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Donnerstag, 4. Juni 2015

Das neue Stierkampfmuseum in der Arena von Lissabon



Die portugiesische Hauptstadt ist seit dieser Woche um ein Museum reicher!
Nachdem letzten Monat der Neubau des Kutschenmuseums (port.: Museu dos Coches) im Stadtteil Belém der Öffentlichkeit übergeben wurde, ist jetzt im Stadtteil Campo Pequeno das neue Stierkampfmuseum (port.: Museu Tauromáquico do Campo Pequeno) eröffnet worden.

Das neue Museum befindet sich im zweiten Stockwerk der arabisierten Stierkampfarena (port.: praça de touros) Lissabons, unweit des Haupteingangs.
In fünf neu renovierten Ausstellungsräumen versucht das Museum einem breiten Publikum die jahrhunderte alte Tradition und die Kunst des portugiesischen Stierkampfes (port.: tourada) – der sich wesentlich vom spanischen Stierkampf unterscheidet – näher zu bringen.

Im ersten Ausstellungsraum, dem Hauptsaal, wird die Geschichte und das kulturelle Erbe des Stierkampfes in Portugal anhand von über 400 Stierkampfutensilien, Bekleidungsstücken, Gemälden, Fotografien, Grafiken und alten Plakaten erzählt.
Die „tourada“ war und ist ein buntes, farbenprächtiges, ritualisiertes Schauspiel, in das sich das Publikum für gewöhnlich integriert, das aber nicht jedermanns Sache ist.

Der nachfolgende Ausstellungsbereich widmet sich der Geschichte und den Geschichten der imposanten Lissabonner Stierkampfarena. Die Arena wurde 1892 erbaut und ist mit 10.000 Sitzplätzen die größte des Landes.
In diesem Raum sind zahlreiche Erinnerungsstücke von berühmten Stierkämpfern, wie z.B. António Ribeiro Telles, Joaquim Bastinhas oder dem berühmten Simão da Veiga, ausgestellt.

Im dritten Raum werden die „forcados“ thematisiert, eines der wichtigsten und typischsten Bestandteile des portugiesischen Stierkampfes. Als „forcados“ wird die Gruppe junger Männer bezeichnet, die am Ende eines jeden Stierkampfes in Teamarbeit versucht den Stier in der Arena „bei den Hörnern zu packen“ und ihn so festzuhalten.

Der vierte Ausstellungsraum widmet sich ausschließlich dem Hauptakteur eines jeden Stierkampfes, dem Kampfstier (port.: touro).
Eindrucksvoll wird hier der Ursprung, das Aussehen, die Aufzucht und das Verbreitungsgebiet dieser besonderen Rinderrasse anhand von zahlreichen Bildern und Ausstellungsobjekten dokumentiert. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet man hier historischen Kampfstieren, die einst in der Arena von Lissabon Geschichte machten.

Im fünften und letzten Ausstellungsraum ist ein Multimediasaal eingerichtet, in dem verschiedene Animationen und Videoaufnahmen den Stier und den Stierkampf filmisch zum Thema machen.

Das neu eröffnete Stierkampfmuseum ist mit nur 3,00 Euro Eintritt eines der billigsten in Lissabon. Verbindet man den Besuch des neuen Museums mit einer Besichtigung der im preudo-arabischen Stil erbauten Arena, so beträgt der Preis 5,00 Euro.

Montag, 13. Februar 2012

Ich bekenne: ich bin ein Aficionado!


Die portugiesische „Stierkampfindustrie“ ist im Verhältnis zur spanischen, mexikanischen oder kolumbianischen eher klein.
Nichtsdestotrotz werden jedes Jahr hier in Portugal mit der Aufzucht, der Haltung und der Ausrichtung verschiedener Kämpfe, Millionen von Euros umgesetzt.

