Dienstag, 31. Juli 2012

Maria Guimarães




Zwar macht seit Anfang des Jahres ein originelles und kunstvoll-stilistisches rotes Herz Werbung für Guimarães als diesjährige Kulturhauptstadt Europas.
Die Stadt Guimarães selber aber, konnte bis dato mit keinem eigenen Maskottchen aufwarten.

Dem wurde, mit dem heutigen Tag, Abhilfe geleistet.
Seit heute hat die traditionsreiche und geschichtsträchtige Stadt Guimarães, die oftmals von uns Portugiesen auch als „die Wiege der Nation“ bezeichnet wird (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Guimarães“, vom 02. Januar 2012), ein eigenes Maskottchen.

Erschaffen wurde dieses Maskottchen, das auf den Namen „Maria Guimarães“ getauft wurde, von der aus Nordportugal stammenden jungen Künstlerin Madalena Martins, die schon vor Monaten für ihre Heimatstadt Ponte de Lima das Maskottchen „Maria de Ponte“ kreiert hat.
Madalena Martins arbeitet für das kreative, und für seine humorvollen Arbeiten bekannte, Designer- und Marketingbüro „Bicho Sete Cabeças“.

Wenn es nach dem Wunsch der Stadtväter von Guimarães geht, so soll „Maria Guimarães“ demnächst den berühmtesten Sohn der Stadt, König Afonso Henriques, als Ikone der Stadt ablösen. So soll zukünftig das Maskottchen nicht nur auf offiziellem Briefpapier und Prospekten der Stadt zu finden sein, sondern die mit einem Helm und einer Lanze ausgestattete „Maria Guimarães“ soll alsbald auch als Aufkleber, Kühlschrankmagnet, Schokolade, Stoffpuppe und noch vieles mehr in die weite Welt hinausgehen.

Freitag, 27. Juli 2012

Die Portugiesen bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London




Soeben wurden, mit einer spektakulären Eröffnungsfeier, die XXX. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit in London eröffnet.
Über angeblich vier Milliarden Menschen auf der ganzen Welt sollen sich dieses effektvolle Riesenspektakel, das mit vielen typisch britischen Details gespickt war, im Fernsehen angeschaut haben.

Mehr als 10.500 Athleten aus 204 Nationen werden in den kommenden zwei Wochen, vom heutigen 27. Juli bis zum 12. August 2012, in 26 Sportarten, verteilt auf 302 Wettbewerben, ihren Traum vom olympischen Gold leben.

Auch 44 Sportler und 33 Sportlerinnen aus Portugal werden an den Olympischen Sommerspielen 2012 in London teilnehmen, obwohl hierzulande die Hoffnung auf Medaillen, zumal auf goldene, dieses Mal sehr gering sind.
Nichtsdestotrotz, und getrost dem Motto „Dabei sein ist alles“, werden die portugiesischen Athleten sicherlich versuchen ihr bestes zu geben.
Die 77 portugiesischen Athleten werden sich in insgesamt 13 Sportarten mit den Sportlern anderer Nationen messen müssen.

Die Judoka Telma Monteiro hatte heute die Ehre, bei der Eröffnungsfeier im Olympiastadion von London, die portugiesische Mannschaft als Fahnenträgerin anzuführen.

Hier nun eine Auflistung der 77 portugiesischen Athleten die an den diesjährigen Sommerspielen in London teilnehmen und die 13 Sportarten in denen sie antreten werden:


Leichtathletik (port.: atletismo)

- Alberto Paulo (3.000m Hindernislauf)
- Ana Cabecinha (20-km-Gehen)
- Arnaldo Luis Isaías Abrantes (200-Meter-Lauf)
- Clarisse Maria Pinho Cruz (3.000-Meter-Hindernislauf)
- Ana Dulce Felix (Marathonlauf und 10.000-Meter-Lauf)
- Edi Maia (Stabhochsprung)
- Inês Henriques (20-km-Gehen)
- Irina Gomes (Diskuswerfen)
- Jéssica Augusto (Marathonlauf)
- João Almeida (110-Meter-Hürdenlauf)
- João Paulo Garcia Vieira (20-km-Gehen und 50-km-Gehen)
- Jorge Paula (400-Meter-Hürdenlauf)
- Luis Feiteira (Marathonlauf)
- E. Marisa B. Barros Rodrigues (Marathonlauf)
- Marco Fortes (Kugelstoßen)
- Marcos Chuva (Weitsprung)
- Maria Leonor RibeiroTavares (Stabhochsprung)
- Patricia Mamona (Dreisprung)
- Pedro Isidro (50-km-Gehen)
- Rui Pedro Silva (Marathonlauf)
- Sara Isabel F. Moreira (5.000-Meter-Lauf und 10.000-Meter-Lauf)
- Vânia Silva (Hammerwerfen)
- Vera Lúcia Mendes Barbosa (400-Meter-Hürdenlauf)
- Vera Lúcia M. Dos Santos (20-km-Gehen)


Badminton (port.: badminton)

- Telma Santos
- Pedro Martins


Fahrradfahren (port.: ciclismo)

- David Rosa (Mountainbike)
- Manuel Cardoso (Radrennen)
- Nelson Oliveira (Zeitfahren)
- Rui Alberto Faria da Costa (Radrennen)


Gymnastik (port.: ginástica)

- Ana Rente (Trampolin)
- Diogo Ganchinho (Trampolin)
- Manuel Campos (Gerätturnen)
- Zoi Lima (Gerätturnen)


Kanusport (port.: canoagem)

- Beatriz Gomes (K2 500m)
- Emanuel Eduardo Pimenta V. Silva (K2 1.000m und K2 200m)
- Fernando Pimenta (K2 1.000m und K2 200m)
- Helena Rodrigues (K4 500m)
- Joana Vasconcelos (K2 500m)
- Teresa Portela (K1 200m und K1 500m)


