Mittwoch, 27. März 2013

European Best Destination Award 2013



Die portugiesische Hauptstadt Lissabon wurde am letzten Wochenende von der Internetseite „European Best Destination“ zum zweitliebsten Reiseziel Europas gekürt.
Drei Wochen lang hatten die Besucher der prestigeträchtigen Seite www.europeanbestdestinations.org die Möglichkeit, unter 20 ausgewählten Städten in Europa, ihren persönlichen Favoriten zu nominieren.

Noch ein Jahr zuvor hatte Lissabon, bei der gleichen Wahl, auf den 8. Platz gestanden!
Zum Sieger des diesjährigen „European Best Destination Award 2012“ ist die türkische Metropole Istanbul von den Besuchern der o.g. Internetseite gewählt worden.

Die Top 10 des diesjährigen „European Best Destination Award“ lautet:

1. Istanbul (Türkei)
2. Lissabon (Portugal)
3. Wien (Österreich)
4. Barcelona (Spanien)
5. Amsterdam (Niederlande)
6. Madrid (Spanien)
7. La Valletta (Malta)
8. Nizza (Frankreich)
9. Mailand (Italien)
10. Stockholm (Schweden)

Das vorwiegend gute Wetter, die vielen Aussichtspunkte (port.: miradouros) der Stadt, die Kombination zwischen alter und moderner Architektur, die vielen interessanten Museen und die Freundlichkeit seiner Einwohner, waren einige der Gründe warum sich viele für eine positive Bewertung Lissabons aussprachen.
Lissabon wird als Wochenendreiseziel in Europa immer beliebter!

Sonntag, 10. März 2013

Angeblich gar nicht so steil, wie so manch einer denkt



Als meine gute Freundin Sabine mich zum ersten Mal hier in Lissabon mit ihrem damaligen Freund und jetzigen Ehemann Marcel besuchte, sagte sie mir einmal, nachdem die beiden erschöpft die Altstadt zu Fuß erobert hatten, sie hätten sich Lissabon niemals so hügelig und so voller steiler Anstiege vorgestellt.

Sicherlich, auf einer einfachen Stadtkarte sieht Lissabon so herrlich flach aus, so ganz ohne Hügel und Steigungen.
Aber die Realität sieht in Lissabon anders aus!
In einer Stadt in der Fahrstühle, die so genannten „elevadores“, öffentliche Verkehrsmittel sind und wo man, um von A nach B zu gelangen, oftmals 50 – 100 Meter Höhenunterschied überwinden muss, bekommt man oftmals als nicht Ortsansässiger das Gefühl, Lissabon sei eine Stadt in der es unmöglich ist, ohne einen ständigen Muskelkater herumzulaufen.

Sind die Straßen Lissabons für Fußgänger und Fahrradfahrer wirklich so steil und schwer zu überwinden, wie so viele behaupten, oder sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so extrem und bei der „Unbezwingbarkeit“ der Lissabonner Straßen handelt es sich einfach nur um ein Mythos?

Nun, nach einer Studie, die der Lissabonner Oberbürgermeister António Costa jetzt in Auftrag gegeben hat, sind die Straßen der Hauptstadt gar nicht so steil!
Nur 25% der Straßen (port.: ruas), Alleen (port.: avenidas), Gassen (port.: beco) und Wege (port.: caminhos) Lissabons haben eine Steigung von 6 % und mehr, d.h. drei Viertel der Verkehrswege der Hauptstadt zeigen ein normales Gefälle – was „normales Gefälle“ auch immer heißen mag!

Laut der von der Stadt Lissabon in Auftrag gegebenen Studie sind nur die Straßen in den Stadtteilen Castelo, Alfama, Mouraria, Bica und Santa Catarina teilweise wirklich so extrem steil.
Alle anderen Stadtteile haben, größtenteils, normale Straßenverhältnisse.
Aber wenn 75% der Lissabonner Straßen, was ihre Neigung angeht, sich wirklich nicht von denen anderer Städte unterscheiden, weshalb haben dann so viele Touristen, die ja oftmals nur zu Fuß unterwegs sind, solch ein Negativbild von der Stadt?
Nun, das hat zweifellos damit zu tun, das ausgerechnet die Stadtteile, die so oft von Touristen besucht und durchlaufen werden, wie Castelo, Mouraria oder Alfama, eben gerade die sind, dessen historisches Straßengewirr so steil ist.

Wir Lissabonner, die wir die Stadt ja nicht anders kennen und in ihr schon seit langer Zeit leben, haben uns mit den steilen Anstiegen und den hügeligen Verhältnissen vor Ort schon lange arrangiert.
Womit wir weniger gut umgehen können, sind die Tücken der Moderne.
Die Straßen und Gassen der Lissabonner Altstadt sind sehr schlecht erhalten und wurden einstmals nur für Pferdefuhrwerke und Sänfteträger gebaut, nicht aber für Autos.
Und so verstopfen heute viele PKW´s die Innenstadt und machen uns Fußgängern das Leben schwer, weil sie Rücksichtslos auf allen verfügbaren und noch so engen Plätzen parken.

Vielleicht sollte die Stadt Lissabon ja eine neue Studie in Auftrag geben, nämlich die Studie:
„Wie können wir den ganzen Verkehr aus der historischen Altstadt verbannen und den Menschen, sowohl den Touristen als auch den Einheimischen, eine bessere Infrastruktur, und somit eine höhere Lebensqualität, anbieten?“

Das wäre vielleicht einmal eine nützliche Studie die Oberbürgermeister Costa in Auftrag geben könnte!

Freitag, 8. März 2013

Der deutsche Osterbazar 2013 in Lissabon



Am übernächsten Sonntag, dem 17. März 2013, veranstalten die deutschsprachige Katholische Kirchengemeinde (port.: Igreja católica de lingua alemã de Lisboa) und die Deutsche Evangelische Kirche in Lissabon (port.: Igreja evangélica alemã de Lisboa) wieder einmal den alljährlich stattfindenden, und bei allen sehr beliebten, ökumenischen Osterbazar.
Wie die Jahre zuvor, so wird er auch dieses mal in der Schule der Salesianer ( port.: Colégio dos Salesianos), im Lissabonner Stadtteil Campo de Ourique, stattfinden.

Ab 12.00 Uhr werden verschiedene Aussteller ihr breit gefächertes Angebot an liebe- und kunstvoll handgefertigten Osterschmuck, Geschenkartikel und handgemachten Schmuck präsentieren.
Für das leibliche Wohl ist an diesem Sonntag wieder einmal gesorgt, so dass man Spezialitäten aus der deutschen Küche zum Mittagessen wird genießen können.
Auch die nachmittägliche Kaffeetafel wird reichlich gedeckt sein.
Hier können sich die Besucher des Osterbazars die selbstgebackenen Kuchen und Torten schmecken lassen und bei einer Tasse Kaffee oder Tee miteinander ins Gespräch kommen.
Ein Flohmarkt mit nostalgischem Krimskrams, ein Büchermarkt sowie eine Tombola mit vielen Supergewinnen komplettieren das reichhaltige Angebot dieses Osterbazares.

Der Bazar ist mit den Buslinien 701 und 773 und den Straßenbahnlinien 25E und 28E der öffentlichen Lissabonner Verkehrsbetriebe „Carris“ leicht zu erreichen.

Donnerstag, 7. März 2013

Von kreativen und inspirierenden Demonstranten



In einem Interview, den er gestern Abend am Rande einer Kirchenkonferenz über das Thema „Die Kirche in der portugiesischen Gesellschaft“ gab, hat der von mir sehr geschätzte Militärbischof (port.: Bispo das Forças Armadas), D. Januário Torgal Mendes Ferreira, wieder einmal seiner Meinung freien Lauf gegeben.

Der Seelsorger der portugiesischen Streitkräfte, der kein großer Freund der aktuellen Regierung ist, sagte, das seiner Meinung nach, die landesweiten Großdemonstrationen vom vergangenen Wochenende, bei denen über 1,5 Millionen Menschen auf die Straße gegangen sind (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Zum Teufel mit der Troika“, vom 02. März 2013), mehr als deutlich zeigen würden, das die Bevölkerung mit der jetzigen Regierung und den größten Steuererhöhungen in der Geschichte Portugals nicht einverstanden seien.

D. Januário, der schon mehrmals die Politik von Pedro Passos Coelho kritisiert hat, so verglich er vor einiger Zeit die Politik des Premierministers mit der des Diktators Salazar und bezeichnete die aktuelle Regierung gar als zutiefst korrupt und unglaubwürdig, warf dem Premierminister Unsensibilität vor und riet ihm sogar „zu gehen“.

Pedro Passos Coelho bleibt ungerührt und verlässt sich weiterhin darauf, dass die Mehrheit seiner Bürger fast grenzenlos leidensfähig und obrigkeitstreu ist.
Fragt sich nur, wie lange noch?!?

Einer meiner deutschen Freund meinte dieser Tage, er hätte es als sehr kreativ und inspirierend empfunden, als er im Fernsehen sah, wie tausende Demonstranten am vergangenen Samstag gemeinsam das Revolutionslied „Grândola, vila morena“ (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Grândola, vila morena“ vom 26. April 2010) sangen.
Ich glaube, „kreativ und inspirierend“ sind zwei Ausdrücke, die genau das wiedergeben, wie die Mehrheit der Portugiesen im Moment mit der politischen Klasse umgeht, wenn sie versucht, sich Gehör zu verschaffen.

Wie originell so mancher Protest im Augenblick sein kann, zeigt zweifellos eine neue Aktion, die sich jetzt tausende wütender Bürger haben einfallen lassen:
Sie lassen sich Rechnungen und Quittungen in Pedro Passos Coelhos Namen ausstellen und geben auch seine Steuernummer 177.142.430 an, so dass am Ende des Jahres die Ausgaben sein offizielles Einkommen übersteigen werden, und er dann, theoretisch, Besuch von der Steuerfahndung bekommen wird.

Natürlich ist dies nur eine geniale Protestform mehr, die am Ende doch im Sand verlaufen wird.
Aber wenigstens kämpft man mit solchen Aktionen gegen das immer größer werdende Gefühl der Machtlosigkeit hierzulande an!

Samstag, 2. März 2013

Zum Teufel mit der Troika



Über 1,5 Millionen Portugiesen, in mehr als 40 Städten landesweit, sind am heutigen Samstag auf die Straße gegangen, um gegen die harte Sparpolitik der hiesigen Regierung und die daraus resultierende Verarmung der Bevölkerung zu protestieren.

Die Proteste richteten sich in erster Linie gegen die Sparauflagen, die die Troika von Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Weltwährungsfonds (IWF) der liberalkonservativen Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho in Lissabon auferlegt haben, als sie seinerseits dem Land 78 Milliarden Euro Finanzhilfe gewährten.

Portugals wirtschaftliche Situation ist momentan alles andere als rosig!
Wir stecken, trotz der ganzen drastischen Sozialkürzungen und Steuererhöhungen die uns aufgehalst werden, in einer absoluten Rezession.
Die Wirtschaft wird in diesem Jahr vermutlich um 2 % schrumpfen und die Arbeitslosenquote liegt mit 17,6 % so hoch wie noch nie!