Zwischen den Monaten April und Oktober werden vor allem hier in Lissabon und im Ribatejo Stierkämpfe ausgetragen.
Aber auch in vielen Touristenzentren, so in den Arenen von Lagos, Quarteira und Albufeira, werden in den Sommermonaten ein- oder zweimal wöchentlich Stierkämpfe veranstaltet, oftmals auch auf Wunsch der vielen ausländischen Urlauber.

Der portugiesische Stierkampf ist Teil der portugiesischen Kultur und er ist weit weniger blutrünstiger als der im spanischsprachigen Raum, zumal der Stier hier in Portugal am Ende immer lebend die Arena verlässt.
Vielleicht ist er auch deshalb bei so vielen Ausländern beliebt.

Um landesweit die ganzen Arenen und die oftmals damit verbundenen Volksfeste mit Kampfstieren zu versorgen, braucht es in erster Linie Stierkampfzüchter und –halter.
Insgesamt 104 Kampfstierzüchter garantieren den Nachschub für die portugiesischen Arenen.

Der Generalsekretär der Vereinigung der Portugiesischen Kampfstierzüchter APCTL (port.: Associação Portuguesa de Criadores de Toiros de Lide), António Vasco Lucas, hat heute in der portugiesischen Nachrichtenagentur LUSA verlautbaren lassen, das in diesem Jahr damit gerechnet wird, das sich mindestens 1.600 Kampfstiere in den portugiesischen Arenen mit Toreros messen werden.

Kaum hatte der Generalsekretär der APCTL diese Mitteilung bekannt gegeben, da meldeten sich auch schon die ersten Tierschützer. Empört prangerten sie den Stierkampf an, und nannten jeden Stierkampfliebhaber (port.: aficionado) einen „Mörder“ und „blutrünstiges Tier“.
Sie forderten einen sofortigen Verbot des Stierkampfes und ein Ende der Industrie die hinter diesem steckt.

Persönlich frage ich mich oftmals ob diese so genannten Tierschützer überhaupt wissen, mit wie viel Liebe, Aufopferung und Hingabe die Stierkampfzucht heutzutage betrieben wird.
Ich frage mich auch, ob sie wissen welchen Respekt und welche Ehrfurcht die Stiere in den Männern und Frauen finden, die letztendlich dann mit ihnen in der Arena „kämpfen“.

Man kann ja zum Stierkampf stehen wie man will.
Einen Stierkampfliebhaber, einen Stierzüchter oder einen Torero aber generell als „Mörder“ oder „blutrünstiges Tier“ zu titulieren zeugt in meinen Augen von Klischeedenken und Populismus in seiner niedrigsten Form.

Ich bekenne: ich bin ein Aficionado!

Donnerstag, 13. August 2009

Von Feiglingen, Heulsusen und einer Massenprügelei


Wer mich kennt, weiß dass ich ein Liebhaber der portugiesischen „tourada“ (Stierkampf) bin.
Solche Liebhaber der „tauromaquia“ (Sztierkampfkunst) , wie ich einer bin, nennt man hier in Portugal „aficionado“ (Liebhaber des Stierkampfes).

So wie andere gerne an den Wochenenden Fußballligaspiele im Fernsehen sehen, so schaue ich mir gerne die wöchentlichen Übertragungen aus den einzelnen „Praça de touros“ (Stierkampfarenen) des Landes an.

Gestern wurde aus der Stierkampfarena in Alcochete der Stierkampf übertragen, der alljährlich zu den Feierlichkeiten der "Festas do Barrete Verde e das Salinas", des Stadtfestes, stattfindet.
Es war ein schöner Stierkampfabend, und auch die „pegas“ (bei einer pega packt eine Gruppe junger Männer, „forcados“ genannt, sprichwörtlich den Stier bei den Hörnern) waren sehr schön anzusehen.
Wer jemals einen portugiesischen Stierkampf gesehen hat, und somit auch eine pega, wird diesen imposanten „Kampf“ zwischen Mensch und Tier niemals vergessen (bitte lesen sie hierzu auch mein post „Donnerstag nachts im Campo Pequeno“ vom 01.07.2009).

