbau der Insel verwendet wurden, anstatt diese z.B. in die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der kleineren und mittleren Unternehmen auf der Insel zu investieren.

Alberto João Jardim, der wie ein kleiner demokratisch gewählter Diktator die Insel seit 1976 regiert, kann von Natur aus nur sehr schwer mit Kritik umgehen.
Und wenn diese Kritik von einem ausländischen Regierungschef oder einer ausländischen Regierungschefin kommt, dann vergreift er sich auch mal gerne im Ton.
Dies bekommt nun auch die deutsche Bundeskanzlerin zu spüren. Aufgrund ihrer gestrigen Äußerungen vor den Studenten nannte er sie heute, ohne Skrupel, einfach „ignorant“!

Nun, Angela Merkel mag viele Fehler haben – wer hat sie nicht – aber in diesem Fall ist sie keineswegs ignorant gewesen, sondern, auch wenn dies dem Lokalpatrioten Alberto João Jardim nicht passt, einfach nur ehrlich.

Aber bei all ihrer Ehrlichkeit darf Frau Merkel einen ganz wichtigen Aspekt nicht vergessen:
Die Milliarden die auf Madeira ausgegeben wurden, wurden mit dem Wissen der EU, und somit auch Deutschlands, investiert.
Über Jahre hinweg hat die EU Unmengen von Geld nach Madeira transferiert, mit dem Wissen das dieses Geld für den Bau von Autobahnen, Brücken und Tunnels ausgegeben wurde.
Jeder europäische Regierungschef, auch die Bundeskanzlerin, wusste das, weil diese Bauten in aller Öffentlichkeit vollzogen wurden.

Jetzt so zu tun als ob man von diesen fehlgeleiteten Investitionen nichts gewusst hätte, ist von Seiten der EU und ihrer Politiker, auch von Frau Merkel, einfach nur scheinheilig!

Freitag, 1. Juli 2011

Sparen, sparen, sparen!...


„Spart!
Spart noch mehr!
Und spart noch viel mehr!“

Diese Aufforderung unserer Politiker müssen wir uns hier in Portugal seit Monaten anhören.
Aber viel schlimmer als die hiesigen Politiker, sind die aus dem Ausland, die von uns das Selbe fordern und nicht aufhören, uns gute Ratschläge zu geben!

Es sind keine leichten Zeiten für Portugal.
Das Land ist hoch verschulet, wir müssen tatsächlich massiv sparen, bekommen keine günstigen Kredite mehr und dann sind da auch noch die Ratingagenturen, wie Standard & Poor's und Fitch & Moody's, die nacheinander einfach die Bonität unseres Landes gesenkt haben.
Das hat zur Folge, das nach dem Rating von Standard & Poor's, wir hier in Portugal, was Schulden angeht, sogar unzuverlässiger sind als z.B. Kasachstan.

Das zwingt mich zu einer Frage, die ich mir in letzter Zeit oft gestellt habe:
Was wäre in Deutschland los, wenn die Deutschen so sparen müssten wie wir hier in Portugal und sie konstant so öffentlich gedemütigt werden würden wie wir?

Sparaufforderungen folgen hier auf Sparaufforderungen.
Jetzt plant die neue Regierung sogar ein neues Sparpaket.
Gestern hat Prämierminister Pedro Passos Coelho in der Nationalversammlung (port.: Assembleia Nacional) angekündigt, das durch eine Sonderabgabe (port.: contribução extraordinária) 50% des Weihnachtsgeldes eines jeden Portugiesen am Ende des Jahres vom Staat einbehalten wird.
50% - man muss sich das einmal vorstellen!

Es wird hier im Augenblick, auf Teufel komm raus, gespart.
Mal abgesehen davon, dass selbst aus ökonomischer Sicht, es nicht besonders klug ist, nur zu sparen, drängt sich bei mir vor allem noch eine Frage auf:
Ist den Beobachtern aus der Ferne bewusst, welche Auswirkungen all diese Entscheidungen auf unser Leben hier in Portugal haben?