Premierminister Passos Coelho gibt sich trotz der Kundgebungen ungerührt und er hat durch seinen Sprecher schon mitteilen lassen, dass für ihn eine Abkehr seiner Sparpolitik nicht in Frage kommt und das er auch den Rücktrittsforderungen der Demonstranten nicht nachgeben wird.

Die Demonstrationen, die von der überparteiischen Bürgerbewegung „Que se lixe a troika“ (dt.: „Zum Teufel mit der Troika“) organisiert wurden, verliefen überall ausnahmslos friedlich.
Nur in Porto musste die Polizei eingreifen und drei Demonstranten festnehmen, als diese eine Bankfiliale mit Graffiti beschmierten.

Derweil steigt die Wut unter der portugiesischen Bevölkerung immer mehr.
Die heutige Demonstration, die zu einer der größten Protestkundgebungen der vergangenen Jahrzehnte zählt, verlief mal wieder friedlich.
Aber ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Unmut über Steuererhöhungen, die extremen Kürzungen im Sozialwesen und das daraus resultierende wachsende Unwohlsein, auch hierzulande die Menschen wohl zu unüberlegten Handlungen bringen wird!

Ich hoffe, dass ich mich da irre!

Freitag, 1. März 2013

Winterimpressionen







Festlandsportugal hat, entsprechend seiner Lage am Westrand der Iberischen Halbinsel (port.: Peninsula Ibérica), generell ein mediterranes, ozeanisch geprägtes, Klima.
So sind die Sommer zumeist heiß und trocken und die Winter feucht und mäßig kalt. Schneien tut es hier in Portugal eigentlich nur selten.
Aber ab und zu, so wie in den letzten Tagen, werden Teile Kontinentalportugals von sehr außergewöhnlich niedrigen Temperaturen heimgesucht, so das die winterlichen Niederschläge dann als Schnee herunterkommen.

Seit Wochen schneit es regelmäßig in der Serra da Estrela, dem höchsten Gebirge Portugals, und in Trás-os-Montes, im Norden Portugals, kommt in den letzten Tagen auch so einiges an Schnee herunter.
Ende dieser Woche hat es sogar in einigen Teilen des Alentejo heftig geschneit.
Laut dem portugiesischen Wetteramt (port.: Instituto Português do Mar e da Atmosfera) soll es auch in den nächsten Tagen in manchen Teilen des Landes weiterschneien.

Anbei nun einige außergewöhnliche, aktuelle Winterimpressionen aus dem Netz, die Portugal so zeigen, wie es die meisten Nichtportugiesen sicherlich nicht kennen.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Trotz aller Umfragen: Ich fühle mich als Europäer!




Laut einer dieser Woche veröffentlichte Umfrage der Europäischen Union, die als Grundsatzfrage den positiven oder negativen Wert Europas für das persönliche Leben jedes einzelnen Bürgers der EU hatte, fühlen sich nur 59 % der Portugiesen als wahre Europäer.
Keine Ahnung ob sich die anderen 41 % meiner Landsleute eher als Asiaten, Afrikaner oder Australier fühlen – Fakt ist aber, das sich noch nie so wenige Portugiesen mit der EU identifizieren konnten.
Ich selber, der ich so viele Jahre im Ausland gelebt habe, fühle mich durch und durch als Europäer.

Für die, die genauso fühlen und denken wie ich, sind der freie Personen- und Warenaustausch zwischen den einzelnen Ländern der EU (27 %), der Frieden in Europa (12 %) und der, trotz aller aktuellen Schwierigkeiten, vorhandene soziale Frieden (10 %) die wichtigsten Argumente um an das politische Europa zu glauben.

Wir Portugiesen sind von Natur keine geborenen Europäer – weiß Gott nicht!
Zwar segeln wir seit Jahrhunderten in der Weltgeschichte herum und haben seit Generationen mit Menschen aller Hautfarben und Kulturen auf allen Kontinenten zu tun, aber erst seit wenigen Jahrzehnten lernen wir auch mit unseren direkten europäischen Nachbarn umzugehen.

So ist, statistisch gesehen, zurzeit nur jeder fünfte Portugiese (20 %) jemals im europäischen Ausland gewesen, und nur 28 % haben in ihrem Bekannten-, Kollegen- bzw. Freundeskreis eine Person aus einem EU-Land.
Nur 13 % haben jemals eine nichtportugiesische Zeitung oder Zeitschrift gelesen oder ein ausländisches Fernsehprogramm gesehen.

Aber das Ergebnis der Umfrage, die am meisten aufhorchen lässt ist, dass heute 14 % der Portugiesen mit Europa nichts mehr anfangen können, bzw. in der Institution der Europäischen Union für sich keinerlei Nutzen oder Zukunft mehr sehen.
Das sind Zahlen, die weit unter dem EU-Durchschnitt liegen!

Angesichts dieser Zahlen, die das Resultat einer schlechten Europapolitik und einem miserablen Management der Euro-Krise sind, müssen sich einige Politiker hier in Lissabon aber auch so mancher Europaabgeordneter in Brüssel, überlegen, ob sie die bisherige Europapolitik fortführen wollen und können.

Brüssel hat seinen Bürgern offene Grenzen, eine gemeinsame Währung und Handels- und Reisefreiheiten geschenkt, ihnen auch das allgemeine Gefühl von Wohlsstand vermittelt, aber es kläglich verpasst, seine Bürger für schwere Zeiten zu solidarisieren und zu motivieren!

Die bittere Lektion, die leider aus dieser Politik zu ziehen ist:
Brüssel hat seine Bürger zu richtigen Europagegnern gemacht!

Samstag, 16. Februar 2013

World Press Photo 2013



Am gestrigen Freitag, den 15. Februar 2013, hat die unabhängige Jury der World Press Photo Organisation, deren Anliegen es seit 1955 ist, die Arbeit professioneller Fotojournalisten und Bildredakteure zu unterstützen, in Amsterdam die World Press Photos 2013 ausgezeichnet.

Der erste Preis, in der Kategorie „Daily Life“ (port.: „Vida Quotidiana“ / dt.: „Alltag“), ging dieses Jahr an den 25 Jahre alten portugiesischen Fotografen Daniel Rodrigues.
Das Foto, das Daniel Rodrigues den Sieg brachte, wurde von ihm im März 2012 in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Guinea-Bissau (port.: Guiné-Bissau) geschossen und zeigt eine Gruppe fußballspielender Kinder auf einem Sandplatz inmitten des Dorfes Dolumbi.

Rodrigues hatte im Frühjahr 2012 in Guinea-Bissau an einer humanitären Mission teilgenommen.
Er, der er ein ausgesprochener Freund Afrikas ist, hielt sich damals für gut einen Monat fotographisch in der ehemaligen portugiesischen Kolonie auf und bereiste auch nebenbei Mali.
In Mali saß er, eher unfreiwillig, dann auch für zwei Wochen fest, da malische Truppen den Flughafen der Hauptstadt Bamako nach einem Staatsstreich besetzten und er damals nicht ausfliegen konnte.

Da niemand Interesse an seiner Arbeit zeigt, wurde keines seiner Fotos, die er bei dieser Reise durch Westafrika machte, damals von einer Zeitung oder Zeitschrift gedruckt.
Auch sonst scheint der junge Fotograf beruflich wenige Aufmerksamkeiten auf sich gezogen zu haben.
So kam es, das Daniel Rodrigues Anfang September arbeitslos wurde und er bis heute keine Anstellung gefunden hat.

Er wird jetzt Anfang März wieder nach Guinea-Bissau reisen.
Erneut will er wieder an einer neuen humanitären Mission im Dorf Dolumbi teilnehmen. Diesmal wird er sich aber nur der Mission widmen und nicht fotografieren.
Nicht das er nicht gerne fotografieren würde – im Gegenteil!
Leider ist ihm dies aber im Augenblick nicht möglich.
Denn, um die laufenden Rechnungen und Ausgaben der letzten Monate zu begleichen, hat er seine Kamera und seine gesamte Fotoausrüstung verkaufen müssen!

Und so kommt es, dass der diesjährige Gewinner des World Press Photos, noch nicht einmal eine Kamera hat um seiner Leidenschaft und seinem Beruf, dem fotografieren, nachzugehen.
Er selbst hofft ja, dass sich jetzt mit dem Gewinn des World Press Photo-Wettbewerbes, sich beruflich etwas für ihn ändert.

Zu wünschen wäre es ihm!

Donnerstag, 14. Februar 2013

Kosmische Grüße von der ISS


Der kanadische Astronaut Chris Austin Hadfield, der schon mit den Raumfähren „Atlantis“ und „Endeavour“ um die Erde geflogen ist, befindet sich derzeit wieder im All.
Zusammen mit seinem us-amerikanischen Kollegen Thomas Marshburn und dem Russen Roman Romanenko bilden die drei die aktuelle Crew der ISS (engl.: International Space Station / dt.: Internationale Raumstation / port.: Estação Espacial Internacional), die 350 km über unser aller Köpfe schwebt.

Hadfield hat ein ausgefallenes Hobby.
Er hat die Angewohnheit die Welt von oben zu fotografieren und dann diese Fotos bei Twitter oder facebook mit seinen Freunden zu teilen.
Am gestrigen Mittwoch, den 13. Februar 2013, ist er wieder einmal seinem Hobby nachgegangen, und hat einige Bilder ins soziale Netz gesetzt.
Unter anderem veröffentlichte er dabei auf Twitter ein Bild, der portugiesischen Hauptstadt bei Nacht.

Das Foto zeigt das hell erleuchtete Lissabon, seine Vororte Estoril, Cascais, Sintra und ein Teil der südlich von der Hauptstadt gelegenen Setubal-Halbinsel (port.: Peninsula de Setúbal), sowie rechts den nicht beleuchteten Tejo und links davon den ebenfalls nicht beleuchteten, dunklen Atlantik.
Deutlich sind auf dem Foto die zwei Tejobrücken, der Monsantopark (port.: Parque de Monsanto), die grüne Lunge der Stadt, und auf der südlichen Tejoseite die Städte Almada, Seixal, Montijo und Barreiro zu sehen.

Der Blick vom Weltall auf unsere Erde ist immer imposant und traumhaft schön!
Astronauten, die von ihrem Weltraumausflug zurückkehren schwärmen noch Jahrzehnte nach ihrem Aufenthalt im All davon.
Umso schöner ist es da, dass Chris Austin Hadfield uns Normalsterbliche an diese einzigartigen Ausblicke teilhaben lässt.

Wer Hadfield auf Twitter verfolgen will: Chris Hadfield @Cmdr_Hadfield

Freitag, 8. Februar 2013

Schleudersitz Premierminister in der Ersten Republik


 
Im vorhergehenden Blogeintrag „Die Fünf-Minuten-Regierung“ vom 02. Februar 2013, erwähne ich die die chaotischen, unstabilen und extremen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die es während der ersten Republik hierzulande gegeben hat.

