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Freitag, 24. Juli 2015

Eine historische Nacht im Campo Pequeno


Wer ein Freund des portugiesischen Stierkampes (port.: tourada portuguêsa) ist und gestern die Gelegenheit hatte in der restlos ausverkauften Lissabonner Stierkamparena Campo Pequeno anwesend zu sein, der wurde Zeuge eines wahrlich stierkämpferischen Ereignisses.

Die Amateurgruppe der „forcados“ der Stadt Santarém – „forcados“ sind die jungen Männer die beim portugiesischen Stierkampf völlig Waffenlos den Stier bei der so genannten „pega“ sprichwörtlich bei den Hörnern packen – machten gestern Geschichte, als sie eine einzigartige Meisterleistung vollbrachten.
Nicht das jede „pega“ an sich eine Meisterleistung wäre, aber die gestrige war doch etwas Besonderes.
So besonders, das die hiesige Presse schon von der „pega des Jahrhunderts“ spricht!
(bitte das angehängte Video anschauen!)

Die achtköpfige Gruppe „forcados“ – allen voran der 22 jährige António Gois – begeisterte das Publikum dermaßen, das sie am Schluss die Ehre erhielten, als erste „forcados“ eine portugiesische Arena durch das große Eingangstor zu verlassen; eine Ehre die bis dato eigentlich nur den Stierkämpfern (port.: toureiros) und den Reitern (port.: cavaleiros) zustand.

Anbei die Aufnahme der gestrigen spektakulären „pega“ von António Gois:


Montag, 15. Juni 2015

Chegas de bois – wenn in Nordportugal die Hörner krachen



Wer jemals einem typisch-portugiesischen Stierkampf beigewohnt hat, der weiß dass dieser wesentlich unblutiger über die Bühne läuft als etwa z.B. die spanische Version dieses Schauspiels.
Wem aber die portugiesische „tourada“ trotz allem doch ein wenig zu „gewalttätig“ ist, der sollte eine der in Nordportugal um diese Jahreszeit üblichen „chegas de bois“ besuchen.

Im Gegensatz zu einem normalen Stierkampf in der Arena, bei dem sich immer Mensch und Tier gegenüber stehen, ist die „chegas de bois“ immer nur ein Kräftemessen zwischen zwei Tieren.
Diese Duelle zwischen zwei Stieren, bei dem die männlichen Tiere auf natürliche Art und Weise ihre Rangordnung klären, gehen für gewöhnlich immer unblutig aus. Sobald einer der kämpfenden Tiere mit den Knien den Boden berührt oder er vor seinem Gegner Reißaus nimmt, ist der Kampf beendet.
So ein Wettbewerb kann nur wenige Sekunden lang dauern, kann sich aber auch über eine gute halbe Stunde hinziehen – es kommt immer auf das Aggressionspotential der einzelnen Tiere an.

Der Kampf zwischen zwei männlichen Rindern, bei dem die Tiere instinktiv ihre Rangfolge klären, war schon bei den alten Römern ein beliebtes Schauspiel. Mit den Jahrhunderten aber starb diese Art des Spektakels aus und der klassische Stierkampf, zwischen Torero und Stier, setzte sich hierzulande durch.

Erst vor einpaar Jahrzehnten kam die seit vielen Generationen ausgestorbene Tradition der „chegas de bois“ wieder in Mode.
Durch die immer größer werdende technische Industrialisierung der Landwirtschaft nach der Nelkenrevolution in Portugal waren sehr viele heimische landwirtschaftliche Nutztiere, die nicht rentabel waren, plötzlich vom aussterben bedroht.
So „entdeckten“ einige Bauern und Grundbesitzer in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die „chegas de bois“ wieder, organisierten zahlreiche Wettbewerbe, schrieben Preisgelder für die Duelle aus, erlaubten das Wetten und machten so auf diese Weise fast ausgestorbene Rinderrassen für Züchter und Publikum wieder attraktiv.

