Sonntag, 7. Juli 2013
Juan Carlos I zu Besuch in Lissabon
Auch wenn der spanische König Juan Carlos ein gerngesehener Gast hier in Portugal ist, und er mehrmals im Jahr in Lissabon zu Besuchen verweilt, schließlich ist er ja hier in der Lissabonner Umgebung im Exil aufgewachsen, handelt es sich heuer, bei diesem Besuch von dem ich hier im Blog schreiben will, nicht um den Besuch des spanischen Königs, sondern um das nach ihm benannte Flagschiff der spanischen Marine, dem Flugzeugträger (port.: porta-aviôes / esp.: portaaviones) „Juan Carlos I“.
Als ich vorgestern vom Büro nach Hause fuhr, sah ich das am Hafendock des Jardim do Tabaco (port.: Doca do Jardim do Tabaco) ein ganz besonderes Schiff angelegt hatte, nämlich besagter Flugzeugträger „Juan Carlos I“.
Dort wo normalerweise die vielen großen Luxusliner aus aller Welt ankern, wenn sie die Stadt Lissabon besuchen, stand diesmal dieser graue Koloss mit den vielen Flugzeugen und Hubschraubern an Deck.
Da ich weiß, das mein Neffe Nélson ein begeisterter Liebhaber der Luftfahrt ist und ich auch wusste das er noch nie auf einem Flugzeugträger war, beschloss ich heute mit ihm und der ganzen Familie, dieses imposante Schiff, den Stolz der spanischen Marine, zu besuchen.
Als Resümee des Besuches des Flugzeugträgers „Juan Carlos I“, das auch gleichzeitig als amphibisches Kampfschiff eingesetzt werden kann, kann ich nur sagen, das eine Führung durch das Innenleben eines solchen seetüchtigen Flughafens und der Aufenthalt auf dem riesigen Flugdeck, zweifellos sehr interessant und spannend sind.
Laut der spanischen Marine hat der Flugzeugträger „Juan Carlos I“, der am 10. März 2008 von der spanischen Navantia-Werft im galizischen Ferrol vom Stapel gelassen wurde, eine Länge von 236 Metern, eine Breite von 32 Metern und einen Tiefgang von maximal 8 Metern. Das Flugdeck misst 202 Metern.
Mit einer Maschinenleistung von 22.000 kW erreicht das Schiff eine maximale Geschwindigkeit von 21 Knoten, was 39 km/h entspricht.
Die ständige Besatzung ist 243 Mann stark, aber bis zu 1.200 Soldaten können mit dem größten Schiff der spanischen Armada befördert werden.
Nélson und ich, wir haben die Führung auf dem Flugzeugträger „Juan Carlos I“ sehr genossen und ich kann nur jedem empfehlen, der einmal die Möglichkeit hat einem solchen Riesen einen Besuch abzustatten, dies auch unbedingt zu tun.
Er wird es nicht bereuen!
Labels:
Armada,
Ferrol,
Flugdeck,
Flugzeugträger,
Jardim do Tabaco,
Juan Carlos I,
Kampfschiff,
Marine,
Spanien
Dienstag, 2. Juli 2013
Wenn einem Premierminister die Kabinettsmitglieder davonlaufen
Erst gestern habe ich hier in meinem Blog vom Rücktritt des portugiesischen Finanzministers, Vitor Gaspar, geschrieben und dabei erwähnt, das die Nachricht von seinem Rücktritt bei vielen Bürgern, mich eingeschlossen, wie eine Bombe eingeschlagen hat.
Nun, anscheinend werden wir uns wohl hier in Portugal in nächster Zeit an solche „Bombeneinschläge“ im übertragenden Sinn gewöhnen müssen, denn heute ist erneut eine solche Bombe hochgegangen.
Außenminister Paulo Portas hat heute seinen Stuhl im Palácio das Necessidades, dem Außenministerium (port.: Ministério dos Negócios Estrangeiros) hier in Lissabon, geräumt.
Mit dieser Amtsniederlegung befindet sich Portugal nun endgültig in einer Regierungskrise, auch wenn Premierminister Pedro Passos Coelho das anscheinend ignoriert.
Paulo Portas, Vorsitzender der rechtskonservativen Partei CDS-PP (port.: Centro Democrático e Social – Parido Popular / de.: Sozialdemokratisches Zentrum – Volkspartei), dem wichtigen Koalitionspartner von Premierminister Passos Coelho, hat seinen Rücktritt damit begründet, das er die Wahl seines Chefs, die ehemalige Staatssekretärin Maria Luis Albuquerque als neue Finanzministerin zu ernennen, nicht mittragen kann und will.
Unklar ist jetzt, ob der Abgang von Paulo Portas bedeutet, dass die Koalitionsregierung von Premierminister Passos Coelho nun zu Ende ist oder nicht.
Gestern der Rücktritt des Finanzministers, heute der Rücktritt des Außenministers und morgen?
Wie lange wird Premierminister Pedro Passos Coelho noch im Amt bleiben?
Eines ist sicher: ohne die Stimmen der Rechtskonservativen hat die Regierung keine Mehrheit im Parlament – und das kann selbst Premierminister Passos Coelho mit der Zeit nicht ignorieren!
Montag, 1. Juli 2013
Ein längst fälliger Rücktritt
Die heutigen Abendnachrichten haben für mich, genauso wohl wie für jeden Portugiesen der während des Tages keine Nachrichten auf dem PC, im Radio oder im Fernsehen verfolgen konnte, eingeschlagen wie eine Bombe!
Der portugiesische Finanzminister Vitor Gaspar hat heute, nach langem hin und her, seinen Hut genommen und bei Premierminister Pedro Passos Coelho seinen Rücktritt eingereicht.
Vitor Gaspar, offiziell nach dem Premierminister der zweitwichtigste Mann der Regierungskoalition, aber faktisch der Minister mit der höchsten Macht in der Regierung, war in der portugiesischen Bevölkerung der meistgehassteste Politiker des Landes.
Dabei ist Gaspar gar kein Politiker!
Er hatte keinerlei politische Erfahrung bevor er das Amt des Finanzministers vor zwei Jahren übernahm.
Vitor Gaspar ist von Haus aus Ökonom, sogar ein recht guter.
Sein größter Fehler aber war es in den letzten zwei Jahren, nicht zu begreifen, dass man eine Nation und seine Bürger niemals wie ein marodes Unternehmen führen kann!
Seine strikten Sparmaßnahmen sorgten bei der portugiesischen Bevölkerung für immer mehr Unmut. Das ging soweit, dass am vergangenen Donnerstag der vierte Generalstreik, in zwei Jahren, das Land praktisch lahm legte und sich sogar, erstmals in der portugiesischen Streikgeschichte, die Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern solidarisierten.
Diese Tatsache wird auch der Hauptgrund dafür gewesen sein, weshalb Vitor Gaspar heute von seinem Amt zurückgetreten ist – ein längst fälliger Rücktritt!
Er hat wohl gespürt, dass der öffentliche Druck immer größer wird, und gemerkt dass er an einem Punkt angelangt ist, wo ihn keiner mehr haben will!
Seine Nachfolge im Finanzministerium (port.: Ministério das Finanças) wird ab morgen die Staatssekretärin im Finanzministerium, Maria Luis Albuquerque, antreten.
Sie wird keine leichte Aufgabe übernehmen, denn, so Premierminister Passos Coelho, sie soll auf alle Fälle die Sparpolitik von Vitor Gaspar fortsetzen.
Maria Luis Albuquerque war bis jetzt für die Privatisierung zahlreicher Staatsunternehmen und für die Ausgabe von Staatsanleihen zuständig.
Da ihre bisherige Arbeit aber von verschiedenen Politikern der Opposition und sogar von einigen Ministern der Koalitionsregierung stark kritisiert wird, werden wohl auch zukünftig weitere Konflikte mit dem Finanzministerium nicht zu vermeiden sein.
Aber vielleicht gelingt es ja Maria Luis Albuquerque, im Umgang mit dem politischen Gegner, den Wirtschaftsführern, den Gewerkschaften und den Bürgern, mehr auf Konsens statt auf Konfrontation zu setzen!
Es wäre für die ganze Nation wünschenswert!
Samstag, 29. Juni 2013
Verkehrschaos in der Baixa
Ich war heute in der Baixa unterwegs.
In der Baixa, der pombalinischen Unterstadt, schlägt das Herz Lissabons.
Sie ist laut, geschäftig, unruhig und heutzutage voll und ganz auf Touristen eingestellt.
Architektonisch streng, kühl und fast monoton und sparsam wirkend, ist dieses Lissabonner Viertel ganz vom Geist der Aufklärung geprägt.
Die Baixa, so wie wir sie heute kennen, geht im Wesentlichen auf die Zeit des Wiederaufbaus nach dem großen Erdbeben vom 01. November 1755 zurück.
Damals wies Premierminister Marques de Pombal, im Auftrag von König José I, die drei Architekten und Ingeneure Manuel da Maia, Eugénio dos Santos e Carvalho und Carlos Mardel an, dieses durch das Erdbeben völlig zerstörte Stadtteil neu zu errichten.
Die drei Stadtbauer ersetzten das ehemalige mittelalterliche Straßengewirr durch ein rhythmisch gegliedertes und kerzengerades Straßensystem in Rechtecken, das heute als „Schachbrettmuster“ bezeichnet wird.
Als die Baixa damals, im 18. Jahrhundert, gebaut wurde, meinten viele Kritiker von Premierminister Pombal, die neuen Straßen wären übertrieben breit und lang.
Heute weiß man, die Stadtplaner da Maia, dos Santos und Mardel, hätten sie ruhig ein bisschen breiter und länger bauen können, denn die Baixa ist dem heutigen dichten und hektischen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen.
