Posts mit dem Label Faschismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Faschismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 21. April 2012

Der Spanische Bürgerkrieg und seine portugiesischen Opfer


Im Juli 1936 brach in Portugals Nachbarland Spanien ein Gemetzel aus, das als eines der blutigsten und grausamsten des 20. Jahrhunderts in die Analen der Weltgeschichte eingegangen ist.
Bis zum April 1939 standen sich damals die Truppen der legitimdemokratisch gewählten republikanischen Regierung Spaniens und die Truppen des faschistischen Generals Francisco Franco in einer brutalen und blutigen Auseinandersetzung gegenüber, das als Spanischer Bürgerkrieg (port.: Guerra Civil Espanhola / esp.: Guerra Civil Española) bekannt geworden ist und das über 300.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Als General Franco 1936 gegen die spanische Regierung putschte, hatte er zuerst die bedingungslose Unterstützung des damaligen portugiesischen Diktators António de Oliveira Salazar.
Diese Unterstützung drückte sich vor allem dadurch aus, dass die Putschisten, vor allem in den ersten Monaten des Bürgerkrieges, ganz offen über Portugal mit Waffen und anderem Kriegsmaterial aus dem faschistischen Deutschland und Italien versorgt wurden.

Erst nachdem sich in Portugal Unruhen breit machten, bei der Demonstranten für die republikanische Regierung in Spanien auf die Straße gingen, entschied sich Salazar, sich nicht direkt in die Kriegswirren Spaniens einzumischen.
Aber indirekt unterstützte er im großen Stil die Rekrutierung tausender junger portugiesischer Männer, um sie dann später an der
Seite der spanischen Nationalisten für Franco kämpften zu lassen.

Über diese mehr als 6.000 Portugiesen, die damals für das faschistische Spanien freiwillig in den Krieg zogen und die von den Spaniern „Viriatos“ genannt wurden, gibt es etliche Aufzeichnungen, Bilder und Geschichten, die ihre Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg ausführlich dokumentieren.

Weitaus unbekannter ist die Geschichte der vielen portugiesischen Frauen und Männer, die auf der Seite der spanischen Republikaner gegen Franco und seine Truppen gekämpft haben.
Jahrzehnte lang wurde ihre Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg, sowohl von spanischer als auch von portugiesischer Seite, vertuscht und verschwiegen.
Weder die Faschisten unter Franco noch die Faschisten unter Salazar hatten ein großes Interesse daran, eine Beteiligung portugiesischer Widerstandskämpfer im Spanischen Bürgerkrieg zu erwähnen.

Um nach fast 80 Jahren nun endlich ein wenig Licht in diese dunkle Vergangenheit Spaniens zu bringen, hat jetzt die hoch angesehene Universität von Santiago de Compostela in Galizien, in Zusammenarbeit mit Historikern der zwei portugiesischen Universitäten Universidade Nova de Lisboa und Universidade do Minho, ein höchst interessantes Projekt ins Leben gerufen.

Unter dem Projektnamen „Projecto Nomes e Voces“ (dt.: Projekt Namen und Stimmen / port.: Projecto Nomes e Vozes), wollen diese drei Hochschulen die Identität der vielen Portugiesen und Portugiesinnen erforschen, die damals am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen haben.

Wie viele Portugiesen genau letztendlich auf der Seite der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen haben, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.
Man geht aber von einigen Hundert aus.

Erst vor kurzem wurde eine Liste mit 56 Namen portugiesischer Immigranten entdeckt, die durch spanischen Faschisten ermordet wurden.
Einige der 56 Portugiesen, deren Name sich auf dieser Liste befinden und deren Identität jetzt durch „Projecto Nomes e Voces“ besser erforscht werden sollen, möchte ich gerne hier erwähnt.

Es sind dies, unter anderem

• Fernando Nunes da Costa – 42 Jahre und Zimmermann – in der Stadt La Guardia standrechtlich erschossen

• Manuel Correia de Carvalho Costa – 51 Jahre und Bauarbeiter – im Juli 1936 bei Straßenkämpfen gegen die Faschisten in der Stadt Lavadores erschossen

• Mariana de Lazo Chaves – 44 Jahre und Fischverkäuferin – in faschistischer Gefangenschaft an Tuberkulose gestorben

• Augusto Alfonso Gonzalez – 44 Jahre und Bauarbeiter – in der Stadt Pontevedra als Rebell standrechtlich erschossen

• António Fernandes Guimarães – 37 Jahre und Bauarbeiter – in der Stadt Pamplona standrechtlich erschossen

• Manuel Solla Lemos – 23 Jahre und Schuhmacher – in der Kaserne Monte del Castro in der Stadt Vigo standrechtlich erschossen

• Telmo Freitas Lima – 39 Jahre und Bauarbeiter – in Vigo standrechtlich erschossen

• António Soler Monteiro – 47 Jahre und Bahnarbeiter – in der Kaserne Monte del Castro in der Stadt Vigo 1937 als Rebell standrechtlich erschossen

