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Freitag, 3. Februar 2012

Das Museum der Bank von Portugal


Einer der unbekanntesten und gleichzeitig originellsten Museen Lissabons ist das in der Avenida Almirante Reis gelegene Museum der Bank von Portugal (port.: Museu do Banco de Portugal).

In seiner permanenten Ausstellung „Das Geld der westlichen Iberischen Halbinsel: von den Anfängen bis zum Euro“ (port.: „O Dinheiro no Ocidente Peninsular: do Artigo Padrão ao Euro“) zeigt dieses Museum der portugiesischen Nationalbank die verschiedensten Zahlungsmittel der letzten 2000 Jahre auf der westlichen Iberischen Halbinsel – dem Gebiet also, auf dem Portugal heute liegt.
Ebenso wird die geschichtliche Evolution und sozialökonomische Bedeutung des früheren portugiesischen Geldes bis zum heutigen Euro vorgestellt.

Ein Teil dieses interessanten Museums beschäftigt sich natürlich mit der Geschichte der Bank von Portugal (port.: Banco de Portugal) selbst, aber auch die Geschichte des gesamten Finanzsystems wird hier gezeigt.
Dies erfolgt durch Dokumente, alte Banknoten und Wertpapiere, Geldmünzen, Goldbarren und sogar Ausstellungsstücke wie alte Gemälde und Fotos.
Die einzelnen Stücke sind geordnet und zeitlich gegliedert, so dass eine Zeitreise durch das gesamte Finanzsystem Portugals möglich ist.

Leider ist das „Museu do Banco de Portugal“ an den Wochenenden und an nationalen Feiertagen für die Öffentlichkeit geschlossen.
Aber ich kann jedem einen Besuch in diesem hochinteressanten und in Portugal einzigartigen Museum nur wärmstens empfehlen.

Samstag, 23. Juli 2011

Krawattenzwang aufgehoben


Gestern hatte ich geschäftlich auf der Bank etwas zu erledigen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, etwas sei anders als die anderen Male in denen ich zur Bank gehe.
Auch als mich der Bankangestellte freundlich bediente, wurde ich dieses misstrauische Gefühl nicht los, das da etwas war, was anders war als sonst.

Kurz vor dem Verlassen der Bank, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die ganzen männlichen Bankangestellten hatten keine Krawatte um den Hals!
Diese Herren, die mich sonst immer mit hoch geknöpften Hemden und einem Schlips empfangen und bedienen, selbst bei den höchsten Sommertemperaturen, waren auf einmal Schlipslos.

Es scheint so, als ob das nicht tragen einer Krawatte nun auch im finanziellen Sektor angekommen ist.

Begonnen hat diese Mode des nicht tragen einer Krawatte aber im hiesigen Landwirtschafts- und Umweltministerium (port.: Ministerio da Agricultura e do Ambiente).
Als die neue junge Landwirtschafts- und Umweltministerin Assunção Cristas Anfang dieses Monats ihr Amt antrat, war eine ihrer ersten Amtshandlungen das Herausgeben eines neuen Erlasses aus ihrem Haus.

Dieser Erlas besagt, das der Krawattenzwang im Ministerium aufgehoben ist und jeder Mann dieses Symbol universeller Formalität zukünftig zuhause lassen kann!
Somit werden Schlipsträger, so scheint es, in gewissen Kreisen bald zu einer vom aussterben bedrohten Art gehören.

Die Ministerin Assunção Cristas gibt als Grund für diese Maßnahme, die den originellen Namen „Ar Cool“ trägt, das Sparen von Energie in ihrem Ministerium an.
Laut der Ministerin besagen Studien aus Japan, das man in einem Büro in dem Männer keine Krawatte tragen müssen, die Klimaanlagen im Durchschnitt um 2°C runtergedreht werden können.
Laut des Umweltministeriums wird das herunterfahren der Klimaanlagen im Sommer so alleine im Landwirtschafts- und Umweltministerium dafür sorgen das im Durchschnitt so viel CO² eingespart werden kann, mit der sonst eine Stadt wie Aveiro, Braga oder Guimarães die Umwelt während einem Tag im Jahr belasten.