Alleine in den letzten Monaten wurden hierzulande so viele Ausgaben reduziert, die in Relation zur deutschen Wirtschaft, knapp 250 Milliarden Euro entsprechen würden.
Beim aktuellen Sparpakt, den uns die EU und der IWF Mitte Mai bewilligt haben, ging es um 78 Milliarden Euro.
Umgemünzt auf die Verhältnisse in Deutschland wären das fast 836 Milliarden Euro, in Worten: achthundertsechsunddreißig Milliarden Euro!
Es scheint mir unvorstellbar, dass die deutsche Politik und Wirtschaft so etwas stemmen könnte.

Sicherlich, solche Vergleiche, wie ich sie hier vorbringe, hinken immer, weil sich für gewöhnlich, Zahlen und Daten kaum übertragen lassen.
Dennoch sind solche Vergleiche nützlich, alleine um die derzeitige Situation hier in Portugal zu verstehen.
Was also wären die Folgen, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel die portugiesischen Sparmaßnahmen eins zu eins umsetzen müsste, die wir hier aufgebürdet bekommen?

Nun, die erste Folge wäre, dass die meisten Menschen in Deutschland erheblich weniger Geld zur Verfügung hätten.
Ein durchschnittlicher Rentner käme nur noch auf knapp 900 Euro monatlich, anstatt auf gut 1000 Euro, abgesehen davon das unsere Rentner von 900 Euro im Monat nur träumen können.
Ein junger Lehrer würde monatlich nicht mehr rund 3300 Euro brutto, sondern nur noch ca. 3000 Euro verdienen.
Auf fast alle Arbeitnehmer käme einerseits eine Gehaltskürzung von 20, 30 oder gar 50 Prozent, andererseits eine neue Krisensteuer von ein bis vier Prozent, dazu.

Hinzu käme, dass das Leben teurer werden würde, denn auf viele Güter gäbe es deutlich höhere Steuern.
Gastronomen, Tankstellenbesitzer oder Handwerker würden diese wohl größtenteils an uns Verbraucher weitergeben.
Im Einzelfall wären das keine allzu üppigen Preisunterschiede
Doch in der Summe kämme da einiges zusammen – zumal die Menschen ja netto dann über viel weniger Geld verfügen würden als bisher.

Die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt wären miserabel.
Die meisten Unternehmen würden entweder gar nicht mehr einstellen oder nur noch Hungerlöhne bezahlen. Die Zahl der Beamten müsste in den kommenden Jahren um ein Viertel sinken.

Auch die Bildungspolitik würde massiv leiden.
Zwar ist hier, in den portugiesischen Sparplänen, keine Rede von Kürzungen, allerdings spricht auch keiner von Erhöhungen. Sämtliche Projekte in diesem Ressort blieben also erst einmal auf der Strecke.

Als nächstes müsste sich dann Deutschland von einigen wichtigen Besitztümern, wie Immobilien, Ländereien und Staatsbetrieben wie die Deutsche Bahn verabschieden, um auf die unglaubliche Summe von 836 Milliarden Euro zu kommen.

Diese Zahlen zeigen in etwa, wie einschneidend die Bemühungen hier in Portugal sind.
Welche gesellschaftlichen Auswirkungen solche drastischen Einsparungen in Deutschland allerdings hätten, kann man nur schwer abschätzen.
Unzufriedenheit und Unmut wie hier in Portugal und gewalttätige Demonstrationen wie sie derzeit in Griechenland an der Tagesordnung sind, würden wohl auch in Deutschland sicherlich zu erwarten sein.

Alles in allem sind wir Portugiesen wirklich zu bedauern.
Aber um ehrlich zu sein, ist Mitleid wohl das schlimmste, was uns im Augenblick passieren könnte – noch viel schlimmer als das ganze sparen!

Dienstag, 24. Mai 2011

Missfallen und zur großen Überraschung


In der hiesigen Presse konnte ich gestern nachlesen, das der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Helmut Elfenkämper, dieses Wochenende in den Palácio das Necessidades, dem Portugiesischen Außenministerium (port.: Ministério dos Negócios Estrangeiros) einbestellt worden ist.