Der Ausdruck „chegas de bois“, mancherorts auch unter dem Begriff „chegas de touros“ bekannt, setzt sich aus dem portugiesischen Verb „chegar“ (dt.: beikommen, annähern) und dem Wort für Stier (port.: boi, touro) zusammen, und beschreibt einfach so die „Annährung von Stieren“ (port.: „chegas de bois“) die miteinander kämpfen wollen.

Zwei fast ausgestorbene portugiesische Rinderrassen kamen durch diese ausgefallenen Stierkämpfe bei Bauern und Rinderzüchtern wieder in Mode:
das kleine Barrosão-Rind (port.: raça barrosã), mit seinen langen, geschwungenen und bis zu 100 cm langen Hörnern, das in der Region um die nordportugiesischen Städte Montalegre, Alfândiga da Fé, Mirandela und Vila Flor seine Heimat hat und das bis 1.200 kg schwere und temperamentvolle Mirandesa-Rind (port.: raça mirandesa), aus der Gegend um die Städte Miranda do Douro, Bragança, Vinhais, Vimioso und Mogadouro, in der nordöstlichsten Provinz Portugals, dem Trás-os-Montes.

Die meisten Stiere dieser beiden Rinderrassen die zum Kampfwettbewerb antreten, gehören heute zumeist privaten Züchtern und Bauern.
Doch einige Dörfer und Gemeinden im Norden Portugals, in denen traditionsgemäß das Vieh immer der ganzen Dorfgemeinschaft gehörte und gehört, stellen heute noch so genannte „bois do povo“ (dt.: Volksstiere / Allgemeinheitsstiere) zum Kampf auf.

Die „chegas de bois“ finden den ganzen Sommer lang – meistens bis Mitte August – in vielen Städten und Dörfern Nordportugals statt und sind ein imposantes und spektakuläres Schauspiel, das ich jedem nur empfehlen kann!

Donnerstag, 4. Juni 2015

Das neue Stierkampfmuseum in der Arena von Lissabon



Die portugiesische Hauptstadt ist seit dieser Woche um ein Museum reicher!
Nachdem letzten Monat der Neubau des Kutschenmuseums (port.: Museu dos Coches) im Stadtteil Belém der Öffentlichkeit übergeben wurde, ist jetzt im Stadtteil Campo Pequeno das neue Stierkampfmuseum (port.: Museu Tauromáquico do Campo Pequeno) eröffnet worden.

Das neue Museum befindet sich im zweiten Stockwerk der arabisierten Stierkampfarena (port.: praça de touros) Lissabons, unweit des Haupteingangs.
In fünf neu renovierten Ausstellungsräumen versucht das Museum einem breiten Publikum die jahrhunderte alte Tradition und die Kunst des portugiesischen Stierkampfes (port.: tourada) – der sich wesentlich vom spanischen Stierkampf unterscheidet – näher zu bringen.

Im ersten Ausstellungsraum, dem Hauptsaal, wird die Geschichte und das kulturelle Erbe des Stierkampfes in Portugal anhand von über 400 Stierkampfutensilien, Bekleidungsstücken, Gemälden, Fotografien, Grafiken und alten Plakaten erzählt.
Die „tourada“ war und ist ein buntes, farbenprächtiges, ritualisiertes Schauspiel, in das sich das Publikum für gewöhnlich integriert, das aber nicht jedermanns Sache ist.

Der nachfolgende Ausstellungsbereich widmet sich der Geschichte und den Geschichten der imposanten Lissabonner Stierkampfarena. Die Arena wurde 1892 erbaut und ist mit 10.000 Sitzplätzen die größte des Landes.
In diesem Raum sind zahlreiche Erinnerungsstücke von berühmten Stierkämpfern, wie z.B. António Ribeiro Telles, Joaquim Bastinhas oder dem berühmten Simão da Veiga, ausgestellt.

