Samstag, 13. April 2013

Einfach nicht zahlen?!?



Wir durchleben hier in Portugal, wie jeder weiß, sehr harte und schwierige Zeiten, und haben somit leider im Moment sehr wenig zu lachen.
Die Wut auf die skrupellosen Sparmaßnahmen von Premierminister Pedro Passos Coelho und seiner Regierung, die Unfähigkeit von Staatspräsident Anibal Cavaco Silva unparteiisch zu sein, und somit Präsident des ganzen Volkes zu sein, und nicht nur Präsident einiger Portugiesen, und die innenpolitischen Querelen der regierenden Mitte-Rechts-Koalition mit den linken Oppositionsparteien bringen den normalen Bürger hier eher zum weinen, als zum lachen!

Die Regierung ist hier in Portugal, dank der Unterstützung des Staatspräsidenten, im Augenblick politisch so machtvoll, weil die Opposition im Moment nichts und niemanden hat, der der Regierungskoalition legal gefährlich werden könnte.
Schaut man sich die Oppositionspolitiker der Sozialistischen Partei (port.: Partido Sacialista = PS), der Kommunisten (port.: Partido Comunista Português = PCP) und des Linken Blocks (port.: Bloco de Esquerda) an, und hört man ihren interessanten, aber größtenteils völlig unrealisierbaren, politischen Alternativausführungen zu, kann es einem recht bange werden.

So wie diese Woche, als der ehemalige sozialistische Premierminister Mario Soares, der zwischen 1986 und 1996 auch Präsident der Republik war, in einem Radiointerview mit dem Radiosender „Antena 1“, doch tatsächlich den Portugiesen riet, sich der Zahlung der Schulden, die das Land bei der Troika nun hat, einfach zu verweigern!

Wortwörtlich sagte er:

„Portugal wird nie seine Schulden bezahlen können, so sehr die Menschen sich auch anstrengen, so sehr man ihnen das Geld aus den Taschen ziehen wird und so sehr sich der Staat auch anstrengen mag, er wird niemals das bezahlen können was er schuldet. Wenn man nicht bezahlen kann, ist die einzige Lösung einfach nicht zu zahlen!“

(port.: „Portugal não pode nunca pagar aquilo que já deve e, por mais que se empobreça as pessoas, por mais que se roube o dinheiro às pessoas que o têm, por mais que faça, o Estado não é capaz de pagar aquilo que deve. Quando não se pode pagar, a única solução é não pagar!“)

Er gab als Beispiel für seine, wie ich meine, total unqualifizierte und sicherlich nicht überdachte Äußerung, die Argentinische Krise zur Jahrtausendwende an.
Damals, um das Jahr 2000 herum, geriet Argentinien in eine starke Rezession und das Finanzsystem des südamerikanischen Landes brach völlig zusammen. Das führte in Argentinien zu einer großen politischen Instabilität und die sozialen Folgen waren verheerend.

Argentinien hat bis heute den größten Teil der damals angehäuften Schulden an die Geberländer nicht zurückbezahlt, und scheint mit dieser Politik des „Nichtzurückzahlens“ Erfolg gehabt zu haben, denn heute steht das Land verhältnismäßig solide da.

Mario Soares, aufgrund dessen mutigen Kampfes gegen die Diktatur in Portugal sicherlich hier und da noch einige Sympathien entgegengebracht werden, von dem ich aber persönlich meine, dass seine politische Meinung maßlos überbewertet wird, dieser Mario Soares ist also der Meinung, Portugal sollte einfach die vereinbarten Abkommen mit der EU, der EZB und dem IWF nicht einhalten.
Dann würde sich das Problem schon von alleine lösen…

Gott bewahre uns vor einer Ausweitung der Sparwut von Premierminister Passos Coelho und seines Finanzministers Vitor Gaspar, die das Land immer weiter in den Abgrund stürzen.
Aber Gott bewahre uns auch vor solchen Politikern wie Mario Soares und seinen Parteifreunden, allen voran António José Seguro, die uns das Blaue vom Himmel versprechen und dann nichts einhalten werden können.
Die Sozialisten waren nämlich vor zwei Jahren noch selbst an der Macht, und haben die aktuelle Krise im Land mitzuverantworten, obwohl sie jetzt so tun, als ob sie eine weiße Weste hätten.

Die Mehrheit der Politiker hier, egal welcher Partei sie angehören, haben den meisten Portugiesen in den letzten Jahrzehnten vorgegaukelt, sie wären alle Bürger einer Erste-Welt-Nation.
Aber heute müssen viele im Land leidvoll realisieren, das sie hier am Rande Europas nichts weiter sind, als ein Land der Dritten Welt!

Kommentare:

  1. Ich denke Mario Soares ist kein Dummkopf. Er dürfte die Situation genau studiert haben bevor er so eine gewagte und provokative Behauptung aufstellt. Leider ist es aber wirklich so. Portugal wird diesen Schuldenberg nicht tilgen können auch wenn noch 5 weitere Sparprogramme aufgesetzt werden. Auch in Irland gibt es eine Bewegung, die das "nicht mehr zahlen" propagiert. Warum soll es nicht zu einem Schuldenerlass kommen wie im Falle von Griechenland (50-60% der Anleihen). Dann hätte man zumindest noch eine Chance aus dieser zerfahrenen Situation herauszukommen.
    Einerseits hat der Staat von Portugal (also die Steuerzahler) für die Pleitebanken den Kopf hingehalten (BPN). Andererseits haben große europäische Kapitalgesellschaften und Versicherungen in die Kreditvergabe an Portugal investiert (die Namen werden in der Presse lieber gar nicht erst genannt). Wo bleibt das Risiko des Anlegers ? Wenn ein Schuldner wirklich nicht mehr zahlen kann, dann muss es zu einer vernünftigen Einigung kommen. Ist das was heute geschieht eine vernünftige Einigung? Zurückzahlung von 100% mit Zinsen über eine lange Frist, oder sagen wir mal für immer? Wer von den Gläubigern, die immer gute Zinsen erhalten haben, hat den mal geprüft wo die vielen Milliarden eigentlich hin geflossen sind. Prüfen wollte keiner, weil sich alle sicher waren, dass sie das Geld sowie so zurück bekommen und im Notfall der Staat haftet. Frau Merkel wird gern mit Hitlerbärtchen gezeigt, aber wer sind in Portugal eigentlich die Geldfresser gewesen? Warum haben Banken wie BES ihren Hauptsitz in die Schweiz gelegt? Auf den vielen Demonstrationen, die die Bevölkerung gegen die Sparwut zu Recht durchführt, wer trägt die Plakate, die nach den Verursachern fragen? Wo ist das Geld geblieben und wer müsste es eigentlich zurückzahlen? Ich glaube wirklich, dass die arbeitende Bevölkerung in Portugal mit ihren relativ niedrigen Löhnen eigentlich zu Letzten wären, die man zu dieser Rückzahlung zwingen sollte. Es muss auch andere Lösungen geben, auch wenn diese für die Gläubiger etwas unbequemer sein könnten. Es geht hier nicht um eine einseitige Erklärung, wie im Falle Argentinien. Die Gläubiger dürfen aber auch nicht so tun als ob Portugal diese Schuldenlast begleichen könnte.
    Gruß AFROBRASIL

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  2. http://bunks-afrobrasil.blogspot.de/2011/04/finanzkrise-portuguesa.html

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