Posts mit dem Label Luso werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Luso werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 13. August 2012

Cassiano Viriato Branco

Heute, auf den Tag genau vor 115 Jahren, am 13. August 1897, wurde im Lissabonner Stadtteil São José, unweit der Praça dos Restauradores, der portugiesische Architekt Cassiano Viriato Branco als Sohn des aus dem alentejanischen Alcácer do Sal stammenden Cassiano José Branco und seiner Ehefrau Maria da Assunção Viriato geboren.
Als Sohn eines Kleinindustriellenpaares, zumal als dessen einziges Kind, hatte Cassiano die Chance ein sehr gutes Schulsystem zu genießen und ein solides Studium zu absolvieren.

Recht früh, mit gerade erst einmal 20 Jahren, heiratete er im Jahre 1917 die junge Maria Elisa Soares Branco – eine Liebeshochzeit.
Nach der Heirat begann er sein Architekturstudium und beendete dieses, sehr erfolgreich, im Jahre 1926.
Er spezialisierte sich auf den modernen Baustil des Art Deco und wurde später ein wahrer Meister dieses Stils.
Cassiano Branco brachten seine originellen Bauwerke, sowohl im Inland als auch im Ausland, später einmal einigen Ruhm ein.

Er baute die verschiedensten Hotels, Theater, Wohnhäuser, Kinos und sogar einige Talsperren.
In der damaligen Überseeprovinz Angola errichtete er in der Stadt Benguela, den damaligen Hauptbahnhof der Stadt.
Cassiano Viriato Branco ist auch der Architekt des Kinderthemenparks „Portugal dos Pequenitos“ (dt.: „Portugal der Kleinsten“), in der Stadt Coimbra, einem Vergnügungspark für die Kleinsten unter uns, der sich auch heute noch größter Beliebtheit erfreut.

Cassiano Branco war als Architekt nicht immer unumstritten, zumal er als überaus cholerisch galt, wenn es um die Verwirklichung seiner Ideen ging.
Aber er war ein Visionär, ein Visionär, der bis an sein Lebensende versuchte seine Träume in Beton zu verwirklichen.

Am Anfang seiner Kariere wurde er von Diktator António de Oliveira Salazar noch gefördert und der Diktator hegte sogar eine gewisse Sympathie für ihn.
Doch spätestens 1958, als er Humberto Delgado, den oppositionellen Kandidaten für das Präsidentenamt in Portugal unterstützte, und so offen gegen Salazar anging, geriet er in Ungnade und wurde von der Geheimpolizei PIDE (port.: Policia International e de Defesa do Estado / dt.: Internationale Staatsschutzpolizei) festgenommen.
Nach seiner Festnahme wurde er nur noch geduldet und durfte seinen Beruf nicht mehr frei ausüben.

Zu den bedeutendsten und charakteristischsten Bauwerken von Cassiano Viriato Branco gehören

- das Rathaus in der Kleinstadt Sertã (port.: Paços do Concelho da Sertã), aus dem Jahre 1927

- die Markthalle von Santarém (port.: Mercado Municipal de Santarém), im Jahre 1928 fertig gestellt

- das Eden-Theater (port.: Teatro Eden), an der Praça dos Restauradores in Lissabon, aus dem Jahre 1932

- das ehemalige Hotel Vitória, in der Avenida da Liberdade n° 168 in Lissabon, heute im Besitz der KP Portugals (PCP), aus dem Jahre 1934

- das wunderschöne Grand Hotel Luso, in der Kleinstadt Luso, eingeweiht am 27. Juli 1940

- das Coliseu do Porto, eine Mehrzweckhalle in der Stadt Porto, aus dem Jahre 1939

- das Kinogebäude Império (port.: Cine-Teatro Império), aus dem Jahre 1948, in Lissabon

- Portugal dos Pequenitos, ein Kinderthemenpark das noch heute Kinderherzen höher schlagen lässt und am 08. Juni 1940 eingeweiht wurde

- das Hotel Britania in Lissabon, oftmals auch Hotel do Império genannt, aus dem Jahre 1942

- der Hauptbahnhof von Benguela, in der Stadt Benguela in Angola

Cassiano Viriato Branco verstarb am 24. April 1970, im Alter von 72 Jahren, in seiner Heimatstadt Lissabon.