Im dritten Raum werden die „forcados“ thematisiert, eines der wichtigsten und typischsten Bestandteile des portugiesischen Stierkampfes. Als „forcados“ wird die Gruppe junger Männer bezeichnet, die am Ende eines jeden Stierkampfes in Teamarbeit versucht den Stier in der Arena „bei den Hörnern zu packen“ und ihn so festzuhalten.

Der vierte Ausstellungsraum widmet sich ausschließlich dem Hauptakteur eines jeden Stierkampfes, dem Kampfstier (port.: touro).
Eindrucksvoll wird hier der Ursprung, das Aussehen, die Aufzucht und das Verbreitungsgebiet dieser besonderen Rinderrasse anhand von zahlreichen Bildern und Ausstellungsobjekten dokumentiert. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet man hier historischen Kampfstieren, die einst in der Arena von Lissabon Geschichte machten.

Im fünften und letzten Ausstellungsraum ist ein Multimediasaal eingerichtet, in dem verschiedene Animationen und Videoaufnahmen den Stier und den Stierkampf filmisch zum Thema machen.

Das neu eröffnete Stierkampfmuseum ist mit nur 3,00 Euro Eintritt eines der billigsten in Lissabon. Verbindet man den Besuch des neuen Museums mit einer Besichtigung der im preudo-arabischen Stil erbauten Arena, so beträgt der Preis 5,00 Euro.

Sonntag, 2. September 2012

Von einem radikalen Tierschützer und Partycrasher



Wer am vergangenen Donnerstagabend, dem 30. August 2012, die Lissabonner Stierkampfarena im Campo Pequeno besucht hat, hat mit ansehen müssen, wie der junge „forcado“ Nuno Carvalho einen schweren Unfall erlitt.

Der 26jährige Nuno Carvalho, der zu der amateuren Forcadogruppe Aposento da Moita (port.: Grupo de forcados amadores do Aposento da Moita) aus dem Ribatejo gehört und von seinen Kollegen liebevoll „Mata“ genannt wird, hatte bei der Ausübung der fünften „pega“ des Abends äußerstes Pech.

Wie bei jeder „pega“ üblich, hatte sich Carvalho mit sieben seiner Kollegen in einer Reihe gegenüber dem Stier gestellt und ihn auf sich zurasen lassen, um diesen dann sprichwörtlich „bei den Hörnern zu packen“.
Leider hat er den Stier nicht richtig nehmen können und so stürzte er daraufhin so unglücklich zu Boden, dass der über 500 kg schwere Stier ihn mit einem seiner Hufe schwer am Rücken traf.

Sofort wurde Nuno Carvalho ins Lissabonner Krankenhaus Santa Maria (port.: Hospital de Santa Maria) gebracht, wo er noch in der gleichen Nacht, neun Stunden lang, an der Wirbelsäule operiert wurde.
Wie gestern Freunde von Carvalho berichteten und die Ärzte des Krankenhauses Santa Maria leider heute auch bestätigten, gibt es nur noch wenig Hoffnung, das Nuno Carvalho jemals wieder selbstständig laufen wird.

Weshalb ich dies alles erzähle?

Nun gestern war ich auf einem Geburtstag.
Es waren sowohl Portugiesen als auch Deutsche zu diesem Geburtstag eingeladen und irgendwie kamen wir während des späten Nachmittags auf den Vorfall im Campo Pequeno zu sprechen.
Fast jeder, sowohl „aficionados“ (dt.: Stierkampfliebhaber) als auch Stierkampfgegner, hat seine Meinung zu diesem tragischen Vorfall geäußert, ohne verletzend zu sein oder überheblich zu wirken.

Aber da es heutzutage anscheinend auf jeder Feier einen Spielverderber geben muss, ich glaube die Jugend nennt so etwas „Partycrasher“, wurde auch die gestrige Geburtstagsfeier leider von solch einem Individuum heimgesucht.