Und weil der Verkehr generell so chaotisch ist, kann ich es nicht verstehen, warum die Stadt Lissabon heuer zum zweiten Mal hier, Mitten in der Altstadt, in Zusammenarbeit mit einem großen portugiesischen Einzelhandelsunternehmen, eine landwirtschaftliche Ausstellung, verbunden mit einem Mega-Picknick für die Bevölkerung und einem anschließenden Konzert des portugiesischen Schnulzensängers Tony Carreira veranstaltet.
Missverstehen wir uns nicht falsch:
Ich bin nicht gegen solche Events, zumal wenn sie gesponsert werden und dem portugiesischen Steuerzahler offiziell finanziell nichts kosten. Aber sie kosten den Portugiesen, die sich beruflich oder privat in dieser Gegend aufhalten müssen, unheimlich viel Zeit und Nerven!
Die wichtigsten Straßen um die Praça do Comércio, dem zentralen Platz der Baixa wo die ganze Veranstaltung am heutigen Samstag stattfindet, ist für den Verkehr gesperrt, d.h. man muss heute große Umwege durch die Innenstadt in Kauf nehmen, um von A nach B zu kommen.
Natürlich kann man, wenn man vorgewarnt ist, dieses an sich schon sehr kritische Verkehrsnadelör, umfahren, aber wenn man erst einmal im Stau steckt, kommt man auch nicht so leicht wieder raus.
Ich habe heute für eine Strecke von noch nicht einmal zwei Kilometern knappe zwei Stunden gebracht!
Da kann einem wirklich das ganze Wochenende vermiest werden.
Wie ich schon erwähnte, habe ich keinerlei Probleme mit solchen Großveranstaltungen in der Stadt. Nur bin ich der Meinung, Lissabon hat wahrlich mehr als genug adäquate Plätze und Orte um diese abzuhalten.
Es ist nicht das erste Mal, das die Stadt Lissabon einfach mal so beschließt wegen irgendwelchen Veranstaltungen ganze Straßenzüge und Plätze in der Altstadt zu sperren, so das der normale Bürger, der in hier lebt und arbeitet, einfach gezwungen wird dies hinzunehmen.
Ich bin wirklich nicht kleinlich und wer mich kennt weiß das ich auch keine Spaßbremse bin, aber wenn eine Stadt nicht die nötigen Gegebenheiten hat um solche Veranstaltungen ordentlich zu realisieren, dann sollte sie auch, zum Wohle ihrer Bürger, diese besser planen oder ganz auf sie verzichten!
Donnerstag, 27. Juni 2013
Rien ne va plus
Rien ne va plus (dt.: Nichts geht mehr) sagte eine französische Kollegin von mir, als sie heute Morgen verspätet im Büro auftauchte.
Über drei Stunden hat sie gebraucht um zur Arbeit zu kommen, denn ein Generalstreik hat heute das ganze Land praktisch lahm gelegt.
Dank meiner Arbeitskolleginnen Sandra und Lili, die heute meine Mitfahrgelegenheiten gespielt haben, blieb mir diese Streiktortur erspart und ich schaffte es heute pünktlich an meinen Schreibtisch!
Die portugiesische Staatsbahn CP, die U-Bahnen von Lissabon und Porto, die Fährschiffgesellschaften, die sonst Lissabon mit der Halbinsel von Setúbal verbinden und die meisten Busunternehmen sind dem Aufruf der beiden großen Gewerkschaften CGTP (port.: Confederação Geral de Trabalhadores Portugueses / dt.: Portugiesischer Nationaler Gewerkschaftsbund) und UGT (port.: União Geral de Trabalhadores / de.: Allgemeine Arbeitervereinigung) gefolgt und haben die Arbeit heute für 24 Stunden niedergelegt.
Auch auf den nationalen Flughäfen ging heute so gut wie gar nichts mehr, und so mussten viele Flüge heute ausfallen oder hatten große Verspätungen.
Aber nicht nur die Arbeiter der nationalen Verkehrsbetriebe legten heute zum größten Teil ihre Arbeit nieder, sondern auch viele öffentliche und private Behörden, Ämter, Krankenhäuser, Schulen, usw. wurden landesweit bestreikt.
So war der Chaos, hauptsächlich hier in der Hauptstadt, vorprogrammiert!
Es war heute das vierte Mal in zwei Jahren das sich das Land zu einem Generalstreik
Entschieden hat und das öffentliche Leben praktisch geruht hat.
Viele die heute auf die Straße gegangen sind, wären lieber sicherlich arbeiten gegangen oder hätten den sonnigen Tag, mit Temperaturen von bis zu 36°C, lieber am Strand verbracht.
Aber leider ist es so, dass die meisten, die an diesem Streik heute teilgenommen haben, gar keine Arbeit haben!
Die Arbeitslosenquote ist hier in Portugal diesen Monat auf das Rekordniveau von 18% gestiegen und bei den Jugendlichen liegt sie sogar bei unglaublichen 40%!
Das hat mit zur Folge, das die Nation, trotz aller Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen der Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho , auf das dritte Rezessionsjahr zusteuert.
Der heutige Generalstreik mag, wie auch die vorangegangenen Streiks, wirtschaftlich nicht viel bringen, aber er ist sehr wohl ein Ausdruck der wachsenden politischen Notlage in der sich diese Nation augenblicklich befindet.
Und das weiß Premierminister Passos Coelho sehr wohl, genauso wie er weiß das er ohne die Zustimmung der breiten Öffentlichkeit in ferner Zukunft niemals seine geplanten Steuerreformen durchsetzen wird können.
Rien ne va plus!
Sonntag, 23. Juni 2013
Einladung zum Sommerfest 2013 der DEKL
Heute in einer Woche, am Sonntag den 30. Juni 2013, findet in der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon (port.: Igreja Evangélica Alemã de Lisboa), das traditionelle Sommerfest statt.
In Verbundenheit mit der Deutschen Katholischen Kirchengemeinde in Lissabon wird an diesem Tag in der Evangelischen Kirche, in der Avenida Columbano Bordalo Pinheiro n°48, ein ökumenischer Familiengottesdienst stattfinden.
Nach dem Gottesdienst findet dann im schönen Kirchgarten, wie jedes Jahr, ein fröhliches Grillgartenfest statt, mit viel gutem Essen, kühlen Getränken, verschiedenen Spielen für die Kinder und mit der musikalischen Unterstützung der Band „De Prinze“, die schon die vorhergehenden zwei Sommerfeste animiert haben.
Pfarrer Stefan Stalling und Pfarrerin Anke Stalling laden alle die an diesem Tag Lust und Laune haben herzlich in die Evangelische Kirche an der Praça de Espanha ein.
Sollte der Eine oder der Andere noch etwas zum kalten Buffet beisteuern wollen, so tue er sich keinen Zwang an…
Samstag, 22. Juni 2013
Coimbras Universität ist Weltkulturerbe
Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, UNESCO, (port.: Organização das Nações Unidas para a Educação, a Ciência e a Cultura) hat heute auf ihrer 37. Jahresversammlung im kambodschanischen Phnom Penh die portugiesische Universität Coimbra als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) anerkannt.
15 Jahre lang hat die Universitätsstadt Coimbra (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Die Universität von Coimbra, vom 18. Januar 2012) darum gekämpft, dass ihre Universität auf die Liste des Weltkulturerbes der Menschheit gesetzt wird.
Heute, nach vielen Höhen und Tiefen entschied sich das Welterbekomitee nun einstimmig die Aufnahme der ältesten und renommiertesten Lehranstalt Portugals zu vollziehen.
Die Bürger von Coimbra (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Coimbra“, vom 28. Januar 2012), einer der schönsten und traditionsreichsten Städte des Landes, und natürlich ihre Studenten – jeder fünfte Einwohner von Coimbra ist ein Student – haben diese Nachrichte aus dem fernen Kambodscha heute mit einer riesigen Freude aufgenommen, wohl wissend das solch eine hohe Auszeichnung immer zu großer Verantwortung und Respekt verpflichtet.
Einige Denkmalpfleger der UNESCO hatten ernste Bedenken die Universität auf die Liste zu setzen, da im Moment in ihrer Nähe neue, moderne Gebäude errichtet werden.
Nachdem aber die portugiesische Bewerbungsdelegation dem Welterbekomitee versichert hat, das diese neuen Bauten den visuellen und atmosphärischen Eindruck des Gesamtbildes der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Universität nicht beeinträchtigen werden, hat die UNESCO schließlich eingelenkt.
Zum Weltkulturerbe gehören ab heute nicht nur das Universitätsgelände auf dem höchsten Punkt der Stadt, die über 30 Universitätsgebäude und Fakultäten, sondern auch die vielen studentischen Traditionen und die Rua da Sofia, mit ihren zahlreichen Studentenkneipen und Studentenwohngemeinschaften, die „Repúblicas“ genannt werden.
Der heutige Tag ist zweifelsohne ein großer Tag für die Universität und ihre Studenten, für die Stadt Coimbra, für Portugal und für die portugiesische Kultur und Sprache auf der ganzen Welt!
Mittwoch, 19. Juni 2013
Betriebsausflug mit dem Bus der Linie 728
In Lissabon gibt es zwei große Tourismusbusunternehmen, die Besuchern Lissabons praktische Rundreisen durch die Stadt anbieten. Es sind dies die gelben Doppeldeckerbusse von „Yellow Buses“ und die roten Doppeldecker von „City Sightseeing Portugal“.
Beide Busunternehmen durchfahren zwar die Hauptstadt von Nord nach Süd, und von Ost nach West, immer an den wichtigsten touristischen Punkten entlang, aber man muss den stolzen Preis von etwa 20 Euro berappen, will man solch eine Rundfahrt mitmachen.
Da Lissabon ein sehr gutes öffentliches Nahverkehrsnetz hat, ausgenommen natürlich an den in letzter Zeit immer häufiger stattfindenden Streiks, ist eigentlich jeder Punkt mit den normalen Bussen, Bahnen, der Metro und den Fähren leicht zu erreichen.
