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Donnerstag, 27. Juni 2013

Rien ne va plus



Rien ne va plus (dt.: Nichts geht mehr) sagte eine französische Kollegin von mir, als sie heute Morgen verspätet im Büro auftauchte.
Über drei Stunden hat sie gebraucht um zur Arbeit zu kommen, denn ein Generalstreik hat heute das ganze Land praktisch lahm gelegt.
Dank meiner Arbeitskolleginnen Sandra und Lili, die heute meine Mitfahrgelegenheiten gespielt haben, blieb mir diese Streiktortur erspart und ich schaffte es heute pünktlich an meinen Schreibtisch!

Die portugiesische Staatsbahn CP, die U-Bahnen von Lissabon und Porto, die Fährschiffgesellschaften, die sonst Lissabon mit der Halbinsel von Setúbal verbinden und die meisten Busunternehmen sind dem Aufruf der beiden großen Gewerkschaften CGTP (port.: Confederação Geral de Trabalhadores Portugueses / dt.: Portugiesischer Nationaler Gewerkschaftsbund) und UGT (port.: União Geral de Trabalhadores / de.: Allgemeine Arbeitervereinigung) gefolgt und haben die Arbeit heute für 24 Stunden niedergelegt.
Auch auf den nationalen Flughäfen ging heute so gut wie gar nichts mehr, und so mussten viele Flüge heute ausfallen oder hatten große Verspätungen.

Aber nicht nur die Arbeiter der nationalen Verkehrsbetriebe legten heute zum größten Teil ihre Arbeit nieder, sondern auch viele öffentliche und private Behörden, Ämter, Krankenhäuser, Schulen, usw. wurden landesweit bestreikt.
So war der Chaos, hauptsächlich hier in der Hauptstadt, vorprogrammiert!

Es war heute das vierte Mal in zwei Jahren das sich das Land zu einem Generalstreik
Entschieden hat und das öffentliche Leben praktisch geruht hat.
Viele die heute auf die Straße gegangen sind, wären lieber sicherlich arbeiten gegangen oder hätten den sonnigen Tag, mit Temperaturen von bis zu 36°C, lieber am Strand verbracht.
Aber leider ist es so, dass die meisten, die an diesem Streik heute teilgenommen haben, gar keine Arbeit haben!

Die Arbeitslosenquote ist hier in Portugal diesen Monat auf das Rekordniveau von 18% gestiegen und bei den Jugendlichen liegt sie sogar bei unglaublichen 40%!
Das hat mit zur Folge, das die Nation, trotz aller Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen der Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho , auf das dritte Rezessionsjahr zusteuert.

Der heutige Generalstreik mag, wie auch die vorangegangenen Streiks, wirtschaftlich nicht viel bringen, aber er ist sehr wohl ein Ausdruck der wachsenden politischen Notlage in der sich diese Nation augenblicklich befindet.
Und das weiß Premierminister Passos Coelho sehr wohl, genauso wie er weiß das er ohne die Zustimmung der breiten Öffentlichkeit in ferner Zukunft niemals seine geplanten Steuerreformen durchsetzen wird können.

Rien ne va plus!

Mittwoch, 1. Mai 2013

1. Mai – „Tag der Arbeit“



Am heutigen „Tag der Arbeit“ (port.: „Dia do Trabalho“) sind, nach hiesigen Gewerkschaftsangaben, heute in Portugal in verschiedenen Städten des Landes mehrere tausend Menschen, unter ihnen nicht nur Arbeiter, sondern auch viele Arbeitslose, Rentner und Jugendliche, für mehr soziale Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen auf die Straße gegangen.

Auf den Hauptversammlungen der beiden größten Gewerkschaftsbündnisse des Landes, der CGTP (port.: Confederação Geral dos Trabalhadores Portugueses / dt.: Allgemeiner Gewerkschaftsbund der Portugiesischen Arbeiter) und UGT (port.: União Geral de Trabalhadores / dt.: Generale Arbeitervereinigung) forderten die Demonstranten ein Recht auf Arbeit und eine gerechtere Bezahlung der Arbeiter, sowie ein Ende der harten Sparmaßnahmen der Regierung.

Der 1. Mai ist weltweit traditionell der „Tag der Arbeit“.
Schon im Jahre 1848 hatte die australische Arbeiterbewegung zu einem Generalstreik am 1. Mai aufgerufen, weil australische Arbeitnehmer ihren Zwölf-Stunden-Arbeitstag auf acht Stunden reduziert haben wollten.
Arbeiter in vielen Ländern Europas und Amerikas riefen in den folgenden Jahren, immer zum 1. Mai, zu Massenprotesten und Streiks auf um ihre Forderungen durchzusetzen.