Judo (port.: judo)

- Joana Ramos
- João Pina
- Telma Monteiro
- Yahima Ramirez


Pferdesport (port.: hipismo)

- Luciana Diniz (Springreiten)
- Gonçalo Carvalho (Dressurreiten)


Rudern (port.: remo)

- Nuno Fraga
- Nuno Mendes


Segeln (port.: vela)

- Afonso Domingos
- Álvaro Marinho
- Bernardo Freitas
- Carolina Borges
- Diana Neves
- Francisco Andrade
- Frederico Melo
- Gustavo Lima
- João Rodrigues
- Mariana Lobato
- Miguel Nunes
- Rita Gonçalves
- Sara Ledo Lopez Mota Carmo


Schwimmen (port.: natação)

- Ana Rodrigues (100-Meter-Brust)
- Arseniy Lavrentyev (Freiwasserschwimmen)
- Carlos Almeida (100-Meter-Brust)
- Diogo Carvalho (200-Meter-Freistil und 400-Meter-Freistil)
- Pedro Oliveira (200-Meter-Schmetterling und 200-Meter-Lagen)
- Sara Oliveira (100-Meter-Schmetterling und 200-Meter-Schmetterling)
- Simão Morgado (100-Meter-Schmetterling)
- Tiago Venâncio (200-Meter-Freistil)


Sportschießen (port.: tiro desportivo)

- João Costa
- Joana Castelão


Tischtennis (port.: ténis de mesa)

- João Pedro Monteiro
- Lei Huang Mendes
- Marcos Freitas
- Tiago André Apolónia


Triathlon (port.: triatlo)

- Bruno Pais
- João Silva

Mittwoch, 25. Juli 2012

Luis Sottomayor, Önologe des Jahres 2012



Der portugiesische Weinbauer und Önologe (port.: Enologista) Luis Sottomayor ist heute von der Jury des prestigeträchtigen internationalen Weinwettbewerbs „International Wine Challange“ zum Önologen des Jahres 2012 ernannt worden.

Sottomayor, der seit über zwanzig Jahren für die renommierten Portweinhäuser „Ferreira“, „Sandeman“, „Offley“ sowie die Kelterei „Casa Ferreirinha“ tätig war und heute Chefönologe der nordportugiesischen Weingesellschaft „Sograp“ ist, ist bekannt dafür, das er ein vehementer Verfechter von Traditionen und Qualität im Weinanbau ist.
Luis Sottomayor erhielt die heutige Auszeichnung in der Kategorie Likörweine.

Portugal braucht sich, was die Qualität seiner Weine, die Exklusivität seiner Weinanbaugebiete und die Erfahrenheit seiner Önologen angeht, wirklich nicht hinter den Weinnationen Frankreich, Italien und Spanien zu verstecken.
Der heutige Preis an Luis Sottomayor ist der beste Beweis dafür.

Freitag, 20. Juli 2012

In memoriam: José Hermano Saraiva

Heute Morgen verstarb im Alter von 92 Jahren, in seinem Haus in Palmela bei Setúbal, der Historiker José Hermano Saraiva.
Saraiva ist hier in Portugal vor allem wegen seinen verschiedenen Fernsehsendungen, in denen er immer sehr ausführlich und auf seine sehr spezielle Art und Weise versuchte seinen Zuschauern die Geschichte Portugals näher zu bringen, sehr berühmt geworden.

José Hermano Saraiva wurde am 03. Oktober 1919 in der Stadt Leiria geboren.
Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts studierte er zunächst Geschichtsphilosophie (port.: história-filosófica) an der Universität von Lissabon und später absolvierte er noch ein Jurastudium (port.: estudos jurídicos), welches ihm nach erfolgreichem Abschluss eine Anstellung als Rechtsanwalt in einer Anwaltskanzlei ermöglichte.

Im Jahre 1957 wurde er Abgeordneter in der portugiesischen Nationalversammlung (port.: Assembleia Nacional).
Elf Jahre später, 1968, machte ihn Diktator Marcelo Caetano zu seinem Bildungsminister. Ganze zwei Jahre besetzte er diesen Posten, denn 1970 holten auch ihn die Studentenunruhen, die damals ganz Europa erfasst hatten, ein.
1972 wurde er zum Botschafter Portugals in Brasilien ernannt, ein Amt welches er bis zur Nelkenrevolution, am 25. April 1974, innehatte.

Mit dem Ende der faschistischen Diktatur endete auch seine politische Laufbahn.
Fortan schrieb er bedeutende historische Bücher, wie „Uma carta do Infante D. Henrique (dt.: Ein Brief Heinrich des Seefahrers) und war im staatlichen portugiesischen Fernsehen RTP in verschiedenen Sendungen zu sehen, in denen er immer anschaulich versuchte den Portugiesen ihre Geschichte näher zu bringen.

Ich selber habe immer mit Enthusiasmus seine Sendungen „O tempo e a alma“ (dt.: Die Zeit und die Seele), „Horizontes da memória“ (dt.: Horizonte der Erinnerungen) und „A alma e a gente“ (dt.: Die Seele und die Menschen“) im Fernsehen verfolgt.

Viele sagen heute, José Hermano Saraiva wäre als Jurist, Politiker und Mensch über die Jahre hinweg immer maßlos überbewertet worden, zumal er mit den Faschisten sympathisierte und immer offen die portugiesische Diktatur und ihre Machthaber verteidigt hat.
Aber, auch wenn er durchaus umstritten war, so muss man doch neidlos anerkennen, das er ein beneideter Historiker war!