Da eine Fahrt mit den Öffentlichen im Durchschnitt 1,80 Euro kostet, schlage ich meinen Freunden und Bekannten aus Deutschland oftmals vor, wenn sie hier in Lissabon zu Besuch sind, die Stadt mit öffentlichen Verkehrsmittel zu erkunden, schließlich ist dies um einiges billiger als mit den schon erwähnten Touri-Bussen und zweifelsohne genauso sehenswert.
Als nun diese Woche meine Arbeitskollegen Melanie aus Berlin hier in Lissabon zu Besuch war, habe ich sie, in Begleitung anderer Arbeitskollegen aus unserem Büro, auf so eine Reise mit einem Bus der Lissabonner Verkehrsbetriebe Carris, mitgenommen.
Wir sind mit dem Bus der Linie 728, der die Strecke Portela – Restelo bedient, vom Oceanario (dt.: Ozeanarium) bis nach Belém gefahren.
Für einen Lissabonner, der diese Strecke tagtäglich fahren muss, mag diese Busverbindung nichts weiter als eine alltägliche Fahrt zum Arbeitsplatz sein, aber ein Tourist oder ein Besucher der Stadt mag es kaum glauben, wie viele Sehenswürdigkeiten man alleine auf dieser Stecke zu sehen bekommt.
Hier ein kleiner Auszug von einigen Sehenswürdigkeiten, die man sich vom Bus der Linie 728 bequem während der Fahrt anschauen kann:
- Museu da Ciência e Tecnologia (dt.: Wissenschafts- und Technologiemuseum)
- Antiga Fábrica do Gás de Portugal (dt.: ehemalige Gasfabrik)
- Praça 25 de Abril (dt.: Platz des 25. April)
- Poço do Bispo (alter Stadtteil von Lissabon)
- Palácio da Mitra (dt.: Bischöfliches Palais)
- Convento de São Francisco de Xabregas (dt.: Kloster Sankt Franziskus im Stadtteil Xabregas)
- Manutenção Militar (dt.: Militärische Wartungshallen)
- Doca de Xabregas (dt.: Wasserdock von Xabregas)
- Convento da Madre de Deus (dt.: Kloster der Mutter Gottes – Kachelmuseum)
- Fábrica Nacional (dt.: große Nudel- und Teigwarenfabrik Nacional)
- Tipografia Antiga (dt.: Alte Druckerei)
- Estação de Santa Apolonia (dt.: Bahnhof von Santa Apolonia)
- Museu Militar (dt.: Militärmuseum)
- Bairro São Vicente de Fora (dt.: alter Stadtteil von Lissabon)
- Igreja de São Vicente de Fora (dt.: Sankt Vinzenzkirche)
- Panteão Nacional (dt.: Nationaler Pantheon)
- Casa do Conto (dt.: Münzhaus)
- Alfândega (dt.: Zollhaus)
- Alfama (dt.: alter Stadtteil von Lissabon)
- Sé Patriarcal (dt.: Kathedrale)
- Casa dos Bicos (dt.: Haus der Spitzen)
- Ministerio das Finanças (dt. Finanzministerium)
- Praça do Cemercio (dt.: Handelsplatz)
- Praça do Municipio (dt.: Rathausplatz)
- Arsenal da Marinha (dt.: Marinearsenal)
- Cais do Sodré (alter Stadtteil von Lissabon)
- Praça da Ribeira (dt.: die Markthalle von Ribeira)
- Santos (alter Stadtteil von Lissabon)
- Museu de Arte Antiga (dt.: Museum für alte Kunst)
- Alcântara ( alter Stadtteil von Lissabon)
- Hospital Égas Moniz (dt.: Krankenhaus Égas Moniz)
- Antiga Cordoaria Nacional (dt.: alte Nationale Seilfabrik)
- Museu dos Coches (dt.: Kutschenmuseum)
- Praça do Vice-Rei da India Afronso de Albuquerque (dt. Platz des Vizekönigs von Indien Afonso de Albuquerque)
- Palácio de Belém (dt.: Palast von Belém)
- Mosteiro dos Jerónimos (dt.: Hieronymuskloster)
- Praça do Império (dt.: Imperiumplatz)
- Monumento dos Descobrimentos (dt.: Denkmal der Entdeckungen)
In Belém angekommen, bin ich dann mit Melanie, Sandra, Ana Rita, Sabine, Tanja und Miguel in der alten Konditorei „Casa dos Pasteis de Belém“ eingekehrt, in dem die original Pasteis de Belém hergestellt werden.
Die Pasteis de Belém sind kleine Törtchen aus Blätterteig, die mit einer geheimen Creme aus Sahne (port.: natas), Eigelb und Zucker, hergestellt werden, und weit über die Grenzen Portugals hinaus wegen ihres deliziöesn Geschmacks berühmt sind.
Wir haben diesen gemeinsamen „Betriebsausflug“ sehr genossen und uns vorgenommen, bei Gelegenheit wieder solch eine „Rundreise“ zu unternehmen.
Dazu mehr demnächst hier in diesem Blog!
Labels:
728,
Ana Rita,
Belém,
City Sightseeing Portugal,
Melanie,
Miguel Lopes,
Pasteis de Belém,
Rundreise,
Sabine,
Sandra,
Tanja,
Yellow Bus
Samstag, 15. Juni 2013
Wenn Aufzüge sich in Schale werfen
Der Juni ist hier in Portugal traditionell als „Mês dos Santos Populares“ (dt.: „Monat der Volksheiligen“) oder als „Mês das Festas Populares“ (dt.: „Monat der Volksfeste“) bekannt.
Auch hier in Lissabon ist der Juni der Monat an dem den drei katholischen Heiligen Antónius (port.: Santo António), Johannes (São João) und Peter (São Pedro) gedacht wird.
Jeder dieser drei, beim Volk sehr beliebten Heiligen, daher auch die Bezeichnung „Volksheiligen“, hat im Monat Juni seinen Feiertag:
Santo António am 13. Juni,
São João am 24. Juni und
São Pedro am 29. Juni.
Und wie es sich für eine Stadt gehört, die in Feierlaune ist, ist Lissabon dann immer traditionsgemäß festlich geschmückt und die Stimmung generell sehr fröhlich.
Auch dieses Jahr hat sich Lissabon wieder herausgeputzt und vor allem die Stadtteile Alfama, Mouraria und Santa Catarina sind, trotz knapper Stadtkasse, mit sehr schönen und bunten Girlanden und Ballons geschmückt worden.
Auch die charakteristischen Lissabonner Standseilbahnaufzüge (port.: elevadores oder ascensores) haben sich dieses Jahr in Schale geworfen.
Der Elevador da Glória, der die Stadtteile Baixa und Bairro Alto verbindet, der Elevador do Lavra, im Stadtteil São José und der Elevador da Bica, im gleichnamigen Stadtteil Bica, haben ihre übliche knallgelbe Farbe verändert, und haben nun, für einen ganzen Monat, ein bunteres Outfit bekommen.
Zu diesem neuen Aussehen kam es, weil die Lissabonner Stadtverwaltung vor kurzem in einem Wettbewerb die junge Architektin Mariana Cidade, ausgewählt hat, die beliebten Aufzüge anlässlich des diesjährigen Stadtfestes, umzugestalten.
Mariana Cidade, die 26 Jahre alt ist und aus der Kleinstadt Luso in Mittelportugal stammt, ist eine Liebhaberin des portugiesischen Kachelschmuckes (port.: azulejos) und der weiß-schwarzen Bürgersteige des Landes (port.: calçada portuguesa), und diese Liebe hat sie nun in origineller Art und Weise in die Verkleidung der Aufzüge gesteckt.
Sie hat jedes einzelne dieser über 125 Jahre alten Lissabonner Ikonen mit einer Folie aus Vinyl ummantelt, die verschiedene typische Azulejo- und Bürgersteigmuster zeigen.
So ist jeder Elevador für die nächsten Wochen einzigartig dekoriert!
Die Aufzüge können in ihrer farbenfrohen Aufmachung noch bis zum Ende dieses Monats, dem 30 Juni, besichtigt und natürlich auch benutzt werden.
Danach werden sie, man muss schon beinahe sagen leider, wieder in ihrer gelben Farbe zu sehen sein.
Mittwoch, 12. Juni 2013
Schönes Antoniusfest 2013
Na noite de Santo António
Há alegria no ár
A sardinhada soube muito bem
Só faltou a gente dançar!
Miguel, Ângelo und Nadja in der Sankt Antoniusnacht (port.: noite de Santo António) im Restaurant „Sabores do Tejo“ in Cacilhas.
Die Sankt Antoniusnacht ist der Abend vor dem Lissabonner Stadtfest, dem Sankt Antoniustag, der traditionell in der Stadt am 13. Juni gefeiert wird.
Jedes Jahr wird in dieser Nacht mit guter Musik, farbenprächtigen Umzügen (port.: marchas) und viel gutem Essen und Trinken dem Heiligen Antonius, einem Sohn der Stadt, gedacht und gefeiert.
Ich wünsche allen ein wunderschönes Sankt Antoniusfest 2013 (port.: Festas de Santo António)!
Freitag, 7. Juni 2013
Miradouro da Senhora do Monte
Hügelstädte sind immer unordentliche Städte.
Sie sind unbequem, sie zerfallen in Quartiere und nie kann man sie an einem Zug durchwandern.
Auch Lissabon ist solch eine unordentliche Stadt, die von Hügeln gekrönt wird!
Einer dieser Hügel ist der Hügel von Graça (port.: Colina da Graça), der vom Miradouro da Senhora do Monte (dt.: Aussichtspunkt Unserer Lieben Frau auf dem Berg) gekrönt wird.
Zweifellos hat man von diesem atemberaubenden Aussichtspunkt den, meiner Meinung nach, schönsten Panoramablick über Lissabon, von der Georgsburg (port.: Castelo de São Jorge) hinüber zur Baixa und den Tejo.
