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Sonntag, 19. August 2012

Portugal dos Pequenitos









In meinem vor wenigen Tagen hier erschienenen Blogeintrag „Cassiano Viriato Branco“, vom 13. August 2012, schreibe ich über den Architekten der Moderne, Viriato Branco, und erwähne im Text eines seiner größten architektonischen Meisterwerke, nämlich den Kinderthemenpark „Portugal dos Pequenitos“ (port.: „Portugals der Kleinsten“), der in der nördlich von Lissabon gelegenen Stadt Coimbra steht.

Dieser Kinderthemenpark ist eine Idee des renommierten Kinderarztes, Universitätsprofessors und Politikers Fernando Baeta Bissaya Barreto Rosa, der diesen Ort mit durchaus klaren pädagogischen Hintergedanken als Freizeitpark für Kleinkinder entwarf, um ihnen so, auf spielerische Art und Weise, die architektonischen und historischen Aspekte Portugals nahe bringen zu können.
Anfang 1938 setzte sich der Mediziner Bissaya Barreto mit dem schon erwähnten Architekten des Arte Deco, Cassiano Viriato Branco, zusammen und beide nahmen sie das Projekt „Portugal dos Pequenitos“ in Angriff.

In drei thematischen Areals, die zwischen 1938 und den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut wurden, hat man hier die bedeutendsten Baudenkmäler Portugals, die typischen Wohnhäuser der portugiesischen Regionen und die vielen Gebäude der ehemaligen Kolonien als Miniaturen dicht beieinander aufgebaut.

„Portugal dos Pequenitos“ ist nicht ein Freizeitpark im herkömmlichen Sinne, mit zahlreichen Fahrgeschäften, Karussells und Achterbahnen, sondern eher eine große Parkanlage mit vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Erholung für Kinder.
In dieser portugiesischen Miniaturwelt soll das aktive Handeln und Lernen der Kinder, sowie ihr daraus resultiertes Wissen, stark gefördert werden.

In dem ältesten Teil des Parks, der zwischen 1938 und 1940 erbaut wurde, kann man an kleinen Miniaturgebäuden, die einzelnen architektonischen Baustile der verschiedenen Regionen Portugals, wie die des Minho, Trás-os-Montes, des Douro, der Beiras, der Estremadura, des Alentejo und der Algarve, bewundern.
Auf diesem Areal befinden sich auch zwei große Seen, mit mehreren kleinen Inseln auf denen verschiedene Miniaturgebäude stehen, die die Inselwelt der Azoren und die der Insel Madeira darstellen sollen.
Auch die Universitätsstadt Coimbra, in dem der Park „Portugal dos Pequenitos“ steht, wird hier in diesem Areal mit den Miniaturbauten einzelner wichtiger Gebäude der Stadt, wie z.B. der Universität und der zwei Kathedralen der Stadt, thematisch besonders bedacht.
Nach nur zwei Jahren Bauzeit wurde der Park, am 08. Juni 1940, offiziell eröffnet.

In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts kam dann ein zweites Areal hinzu.
Auf diesem wurden einige der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Portugals, wie etwa die Torre de Belém, das Hieronymuskloster und das Denkmal der Entdeckungen in Lissabon, die Klöster von Batalha und Tomar und der römischen Dianatempel in Évora, im Miniaturformat errichtet.

Im dritten und jüngsten Areal des Parks, welches erst Ende der 50er Jahre fertig gestellt wurde, kann man, umrahmt von einer tropischen Vegetation, zahlreichen ethnographischen Artefakten und Skulpturen und in einem für die damalige Zeit den europäischen Idealisierungen des Schwarzen Kontinents entsprechenden Baustils, die Nachbildungen typischer Hütten und Häuser der ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola, Moçambique, Guinea-Bissau, São Tomé und Principe, Brasilien, Indien, Ost-Timor und den Kapverdischen Inseln bewundern.

Viele meinen, der Themenpark „Portugal dos Pequenitos“ wäre überholt und diese Miniaturwelt wäre heute nichts mehr als ein lebendiges Beispiel für die Verharmlosung der Kolonialpolitik des ehemaligen Diktators António de Oliveira Salazar.
Es gibt gar einige wenige Portugiesen die behaupten, ihre Kinder würden einen seelischen Schaden davon tragen, wenn sie diesen Themenpark besuchen würden, und verbieten daher ihren Sprösslingen sogar einen Schulausflug in den Park „Portugal dos Pequenitos“.

Doch das heutige demokratische und europäische Portugal hat sich vom ehemals diktatorischen und kolonialen Portugal von gestern weit distanziert.
„Portugal dos Pequenitos“ ist heute lediglich eine Miniaturwelt, die an das riesige portugiesische Kolonialimperium und die beispiellose kulturelle und ethnische Vielfalt die es einstmals auf portugiesischem Territorium gab, erinnert.