Vom Ende der Monarchie, am 05. Oktober 1910, bis zum Staatsstreich, am 28. Mai 1926, gab es in 16 Jahren insgesamt 44 republikanische Regierungen (port.: governos repúblicanos), die von 35 verschiedenen Ministerpräsidenten (port.: Presidentes do Ministério) und Juntas geführt wurden.

Als die Republik in Portugal ausgerufen wurde, versprachen die Republikaner dem Volk, unter anderem, Frieden, Fortschritt, Ordnung und Stabilität, aber sie brachten der Nation nur Chaos.
Zwar wurden ein paar wenige Reformen durchgeführt, doch die damals so dringend für das Land erforderliche Agrarreform blieb aus.
Der Parteieinstreit der unter sich gespaltenen Republikaner, revolutionäre Unruhen, Streiks, politische Korruption und die anhaltende Finanzkrise verhinderten damals eine stabile Regierungsbildung.

Die Namen der Männer, die damals auf dem Schleudersitz eines Ministerpräsidenten saßen, und die viele heute, selbst hier in Portugal, noch kaum einer kennt, sind:


Joaquim Teófilo Fernandes Braga (1843 – 1924)
Amtszeit: 05. Oktober 1910 – 03. September 1911
Amtsdauer: 333 Tage

João Pinheiro Chagas (1863 – 1925)
Amtszeit: 03. September – 12. November 1911
Amtsdauer: 70 Tage

Augusto César de Almeida de Vasconcelos Correia (1867 – 1951)
Amtszeit: 12. November 1911 – 16. Juni 1912
Amtsdauer: 217 Tage

Duarte Leite Pereira da Silva (1864 – 1950)
Amtszeit: 16. Juni 1912 bis zum 23. September 1912
Amtsdauer: 99 Tage

Augusto César de Almeida de Vasconcelos Correia (1867- 1951)
Amtszeit: 23. September – 30. September 1912
Amtsdauer: 7 Tage

Duarte Leite Pereira da Silva (1864 – 1950)
Amtszeit: 30. September 1912 – 09. Januar 1913
Amtsdauer: 101 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 09. Januar 1913 – 09. Februar 1914
Amtsdauer: 1 Jahr und 31 Tage

Bernardino Luis Machado Guimarães (1851 – 1944)
Amtszeit: 9. Februar – 12. Dezember 1914
Amtsdauer: 306 Tage

Vítor Hugo de Azevedo Coutinho (1871 – 1955)
Amtszeit: 12. Dezember 1914 – 25. Januar 1915
Amtsdauer: 44 Tage

Joaquim Pimenta de Castro (1846 – 1918)
Amtszeit: 25. Januar – 14. Mai 1915
Amtsdauer: 109 Tage

José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
António Maria da Silva (1872 – 1950)
José de Freitas Ribeiro (1968 – 1929)
Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: Regierten alle gemeinsam in einer Verfassungsjunta vom 14. – 15. Mai 1915
Amtsdauer: 1 Tag

João Pinheiro Chagas (1863 – 1925)
Amtszeit: 15. – 17. Mai 1915
Amtsdauer: 2 Tage

José Ribeiro de Castro (1868 – 1929)
Amtszeit: 17. Mai – 04. September 1915
Amtsdauer: 110 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 04. – 05. September 1915
Amtsdauer: 1 Tag

José Ribeiro de Castro (1868 – 1929)
Amtszeit: 05. September – 29. November 1915
Amtsdauer: 85 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 29. November 1915 – 15. März 1916
Amtsdauer: 107 Tage

António José de Almeida (1866 – 1929)
Amtszeit: 16. März 1916 – 25. April 1917
Amtsdauer: 1 Jahr und 39 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 25. April – 06. Oktober 1917
Amtsdauer: 103 Tage

José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
Amtszeit: 07. bis zum 25. Oktober 1917
Amtsdauer: 18 Tage

Afonso Augusto da Costa (1871 – 1937)
Amtszeit: 25. Oktober – 18. November 1917
Amtsdauer: 24 Tage

José Maria Mendes Ribeiro Norton de Matos (1867 – 1955)
Amtszeit: 18. November – 08. Dezember 1917
Amtsdauer: 21 Tage

António Maria de Azavedo Machado Santos (1875 – 1921)
José Feliciano da Costa Júnior (1884 - 1929)
Sidónio Bernardino Cardoso da Silva Pais (1872 – 1918)
Amtszeit: Regierten alle drei gemeinsam in einer revolutionären Junta vom 08. Dezember – 11. Dezember 1917
Amtsdauer: 3 Tage

Sidónio Bernardino Cardoso da Silva Pais (1872 – 1918)
Amtszeit: 11. Dezember 1917 – 14. Dezember 1918
Amtsdauer: 1 Jahr und 3 Tage

António Egas Moniz (1874 – 1955)
João do Canto e Castro (1862 – 1934)
João Tamagnini Barbosa (1883 – 1948)
Jorge Couceiro da Costa (1858 – 1937)
Álvaro César de Mendonça (1875 – 1959)
João Alberto Azavedo Neves (1877 – 1955)
Alexandre de Vasconcelos e Sá (1872 – 1929)
José Alfredo Mendes de Magalhães (1870 – 1957)
Henrique Forbes Bessa
José João Pinto da Cruz Azevedo (1888 - )
Eduardo Fernandes de Oliveira
Amtszeit: bildeten gemeinsam eine Militärjunta, vom 14. – 15. Dezember 1918
Amtsdauer: 1 Tag

João do Canto e Castro (1862 – 1934)
Amtszeit: 15. – 23. Dezember 1918
Amtsdauer: 8 Tage

João Tamagnini Barbosa (1883 – 1948)
Amtszeit: 23. Dezember 1918 – 27. Januar 1919
Amtsdauer: 35 Tage

José Carlos de Mascarenhas Relvas (1858 – 1929)
Amtszeit: 27. Januar 1919 – 30. März 1919
Amtsdauer: 62 Tage

Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 30. März – 29. Juni 1919
Amtsdauer: 91 Tage

Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Amtszeit: 29. Juni 1919 – 15. Januar 1920
Amtsdauer: 200 Tage

Francisco José de Meneses Fernandes Costa (1857 – 1925)
Amtszeit: regierte am 15. Januar1920
Amtsdauer: nur knappe fünf Minuten

Alfredo Ernesto de Sá Cardoso (1864 – 1950)
Amtszeit: 15. – 21. Januar 1920
Amtsdauer: Regierte nach seiner Wiederernennung noch weitere 6 Tage

Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 21. Januar – 08. März 1920
Amtsdauer: 47 Tage

António Maria Baptista (1866 – 1920)
Amtszeit: 08. März – 06. Juni 1920
Amtsdauer: 90 Tage

José Ramos Preto (1871 – 1949)
Amtszeit: 06. – 26. Juni 1920
Amtsdauer: 20 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 26. Juni – 19. Juli 1920
Amtsdauer: 23 Tage

António Joaquim Granjo (1881 – 1921)
Amtszeit: 19. Juli – 20. November 1920
Amtsdauer: 124 Tage

Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: 20. – 30. November 1920
Amtsdauer: 10 Tage

Liberato Damião Ribeiro Pinto (1880 – 1949)
Amtszeit: 30. November 1920 – 02. März 1921
Amtsdauer: 273 Tage

Bernardino Luis Machado Guimarães (1851 – 1944)
Amtszeit: 02. März – 23. Mai 1921
Amtsdauer: 82 Tage

Tomé José de Barros Queirós (1872 – 1925)
Amtszeit: 23. Mai – 30. August 1921
Amtsdauer: 99 Tage

António Joaquim Granjo (1881 – 1921)
Amtszeit: 30. August – 19. Oktober 1921
Amtsdauer: 50 Tage

António Manuel Maria Coelho (1857 – 1943)
Amtszeit: 19. Oktober – 05. November 1921
Amtsdauer: 17 Tage

Carlos Henrique da Silva Maia Pinto (1866 – 1932)
Amtszeit: 06. November – 16. Dezember 1921
Amtsdauer: 41 Tage

Francisco Pinto da Cunha Leal (1888 – 1970)
Amtszeit: 16. Dezember 1921 – 06. Februar 1922
Amtsdauer: 52 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 06. Februar 1922 – 15. November 1923
Amtsdauer: 1 Jahr und 282 Tage

António Ginestal Machado (1874 – 1940)
Amtszeit: 15. November – 18. Dezember 1923
Amtsdauer: 33 Tage

Álvaro Xavier de Castro (1878 – 1928)
Amtszeit: 18. Dezember 1923 – 06. Juli 1924
Amtsdauer: 201 Tage

Alfredo Rodrigues Gaspar (1865 – 1938)
Amtszeit: 06. Juli – 22. November 1924
Amtsdauer: 139 Tage

José Domingues dos Santos (1885 – 1958)
Amtszeit: 22. November 1924 – 15. Februar 1925
Amtsdauer: 85 Tage

Vitorino Máximo de Carvalho Guimarães (1876 – 1957)
Amtszeit: 15. Februar – 01. Juli 1925
Amtsdauer: 136 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 01. Juli – 01. August 1925
Amtsdauer: 31 Tage

Domingos Leite Pereira (1882 – 1956)
Amtszeit: 01. August – 17. Dezember 1925
Amtsdauer: 138 Tage

António Maria da Silva (1872 – 1950)
Amtszeit: 17. Dezember 1925 – 30. Mai 1926
Amtsdauer: 164 Tage


Am 28. Mai 1926 setzt General Manuel de Oliveira Gomes da Costa mit einem Militäraufstand dem Trauerspiel der Ersten Republik in Portugal ein Ende.
Er löst das Parlament auf und setzt die Verfassung außer Kraft.

Aber kaum ist Portugal von einem Trauerspiel befreit, schon beginnt für das Land ein neues.
Nach mehreren Militärputschen wird António de Oliveira Salazar 1933 Ministerpräsident eines ständisch-autoritären Staates, nach faschistischem Vorbild.
Der „Estado Novo“ (dt.: Neue Staat) wird geboren und sollte bis 1974 überleben!

Samstag, 2. Februar 2013

Die Fünf-Minuten-Regierung



Als am 05. Oktober 1910 ein paar radikale Mitglieder der Republikanischen Partei Portugals (port.: Partido Repúblicano Português) vom Balkon des Lissabonner Rathauses die Republik ausriefen, fand die Monarchie, gezwungener Maßen, in Portugal ihr vorzeitiges Ende.

Anstatt, wie es die Republikaner damals versprochen hatten, Portugal Frieden, Fortschritt, Ordnung und Stabilität zu bringen, brachte die Erste portugiesische Republik (port.: Primeira Republica Portuguêsa), die von 1910 bis zur Gründung der Diktatur des Estado Novo im Jahre 1926, 16 Jahre lang dauerte, dem Land eher eine Menge Chaos, Unstabilität und Extremismus.
Man kann nicht sagen, dass in den ersten Jahren nach der Monarchie, ein politisches Amt in Portugal etwas dauerhaftes oder langlebiges gewesen wäre.
Im Gegenteil, in 16 Jahren brachte es die Erste Republik immerhin auf acht Staatspräsidenten, 20 Staatsstreiche und sage und schreibe 44 Regierungen!