Der Auslöser aber, für die Gründung eines internationalen Tages der Arbeit, war ein damals für den 1. Mai 1886 angesetzter Generalstreik einiger nordamerikanischer Fabrikarbeiter, die damals ebenfalls für einen Acht-Stunden-Tag und bessere Arbeitsbedingungen, in der Stadt Chicago demonstrierten.
Drei Jahre später, 1889, rief die Zweite Sozialistische Internationale, ein Zusammenschluss linker Parteien, dazu auf, den 1. Mai zum „Kampftag der Arbeiterklasse“ zu machen.
Daraufhin wurde am 1. Mai 1990 dieser Tag dann als Erster Protestgedenktag der Arbeiterbewegung, mit verschiedenen Massendemonstrationen überall auf der Welt, gewürdigt und gefeiert.

In Portugal feiert man den Protesttag der Arbeit und der Arbeiter erst seit dem Jahre 1974, da er in der Zeit der Diktatur in Portugal streng verboten war.
Erst nach der gelungenen Nelkenrevolution, am 25. April 1974, konnten die portugiesischen Arbeiter den „Tag der Arbeit“ ohne Angst vor Repressalien feiern.
Die diesjährigen Kundgebungen standen hier in Portugal unter dem Motto „Crescimento e Emprego, Recuperar a Esperança“ (dt.: „Wachstum und Arbeit, Rückgewinnung der Hoffnung“) und fanden in über 40 Städten des Festlandes und auch auf den Inseln, statt.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Zehntausende Portugiesen demonstrieren gegen den harten Sparkurs der Regierung


Bei strahlendem Sonnenschein gingen am gestrigen Samstag in Lissabon, Porto und neun weiteren Städten des Landes, zum ersten Mal seit dem Amtsantritt der neuen Regierung von Pedro Passos Coelho im Juni, zehntausende Portugiesen auf die Straße.
Sie demonstrierten gegen den harten Sparkurs der Regierung, die zunehmende Verelendung des Landes, die allgegenwärtigen Ungerechtigkeiten, die schlechten Zukunftsaussichten und die hohen Arbeitslosenzahlen.

Premierminister Passos Coelho hatte der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfond, nach deren bewilligten Notkrediten von 78 Milliarden Euro, versprochen mit drastischen Steuererhöhungen und strikten Kürzungen die hohen Haushaltslöcher zu stopfen – komme was da wolle!

Dieses Versprechen löst er nun ein, indem er versucht die Schuldenkrise mit horrenden Steuererhöhungen, mit der Kürzung der Sozialausgaben, mit Privatisierungen und dem Einfrieren von Beamtengehältern in den Griff zu bekommen.

Nach Angaben der linken Gewerkschaft CGTP (Confederação Geral dos Trabalhadores Portugueses) kamen gestern in Lissabon rund 130.000, in Porto an die 50.000 und in neun weiteren Städten des Landes 17.000 Demonstranten zusammen.
Somit gingen gestern knapp 200.000 Menschen auf die Straße um ihren Unmut kundzutun.
Selbst die Gewerkschaft hatte nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet.

Jeder hier in Portugal ist sich darüber im Klaren das die Zeiten vorbei sind, in denen wir aus den Vollen schöpfen konnten.
Vorbei sind die Zeiten, in denen hier ein Einkaufscenter (port.: Centro Comercial) nach dem anderen gebaut wurde.
Vorbei sind die Zeiten in denen hier riesige Fußballstadien errichtet wurden, die heute zum größten Teil keiner mehr braucht.
Und vorbei sind die Zeiten in denen hier das ganze Land mit Autobahnen überzogen wurden, die heute fast alle leer sind.

Vieles hier in Portugal ist leider zu groß geraten und die dramatischen Folgen dieser Maßlosigkeit mussten leider irgendwann offen zu tage treten.
Den meisten Portugiesen ist schon klar, dass die Sparmaßnahmen sein müssen, wollen wir hier nicht bald griechische Verhältnisse haben.
Aber viele Bürger finden den Sparkurs trotzdem unhuman, unsozial, auf Dauer nicht realisierbar und viel schlimmer, er ist uns diktiert worden!

Zwar nehmen viele zurzeit die Maßnahmen der Regierung noch zähneknirschend in Kauf, da sie um ihre berufliche und soziale Zukunft fürchten.
Aber sollte Pedro Passos Coelho seinen Bürgern nicht bald positive Ergebnisse vorweisen können, dann steht es um den sozialen Frieden, hier am Rande Europas, nicht zum Besten!

Für die nächste Zeit hat die Gewerkschaft CGTP weitere landesweite Streiks angekündigt.
Uns steht ein heißer Herbst bevor!