José Hermano Saraiva verstarb in den Morgenstunden des heutigen Freitags, den 20. Juli 2012.
Eines meiner Lieblingszitate von ihm, die er einstmals in einer Fernsehsendung von sich gab, lautet:

„É preciso saber viver pela pátria e não morrer por ela!”
(dt.: „Man muss für sein Vaterland leben und nicht für dieses sterben!“).

Wie wahr, wie wahr!…

Mittwoch, 18. Juli 2012

MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA

Von meinem aufmerksamen Leser Stefan Maurer habe ich heute ein Feedback bekommen, bzw. eine Frage gestellt bekommen, die ich ihm gerne, hier und jetzt, mit dem folgenden Eintrag beantworten möchte.

In meinem Beitrag „Von zwei legendären Raben“, welches ich schon am 03. Juli 2009 veröffentlicht habe, schrieb ich einmal über das Lissabonner Stadtwappen und die Legende die sich um ihn rankt.
Es handelt sich um die Legende von zwei Raben, einem Schiff und die Gebeine eines Heiligen, nämlich dem Heiligen São Vicente.

Nach dem Lesen meines damaligen Blogbeitrages weiß Stefan nun welche Geschichte sich angeblich hinter dem Lissabonner Wappen verbirgt.
Was er allerdings nicht weiß, und was er jetzt gerne von mir wissen will ist, was auf dem Band geschrieben steht, welches besagtes Wappen umgibt.

Nichts Leichteres als das!
Auf dem weißen Band kann man, in schwarzer Großschrift, die folgende dreiteilige Devise lesen:

MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA

Ins Deutsche übersetzt lautet diese Devise der Stadt soviel wie:

SEHR EDEL UND IMMER TREUERGEBEN DIE STADT LISSABON

Lissabon hat erst seit dem Jahre 1897 ein eigenes Stadtwappen!
Dieses erste Wappen, der „edlen und treu ergebenen“ Stadt Lissabon, unterschied sich in einigen Details von dem heutigen Exemplar.
Erst 1940, also vor genau 72 Jahren, wurde das heutige Wappen, durch einen Beschluss des Lissabonner Rathauses, offiziell angenommen und ist bis heute gültig.

Freitag, 13. Juli 2012

Goldener Tejo

Als ich heute Abend, nach der Arbeit, mit meiner guten Freundin Ana Celeste den Tejo überquerte, stand die Sonne schon ziemlich tief.
So kurz vor dem Sonnenuntergang fallen jetzt im Sommer die Sonnenstrahlen wie eine Flut aus schimmerndem Gold auf das sanft wogende Wasser des Flusses.

Ana Celeste, die den Tejo nur selten überquert, da sie in Odivelas lebt, war von diesem „goldigen“ Schauspiel überwältigt und meinte nur:

„ …traumhaft, sieht aus wie fließendes Gold!…“

Und kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, fragte sie mich allen ernstes:

„Was meinst Du, gibt es im Tejo Gold?“

Nun, das es heute noch Gold im Tejo gibt, wage ich stark zu bezweifeln.
Sicherlich, das eine oder andere kleine Schmuckstück, die eine oder andere Goldmünze aus vergangenen Jahrhunderten wird dort unten sicherlich, unter meterhohem Schlick, zu finden sein.
Sonst wird man im Tejo aber wohl sicherlich kein Gold mehr anfinden.
Aber es gab ihn einstmals sehr wohl – Gold im Tejo!

Zwar war der Fluss nie ein „El Dorado“, aber schon die Karthager und die alten Römer haben an seinem Ufer, unweit der Stadt Santarém, wohl erfolgreich nach Gold geschürft.
Hier in Lissabon war das Schürfen nach Gold aber eher kläglich.
Alte Schriften belegen zwar, dass es an den sandigen Ufern des heutigen Lissabons, Almadas und Seixals, einstmals sehr wohl Gold gegeben hat, aber die Mengen müssen doch sehr überschaubar gewesen sein.

Der im 12. Jahrhundert lebende berühmte arabische Botaniker und Geograph Muhammad al-Idrisi schreibt hierzu in seinem Hauptwerk „Nuzhat al-Mushtak fi-ichtiraq al-afaq“ (port.: „Viagem do saudoso que atravessa os horizontes“ / dt.: „Reise des Sehnsüchtigen der die Horizonte überquert“) folgende Anmerkungen:

„Sie (die Goldsucher) suchen an den Ufern von Hisn al-Madin (port.: Almada) nach (Gold)Blättchen und bergen diese in Hülle und Fülle aus dem Meer (dem Fluss Tejo) …“
„Das Gold schimmert in den blauen Wassern. Sogar Kinder finden es ohne Mühe und von einem Meister wurde mir gar berichtet er hätte an einem einzigen Tag über 200 Goldkörner in seiner Pfanne gehabt…“

Zugegeben, der große Muhammad al-Idrisi, der aus dem maurischen Königreich Al-Andalus (dt.: Andalusien) stammte und an der Universität von Cordova studiert hat, ist selbst nie in Lissabon gewesen.
Aber er ist sehr wohl dafür berühmt, dass er in seinen Schriften immer äußerst zuverlässig und sehr detailgenau berichtete.
Nichtsdestotrotz scheint ihm hier die Phantasie, jedenfalls was die Mengen an Gold angeht, wohl durchgegangen zu sein.

Bis hinein ins 15. Jahrhundert, also schon in portugiesischer Zeit, erwähnen noch einige Schriften Goldfunde in und um Lissabon.
Als die portugiesischen Seefahrer dann aber anfingen in die Welt hinauszufahren und in Afrika, Indien und Brasilien Gold in rauen Mengen anfanden, hörten die Berichte über die Funde dieses Edelmetalls in hiesigen Gewässern langsam auf.