Bei diesem Treffen wurde der Botschafter davon unterrichtet das die portugiesische Regierung mit Missfallen (port.: „desprazer“) und großer Überraschung (port.: „grande surpresa“) die Äußerungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (bitte hierzu meinen Blogtext „Von Klischees und Populismus“ vom 20. Mai 2011 lesen) vernommen hat, die sie vergangene Woche auf einem Treffen ihrer Partei in Meschede, über die arbeitende Bevölkerung in Portugal und seine Renten- bzw. Urlaubspolitik, von sich gegeben hat.

Die scheidende Regierung unter José Socrates bekundete dem Vertreter der Bundesrepublik nicht nur ihre Empörung (port.: „indignação“), sondern dem Botschafter wurde ein detaillierter Bericht über die aktuelle und reale Arbeitslage in Portugal ausgehändigt, der sich auf internationale Studien stützt, und die Worte der Bundeskanzlerin widerlegen.

Sicherlich, das Einbestellen des Deutschen Botschafters Elfenkämper, einem durchaus sehr kompetenten Mann, ins portugiesische Außenministerium, hat eine formelle, diplomatische Bedeutung.
Für den portugiesischen Arbeiter an sich aber, ist diese völlig bedeutungslos!

Freitag, 20. Mai 2011

Von Klischees und Populismus


Nun haben wir es hier in Portugal gewissermaßen amtlich, von höchster deutscher Stelle sozusagen, wer für die Euro-Krise in der EU verantwortlich ist:
Laut deutschem Bundeskanzleramt, sind wir faulen Südländer es nämlich selber, die viel zu viel Urlaub bekommen und vor allem viel zu früh in Rente gehen, während die arbeitsfreudigen Deutschen für halb Europa schuften, Rettungsschirme finanzieren und erst viel später in Rente gehen als wir.

Man könnte meinen, so aus ganz hohem berufenem Mund, nämlich aus dem der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, könnte das wirklich stimmen.
Aber es handelt sich bei den Worten von Merkel nur um populistisches und unangemessenes Gerede.

Auf einer CDU-Veranstaltung, im nordrhein-westfälischen Meschede, hatte nämlich die deutsche Bundeskanzlerin diese Woche doch tatsächlich über uns Südländer im Allgemeinen behauptet (und hier zitiere ich Frau Merkel wortwörtlich):

- „Natürlich wollen wir den Euro und natürlich wollen wir nicht, dass einer sozusagen Pleite macht und dann wir alle mitgezogen werden“.

- „Wir können nicht einfach solidarisch sein, und sagen, diese Länder sollen mal einfach so weitermachen wie bisher“.

- „Ja, Deutschland hilft, aber Deutschland hilft nur dann, wenn sich die anderen anstrengen. Und das muss nachgewiesen werden.“

Aber damit nicht genug!
Der Bundeskanzlerin sind auch die frühen Renten-Einstiegsalter sowie die angeblich vielen Urlaubstage in Portugal und Spanien ein Dorn im Auge.
Zu diesem Thema meinte sie:

- „Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig.“

Vor dem Hintergrund der Heraufsetzung des Rentenalters in Deutschland auf 67 Jahre und nur 20 Tagen gesetzlichen Mindesturlaub, sagte Merkel:

- „Wir können nicht eine Währung haben und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig. Das geht auf Dauer auch nicht zusammen.“

So schwer attackiert und kritisiert zu werden, tut mir als Portugiesen weh!
Als fauler und betrügerischer Bürger der EU dargestellt zu werden ist für mich in höchstem Maße unerträglich, zumal die Wahrheit ganz anders aussieht!

Ich habe mir mal die Mühe gemacht (vielleicht hätte sich die deutsche Bundeskanzlerin auch diese Mühe machen sollen!) und im Internet einen Statistikbericht der OECD zu diesem Thema gesucht und auch gefunden.
Dieser Bericht ist sehr aktuell, denn er ist erst knappe zwei Monate alt, nämlich vom 17. März 2011!
In ihm wird, unter anderem, das Rentenalter in Frankreich mit durchschnittlich 62 Jahren angegeben, in Deutschland mit durchschnittlich 62,2 Jahren und für Portugal wird das Rentenalter mit durchschnittlich 65 Jahren angegeben!