Aber wie beim Fußball, so unterscheidet sich auch beim Stierkampf, jede einzelne Begegnung.
Keine gleicht der anderen an Emotionen, Verlauf, Ergebnis und Spannung.
Und der Stierkampfabend in Alcochete ist natürlich keine Ausnahme gewesen.

Denn während die „toureiros“ (Stierkämpfer) im sportlichen Kampf mit den „touros“ (Stieren) ihre Kunstfertigkeit zeigten, spielten sich auf einigen Sitzplätzen weniger kunstfertige Kämpfe ab.
Die ganze Fernsehnation konnte mit ansehen, wie sich 80 bis 100 Zuschauer mit den „forcados“ und ihren Anhängern prügelten.

Erst im laufe des Fernsehabends wurde berichtet wie es zu dieser Massenprügelei gekommen war.
Nun, nachdem die forcados von Alcochete zwei der sechs pegas regelrecht in den Sand gesetzt hatten, fingen einige Zuschauer von auswärts an, die forcados mit Schimpfwörtern zu titulieren, unter anderem mit dem weniger schönen Wort „maricas“.
„Maricas“ ist das portugiesische Wort für Feigling oder Heulsuse, kann aber auch für Schwul stehen.

Und wer nun in der Stierkampfarena von Alcochete, den forcados von Alcochete zuruft, sie wären „maricas“, der muss wirklich sehr mutig sein oder doch etwas lebensmüde, und er muss natürlich dann auch damit rechnen, windelweich geprügelt und geschlagen zu werden, was dann ja auch einigen Zuschauern passiert ist.

Zuerst dachte ich, als ich die Keilerei sah, ich hätte aus Versehen zum Sonderparteitag der Sozialisten rübergeschaltet.
Aber dann sah ich doch wieder einmal bestätigt, dass der eigentliche Stierkampf nicht immer im Rund stattfindet.

Als am Schluss des Stierkampfes, wie immer die Nationalhymne gespielt wurde, lagen sich alle, wie es sich gehört, wieder in den Armen.

So viel Patriotismus muss dann doch schon sein!

Mittwoch, 1. Juli 2009

Donnerstags nachts im Campo Pequeno





Donnerstags nachts zwischen Ostersonntag und Ende Oktober, ist die Lissabonner Stierkampfarena im Campo Pequeno, genauso wie jede andere Stierkampfarena des Landes, ein magisches Feld; dann ist nämlich Stierkampfzeit („tempo de touradas“).
Der Stierkampf ist fester Bestandteil portugiesischen Brauchtums und Folklore.

Wie im Nachbarland Spanien, so gibt es auch hier in Portugal zwei Typen von Menschen:
die die den Stierkampf lieben, und die die ihn abgrundtief hassen.
Der Stierkampf, auf Portugiesisch „tourada“ genannt, lässt niemanden gleichgültig.
In Portugal unterscheidet sich der Stierkampf allerdings grundsächlich vom Stierkampf in Spanien; beide sind nicht mit einander zu vergleichen!

Das ist so, als wenn man Handball und Fußball miteinander vergleichen würde. Zwar wird beim Hand- und beim Fußball jeweils ein Ball zum spielen benutzt. Das Spiel selber aber unterscheidet sich grundlegend. So ungefähr kann man sich den Unterschied zwischen der portugiesischen „tourada“ und der spanischen „corrida“ vorstellen. Corrida ist überhaupt ein Begriff, der in Portugal schon einem Schimpfwort gleichkommt.

Der Hauptunterschied zwischen einer „tourada“ und einer „corrida“ ist, das der Stier in einer portugiesischen Arena niemals den Tod findet, so wie die spanischen Stiere in einer Arena auf der anderen Seite der Grenze. Eher erwischt es hier in Portugal ab und zu Mal den Stierkämpfer tödlich, den „toureiro“.