Aus Anlass seines 115. Geburtstages hat die amerikanische Suchmaschine Google heute den Architekten Cassiano Branco mit einem besonderen „doodle“ geehrt.
Diesem „doodle“, das eine Burg im Themenpark „Portugal dos Pequenitos“ darstellt, ist es zu verdanken, dass ich heute noch diesen Beitrag geschrieben habe.
Denn wie viele andere auch, so hätte auch ich heute den Geburtstag dieses Genies der Architektur, wie ihn viele zu Lebzeiten genannt haben, einfach nur vergessen!

Donnerstag, 19. Januar 2012

Eselsohren: „O Português que nos pariu“


Soeben habe ich das humorvolle Buch „O Português que nos pariu“ (dt.: „Der Portugiese der uns gebar“), der berühmten brasilianischen Buchautorin Angela Dutra de Menezes, zum wiederholten Mal gelesen.

Alle Jahre wieder fällt mir dieses Buch aus meinem Bücherregal in die Hände, und ich lese es dann immer wieder mit großer Freude.
Angela Dutra de Menezes schreibt nämlich die Art von Büchern, die man immer wieder lesen kann.

In „O Português que nos pariu“ versucht die Autorin auf einzigartige Art und Weiße die portugiesische Seele zu entdecken.
Mit den Augen einer „Entdeckten“, die sie als Brasilianerin ist, versucht sie das Denken und Handeln der portugiesischen Entdecker im Laufe der Geschichte zu ergründen und zu erklären.

Von der Geburt der portugiesischen Nation, der Seefahrten der Portugiesen, der Entdeckung Brasiliens durch Pedro Álvares Cabral bis hin zur Ankunft der portugiesischen Königsfamilie in der neuen Welt und die Emigration abertausender portugiesischen Einwanderer nach Brasilien beschreibt Angela Menezes die Portugiesen mit all ihren Eigenarten und ihren Geschichten, so wie sie die Brasilianer sehen.

Angela Dutra de Menezes, die aus Rio de Janeiro stammt und die von Haus aus Journalistin ist – unter anderem schreibt sie für die brasilianische Zeitung „O Globo“ und die Zeitschrift „Veja“ – hat dieses Buch bereits im Jahre 2000 geschrieben und der brasilianische Verlag „Relume Dumará“ hat es verlegt.
In Brasilien war „O Português que nos pariu“ ein Bestseller.
Hier in Portugal erschien das Buch dann im Jahre 2006, und zwar im kleinen portugiesischen Verlag „Civilização Editora“.

Wer einmal mehr über die portugiesische Geschichte erfahren will und dann die Lusos selber mit den Augen eines Nicht-Portugiesen sehen will, der sollte, wenn er denn der portugiesischen Sprache mächtig ist, dieses Buch unbedingt lesen!

Mittwoch, 31. August 2011

Lusitanien


Ich habe schon oft hier in meinem Blog die Wörter „Luso“ oder „Luso-Alemão“ und „Lusitanien“ benutzt.
Heute wurde ich von einer meiner deutschen Arbeitskolleginnen, die in meinem Blog gesurft hat, gefragt, was denn diese Wörter bedeuten würden.

Nun, um es vereinfacht darzustellen, würde ich sagen, dass die Bezeichnungen „Luso“ und „Lusitanien“ heutzutage von uns Portugiesen als Synonym für alles Portugiesische verwendet wird.
So ist ein „Luso“ ein Portugiese, ein „Luso-Alemão“ ist ein Deutsch-Portugiese und „Lusitânia“ (dt.: Lusitanien) ist ein ehemaliges geographisches Gebiet, das seinerzeit von den Römern erobert wurde und in dessen Grenzen heute teilweise in Portugal liegen.
Um ein verständliches Beispiel zu geben, würde ich sagen, das Lusitanien sich zu Portugal so verhält, wie Germanien zu Deutschland.

Lusitanien (port.: Lusitânia / lat.: Lusitania) wurde ursprünglich von dem Volk der Lusitaner bevölkert. Ursprünglich lebten die Lusitaner im heutigen Zentralportugal, zwischen dem Fluss Douro im Norden und dem Fluss Tejo im Süden.
Etwa um 700 v. Chr. dehnen die Lusitaner ihr Machtbereich bis an die heutige Algarve aus.
Um etwa 200 v. Chr. erobern die Römer die Iberische Halbinsel, und machen das westliche Gebiet der Halbinsel zu ihrer Provinz Hispania Ulterior, die in etwa das heutige Staatsgebiet Portugals und die heutigen spanischen Provinzen Extremadura und Salamanca umfasste.