So arbeiten die Deutschen im Jahr durchschnittlich 1390 Stunden, die Spanier durchschnittlich 1654 Stunden, wir Portugiesen bringen es auf jährlich durchschnittlich 1710 Stunden und die Griechen
Arbeiten durchschnittlich sogar 2119 Stunden jährlich.
Die meisten Portugiesen müssen hier in der Zwischenzeit sogar einem Zweitjob nachgehen, arbeiten 18 Stunden am Tag und das sechs Tage die Woche, und viele erwägen nun, angesichts der schweren wirtschaftlichen Lage in der wir uns befinden, sogar einem Drittjob nachzugehen.
Es wird also bei uns im Süden nicht weniger gearbeitet, sondern einfach weniger produziert!

Das Sparprogramm, das die portugiesische Regierung ihrer Bevölkerung in den nächsten Jahren zumuten wird, ist beispiellos.
Und nicht der Normalbürger ist an der finanziellen Misere schuld, sondern die habgierigen Banken und die korrupten, verschwenderischen Politiker, die uns regieren!

Auch was den Urlaub angeht, geht die Rechnung von Angela Merkel nicht auf.
Laut dem Statistikbericht der OECD haben in Deutschland z.B. Angestellte (dem Lebensalter entsprechend) und z.B. Arbeiter in der Autoindustrie bis zu sechs Wochen Urlaub, und das bei einer 35-Stunden-Woche.
Wir hier in Portugal können maximal von drei bis vier Wochen Jahresurlaub träumen, und arbeiten dafür durchschnittlich mindestens 40 Stunden die Woche.
Nicht umsonst werden die Deutschen „Urlaubsweltmeister“ genannt!

Diese populistischen und absurden Verallgemeinerungen der Kanzlerin, die sie diese Woche wieder einmal vom Stapel losgelassen hat, sind also äußerst verdreht dargestellt und falsch.

Es ist schon wahr, das die Griechen mit ihren – zugegebenen – Problemen uns langsam aber sicher gegen die Wand fahren.
Aber die Situation in Griechenland mit der in Portugal oder Spanien zu vergleichen zeugt von blamablen politischen Kenntnissen seitens der Bundeskanzlerin.

Aber diese Äußerungen der deutschen Bundeskanzlerin sind nicht
nur blamabel, sondern meiner Meinung nach, auch äußerst besorgniserregend, denn sie strotzen nur so vor Vorurteilen und Klischees.

Die wirtschaftlichen Probleme einzelner EU-Länder waren VOR der Wirtschaftskrise und VOR dem Beitritt einiger Staaten bekannt.
Die Bundeskanzlerin, und vor allem ihr Ziehvater Helmut Kohl, hätten damals intervenieren können.
Jetzt ist es zu spät!

Frau Merkel, deren Aufgabe es ist „Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden“, hat sich selber mit ihren Bemerkungen diese Woche keinen Gefallen.
Im Gegenteil, sie hat allen bewiesen, das Dummheit ein wahrlich nachwachsender Rohstoff ist…

Donnerstag, 5. Mai 2011

Freuen erlaubt?…


So unterschiedlich Portugal und Deutschland auch sein mögen, so Ähnlich können sich beide Nationen manchmal auch sein.

Die Aussage so mancher Politiker, sie würden sich über den Tod von Terrorchef Osama bin Laden dieser Woche in Pakistan „freuen“, hat sowohl hier in Portugal als auch in Deutschland zu großen Kontroversen geführt.

Aus Deutschland, so höre ich, hätten sich viele über das „unchristliche“ Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel mokiert, als diese vor laufenden Kameras sagte, sie freue sich über die erfolgreiche Aktion in Pakistan und den Tod des Terrorchefs.
Nun ja, das Zusammenwirken der beiden Worte „Tod“ und „Freude“ in einem Satz ist vielleicht doch etwas unpassend, zumal, wenn man einer christlichen Partei angehört wie Merkel.