Wie viel Gold der Tejo den Menschen im laufe der Jahre wirklich geschenkt hat, ist heute unkalkulierbar.
Weitaus kalkulierbarer sind dagegen, jetzt im Sommer, die schönen Sonnenuntergänge die man an den Ufern dieses prächtigen Flusses bewundern kann!

Dienstag, 10. Juli 2012

Tall Ships Race Lisboa 2012

In gut einer Woche werden hier in Lissabon Freunde von historischen Schiffen, Großseglern und traditionsreichen Jachten zusammenkommen um an der Tall Ships Race Lisboa 2012 (dt.: Großsegler-Rennen Lissabon 2012 / port.: Corrida dos Grandes Veleiros Lisboa 2012) teilhaben zu können.
Vom 19. bis zum 22. Juli werden dann hier in der portugiesischen Hauptstadt bis zu 1 Million Besucher zu dieser weltweit größten internationalen Regatta erwartet.

Die diesjährige Tall Ships Race-Regatta ist ein maritimes Großereignis, bei der mehr als 3.000 Besatzungsmitglieder aus 45 Ländern der Welt an der Kaimauer von Santa Apolonia (port.: Cais de Santa Apolónia) zusammenkommen werden.
Vier Tage lang werden dann die Lissabonner und die Besucher der Stadt die über 70 Groß- und Kleinsegler besichtigen und an den vielen Rahmenveranstaltungen teilnehmen können.

Ihre Teilnahme an der diesjährigen Regatta haben, unter anderen, schon die portugiesischen Großsegler „Sagres“, „Creoula“, „Vera Cruz“ und „Santa Maria Manuela“ zugesagt, sowie die Segelschiffe „Dar Mlodziezy“ aus Polen, „George Stage“ aus Dänemark, „Pelican of London“ aus Großbritannien, „Mir“ aus Russland und die „Alexander von Humboldt II“ aus Deutschland.

Schon 1956 begrüßte Lissabon die damals erste Ausgabe der Tall Ships Race-Regatta.
Zu dieser Regatta war es gekommen, weil Liebhaber alter Windjammer und Segler, unter ihnen der im Jahre 2009 verstorbene portugiesische Ingenieur Luís Guimarães Lobato und der ehemalige Botschafter Portugals in Spanien und Großbritannien, Dr. Pedro Teotónio Pereira, sich dafür einsetzten eine internationale Regatta für die letzten damals noch existierenden großen Segelschiffe zu veranstalten.

Damals war es nämlich traurige Realität, dass nach dem Aufstieg der industriellen Revolution immer mehr Segler den Dampf- und Motorschiffen weichen mussten und der Schiffsverkehr, im Gegensatz zum Flugverkehr, im Allgemeinen immer mehr an Bedeutung abnahm.

Um jungen Menschen die Gelegenheit zu geben, miteinander das einzigartige und abenteuerliche Leben auf hoher See zu erleben, wurde die Tall Ships Race-Regatta ins Leben gerufen.
Sie sollte 1956 ein einmaliges Ereignis sein.
Doch sie war solch ein Erfolg, vor allem in den damals teilnehmenden Nationen Portugal, Großbritannien und Argentinien, dass man fortan alljährlich eine solche Regatta veranstaltete – bis heute!
Das besondere an jeder Tall Ships Race-Regatta ist, das mindestens die Hälfte jeder Besatzung der Schiffe, die an ihr teilnehmen, aus Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren bestehen muss!

Somit ist die Tall Ships Race Lisboa 2012 zweifelsohne ein Event der Völkerverständigung und Charakterbildung!

Der Höhepunkt der diesjährigen Tall Ships Race wird die große Segelschiffparade sein, die am 22. Juni 2012, einem Sonntag, dann in See stechen wird.

Ahoi!

Donnerstag, 5. Juli 2012

Die Portugiesischen Gitarren von Malabar Emotional Design









Die Portugiesische Gitarre (port.: guitarra portuguesa) ist zweifelsohne das typischste portugiesische Musikinstrument und untrennbar mit dem Fado verbunden.
Sie ist birnenförmig, etwas kleiner als eine normale klassische Gitarre und im Gegensatz zu dieser hat sie nicht acht sondern zwölf Saiten auf denen gespielt wird.
Eine Portugiesische Gitarre besteht zumeist aus Fichten- oder Lindenholz, manchmal auch aus Zedernholz, und sie ist, entsprechend der Farbennuancen dieser Hölzer, immer holzfarben.

Man muss sagen:
sie ist für gewöhnlich holzfarben!

Denn jetzt hat die aus Porto stammende Designerfirma „Malabar Emotional Design“ eine Kollektion von Portugiesischen Gitarren hervorgebracht, die ihresgleichen suchen.
Unter dem Namen „Tudo isto é Fado…“ (dt.: „All dies ist Fado…“ stellte „Malabar Emotional Design“ in ihrer Pop Up Galerie ASA, die sich in der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Guimarães befindet, ihre neusten Gitarrenkreationen vor.

21 verschiedene Künstler, unter ihnen der renommierte Architekt Álvaro Siza Vieira, der Modedesigner Miguel Vieira und die bildende Künstlerin Joana Vasconcelos, haben verschiedene originelle und bis dato einzigartige Portugiesische Gitarren entworfen und diese nun einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Diese einzigartigen Gitarren von Malabar, so meinen viele junge Komponisten und Virtuosen der Portugiesischen Gitarre, sind qualitativ sehr hochwertig und ästhetisch wertvoll.
Meiner Meinung nach sind sie zudem vor allem ein Beweis dafür, wie kreativ portugiesische Künstler und portugiesische Kunst in unserer heutigen schwierigen Zeit sein können.

Bravo!