Seinen Namen verdankt der Miradouro da Senhora do Monte einer alten Kapelle, die an diesem Ort steht.
Die ursprüngliche Kapelle geht auf den Bau eines kleinen Gotteshauses, der bereits im Jahre 1147, gleich nach der Eroberung von Lissabon durch die Portugiesen von den arabischen Mauren, zurückgeht.
Sie wurde damals dem katholischen Heiligen Sankt Genesius gewidmet.
Dieser Sankt Genesius, den die Portugiesen São Gens nennen, war der erste Erzbischof Lissabons, und predigte bereits zu Zeiten der Römer das Wort Gottes in der Stadt am Tejo.
Die ursprüngliche Kapelle stand einstmals, vom Mittelalter bis zum großen Erdbeben von 01. November 1755, etwa 130 Meter weiter südlicher als die heutige Kapelle gleichen Namens.
Die Capela da Senhora do Monte, so wie wir sie heute kennen, wurde im Jahre 1796 von Augustinermönchen neu erbaut.
Sie ist sehr klein, und sie ist heute nur sehr sporadisch zu Gottesdienstzeiten geöffnet.
Obwohl sie, im vergleich zu anderen Lissabonner Gotteshäusern, winzig ist, verbirgt sie in ihrem Inneren einen sehr ausgefallenen „Kirchenschatz“.
Unmittelbar gleich nach dem Eingang der Kapelle, auf der rechten Seite, fällt dem Besucher eine dunkele Holztür auf.
Hinter dieser Holztür befindet sich ein Stuhl, der aus einem einzigen Stein gehauen ist, und eine Reliquie ist.
Dieser Steinstuhl soll der Stuhl sein, auf dem einstmals Sankt Genesius als Erzbischof saß.
Er wurde nach dem Erdbeben von 1755 aus der alten, zerstörten Kapelle gerettet und dann 1796 in dem neuen Gotteshaus wieder aufgestellt.
Als Reliquie ist dieser Stuhl seit dem 12. Jahrhundert ein Gegenstand religiöser Verehrung, denn dem Glauben nach kann jede schwangere Frau, die sich auf ihn vor ihrer Niederkunft hinsetzt, mit einer ruhigen, entspannten und unkomplizierten Geburt rechnen.
Ob Legende oder nicht – Fakt ist, das noch heute einige schwangere Frauen, aus vielen entlegenen Orten Portugals, vor ihrer Niederkunft, in dieser Lissabonner Kapelle vorbeischauen, um sich auf den Stuhl von Sankt Genesius (port.: Cadeira de São Gens) zu setzen.
Das Aufsuchen dieser Kapelle und des Stuhls durch schwangere Frauen hat eine lange Tradition, durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten der Gesellschaft hinweg.
Selbst die Gemahlin des portugiesischen Königs João V, Königin Maria Ana von Österreich, soll jedes Mal vor der Geburt eines ihrer sechs Kinder, den Stuhl des Heiligen Genesius aufgesucht haben.
Wie ich schon erwähnt habe, ist die Capela da Senhora do Monte, und somit natürlich auch der Stuhl, nur sehr selten zu besuchen, da die Kapelle die meiste Zeit verschlossen ist.
Nur ab und zu wird sie heute noch als Bet- und Andachtsraum von den Augustinermönchen des nahen Convento da Graça (dt.: Kloster von Graça) benutzt.
Aber vielleicht hat ja der eine oder andere Leser dieses Blogs einmal Glück und findet die Tür dieses Gotteshauses geöffnet.
Dann empfehle ich ihm auf alle Fälle einen Besuch der Kapelle und des Stuhls.
Er wird diesen Besuch, verbunden mit der einzigartigen Aussicht vom Miradouro, für immer in Erinnerung behalten!
Dienstag, 4. Juni 2013
Steuerzahlergedenktag
Die europaskeptische Politikstiftung New Direction Foundation, die im belgischen Brüssel ihren Sitz hat, hat ausgerechnet, das erst mit dem heutigen 04. Juni 2013, der Durchschnittsverdiener hier in Portugal, rein rechnerisch, aufhört Steuern und Sozialabgaben für die Staatskasse zu leisten.
Erst ab dem heutigen Tag, den man hier in Portugal den „Dia da Libertação de Impostos“ (dt.: „Steuerzahlergedenktag“ / engl.: „Tax Freedom Day“) nennt, fängt der durchschnittliche portugiesische Arbeitnehmer für die eigene Geldbörse zu arbeiten.
Errechnet wird dieser Tag von der New Direction Foundation für die 27 jeweiligen Mitgliedsstaaten der EU.
Diese Berechnung geht folgendermaßen:
Die gesamten jährlichen Steuereinnahmen eines jeweiligen Landes, in diesem Fall Portugal, werden einfach durch das gesamte Einkommen der arbeitsfähigen Bevölkerung geteilt.
Als Ergebnis erhält man den prozentualen Anteil der Steuern die in der Bevölkerung erhoben wurden, und die nun die durchschnittliche Steuerbelastung der gesamten Volkswirtschaft darstellen.
Diese Summe wird dann, um sie dann besser veranschaulichen zu können, in Tage ab Neujahr umgerechnet, und so kommt dann die New Direction Foundation für das Jahr 2013, für Portugal, mit einem Wert von 42,20% Gesamtsteuerabzüge auf den heutigen 04. Juni!
Im Vorjahr erreichten die Portugiesen den Steuerzahlergedenktag schon einen Tag vorher, nämlich am 03. Juni 2012.
Und im Jahre 2011 wurde dieser Tag bereits am 29. Mai 2011 erreicht.
Im Vergleich werden deutsche Arbeitnehmer dieses Jahr durchschnittlich etwa sechs Wochen länger für den Staat arbeiten müssen.
In Deutschland ist der Steuerzahlergedenktag erst am 13. Juli 2013 erreicht, da die Gesamtsteuerabzüge der Durchschnittsverdiener hier 52,99% betragen werden.
Rein rechnerisch müssen die Arbeitnehmer auf Zypern die kürzeste Zeit für den Staat arbeiten. Sie haben bereits am 14. März mit 19,97% Gesamtsteuerabzügen den Stichtag gehabt.
Dagegen müssen Arbeitsnehmer aus Belgien noch bis zum 08. August 2013, mit einem Durchschnittswert von 60,25% an Steuern, für die Staatskasse arbeiten.
Samstag, 1. Juni 2013
Dia da Criança
„Mais vale ser criança, que querer compreender o mundo”
„Lieber ein Kind sein wollen, als die Welt zu verstehen”
(Fernando Pessoa)
Heute, am 01. Juni, wurde hier in Portugal, wie in vielen anderen Ländern der Welt, der Kindertag (port.: Dia da Criança / engl.: Children´s Day) mit einer Menge Spiel, Sport, Spaß und vielen kinderfreundlichen Aktionen gefeiert.
In Deutschland wird dieser, den Kindern gewidmeter Tag, immer am 20. September eines jeden Jahres begangen.
Aber egal an welchem Tag man auch immer den Kindertag zelebriert, wichtig ist, das man sich immer an die Kinder, ihre Rechte und ihr Wohlbefinden erinnert – an jedem Tag des Jahres!
Der Kindertag geht auf die „Weltkonferenz zum Wohlergehen der Kinder“ (port.: „Conferência Mundial para o bem-estar da criança“) zurück, die im August des Jahres 1925 im schweizerischen Genf stattfand, und auf der damals die „Genfer Erklärung zum Schutze der Kinder“ (port.: „Declaração de Genebra sobre a Proteção das Crianças) von über 50 Nationen verabschiedet wurde.
1954 beauftragten die nach dem II. Weltkrieg gegründeten Vereinten Nationen (port.: Organização das Nações Unidas) auf einer Generalvollversammlung ihre Kinderhilfsorganisation UNICEF damit, dafür zu sorgen, das jedes Mitglied der UNO ein Weltkindertag (port.: Dia Mundial da Criança) ins Leben rief, der national immer an unterschiedlichen Tagen gefeiert werden durfte, aber immer auf die weltweite Kinderrechte aufmerksam machen sollte!
So entstand der Kindertag in Portugal, der jedes Jahr am 01. Juni gefeiert wird, und daran erinnern soll, dass Kinder ein unumstößliches Recht auf Spiel, Freizeit, Gesundheit, Schule und elterliche Fürsorge und Liebe haben!
Labels:
Dia da Criança,
Fernando Pessoa,
Genfer Erklärung,
Kinderrechte,
Kindertag,
UNICEF,
UNO,
Weltkindertag
Donnerstag, 30. Mai 2013
Lavadeiras de Caneças
Ein italienischer Arbeitskollege von mir hat neuerdings eine neue Mode für sich wiederentdeckt. Seit Tagen kommt er mit einem bunten Kopftuch auf dem Kopf zur Arbeit.
Ich weiß nicht ob ihm vielleicht einer gesagt hat, dies wäre im Augenblick modisch der letzte Schrei oder ob er in letzter Zeit im Kino „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp gesehen hat, ich weiß nur das dies nicht gerade mein modischer Stil ist, aber das steht auf einem anderen Blatt!
Meine schweizerische Kollegin Nadja Waldmeier meint, dieser modische letzte Schrei würde man schlechthin als Piratenstil bezeichnen, woraufhin ich ihr zur Antwort gab, das mich diese Aufmachung doch eher an eine „lavadeira de Caneças“ erinnert, als an einen Piraten.
Woraufhin natürlich von Nadja die berechtigte Frage in den Raum geworfen wurde, was den eine „lavadeira de Caneças“ sei.
Nun, bei einer „lavadeira de Caneças“ handelt es sich, wortwörtlich ins Deutsche übersetzt, um eine „Wäscherin aus Caneças“, und somit um einen ehemals sehr ehrwürdigen Berufsstand, den es, dank der Erfindung der Waschmaschine und des modernen Waschprozesses, heute leider nicht mehr gibt.