Den traurigen Rekord, was die Kurzlebigkeit einer Regierung angeht, hält hierbei der aus Foz de Arouce, bei Lousã, stammende Rechtsanwalt Francisco José de Meneses Fernandes Costa.
Er stand seiner Regierung als Präsident des Ministerrates (port.: Presidente do Concelho de Ministros), was dem heutigen Titel eines Premierministers gleichkommt, gerade mal fünf Minuten vor!

Fernandes Costa, der von Haus aus Rechtsanwalt war, hatte zuvor schon mehrere politische Ämter bekleidet.
Unter anderem war er von Juni 1912 bis zum Januar 1913 Minister der Marine, ein Amt das er im Jahre 1915 noch einmal für ganze zwei Tage, vom 15. bis zum 17. Mai, innehatte.
Vom März 1916 bis zum April 1917 war er, immerhin für 13 Monate, Bauminister!

Am 14. Januar 1920 berief der damalige Präsident der Republik, António José de Almeida, seinen Parteifreund Fernandes Costa zum neuen Premierminister.
Am nächsten Tag, dem 15. Januar, befand sich Fernandes Costa am Morgen in seinem Büro am Terreiro do Paço, in der Junta do Crédito Público (dt.: Öffentliche Kreditverwaltung), dessen Präsident er war.
Nachdem er von seiner Nominierung erfahren hatte, wartete er auf die Autoeskorte die ihn und einpaar seiner zukünftigen Minister zum Amtssitz des Staatspräsidenten, dem Palacio de Belém, zu ihrer Vereidigung bringen sollte.
Als sie die Autos besteigen wollten, gruppierte sich eine Menschenmenge vor dem Gebäude, die vom militanten Arm des Partido Democrático (port.: Demokratische Partei), die doch eher radikal als demokratisch waren, angestachelt wurden, und den zukünftigen Premierminister tätlich angriffen, bespuckten und mit Steinen bewarfen.
Als die herbeigerufene Sicherheitspolizei GNR (port.: Guarda Nacional Repúblicana = dt.: Republikanische Nationalgarde), die damals unter der Leitung extremer Militärs stand, keine Anstalten machte die zukünftigen Minister zu schützen und der Mob schließlich das Gebäude stürmte, beschloss Fernandes Costa durch den Hinterausgang zu fliehen.

Wie vereinbart fuhr Fernandes Costa nach Belém, zum Amtsitz des Staatspräsidenten.
Dort legte er sein Amtseid vor Präsident António José de Almeida ab.
Doch angesichts der Geschehnisse vom Tag, bat er diesen gleich danach um seinen Rücktritt.
Zwischen Amtseid und Amtsverzicht von Francisco José de Meneses Fernandes Costa sollen an diesem 15. Januar 1920 ganze fünf Minuten gelegen haben!
Fünf Minuten, die als die „Fünf-Minuten-Regierung“ (port.: „Governo dos Cinco Minutos“) in die portugiesischen Geschichtsbücher eingegangen ist.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Die Vierzig Märtyrer von Brasilien


In meinem letzten Blogeintrag „Das Landgut Quinta de Vale do Rosal“, das ich vor wenigen Tagen hier veröffentlicht habe, habe ich im Text von den Vierzig Märtyrer von Brasilien erzählt.
Ich wurde nun gestern gefragt, wer denn diese 40 Märtyrer eigentlich waren, bzw. woher sie kamen.

Nun, leider ist heute, außer den Namen dieser 40 Männer und ihre Herkunft, noch kaum etwas über sie bekannt.
Das hängt damit zusammen, das als die Jesuiten im Jahre 1579 aus Portugal verbannt und viele ihrer Klöster und Kirchen systematisch geplündert und vandalisiert wurden, damals auch viele Archive mit wertvollen Schriften, Notizen und Daten unwiederbringlich zerstört wurden, und somit viele wichtige Aufzeichnungen verloren gingen – auch die über diese vierzig Männer.

Die, die heute als die „40 Märtyrer Brasiliens“ bekannt sind, gehörten einer Gruppe von ca. 70 jungen Männern an, die meisten von ihnen Theologiestudenten, die fast alle zwischen 20 und 30 Jahren alt waren und aus Portugal und Spanien stammten.
Im Januar 1570 trafen sie sich alle in der Quinta de Vale do Rosal, bei Almada, um dort von dem 43jährigen Jesuitenpater Inácio de Azavedo den letzten geistigen Schliff zu erhalten, bevor sie sich gemeinsam auf dem Weg nach Brasilien machten, um dort Indios zu missionieren.
Der Theologe Inácio de Azavedo hatte schon zwischen den Jahren 1565 und 1568 in Brasilien Indios bekehrt und war nun vom Jesuitenorden auserkoren worden, der Leiter der neuen Mission zu sein.
Fünf Monate, bis Ende Mai 1570, blieben die Kirchenmänner in der Quinta de Vale do Rosal, in Charneca da Caparica, wo sie alle körperliche und selige Kraft für ihre zukünftige Aufgabe in Brasilien tankten.

Am 05. Juni 1570 bestiegen sie in Lissabon das Handelsschiff „Santiago“, welches sie nach Brasilien bringen sollte. Insgesamt waren 86 Personen, 70 Jesuiten und 16 Seemänner, an Bord.
Am 12. Juni machten sie ihren ersten Zwischenhalt auf der Insel Madeira, wo sie bis zum Ende des Monates blieben.
Anfang Juli bestieg Pater Inácio de Azavedo mit 39 seiner Gefährten erneut die „Santiago“, um die Weiterfahrt nach Brasilien fortzuführen.

Am Morgen des 15. Juli 1570 wurden sie, wenige Seemeilen vor der Ortschaft Tazacorte, auf der Kanareninsel La Palma, von dem aus Frankreich stammenden hugenottischen Freibeuter Jacques de Soures und seinen Männern überfallen.
De Soures, der den wenig schmeichelhaften Beinamen „L’Ange Exterminateur“ (dt.: „der Würgeengel“) trug, war ein gefürchteter Pirat, der für seine Raubzüge, seine Plünderungen und seine rohe Gewalt berühmtberüchtigt war.

Jacques de Soures war außerdem ein radikaler Calvinist, der für seinen Hass gegenüber der Katholischen Kirche und ihren Kirchenmännern bekannt war.
Als er und seine Mannen die „Santiago“ enterten, war das Schicksal der Jesuiten damals so gut wie besiegelt.

Angesichts der gewaltsamen Behandlung durch die Piraten, soll sich Pater Inácio de Azavedo an seine Glaubensbrüder auf dem Schiff gewandt haben, und der Überlieferung nach, folgende Worte gesagt haben:

 „Irmãos, preparemo-nos todos, porque hoje vamos povoar o Céu.
Ponhamo-nos todos em oração e façamos de conta que esta é a última hora que temos de vida“
(dt.: „Brüder, bereiten wir uns alle vor, noch heute den Himmel zu bevölkern.
Beten wir alle, so als ob dies die letzte Stunde unseres Lebens sei.“)

Jacques de Soures soll ihm daraufhin geantwortet haben:

„Pfaffe, du brauchst nicht so zu tun, als ob dies deine letzte Stunde auf Erden sei. Dein letztes Stündchen hat jetzt und hier wirklich geschlagen!“

Nach diesen Worten soll Soures dem Jesuitenpater gewaltsam auf den Kopf geschlagen, und ihn dann ins kalte Wasser des Atlantiks gestoßen haben, wo dieser schließlich ertrank.

Inácio de Azavedos Gefährten erging es keinesfalls besser – sie wurden alle grausam getötet, entweder erschlagen, erstochen oder ins Meer gestoßen, wo sie letztendlich auch ertranken.
Die Namen dieser Kirchenmänner, die heute unter dem Namen „Vierig Märtyrer Brasiliens“ bekannt sind, waren:

1. Pater Inácio de Azevedo, Pfarrer und Leiter der Mission (geb. 1527 in Porto, Portugal)
2. Pater Diogo de Andrade, Pfarrer (geb. in Pedrógão Grande / Beira Litoral, Portugal)
3. Bruder Aleixo Delgado, Theologiestudent (geb. in Elvas / Alentejo, Portugal)
4. Bruder Alonso de Baena, Kaplan (geb. in Villatobas, Toledo, Spanien)
5. Bruder Álvaro Mendes Borralho, Theologiestudent (geb. in Elvas / Alentejo, Portugal)
6. Bruder André Gonçalves, Theologiestudent (geb. in Viana do Alentejo, Portugal)
7. Bruder Amaro Vaz, Kaplan (geb. in Benviver bei Marco de Canavezes / Douro Litoral, Portugal)
8. Bruder António Correia, Theologiestudent (geb. in Porto, Portugal)
9. Bruder António Fernandes, Kaplan (geb. in Montemor-o-Novo / Alentejo, Portugal)
10. Bruder António Soares, Theologiestudent (geb. in Trancoso / Beira Alta, Portugal)
11. Bruder Bento de Castro, Theologiestudent (geb. In Chacim, bei Macedo de Cavaleiros / Trás-os-Montes, Portugal)
12. Bruder Brás Ribeiro, Kaplan (geb. in Braga / Minho, Portugal)
13. Bruder Diogo Pires Mimoso, Theologiestudent (geb. in Nisa / Alentejo, Portugal)
14. Bruder Domingos Fernandes, Theologiestudent (geb. in Borba / Alentejo, Portugal)
15. Bruder Esteban de Zuraire, Kaplan (geb. in Amescoa, Biskaya, Spanien)
16. Bruder Fernán Sanchez, Theologiestudent (geb. in Castela-a-Velha, Spanien)
17. Bruder Francisco Álvares, Kaplan (geb. in Covilhã / Beira Baixa, Portugal)
18. Bruder Francisco de Magalhães, Theologiestudent (geb. in Alcácer do Sal / Alentejo, Portugal)
19. Bruder Francisco Pérez Godói, Theologiestudent (geb. in Torrijos, Toledo, Spanien)
20. Bruder Gaspar Álvares, Theologiestudent (geb. in Porto, Portugal)
21. Bruder Gonçalo Henriques, Theologiestudent (geb. in Porto, Portugal)
22. Bruder Gregório Escribano, Kaplan (geb. Viguera, Logroño, Spanien)
23. Bruder João Adaucto, Novize (geb. in Entre Douro e Minho, Portugal)
24. Bruder João Fernandes, Theologiestudent (geb. in Braga / Minho, Portugal)
25. Bruder João Fernandes, Theologiestudent (geb. in Lissabon, Portugal)
26. Bruder Juan de Mayorga, Kaplan (geb. in Saint-Jean-Pied-de-Port, ehemals Navarra, heute Frankreich)
27. Bruder Juan de San Martín, Theologiestudent (geb. in Yuncos, Toledo, Spanien)
28. Bruder Juan de Zafra, Kaplan (geb. in Jerez de Badajoz, Spanien)
29. Bruder Luís Correia, Theologiestudent (geb. in Évora / Alentejo, Portugal)
30. Bruder Luís Rodrigues, Theologiestudent (geb. in Évora / Alentejo, Portugal)
31. Bruder Manuel Álvares, Kaplan (geb. in Estremoz / Alentejo, Portugal)
32. Bruder Manuel Fernandes, Theologiestudent (geb. in Celorico da Beira / Beira Alta, Portugal)
33. Bruder Manuel Pacheco, Theologiestudent (geb. in Ceuta, ehemals Portugal, heute Spanien)
34. Bruder Manuel Rodrigues, Theologiestudent (geb. in Alcochete / Ribatejo, Portugal)
35. Bruder Marcos Caldeira, (geb. in Vila da Feira, Portugal)
36. Bruder Nicolau Diniz, Theologiestudent (geb. in Bragança / Trás-os-Montes, Portugal)
37. Bruder Pedro Fontoura, Kaplan (geb. in Chaves / Trás-os-Montes, Portugal)
38. Bruder Pero Nunes, Theologiestudent (geb. in Fronteira / Alentejo, Portugal)
39. Bruder Simão da Costa, Kaplan (geb. in Porto, Portugal)
40. Bruder Simão Lopes, Theologiestudent (geb. in Ourém / Beira Litoral, Portugal)

284 Jahre nach dem Tod dieser vierzig Gottesmänner, sprach Papst Pius IX Inácio de Azavedo und seine Gefährten am 11. Mai 1854 in Rom selig.
Die Katholische Kirche feiert die Märtyrer jedes Jahr am 15. Juli!