Aber hier in Portugal artet das dahingehend aus, das sich in Zeiten des Wahlkampfes, Politiker der verschiedensten politischen Lager, regelrecht gegenseitig angeifern.
Vor allem die Mitglieder der Kommunistischen Partei (port.: Partido Comunista) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) schreien nach „Menschenwürde“ und verurteilen das „imperialistische Gehabe“ der USA.

Nun, mein Großvater, er selber ein Opfer des Faschismus, hat immer gesagt, das jedes Opfer eine Familie hat, genauso wie auch jeder Kriminelle. Deshalb sollte ich mich nie über den Tod eines Menschen freuen, selbst wenn ich das viele Leid vor Augen hätte, welches dieser Mensch den anderen zugefügt hätte.

Angesichts des tausendfachen Leids, welches Osama bin Laden und seine Al-Kaida-Organisation über die Menschheit gebracht haben, und ich rede hier nicht nur über die Opfer des 11. Septembers 2001 in New York, sondern auch über die vielen tausenden Opfer weltweit, wie z.B. die in Madrid, London, Tunesien, Bali, Istanbul, Indien, Israel, etc., frage ich mich, in wie fern die mahnenden Worte meines Großvaters eigentlich Gültigkeit haben.

Osama bin Laden war ein skrupelloser Mörder, ohne Gnade und Nächstenliebe.
Er war der Meinung „ungläubige“ Christen würden den Tod verdienen, seien sie Zivilisten oder Militärs. Und um seine Ziele zu erreichen, nahm er auch in Kauf das viele Moslems unter diesen Toten waren.

Osama bin Laden hat, soviel ich weiß, Ingenieurbau studiert.
Mir ist aber kein Gebäude bekannt, welches er erbauen ließ.
Mir sind nur Gebäude bekannt, die er in seinem blinden Hass zerstören ließ.

In all seinen Videobotschaften aus den Verstecken, erklärte er die letzten Jahre immer wieder der ganzen westlichen Welt, und nicht nur den USA, den Krieg.
Bin Laden war, so gesehen, bis zu letzt im Krieg gegen jeden frei denkenden und anders denkenden Menschen in der zivilisierten Welt.
Und da bekanntlich im Krieg alle Mittel erlaubt sind, war der Schlag den die USA am letzten Sonntagabend gegen Osama bin Laden ausführte, ein nachvollziehbarer Akt, für viele eben ein Akt der Freude, der allerhöchsten Respekt abverlangt, mit all seinen Konsequenzen.
Und das ist es, was viele, die die „Freude“ der anderen nicht teilen und verstehen können, nicht begreifen:

Nicht der Todesakt an sich erfreut die Menschen, sondern die Tatsache, dass von diesem gnadenlosen Subjekt keine Gefahr mehr ausgeht.

Trotz aller „Freude“ oder Kritik an der selbigen, muss man sich aber über eines im Klaren sein:
Diese, unsere Welt, ist mit dem Tod von Osama bin Laden leider kein Stück sicherer geworden!

Freitag, 4. März 2011

Sócrates Gang nach Canossa


Heute musste Premierminister José Sócrates im portugiesischen Parlament, der Assembleia da República, den Abgeordneten der Opposition Rede und Antwort stehen, über seinen gestrigen Besuch in Berlin, bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Zwar kamen Sócrates und Merkel am Mittwoch in der deutschen Hauptstadt zusammen, um die aktuelle wirtschaftliche Lage in Portugal zu erörtern, sowie die von Portugal unternommenen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung, aber der Gang nach Berlin muss für José Sócrates wirklich wie ein Gang nach Canossa gewesen sein.

Bundeskanzlerin Merkel, die den portugiesischen Spar- und Sanierungsmaßnahmen äußerst kritisch gegenüber steht, hatte bis zu Letzt starke Zweifel daran, dass sich Portugal alleine, ohne fremdes Zutun, aus dem Schuldenloch, in das sich das Land manövriert hat, befreien könnte.