Ein Freund eines Freundes, der aus Deutschland hier in Portugal zu Besuch ist und mehr zufällig als beabsichtigt auf die gestrige Geburtstagsfeier mitgenommen wurde, outete sich als „radikaler Tierschützer“.
Das waren wirklich seine Worte:
„Ich bin ein radikaler Tierschützer!“

Nun, jedem das seine, aber anscheinend war der junge Mann nicht nur ein „radikaler Tierschützer“ sondern gleichzeitig auch ein „radikaler Weltverbesserer“ und ein „radikaler Moralist“.
Denn er war doch tatsächlich der Meinung, dass wir Portugiesen (er sprach doch tatsächlich von „ihr Portugiesen“!) blutrünstige, grausame, primitive und perverse Tiermörder seien.
Er meinte noch, es geschehe dem jungen Nuno Carvalho recht, das er jetzt wahrscheinlich ein Leben lang Querschnittsgelähmt bleiben werde, und er würde diesen jungen Mann kein bisschen bemitleiden.

Nun, alleine schon des Geburtstagskindes wegen, haben wir, die anderen Gäste, uns zurückgehalten und sind nicht weiter auf das Thema eingegangen.
Schließlich wurde uns allen – sowohl Deutschen als auch Portugiesen, die wir hier in diesem kulturlosen Land leben – eine gute Kinderstube mit auf dem Weg gegeben und dazu auch noch die Gabe des fremdschämens…

Ich habe dann am Abend, bevor ich gegangen bin, dem „radikalen Tierschützer“ noch meine Blogadresse http://www.planetportugal.blogspot.com/ mit auf dem Weg gegeben, und ihm gesagt er solle unbedingt einmal reinschauen, denn ich versprach ihm, ich würde den gestrigen Abend sicherlich bei Gelegenheit Revue passieren lassen und ihn dann bestimmt erwähnen.

Und da ich immer das zu halten pflege was ich verspreche, habe ich also nun hier, in diesem Beitrag, über den gestrigen Vorfall erzählt.

Aber eines wollte ich Dir hier noch einmal gesagt haben, lieber „radikaler Tierschützer“:

Wir mögen zwar hier am Rande Europas leben, und wir mögen in Deinen Augen nicht gerade die höchste Kultur besitzen, dennoch wissen wir sehr wohl was sich gehört.
Bei fremden Leuten zum Geburtstag eingeladen zu sein, sich dort den Magen mit leckeren Schweine- und Rindersteaks bis zum geht nicht mehr voll zu stopfen, die Geburtstagsgäste und das Geburtstagskind zu beleidigen und dann über einen Querschnittsgelähmten auf die übelste Art und Weise abzulästern, gehört sich einfach nicht.
Du behauptest wir, die wir „aficionados“ sind, wären pervers, grausam und primitiv.
Im Grunde genommen bist Du gestern Abend der Perverse, Grausame und Primitive gewesen!

Unbekannterweise wünsche ich dem forcado Nuno Carvalho für die nächste Zukunft viel Mut, Kraft und Selbstvertrauen.
Er wird es brauchen.

Die allerbesten Genesungswünsche! Boa sorte para o futuro e muita saúde Nuno!

Donnerstag, 13. August 2009

Von Feiglingen, Heulsusen und einer Massenprügelei


Wer mich kennt, weiß dass ich ein Liebhaber der portugiesischen „tourada“ (Stierkampf) bin.
Solche Liebhaber der „tauromaquia“ (Sztierkampfkunst) , wie ich einer bin, nennt man hier in Portugal „aficionado“ (Liebhaber des Stierkampfes).

So wie andere gerne an den Wochenenden Fußballligaspiele im Fernsehen sehen, so schaue ich mir gerne die wöchentlichen Übertragungen aus den einzelnen „Praça de touros“ (Stierkampfarenen) des Landes an.

Gestern wurde aus der Stierkampfarena in Alcochete der Stierkampf übertragen, der alljährlich zu den Feierlichkeiten der "Festas do Barrete Verde e das Salinas", des Stadtfestes, stattfindet.
Es war ein schöner Stierkampfabend, und auch die „pegas“ (bei einer pega packt eine Gruppe junger Männer, „forcados“ genannt, sprichwörtlich den Stier bei den Hörnern) waren sehr schön anzusehen.
Wer jemals einen portugiesischen Stierkampf gesehen hat, und somit auch eine pega, wird diesen imposanten „Kampf“ zwischen Mensch und Tier niemals vergessen (bitte lesen sie hierzu auch mein post „Donnerstag nachts im Campo Pequeno“ vom 01.07.2009).