„Lavadeiras de Caneças“ waren früher Frauen, die den Beruf einer Wäscherin ausübten und die aus dem kleinen Lissabonner Vorort Caneças kamen.
Die Wäscherinnen von Caneças waren für ihre harte, zuverlässige und gute Arbeit bei den wohlhabenden Bürgern der Hauptstadt, die es sich leisten konnten ihre Wäsche durch Wäscherinnen waschen zu lassen, sehr beliebt.
Der Ort Caneças ist eine kleine Gemeinde, die heute zur Stadt Odivelas gehört, und die einstmals für ihr glasklares und sehr kalkarmes Quellwasser bekannt war.
Der Berufsalltag einer Wäscherin war anno dazumal alles andere als einfach und angenehm.
Abgesehen von der schweren körperlichen Arbeit, die die Wäscherinnen verrichten mussten, mussten sie sich auch mit, heute würde man sagen, sehr aggressiven Reinigungsmittel, wie z.B. Soda, herumschlagen.
Die Wäsche wurde fast immer mit Soda gewaschen, nur selten kamen die hautverträglichen Kern- und Schmierseife zum Einsatz.
Mit der Hilfe einer Bürste und eines Waschbrettes wurde dann direkt in einem Waschzuber gewaschen. Der exzessive Gebrauch von Soda und das eiskalte Quellwasser waren oftmals dafür verantwortlich, das die meisten Wäscherinnen extrem ausgelaugte Hände hatten.
Nach dem Einseifen wurde die Wäsche dann außer Haus im glasklaren Quellwasser ausgespült, da noch am Anfang des letzten Jahrhunderts über 95% der Haushalte in Caneças noch über keinen eigenen Wasseranschluss verfügte.
Nach dem Waschen wurde die Wäsche dann mühevoll ausgewringt und auf eine große, saubere Wiese ausgebreitet, wo sie dann in der Sonne ausbleichte.
Danach wurde die Wäsche bei den Wäscherinnen zuhause mit einem Kohlebügeleisen gebügelt, ordentlich zusammengefaltet und nach Lissabon, an ihre jeweiligen Besitzer mit der Hilfe von Esel- oder Pferdekarren ausgeliefert.
Ich selber kann mich an solche Szenen hier im Raum Lissabon nicht mehr erinnern, da das weit vor meiner Zeit geschah.
Aber als Kind erinnere ich mich sehr wohl, in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, oftmals, bei meinen reisen durch Coimbra, die dortigen Wäscherinnen am Ufer des Flusses Mondego bei ihrer Arbeit gesehen zu haben!
Mein Gott, wie die Zeit vergeht!
Damit wir uns nicht missverstehen:
Der Beruf einer „lavandeira“ war zwar kein Beruf, für den man einen Universitätsabschluss brauchte, aber dadurch das die Wäscherinnen einen körperlich sehr schweren, mit vielen Kenntnissen und Fähigkeiten fachspezifischen Beruf ausübten und sie zudem auch als sehr ordentlich, pünktlich und reinlich galten, gehörten sie zu den zuverlässigsten und beliebtesten Arbeiterinnen der ganzen Hauptstadt.
Deshalb war die Bezeichnung „lavandeira de Caneças“ früher, aber auch heute, eher positiv als negativ behaftet.
Die Wäscherinnen aus Caneças waren und sind in der nationalen Bevölkerung auch heute noch sehr hoch angesehen.
Ende des letzen Jahrhunderts errichtete man ihnen zu ehren, inmitten von Caneças sogar ein Monument.
1928 komponierte Frederico Guedes de Freitas den hier in Portugal sehr beliebten Fado „As Lavadeiras de Caneças“, welches später dann, unter anderen, von der großen Fadosängerin Amália Rodrigues gesungen wurde.
Absoluten Ruhm erlangten die Wäscherinnen im Jahre 1938, als der Filmemacher Eduardo Augusto Chianca da Silva Garcia ihnen mit der Komödie „Aldeia da Roupa Branca“, mit den in der damaligen Zeit sehr beliebten Schauspielerinnen Beatriz Costa und Herminia Silva in den Hauptrollen, ein cineastisches Denkmal setzte.
Heute gibt es in Caneças leider keine Wäscherinnen mehr.
Sie sind mit der Erfindung der Waschmaschine ausgestorben.
Als 1969 die letzte, noch lebende Wäscherin in einer dieser Nachmittagstalkshows auftrat und dort von ihrem interessanten Beruf erzählte, erhielt sie zum Dank – na raten sie mal…
…eine Waschmaschine!
Sonntag, 26. Mai 2013
Die drei neuen F´s
Heute traf ich mich mit meiner guten Freundin Beate aus Regensburg, um mit ihr und ihrem Freund zu Mittag zu essen.
Während des Gesprächs, das wir während des Essens führten, fragte mich Beates Freund, der im Gegensatz zu Beate zum ersten Mal hier in Portugal ist, ob es stimmen würde, das man Portugal auf die die drei F-Wörter „Fado – Fatima – Fußball“ reduzieren könne?
Er hätte das in seinem schlauen Reiseführer gelesen.
Nun, da ich nicht wusste ob er wegen des gestrigen Champions-League-Finalsieges seiner Bayern noch etwas alkoholisch angeschlagen war und weil ich, aus Respekt vor Beate, die ich sehr schätze, nicht gleich eine meiner trocken-sarkastischen Antworten geben wollte, konterte ich mit einer Gegenfrage, nämlich was er denn davon halten würde, wenn man Deutschland klischeehaft als das Land der grölenden, humorlosen und biertrinkfreudigen Trabifahrer bezeichnen würde?
Sicherlich die drei F´s gibt es wirklich und sie sind tatsächlich eine portugiesische Erfindung.
Es war der ehemalige portugiesische Diktator António de Oliveira Salazar, der während seiner faschistischen Herrschaft, die von 1932 bis 1968 dauerte, den Portugiesen tatsächlich weiß machen wollte, sie bräuchten, um glücklich und zufrieden zu sein, nur die sehnsuchtsvolle und wehmütige Fadomusik, eine alljährliche Wallfahrt nach Fátima und, getreu dem altem römischen Motto „Panem et circenses“ (dt.: „Brot und Spiele“), ab und zu ein Besuch im Fußballstadion!
Alles andere, wie Wissen, Lesen oder Schreiben, da war sich Salazar sicher, würde das Volk zum Denken animieren, und somit unglücklich machen!
So hielt der Diktator sein, zumeist analphabetisches Volk, über Jahrzehnte hinweg willenlos, schwach und dumm!
Diese drei F-Wörter „Fado – Fátima – Fußball“ (port.: „Fado – Fátima – Futebol“) waren und sind leider immer noch so klischeehaft behaftet, das sie es doch tatsächlich anscheinend geschafft haben, in Reiseführer unserer Zeit Einzug zu finden!
Uns Portugiesen sind die drei F´s also sehr wohl ein Begriff.
Doch wenn heute meine Landsleute an die drei F´s denken, dann meinen sie nicht „Fado – Fátima – Futebol“, sondern neuerdings, in Zeiten der schweren Wirtschaftskrise, verbinden sie mit den drei F´s eher die Begriffe „Frustração“ (dt.: „Frustration“), „Falta de Emprego (dt.: Arbeitslosigkeit) und „crise Financeira“ (dt.: Finanzkrise).
Die Zeiten sind zweifellos andere, die Probleme und die Nöte sind andere, die Begriffe sind andere und auch die Menschen sind andere.
Aber was gleich geblieben ist, und was auch unbedingt gleich bleiben muss, ist der starke Überlebenswille der Portugiesen gegen die alltäglichen Ungerechtigkeiten die auch heute noch in diesem Land herrschen!
Mittwoch, 22. Mai 2013
Lissabonner Buchmesse - Feira do Livro de Lisboa 2013
Am morgigen Donnerstag, den 23. Mai 2013, wird die 83. Lissabonner Buchmesse (port.: Feira do Livro de Lisboa) eröffnet.
Auf 241 kleine Pavillons verteilt, werden dann über 480 Verlage, Buchhändler und nationale und internationale Autoren und Schriftsteller, im zentral gelegenen Lissabonner Park Eduardo VII, über 100.000 Bücher vorstellen und versuchen diese an den Mann, bzw. Frau, zu bringen.
Der Ausrichter der Buchmesse, die Associação Portuguesa de Editores e Livreiros (dt.: Portugiesischer Verleger- und Buchhändlerverein), kurz APEL genannt, rechnet damit das dieses Jahr über 500.000 Besucher, diesen hier in Portugal sehr beliebten Buchmarkt, besuchen werden.
Seit 1939 findet diese Buchmesse in Lissabon statt.
Ganz am Anfang wurde sie noch in der Avenida da Liberdade ausgerichtet.
Später waren der Rossio und die angrenzende Rua Augusta die Austragungsorte.
Dann wurde sie auf die große Praça do Comércio verlegt, bis sie schließlich im Parque Eduardo VII, unweit des Marques de Pombal, ihren aktuellen Ausstellungsort fand.
Man wird auf der Lissabonner Buchmesse nicht nur das eine oder andere Werk der Literatur, der Kunst, der Musik oder der Wissenschaft käuflich erwerben können, sondern man wird auch die Gelegenheit haben an verschiedenen Veranstaltungen, wie Lesungen, Vorträgen, Konzerten und Diskussionsforen, teilzunehmen.
Für jeden, der so wie ich, gerne über die neuesten Erscheinungen auf dem Büchermarkt informiert ist, lohnt sich ein Besuch der Feira do Livro de Lisboa alle mal.
Die Buchmesse wird bis zum 10. Juni 2013 für Jedermann kostenlos zu besuchen sein!
Montag, 20. Mai 2013
I´m back!