Sonntag, 1. Juli 2012

Elvas, die „Königin der Grenze“, ist nun auch UNESCO-Weltkulturerbe


Großer Jubel im tiefsten Alentejo:
Die UNESCO hat die Altstadt von Elvas und ihre kompakte Festungsanlage einstimmig zum Weltkulturerbe (port.: Património cultural mundial) ernannt.
Dies entschied das Welterbekomitee der UNESCO am gestrigen Samstag, auf ihrer 36. Sondersitzung, in der russischen Stadt Sankt Petersburg.

Die von mächtigen Festungsmauern (port.: fortificações abaluartadas) umgebene Grenzstadt Elvas hat sich in vielem seinen einstmals maurischen Charakter bewahrt. In den verwinkelnden Gassen der Altstadt sieht man heute noch viele Häuser mit kunstvollen Fenstergittern, hübsche Türbögen und viele malerische Plätze.

Als Stützpunkt gegen das nur 8 km entfernt liegende spanische Badajoz wurde Elvas schon im späten Mittelalter, in der Regierungszeit von König Sancho II, mit immer umfangreicheren Mauern befestigt und dann im 17. und 18. Jahrhundert mit den zwei mächtigen Forts Santa Luzia und Nossa Senhora da Graça gesichert.
Die Festungsmauern von Elvas sind über 10 km lang und bedecken eine Fläche von über 300 ha. Sie zählen zu den besterhaltenden, eindrucksvollsten und größten ihrer Art auf der Welt

Elvas war einstmals die größte und bedeutendste portugiesische Festungsstadt an der Grenze zu Spanien.
Respektvoll wurde und wird Elvas von ihren Bewohnern als „Rainha da Fronteira“ (dt.: Königin der Grenze“) bezeichnet.
Seit gestern hat die „Königin der Grenze“ einen neunen Titel:

Elvas ist UNESCO-Weltkulturerbe!

Donnerstag, 28. Juni 2012

Eselsohren: „Peter Ustinovs geflügelte Worte“



Gestern bekam ich ein kleines Buch des großen Peter Ustinov in die Hände.
Unter dem Titel „Peter Ustinovs geflügelte Worte“ erzählt der weltberühmte Schauspieler, Entertainer und Autor klitzekleine amüsante Kurzgeschichten und Anekdoten die recht kurzweilig sind – so kurzweilig, das ich heute schon die Lektüre dieses Buches beendet habe.

Peter Ustinov wurde zu Lebzeiten – und auch nach seinem Tode im Jahre 2004 – von allen geliebt und verehrt.
Seine Filme und seine Theateraufführungen, seine Fernsehshows und seine Bücher brachten ihm überall auf der Welt Bewunderung und Anerkennung ein.
Und auch seine Rolle als Sonderbotschafter der UNESCO und der UNICEF, sowie sein Dienst als Rektor an den englischen Universitäten von Dundee und Durham, brachten ihm viel Ruhm und Ehre ein.

Sir Peter Ustinov, wie er sich nach seiner Erhebung in den englischen Adelsstand durch Königin Elisabeth II im Jahre 1990 nennen durfte, hat in diesem kleinen Buch, welches im deutschen Weltbild-Verlag erschienen ist, versucht die besten Anekdoten, Zitate und Weisheiten aus seinem langen Leben zusammenzutragen.

Eines meiner liebsten Lebensweisheiten die Ustinov in diesem Buch von sich gibt lautet:

„Das Leben ist unvollkommen und muss daher bis zur Neige ausgelebt werden“ – wie wahr, wie wahr…

„Peter Ustinovs geflügelte Worte“ sind durchaus so, wie Peter Ustinov als Mensch war:

spritzig, witzig und verschmitzt!

Montag, 25. Juni 2012

Die Schornsteine der Algarve









Gestern, beim Sommerfest der DEKL (Deutsche Evangelische Kirche in Lissabon) wurde ich für meinen Blog, und hier im Besonderen für meinen letzten aktuellen Beitrag über die Algarve, gelobt.
Nun, solches Lob ist für mich zweifelsohne der Hauptgrund wieso ich so viel von meiner Freizeit in diesen Blog investiere.

Gestern wurde ich nun auch gefragt, wieso ich, als ich über die Algarve geschrieben habe, nicht auch die originellen Schornsteine erwähnt habe, die für die Algarve so charakteristisch sind.
Nun, ich habe in meinem Beitrag sicherlich vieles nicht erwähnt, was nicht heißen soll, das ich über originelle Themen, die mir angetragen werden, nicht schreiben kann oder will.
Im Gegenteil, ich bin meinen Lesern immer dankbar für ihre Ideen, Anregungen und Vorschläge.

Deshalb will ich hier heute über die Schornsteine an der Algarve (port.: chaminés algarvias) schreiben.

Zuallererst sei einmal gesagt, dass es natürlich in ganz Portugal Schornsteine gibt.
Ob in Trás-os-Montes, den Beiras oder im Alentejo, ob in der Hauptstadt Lissabon, auf der Insel Madeira oder auf den Azoren, überall im Lande gibt es Schornsteine die die Häuserdächer verzieren.
Aber nirgendwo in Portugal sind die Schornsteine so unterschiedlich, außergewöhnlich und schmückend schön wie an der Algarve.

Sie sind groß oder klein, schlank oder gedrungen.
Sie sind entweder viereckig, rund oder zylindrisch und haben manchmal eine kleine Haube als Verzierung, die als Rauchabzug dient.
Sie sind zumeist einfarbig weiß, können aber auch ockerfarben und mit blauen oder gelben Randstreifen sein.
Oftmals sind sie auch mit spitzenartigen Ornamenten durchbrochen, und manche von ihnen erinnern mit ihren metallenen Wetterhähnen sogar an Kirchtürmen.