• Maria Nogueira – 57 Jahre und von Beruf Amme – in der Stadt Vilardevós ohne Gerichtsverfahren erschossen

• António González Pazos – 50 Jahre und Schuhmacher – im Kampf gegen die Faschisten gefallen

• Maria Belo Paz – 51 Jahre und von Beruf Fabrikarbeiterin – im Juli 1936 bei einer Straßenschlacht gegen die Faschisten in der Stadt Lavadores zuerst von diesen vergewaltigt und danach erschossen

• Luis Duarte Pedrosa – 44 Jahre – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Ramiro – ohne Altersangabe, Bahnarbeiter – in der Ortschaft Portocamba ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Manuel Prodêncio do Rosário – 33 Jahre und Tagelöhner – von der Guarda Civil in der Ortschaft San Xían de Romai erschossen

• António da Costa Sousa – 43 Jahre – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Artur Ferreira de Sousa – 33 Jahre und Zimmermann – von den Faschisten ohne Gerichtsverfahren erschossen

• Julio Azevedo Veiga – 31 Jahre – im Juli 1937 in La Coruña im Kampf gegen die Faschisten gefallen

Bei all den hier aufgeführten Portugiesen handelte es sich zumeist um ganz einfache Männer und Frauen, die teilweise schon seit Generationen in Spanien lebten und deren größtes Verbrechen es damals war Republikaner, Analphabeten, Anarchisten, Gewerkschaftler und eben Portugiesen zu sein.

Es wäre ein leichtes dem spanischen Diktator Franco die alleinige Schuld am Tode dieser vielen portugiesischer Bürger zu geben, die damals mit den spanischen Republikanern sympathisierten.

Die traurige Wahrheit ist jedoch die, das die damalige portugiesische Regierung, unter Diktator Salazar, sich nicht sonderlich um diese Portugiesen gekümmert hat.
Es existiert heute nicht ein einziges Dokument, das belegt, Salazar hätte damals auch nur ein einziges Mal gegen die Ermordung portugiesischer Staatsbürger durch das faschistische Spanien protestiert oder gar dagegen interveniert.
Mit seinem Nichthandeln hat Salazar damals stillschweigend den Tod vieler Portugiesen durch Franco einfach in Kauf genommen!

Die Wunden des Spanischen Bürgerkriegs und dessen Folgen sind für die meisten Spanier bis heute ein Trauma.
Aber auch hier zulande ist dieser Bürgerkrieg noch lange nicht ein abgeschlossenes Kapitel der portugiesischen Geschichte.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Freuen erlaubt?…


So unterschiedlich Portugal und Deutschland auch sein mögen, so Ähnlich können sich beide Nationen manchmal auch sein.

Die Aussage so mancher Politiker, sie würden sich über den Tod von Terrorchef Osama bin Laden dieser Woche in Pakistan „freuen“, hat sowohl hier in Portugal als auch in Deutschland zu großen Kontroversen geführt.

Aus Deutschland, so höre ich, hätten sich viele über das „unchristliche“ Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel mokiert, als diese vor laufenden Kameras sagte, sie freue sich über die erfolgreiche Aktion in Pakistan und den Tod des Terrorchefs.
Nun ja, das Zusammenwirken der beiden Worte „Tod“ und „Freude“ in einem Satz ist vielleicht doch etwas unpassend, zumal, wenn man einer christlichen Partei angehört wie Merkel.

Aber hier in Portugal artet das dahingehend aus, das sich in Zeiten des Wahlkampfes, Politiker der verschiedensten politischen Lager, regelrecht gegenseitig angeifern.
Vor allem die Mitglieder der Kommunistischen Partei (port.: Partido Comunista) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) schreien nach „Menschenwürde“ und verurteilen das „imperialistische Gehabe“ der USA.

Nun, mein Großvater, er selber ein Opfer des Faschismus, hat immer gesagt, das jedes Opfer eine Familie hat, genauso wie auch jeder Kriminelle. Deshalb sollte ich mich nie über den Tod eines Menschen freuen, selbst wenn ich das viele Leid vor Augen hätte, welches dieser Mensch den anderen zugefügt hätte.

Angesichts des tausendfachen Leids, welches Osama bin Laden und seine Al-Kaida-Organisation über die Menschheit gebracht haben, und ich rede hier nicht nur über die Opfer des 11. Septembers 2001 in New York, sondern auch über die vielen tausenden Opfer weltweit, wie z.B. die in Madrid, London, Tunesien, Bali, Istanbul, Indien, Israel, etc., frage ich mich, in wie fern die mahnenden Worte meines Großvaters eigentlich Gültigkeit haben.

Osama bin Laden war ein skrupelloser Mörder, ohne Gnade und Nächstenliebe.
Er war der Meinung „ungläubige“ Christen würden den Tod verdienen, seien sie Zivilisten oder Militärs. Und um seine Ziele zu erreichen, nahm er auch in Kauf das viele Moslems unter diesen Toten waren.