Aber wie beim Fußball, so unterscheidet sich auch beim Stierkampf, jede einzelne Begegnung.
Keine gleicht der anderen an Emotionen, Verlauf, Ergebnis und Spannung.
Und der Stierkampfabend in Alcochete ist natürlich keine Ausnahme gewesen.

Denn während die „toureiros“ (Stierkämpfer) im sportlichen Kampf mit den „touros“ (Stieren) ihre Kunstfertigkeit zeigten, spielten sich auf einigen Sitzplätzen weniger kunstfertige Kämpfe ab.
Die ganze Fernsehnation konnte mit ansehen, wie sich 80 bis 100 Zuschauer mit den „forcados“ und ihren Anhängern prügelten.

Erst im laufe des Fernsehabends wurde berichtet wie es zu dieser Massenprügelei gekommen war.
Nun, nachdem die forcados von Alcochete zwei der sechs pegas regelrecht in den Sand gesetzt hatten, fingen einige Zuschauer von auswärts an, die forcados mit Schimpfwörtern zu titulieren, unter anderem mit dem weniger schönen Wort „maricas“.
„Maricas“ ist das portugiesische Wort für Feigling oder Heulsuse, kann aber auch für Schwul stehen.

Und wer nun in der Stierkampfarena von Alcochete, den forcados von Alcochete zuruft, sie wären „maricas“, der muss wirklich sehr mutig sein oder doch etwas lebensmüde, und er muss natürlich dann auch damit rechnen, windelweich geprügelt und geschlagen zu werden, was dann ja auch einigen Zuschauern passiert ist.

Zuerst dachte ich, als ich die Keilerei sah, ich hätte aus Versehen zum Sonderparteitag der Sozialisten rübergeschaltet.
Aber dann sah ich doch wieder einmal bestätigt, dass der eigentliche Stierkampf nicht immer im Rund stattfindet.

Als am Schluss des Stierkampfes, wie immer die Nationalhymne gespielt wurde, lagen sich alle, wie es sich gehört, wieder in den Armen.

So viel Patriotismus muss dann doch schon sein!

Mittwoch, 1. Juli 2009

Donnerstags nachts im Campo Pequeno





Donnerstags nachts zwischen Ostersonntag und Ende Oktober, ist die Lissabonner Stierkampfarena im Campo Pequeno, genauso wie jede andere Stierkampfarena des Landes, ein magisches Feld; dann ist nämlich Stierkampfzeit („tempo de touradas“).
Der Stierkampf ist fester Bestandteil portugiesischen Brauchtums und Folklore.

Wie im Nachbarland Spanien, so gibt es auch hier in Portugal zwei Typen von Menschen:
die die den Stierkampf lieben, und die die ihn abgrundtief hassen.
Der Stierkampf, auf Portugiesisch „tourada“ genannt, lässt niemanden gleichgültig.
In Portugal unterscheidet sich der Stierkampf allerdings grundsächlich vom Stierkampf in Spanien; beide sind nicht mit einander zu vergleichen!

Das ist so, als wenn man Handball und Fußball miteinander vergleichen würde. Zwar wird beim Hand- und beim Fußball jeweils ein Ball zum spielen benutzt. Das Spiel selber aber unterscheidet sich grundlegend. So ungefähr kann man sich den Unterschied zwischen der portugiesischen „tourada“ und der spanischen „corrida“ vorstellen. Corrida ist überhaupt ein Begriff, der in Portugal schon einem Schimpfwort gleichkommt.