Im ländlichen Algarve findet man oftmals Häuser mit zwei Schornsteinen. Einer von ihnen ist meistens einfach und schmucklos und befindet sich meistens über der Wohnküche (port.: casa do forno), in der meistens gekocht und gegessen wurde und wird.
Ein anderer Schornstein, der zumeist kunstvoll verzierter ist, befindet sich über dem Wohnzimmer (port.: sala) oder dem Raum im Haus in dem sich der Kamin befindet und indem sich das gemeinschaftliche Leben abspielt. Dieser Schornstein ist etwas Besonderes und wird, im Gegensatz zum ersten, nur zu besonderen Anlässen benutzt.

So abwechslungsreich und unterschiedlich die Schornsteine der Algarve auch sein mögen, sie sind weitaus mehr als nur ein Schmuckelement auf den Dächern der Häuser.
Sie sind ein Symbol der Algarve und ein Erbe der maurischen Vergangenheit dieser südportugiesischen Region.

Montag, 18. Juni 2012

Algarve









Letzte Woche war ich an der Algarve und habe dort einige Tage Urlaub verbracht.
Da ich absolut kein Freund des Massentourismus bin, ich keine Appartement-Komplexe und große, grölende Menschenansammlungen mag, bin ich von Natur aus kein allzu großer Freund dieser südportugiesischen Region.
Nichtsdestotrotz habe ich im kleinen Carvoeiro, das ich vorher nicht kannte, sehr erholsame Tage verbracht.

Die im äußersten Südwesten Europas gelegene südportugiesische Provinz Algarve umfasst einen etwa 160 km langen und maximal 50 km breiten Landschaftsgürtel an der nach Süden gerichteten Atlantikküste Portugals zwischen dem Cabo de São Vicente, dem südwestlichsten Punkt Festlandeuropas, und dem Mündungsgebiet des Flusses Guadiana an der portugiesisch-spanischen Grenze.
Die Algarve hat eine Fläche von etwa 5.000 km² und ca. 450.000 Einwohner.

Die gegen Norden durch einen von Osten nach Westen mächtiger werdenden Gebirgsriegel geschützte Region hat sich durch ihre extreme und isolierte geographische Lage viel Ursprüngliches bewahrt und unterscheidet sich sowohl in landschaftlicher und klimatischer, als auch in kultureller Hinsicht, ganz wesentlich vom übrigen Portugal. Zudem ist keine andere portugiesische Region so sehr vom Tourismus geprägt, wie die Algarve.
Noch vor der Hauptstadt Lissabon und der Insel Madeira ist die Algarve die wichtigste Ferienregion Portugals.

Die Landschaft der Algarve ist weit ärmer an kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten als andere Teile Portugals.
Ihre Beliebtheit bei, in erster Linie deutschen, britischen und spanischen Besuchern, verdankt sie dem überaus gleichmäßigen Klima, einer überquellenden subtropischen Pflanzen- und Blumenpracht und reizvollen, feinsandigen Stränden.

In den letzten Jahrzehnten hat der Fremdenverkehr einen stürmischen Zuwachs erlebt. Zwar haben die Bausünden generell nicht das Ausmaß erreicht, das entlang der spanischen Mittelmeerküste und den spanischen Inseln zu beklagen ist, dennoch sind leider auch an der Algarve, vor allem an der so genannten Felsalgarve (port.: Algarve rochosa), etliche Landschaftsstriche durch ausufernde Hotel- und Ferienanlagen verschandelt.

Immerhin versucht man mittlerweile, die spezifischen Eigenheiten der Landschaft zu erhalten und die Hotelstädte der Umgebung anzupassen. So sind viele Urbanisationen aufgelockert angelegt und vielfach im maurischen Stil errichtet.

Die Provinz Algarve teilt sich in zwei Teile auf:
Zum einen gibt es im Norden das dünn besiedelte Alto Algarve (dt.: Obere Algarve), mit dem Mittelgebirge der Serra de Monchique, das kaum einer kennt.
Und zum anderen gibt es, weiter im Süden, den Küstenstreifen des Baixo Algarve (dt.: Niedere Algarve), der vor allem wegen seiner feinen Sandstrände mit pittoresken und gelb leuchtenden Felswänden mit Nischen und Grotten weltberühmt ist.

Mit über 3.000 Stunden jährlicher Sonnenscheindauer gehört die Algarve zu den wettersichersten Gebieten der Erde.
Das Klima der Algarveküste entspricht bereits den nordafrikanischen Verhältnissen, d.h. die Sommer sind zumeist trocken und heiß und die Wintertemperaturen sind sehr mild.

Dieses angenehme Klima hat schon immer Menschen angezogen.
Wenngleich nur geringe Reste erhalten sind, so ist doch gesichert, dass an der Algarve bereits die Phönizier und später auch die Griechen Kolonien unterhielten.
Später siedelten sich hier auch die Kelten und die Karthager an. So soll die Stadt Portimão eine Gründung Hannibals sein.
Unter dem Namen Cyneticum war die Algarve in römischer Zeit ein hochkulturell entwickeltes Gebiet.
Nach den Römern folgte die fast dreihundertjährige Herrschaft der Westgoten.

Diese wurden von den Mauren abgelöst, die 500 Jahre blieben und Volk und Kultur sehr nachhaltig beeinflussten.
Noch heute zeugen die architektonische Bauweise und die zahlreichen Trachten unverkennbar maurische Züge. Und auch in vielen Namen und im Dialekt sind zahlreiche Reste aus dem Arabischen erhalten.
Hierzu gehört nicht zuletzt der Name Algarve.
Seinen Namen leitet die Algarve nämlich vom arabischen Wort „al-Garbh“ her, was so viel heißt wie „der Westen“. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Lage dieses Gebietes innerhalb des ehemaligen islamischen Herrschaftsbereiches in Südeuropa.