Nicht mehr und nicht weniger!

Montag, 13. August 2012

Cassiano Viriato Branco

Heute, auf den Tag genau vor 115 Jahren, am 13. August 1897, wurde im Lissabonner Stadtteil São José, unweit der Praça dos Restauradores, der portugiesische Architekt Cassiano Viriato Branco als Sohn des aus dem alentejanischen Alcácer do Sal stammenden Cassiano José Branco und seiner Ehefrau Maria da Assunção Viriato geboren.
Als Sohn eines Kleinindustriellenpaares, zumal als dessen einziges Kind, hatte Cassiano die Chance ein sehr gutes Schulsystem zu genießen und ein solides Studium zu absolvieren.

Recht früh, mit gerade erst einmal 20 Jahren, heiratete er im Jahre 1917 die junge Maria Elisa Soares Branco – eine Liebeshochzeit.
Nach der Heirat begann er sein Architekturstudium und beendete dieses, sehr erfolgreich, im Jahre 1926.
Er spezialisierte sich auf den modernen Baustil des Art Deco und wurde später ein wahrer Meister dieses Stils.
Cassiano Branco brachten seine originellen Bauwerke, sowohl im Inland als auch im Ausland, später einmal einigen Ruhm ein.

Er baute die verschiedensten Hotels, Theater, Wohnhäuser, Kinos und sogar einige Talsperren.
In der damaligen Überseeprovinz Angola errichtete er in der Stadt Benguela, den damaligen Hauptbahnhof der Stadt.
Cassiano Viriato Branco ist auch der Architekt des Kinderthemenparks „Portugal dos Pequenitos“ (dt.: „Portugal der Kleinsten“), in der Stadt Coimbra, einem Vergnügungspark für die Kleinsten unter uns, der sich auch heute noch größter Beliebtheit erfreut.

Cassiano Branco war als Architekt nicht immer unumstritten, zumal er als überaus cholerisch galt, wenn es um die Verwirklichung seiner Ideen ging.
Aber er war ein Visionär, ein Visionär, der bis an sein Lebensende versuchte seine Träume in Beton zu verwirklichen.

Am Anfang seiner Kariere wurde er von Diktator António de Oliveira Salazar noch gefördert und der Diktator hegte sogar eine gewisse Sympathie für ihn.
Doch spätestens 1958, als er Humberto Delgado, den oppositionellen Kandidaten für das Präsidentenamt in Portugal unterstützte, und so offen gegen Salazar anging, geriet er in Ungnade und wurde von der Geheimpolizei PIDE (port.: Policia International e de Defesa do Estado / dt.: Internationale Staatsschutzpolizei) festgenommen.
Nach seiner Festnahme wurde er nur noch geduldet und durfte seinen Beruf nicht mehr frei ausüben.

Zu den bedeutendsten und charakteristischsten Bauwerken von Cassiano Viriato Branco gehören

- das Rathaus in der Kleinstadt Sertã (port.: Paços do Concelho da Sertã), aus dem Jahre 1927

- die Markthalle von Santarém (port.: Mercado Municipal de Santarém), im Jahre 1928 fertig gestellt

- das Eden-Theater (port.: Teatro Eden), an der Praça dos Restauradores in Lissabon, aus dem Jahre 1932

- das ehemalige Hotel Vitória, in der Avenida da Liberdade n° 168 in Lissabon, heute im Besitz der KP Portugals (PCP), aus dem Jahre 1934

- das wunderschöne Grand Hotel Luso, in der Kleinstadt Luso, eingeweiht am 27. Juli 1940

- das Coliseu do Porto, eine Mehrzweckhalle in der Stadt Porto, aus dem Jahre 1939

- das Kinogebäude Império (port.: Cine-Teatro Império), aus dem Jahre 1948, in Lissabon

- Portugal dos Pequenitos, ein Kinderthemenpark das noch heute Kinderherzen höher schlagen lässt und am 08. Juni 1940 eingeweiht wurde

- das Hotel Britania in Lissabon, oftmals auch Hotel do Império genannt, aus dem Jahre 1942

- der Hauptbahnhof von Benguela, in der Stadt Benguela in Angola

Cassiano Viriato Branco verstarb am 24. April 1970, im Alter von 72 Jahren, in seiner Heimatstadt Lissabon.

Aus Anlass seines 115. Geburtstages hat die amerikanische Suchmaschine Google heute den Architekten Cassiano Branco mit einem besonderen „doodle“ geehrt.
Diesem „doodle“, das eine Burg im Themenpark „Portugal dos Pequenitos“ darstellt, ist es zu verdanken, dass ich heute noch diesen Beitrag geschrieben habe.
Denn wie viele andere auch, so hätte auch ich heute den Geburtstag dieses Genies der Architektur, wie ihn viele zu Lebzeiten genannt haben, einfach nur vergessen!