Aber Sócrates scheint die Kanzlerin davon überzeugt zu haben, dass Portugal bei den Bemühungen zur Eindämmung der Neuverschuldung schon sehr erfolgreich war.
Schließlich hat Portugal 2010 das selbstgesteckte Ziel zur Senkung des Staatsdefizits auf 7,3 % des Bruttoinlandsprodukts nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen!
Nach einem Negativ-Rekord von rund 9,4 % im Jahre 2009 und den für 2010 erreichten 7,3 % will Sócrates das Defizit in Portugal nun im Jahre 2011 auf 4,6 % herunterschrauben.

Und da die Kanzlerin sich hat überzeugen lassen (wahrscheinlich wollte sie den Gast aus Portugal einfach nur loswerden, schließlich war an diesem Tag ihr Verteidigungsminister zu Guttenberg zurückgetreten und sie hatte jetzt weiß Gott andere Dinge an die sie denken musste!...), konnte heute Premierminister Sócrates mit seinem süffisanten und zynischen Grinsen der gesamten Opposition gegenüber sitzen und so tun als ob er der beste Staatsmann der Welt wäre.

Aber eines hat ihm Bundeskanzlerin Merkel mit auf dem Weg gegeben: Bei dem für den 11. März 2011 geplanten informellen Treffens der Staats- und Regierungschefs der Eurozone werden Portugal und Deutschland an einem Strang ziehen müssen!
Denn ein für alle Male muss dafür Sorge getragen werden, dass der Euro-Stabilitätsfonds oder eventuelle Nachfolgemechanismen bei der Unterstützung von Ländern in finanziellen Schwierigkeiten eingesetzt werden muss, ohne wenn und aber, um ja den Euro nicht zu gefährden!

Das wirtschaftlich schwer angeschlagene Spanien sagt jetzt schon mal „Danke schön!“…

Samstag, 17. April 2010

Ich nehme es so, wie es kommt!


Wir leben in einer hochtechnologischen Welt, in einer Welt, die uns das Gefühl gibt, Herr über die Zeit, das Wetter und die Elemente zu sein.
Das dem aber nicht so ist, hat dieser Woche ein Vulkan, dessen Namen ich noch nicht einmal aussprechen kann, und den bis dato hier in Mittel- und Südeuropa kein Mensch kannte, uns allen gelehrt.

Millionen von Fluggästen sitzen seit zwei Tagen an den meisten europäischen Flughäfen fest, und kommen nicht an ihr Ziel, weil der Vulkan Eyjafjllajokull auf Island ausgebrochen ist und nun seine Asche und Gase Kilometerweit in die Erdatmosphäre spuckt.
Da diese Aschewolke für die Luftfahrt äußerst gefährlich ist, sind dementsprechend in fast ganz Europa seit vorgestern alle Flughäfen gesperrt.
Dies beeinträchtigt immens die Reisemöglichkeiten jeden Normalbürgers, sowie auch die der so genannten VIP´s.

Dies musste nun auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erfahren.
Aus den USA kommend, wo sie sich mit Präsident Barack Obama getroffen hatte, wollte die Bundeskanzlerin gestern nach Berlin zurückfliegen.
Doch die Aschewolke machte ihr und ihrer Delegation einen Strich durch die Rechnung.
Und so musste die Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ in Lissabon landen, da alle deutschen Flughäfen bereits für den Flugverkehr gesperrt waren, genauso wie die britischen, die französischen, die niederländischen, die belgischen, die dänischen, usw., usw.
Lissabon ist überhaupt einer der wenigen Flughäfen in Europa die noch angeflogen werden dürfen.

Hier in Lissabon wurde die Bundeskanzlerin zuerst von ihrem Amtskollegen José Socrates am Lissabonner Militärflughafen Figo Maduro empfangen, bevor sie dann zum Hotel Ritz gebracht wurde, um dort die Nacht zu verbringen.