Im Jahre 1249 leitet der portugiesische König Afonso III durch die Einnahme der Stadt Faro die Rückeroberung (port.: reconquista) der Algarve für das Christentum ein.
Als letztes Glied und selbständiges Königreich wurde die Algarve der portugiesischen Krone in Personalunion unterstellt.
Ab dem 15. Jahrhundert gelangte die Algarve ins Blickfeld weltweiten Interesses, als nämlich Heinrich der Seefahrer (port.: Henrique o Navegador) angeblich in Sagres seine berühmte Marineschule gründete und dort mit seinen systematischen Forschungsarbeiten die technischen Grundlagen für die großen Entdeckungsreisen des folgenden Jahrhunderts schuf.
Heute weiß man, dass es diese Schule wahrscheinlich nicht gab…

Die Algarve lebt heute, wie schon von mir beschrieben, vor allem vom Tourismus. Aber zwei andere Wirtschaftszweige sind für die Region äußerst wichtig.
Zum einen ist die Fischerei, vor allem die auf Thunfisch und Sardinen und deren Verarbeitung vor Ort, ein wichtiger Industriezweig.
Und zum anderen ist die Landwirtschaft, mit dem Anbau von Mandeln, Reis, Johannisbrotfrüchten, Baumwolle, Obst und Wein, ein anderer wichtiger Wirtschaftszweig dieser Provinz, die infolge der günstigen klimatischen Gegebenheiten, bis zu vier Ernten im Jahr einfahren kann.

Die Hauptstadt der Algarve, und gleichzeitig auch die größte Stadt der Region, ist die lebhafte Industrie- und Hafenstadt Faro.
Auch wenn Faro durch seinen Flughafen zum Durchgangsort des Tourismusverkehrs der gesamten Region geworden ist und auch wenn einige gute Strände in der Nähe liegen, ist Faro kein Urlaubsort im eigentlichen Sinne.
Zwar hat die knapp 60.000 Einwohner zählende Stadt eine schöne verwinkelte Altstadt, eine alte Kathedrale, einpaar interessante Museen und einige malerische Plätze, dennoch kann es Faro touristisch nur sehr schwer mit den anderen Städten an der Algarve aufnehmen.

Sehenswerte Orte an der Algarve sind:

- Albufeira – Das reizvoll in einer von der bizarren Felsenklippe Ponta da Baleeira geschützten Bucht ansteigende Albufeira hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Seebäder der Algarve entwickelt. In den 60er und 70er Jahren war Albufeira das „Saint Tropez der Algarve“, und als solches bevorzugter Aufenthaltsort von vielen Künstlern und denen, die sich dafür hielten. Dieses Flair hat Albufeira heute leider verloren. Ausgeglichen wird dieser Prestigeverlust nur durch das umfangreiche Unterhaltungs- und Sportangebot, wie z.B. Wasserski, Surfen, Tennis, Reiten und vor allem Golf. Von dem miradouro (dt.: Aussichtsterrasse) Bem Parece hat man einen hervorragenden Blick über die Stadt, den Strand und das Meer.

- Carvoeiro – Das ca. 5 km von der Stadt Lagoa gelegene Carvoeiro ist einstmals als gelungenes Beispiel für die Neugestaltung der Küstenlinie gepriesen worden. Mittlerweise haben die exklusiven Ferienzentren, die sich auf dem Felsen oberhalb des alten Ortskerns aufdehnen, aber solch ein Ausmaß erreicht, dass die schöne Steilküste samt Hinterland fast flächendeckend mit Ferienhausanlagen im maurischen Stil überzogen ist. Recht malerisch ist am östlichen Ortsrand die als „Algar Seco“ bezeichnete Felsformation. Die Meeresbrandung hat hier in das weiche Kalkgestein bizarre Formen, Grotten und Höhlen hinein gewaschen. Auf den Klippen von Carvoeiro befindet sich die alte katholische Capela da Nossa Senhora da Encarnação, in der die Deutsche Evangelische Gemeinde an der Algarve regelmäßig ihre Gottesdienste feiert.

- Lagos – Die einstige Hauptstadt der Algarve ist heute eines der vielen Bettenhochburgen der Region, deren meisten Einwohner vom Tourismus leben. Ein Teil der Bevölkerung lebt aber nach wie vor von der Fischerei. Obwohl sich Lagos, wie schon erwähnt, in den letzten Jahrzehnten zu einem typischen Tourismusort entwickelt hat, bittet die Stadt dennoch ein recht geschlossenes Stadtbild.

- Olhão – Das noch sehr orientalisch anmutende Olhão ist eine der wenigen Städte der Algarve, die vom Tourismus noch weitgehend unberührt sind. Die Stadt liegt nur wenige Kilometer östlich der Hauptstadt Faro. Wichtigster Erwerbszweig der Bewohner ist der Fischfang auf Sardinen und Thunfisch, die hier, in einer ortsansässigen Konservenfabrik, auch gleich weiterverarbeitet werden. Ich verbinde mit Olhão viele schöne Erinnerungen, denn als Kind habe ich mehrere Male meine Sommerferien in diesem Ort, bei guten Freunden meiner Eltern, verbracht.

- Portimão – Mit seinen knapp 50.000 Einwohnern ist Portimão nicht gerade das was man „schön“ nennen kann, denn Portimão hat weder ein hübsches Stadtbild, noch interessante Sehenswürdigkeiten. Nichtsdestotrotz hat die Stadt mit dem malerischen und felsgesäumten Strand Praia da Rocha, wohl einen der bekanntesten Strände Portugals. Unweit von Portimão liegt mit dem Fischerort Ferragudo ein anderer berühmter Badeort an der Algarve.