Dieser Erlas aus dem Landwirtschafts- und Umweltministerium soll kein symbolischer Akt sein.
Er soll viel mehr zukünftig landesweit auf alle ca. 2500 Regierungsgebäude ausgeweitet werden und für die ca. 44.500 Staatsbeamten gelten.
Assunção Cristas, die mit gutem Beispiel vorangehen will, muss nur noch ihre Ministerkollegen von diesem Vorhaben überzeugen.

Dieser Erlas ist für keinen Ministerialbeamten bindend.
Jedem ist es freigestellt ab jetzt Krawatte zu tragen oder nicht.
Aber eines hat die Ministerin schon klargestellt – nach Brüssel werden die Herren auch weiterhin mit Krawatte reisen.

Dienstag, 15. September 2009

Schuhputzer, ein Relikt aus vergangener Zeit


„Schusters Rappen“ ist eine scherzhafte Beschreibung, von anno dazumal, für die Schuhe und das Zu-Fuß-Gehen im generellen.
Die Bezeichnung „Schusters Rappen“ ist ein Hinweis auf den sehr begrenzten Besitz von Schuhen, denn Rappen, also schwarze Pferde, waren früher ein Zeichen von Reichtum.
Wer aber Schusters Rappen bemühte, also zu Fuß ging, hatte nichts dergleichen aufzuweisen. Er war einfach arm!

Fußbekleidung hatte früher folglich auch nicht mit Mode zu tun, so wie heute.
Schuhe mussten früher robust, zweckmäßig, langlebig und – schwarz sein.
Der normale Bürger hatte selten mehr als ein Paar daheim.
Und dieses Paar wollte gepflegt sein.

Schuhputzer hatten daher Konjunktur als Spezialisten, die ramponiertes Schuhwerk wieder aufmöbelten, ihm eine lange Lebensdauer garantierten und Glanz polierten, der dem ordentlich gekleideten Städter den letzten Schliff gab.
Das galt in Deutschland, genauso wie hier in Portugal.

Heute haben nur wenige Menschen ein paar schwarze Lederschuhe zuhause, denn die sind meistens out.
Meistens hat man heute Flipflops, Turnschuhe, Riemchensandalen und Stoffschuhe im Schuhschrank stehen.

Aber Schuhputzer gibt es heute trotzdem noch hier in Portugal, obwohl sie eher eine aussterbende Berufsspezies sind.
In ganz Portugal gibt es heute nämlich schätzungsweise nur an die 100 Schuhputzer (port.: engraxadores), davon in Lissabon gut zwei Dutzend.
Der offizielle Berufstitel lautet zwar „polidor de calçado“ (deutsch: Schuhpolierer), aber jedes Kind kennt sie als die „engraxadores“.

Die Schuhputzer der Hauptstadt arbeiten vorwiegend in der Lissabonner Unterstadt Baixa, dem Rossio, der Avenida da Liberdade und ihren Querstraßen, dort wo es viele Banken und Büros gibt.
Viele Börsenleute und Banker lassen sich heute noch regelmäßig ihre Schuhe bei „ihrem“ Schuhputzer für zwei Euro auf Vordermann bringen. Wenn sie dann nicht gerade durch Pfützen laufen, hält die fachmännische Schuhpflege gut eine Woche an.

Leider sind Schuhputzer ein Relikt aus vergangener Zeit.
Trotzdem möchte ich sie nicht aus dem Lissabonner Stadtbild missen.
Die Kundschaft beschränkt sich heute hauptsächlich auf Herren über Vierzig, die überdurchschnittlich verdienen und die genau wissen, dass ungepflegte Schuhe schlimmer sind, als ein Fleck auf ihrer Krawatte.

Auch viele Touristen nehmen heutzutage die Dienste eines Schuhputzers an, obwohl meistens nur, um ein originelles Foto schießen zu können.
Manche Touristen finden aber auch, es schadet ihrem Image, wenn sie sich von einem Schuhputzer bedienen lassen. Dabei vergessen sie, dass alleine die Tatsache, dass sie den Dienst des Schuhputzers in Anspruch nehmen, diesen Berufszweig am Leben erhält.

Deshalb, wenn sie das nächste Mal nach Lissabon kommen, lassen sie sich von einem dieser älteren Herren ihre Schuhe putzen.
Sie haben danach nicht nur Schuhe, in denen sie sich spiegeln können, sondern haben teilweise auch ein Lissabonner Original vor dem Aussterben bewart!