Wie einige von Euch es schon bemerkt haben, habe ich mich in letzter Zeit hier in meinem Blog so ziemlich rar gemacht.
Ich war weder krank, wie es manche leider vermutet haben, noch hatte ich eine meiner berühmtberüchtigten „Schreibblockaden“.
Nein, nichts dergleichen!
Ich war lediglich die letzten zwei Wochen in meinem wohlverdienten Urlaub und bin erst an diesem Wochenende nach Lisboa zurückgekehrt.
Zwar war das ein ziemlich verregneter und kalter Urlaub, aber wenigstens war er erholsam und ich konnte mit Freunden und Familie zusammenkommen.
Ich werde also ab dieser Woche wieder anfangen regelmäßig hier bei „Planet Portugal“ präsent zu sein, und meine Meinungen und einfachen Gedanken, die mich beschäftigen, hier aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
I´m back!
Labels:
Blog,
Gedanken,
Meinungen,
Schreibblockade,
Urlaub
Mittwoch, 1. Mai 2013
1. Mai – „Tag der Arbeit“
Am heutigen „Tag der Arbeit“ (port.: „Dia do Trabalho“) sind, nach hiesigen Gewerkschaftsangaben, heute in Portugal in verschiedenen Städten des Landes mehrere tausend Menschen, unter ihnen nicht nur Arbeiter, sondern auch viele Arbeitslose, Rentner und Jugendliche, für mehr soziale Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen auf die Straße gegangen.
Auf den Hauptversammlungen der beiden größten Gewerkschaftsbündnisse des Landes, der CGTP (port.: Confederação Geral dos Trabalhadores Portugueses / dt.: Allgemeiner Gewerkschaftsbund der Portugiesischen Arbeiter) und UGT (port.: União Geral de Trabalhadores / dt.: Generale Arbeitervereinigung) forderten die Demonstranten ein Recht auf Arbeit und eine gerechtere Bezahlung der Arbeiter, sowie ein Ende der harten Sparmaßnahmen der Regierung.
Der 1. Mai ist weltweit traditionell der „Tag der Arbeit“.
Schon im Jahre 1848 hatte die australische Arbeiterbewegung zu einem Generalstreik am 1. Mai aufgerufen, weil australische Arbeitnehmer ihren Zwölf-Stunden-Arbeitstag auf acht Stunden reduziert haben wollten.
Arbeiter in vielen Ländern Europas und Amerikas riefen in den folgenden Jahren, immer zum 1. Mai, zu Massenprotesten und Streiks auf um ihre Forderungen durchzusetzen.
Der Auslöser aber, für die Gründung eines internationalen Tages der Arbeit, war ein damals für den 1. Mai 1886 angesetzter Generalstreik einiger nordamerikanischer Fabrikarbeiter, die damals ebenfalls für einen Acht-Stunden-Tag und bessere Arbeitsbedingungen, in der Stadt Chicago demonstrierten.
Drei Jahre später, 1889, rief die Zweite Sozialistische Internationale, ein Zusammenschluss linker Parteien, dazu auf, den 1. Mai zum „Kampftag der Arbeiterklasse“ zu machen.
Daraufhin wurde am 1. Mai 1990 dieser Tag dann als Erster Protestgedenktag der Arbeiterbewegung, mit verschiedenen Massendemonstrationen überall auf der Welt, gewürdigt und gefeiert.
In Portugal feiert man den Protesttag der Arbeit und der Arbeiter erst seit dem Jahre 1974, da er in der Zeit der Diktatur in Portugal streng verboten war.
Erst nach der gelungenen Nelkenrevolution, am 25. April 1974, konnten die portugiesischen Arbeiter den „Tag der Arbeit“ ohne Angst vor Repressalien feiern.
Die diesjährigen Kundgebungen standen hier in Portugal unter dem Motto „Crescimento e Emprego, Recuperar a Esperança“ (dt.: „Wachstum und Arbeit, Rückgewinnung der Hoffnung“) und fanden in über 40 Städten des Festlandes und auch auf den Inseln, statt.
Labels:
Arbeiter,
Arbeiterbewegung,
CGTP,
Demonstration,
Gewerkschaft,
Protesttag,
Tag der Arbeit,
UGT
Donnerstag, 25. April 2013
Die Toten der Nelkenrevolution
Heute vor genau 39 Jahren, am 25. April 1974, um kurz nach Mitternacht, spielte der katholische Radiosender Radio Renascença das von der damaligen Diktatur verbotene Protestlied „Grândola, Vila Morena“ (lesen sie hierzu auch bitte meinen Blogeintrag „Grândola, Vila Morena“), vom 26. April 2010), des antifaschistischen Sängers José Afonso.
Das abspielen dieses Liedes war für die revolutionären Offiziere im ganzen Land das vereinbarte Zeichen, ihre Streitkräfte für den Aufstand zu mobilisieren.
Einen Aufstand der dann später als „Nelkenrevolution“ (port.: „Revolução dos Cravos“) in die Geschichtsbücher einging.
Nach noch nicht einmal 18 Stunden stürzte damals eine so genannte „Bewegung der Streitkräfte“ (port.: „Movimento das Forças Armadas“) die älteste Diktatur Westeuropas!
In vielen nationalen und internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern die über die Geschehnisse dieses 25. April 1974 damals erschienen und auch noch heute publiziert werden, wird oftmals berichtet, die „Nelkenrevolution“ sei eine friedliche und unblutige Erhebung des portugiesischen Volkes gegen die autoritäre und faschistische Diktatur die damals in Portugal herrschte, gewesen.
Sicherlich, die „Nelkenrevolution“ verlief, im Vergleich zu vielen anderen Revolutionen die überall auf der Welt vor ihr und nach ihr stattgefunden haben, recht friedlich.
Aber unblutig war sie leider nicht, denn an diesem 25. April kamen fünf unbewaffnete und friedliche Demonstranten in Lissabon durch die Gewehrkugeln regimetreuer Geheimpolizisten ums Leben.
Der damalige Machthaber, Diktator Marcelo Caetano, hatte sich an diesem Tag, auf der Flucht vor den revoltierenden Truppen, in das Hauptquartier der Republikanischen Nationalgarde (port.: Guarda Nacional Republicana), am Largo do Carmo, Mitten in Lissabon, verbarrikadiert.
Als bekannt wurde, dass der Diktator sich dort aufhielt, kamen viele Demonstranten auf dem Platz vor der Kaserne zusammen und verlangten seine Auslieferung.
Da aus der Carmokaserne (port.: Quartel do Carmo) keine Reaktion kam, schoss gegen 15.30 Uhr ein ungeduldiger Soldat der „Bewegung der Streitkräfte“, aufgestachelt durch die Demonstranten, eine Gewehrsalve mit seinem Maschinengewehr in Richtung des Gebäudes, ohne allerdings jemanden zu verletzen oder gar zu töten.
Eine knappe Dreiviertel Stunde nach dieser versuchten Machtdemonstration durch die „Bewegung der Streitkräfte“, um 16.15 Uhr, wurde, ebenfalls mit Maschinengewehren, aus einem Fenster der Carmokaserne auf die demonstrierende Menschenmenge geschossen.
Mehrere Menschen wurden bei diesem Schusswechsel verletzt und einer von ihnen, der 32jährige Lissabonner Arbeiter António Lage, wurde so schwer getroffen, das er noch an Ort und Stelle seinen Verletzungen erlag.
Der erste Tote der Nelkenrevolution hatte sein Leben für die Freiheit gelassen!
Wenn die Nationalgarde gedacht hatte, die Demonstranten würden jetzt weichen und aus Angst den Platz räumen, dann wurden sie eines Besseren belehrt, denn genau das Gegenteil traf ein!
Immer mehr Demonstranten und revoltierende Soldaten trafen im Largo do Carmo ein, und forderten in Sprechchören Diktator Marcelo Caetano zur Aufgabe auf und verlangten er möge sich ergaben.
Die Situation wurde immer explosiver!
In der Zwischenzeit hatten sich schon hunderte Menschen auf dem kleinen Platz und den Seitenstraßen versammelt und die Situation heizte sich immer mehr auf.
Gegen 21 Uhr, also knapp fünf Stunden nach dem ersten Zwischenfall, wurde aus dem Hauptgebäude der politischen Geheimpolizei „Polícia International e de Defesa do Estado“ (dt.: Internationale Staatsschutzpolizei), kurz PIDE genannt, das in der Rua António Maria Cardoso, unweit des Carmoplatzes, lag, wieder auf die Menschenmenge geschossen.
Insgesamt 49 Menschen wurden durch Schüsse getroffen, vier von ihnen so schwer, dass sie später ihren Verletzungen erlagen.
Diese vier toten Demonstranten waren, damit sie niemals vergessen werden:
- der erst 18jährige Büroangestellte Fernando Carvalho Gesteiro, aus der nordportugiesischen Stadt Montalegre, in Trás-os-Montes
- der aus Vendas Novas, im Alentejo, stammende 37jährige verheiratete José James Barnetto
- der Lissabonner Fernando Barreiros dos Reis, ein 24jähriger Soldat, der sich aber an diesem Tag nicht im Dienst befand
- der 20jährige Student José Guilherme Rego Arruda, der aus der Azoreninsel São Miguel stammt
Nach diesem blutigen Zwischenfall drohte die „Bewegung der Streitkräfte“ die Kaserne der Republikanischen Nationalgarde zu stürmen und den Diktator und seine Männer gewaltsam zur Aufgabe zu zwingen.
Doch bevor dies geschah, ergab sich Marcelo Caetano seinem Schicksal und ließ sich von den Soldaten der Befreiungsarmee festnehmen.
Den vier Männern, die am Abend beim zweiten Schusswechsel ums Leben gekommen waren, wurde am darauf folgenden Tag auf besondere Weise gedacht.