- Silves – Das von Korkreichenwäldern umgebene, unweit von Portimão und Lagoa am Rio Arade gelegene Landstädtchen Silves war einstmals unter dem Namen „Xelb“ die Hauptstadt des maurischen Algarve. Silves ist sicherlich nicht die allerschönste Stadt, hat aber eine sehr sehenswerte alte maurische Burg (port.: Castelo dos Mouros) und eine schöne alte Kathedrale (port.: Sé), die einstmals über eine Moschee erbaut wurde.

- Tavira – Das noch recht maurisch anmutende Städtchen Tavira liegt zu beiden Seiten der Mündung des Rio Gilão. Im Vergleich zu anderen Orten an der Algarve geht es hier noch recht beschaulich zu. Tavira ist ein Zentrum des Thunfischfangs und besitzt im Mündungsbereich des Rio Gilão ausgedehnte Salinen.

Freitag, 8. Juni 2012

Tagung der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden an der Algarve 2012



Dieses Wochenende findet in Carvoeiro, an der Algarve, das 20jährige Jubiläumsfest zum Bestehen der dortigen Deutschen Evangelischen Gemeinde statt.

Gleichzeitig findet dieses Wochenende, an gleicher Stelle, die alljährliche Gemeindetagung der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinden in Portugal statt.
Alle Gemeindemitglieder und Freunde der Gemeinden aus Lissabon, Porto, der Blumeninsel Madeira und der Algarve sind herzlich eingeladen an dieser Begegnungstagung teilzunehmen.

Das diesjährige Treffen steht unter dem Motto „Singt, singt dem Herren neue Lieder – Reformation und Musik“.
Begleitet wird dieses Treffen von dem aus dem fränkischen Herzogenaurach stammenden Musikwissenschaftler und -pädagogen Dr. Gerald Fink, der auch als Chorleiter, Organist und Konzertmusiker bekannt ist.
Er wird den teilnehmenden Gästen etwas über die jüngere Kirchenmusik vermitteln und sie auch sicherlich zum singen animieren.

Die vier deutsch-evangelischen Gemeinden organisieren seit 1993 alljährlich diese Begegnungstreffen, um die Verbindung zwischen den einzelnen Gemeinden und ihren Mitgliedern zu einander zu stärken, und auch um immer wieder neue Anregungen für das Gemeindeleben aus der alten Heimat Deutschland zu erhalten.

Diese Begegnungen, die Abwechselnd in Lissabon, Porto, an der Algarve und auf Madeira stattfinden, sind stets erfahrungsreich, überaus interessant und finden immer in einer sehr gastfreundschaftlichen Atmosphäre statt.

Ich freue mich auf dieses Begegnungstreffen an diesem Wochenende!

Dienstag, 5. Juni 2012

Das offizielle Logo der EM 2012 – Made in Portugal



Wenn in wenigen Tagen, am 08. Juni 2012, die europäische Fußballwelt in Polen (port.. Polónia) und der Ukraine (port.: Ucrânia) zusammenkommt um die diesjährige Fußball-EM zu spielen, wird auch Portugal mit von der Partie sein.
Zusammen mit Deutschland, den Niederlanden und Dänemark wird Portugal in der Gruppe B um den EM-Titel spielen.

Aber die „Seleção“ wird nicht der einzige Repräsentant Portugals bei der EM 2012 sein.
Bereits seit dem Jahre 2009 macht ein blumiges Symbol europaweit, wenn nicht gar weltweit, Werbung für die EM 2012.
Das offizielle Logo der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft (port.: Campeonato Europeu de Futebol) ist nämlich eine Kreation der portugiesischen Werbeagentur „Brandia Central“.
Designer des unverkennbaren Logos ist der Marketing- und Werbefachmann Hélder Pombinho, der schon das Logo für die EM 2004 in Portugal erschaffen hat.

Das Logo der EM 2012, welches im Jahre 2009 von der UEFA ausgesucht wurde, symbolisiert eine dreiblütige Blume.
Die mittlere Blüte stellt den offiziellen Fußball „Tango 12“ der diesjährigen Europameisterschaft dar.
Die anderen zwei Blumenblüten symbolisieren, in den Farben rot-weiß und blau-gelb, die zwei Gastgebernationen Polen und die Ukraine.

Egal wie Portugal bei dieser Fußball-Europameisterschaft auch immer abschneiden wird:
einen portugiesischen Sieger hat diese EM bereits – und sei es nur in
Form eines Logos!

Sonntag, 3. Juni 2012

Eselsohren: „Brasil“



Heute Mittag habe ich die letzten Zeilen des fesselnden Romans „Brasil“ des amerikanischen Schriftstellers Errol Lincoln Uys gelesen.
Über vier Wochen lang haben mich die 1283 Seiten dieses wahrhaft gigantischen Werkes gefesselt.

„Brasil“ ist eine Familiensaga, die die Geschichte zweier portugiesischer Familien erzählt, die beide nach Brasilien ausgewandert sind.
Über einen Zeitraum von gut 500 Jahren, von der Entdeckung Brasiliens durch die Portugiesen bis zur Gründung der brasilianischen Hauptstadt Brasilia Mitte des letzten Jahrhunderts, wird über Generationen hinweg die fiktive Geschichte der Familien Da Silva und Cavalcanti – aus den einen werden später in dem Roman Zuckerrohrbarone und aus den anderen werden reiche Kaffeeplantagenbesitzer – spannungsreich und faszinierend erzählt.

Errol Lincoln Uys verbindet die rein fiktive Geschichte dieser beiden Einwandererfamilien gekonnt mit der unermesslich reichen und realen Geschichte Brasiliens und schafft dadurch eine spannende, informative und bunte Geschichte mit mitreißenden und sehr glaubwürdigen Romanfiguren.

Die amerikanische Originalausgabe des Romans erschien bereits im Jahre 1986 unter dem Titel „Brazil“ im New Yorker Verlag Simon & