Donnerstag, 18. Juni 2009

Da wo Fenster sind, da gehören auch Türen hin
















"Die meisten Leute bringen an ihrer Haustür nur ein Schloss an, wenn der Dieb schon gekommen ist." (= „por trancas às portas“)
So lautet ein altes portugiesisches Sprichwort.

Nachdem ich so, in einem vorherigen post mit dem Titel „Ich denke an dichte Fenster“, über die Lissabonner Fenster geschwärmt habe (obwohl diese bestimmt nicht einmal halb so dicht sind wie die deutschen Fenster), wollte ich mich heute mal den Türen widmen.

Nicht das Bundeskanzlerin Angela Merkel sich in einem Bildzeitungsinterview in irgendeiner Weise auch über Türen ausgelassen hätte, wie sie es angeblich über Fenster getan hat (jedenfalls ist mir dahingehend nichts bekannt).

Nein, ich bin einfach nur der Meinung, da wo Fenster sind, da gehören auch Türen hin!
So einfach ist das!

Also poste ich hier ein paar Bilder mit Lissabonner Türen, von denen ich hoffe sie werden dem Leser gefallen.

Original und Fälschung




Der Kölner Theologe und Bildgraveur Georg Braun, der von 1541 bis 1622 lebte, ist berühmt für die Stiche, Drucke, Gravuren, Atlanten und Karten die er im Laufe seines Lebens von Städten und Landschaften machte.

Sein berühmtestes Werk ist ein großer Atlas mit dem Titel „Civitates Orbis Terrarum“, der unter anderem, eine Gravur mit einem Panoramablick von Lissabon, aus dem 16. Jahrhundert zeigt.
Die portugiesische Hauptstadt galt damals, im Zeitalter der Entdeckungen, als eine der wichtigsten Handelsplätze und eine der berühmtesten Metropolen der Welt.

Lissabon war so wichtig und so berühmt, das die Stadt oft anderen Städten als Model galt.
Das allerdings, genau 50 Jahre nach dem Tod von Georg Braun, der Franzose François Jollain, der von 1641 bis 1704 lebte, die Lissabonner Gravur von Braun als Kopie für eine andere Stadt nehmen sollte, ist äußerst dreist. Jollain kopierte das Werk von Braun und stellte die Stadt als Neu-Amsterdam dar.
Neu-Amsterdam war der erste Name der Stadt New York, und 1672 sollte diese Gravur den Menschen der damaligen Zeit ein Bild von dieser noch jungen Stadt, in der neuen Welt, machen.

Schaut man sich beide Gravuren an, dann sind die Ähnlichkeiten unbestritten. Abgesehen davon, das eines bunt ist und das andere schwarz-weiß, das die Gebäude verschiedene Namen bekamen und das aus dem Tejo ein Nordmeer wurde, sind kaum Unterschiede zwischen dem Werk von Georg Braun und François Jollain zu finden.
Jollain hat immer kategorisch bestritten, von Braun und anderen Künstlern abgekupfert zu haben.
Heute, im Zeitalter der digitalen Technik, weiß man aber, das er schamlos abkopiert und gelogen hat

Der grüne Leuchtturm von Cacilhas


Wer aus Lissabon, mit der Fähre kommend, in Cacilhas anlandet, sieht zu seiner Rechten ein sehr gutes Fischrestaurant mit dem Namen „O Farol“ (Der Leuchtturm).
Für mich, genauso wie für viele meiner Generation, war dieses Restaurant der einzige „Leuchtturm“ den es in Cacilhas gab.

Erst vor gut einem halben Jahr, habe ich erfahren, dass es ehemals einen richtigen Leuchtturm in Cacilhas gab, der 1886 in Betrieb genommen wurde, und bis 1978 an den Ufern des Tejo seinen Dienst als Wegweiser der Schifffahrt versah.
Mit der Modernisierung der maritimen Navigationssysteme wurde er ab 1978 für den Lissabonner Hafen nutzlos, wurde dann zerlegt, und auf die Azoreninsel Terceira verschifft. Dort wo er noch gebraucht wurde, versah er seinen Dienst noch bis Anfang des Jahres 2000.
Ab diesem Jahr, wurde er auch auf der Insel Terceira nicht mehr gebraucht, denn auch dort hatte nun das digitale und sonare Zeitalter begonnen.

Die Stadt Almada, zu der der Ort Cacilhas gehört, fragte im Verteidigungsministerium, der für alle Leuchttürme des Landes zuständig ist, nach, ob der Leuchtturm wieder zurück nach Cacilhas kommen könne.
Die Anfrage wurde positiv beantwortet, und so kommt es, dass nach einer 4jährigen Restaurierungsarbeit der Leuchtturm wieder nach Cacilhas gebracht wurde.
Dort wird er jetzt wieder zusammengebaut, und nächsten Monat soll er feierlich eingeweiht werden. Er muss nur noch seine original grüne Farbe erhalten.

Dann können die Menschen, die in Cacilhas mit der Fähre anlegen, nicht nur auf der rechten Seite vom Anlegeplatz, das Restaurant mit dem Namen Leuchtturm sehen, sondern sie können wieder, wie zu vergangener Zeit, wenn sie nach links schauen, dann auch den Originalleuchtturm sehen und bewundern.

Wenn der Leuchtturm eingeweiht wird, werde ich es Euch mit einem post in diesem Blog wissen lassen.

Wer zum Geier denkt sich solche Verordnungen aus?


Nach einem Bericht der internationalen Vogelschutzorganisation SEO-Bird-Life leben 60% aller europäischen Geier auf der Iberischen Halbinsel. Vier Arten leben demnach in Portugal (nur 3% der gesamten Population) und Spanien (97% der gesamten Population): der Mönchsgeier (Abutre-fusco), der Gänsegeier (Abutre-fouveiro), der Bartgeier (Abutre-barbudo) und der Schmutzgeier (Abutre-do-egito).

Bis vor kurzem hatten Geier in der portugiesischen Serra da Estrela und den spanischen Provinzen Burgos, Salamanca und Valladolid ein regelrechtes Paradies. Hier im bergreichen Nordwesten der Iberischen Halbinsel war es nämlich seit Jahrhunderten üblich, verendete Rinder, Ziegen, Esel, Schweine und Schafe auf offener Weide liegen zu lassen. Von diesen verendeten Tieren ernährten sich die Geier zum größten Teil dann auch.
Doch nun ist das Paradies ins Wanken geraten. Aus dem Schlaraffenland wurde eine Hungerwüste.

Eine EU-Verordnung schreibt nämlich den Bauern seit kurzem vor, verendete Tiere gleich von den Weiden runterzuholen und zum Abdecker zu bringen. Und so kommt es, dass die Aasfresser nicht an genug Nahrung rankommen. Dieser Nahrungsmangel macht die Geier zu gefährlichen Räubern. Statt wie bisher, sich von Kadavern zu ernähren, greifen Geier in Nordportugal und Spanien in letzter Zeit immer häufiger lebende Tiere an. So wurden aus eigentlich völlig harmlosen Aasfressern, dank der neuen EU-Verordnung, eiskalte Killer.

Vor allem neugeborene Lämmer, Zicklein und Kälbchen fallen ihnen wenige Minuten nach der Geburt, dann wenn die Säuger am wehrlosesten sind, zum Opfer. Es ist der pure Hunger, der sie zu solchen Angriffen zwingt, denn Geier sind, wie gesagt, Aasfresser! Noch sind solche Attacken Ausnahmen. Aber die Menschen, vor allem die in den ländlichen Gebieten, glauben, dass irgendwann Geier auch Kleinkinder anfallen werden, wenn sie der Hunger treibt.
Die Bauern sind machtlos, denn einerseits haben sie die strengen EU-Vorschriften gegen sich und andererseits stehen die Geier unter Naturschutz. So sorgt eine EU-Vorschrift dafür, das die eigentlich vom aussterben bedrohten Geier, sicherlich auch bald aussterben werden!

Bleibt die Frage: Wer zum Geier, denkt sich solche EU-Verordnungen aus?

"Ich denke an dichte Fenster"
















Im Jahre 2004 (ich habe extra noch einmal im Internet nachgeschaut, denn ich konnte mich nicht mehr an den Sinn des Interviews erinnern, sehr wohl aber an den Wortlaut) soll Bundeskanzlerin Merkel in einem Interview der Bildzeitung, auf die Frage hin, welche Empfindungen Deutschland in ihr wecke, geantwortet haben (und hier zitiere ich die Bildzeitung):

Zitat: "Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen."

Nun, ich weiß nicht ob Bundeskanzlerin Angela Merkel tatsächlich jemals solch einen originellen Satz von sich gegeben hat, denn mit der Bildzeitung ist das ja so eine Sache.
Aber sollte sie wirklich diese Äußerung jemals hervorgebracht haben, dann muss man ihr wirklich nachsehen das sie bis dahin noch nie in Portugal gewesen sein kann!

Denn in Deutschland mag es ja sehr wohl dichte Fenster geben, aber wirklich schöne, findet man auch hier in Portugal.

Wer z.B. durch die Straßen und Gassen meiner Heimatstadt Lissabon geht, findet an jeder Straßenecke ein Wohnhaus, ein Bürogebäude, eine Kirche oder einen Stadtpalast mit originellen Fenstern.
Einige dieser Fenster möchte ich nun den Besuchern meines Blogs hier in diesem post zeigen.

Und vielleicht schaut ja auch Bundeskanzlerin Merkel einmal in meinem Blog vorbei, und kann mir dann eine Nachricht hinterlassen, ob sie jemals wirklich diesen originellen Satz, mit den Fenstern und der Dichtung, bei der Bildzeitung zum Besten gegeben hat.

Kunstwerke zum drüber laufen





















































Wer die Straßen Lissabons, und die anderer portugiesischer Städte überall auf der Welt durchläuft, dem sind bestimmt schon mal die Bürgersteige und öffentlichen Plätze aufgefallen, die so anders aussehen, als die Bürgersteige und öffentlichen Plätze anderswo.
Anderswo geht und läuft man auf Bürgersteigen. Bei uns wandelt man auf wahren Kunstwerken aus marmornem Pflaster.

Diese Art der Bürgersteigbepflasterung nennt man hier in Portugal „calçada portuguesa“ (Portugiesischer Pflaster) oder auch „mosaico português“ (Portugiesischer Mosaik), und in Teilen Brasiliens ist diese Arbeit auch unter dem Begriff „pedra portuguesa“ (Portugiesischer Stein) bekannt.
Aber egal welchen Namen man dieser Art des Dekorierens von Bürgersteigen, öffentlichen Plätzen, Märkten, Parks und Privatgrundstücken auch gibt, es handelt sich dabei immer um eine äußerst besondere Art und Weise, Kunst in die Städte zu bringen.

Die Kunst besteht darin, 6-10 cm große, würfelförmige Pflastersteine, die meistens aus weißem Marmor und schwarzem Basaltstein bestehen, zu wahren Gemälden zusammenzusetzen. Außer dem traditionell weißem Marmor und dem schwarzen Basalt, benutzt man mancherorts auch braunen und roten Marmor, um mit dem weißen Marmor einen Kontrast zu bilden. In manchen Städten Brasiliens benutzt man neuerdings auch blau und grün gefärbte Steine, die aber hier in Portugal unvorstellbar wären, denn hier ist das weiß-schwarze Muster nach wie vor tonangebend.

Heutzutage werden die Bürgersteige vom Berufsstand der „calceteiros“ künstlerisch bearbeitet.
Aber die ersten, die dieser Arbeit und dieser Art von Bürgersteigbepflasterung nachgingen, waren Strafgefangene!

Im Jahre 1842, ließ der Lissabonner Gefängnisdirektor, Generalleutnant Eusébio Pinheiro Furtado, den Vorplatz seines Gefängnisses São Jorge, mit einem, für heutige Verhältnisse, einfachen Zick-Zack-Muster, von seinen Haftinsassen verschönern.
Dies gefiel der Stadtverwaltung so sehr, dass 1843 Mittel freigegeben wurden, damit die Sträflinge den gesamten Rossio, den mit knapp 9000 m² großen Hauptplatz Lissabons, mit einem Wellenmuster dekorierten.
Der Erfolg war grandios.
Gäste aus aller Welt bewunderten den nun dekorativen Rossio. Wenn das „Wohnzimmer“ der Lissabonner bis dahin bei seinen Einwohnern beliebt war, nun war er auch über die Stadtgrenzen hinweg bekannt.

Die „calçadas portuguesas“ findet man, wie schon erwähnt, nicht nur in portugiesischen Dörfern und Städten, sondern überall dort, wo Portugal seinen kulturellen „Stempel“ hinterlassen hat, wie in Brasilien, Teilen Indiens, im chinesischen Macao und natürlich in den ehemaligen Kolonien Afrikas.
Besonders berühmt ist die calçada von der Copacabana in Rio de Janeiro, die calçada des Senatplatzes von Macao und die calçada der Strandpromenade von Luanda in Angola.

Da der Beruf des „calceteiro“ zu aussterben drohte (es handelt sich nämlich hierbei um einen zwar angesehenen, aber leider auch schlecht bezahlten Beruf!), wurde 1986 von der Stadt Lissabon eine Berufsfachschule gegründet, auf der nun die Jüngeren von den Älteren diesen Beruf von der Pike auf erlernen konnten.

Seit 1999 stehen in Portugal fast alle „calçadas portuguesas“, die älter als 50 Jahre alt sind, unter Denkmalschutz!

Dienstag, 16. Juni 2009

Zur Verewigung der Tugenden unserer Ahnen




Die Praça do Comercio, der ehemalige Terreiro do Paço, für mich persönlich eine der schönsten Plätze der Welt, endet, wenn man in die Rua Augusta abbiegt, in einen Triumphbogen.
Der Arco Monumental, wie ihn die Lissabonner nennen, ist die barocke Ausnahme und der marmorne Luxus der Baixa. Denn eigentlich ist die Unterstadt Baixa nicht luxuriös, sondern funktionell, gerade, direkt und ohne große Schnörkel.

„Zur Verewigung der Tugenden unserer Vorfahren“ steht auf der Attika des Bogens. Und vier „Tugendhafte“ aus Marmor schmücken die Seiten des Bogens.
Eine der Marmorstatuen stellt die Tugend der Kampfeslust des Viriato dar, jenen Robin Hood Portugals, der einst die Römer zur Weißglut brachte und ihnen eine Herrschaft im alten Lusitanien schier unmöglich machte. Erst nach seinem Tod, konnten die Römer endlich Lusitanien unterwerfen.
Der andere in Marmor behauene Tugendhafte ist Nuno Álvares Pereira, der große Feldherr, der die Spanier bei Aljubarrota vernichtend schlug, und so die Tugend des Unabhängigkeitswillens darstellt.
Der dritte im Bunde ist Vasco da Gama, der große Seefahrer und Seeheld, der für Portugal neue Welten entdeckte, und dessen Tugend der Wagemut ist.
Und der letzte in Marmor behauene, der die Bögen des Triumphbogens schmückt, ist der Marquês de Pombal, der die Baixa nach dem schweren Erdbeben von 1755 aus den Trümmern neu erwachsen lies, und deshalb die Tugend der Tatkraft symbolisiert.

Unbemerkt für die Touristen besitzt der Arco Monumental die Aura einer letzten Mahnung, die selbst nur wenige Portugiesen verstehen können.
Diese Mahnung lautet: Erinnert Euch, Portugiesen, erinnert Euch Eurer ruhmreichen Vergangenheit, seid stark, seid mutig, seid initiativ und seid inovativ.
Aber wie gesagt, selbst nur wenige Portugiesen verstehen diese Mahnung!

Von Siamkatzen und anderen Gastgeschenken



Dieses Wochenende traf hier in Lissabon eine thailändische Delegation ein, und wurde von Staatspräsident Cavaco Silva im Präsidentenpalast zu Belém mit allen Ehren empfangen.
Der Grund des Besuchs der Thailänder ist es, die Feierlichkeiten zur 500-Jahrfeier der thailändisch-portugiesischen Freundschaft im Jahre 2012 langsam vorzubereiten.

Damals, im Jahre 1512, wurde eine portugiesische Delegation von König Manuel I, unter der Leitung des Seefahrers António de Miranda e Azavedo, zum ersten Mal vom damaligen König von Siam empfangen.
Da die Portugiesen sich in Indien schon sesshaft gemacht hatten, und weiter nach China und Japan wollten, hielten sie es für angebracht sich den König von Siam, dessen Königreich auf den Weg nach Fernost lag, zum Freund zu machen.
So wurden denn dann die diplomatischen Beziehungen mit einem Freundschaftsvertrag besiegelt und die Delegation reiste am Ende des Jahres wieder nach Lissabon zurück, mit Allerlei fernöstlichen Geschenken.
Unter den vielen wertvollen Geschenken, die der König von Siam dem König von Portugal machte, waren auch ein Päarchen Siamkatzen.
Siamkatzen waren in Siam heilige Tiere, und das der König von Portugal gleich zwei solche Exemplare geschenkt bekam, war ein Zeichen höchster Hochachtung und Verehrung.

Aber hat sich König Manuel I über das Geschenk gefreut?

Natürlich nicht!
Im Gegensatz zu Thailand, waren Katzen damals im alten Europa nämlich nicht heilig, sondern eher ein „Teufelszeug“. Sie waren eigentlich die Art von Tiere, die sich Hexen hielten, und nicht die man Königen schenkte.
António de Miranda e Azavedo muss das Grauen gepackt haben, als er die Siamkatzen dem König übergab, denn er wusste, dass König Manuel I ein solches Geschenk eher für eine Provokation halten würde, als für ein Geschenk. Und er konnte ja auch nicht ein Gastgeschenk unterschlagen. Denn das wäre ja noch schlimmer für ihn gewesen!

Natürlich ließ der König es nicht zu, dass die zwei Katzen in seinen Privatgemächern herumschleichen durften. Da half es auch nicht, dem König zu sagen, wie „heilig“ die Mitzekatzen doch seien.
Aber da sie nun einmal ein Geschenk eines anderen Königs waren, konnte er sie ja auch nicht gerade ertränken, so wie man es damals normalerweise mit Katzen tat.
Also wurden die zwei Siamkatzen in die Küchen und Lebensmittelkammern des Königspalastes verbannt, um dort nach Mäusen zu jagen.
Doch wie es nun einmal so ist mit Heiligkeiten, die Katzen waren sich einfach zu fein, um auf Mäusejagd zu gehen.
Irgendwann nahm sich das Küchenpersonal der Katzen an, und die vermehrten sich mit der Zeit reichlich und paarten sich auch mit einheimischen, streunenden Katzen.
So kommt es, dass noch heute in Portugal, es eine Unmenge von streunenden Siamkatzenmischlingen auf den Straßen, Plätzen und Grünanlagen gibt.

Diesmal haben sich die Thailänder mehr Gedanken um das Gastgeschenk gemacht.
Obwohl heute Siamkatzen des Königs weiterhin als Gastgeschenke von der thailändischen Königsfamilie an befreundete Politiker verschenkt werden und obwohl sie ganz bestimmt nicht mehr Gefahr laufen müssten ertränkt zu werden, hat sich das thailändische Königshaus, für die 500-Jahrfeier, für ein originelleres Geschenk an die Portugiesen entschieden.
Sie werden in Lissabon eine original thailändische Pagode bauen lassen, mit einer goldenen Stupa als Dach, einem Glockengebäude und einer großen Bibliothek, so lautet das Projekt.
Nur noch der geeignete Ort in Lissabon muss gefunden werden, und dann kann mit dem Bau der Pagode begonnen werden.

Die Portugiesen übrigens, werden als Gastgeschenk den Thailändern eine original portugiesische, schwarz-weiße Bepflasterung (Calçada portuguesa) eines zentralen Platzes in der Hauptstadt Bangkok schenken, so wie sie jede portugiesische Stadt hat, und die dem thailändischen Königspaar so gut gefallen hat, als sie Portugal vor Jahren einen Staatsbesuch gemacht haben.

Die 53 Lissabonner Stadtteile und die 4 Bezirke



Diese Woche bin ich gefragt worden, nachdem ich in meinem post „Santo António de Lisboa“ von den 53 Lissabonner Stadtteilen geschrieben habe, die bei den Marchas Populares miteinander konkurrieren, wie denn die Lissabonner Stadtteile eigentlich heißen.
Die 53 Lissabonner Stadtteile (Freguesias) schließen sich zu vier Gemeinden (Bairros) zusammen, die keinen spezifischen Namen haben, sondern einfach 1. Bairro, 2. Bairro, 3. Bairro und 4. Bairro heißen.
Hier nun, in alphabetischer Reihenfolge die Namen der 53 Stadtteile. Ich habe, in Klammern gleichzeitig auch die Bairros dazugeschrieben, zu denen die einzelnen Stadtteile gehören:

Ajuda (2. Bairro)
Alcântara (2. Bairro)
Alto do Pina (4. Bairro)
Alvalade (3. Bairro)
Ameixoeira (3. Bairro)
Anjos (1. Bairro)
Beato (4. Bairro)
Benfica (3. Bairro)
Campo Grande (3. Bairro)
Campolide (3. Bairro)
Carnide (3. Bairro)
Castelo (1. Bairro)
Charneca (3. Bairro)
Coração de Jesus (1. Bairro)
Encarnação (1. Bairro)
Graça (1. Bairro)
Lapa (2. Bairro)
Lumiar (3. Bairro)
Madalena (1. Bairro)
Mártires (1. Bairro)
Marvila (4. Bairro)
Mercês (1. Bairro)
Nossa Senhora de Fátima (3. Bairro)
Pena (1. Bairro)
Penha de França (4. Bairro)
Prazeres (2. Bairro)
Sacramento (1. Bairro)
Santa Catarina (1. Bairro)
Santa Engrácia (1. Bairro)
Santa Isabel (2. Bairro)
Santa Justa (1. Bairro)
Santa Maria de Belém (2. Bairro)
Santa Maria dos Olivais (4. Bairro)
Santiago (1. Bairro)
Santo Condestável (2. Bairro)
Santo Estêvão (1. Bairro)
Santos-o-Velho (2. Bairro)
São Cristóvão e São Lourenço (1. Bairro)
São Domingos de Benfica (3. Bairro)
São Francisco Xavier (2. Bairro)
São João (4. Bairro)
São João de Brito (3. Bairro)
São João de Deus (4. Bairro)
São Jorge de Arroios (4. Bairro)
São José (1. Bairro)
São Mamede (1. Bairro)
São Miguel (1. Bairro)
São Nicolau (1. Bairro)
São Paulo (1. Bairro)
São Sebastião da Pedreira (3. Bairro)
São Vicente de Fora (1. Bairro)
Sé (1. Bairro)
Socorro (1. Bairro)

Montag, 15. Juni 2009

Wissen sie wo das Land der Papageien liegt?


Wissen sie wo die Insel des Wahren Kreuzes liegt oder das Land der Papageien? Oder wissen sie vielleicht wo Pindorama auf der Landkarte zu finden ist? Oder können sie vielleicht eher das Land des Heiligen Kreuzes zuordnen?

Nein?!?

Und wie sieht es mit Brasilien aus? Von diesem Land haben sie doch bestimmt schon mal gehört, und können es höchstwahrscheinlich auch auf der Weltkarte lokalisieren, oder?
Pindorama, Insel des Wahren Kreuzes, Land des Heiligen Kreuzes und Land der Papageien sind alles Namen, die Brasilien mal hatte, bevor es unter dem heutigen Namen Brasilien bekannt wurde.

Das Land, welches wir heute unter Brasilien kennen, und die Portugiesen im Jahre 1500 entdeckten, hatte schon viele Namen.
Neun um genauer zu sein.

Im Jahre 1500 startete eine Flotte von 13 Karavellen unter der Leitung von Pedro Álvares Cabral, um nach Indien zu segeln. Schlechte Winde und ungünstige Meeresströmungen treiben dann aber die Armada nach Westen ab.
So weit nach Westen, dass am 22. April unerwartet Land in Sicht kommt, und die Seefahrer in einer Bucht mit einem natürlichen Hafen vor Anker gehen.
Diesen Ort nennt Cabral Porto Seguro (Sicherer Hafen) und weil die eingeborenen Tupí-Indianer den Männern freundlich entgegentreten, können die Portugiesen ungehindert ein Kreuz aus Holz aufrichten und feierlich die erste Messe auf dem Boden der neuen Welt zelebrieren.
Cabral nennt daraufhin das neu entdeckte Land, welches die Eingeborenen selbst „Pindorama“ nennen , weil er glaubt auf einer großen Insel mitten im Atlantik gelandet zu sein, „Ilha de Vera Cruz“ (= Insel des wahren Kreuzes).
Erst ein Jahr später, wird ein Expeditionsteam unter portugiesischer Flagge, mit einem gewissen Americo Vespucci an Bord, herausfinden, das man nicht auf einer Insel vor Anker gegangen ist, sondern auf eine bis dahin unbekannte Landmasse (über die Entdeckung Brasiliens und den Namen „Brasil“ selbst, mehr in einem folgenden post, welches ich in der nächsten Zeit noch schreiben will) gestoßen ist.
Somit wurde aus der „Ilha de Vera Cruz“ (= Insel von Vera Cruz) die „Terra de Vera Cruz“ (= Land von Vera Cruz).
Einige Zeitlang wurde das neu entdeckte Land von den ersten Besuchern auch “Terra Nova” (= Neues Land) und „Terra dos Papagaios“ (= Land der Papageien) genannt.
1505 wurde aus der „Terra de Vera Cruz“ (= Land des wahren Kreuzes) die „Terra de Santa Cruz“, also das „Land des Heiligen Kreuzes“.
Um 1510 nannten manche das Land auch Portugiesisch Amerika, vor allem am Hofe von Manuel I.
1526 wird dann zum ersten Mal in einem Bericht das Land „Terra de Santa Cruz do Brasil“ erwähnt, was soviel wie „Land des Heiligen Kreuzes aus Brasil“ heißt.
Brasilholz (pau-brasil, kurz auch brasil genannt), ist ein besonders wertvolles, teures und rotes Edelholz, welches zur damaligen Zeit für den Bau von Möbeln und aller Art von Inneneinrichtungen in Häusern, Kirchen (auch Kreuze!) und Palästen verwendet wurde. Da dieses Holz in Portugiesisch Amerika in rauen Mengen vorkam, wurde aus dem Land von „Santa Cruz do Brasil“ mit der Zeit „Terra do Brasil (= Land des Brasil) und dann endgültig „Brasil“ (= Brasilien).

Sollte sie also jemand mal fragen wo das Land von Vera Cruz oder das Land der Papageien liegt, dann zeigen sie auf der Landkarte, ohne zu zögern, mit dem Finger auf Brasilien, und sie werden richtig liegen!...

Von Vögel die wie Esel schreien




Vasco da Gama ist in die Geschichte eingegangen, als der Seefahrer, der 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hat.

Auf seiner ersten Reise nach Indien, kam er auch am südafrikanischen Kap der Guten Hoffnung vorbei.
Und dort, in der Nähe des Kap der Guten Hoffnung, an einem Ort, welches er Angra de São Brás nannte, entdeckte er und seine Männer ein paar fremdartige Vögel, die er später in einem Reisebericht an den König folgendermaßen beschrieb:

(Auszug aus dem Original von 1497 =) „... há umas áves que são tamanhas como patos, e não voam porque não têm penas nas asas, e as quais aves zurram como asnos…“ (hier meine Übersetzung zu diesem Text aus dem Reisebericht von Vasco da Gama: „…und es gibt hier Vögel, die die Größe von Enten haben, aber im Gegensatz zu diesen können sie nicht fliegen, denn sie haben keine Federn an den Flügeln und diese Vögel schreien wie Esel…“.

Natürlich ist Vasco da Gama nicht für diesen Reisebericht weltberühmt geworden, denn schließlich hat der Mann den Seeweg nach Indien entdeckt, und somit damals die drei der Menschheit bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien miteinander verbunden. Das war eigentlich seine Leistung!

Aber es ist immerhin der erste Bericht über…

… Pinguine!

Diese fremdartigen Vögel, von denen Vasco da Gama schreibt, waren Pinguine, und er war auch der erste Europäer, der diese Tiere zu Gesicht bekam.

Auf diesen Bericht über die Pinguine am Kap, die später einmal dank dieser Beschreibung von Vasco da Gama den Namen Eselspinguine erhalten sollten, folgten dann noch viele, viele andere Berichte über die merkwürdigsten und außergewöhnlichsten Tiere und Pflanzen der neuen und alten Welt.
Somit entdeckten die Portugiesen nicht nur andere Länder und Kontinente, sondern auch viel Kurioses über das sie als erste der Welt berichteten.

Kindheitserinnerungen




Heute bin ich, nach meinem Gang zum Bäcker, ungewollt in Erinnerungen geschwelgt.
Ungewollt, weil ich über Dinge nachgedacht habe, über die ich schon seit Jahren nicht gedacht habe.
Ich weiß nicht ob der Leser dieses Blogs dies nachvollziehen kann, wie das ist, wenn man plötzlich an Dinge und Sachen denkt, die einem für Jahre, manchmal sogar für Jahrzehnte, im Gedächtnis oder im Herzen verschollen waren, und dann plötzlich und unerwartet einfach hochkommen.

Ich habe heute in der Bäckerei Rolo II, in der wir immer unser Brot holen, und in der ich und meine Liebsten auch gerne mal unser Frühstück oder unseren Kaffee zu uns nehmen, die Brötchen holen müssen. Aber ich musste warten bis sie aus dem Ofen kamen, denn sie waren noch nicht fertig gebacken.
Und beim warten bin ich, wie gesagt, in alten Erinnerungen geschwelgt.

Ich muss vier oder fünf Jahre alt gewesen sein, da wohnte ich mit meinen Eltern in der Serra da Luz, unweit von Pontinha, in der Nähe von Benfica in Lissabon.
Ich kann mich erinnern, wie meine Mutter damals jeden Abend einen Stoffsack, den „Saco do Pão “, draußen an die Türklinke hing, und morgens waren in dem Stoffsack frische, knackige, meistens sogar noch warme Brötchen drinnen, die der Bäcker in seinem großen Weidekorb transportierte und durch die ganzen Haushalte verteilte.
Heute weiß ich, dass meine Mutter in dem Stoffsack (ein Stoffsack der extra für diesen Zweck hier in Portugal erfunden und kommerzialisiert wurde und der in keinem Haushalt fehlen durfte. Die meistens waren weißbunt und manche waren sogar liebevoll von jungen Mädchen bestickt und dienten dann als Teil der Aussteuer) einen Zettel mit einer Nummer hinterließ, der die Anzahl der Brötchen anzeigte, die sie vom Bäcker haben wollte.
Wenn also auf dem Zettel eine 10 stand, dann wusste der Bäcker, dass er 10 Brötchen in den Sack reingeben musste. Stand auf dem Zettel eine 7, dann legte er 7 Brötchen in den Sack hinein, bei einer 12 füllte er den Stoffsack mit 12 Brötchen, usw. Abgerechnet wurde dann am Monatsende.
So einfach war das!

Mit der Milch war es ähnlich. Die gab es damals, als ich ein Kleinkind war, nicht aus der Milchtüte im Supermarkt so wie heute, nein! Die Milch holte ich mit einer „Vasilha“, einer aus Aluminium bestehenden Milchkanne mit Deckel, direkt bei der Bäuerin.

Mit der Milchkanne in der Hand, ging ich auf den Bauernhof, der genau an unserem Haus angrenzte, und holte mir dort bei der Bäuerin Dona Josefina die frische Milch, direkt von der Kuh, und brachte die Milchkanne vorsichtig nach hause, denn meine Mutter konnte es nicht haben, wenn ich unterwegs die halbe Milch verschüttete, was, soweit ich mich zurückerinnern kann, mehrmals passierte.
Zuhause musste meine Mutter die Milch noch aufkochen, um, wie sie sagte, die ganzen „bichinhos“ (bichinhos heißt so viel wie „Tierchen“, gemeint sind aber die Mikroben) abzutöten, und dann wurde die Milch genussvoll getrunken.

Wieso ich ausgerechnet heute beim Bäcker im Rolo II an diese Kindheitserinnerungen denken musste, weiß ich nicht genau.
Aber ich weiß, dass solch eine Zeit nie wieder kommen wird, und das macht mich schon sehr traurig.
Mir ist schon klar, dass wir den Fortschritt nicht aufhalten können, und ich bin sehr wohl progressiv. Aber ich weiß gleichzeitig auch nicht, ob es ein Fortschritt ist, wenn Kinder heute glauben die Milch und die Eier kommen aus dem Supermarkt und alle Kühe wären lila…

Wenigstens bleiben mir die Kindheitserinnerungen; die kann mir nämlich keiner nehmen!

Samstag, 13. Juni 2009

Die Liebe zu einem Fluss


Wer von meinen Freunden jemals hier in Portugal war, weiß dass er, wenn er mich hier zuhause, in Almada, besuchen will, immer übers Wasser kommen muss.
Er muss!

Egal ob er über eine der Hängebrücken mit dem Mietauto fährt, oder mit einer der Fähren über das Wasser kommt.
Er muss immer den Tejo überqueren.
Immer!

Wer nicht von hier ist, könnte meinen der Tejo ist wie eine Grenze oder wie eine Barriere, der Städte, ja ganze Provinzen und ihre Menschen, teilt.
Aber genau das Gegenteil ist der Fall.
Der Tejo, obwohl er von Osten nach Westen das ganze Land in zwei Hälften „teilt“, ist für uns Portugiesen seit Jahrhunderten die Verbindung in die Welt, die Nabelschnur die uns mit allen Weltmeeren verbindet. Er war und ist die Bühne eines vergangenen Weltreiches. Ohne den Tejo wäre Portugal niemals die Seefahrernation geworden, die es einmal war.
Unsere Entdeckungsfahrten fingen hier in diesem Fluss an, und nicht draußen auf dem offenen Meer!

Lissabon und die Lissabonner sind tejoverliebt, waren es schon immer. Aber wie mit jeder Liebe, so ist es auch mit dieser: mit der Zeit lässt vieles nach! Und heute sieht es so aus, als wenn der Lissabonner den Tejo vernachlässigt. Aber es sieht nur so aus, glauben sie es mir!

Die beste Aussicht auf den Tejo hat man übrigens von den vielen Aussichtterrassen (Miradouros) die über die Hügel der Stadt verteilt sind. Von ihnen aus kann man den riesigen Mündungssee bewundern, der sich erst im letzten Augenblick entschließt, noch einmal ein Fluss zu werden. Die Lissabonner nennen dieses riesige Binnensee „Mar da Palha“ (das Strohmeer), denn morgens und abends, wenn die Sonnenstrahlen auf das Wasser fallen, lassen sie die Fluten so aussehen als wären sie von schimmernden goldenen Halmen bedeckt.

Viele Touristen, die Lissabon besuchen, nehmen die Gelegenheit wahr, und überqueren den Tejo von Lissabon nach Cacilhas.
Ich selbst schlage so eine Überquerung des Tejos jedem Touristen vor, der mich nach einem originellen Trip in Lissabon fragen tut. So eine fahrt über den Tejo ist zwar keine „Weltreise“, aber es reicht, um sich in diesen Fluss zu verlieben.

Von Cacilhas aus, hat man auch den schönsten Ausblick auf Lissabon. Die Entfernung von knapp 3 km schadet Lissabon überhaupt nicht. Ich möchte sogar sagen, das Gegenteil ist der Fall! Die Entfernung macht Lissabon weicher, sie verdeckt das Brüchige, verbirgt die Narben und die Schatten, und die ewigen Baustellen die die Stadt ständig heimsuchen. Und außerdem sieht man immer Wasser, viel Wasser.

Ich stelle mir oft vor, wenn ich den Tejo überquere, so wie heute Abend, als ich von dem Antoniusfest nach hause gefahren bin, wie der Tejo vor drei oder vier Jahrhunderten ausgesehen haben muss, mit seinen hunderten und aberhunderten Karavellen, Naus, den Segelschiffen aus aller Welt und den Fischerbooten in allen Größen.
Wie muss dieser Fluss ausgesehen haben mit den ganzen weißen Segeln im Wind?

New 7Wonders Portugal


























In einer Zeremonie, im südportugiesischen Portimão, an der Algarveküste, wurden am 10. Juni 2009, dem portugiesischen Nationalfeiertag die „Sieben portugiesischen architektonischen Weltwunder“ (7 Maravilhas de Origem Portuguesa no Mundo) bekannt gegeben.

In einer dreimonatigen Wahl konnten Menschen aus aller Welt im Internet aus 27 verschiedenen geschichtlichen, von Portugiesen, erbauten Bauwerken, die sieben schönsten aussuchen. Zur Wahl standen Festungen, Kirchen, Klöster, Paläste und ganze Altstädte, die mal zum portugiesischen Weltreich gehört haben, und die von portugiesischen Baumeistern errichtet worden sind.
Obwohl sich diese Bauwerke heute auf den Territorien anderer Nationen befinden, sind sie dennoch portugiesischen Ursprungs, und so ein Teil der portugiesischen Geschichte.