Unter dem Straßenschild der Rua António Maria Cardoso, am Gebäude der Geheimpolizei, brachten Demonstranten damals spontan ein zweites Schild an, auf dem man „Avenida dos Mortos pela PIDE“ (dt.: „Allee der Toten der PIDE“) lesen konnte.
Dieses Schild wurde später durch eine Gedenktafel ersetzt, die dort heute noch hängt.
Warum das erste Opfer der Nelkenrevolution, der Arbeiter António Lage, der damals beim ersten Schusswechsel ums Leben gekommen war, nicht namentlich auf besagter Gedenktafel erwähnt wird, ist nicht etwa als eine Geringschätzung seines Lebens zu verstehen, sondern schlicht und einfach ein Versäumnis der Stifter der Gedenktafel.
Sie haben ihn einfach vergessen!
Samstag, 13. April 2013
Einfach nicht zahlen?!?
Wir durchleben hier in Portugal, wie jeder weiß, sehr harte und schwierige Zeiten, und haben somit leider im Moment sehr wenig zu lachen.
Die Wut auf die skrupellosen Sparmaßnahmen von Premierminister Pedro Passos Coelho und seiner Regierung, die Unfähigkeit von Staatspräsident Anibal Cavaco Silva unparteiisch zu sein, und somit Präsident des ganzen Volkes zu sein, und nicht nur Präsident einiger Portugiesen, und die innenpolitischen Querelen der regierenden Mitte-Rechts-Koalition mit den linken Oppositionsparteien bringen den normalen Bürger hier eher zum weinen, als zum lachen!
Die Regierung ist hier in Portugal, dank der Unterstützung des Staatspräsidenten, im Augenblick politisch so machtvoll, weil die Opposition im Moment nichts und niemanden hat, der der Regierungskoalition legal gefährlich werden könnte.
Schaut man sich die Oppositionspolitiker der Sozialistischen Partei (port.: Partido Sacialista = PS), der Kommunisten (port.: Partido Comunista Português = PCP) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) an, und hört man ihren interessanten, aber größtenteils völlig unrealisierbaren, politischen Alternativausführungen zu, kann es einem recht bange werden.
So wie diese Woche, als der ehemalige sozialistische Premierminister Mario Soares, der zwischen 1986 und 1996 auch Präsident der Republik war, in einem Radiointerview mit dem Radiosender „Antena 1“, doch tatsächlich den Portugiesen riet, sich der Zahlung der Schulden, die das Land bei der Troika nun hat, einfach zu verweigern!
Wortwörtlich sagte er:
„Portugal wird nie seine Schulden bezahlen können, so sehr die Menschen sich auch anstrengen, so sehr man ihnen das Geld aus den Taschen ziehen wird und so sehr sich der Staat auch anstrengen mag, er wird niemals das bezahlen können was er schuldet. Wenn man nicht bezahlen kann, ist die einzige Lösung einfach nicht zu zahlen!“
(port.: „Portugal não pode nunca pagar aquilo que já deve e, por mais que se empobreça as pessoas, por mais que se roube o dinheiro às pessoas que o têm, por mais que faça, o Estado não é capaz de pagar aquilo que deve. Quando não se pode pagar, a única solução é não pagar!“)
Er gab als Beispiel für seine, wie ich meine, total unqualifizierte und sicherlich nicht überdachte Äußerung, die Argentinische Krise zur Jahrtausendwende an.
Damals, um das Jahr 2000 herum, geriet Argentinien in eine starke Rezession und das Finanzsystem des südamerikanischen Landes brach völlig zusammen. Das führte in Argentinien zu einer großen politischen Instabilität und die sozialen Folgen waren verheerend.
Argentinien hat bis heute den größten Teil der damals angehäuften Schulden an die Geberländer nicht zurückbezahlt, und scheint mit dieser Politik des „Nichtzurückzahlens“ Erfolg gehabt zu haben, denn heute steht das Land verhältnismäßig solide da.
Mario Soares, aufgrund dessen mutigen Kampfes gegen die Diktatur in Portugal sicherlich hier und da noch einige Sympathien entgegengebracht werden, von dem ich aber persönlich meine, dass seine politische Meinung maßlos überbewertet wird, dieser Mario Soares ist also der Meinung, Portugal sollte einfach die vereinbarten Abkommen mit der EU, der EZB und dem IWF nicht einhalten.
Dann würde sich das Problem schon von alleine lösen…
Gott bewahre uns vor einer Ausweitung der Sparwut von Premierminister Passos Coelho und seines Finanzministers Vitor Gaspar, die das Land immer weiter in den Abgrund stürzen.
Aber Gott bewahre uns auch vor solchen Politikern wie Mario Soares und seinen Parteifreunden, allen voran António José Seguro, die uns das Blaue vom Himmel versprechen und dann nichts einhalten werden können.
Die Sozialisten waren nämlich vor zwei Jahren noch selbst an der Macht, und haben die aktuelle Krise im Land mitzuverantworten, obwohl sie jetzt so tun, als ob sie eine weiße Weste hätten.
Die Mehrheit der Politiker hier, egal welcher Partei sie angehören, haben den meisten Portugiesen in den letzten Jahrzehnten vorgegaukelt, sie wären alle Bürger einer Erste-Welt-Nation.
Aber heute müssen viele im Land leidvoll realisieren, das sie hier am Rande Europas nichts weiter sind, als ein Land der Dritten Welt!
Labels:
Anibal Cavaco Silva,
Antena 1,
António José Seguro,
Argentinien,
BE,
Dritte Welt,
EU,
EZB,
IWF,
Krise,
Mario Soares,
PCP,
Pedro Passos Coelho,
PS,
troika,
Vitor Gaspar
Dienstag, 9. April 2013
Just say NAO
In seinem Blog „The Conscience of a Liberal“ (dt.: Das Gewissen eines Liberalen), das in der renommierten US-amerikanischen Tageszeitung „The New York Times“ erscheint, hat der weltbekannte Universitätsprofessor und Wirtschaftsexperte Paul Krugman am letzten Sonntag, den 07. April 2013, einen kurzen Eintrag publiziert.
In diesem Blogeintrag, der nur zwei Absätze klein ist und den Titel „Just say NAO“ trägt, kommentiert Paul Krugmann, der Träger des Weltwirtschaftsnobelpreises (port.: Nobel de Economia) von 2008 ist, auf kurze und knappe, aber prägnante Art und Weise die aktuelle wirtschaftspolitische Lage in Portugal.
Die portugiesische Regierung hatte am Wochenende erneut drastische Kürzungen beim Gesundheits- und Sozialwesen, der Bildung und bei den staatlichen Betrieben angekündigt.
Er hätte seinen Blogeintrag auch auf Englisch „Just say NO“ nennen können, wollte aber anscheinend dem ganzen einen portugiesischen Touch geben, und hat dann das englische „NO“ durch das portugiesisches „NAO“, ohne das Überzeichen ~ ersetzt.
Krugmann hat so, wohl ungewollt, dafür gesorgt, dass „Just say NAO“ ein weiteres Geflügeltes Wort dieser Krise werden könnte.
Anbei der Originalblogeintrag aus der „New Tork Times“ und eine, mit meinen eigenen Worten geschriebene Übersetzung, bei der mich meine Kollegin Malene unterstützt hat.
Da ich des amerikanischen Slangs nicht mächtig bin, habe ich den Text nicht wortwörtlich übersetzt, sondern so geschrieben, wie er mir am logischsten erschien.
Just say NAO
Update: yes, I know about the tilda, but could not persuade the software to show it. The tilda, I’ve always said, means that there’s an “n” at the end that isn’t written but which you don’t pronounce — if you’ve ever heard Portuguese, you’ll understand what I mean.
Sorry about the silence — I spent yesterday being human (the High Line in NYC is all it’s cracked up to be!), and then had a hellishly busy day today. If I had more energy left I’d plunge into the next stage in the European crisis; the moving finger of instability has now reached Portugal, with the government, of course, proposing to cure matters with More Austerity. But it will have to hold until tomorrow.
(Originalblogeintrag von Paul Krugman vom 07.04. 2013, aus der New York Times)
Just Say NAO
Aktualisierung: Ja ich kenne die „Tilde“, konnte aber die Software nicht davon überzeugen, sie anzuzeigen. Die „Tilde“ ist, wie ich schon einmal erwähnt habe, ein Überzeichen, das dafür sorgt, das ein Wort mit einem „n“ am Ende ausgesprochen wird, ohne das dieses geschrieben wird – wenn sie jemals Portugiesisch vernommen haben, werden sie verstehen was ich meine.
Ich bitte meine Abwesenheit zu entschuldigen – aber ich war gestern einfach nur Mensch (der Druck hier in New York City macht mich fertig!) und heute hatte ich dann einen höllisch anstrengenden Tag. Wenn ich mehr Energie hätte, würde ich mich in die nächste Stufe der Europäischen Krise stürzen; die Schattenhand der Instabilität hat nun Portugal vollständig erreicht, und die Regierung versucht jetzt natürlich, mit mehr Sparmaßnahmen die Probleme zu lösen.
Aber das wird bis Morgen warten müssen.
(Übersetzung von Angelo / Malene)
Sonntag, 7. April 2013
Schuld sind immer die Anderen
In einer mit Spannung erwarteten Erklärung hat sich heute am späten Nachmittag Premierminister Pedro Passos Coelho in einer Fernsehansprache an die Nation gewandt.
Nachdem das portugiesische Verfassungsgericht (port.: Tribunal Constitucional) am letzten Freitag, dem 05. April 2013, den diesjährigen Staatshaushalt 2013 aus verfassungswidrigen Gründen teilweise für illegal erklärte, sah sich der Regierungschef heute genötigt neue Sparauflagen anzukündigen.
Da ihm die 13 obersten Richter des Landes untersagt haben teilweise neue Steuererhöhungen zu realisieren, wird er, um das nun entstandene Haushaltsloch von über 1 Milliarde Euro zu stopfen, noch mehr Einschnitte bei den Staatsausgaben durchführen.