Eine Nacht in Lissabon, zumal im Ritz, nun es gibt sicherlich schlimmeres im Leben eines Politikers.
Und so reagierte dann auch Angela Merkel auf die Frage eines Reporters als dieser sie am Hoteleingang fragte ob es denn nicht „ärgerlich“ sei, in Lissabon „festzusitzen“.
Sie antwortete ihm kurz und bündig: „Ich nehme es so, wie es kommt!“

Heute Morgen flog die Kanzlerin, sichtlich erholt, um 11.30 Uhr von Lissabon aus in Richtung Rom, da die deutschen Flughäfen immer noch für den Flugverkehr gesperrt sind. Anscheinend beflügeln Vulkanausbrüche die Reisediplomatie der Kanzlerin.

Viel schlimmer als die deutsche Kanzlerin hat das momentane Flugchaos aber den Portugiesischen Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva getroffen.
Der weilte nämlich bis gestern in Prag auf Staatsbesuch.
Und da auch der Flughafen von Prag gesperrt ist, mussten nun er und seine ganze Delegation mit einer Auto- und Buskolonne nach Straßburg gefahren werden, wo sie planen heute zu übernachten.
Morgen soll es dann per Auto weiter nach Barcelona gehen, und von dort, wenn das Wetter und die Aschewolke mitspielen, dann mit einer Regierungsmaschine nach Lissabon.

Sollte es aber für die portugiesische Delegation nicht möglich sein von Barcelona nach Lissabon zu fliegen, dann steht den Herrschaften noch eine Busfahrt von 1200 km bevor.

Ich glaube wie werden dann, nach 3000 km auf der Straße, von Cavaco Silva die Worte: „Ich nehme es so, wie es kommt!“, so wie die Kanzlerin sie gesagt hat, ganz bestimmt nicht hören.

Dienstag, 7. Juli 2009

Wenn ein Prämierminister in die Oper geht


Dieses Wochenende ist unser Prämierminister José Socrates in die Oper gegangen.
Und der Titel des Mannes ist wirklich Prämierminister und nicht, wie so oft deutsche Medien behaupten oder schreiben, Ministerpräsident!

Warum ich als Portugiese so viel Wert auf diesen Unterschied lege?
Nun, „Primeiro Ministro“ (Prämierminister = Erster Minister) wird nach dem Parlamentspräsidenten und dem Staatspräsidenten, der dritte Mann im Staate, hier in Portugal, genannt.
Als „Presidente de Ministros“ (Ministerpräsident) wurden zur Zeit der Diktatur, im 20. Jahrhundert, die Diktatoren António de Oliveira Salazar und Marcello Caetano, tituliert.
Die Zeiten der Diktatur sind aber vorbei.
Also bitte deutsche Medien, tituliert den Chef der portugiesischen Regierung als Prämierminister und nicht als Ministerpräsidenten!
Schließlich titulieren wir hier in Portugal Frau Dr. Angela Merkel auch als Bundeskanzlerin, und nicht als Reichskanzlerin!
Ich hoffe es ist mir gelungen den Unterschied klar zu machen.

Aber nun zum eigentlichen Grund warum ich dieses post schreibe. Wie anfangs schon erwähnt, besuchte am Wochenende unser Prämierminister Socrates die Oper im Centro Cultural de Belém (CCB).

Dies alleine wäre natürlich nicht eine Nachricht wert. Nein, die eigentliche Nachricht ist die, dass er kräftig Ausgebuht wurde, als er die Oper betrat.
Und warum wurde er ausgebuht?
Nun, er kam eine halbe Stunde zu spät an der Oper an, und solange mussten die anderen Opernbesucher auf die Aufführung warten.
Deshalb also, wurde er ausgebuht, als er den Opernsaal, an der Seite seiner Freundin Fernanda Câncio, betrat.

Am nächsten Tag konnte man dann in den Tageszeitungen in großen, dicken Buchstaben lesen, das Socrates mit seiner Freundin eine halbe Stunde zur Opernaufführung kam, und nur in kleinen Lettern war zu lesen, warum er denn später in der Oper eintraf.
Nun, der Mann hatte an diesem Nachmittag ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten (und der ist wirklich Ministerpräsident und nicht Prämierminister!) von Cabo Verde gehabt, und dieser Herr nahm es mit der Pünktlichkeit auch nicht gerade sehr ernst.

Also kam Socrates zu spät zur Oper, weil er seinen Pflichten als Staatsmann nachgekommen war.
Man stelle sich vor, er hätte das Treffen mit dem Ministerpräsidenten von Cabo Verde abgesagt, um in die Oper zu gehen. Dann hätte man ihm wahrscheinlich vorgeworfen, nur ans Vergnügen gedacht zu haben, und nicht an seine Pflichten als Staatsmann.

Wer eigentlich hätte ausgebuht werden sollen an diesem Abend, ist meiner Meinung nach, die Leitung der Oper.
Denn, in jedem normalen, zivilisierten Land der Welt, hätten die Verantwortlichen der Oper um Punkt 20 Uhr, wie vorgesehen, die Aufführung beginnen lassen, mit oder ohne Anwesenheit des Prämierministers.
Und dann hätte man nach dem ersten Akt, dem Mann und seiner Freundin den Eintritt ja gewähren können! So hätte man diese hässliche Szene des Ausbuhens verhindern können und es wäre erst gar nicht zu diesem traurigen Zwischenfall gekommen.

Als Prämierminister Socrates heute gefragt wurde, ob ihm denn die Oper gefallen hätte, antwortete er knapp und mit einem verschmitzten Lächeln:
„Die erste halbe Stunde war mir etwas Fremd, aber danach habe ich sie genossen…!“

Donnerstag, 18. Juni 2009

Da wo Fenster sind, da gehören auch Türen hin
















"Die meisten Leute bringen an ihrer Haustür nur ein Schloss an, wenn der Dieb schon gekommen ist." (= „por trancas às portas“)
So lautet ein altes portugiesisches Sprichwort.

Nachdem ich so, in einem vorherigen post mit dem Titel „Ich denke an dichte Fenster“, über die Lissabonner Fenster geschwärmt habe (obwohl diese bestimmt nicht einmal halb so dicht sind wie die deutschen Fenster), wollte ich mich heute mal den Türen widmen.

Nicht das Bundeskanzlerin Angela Merkel sich in einem Bildzeitungsinterview in irgendeiner Weise auch über Türen ausgelassen hätte, wie sie es angeblich über Fenster getan hat (jedenfalls ist mir dahingehend nichts bekannt).

Nein, ich bin einfach nur der Meinung, da wo Fenster sind, da gehören auch Türen hin!
So einfach ist das!

Also poste ich hier ein paar Bilder mit Lissabonner Türen, von denen ich hoffe sie werden dem Leser gefallen.

"Ich denke an dichte Fenster"
















Im Jahre 2004 (ich habe extra noch einmal im Internet nachgeschaut, denn ich konnte mich nicht mehr an den Sinn des Interviews erinnern, sehr wohl aber an den Wortlaut) soll Bundeskanzlerin Merkel in einem Interview der Bildzeitung, auf die Frage hin, welche Empfindungen Deutschland in ihr wecke, geantwortet haben (und hier zitiere ich die Bildzeitung):

Zitat: "Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen."

Nun, ich weiß nicht ob Bundeskanzlerin Angela Merkel tatsächlich jemals solch einen originellen Satz von sich gegeben hat, denn mit der Bildzeitung ist das ja so eine Sache.
Aber sollte sie wirklich diese Äußerung jemals hervorgebracht haben, dann muss man ihr wirklich nachsehen das sie bis dahin noch nie in Portugal gewesen sein kann!

Denn in Deutschland mag es ja sehr wohl dichte Fenster geben, aber wirklich schöne, findet man auch hier in Portugal.

Wer z.B. durch die Straßen und Gassen meiner Heimatstadt Lissabon geht, findet an jeder Straßenecke ein Wohnhaus, ein Bürogebäude, eine Kirche oder einen Stadtpalast mit originellen Fenstern.
Einige dieser Fenster möchte ich nun den Besuchern meines Blogs hier in diesem post zeigen.

Und vielleicht schaut ja auch Bundeskanzlerin Merkel einmal in meinem Blog vorbei, und kann mir dann eine Nachricht hinterlassen, ob sie jemals wirklich diesen originellen Satz, mit den Fenstern und der Dichtung, bei der Bildzeitung zum Besten gegeben hat.