Sonntag, 27. Januar 2013

Das Landgut Quinta de Vale do Rosal

Unweit meines Wohnortes, im kleinen Ort Charneca da Caparica, gibt es ein altes, in den letzten Jahren leider etwas heruntergekommenes Landgut, das den Namen „Quinta de Vale do Rosal“ (dt.: Landgut des Tales des Rosenstockes) trägt, und das sehr idyllisch gelegen ist.
Einige, vor allem Brasilianer, kennen das Landgut auch unter seinem zweiten Namen „Quinta dos Quarenta Mártires“ (dt.: Landgut der Vierzig Märtyrer).
Wie die Quinta zu diesem Namen kommt, werde ich etwas später hier im Text erklären.

Als ich gestern Mittag an dem Landgut vorbeifuhr, musste ich traurig feststellen, das der Orkan, der vor genau acht Tagen hier in Portugal heftig gewütet und mancherorts für viele Zerstörungen gesorgt hat, auch die Quinta de Vale do Rosal nicht verschont hat.
Eine riesige Zypresse, die majestätisch an der Toreinfahrt gestanden hatte, ragte nun, umgeknickt, über die Mauer des Landgutes, und ist nun wohl unwiderruflich verloren.
Sicherlich, man findet im Park der Quinta de Vale do Rosal viele schöne und seltene Bäume, aber diese über 300 Jahre alte prächtige Zypresse war wohl eines der schönsten ihrer Art hier in Portugal.

Die Quinta de Vale do Rosal geht auf das Jahr 1559 zurück, als Mitglieder der Gesellschaft Jesu (port.: Companhia de Jesus / lat.: Societas Jesu) hier ein Kloster mit Spital und Kolleg gründeten, den sie das Kloster Unserer Lieben Frau zur Rose (port.: Convento de Nossa Senhora da Rosa) nannten.
Hier pflegten sie Kranke und bildeten später auch ihre Novizen aus, bevor diese nach Indien, China, Japan und Lateinamerika gingen, um dort zu missionieren.

Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten die Jesuiten auf dem Gebiet der Quinta, auf einer Anhöhe die im Volksmund bis heute Monte da Cruz genannt wird, ein Holzkreuz, wo sie oft zum beten zusammenkamen.
Im 19. Jahrhundert wurde dann das hölzerne Kruzifix durch ein Kreuz aus Stein ersetzt.
Dieses Kreuz ist auch heute noch ein wichtiger geistiger Treffpunkt, nicht nur für die Bevölkerung von Charneca da Caparica, sondern auch für viele andere Gläubige aus ganz Portugal und Übersee.

Im Januar 1570 ließ sich der Jesuitenpater Inácio de Azevedo mit 40 jungen Schülern des Ordens für fünf Monate auf der Quinta de Vale do Rosal nieder, und sicherlich haben auch sie dann auch vor besagten Holzkreuz gebetet.
Hier wollten sie körperliche, selige und geistige Kraft tanken, bevor sie sich alle auf dem Weg nach Brasilien machten, wo sie im Süden der damaligen portugiesischen Kolonie die Indios bekehren wollten.
Diese 40 Gottesmänner, die im Juli 1570 alle den Märtyrertod vor den kanarischen Inseln sterben sollten und somit niemals bis nach Brasilien kamen, sind in die Geschichtsbücher als die „Die Vierzig Märtyrer Brasiliens“ (port.: „Os Quarenta Mártires do Brasil“) eingegangen.
Papst Pius IX sprach sie alle, 284 Jahre später, am 11. Mai 1854, in Rom selig.

Als im September 1759 auf Anweisung des Marques de Pombal, seines Amtes Premierminister von König José I, die Jesuiten aus Portugal und seinen Kolonien vertrieben und die ganzen Güter und Besitztümer des Ordens beschlagnahmt wurden, fiel auch, genau 200 Jahre nach ihrer Gründung, die Quinta de Vale do Rosal in den Besitz des portugiesischen Staates.
Erst nach über 120 Jahren, nachdem es den Jesuiten wieder erlaubt war sich in Portugal niederzulassen, wurde die Quinta de Vale do Rosal 1880 dem Jesuitenorden wiedergegeben.
Sie sollte aber nie wieder die geistige und Bedeutung für den Orden erlangen, die sie einmal hatte.

Als am 04. Oktober 1910 in Almada die Republik in Portugal ausgerufen wurde, einen Tag bevor dies in Lissabon geschah, wurde das Landsgut von Revolutionären und Antiklerikalen überfallen, die Kapelle und das Gutshaus in Brand gesetzt und das ganze Anwesen geplündert und mutwillig zerstört.
Die Quinta de Vale do Rosal gelang wieder einmal in den Besitz des portugiesischen Staates.

Vier Jahre nach der Republikgründung stand die Quinta zum Verkauf.
Doch erst zwei Jahre später erwarb der Lissabonner Kaufmann João Carlos die Quinta de Vale do Rosal bei einer öffentlichen Versteigerung.
Am 16. Oktober 1916 unterschrieb er den Kaufvertrag und macht das Anwesen fortan zu seinem neuen Wohnsitz.
Bis zum heutigen Tag ist die Quinta de Vale do Rosal im Besitz der Familie Carlos geblieben.

Viele Portugiesen, auch viele Einwohner von Almada, wissen heute nicht mehr welchen wertvollen geschichtlichen Schatz sich im Umkreis ihrer Stadt befindet.
Aber die Quinta de Vale do Rosal ist nicht völlig vergessen, denn viele Brasilianer besuchen heute noch die Quinta regelmäßig um den 40 Märtyrern, Inácio de Azavedo und seine Begleiter, zu gedenken.

Es ist traurig, aber wahrscheinlich muss erst wohl die Katholische Kirche die 40 Märtyrer heilig sprechen, damit die kulturelle, geistige und geschichtliche Bedeutung dieses Landgutes hier, von den portugiesischen Behörden und der Stadt Almada, endlich richtig gewürdigt wird.

Dienstag, 22. Januar 2013

„Bitte, beeilen sie sich und sterben sie so schnell wie möglich!“


Wie ich heute Abend in den Nachrichten im Fernsehen verfolgen konnte, hat der japanische Finanzminister in der Hauptstadt Tokio, bei einem Treffen des dortigen Rates für die Modernisierung der japanischen Sozialversicherung, einen drastischen Reformvorschlag geäußert.

Der Minister meinte, alte Menschen, die Pflegefälle seien, die künstlich ernährt werden müssten oder auf eine andere Art und Weise dem japanischen Staat zur Last fallen würden, sollten sich doch bitte beeilen und so schnell wie möglich sterben!

Nun, mein japanisch ist leider nicht so gut, als das ich die Äußerungen des Ministers im wortlaut bestätigen oder dementieren könnte.
Aber ich will sowohl der portugiesischen RTP als auch der britischen BBC einmal Glauben schenken, das besagter Minister wohl diese geschmacklosen Worte von sich gegeben hat.

Auch wenn einem auf den ersten Blick die Äußerungen des japanischen Finanzministers grotesk erscheinen, so muss ich leider sagen, das es zwischen dem Land der aufgehenden Sonne und Portugal, meiner Meinung nach, heute gar keinen allzu großen Unterschied zwischen den zwei Nationen gibt, was den respektlosen Umgang mit Senioren angeht.
Nicht, das hiesige Politiker sich schon zu solch unglückseligen Worten hätten hinreißen lassen und ihre Senioren gebeten hätten, so schnell wie möglich zu sterben – aber wahrscheinlich nur, weil es bloß noch keinem von ihnen eingefallen ist…

Der Unterschied zwischen japanischen und portugiesischen Politikern ist der, das in Japan der Minister immerhin alte Menschen öffentlich darum „bittet“, sie mögen alsbald sterben.
Hierzulande dagegen aber, wünscht sich so mancher Politiker im geheimen, er könnte alten, demenzkranken, behinderten und pflegebedürftigen Menschen das gleiche sagen!

So gesehen sind die Japaner ehrlicher…
Was für eine verrückte Welt, in der alte Menschen einfach nichts mehr zählen, wie Dreck behandelt werden und als Last oder Problem angesehen werden!

Zum japanischen Finanzminister, er ist nach meinen Recherchen im Internet immerhin 72 Jahre alt, habe ich nur noch eines zu sagen:

„Bitte, bitte her Minister, tun sie ihrem Volk und der ganzen Menschheit einen Gefallen und sterben sie endlich!“

Sonntag, 20. Januar 2013

„Retrato de un rey sin reino“


Die größte und international bekannteste spanische Tageszeitung „El Pais“ publizierte in ihrer gestrigen Samstagsausgabe ein überaus interessantes Interview mit D. Duarte Pio, den Anwärter auf den portugiesischen Thron.

Das Interview mit dem Duque de Bragança (dt.: Herzog von Braganza), welches unter dem Titel „Retrato de un rey sin reino“ (dt.: Bild eines Königs ohne Königreich / port.: Retrato de um rei sem reino) erschien, führte der renommierte spanische Journalist Antonio Jiménez Barca.

In diesem Zeitungsinterview stellt der Herzog von Braganza seine eigene Meinung zur aktuellen politischen und sozialen Lage Portugals dar.
Er spricht offen über seine Befürchtungen, seine Sorgen und seine Hoffnungen für das Land.

Nach neuesten Umfragen können sich heute knapp 30 % der Portugiesen D. Duarte Pio als König eines Königreiches Portugal gut vorstellen.
Er selber hat nicht die Hoffnung aufgegeben, den Thron, der ihm seit seiner Geburt verwehrt wird, eines Tages doch noch besteigen zu können!