Die Eroberung Lusitaniens war für die Römer alles andere als leicht. Sie mussten schwere Verluste über die Jahrzehnte hinnehmen.
Vor allem der lusitanische Anführer Viriato machte den Römern oftmals das Leben schwer. Erst als Viriato, der heute als Urvater aller Portugiesen gilt, von drei seiner eigenen Leuten verraten wurde, konnten die Römer im Jahre 139 v. Chr. Lusitanien endgültig erobern.

Die große römische Provinz Hispania Ulterior wurde nach der endgültigen Eroberung in zwei kleinere Provinzen unterteilt, im Südosten in die Provinz Hispania Baetica und im Nordwesten in die Provinz Lusitania.
Die Hauptstadt Lusitaniens wurde Emerita Augusta, das heutige Mérida in Spanien.
Andere wichtige Städte der römischen Provinz Lusitania waren Olissipo (port.: Lissabon), Ebora (port.: Évora), Myrtilis (port.: Mértola), Salacia (port.: Alcácer do Sal), Aeminium (port.: Coimbra), Balsa (port.: Tavira) und Pax Julia (port.: Beja).

Lusitanien war für die Römer eines ihrer wichtigsten Provinzen. Große Metallvorkommen, die leicht durch den Tagebau gewonnen werden konnten, waren das hauptsächliche Gut dieses Territoriums.
Vor allem Gold, Kupfer und Silber kamen in Lusitania, verhältnismäßig, in großen Mengen vor.

Um das Jahr 410 n. Chr. verlieren die Römer Lusitanien an die Sueben. Aber auch nach den Römern behält das Gebiet weiterhin den Namen Lusitania.
Nach den Sueben kamen die Mauren.
Erst mit der Vertreibung der Mauren, der Gründung der Grafschaft „Portucale“ und der christlichen Reconquista im 11. und 12. Jahrhundert, setzte sich der Name Portugal durch.

Aber auch wenn heute Lusitanien offiziell Portugal genannt wird, so gehen viele, heute noch von uns Portugiesen benutzte Bezeichnungen, auf das ursprüngliche „Luso“ zurück.

Hier ein paar Beispiele, wobei ich das portugiesische Wort „Lusitanien“ im Verhältnis zum deutschen Wort „Germanien“ als Beispiel verwende:

• lusitantismo – Lusitantismus = Portugalismus, vergleichbar mit „Germanismus“
• lusitânico – lusitanisch = portugiesisch, vergleichbar mit „germanisch“
• lusitanidade – lusitanisch = portugiesisch, vergleichbar mit „germanisch“
• lusitanizar – lusitanisieren = portugiesisieren, vergleichbar mit „germanisieren“
• lusitano – Lusitaner = Portugiese, vergleichbar mit „Germane“
• lusofonie – Lusophonie, vergleichbar mit „Germanistik“ (Sprache!)
• lusófilo – Lusofon = Portugiesenfreundlich, vergleichbar mit „Germanenfreundlich“
• lusofobo – Lusitanierfeindlich = Portugiesenfeindlich, vergleichbar mit „Germanenfeindlich“
• lusofóbia – Lusophobie = Portugiesenfeindlichkeit, vergleichbar mit „Germanenfeinlichkeit“
• luso – vergleichbar mit „Germane“ oder wenn die Sprache betreffend „germanisch“
• luso-africano – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Afrikaner
• luso-árabe – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Araber
• luso-alemão – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Deutschen
• luso-brasiliero – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Brasilianer

usw. usw.

Von Lusitanien und den Lusitaner ist, außer dem Wissen das es dieses Reich und dieses Volk einmal gab, heute nicht mehr viel vorhanden.
Ein paar Höhlen, die zu rauen Zeiten mal bewohnt waren, und ein paar eingravierte Steine, die man heute noch auf offenem Feld bestaunen kann, ist alles was von diesem sagenumwobenen Volk der Lusitaner und ihrem Reich Lusitanien übrig geblieben ist.