Osama bin Laden hat, soviel ich weiß, Ingenieurbau studiert.
Mir ist aber kein Gebäude bekannt, welches er erbauen ließ.
Mir sind nur Gebäude bekannt, die er in seinem blinden Hass zerstören ließ.

In all seinen Videobotschaften aus den Verstecken, erklärte er die letzten Jahre immer wieder der ganzen westlichen Welt, und nicht nur den USA, den Krieg.
Bin Laden war, so gesehen, bis zu letzt im Krieg gegen jeden frei denkenden und anders denkenden Menschen in der zivilisierten Welt.
Und da bekanntlich im Krieg alle Mittel erlaubt sind, war der Schlag den die USA am letzten Sonntagabend gegen Osama bin Laden ausführte, ein nachvollziehbarer Akt, für viele eben ein Akt der Freude, der allerhöchsten Respekt abverlangt, mit all seinen Konsequenzen.
Und das ist es, was viele, die die „Freude“ der anderen nicht teilen und verstehen können, nicht begreifen:

Nicht der Todesakt an sich erfreut die Menschen, sondern die Tatsache, dass von diesem gnadenlosen Subjekt keine Gefahr mehr ausgeht.

Trotz aller „Freude“ oder Kritik an der selbigen, muss man sich aber über eines im Klaren sein:
Diese, unsere Welt, ist mit dem Tod von Osama bin Laden leider kein Stück sicherer geworden!

Freitag, 17. Juli 2009

Das politische Sommertheater ist eröffnet


Alberto João Jardim will den Kommunismus, per Verfassung, in Portugal verbieten lassen!

Wer ist Alberto João Jardim, werden sich nun viele meiner deutschen Leser fragen.
Den Portugiesen, die diesen Blog lesen, ist dieser Herr sehr wohl bekannt.
Er ist der Ministerpräsident der Autonomen Region Madeira, und als solcher, ein vehementer Befürworter und Verteidiger der Unabhängigkeit dieser Insel vom Mutterland Portugal.

Mir persönlich ist Alberto João Jardim, als Politiker und als Mensch, einfach unerträglich.
Er ist ein kleiner, geifender, alter Mann mit reaktionären Ideen, der auf einer Insel lebt, und der ab und zu alle seine stupiden Ideen über die Unabhängigkeit seines kleinen Inselreiches, in Richtung Kontinent losbrüllt. Ideen die keinen mehr hier auf dem Festland überraschen.

Wirklich nicht überraschen???

Nun, dieses Mal hat Alberto João Jardim selbst mich überrascht, als er gestern, wie schon Anfangs durch mich erwähnt, der Nation zur besten Nachrichtenzeit mitteilte, er wolle den Kommunismus, per Verfassung, in Portugal verbieten, da die portugiesische Verfassung den Faschismus per Gesetz ja auch verbieten würde.

Nun, so verrückt das auch klingen mag, zumal es ja von einem Verrückten kommt, diesmal muss ich ihm aber Recht geben, denn persönlich bin ich, was den Kommunismus angeht, voll und ganz, auf der Linie von Alberto João Jardim.
Und es amüsiert mich sogar, zu sehen, wie gestandene linke Politiker schier die Fassung verlieren, wenn sie diese Meinungsäußerung, des alten Mannes aus Madeira, kommentieren sollen.

Dieser einfache, aber zugegeben originelle, politische Denkanstoß von Alberto João Jardim hat die ganze portugiesische Linke zum plärren gebracht, und alle Abgeordneten von der Kommunistischen Partei und vom Linken Block im Portugiesischen Parlament veranlasst in einem parlamentarischen Schreiben mitzuteilen, sie würden die politische „Demokratie“ und „Freiheit“ in Portugal in Gefahr sehen.

Nun, persönlich möchte ich dazu nur zwei Dinge sagen:

Erstens finde ich es gut, dass die portugiesische Verfassung die Gründung und Organisation von rechten und faschistischen Gruppen, Gruppierungen und Parteien verbietet.
Und zweitens wäre es nicht mehr als gerecht, wenn die portugiesische Verfassung auch linke und maoistische Gruppen, Gruppierungen und Parteien verbieten würde.

Da brauchen die Abgeordneten der Kommunistischen Partei und des Linken Blocks auch gar nicht kommen, und von „Demokratie“ und „Freiheit“ sprechen, denn das sind ja wohl zwei fundamentale Werte, die sie in ihren Parteiprogrammen gar nicht haben.

Wenn Kommunisten und Maoisten von „Demokratie“ und „Freiheit“ im politischen Alltag Portugals sprechen, dann kommt mir das vor, als würden sie dem Fuchs im Hühnerstall huldigen.
Zwei politische Parteien, die in Ländern wie Nord-Korea, Cuba und Venezuela, ein gutes und exemplarisches Beispiel sehen, Ländern in denen die jeweiligen Bevölkerungen nichts als willenlose Sklaven der kommunistischen Obrigkeit sind, sollten kategorisch verboten werden!

Wer hätte wohl gedacht, dass ich einmal Alberto João Jardim zustimmen würde?
Ich selber am wenigsten!

Das politische Sommertheater ist eröffnet!