In einer Zeit, in der der größte Teil der portugiesischen Politiker hierzulande, egal welcher Partei sie auch immer angehören mögen, sich immer weiter vom Volk entfernen und immer mehr ihren guten Ruf verlieren, gibt sich der Herzog von Bragança weiterhin als das, was er immer war:
volksnah und ehrlich!
Wahrscheinlich weil man ihm, der er z.B. seit zehn Jahren immer das gleiche Auto fährt und der stets in der Economy Class reist, eher glaubwürdig abnimmt, das er die aktuellen Anstrengungen und Entbehrungen seiner Landsleute versteht.

Wer die spanische / portugiesische Sprache einigermaßen beherrscht, dem empfehle ich einmal das Interview in der online-Ausgabe des „El Pais“ selbst durchzulesen.

Der Link hierzu lautet: http://elpais.com/elpais/2013/01/18/gente/1358534234_042837.html

Immer mehr Portugiesen wollen einen König – und ich bin einer davon!

Dienstag, 8. Januar 2013

Principe Real

In Lissabon, im Stadtteil Mercês, gibt es einen öffentlichen Park und Platz, die beide den Namen Principe Real tragen.
Principe Real heißt, wörtlich ins deutsche übersetzt, „königlicher Prinz“.
Ich bin nun dieser Tage gefragt worden, welcher „königlicher Prinz“ der Namensgeber dieser Orte ist.

Man könnte meinen, da früher alle legitimen Söhne eines Königs oder einer Königin automatisch königliche Prinzen waren, könne wohl jeder mit Principe Real gemeint sein.
Aber in Wahrheit ist nur einer der „königlichen Prinzen“ der Namensgeber dieses wunderschönen Parks und Platzes, Mitten in Lissabon.

Aber zur Namensgebung komme ich etwas später.

Die Gegend, in der sich heute der ca. 1.2 ha große Park befindet, wurde schon Anfang des 15. Jahrhundert unter dem Namen Alto da Cotovia urkundlich erwähnt.
Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein war der Alto da Cotovia eine verwahrloste, heruntergekommene Gegend und nichts weiter als die Müllhalde für den nahe gelegenen Stadtteil Bairro Alto.
Im Jahre 1740 verkaufte die Stadt Lissabon das Land an die Gesellschaft Jesu (port.: Companhia de Jesus), die die Gegend von Müll und Unrat befreiten und an dieser Stelle eine Missionarschule der Jesuiten (port.: Colégio das Missões Jesuitas) errichteten. Wenige Jahre später, beim großen Erdbeben vom 01. November 1755, wurde die Schule aber leider völlig zerstört.

Nach dem Erdbeben brach in Lissabon das Chaos los. Raub, Plünderung und Mord waren in der ganzen Stadt an der Tagesordnung.
Zwar versuchte der Marques de Pombal der immer größer werdenden Gewalt, durch das Stationieren verschiedener Infanterieregimenter aus der portugiesischen Provinz, Einhalt zu gebieten. Aber nur mit der Zeit und mit sehr harter Hand konnte er sich in der Stadt durchsetzen.

Die Gegend am Alto da Cotovia schien unter keinem guten Stern zu stehen.
Das Infanterieregiment von Peniche, das aus dem Norden Portugals hierher verlegt worden war, um für Zucht und Ordnung zu sorgen, hatte hierbei nur geringen Erfolg.
Hinzu kam es, dass mehrere Bauvorhaben am Alto da Cotovia mit der Zeit kläglich scheiterten.
So plante man z.B. dort zunächst den Bau einer neuen Kathedrale (port.: Sé) für Lissabon, die aber niemals über den Rohbau hinausging, da dieser bei einem Brand völlig zerstört wurde. Auch der Bau des Königlichen Zentralschatzamtes (port.: Tesouraria Central do Reino), vergleichbar mit dem heutigen Finanzministerium, wurde hier aus Kostengründen niemals realisiert.
Mit den Jahren verwahrloste die Gegend erneut.
Die Ruinen der niemals erbauten Kathedrale boten zudem vielen zwielichtigen Gestalten, Mördern und Dieben, reichlich Unterschlumpf und viele in der Hauptstadt hielten alsbald den Alto da Cotovia gar für einen verwunschen Ort.

Im Jahre 1850 ging die Lissabonner Stadtverwaltung daran den Alto da Cotovia zu säubern, um hier, auf Wunsch Königin Maria II, einen öffentlichen Park und Platz zu errichten.
Der Park wurde, zur Zeit der Romantik, im englischen Stil erbaut, und die stattlichen Prachtbauten die sich mit der Zeit um den Platz bildeten, machten die Praça do Principe Real alsbald zur feinen Adresse.
Königin Maria II ließ den Park, nach seiner Vollendung im Jahre 1853, nach ihrem Sohn und Thronfolger Pedro benennen.

Wobei wir nun zur Erklärung es Namens kämen:

Der Name, der dem Park einstmals gegeben wurde, ist Jardim do Principe Real.
Principe Real (dt.: „königlicher Prinz“) ist ein Titel, der hier in Portugal nach der konstitutionellen Verfassung von 1822, nur an den ältesten Sohn und Thronfolger des jeweiligen Monarchen verliehen wurde, vergleichbar dem englischen Titel des „Prince of Wales“, der an den jeweiligen ältesten Sohn und Thronfolger des britischen Monarchen verliehen wird.
Alle anderen königlichen Sprösslinge in Portugal waren und sind Infanten von Portugal (port.: Infantes de Portugal).
Da der älteste Sohn von Königin Maria II Infante Pedro war, wurde ihm der Titel des Principe Real zuteil

Infante Pedro hieß mit vollem Namen Pedro de Alcântara Maria Fernando Miguel Rafael Gonzaga Xavier João António Leopoldo Victor Francisco de Assis Júlio Amélio de Saxe-Coburgo-Gotha e Bragança.
Man stelle sich nur vor, Königin Maria II hätte den Park nach dem vollen Taufnamen ihres Sohnes benannt
Da hört sich Jardim do Principe Real doch wesentlich besser an…

Nach dem Principe Real D. Pedro, dem zukünftigen König Pedro V, gab es nur noch drei Männer, die den Titel eines Principe Real trugen.
Diese waren:

- D. Carlos, der spätere König Carlos I

- D. Luis Filipe, Sohn von König Carlos I, der bei einem Attentat im Jahre 1908 mit seinem Vater starb

- D. Afonso, Bruder von König Carlos I, nach der Ermordung seines Bruders Carlos I und seines Neffen Luis Filipe erhielt er den Titel nur provisorisch

Es mag also vier Principes Reais (= Mehrzahl von Principe Real) gegeben haben, aber D. Pedro ist der wahre Namensgeber des Parks und des Platzes.

Nach dem Sturz der Monarchie im Jahre 1910 wurde der Park in Jardim França Borges, einem Journalisten der vornehmlich republikanischen Hetztiraden verfasste, umbenannt und der Platz wurde in Praça do Rio de Janeiro umgetauft.
In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde aus der Praça do Rio de Janeiro wieder die Praça do Principe Real, aber der Park behielt bis heute den Namen Jardim França Borges, obwohl ihn heute kaum ein Lissabonner unter diesem Namen kennt.

Heute ist der Jardim do Principe Real ein mit Wasserbecken, Rabatten, Kiosken und Denkmälern angelegter Park, in dessen Mitte eine uralte, auf Stelzen ruhende und weit ausladende Zeder steht, der zum verweilen einlädt – eine kleine grüne Oase inmitten der hektischen Hauptstadt!

Sonntag, 6. Januar 2013

Confeitaria Nacional



Am Donnerstag traf ich mich, nach der Arbeit, mit meiner Schwester Carla, meinem Schwager Egbert und meinem guten Freund Stefan Stalling in der Lissabonner Baixa, um mit ihnen ein Kaffee trinken zu gehen.
Wir trafen uns in der Confeitaria Nacional, einer der besten, wenn nicht gar die Beste Konditorei Lissabons.

Die Confeitaria Nacional (dt.: Nationale Konditorei) ist die älteste Konditorei Lissabons und seit fünf Generationen in der Hand derselben Familie.
Seit nunmehr 184 Jahren befindet sie sich an gleicher Stelle, an der Südseite der Praça da Figueira, obwohl sie ursprünglich nur aus dem Geschäftsraum bestand, dessen Fenster heute zur Rua da Betesga ausgerichtet sind.
Bereits sechs Jahre nach ihrer Gründung, wurde das Gebäude, das wir heute als Confeitaria Nacional kennen und dessen Front an der Praça da Figueira / Ecke Rua dos Correeiros liegt, käuflich erworben.

Begründer der Confeitaria Nacional war der aus dem nordportugiesischen Städtchen Vila Pouca de Aguiar stammende Geschäftsmann Baltazar Roiz Castanheiro.
Obwohl er nicht sehr viel vom Konditorhandwerk verstand, verstand er doch sehr wohl etwas von guter Geschäfts- und Personalführung, hatte Kreativität, gute Kontakte und war Innovativ.
So verkaufte er z.B. damals als einziger in der portugiesischen Hauptstadt Kuchen, Gebäck und Süßspeisen aus seiner Heimat Trás-os-Montes, die er nach mitgebrachten, gesammelten Originalrezepten nachbacken ließ – Spezialitäten die damals kaum einer in Lissabon kannte, und die sofort bei den Meisten ankam.
Dank seines Fleißes, seiner Zuverlässigkeit und seines schon erwähnten außerordentlichen Geschäftssinnes wurde Baltazar Roiz Castanheiro mit den Jahren einer der angesehensten Bürger Lissabons und 1860 wurde er gar von der Konditoren- und Bäckerinnung der Hauptstadt, der „Irmandade de Nossa Senhora da Oliveira“, zum Innungsmeister ernannt.
1869 überließ er die Confeitaria Nacional seinem Sohn Baltazar junior.
1873, 44 Jahre nach der Gründung seines Lebenswerkes, starb Baltazar Roiz Castanheiro senior als hoch geschätzter und respektierter Geschäftsmann in Lissabon.

Als sein Sohn Baltazar Roiz Castanheiro junior im Jahre 1869 die Geschäfte übernahm, behielt er die Geschäftsphilosophie seines Vaters bei, die da lautete „mit den besten Rohstoffen stets die beste Ware zu produzieren, um diese dann zum besten Preis zu verkaufen“!
Zusätzlich zu den traditionellen Konditor- und Backwaren, die schon sein Vater im Sortiment hatte, fing er auch an feinste Obstliköre und schmackhafte Früchtekompotte nach nordportugiesischer Rezeptur zu vermarkten – und zwar so erfolgreich, das er auf verschiedenen Ausstellungen in Lissabon, Wien, Madrid, Paris und sogar im fernen Philadelphia, in den USA, mit seinen Köstlichkeiten durchweg erste Plätze gewann.
Doch den durchschlagenden Erfolg hatte er zu Weihnachten 1870, als er anfing in seiner Confeitaria Nacional einen Kuchen anzubieten, der in kürzester Zeit die Portugiesen eroberte.