Der Hauptunterschied zwischen einer „tourada“ und einer „corrida“ ist, das der Stier in einer portugiesischen Arena niemals den Tod findet, so wie die spanischen Stiere in einer Arena auf der anderen Seite der Grenze. Eher erwischt es hier in Portugal ab und zu Mal den Stierkämpfer tödlich, den „toureiro“.

Der Kampf selbst besteht aus drei Teilen.
Zuerst beschäftigen sich die „toureiros“ zu Fuß mit dem Stier und versuchen ihn einigermaßen zu bändigen.
Dann tritt der berittene Stierkämpfer, der „cavalheiro“, auf seinem Pferd in Aktion. Hier wird nun der Stierkampf fast zu einem imaginären Ballett, in dem lusitanischer Ross und Reiter eine Einheit gegen den Stier bilden.
Und zuletzt treten die acht „forcados“ in die Arena ein. Sie springen unbewaffnet in die Arena, stellen sich in einer Reihe vor dem Stier auf und einer aus ihrer Mitte wirft sich dem Stier zwischen die Hörner und versucht sich an diesem festzuhalten. Dann stürmen die anderen auf das Tier zu und versuchen ihn mit bloßer Manneskraft sprichwörtlich „in die Knie“ zu zwingen.

Anders als in Spanien darf der Stier, wie gesagt, nach diesem Spektakel lebend die Arena verlassen.
War er ein guter Kampfstier, und hat er für ein Spektakel ohnegleichen gesorgt, dann wird ihm die Freiheit geschenkt und er darf sein Lebensabend als Zuchtstier auf der Weide verbringen. War er aber ein mittelmäßiger oder gar schlechter Stier, dann kommt er direkt ins Schlachthaus. So ist nun einmal das Leben eines Nutztieres!

In den letzten Jahren finden sich vor einigen Stierkampfarenen des Landes immer wieder öfters, so genannte Tierschützer, die lautstark gegen den Stierkampf protestieren. Meistens handelt es sich bei diesen Demonstranten um deutsche Staatsbürger.

Nun, ich persönlich habe nichts gegen diese Demonstranten, solange sie friedlich bleiben, und nicht wie vor einigen Wochen, wehrlose Besucher einer „tourada“ mit Tierblut bespritzen und beschmutzen.
Aber als Portugiese, der 30 Jahre lang in Deutschland gelebt hat, und dem es nie im Traum eingefallen wäre, vor einer Hühnerfarm zu demonstrieren, würde ich diese Demonstranten schon gerne einmal fragen, ob sie in Deutschland nicht genug Tiere zum Retten haben, das sie sich ausgerechnet eine Tierart zum schützen aussuchen müssen, die dieses Schutzes überhaupt nicht bedarf.

Denn ohne den Stierkampf, wären die Stiere und auch die lusitanischen Pferde, die alleine nur für den Stierkampf gezüchtet werden, schon längst ausgestorben!
Außerdem, wer sich ein wenig mit dem Stierkampf auseinander setzt, wird erfahren, dass man nicht umsonst bei diesen Tieren von „wilden Stieren“ spricht. Das heißt, im Gegensatz zu den Rindern die in Deutschland in dunklen und stickigen Ställen geboren werden um dann acht Monate gemästet zu werden, um danach beim Schlachter zu Enden, ohne jemals eine grüne Wiese betreten zu haben, werden portugiesische Kampfstiere wild auf einer Weide geboren und leben dann für die nächsten fünf oder sechs Jahre ihres Lebens wild und in völliger Freiheit.
Und wer sich die Menschen, die mit dem Stierkampf zu tun haben, anschaut und ihnen genau zuhört, der wird feststellen dass es kaum größere Tierliebhaber und Tierschützer gibt, als diese selbst.

Ich selber bin ein großer „aficionado“, so nennt man hier in Portugal, die Menschen die dem Stierkampf nachfrönen, und ich bin stolz darauf.
Ich werde mir niemals diese Liebhaberei, die eine 1000 Jahre alte Kunst und Folklore meines Volkes ist, durch ein paar deutsche Pseudodemonstranten nehmen lassen.