Die sieben portugiesischen architektonischen Weltwunder sind:

- die Festung von Diu, in Indien (Die Stadt Diu liegt an der Mündung des Gujarate in den Indischen Ozean. Im Jahre 1535 erlaubte der Sultan Badur-Shá dem portugiesischen Seefahrer Nuno da Cunha die Errichtung einer Festung, zur Sicherung der Stadt. Diu war bis 1961 unter portugiesischer Herrschaft)

- die Festung von Mazagão, in Marokko (die Festung Mazagão steht an der Mündung des Flusses Morbeia in den Atlantik. Sie wurde unter der Herrschaft von König Manuel I erbaut und wurde erst 1769 von den Portugiesen verlassen)

- die Basilika Bom Jesus de Goa, in Indien (diese ab 1594 erbaute Basilika wird auch das Tadj Mahal von Goa genannt, so prächtig sieht sie aus. In ihr befinden sich seit 1655 die sterblichen Überreste des Heiligen Franz von Assisi. Goa war bis 1961 ein Teil von Portugiesisch Indien)

- die Altstadt von Santiago auf den Kapverdischen Inseln (mit dem Bau der Altstadt von Santiago wurde 1456 begonnen. Santiago war die erste Stadt die die portugiesen außerhalb Portugals erbauten. Die Kapverdischen Inseln standen bis 1974 unter portugiesischem Besitz)

- die Ruinen der Kirche São Paulo von Macao, in China (die Kirche São Paulo in Macao stammt von 1636. Bei einem Erdbeben wurde die Kirche fast vollständig zerstört. Nur die Fassade blieb stehen. Sie ist heute das Wahrzeichen von Macao. Macao war bis 1999 portugiesisches Territorium auf chinesischem Boden)

- das Kloster São Francisco de Assis da Penetencia in Ouro Preto / Brasilien (diese von Francisco Lisboa, wegen seiner Körperbehinderung auch “o Aleijadinho” genannt, erbaute Kirche in Ouro Preto stammt von 1765)

- das Kloster São Francisco da Ordem Terceira in São Salvador da Baía / Brasilien (São Salvador war die erste Hauptstadt Brasiliens. Mit dem Bau der Klosterkirche wurde 1686 begonnen. Im Inneren befinden sich die schönsten Azulejos Brasiliens)

Die New 7Wonders Portugal, unter deren Schirmherrschaft diese Wahl stattfand, und an der ca. 2.400.000 Menschen aus aller Welt teilgenommen haben, meinte in ihrer Laudatio (und hier übersetze ich) „…dass heute beispielhafte Bauwerke, einzigartiger Kunst überall auf der Welt ausgezeichnet wurden, die zwar portugiesischen Ursprungs sind, aber der ganzen Menschheit gehören…“

Für 2010 plant die New 7Wonders Portugal die Wahl der sieben schönsten Landschaften Portugals.


Freitag, 12. Juni 2009

Santo António de Lisboa


Vorgestern feierten wir hier in Portugal den Camões-Tag (siehe auch meinen post vom 09. Juni mit dem Titel „Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas“).
Gestern war Fronleichnam (Corpo de Deus), ein kirchlicher Feiertag, den man auch in Deutschland feiert.
Und morgen, am 13. Juni, stehen der Hauptstadt und vielen anderen Orten der Nation, die Feierlichkeiten zum Antoniusfest bevor.
Heute schon, am Vorabend des großen Festes, steht die Stadt Lissabon Kopf, um ihren Schutzpatron zu feiern.
Wohlgemerkt „ihren“ Schutzpatron, denn wir sprechen hier über Antonius von Lissabon und nicht über Antonius von Padua (obwohl derselbe Heilige gemeint ist!), so wie er von so vielen genannt wird, denn er wurde in Lissabon geboren und nicht in Padua. Da sind die Lissabonner sehr eigen!

In einem kleinen Haus am Rande der Alfama, wurde 1195 Santo António de Lisboa, als Fernando Martins de Bulhões, geboren. Dort wo sein Geburtshaus stand, steht heute die Kirche mit seinem Namen, genau gegenüber der Lissabonner Kathedrale Sé.
Fernando Martins studierte zuerst in Coimbra, bevor er dann als junger Missionar, sich auf den Weg nach Italien machte. Bei Sizilien erlitt er aber Schiffbruch. Kaum gerettet ging er zuerst nach Assisi, wo er den Heiligen Franziskus kennen lernte, und wo er dem Franziskanerorden beitrat. Hier nahm er dann auch seinen neuen Namen, Antonius, an.
Später ging er dann nach Padua. Er soll ein wortgewaltiger Redner und Prediger gewesen sein, dem sogar die Fische zuhörten, so die Überlieferung. Dort, in einem Kloster in der Nähe von Padua, verstarb er dann auch, erst 36jährig. Als er starb war er bereits hoch verehrt, denn die Menschen liebten seine Predigten und sie mochten ihn, weil er ein einfacher, sympathischer Zeitgenosse war.
Sein Wunderboden waren Umbrien, die Romagna, Venetien und natürlich auch Padua. Und dort, in Padua blieben auch seine Reliquien.

Aber sein Geburtsort und die Kirche die an ihn erinnert, steht wie gesagt hier in Lissabon.
In Italien verehrt man den Heiligen Antonius. Hier in Portugal wird er aber nicht nur verehrt, sondern in erster Linie geliebt.
Jedes Jahr um den 13. Juni, dem Todestag von Antonius, steckt ganz Lissabon im Taumel des größten Festes der Stadt. Alles ist mit bunten Papierschlangen, Lampions und Girlanden geschmückt.
Überall in der Stadt trifft man kleine, tönerne Antonius-Figuren, meistens mit dem Jesuskind auf dem Arm, die uns väterlich aus einem Meer von Manjericos, dem wohlriechenden Basilikum, zu grüßen scheinen.

In der Nacht vor dem Fest finden die Marchas Populares (Volksmärsche) statt, bunte Umzüge mit Musik und Tanz. Diese Umzüge basieren auf uralte Traditionen.
Vereinfacht gesagt, wird jeder der 53 Stadtteile von 30 bis 40 Männer und Frauen bei diesen Volksmärschen vertreten, die Kostüme schneidern, Lieder verfassen und Tänze arrangieren, und sich damit bei der Parade entlang der Avenida da Liberdade präsentieren. Die spektakulärste der 53 Darstellungen wird am Antoniustag mit einem Preis ausgezeichnet. Fast jeder Bewohner – ob Mann oder Frau – feuert bei dieser Gelegenheit sein Stadtteil an. Denn das siegen bei den Marchas Populares ist eine Sache von höchstem Prestige.
Am Tag des Heiligen Antonius selbst, finden die Casamentos de Santo António statt, die Hochzeiten des Heiligen Antonius.
Auch sie sind eine uralte Tradition der Stadt. Jedes Jahr richtet die Stadt eine Hochzeitfeier für 20 Hochzeitspaare aus, wobei die Stadt die ganzen Kosten übernimmt, w.z.B. das Hochzeitskleid für die Braut, den Anzug für den Bräutigam, die Eheringe, die Hochzeitszeremonie, das anschließende Hochzeitsessen (für eine begrenzte Anzahl von Gästen natürlich) und die nach der Hochzeit stattfindende Hochzeitsreise.
Diese Hochzeiten waren früher für die Mittellosen der Stadt gedacht, die den Bund der Ehe schließen wollten, es sich aber finanziell nicht leisten konnten. Heute darf sich jeder bewerben, um als Braut oder Bräutigam bei einer Santo António Hochzeit teilzunehmen. Die einzige Bedingung die die Stadtverwaltung stellt ist, dass die Brautleute geborene Lissabonner sein müssen!

Der Heilige Antonius ist der Beschützer der Liebenden, der Ehen, der Kinder und der Familien. Außerdem ist er der Schutzpatron aller Tiere und der Finder aller verlorenen Dinge.
Man mag an Heilige glauben oder nicht und man mag katholisch sein oder nicht.
Aber für den Lissabonner ist Santo António ein bevorzugter und angenehmer Vermittler zu Gott, und – er ist ein Sohn der Stadt.

Wir sind Hund



Mit Kommandos wie “Hol das Stöckchen!“ oder „Bring den Ball!“ konnte der Portugiesische Wasserhund, der offiziell Cão de Água Português heißt, nie viel anfangen.
Mit „Tauch nach dem Netz“ oder „Zieh das Boot mit dem Seil“ schon mehr.
Nun hat es einer dieser wasserverrückten Portugiesen bis ins Weiße Haus gebracht.
Und wie damals vor Jahren die Bildzeitung, nach der Wahl von Kardinal Josef Ratzinger titelte „Wir sind Papst“, als dieser zum Papst gewählt wurde, so könnte man meinen „wir hier in Portugal wären jetzt Hund“, so groß ist die Nachfrage nach dem Portugiesischen Wasserhund in den letzten zwei Monaten geworden.
Keiner weiß woher der Wasserhund herkommt. Vielleicht brachten ihn die Phönizier, die Römer oder die Mauren mit nach Portugal. Jedenfalls war er auf einmal da, und ist es dann auch bis zum heutigen Tag geblieben, obwohl es in den letzten Jahren sehr schlecht um seine Existenz bestellt war. Um ein Haar wäre er beinahe ausgestorben. Aber das hat sich ja jetzt, da einer seiner Rasse es bis ins Weiße Haus, auf den Schoß von Barak Obama geschafft hat, wohl verhindert werden können. Denn jetzt will auf einmal jeder einen Portugiesischen Wasserhund haben.
Der Portugiesische Wasserhund, ist laut den Statuten der Portugiesischen Rassehundevereinigung ein „lebhafter, unermüdlicher, genügsamer, stolzer, manchmal eigenwilliger, aber nicht aggressiver, mittelgroßer“ Hund, so die Übersetzung.
Er sieht aus wie ein etwas kräftiger Pudel und hat sogar ein ähnliches, gekräuseltes Fell wie dieser. Wie der Pudel, so wird auch der Cão de Água Português geschoren. Der hintere Körperteil und die Hinterbeine werden kurz geschoren und der Vorderkörper und die Vorderbeine bleiben mit dem dichten Fell bewachsen. Das hat mal ausnahmsweise nichts mit dem „Schönheitsideal’“ der Besitzer zu tun, sondern mit der Tatsache, das das geschorene Fell am Hinterkörper den Hund hilft besser zu schwimmen, und der unrasierte Vorderkörper schützt die Lungen vor dem kalten Wasser!
Wie der Name es schon erahnen lässt, sind Wasserhunde im Wasser voll und ganz in ihrem Element. Sie können ausgezeichnet schwimmen und haben sogar kleine Schwimmhäute zwischen ihre Zehen, die ihnen das Paddeln erleichtern. Als es die königliche Marine noch gab, wurden die Wasserhunde als Boten zwischen den verschiedenen Schiffen benutzt.
Bemerkenswert bei diesem Hund ist auch die Tatsache, dass sie so etwas wie einen siebten Sinn haben, der sie vor Haien im Wasser warnt. Wenn sie nämlich meinen Haie wären im Wasser, dann gehen sie erst gar nicht rein, und die Fischer sind gewarnt.
Da er auf vielen portugiesischen Schiffen, Karavellen und Naus anzutreffen war, gelang er schon recht früh hinaus in die Welt. Er schaffte es nach Irland, Brasilien, Indien, Japan und dann nach Neufundland, Labrador und sogar nach Kalifornien. Alleine dort, in Kalifornien, gibt es heute mehr Wasserhunde als hier in seinem Heimatland Portugal.
Vor Wochen habe ich, anlässlich der Tatsache das den Obamas ein Portugiesischer Wasserhund geschenkt wurde, im deutschen Fernsehen eine Sendung gesehen, ich glaube auf n-tv, in der berichtet wurde, das die Baseballmannschaft von San Francisco fünf Wasserhunde in ihren Diensten hält. Die Aufgabe dieser Hunde ist es, die ins Wasser gefallenen Baseballbälle (das Baseballstadion befindet sich direkt an der San Francisco Bay), die aus dem Stadion geschlagen werden, zurückzuholen. Das war selbst mir neu.
Hier in Portugal stand der Cão de Água Português, wie schon erwähnt, schon einmal kurz vor dem Aussterben. Dem Reeder und Hundeliebhaber Vasco Bonsaúde ist es zu verdanken, das es den Portugiesischen Wasserhund heute noch in Portugal gibt. Denn er züchtete den Hund mit viel Liebe und Hingabe, so erfolgreich, das es heute an die 9000 Wasserhunde in Portugal gibt. Das klingt viel, ist aber im Verhältnis zu anderen Hunderassen, verschwindend wenig. Ich selber habe bis heute erst zwei Portugiesische Wasserhunde in meinem Leben gestreichelt. Der eine, vor einigen Jahren auf einer Hundeausstellung hier in Vila Franca de Xira, und der andere vor gut einem Jahr an der Küste der Costa de Caparica, als ich einen Strandspaziergang machte. Ich kenne sogar Landsleute von mir, die haben einen Cão de Água Português noch nie in ihrem Leben gesehen!
Einer von Vasco Bonsaúdes Hunden wurde in den 70er Jahren dem Senator Ted Kennedy, dem Bruder von J.F. Kennedy, geschenkt. Der vernarrte sich so sehr in diese Hunderasse, das er sich noch vier Hündinnen aus Portugal kommen ließ, und selbst anfing diese Hunderasse zu züchten. Und eines dieser gezüchteten Vierbeiner wurde nun dem amerikanischen Präsidenten Obama geschenkt, und kam somit ins Weiße Haus, und ist jetzt der „First Dog“.
Jetzt ist die Gefahr, dass der Portugiesische Wasserhund ausstirbt erst einmal gebannt, denn er ist zum Modehund geworden. Jeder will so einen Wollknäuel haben. Bleibt nur die Hoffnung, das in einigen Jahren, wenn der Hund wieder aus der Mode gekommen ist, die Tierheime nicht voll mit Wasserhunden sein werden. Denn schlimmer als ein Hund der vom aussterben bedroht ist, ist ein Hund der sein Dasein in einem Tierheim fristen muss!

Über Sinn und Nutzen einer Wiederwahl



Heute, wenige Tage nach der Wahl zum Europaparlament, haben verschiedene online-Tageszeitungen die ich gelesen habe, über eine mögliche Wiederwahl von Manuel Durão Barroso als Präsident der Europäischen Kommission geschrieben.

Die FAZ widmet diesem Thema ein eigenes Link, indem sie sich positiv über eine Wiederwahl des „Portugiesen“, wie sie ihn nennen, äußert.
Und in der spanischen Tageszeitung El Pais, sagt die französische Sozialistin Martine Aubry in einem Interview, lieber unterstütze sie einen iberischen Konservativen, als einen von Berlusconis Gnaden ausgesuchten Rechten.

Manuel Durão Barroso hat für eine Wiederwahl die Unterstützung aller konservativen und liberalen Regierungen in Europa, auch die der deutschen.
Außerdem kann er mit der Unterstützung drei sozialdemokratischer Regierungen rechnen. Nämlich mit der portugiesischen Regierung von Socatres, der spanischen Regierung von Zapatero und der britischen Regierung von Gordon Brown (falls der noch im Amt sein sollte, wenn ich diese Zeilen zu Ende geschrieben habe, denn es sieht schlecht um die politische Zukunft von Mr. Brown aus). Somit scheint einer Wiederwahl von Durão Barroso nichts im Wege zu stehen.

Nur hier in Portugal ist eine Diskussion von den Sozialisten losgetreten worden (die die Schlappe bei der Europawahl immer noch nicht verdaut haben), über den Sinn und den Nutzen einer Wiederwahl Barrosos, und was diese Wiederwahl Portugal bringen könne.

Nun, und hier tue ich nun meine höchstpersönliche Meinung kund, Portugal hat meiner Meinung nach weder Vorteile noch Nachteile, wenn Durão Barroso als Kommissionspräsident wiedergewählt werden sollte. Und so soll es auch sein!

Als Präsident der Europäischen Kommission ist ihm absolute Neutralität vorgeschrieben. Er soll und muss Portugal weiterhin so behandeln wie jedes andere Mitglied der Europäischen Union auch. Und fairer Weise muss man auch sagen, das er in seiner ersten Amtszeit dies ohne Wenn und Aber, auch getan hat.
Ansonsten hätte er wahrscheinlich auch nicht die Unterstützung von so vielen europäischen Regierungen.

Aber um die Frage der frustrierten Sozialisten (ach wie gerne würde ich so manchem Politiker persönlich meine Meinung sagen!) zu beantworten:
Der Sinn einer Wiederwahl von Durão Barroso ist es, das Bild eines modernen Portugals ins benachbarte Europa hinauszutragen, so wie es ein Cristiano Ronaldo oder ein José Mourinho auch tun.

Selbst wenn im Enddefekt für Portugal kein Vorteil dabei rausspringt!

Mister Five Percent



Die Tatsache das Portugal im Zweiten Weltkrieg neutral geblieben ist, und somit keine eigenen Opfer auf den Schlachtfeldern der Welt erleiden musste, sehen heute noch viele Portugiesen als ein Glücksfall der Geschichte an. Trotz all der Entbehrungen die die Portugiesen über sich ergehen lassen mussten, kamen sie recht gut davon und mussten nicht wie andere Nationen hungern, kriegsleiden und sterben. Von diesem Standpunkt ausgesehen, waren die Kriegsjahre für Portugal Glücksjahre.
Aber 1942 sollte sich als „das“ Glücksjahr schlechthin erweisen. Denn in diesem Jahr kam der armenische Ölmilliardär Calouste Sarkis Gulbenkian nach Lissabon - und blieb.
Gulbenkian wurde am 1. März 1869, in der Nähe von Istanbul als Sohn eines wohlhabenden armenischen Petroleumhändlers geboren. Schon als Kind zeigte er Interesse an Kunst. Man erzählt sich, dass er als Siebenjähriger mit seinem Taschengeld eine alte Münze auf einem Flohmarkt in Istanbul ergatterte. Diese Münze sollte das erste Stück der berühmten Gulbenkian-Sammlung werden. Sie ist heute im gleichnamigen Museum ausgestellt.
Mit 18 Jahren zog Gulbenkian nach England und fing an Ingenieurwissenschaften an der Londoner Universität zu studieren. Mit erst 22 Jahren besuchte er dann Mesopotamien, im heutigen Irak, und erforschte die dortigen Ölfelder. Der Forschungsbericht den er verfasste veranlasste eine internationale Kommission zu Probebohrungen und damit begann Gulbenkians Karriere und Iraks Ölförderung.
Als einer der Gründer der Iraq Petroleum Company handelte er 1928 mit Shell, BP und Mobil die Aufteilung der Gesellschaft aus und sicherte sich eine 5%-Beteiligung – daher auch sein Spitzname „Mister Five Percent“ - an den drei heutigen Multis. Zeitweilig galt Calouste Gulbenkian sogar als der reichster Mann der Welt.
Gulbenkian war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein eifriger Sammler. Aber er kaufte Kunst nicht einfach drauf los.
Nein, man erzählt sich, dass er jedes einzelne Objekt gnadenlos vor dem Erwerb studierte. Manche Stücke bewahrte er monatelang in seinem Haus auf, bis er endlich zu dem Entschluss kam ob er es kaufen oder nicht kaufen sollte. Für den Erwerb des Tafelsilbers der russischen Zarenfamilie z.B., brauchte er über vier lange Jahre!
Calouste Gulbenkian kam ungewollt nach Portugal.
Er war im Unfrieden aus London weggegangen. Ihm, der 1902 die britische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, wurden nun die Gewinne aus seinen Geschäften plötzlich als Feindeseigentum beschlagnahmt. Nach Istanbul konnte er nicht, denn dort herrschte der Krieg. Und auch in Paris, wo er lebte, wurde es ihm langsam zu unsicher, denn die deutschen Truppen kamen immer näher.
Eigentlich wollte er nach Amerika auswandern, als er eines Abends in London, dem portugiesischen Botschafter in Großbritannien, Armindo de Sttau Monteiro begegnete, und der ihm anbot nach Lissabon zu kommen. Als der Botschafter ihm diesen Vorschlag machte, konnte sich keiner erträumen das Gulbenkian später einmal all sein Vermögen nach Portugal bringen würde und hier seine Stiftung gründen würde.
Aber Gulbenkian sollte niemals vergessen, dass das friedliche Lissabon, das er bis dahin noch nicht einmal kannte, ihn 1942 liebenswürdig, gastfreundlich und mit offenen Armen empfangen hatte.
Bis zu seinem Tod, im Jahre 1955, wohnte er in einer luxuriösen Suite des Hotels Aviz (da, wo heute das Sheraton steht). Er starb ohne Ehefrau und kinderlos.
Als er starb hinterließ er all sein Geld (es sollen nach heutigem Wert mehr als 6 Milliarden Dollar gewesen sein) der von ihm gegründeten Stiftung „Fundação Calouste Gulbenkian“ in Lissabon.
Von der Stiftung, die alljährlich mehrere hundert Millionen abwirft, und die mit ihrem beträchtlichen Vermögen ein kleiner Staat im Staate ist, wird die Hälfte für die Kunst ausgegeben. Aber auch die Wohltätigkeit, die Wissenschaft und die Erziehung profitieren von Gulbenkians Geld. Aus dem kulturellen Leben des Landes ist die Stiftung nicht mehr wegzudenken: Sie vergibt Stipendien und Auslandsstipendien, veranstaltet Konzerte, Filmretrospektiven, Kurse, wissenschaftliche Tagungen, unterhält ein weltberühmtes Ballett, ein Observatorium, mehrere Konzertsaale, leitet eine wertvolle Bibliothek und führt natürlich das einzigartige Museum in Lissabon, sowie ein anderes in Paris. Zum Museum in Lissabon gehört auch ein riesiger Park, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Im Museumscafé kann man wunderbar frühstücken oder nachmittags sein Kaffee trinken.
Um sich eine Vorstellung von der Höhe des Geldbetrages zu machen (ich konnte es bis zur Recherche dieses Textes nicht!) von dem wir hier reden, so muss man wissen das der zur Verfügung stehende Gesamtbetrag der alljährlichen Gelder der Gulbenkianstiftung mehr als doppelt so groß ist, wie die Mittel der Rockefeller Foundation in New York!
Calouste Sarkis Gulbenkian sagte einmal: „Ich bin unwiderstehlich jeglichem Ausdruck von Kunst und Schönheit verfallen“.
Wir danken ihm dafür, von ganzem Herzen!
Anmerkung: Ich werde in einem späteren post ausführlicher über das Gulbenkian-Museum und seine Kunstschätze, in der Avenida de Berna, schreiben.

Buchholz Buchhandlung



Soeben habe ich in den Nachrichten des deutschen Fernsehens erfahren, das Arcandor, der Besitzer von Karstadt Insolvenz beantragt hat. Somit ist die Zukunft von Tausenden Mitarbeiter der Karstadt AG ungewiss.
Noch ein deutsches Unternehmen, welches sich dank der anhaltenden Weltwirtschaftskrise, aus unserem Alltag verabschieden wird, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.
Uns hier in Portugal geht es nicht besser.
Jeden Tag melden Firmen Insolvenz an, gehen Betriebe pleite und gehen Banken bankrott. Es ist unglaublich wie viele bekannte und weniger bekannte Unternehmen in letzter Zeit von der Bildfläche verschwunden sind.
Über eines dieser Unternehmen möchte ich hier heute schreiben, nämlich über die Buchhandlung Buchholz (Livraria Buchholz).
Die Buchhandlung Buchholz, die ihren Sitz in der Rua Duque de Palmela 4, im Zentrum der Hauptstadt, in der Nähe der Praça Marquês de Pombal hat, schloss nun endgültig und definitiv ihre Türen.
Die Schließung war schon seit Monaten absehbar. Nur ein Wunder oder ein starker Investor hätte die Buchhandlung Buchholz noch retten können. Aber weder das eine noch das andere geschah.
Anscheinend leben wir nicht mehr im Zeitalter der Wunder.
1943 eröffnet, der aus Berlin kommende Buchhändler Karl Buchholz, in der Avenida da Liberdade seine erste Buchhandlung. Erst 1965 zog die Buchholzbuchhandlung dahin, wo sie sich bis heute befunden hat.
Karl Buchholz war nach Lissabon gekommen, weil er in Deutschland keine Zukunft für seinen Beruf mehr sah. Als Buch- und Kunsthändler stand er ständig im Konflikt mit dem Naziregime.
Man erzählt sich, er soll während der Kristallnacht ein Bild von Picasso und ein Bild von Braque vor den Flammen gerettet haben. Und seit dieser Nacht sollen die Nazis ein Auge auf ihn gehabt haben.
Seine Buchhandlung in Berlin war durch einen Bombenangriff der Alliierten 1942 zerstört worden. Einen Wiederaufbau wollte er in Berlin nicht wagen; also ging er nach Portugal. Hier konnte er nun endlich die von den Nazis verbotenen Schriftsteller wie z.B. Thomas Mann verkaufen, was ihn unheimlich befriedigte.
Was die Buchhandlung Buchholz so besonders machte, war die Tatsache, dass sie innenarchitektisch völlig anders war, als portugiesische Buchhandlungen. Die drei Etagen wurden durch eine Wendeltreppe verbunden und man hatte auf jeder Etage Leseecken und gemütliche Sofas. Während es in portugiesischen Buchhandlungen nicht gerne gesehen wird, wenn man in den Büchern blättert und in ihnen liest, war dies bei der Buchhandlung Buchholz so gerade erwünscht.
In den 60er Jahren trafen sich im Keller der Buchholzbuchhandlung die Schriftsteller Escada, Noronha da Costa, Eduardo Nery und Malangatana zum debatieren. In den letzten Jahren wurde die Buchhandlung vor allem von Intellektuellen, Politikern und modernen Schriftstellern frequentiert.
Die Buchholz war auch die Buchhandlung mit der größten Auswahl an deutschsprachigen Büchern hier in Portugal. Oft habe ich dort echte Juwelen der Literatur gefunden und gekauft.
Zuletzt arbeiteten in der Buchholz nur noch neun Mitarbeiter, die schon seit Jahresbeginn keinen Lohn mehr erhalten haben.
Offiziell schuldet die Buchholz Buchhandlung ihren Gläubigern, Lieferanten und auch Mitarbeitern über 1,3 Millionen Euro.
In einer Zeit in der über Milliardenbeträge gesprochen wird, um Firmen und Werke zu erhalten, sollte man meinen das 1,3 Millionen Euro auftreibbar gewesen wären.
Aber leider besteht hier in Portugal kein Interesse an einer geschichtsträchtigen, alten Buchhandlung.
Es wird einfach zu wenig gelesen in diesem Land.
Es ist eine Schande!

James Bond wurde in Portugal geboren



Ja, so ist es. Der Buch- und spätere Kinoheld, James Bond wurde in Portugal „geboren“.
Er hat zwar mit Ian Fleming einen britischen Vater und mit Ihrer Majestät eine englische Arbeitgeberin, aber geboren wurde diese Romanvorlage, oder besser die Idee zu derselbigen, hier in Portugal, genauer gesagt in Estoril.
Im noblen Badeort Estoril, traten sich während des Zweiten Weltkrieges, die Spione, Gegenspione, Agenten, Doppelagenten und die Flüchtlinge aus ganz Europa beinahe auf die Füße.
Estoril, mit seinen weiten Gärten und Parks, der berühmten Pferderennbahn, der schönen Strandpromenade und den feudalen Villen und Stadtpalästen und nicht zuletzt dem Casino, bot für sie alle die ideale Kulisse um ihrer geheimen und intriganten Arbeit nachzugehen.
Wie ein Thriller muss es damals gewesen zu sein, in Estoril zu leben; und alles spielte sich auf wenigen hundert Quadratmetern ab.
Während die Alliierten und ihre Agenten am liebsten im mondänen Hotel Palacio abstiegen, bevorzugten die Deutschen das Hotel Atlantico, genau 50 m gegenüber!
Die schillerndste Figur in Estoril, zu dieser Zeit, ist ohne Frage der britische Doppelagent Dusko Popov gewesen. Popov war ein Playboy, so würde man heute sagen. Er war ein gefürchteter Baccara-Spieler der Stunden im Casino verbrachte.
Eines Abends, im Jahre 1944, begegnete er einem britischen Marineoffizier, der mit ihm ins Gespräch kam und einige Martinis mit ihm an der Casino-Bar trank.
Dieser britische Marineoffizier war niemand geringeres als Ian Flemming.
Und dieses Gespräch mit Dusko Popov wird Ian Fleming später einmal als Vorlage für seinen ersten James-Bond-Roman „Casino Royale“ inspirieren.
Den Rest kennen wir ja.
James Bond wird später als Geheimagent 007, noch für viele Jahrzehnte im Dienste Ihrer Majestät der Königin stehen und unzählige Abenteuer er- und überleben.
Genauso wie James Bond, so hat auch Dusko Popov die Wirren des Zweiten Weltkriegs überlebt. Er hat sich später, so viel ich gelesen habe, dann auch einmal bei Ian Flemming für die literarische Ehrung die ihm zuteil geworden ist, mit den Worten bedankt, dass dieser Bond, in der wahren Welt der Agenten und Spione, keine fünf Minuten überlebt hätte…
Und der Mann muss es ja gewusst haben!

Francisco Lázaro – De Läufer, der nie ans Ziel kam




Die erste Teilnahme Portugals, bei Olympischen Spielen, fand 1912 in Stockholm / Schweden statt.
Einer der Teilnehmer der Olympischen Spiele, war der Schreiner Francisco Lázaro, der 1910 den ersten Marathonlauf Portugals, in einer Zeit von 2:57.35h gewonnen hatte.
Am 14. Juni 1912, also fast auf den Tag genau vor 97 Jahren, ging Lázaro in Stockholm an den Start, um die Königsdisziplin des Sports, den Marathon, zu laufen.
Es war ein ungewöhnlich warmer, ja heißer Tag, und total untypisch für schwedische Verhältnisse. Stockholm hatte schon lange nicht mehr solch einen heißen Juni gehabt.
Um sich vor der sengenden Hitze zu schützen, schmierte sich Francisco Lázaro, von oben bis unten, mit Ölen, Cremes und sogar Schuhcremes ein.
Das hätte er besser nicht tun sollen. Denn als er Anfing zu laufen, fing er natürlich auch an zu schwitzen. Und da sein Körper vollständig eingecremt war, konnte seine Haut nicht atmen, er überhitzte, und so erlitt Lázaro bei Kilometer 30 einen Hitzschlag.
14 Stunden nach diesem tragischen Zwischenfall verstarb Francisco Lázaro im Stockholmer Stadtkrankenhaus.
Er ging ein in die Olympische Geschichte, nicht als überragender Marathonläufer, aber als der erste Sportler, der bei den Olympischen Spielen der Neuzeit verstarb.
Fünf Tage später, am 20. Juni 1912, versammelten sich 24.000 Zuschauer im Olympiastadion, um Francisco Lázaro posthum die letzte Ehre zu erweisen. Das Olympische Komitee schrieb damals:
"Once again there was drama in the marathon. Under a leaden sky 21-year-old Francisco Lazaro of Portugal fell victim to the heat. He collapsed and died the next day in hospital."

Delikate Verwechslung



Es ist schon eine delikate diplomatische Geschichte, die sich da vor wenigen Tagen in der serbischen Hauptstadt ereignet hat.
Da wird die portugiesische Botschaft in Belgrad von der serbischen Polizei angerufen, weil diese auf dem Internationalen Flughafen von Belgrad einen portugiesischen Staatsangehörigen festgenommen hat.


Dieser Staatsbürger Portugals war festgenommen worden, weil er einem international gesuchten Drogenbaron ähnlich sah, und man vermutete er weise sich mit falschen Papieren aus.
Natürlich bekam der Botschafter erst am Abend desselben Tages diese Information auf den Tisch (schließlich hat der Mann ja wichtigere Dinge zu tun, als in verdacht geratene portugiesische Bürger aus der Patsche zu helfen), und als er sich die entsprechende Memo durchlas, bekam er fast einen Schlag.


Der Verdächtige, der in serbischer Untersuchungshaft saß, hatte den Namen Manuel Pinho.
Den deutschen Lesern dieses blogs wird der Name Manuel Pinho wenig oder gar nichts sagen. Aber in Portugal kennt jeder Manuel Pinho. Es handelt sich hierbei nämlich um den portugiesischen Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung.
Nach mehreren Anrufen, sowohl beim serbischen Innen- als auch Außenministerium, sowie im Lissabonner Wirtschaftsministerium, stellte man dann fest das der portugiesische Wirtschaftsminister „am Platz war“, und somit nicht der Bürger sein konnte der in einem Belgrader Untersuchungsgefängnis saß.
Das war nun erst einmal eine Erleichterung zu wissen, dass der portugiesische Wirtschaftsminister nicht im dubiosen Drogenhandel verwickelt war. Aber wer um Gottes Willen war nun der Häftling der da im Gefängnis saß?
Es handelt sich tatsächlich um einen Bürger mit dem gleichen Namen wie der Wirtschaftsminister, der aber keineswegs im Drogengeschäft zuhause ist.
Nach genaurer Untersuchung mussten die serbischen Behörden sogar zugeben dass der Verdächtige noch nicht einmal annähernd dem gesuchten kolumbianischen Drogenbaron ähnlich sah.


Manuel Pinho (der unschuldig Inhaftierte) wurde noch am selben Tag in eine Maschine Richtung Lissabon gesetzt, und durfte Belgrad umgehend verlassen.
Am Lissabonner Flughafen angekommen, meinte er auf die Fragen der Reporter, wie es denn gewesen sei, mit Manuel Pinho verwechselt worden zu sein:


(freie Übersetzung von mir) „…Ich möchte klar stellen, das ich festgenommen wurde, weil man mich in erster Linie für einen Drogenbaron gehalten hat, und nicht etwa mit dem Wirtschaftsminister meines Landes verwechselt hat. Mit dem Wirtschaftsminister verwechselt zu werden, würde nämlich mein Ego gar nicht verkraften!...“

Dienstag, 9. Juni 2009

Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas



Morgen, am 10. Juni, wird hier in Portugal der Feiertag „Dia de Camões, de Portugal e das Comunidades Portuguesas” gefeiert (wortwörtlich übersetzt heißt dieser Feiertag „Tag von Camões, von Portugal und allen portugiesischen Gemeinden“).
Dieser Tag ist einer der höchsten politischen Feiertage der Nation.

An ihm wird nicht nur dem portugiesischen Nationaldichter Luis Váz de Camões gedacht, dem Dichterfürst par excellence, der mit dem Schwert genauso gut umgehen konnte wie mit der Schreibfeder, und der am 10.Juni 1580, an der Pest in Lissabon verstarb. (in den nächsten Tagen werde ich Luis Váz de Camões ein eigenes post widmen, denn er hat es ohne Zweifel verdient!)
Sondern es ist auch der Tag an dem Portugal seine Emigrantengemeinden (Comunidades Portuguesas) überall auf der Welt mit einem eigenen Feiertag ehrt.

Überall wo sich eine portugiesische Gemeinde befindet, und sei sie noch so klein, wird Morgen gefeiert. Sei es im fernen Toronto, in New York City, in New Bedford/Massachusetts, in Rio de Janeiro, in Frankfurt am Main, in Macao oder Sydney, überall werden Morgen die portugiesischen Farben demonstrativ zur Schau gestellt. Und wir hier in Portugal, sei es auf dem Kontinent oder auf den Inseln Madeira und den Azoren, werden es krachen lassen, mit einem Tag am Strand, einem Grillfest und einem Riesenfeuerwerk am Abend.

Wie schon von mir beschrieben, ist der morgige Tag ein höchst politischer Tag, an dem im Parlament große Reden geschwungen werden, an dem der Staatspräsident verdiente Bürger des Landes mit den Orden der Nation auszeichnet und an dem den Opfern aller Kriege gedacht wird.
Aber es ist auch ein lustiger, fröhlicher Tag, den wir Portugiesen mit unseren Familien und Freunden ausgelassen verbringen, und an dem wir uns auf den „Feiertagmarathon“ vorbereiten, der uns die nächste ganze Woche bevorsteht. Innerhalb von nur acht Tagen werden wir drei Feiertage haben. Nimmt man den Samstag und den Sonntag noch dazu, dann haben die meisten Portugiesen fünf freie Tage vor sich.

Wenn das kein Grund zum feiern ist…

In diesem Sinne: Have a nice Portugal Day!

Yvette Davidofe – Flüchtling aus Deutschland


„Meine Mutter und ich und unser Hund, den wir schon aus Wien mitgebracht hatten, stiegen in Madrid in den Zug. Der Bahnhof war voller Polizei und Militär. Trotzdem saßen wir wirklich im Zug.
Aber wir hatten kein Geld mehr, um die Fahrkarten nach Lissabon zu bezahlen. Als der Kontrolleur kam, fragte meine Mutter ihn, ob er uns das Geld für die Fahrkarten nach Lissabon vorstrecken könne. Als Sicherheit bot sie ihm ihren Ehering an. Unsere größte Angst war es, in Spanien aus dem Zug geworfen zu werden. Denn dann hätte uns die spanische Polizei sofort nach Deutschland zurückgeschickt, und das wäre unser sicherer Tod gewesen.

Der Schaffner, ein junger Mensch in den Dreißigern, sagte:
„Nein, nein, Sie brauchen mir nichts zu geben. Ich werde ihre Fahrkarten bezahlen und auch das Abendessen im Zugrestaurant. Ich gebe ihnen meinen Namen und meine Adresse, und in der nächsten Woche können sie mir in Lissabon das Geld zurückgeben!“

So etwas hatten wir noch nie erlebt. Als wir nachts in Lissabon ankamen, hat er uns noch in ein Hotel geführt und gesagt, wir würden in den nächsten Tagen einen Scheck einlösen können und dann das Zimmer bezahlen.
Das war 1942 unser erster Kontakt mit Portugiesen, den ich nie vergessen werde.“

Yvette Davidofe, 20 Jahre,
Flüchtling aus Berlin
1950 in einem Interview