Der Kampf selbst besteht aus drei Teilen.
Zuerst beschäftigen sich die „toureiros“ zu Fuß mit dem Stier und versuchen ihn einigermaßen zu bändigen.
Dann tritt der berittene Stierkämpfer, der „cavalheiro“, auf seinem Pferd in Aktion. Hier wird nun der Stierkampf fast zu einem imaginären Ballett, in dem lusitanischer Ross und Reiter eine Einheit gegen den Stier bilden.
Und zuletzt treten die acht „forcados“ in die Arena ein. Sie springen unbewaffnet in die Arena, stellen sich in einer Reihe vor dem Stier auf und einer aus ihrer Mitte wirft sich dem Stier zwischen die Hörner und versucht sich an diesem festzuhalten. Dann stürmen die anderen auf das Tier zu und versuchen ihn mit bloßer Manneskraft sprichwörtlich „in die Knie“ zu zwingen.

Anders als in Spanien darf der Stier, wie gesagt, nach diesem Spektakel lebend die Arena verlassen.
War er ein guter Kampfstier, und hat er für ein Spektakel ohnegleichen gesorgt, dann wird ihm die Freiheit geschenkt und er darf sein Lebensabend als Zuchtstier auf der Weide verbringen. War er aber ein mittelmäßiger oder gar schlechter Stier, dann kommt er direkt ins Schlachthaus. So ist nun einmal das Leben eines Nutztieres!

In den letzten Jahren finden sich vor einigen Stierkampfarenen des Landes immer wieder öfters, so genannte Tierschützer, die lautstark gegen den Stierkampf protestieren. Meistens handelt es sich bei diesen Demonstranten um deutsche Staatsbürger.

Nun, ich persönlich habe nichts gegen diese Demonstranten, solange sie friedlich bleiben, und nicht wie vor einigen Wochen, wehrlose Besucher einer „tourada“ mit Tierblut bespritzen und beschmutzen.
Aber als Portugiese, der 30 Jahre lang in Deutschland gelebt hat, und dem es nie im Traum eingefallen wäre, vor einer Hühnerfarm zu demonstrieren, würde ich diese Demonstranten schon gerne einmal fragen, ob sie in Deutschland nicht genug Tiere zum Retten haben, das sie sich ausgerechnet eine Tierart zum schützen aussuchen müssen, die dieses Schutzes überhaupt nicht bedarf.

Denn ohne den Stierkampf, wären die Stiere und auch die lusitanischen Pferde, die alleine nur für den Stierkampf gezüchtet werden, schon längst ausgestorben!
Außerdem, wer sich ein wenig mit dem Stierkampf auseinander setzt, wird erfahren, dass man nicht umsonst bei diesen Tieren von „wilden Stieren“ spricht. Das heißt, im Gegensatz zu den Rindern die in Deutschland in dunklen und stickigen Ställen geboren werden um dann acht Monate gemästet zu werden, um danach beim Schlachter zu Enden, ohne jemals eine grüne Wiese betreten zu haben, werden portugiesische Kampfstiere wild auf einer Weide geboren und leben dann für die nächsten fünf oder sechs Jahre ihres Lebens wild und in völliger Freiheit.
Und wer sich die Menschen, die mit dem Stierkampf zu tun haben, anschaut und ihnen genau zuhört, der wird feststellen dass es kaum größere Tierliebhaber und Tierschützer gibt, als diese selbst.

Ich selber bin ein großer „aficionado“, so nennt man hier in Portugal, die Menschen die dem Stierkampf nachfrönen, und ich bin stolz darauf.
Ich werde mir niemals diese Liebhaberei, die eine 1000 Jahre alte Kunst und Folklore meines Volkes ist, durch ein paar deutsche Pseudodemonstranten nehmen lassen.