Im Sommer desselben Jahres hatte Baltazar Roiz Castanheiro junior, von einer seiner vielen Reisen durch Frankreich, das Rezept eines Kuchens mitgebracht, der in Frankreich zu Zeiten Ludwig XIV unter dem Namen „Gâteau roi“ (dt.: Königskuchen) bekannt war, aber im republikanischen Frankreich außer Mode gekommen war.
Er brachte nicht nur das Rezept aus Frankreich mit, sondern auch gleich zwei alte französische Konditormeister, und zu Weihnachten 1870 brachte Baltazar junior in der Confeitaria Nacional besagten Kuchen, unter dem Namen „Bolo Rei“ (dt.: Königskuchen), an den Mann.
Seit dieser Zeit gehört der „Bolo Rei“, dessen Originalrezept heute in einem Tresor der Bank von Portugal aufbewahrt wird, hierzulande genauso zu Weihnachten, wie der „Christstollen“ zu Deutschland!

Baltazar Roiz Castanheiro junior gelang es die Confeitaria Nacional, Dank seines innovativen Zeitgeistes, zu einem beliebten Markenzeichen zu machen – so beliebt, das selbst das Königshaus alsbald von dieser Konditorei Kenntnis nahm.
Am 28. Oktober 1873 ernannte König Luis I die Confeitaria Nacional zum Hoflieferanten!

Im Jahre 1913 übernahm der Urenkel des Firmengründers, Rafael Castanheiro Viana, von seinem Großvater Baltazar junior die Konditorei.
Nach ihm übernahm sein Sohn Rui Castanheiro Viana die Geschäfte.
Gemäß dem Motto „Tradition verpflichtet“, führt heute dessen Sohn, Rui Castanheiro Viana junior, das langjährige Familienunternehmen fort.
Wie seine erfolgreichen Vorfahren, so legt auch er großen Wert auf die Einzigartigkeit seiner Konditorei, die Qualität der Produkte und das im eigenen Haus ausgebildete Personal.
Und Senhor Rui freut sich immer, wen man bei ihm auf ein Café und ein Stück Torte vorbeischaut.

Schauen sie doch mal rein!

Montag, 31. Dezember 2012

Guten Rutsch ins neue Jahr 2013!



Ein sehr schwieriges, aufopferungsvolles und für viele leider auch sehr entbehrungsreiches Jahr 2012 geht hier in Portugal nun zu Ende, und ein neues Jahr steht vor der Tür.

Ich möchte allen Freunden und Lesern von „Planet Portugal“ ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2013 mit hoffentlich viel Ruhe, Gelassenheit, Glück, guten Vorsätzen und einer Menge positiver Eindrücke und Erfahrungen wünschen, auch wenn viele ein noch schwierigeres Jahr vorhersagen, als es das jetzt zu Ende gehende 2012 schon war.

Guten Rutsch ins Neue Jahr 2013!


Um muito difícil Ano 2012, para muitos cheio de sacrifícios e privações, chegou aqui em Portugal ao fim, e um Novo Ano bate-nos agora à porta.

Quero desejar a todos os amigos e leitores do „Planet Portugal“ um próspero e saudável Ano 2013, com muito descanso, serenidade, sorte e muitissimas impressções e experiências positivas, apesar de muitos acharem que o ano que aí vem, será mais duro que o actual 2012.

Boas entradas e feliz Ano Novo 2013!

Dienstag, 25. Dezember 2012

Fröhliche Weihnachten, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!



Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs „Planet Portugal“ und Ihren Familien und Freunden frohe und gesegnete Weihnachten, verbunden mit den besten Wünschen für Glückseeligkeit, Erfolg und Liebe.
Mögen alle Eure Erwartungen und Hoffnungen in Erfüllung gehen.
Fröhliche Weihnachten, Frieden auf Erden und den Manschen ein Wohlgefallen!

Ângelo Paulo


Desejo a todos os leitores do meu Blog „Planet Portugal“ e às suas familias e amigos um feliz e santo Natal, repleto de felicidades, êxitos e amor.
Que todas as vossas expectativas e esperanças se tornem realidades.
Feliz Natal e Paz na Terra, aos homens de boa-vontade!

Ângelo Paulo

Montag, 24. Dezember 2012

„Tauziehen um die Heilige Nacht“



Wer heute in der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon am Familiengottesdienst mit Pfarrer Stefan Stalling teilnahm, wurde durch das aufgeführte Krippenspiel, das den Namen „Tauziehen um die Heilige Nacht“ trug, auf das angenehmste überrascht.

Während in den letzten Jahren eigentlich nur Kinder das traditionelle Krippenspiel aufführten, waren dieses Jahr sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen die Hauptakteure der Aufführung.
In einer wunderschönen Interpretation des traditionellen Krippenspiels, machten sich die kleinen und großen Schauspieler daran der Gemeinde vorzutragen, wie es ist, wenn das „Gute“ und das „Böse“, dargestellt in Person des Teufels, um die Geburt Jesu „Tauziehen“, wobei natürlich am Ende das „Gute“ siegt.

Neben dem Krippenspiel, hatte auch die Musik ein großes Gewicht beim diesjährigen Familiengottesdienst.
Zu Anfang sang die Gemeinde mit Carina Lasch Lind das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“.
Weitere Musikstücke die gemeinsam gesunden wurden waren „Alle Jahre wieder“ von Wilhelm Hey, „Kommet, ihr Hirten“ von Carl Riedel und „Seht am Himmel“ von Hans-Jürgen Netz.
Zum Schluss stimmte die ganze Gemeinde mein persönlich liebstes Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“, in einer deutsch-portugiesischen Version, an.

Alles in allem war der diesjährige Familiengottesdienst, der einmal wieder sehr gut besucht war, besonders schön und originell.
Und das Krippenspiel „Tauziehen um die Heilige Nacht“ war zweifellos die Krönung einer gelungenen Aufführung mit Happy End!

Sonntag, 23. Dezember 2012

Wie der Weihnachtsbaum nach Portugal kam



Diese Woche hatte ich während der Mittagspause ein interessantes Gespräch mit meinen Arbeitskolleginnen Lili und Sabine, welches über Weihnachtstraditionen in Portugal handelte.
Sabine, die aus Österreich kommt, und nun dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachten hier in Portugal feiert, fragte mich während des Gesprächs welches denn eigentlich das Weihnachtssymbol in Portugal schlechthin sei.

Ich gab ihr zur Antwort, dass hier in Portugal, genauso wie in ganz Südeuropa, eigentlich immer die Weihnachtskrippe traditionell im Mittelpunkt stand.
Erst im letzten Jahrhundert setzte sich dann der Weihnachtsbaum in den portugiesischen Wohnzimmern gegen die Krippe durch.

Wie es dazu kam?
Nun, ein Deutscher ist dafür verantwortlich!

Es war nämlich Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha-Koháry, der Prinzgemahl von Königin Maria II, der im 19. Jahrhundert den Weihnachtsbaum in Portugal einführte.

In einem Brief an Königin Victoria von England, die mit Albert von Sachsen-Coburg-Gotha verheiratet war, einem Cousin von Ferdinand, beschreibt die portugiesische Königin Maria II, wie ihr Gemahl Ferdinand II (port.: Fernando II) an Weihnachten 1844 ihre sieben Kinder zum ersten Mal mit einem Weihnachtsbaum überraschte.

In einer Radierung aus dem Jahre 1848, die der künstlerisch sehr begabte Fernando II selbst zeichnete, kann man sehen, wie er als Weihnachtsmann verkleidet, mit einem Sack voller Geschenke und mit einer Rute in der Hand, seine Kinder beschert.
Vor ihm, auf einem Tisch, steht ein kerzengeschmückter Weihnachtsbaum, den er zur Überraschung seiner Kinder hatte aufstellen lassen.
Über Fernando II ist bekannt, dass er seine Kinder sehr liebte und er einen ausgesprochenen Familiensinn hatte.
Da ist es nicht mehr als natürlich, das er versuchte, fernab seiner Heimat, deutsche Traditionen und Bräuche in seiner neuen portugiesischen Familie einzubringen.

Abgesehen von ihren Kindern muss auch Königin Maria II von der Tradition des Weihnachtsbaumes sehr angetan gewesen sein, und so wird berichtet, das der Weihnachtsbaum im Königspalast mit den Jahren immer größer wurde.
In einem Hofbericht aus dem Jahre 1851 wird über den Weihnachtsabend 1850 berichtet, das inmitten des Saals des Staatsrates im Palácio das Necessidades, dem damaligen königlichen Palast, am Weihnachtsabend eine riesige beleuchtete Tanne voller Geschenke stand
(port.: „…no meio da sala do Conselho de Estado do Palácio das Necessidades viu-se naquela noite um enorme pinheiro iluminado e cheio de presentes“).

Seit dieser Zeit war der Weihnachtsbaum fester Bestandteil der Weihnachtsfeiern der königlichen Familie.
Aus dem rein religiösen Weihnachtsfest wurde, Dank Fernando II, mit den Jahren ein Familien- und Kinderfest.
König Pedro V und König Luis I führten die Tradition ihres Vaters Fernando II fort und auch König Carlos I übernahm diesen deutschen Weihnachtsbrauch.
Auch außerhalb der königlichen Paläste wurde es mit der Zeit populär, sich zur Weihnachtszeit eine geschmückte Tanne ins Haus zu holen – bis zum heutigen Tag!

Prinzgemahl Fernando II hat mit dem Weihnachtsbaum auch versucht den Adventskranz in Portugal einzuführen, womit er weitaus weniger Erfolg hatte.
Denn während der Baum heute zweifellos zur portugiesischen Weihnacht gehört, ist der Adventskranz leider noch immer den meisten Portugiesen unbekannt.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Viel Glück Cristina, Boa sorte Cristina!



Cristina Nunes ist eine ganz liebe Freundin von mir.
Ich kenne Cristina seit einigen Jahren, um genauer zu sein seit 2004, als sie nämlich in dem Café „Pastelaria Sabores do Tejo“ in Cacilhas eine Anstellung als Bedienung angenommen hat.

Die „Pastelaria Sabores do Tejo“ ist, seitdem ich wieder hier in Portugal lebe, so etwas wie mein zweites Zuhause geworden.
In diesem Café pflege ich fast jeden Tag zu frühstücken und hier esse ich in meiner Freizeit auch manchmal zu Mittag oder zu Abend, hier treffe ich mich oftmals mit Freunden, wenn wir eine Tour durch Lisboa vorhaben und hier lese ich gerne meine Tageszeitung oder schreibe ich, ab und zu, an diesem Blog.
Ich fühle mich in diesem Café einfach nur wohl!

Eines der Gründe weshalb ich mich im „Sabores do Tejo“ so gerne aufhalte ist bis dato sicherlich Cristina gewesen, mit ihrem offenen, netten und charmanten Wesen und ihrer humorvollen und liebenswerten Art.

Ich schreibe hier „gewesen“, denn gestern hat Cristina, nach acht Jahren Betriebszugehörigkeit, der „Pastelaria Sabores do Tejo“ den Rücken gekehrt.
Ihr wurde zwar nicht gekündigt, wie so vielen Arbeitsnehmern im Augenblick hier in Portugal, sondern sie selber hat sich dazu entschlossen zu kündigen, Portugal zu verlassen und ihr Glück im Ausland zu probieren.