Diese Einschnitte sollen vor allem die internationalen Geldgeber des IWF, der EZB und der EU beruhigen und zufrieden stellen.
Premierminister Passos Coelho teilte wörtlich mit, dass das Urteil der Verfassungsrichter „ernsthafte Konsequenzen für das Land“ haben werde.
Er werde nun die Ausgaben, vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und die sozialen Leistungen kürzen müssen.
Mit anderen Worten:
Er macht die Verfassungsrichter, die obersten Hüter der Verfassung, praktisch für seine fast schon manische Sparsucht verantwortlich!
„Ernsthafte Konsequenzen für das Land“ hat Passos Coelho uns heute prophetisch vorhergesagt.
Wir sind in den letzten zwei Jahren hier am Rande Europas so krisengeschüttelt worden, das kaum noch ein Portugiese diese Worte als Drohung wahrnimmt.
Viel mehr erschreckt es uns da, das ein Politiker sich über die Entscheidung eines hohen Gerichts so abwertend äußert und er dabei vergisst das Richter alleine dem Gesetz und ihrem Gewissen unterworfen sind und nicht der Politik!
Ratlosigkeit
Nachdem das portugiesische Verfassungsgericht (port.: Tribunal Constitucional de Portugal) am letzten Freitagabend, dem 05. April 2013, einige der geplanten Sparmaßnahmen der Regierung gekippt hat, muss Premierminister Pedro Passos Coelho nun neue Wege finden um das entstandene Loch von über 1 Milliarde Euro im diesjährigen Haushalt zu stopfen, will er das Rettungspaket, das 2011 mit der Troika ausgehandelt wurde, nicht gefährden.
Die 13 Richter der höchsten Rechtsinstanz in Portugal legten ihr Veto gegen vier Sparbeschlüsse im Haushalt 2013 ein, da ihrer Meinung nach diese nicht mit dem in der Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz vereinbar waren.
So urteilten sie, dass die Annullierung des Urlaubsgeldes bei Staatsbeamten und Angestellten im öffentlichen Dienst, sowie eine Kürzung der Renten um 6,4 % nicht mit der portugiesischen Verfassung vereinbar seien. Ebenso sei eine geplante Steuereinführung auf das jetzt schon sehr niedrige Arbeitslosengeld nicht Verfassungskonform.
Das ist ein herber Rückschlag für den Premierminister!
Passos Coelho wird zwar sicherlich Mittel, Wege und Steuern finden um das jetzt entstandene Haushaltsdefizit auszugleichen, aber politisch ist die Entscheidung des Verfassungsgerichtes für ihn ein wahres Fiasko, denn er verliert immer mehr an Autorität!
Diese Autorität ist aber sehr wichtig, wenn er die nun bevorstehenden neuen Sparmaßnahmen durch das Parlament bringen will.
Und was noch viel schlimmer ist:
Portugal riskiert immer mehr, das Vertrauen der Geldgebertroika, bestehend aus der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalem Währungsfond, zu verspielen!
Schon der vorjährige Haushalt 2012 von Passos Coelho, mit seinen extremen Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen, war von den Richtern teilweise für verfassungswidrig erklärt worden.
Da aber der Premierminister sehr resistent gegen Kritik ist, hat er versucht im diesjährigen Haushalt noch härtere Sparbeschlüsse durchzubringen.
Das ist nun gewaltig in die Hose gegangen!
Am gestrigen Samstag hat er sein Kabinett zu einer eilig Krisensitzung einberufen, um mit seinen Ministern die schwierige aktuelle Lage zu erörtern und mögliche Alternativmaßnahmen für den Haushalt zu diskutieren.
Doch die stundenlangen Beratungen scheinen nicht sehr gefruchtet zu haben, denn den meisten Ministern seiner Mitte-Rechts-Koalition stand pure Ratlosigkeit in den Gesichtern geschrieben, als sie die Krisensitzung verließen.
Nach dem Zusammentreffen mit seinen Ministern hatte der Premierminister ein halbstündiges Gespräch mit seinem Parteifreund, Staatspräsident Anibal Cavaco Silva.
Dieser sprach sich gegen eine Ablösung der Regierung und Auflösung des Parlaments, und somit auch gegen eventuelle Neuwahlen aus.
Heute, am späten Sonntagnachmittag, will sich Premierminister Passos Coelho in einer Fernsehansprache an das Volk wenden.
Mal sehen was er uns zu sagen hat…
Donnerstag, 4. April 2013
Ein Rücktritt, der zu spät kommt
Zahlreiche portugiesischen Schüler und Studenten, und sicherlich auch einige ihrer Lehrer und Professoren, haben heute die eine oder andere Flasche geköpft!
Der Grund für ihre allgemeine Feierlaune war die Nachricht, dass heute Miguel Relvas von seinem Amt als Minister für parlamentarische Angelegenheiten zurückgetreten ist.
Nur einen Tag nachdem die Regierung von seinem Parteifreund Premierminister Pedro Passos Coelho, dessen Stellvertreter Miguel Relvas ebenfalls war, einen Misstrauensantrag der im portugiesischen Parlament vertretenden Oppositionsparteien überstanden hat, legte Relvas, der eigentlich für sein Leben gern im Rampenlicht steht, ohne einen einzigen persönlichen Kommentar sein Amt nieder.
Auch aus seinem Ministerium wurde kein Grund für den Rücktritt genannt.
Und so ist bis jetzt nicht bekannt, welches der vielen Skandale, in die er verwickelt ist, ihn letztendlich zur Amtsniederlegung gezwungen hat.
Relvas, der als der unbeliebteste Minister im Kabinett Passos Coelho galt, hat eine wenig rühmliche politische und zweifelhafte akademische Laufbahn hinter sich.
Und genau diese zweifelhafte akademische Laufbahn scheint ihm jetzt endgültig das Genick gebrochen zu haben.
Genau wie einem gewissen Karl-Theodor von und zu Guttenberg im Jahre 2011 in Deutschland vorgeworfen wurde, seinen Doktortitel nicht ehrlich erworben zu haben, wirft man Miguel Relvas hierzulande vor, bei seinem Lizenziat, einer Vorstufe zum Doktor, ebenfalls betrogen zu haben.
Seine studentische Ausbildung ist mehr als fragwürdig!
So schrieb er sich 1984 an der privaten Freien Universität (port.: Universidade Livre de Lisboa) für ein Jurastudium ein, brach sein Studium aber nach gut einem Jahr ab, und fing an der gleichen Universität ein Geschichtsstudium an.
Nach kurzer Zeit brach er auch dieses Studium ab!
Neun Jahre später, 1995, meldete er sich an der Lissabonner Universität Lusiada (port.: Universidade Lusiada de Lisboa) an, wo er „Internationale Beziehungen“ studieren wollte.
Da er aber angeblich keinen einzigen Kurs besuchte und er der Universität angeblich hohe Studiengebühren schuldig blieb, wurde er nach einem Jahr von dieser hinausgeworfen.
2006 fing er an der privaten Universität Lusófona (port.: Universidade Lusófona de Humanidades e Tecnologias) in Lissabon, „Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen“ zu studieren, und beendete sein Studium schon im Jahr darauf mit dem Lizenziat.
Normalerweise dauert das Studium eines Lizenziats zwei bis drei Jahre.
Da die Universität Miguel Relvas aber seine zahlreichen politischen Ämter anrechnete, konnte er sein Studium früher beenden.
Das Problem ist nur, das sich an der Universität Lusófona, so wird behauptet, kaum ein Studienkollege an einen gewissen Miguel Relvas erinnert und es heisst sogar, viele hätten ihn dort niemals angetroffen.
Und was noch viel schlimmer ist und sein ganzes Studium unglaubwürdig macht, ist die Tatsache, das die Lusófona ihm später Kurse angerechnet haben soll, die aber im Winter- und Sommersemester 2006 / 2007 an besagter Universität gar nicht angeboten wurden!
Wenn diese Vorwürfe stimmen sollten, ist es verständlich, das viele sich fragen,wie Miguel Relvas also zu seinem Universitätsabschluss kommt!
Eine Frage die jetzt von einer akademischen Untersuchungskommission durchleuchtet wird und die hoffentlich bald zu einem Ergebnis kommen wird.
Aber wie auch immer dieses Ergebnis ausfallen mag:
Die Mehrheit der portugiesischen Schüler und Studenten, die ehrlich und mühevoll ihr Studium absolvieren, hatte schon heute einen Grund zu feiern!
Premierminister Passos Coelho, der wegen des extremen Sparkurses seiner Regierung immer mehr unter Druck steht, hat sich noch nicht zum Rücktritt seines Freundes Relvas geäußert.
Aber er wird sich wohl sehr darüber im Klaren sein, das dieser Rücktritt nur die Spitze des Eisberges in seinem Kabinett ist!
Die nächsten Tage werden es zeigen!
Freitag, 29. März 2013
Frohe Ostern 2013
Die Natur erwacht dieses Jahr nur langsam und der Winter scheint sich weder hier in Portugal noch in Deutschland so endgültig von uns verabschieden zu wollen.
Daher wird ein gemütlicher Osterspaziergang bei wunderbarem Frühlingswetter dieses Jahr für die meisten von uns nur ein unerfüllter Traum bleiben.
Dennoch wünsche ich allen Lesern von „Planet Portugal“, ihren Familien und Freunden einen besinnlichen Karfreitag, ein rundum frohes und gesegnetes Osterfest 2013 und erholsame und gesunde Feiertage.
Frohe Ostern / Páscoa feliz!
Labels:
Frühlingswetter,
Karfreitag,
Osterfest,
Ostern,
Osterspaziergang,
Páscoa,
Winter
Abonnieren
Posts (Atom)




