Wer Cristina kennt, weiß dass ihr dieser Schritt alles andere als einfach gefallen ist, aber sie musste so etwas wie eine Notbremse ziehen.
Als allein erziehende Mutter hat sie nur den portugiesischen Mindestlohn verdient, hat jeden Tag bis zu 10 Stunden hinter dem Cafétresen gestanden und sechs Tage die Woche gearbeitet.
Hinzu kam noch, dass ihre monatlichen Ausgaben, wie Miete, Strom, Gas, Wasser usw., immer mehr und mehr anstiegen, so dass sie jetzt zum Ende hin von ihrem Gehalt nicht mehr lebte, sondern nur noch überlebte.
Bevor sie anfing Schulden zu machen, entschloss sie sich auszuwandern.
Nicht jeder ist so konsequent!

Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage konnte man ihr momentan im „Sabores do Tejo“, wo man ihre Arbeit sehr wohl schätzte und wo man sie als Mensch und Kollegin sehr liebte, finanziell nicht mehr entgegenkommen.
Und so hat Cristina spontan entschlossen ihr Glück außerhalb ihres geliebten Portugals zu suchen.

Cristina ist heute Morgen nach Deutschland gereist.
Dort wird sie in Mainz schon nächste Woche in einem spanischen Restaurant zu arbeiten anfangen.
Es gibt zwei Gründe warum sich Cristina für Deutschland entschieden hat:
Einerseits hat man ihr eine, für momentane portugiesische Verhältnisse, gut bezahlte Arbeit versprochen und andererseits hat Cristina schon einmal als Kind, als ihre Eltern als Gastarbeiter in Baden-Württemberg gearbeitet haben, in Deutschland gelebt und beherrscht somit die deutsche Sprache fast perfekt.

Über die Jahre hinweg hat mir Cristina immer erzählt, wie gerne sie doch einmal wieder nach Deutschland reisen würde, um dort Urlaub zu machen und um „ihr Schwaben“ wieder zu sehen.
Keiner von uns, erst recht nicht Cristina, hätte sich noch vor einem Monat vorstellen können, dass sie nun schon heute ihren Weg nach Deutschland antreten würde – und das nicht als Touristin sondern als Arbeitnehmerin.

Ob Cristina die richtige Entscheidung für sich und ihre Tochter Sara getroffen hat, wird die Zukunft zeigen.
Aber ich finde es sehr mutig und richtig von ihr, dass sie es noch einmal probieren will.

Viel Glück Cristina!
Boa sorte Cristina!

Sonntag, 9. Dezember 2012

Die Tragödie der Ponte das Barcas




In meinem Blogeintrag „Luisa Todi – die Sängerin aller Jahrhunderte“ vom vergangenen 25. November 2012, erwähne ich die große Tragödie die einstmals Ende März 1809 über die Stadt Porto hereinbrach, als tausende Menschen, bei dem Versuch die Stadt vor französischen Invasionstruppen fluchtartig zu verlassen, im Douro ertranken.

Ich wurde nun diese Woche gefragt wie es damals zu dieser Tragödie kam, bei der so viele Menschen starben.

Der Douro ist, und war schon immer, ein Fluss mit einer sehr starken, reißenden Strömung und vielen Untiefen, dessen Überquerung sehr schwierig war und ist.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es keine Brücken, die beide Ufern des Douro im Großraum Porto miteinander verbanden.
Wollte man daher vor gut 200 Jahren von Porto auf die andere Flussseite, in die Stadt Vila Nova de Gaia, so konnte man dies damals nur mit Hilfe von Booten, Barken oder Flößen bewerkstelligen.

Im Jahre 1806 wurde der Ingenieur und Architekt Carlos Luis Ferreira da Cruz Amarante von der Stadtverwaltung in Porto beauftragt eine Behelfsbrücke zwischen Porto und Vila Nova de Gaia zu errichten, um endlich dem aufkommenden Personenfluss und Handelsverkehr zwischen den zwei Ufern gerecht zu werden.
Carlos Amarante, der Verantwortlich für solche Bauwerke wie die Kirche Bom Jesus do Monte und die Klosterkirche Igreja do Pópulo in Braga, die Kirche Igreja da Trindade in Porto und die Wiedererrichtung der Stadtmauer in der Stadt Valença do Minho ist, machte sich im Frühjahr 1806 an die Arbeit.

Inspiriert von Brückenbauern aus den Niederlanden, und weil die Stadt Porto von ihm einen schnellmöglichen Brückenbau verlangte, entschied er sich aus Zeit- und Geldmangel, die zwei Ufern des Douro zwischen Porto und Vila Nova de Gaia mit 20 schwimmenden Barken (port.: barcas) zu verbinden.
Auf diese Barken, die mit Stahlseilen fest miteinander verbunden waren. wurden dann Holzbretter verlegt, und so war die Brücke in kürzester Zeit erbaut.
Bereits am 15. August 1806, nur wenige Monate nachdem Carlos Amarante den Auftrag zum Bau einer Fußgängerüberquerung über den Douro erhalten hatte, wurde die „Ponte das Barcas“ (dt.: Barkenbrücke) für die Bevölkerung freigegeben.
Die „Ponte das Barcas“ war die erste Brücke dieses Typs in ganz Portugal.

Im Jahre 1809, knapp zweieinhalb Jahre nach dem Brückenbau, überfielen napoleonischen Truppen in der zweiten französischen Invasion Portugal.
Unter General Nicolas Soult überrannten damals Anfang März französische Soldaten, aus Spanien kommend, die portugiesischen Provinzen Trás-os-Montes und Minho und standen alsbald vor der Stadt Porto, um diese einzunehmen.
Als am 29. März 1809 die französischen Truppen die Stadtgrenze von Porto überschritten, flohen tausende Bürger panisch aus der Stadt.
Viele von ihnen versuchen über die aus zusammengeketteten Barken sehr wackelige Brücke „Ponte das Barcas“ zu fliehen.
Als immer mehr Menschen verzweifelt auf die Brücke stürmten und in Richtung Süden nach Vila Nova de Gaia vor den Bajonetten der Franzosen flohen, konnte die Brücke alsbald das immense Gewicht der tausenden Menschen nicht mehr tragen.

Es kam zu einer Katastrophe:
Die Stahlseile, die die 20 Barken zusammenhielten, rissen und die Brücke, die ja aus schwimmenden Barken bestand, machte sich selbstständig.
Von den schätzungsweise über 10.000 Menschen die sich an diesem Tag auf der Brücke befanden, wurden wohl über 4.000 in den Tod gerissen.

Nach der französischen Invasion wurde die „Ponte das Barcas“ wiedererrichtet und erst im Jahre 1843 durch einen richtigen Brückenbau, der Ponte Pênsil, ersetzt.

Wo einstmals die „Ponte das Barcas“ den Fluss überquerte, steht heute, im Stadtteil Ribeira, am Ufer des Douro, ein Relief des Künstlers António Teixeira Lopes, als Mahnmal für die Opfer dieser Katastrophe vom 29. März 1809.
Noch heute legen dort Menschen regelmäßig Blumen nieder und zünden dort Kerzen an, um an die Toten dieses Unglückes, die „Alminhas da Ponte“ (dt.: „Seelen der Brücke“), zu gedenken.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

In memoriam: Oscar Niemeyer



Als ich vor zehn Jahren, aus São Paulo kommend, meinen Anschlussflug nach Frankfurt/Main verpasste, war ich eigentlich dazu verdammt die Nacht in dem Flughafen der brasilianischen Hauptstadt Brasilia zu verbringen.

Wie ich schon sagte, ich war eigentlich dazu verdammt.
Aber wer mich kennt, weiß das ich nicht so ohne weiteres eine Nacht auf einem fremden Flughafen verbringen würde, zumal ich einen erholsamen Urlaub hinter mich hatte und am nächsten Morgen einen langen entspannten Rückflug nach Deutschland vor mir hatte.
Da ich also mehr als ausgeruht war, und ich noch über sieben Stunden bis zur Rückreise hatte, beschloss ich ein Taxi zu nehmen, und nach Brasilia rein zufahren.

Die Fahrt in die Innenstadt Brasilias, in dieser tropisch schwül-heißen Nacht, ist mir bis heute unvergessen im Gedächtnis geblieben.
Vom Taxi aus blickte ich in eine supermoderne Stadt hinaus, deren Monumente, Regierungsgebäude und Kathedrale hell erleuchtet auf einem Hochplateau mitten im Urwald lagen, und die mir damals so futuristisch erschien, wie keine andere Stadt die ich bis dahin gesehen hatte.
Ich war nie wieder in Brasilia, aber diese nächtliche Fahrt durch die brasilianische Hauptstadt habe ich nie wieder vergessen.

Das mir das futuristische Brasilia so einprägsam im Gedächtnis geblieben ist, habe ich zweifelsohne auch einem Mann zu verdanken, der wie kein anderer, für moderne, inspirierende Architektur steht – dem von mir sehr geschätzten Star-Architekten Oscar Niemeyer!

Oscar Niemeyer wurde am 15. Dezember 1907 als Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho in Rio de Janeiro geboren.
Der Sohn eines deutschstämmigen Schriftsetzers, dessen Vorfahre Jakob Konrad von Niemeyer im Jahre 1807 mit der portugiesischen königlichen Familie vor den französischen Truppen Napoleons nach Brasilien floh, gilt als Wegbereiter der modernen brasilianischen Architektur.

In seiner über 70jährigen Karriere – noch mit über 100 Jahren war er angeblich oftmals in seinem Architekturbüro an der Copacabana anzutreffen – realisierte Oscar Niemeyer über 620 Projekte in aller Welt.
Zu diesen gehören nicht nur die von mir hier schon erwähnten weltberühmten Regierungsgebäude und die Kathedrale von Brasilia, sondern auch, unter anderen, das UNO-Hauptgebäude in New York, das Kulturzentrum von Le Havre in Frankreich, das Lateinamerika-Memorial in São Paulo und das Museum für Zeitgenössische Kunst in Niterói, das eher an ein UFO erinnert als an ein Museum.

Auch in Portugal und Deutschland hat Oscar Niemeyer, von dem oftmals gesagt wurde er könne mit seinen geschwungenen Formen Stahlbeton zum schweben bringen, wunderschöne architektonische Meisterwerke hinterlassen.
In Funchal, auf Madeira, entwarf er 1966 das futuristische Casino Park Hotel, ein Hotel das sowohl ein Casino als auch ein berühmtes Kongresszentrum beherbergt.
In Deutschland errichtete er 1957 im Berliner Hansaviertel das imposante Interbau-Wohnhochhaus.

Am gestrigen Mittwoch, dem 05. Dezember 2012, verstarb Oscar Niemeyer, zehn Tage vor seinem 105. Geburtstag, in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro an akutem Nierenversagen.

Der „Spiegel“ schrieb einmal in einer seiner Ausgaben über Oscar Niemeyer den Satz:
„Nie wieder wird die Zukunft so gut aussehen wie mit den Bauten des Brasilianers.“
Nun, ich weiß nicht wie die Zukunft wirklich aussehen wird.
Aber ich bezweifele stark, das es bald wieder jemanden geben wird, der solche Bauwerke voller Phantasie, Kurven und Träume errichten wird wie einstmals Oscar Niemeyer.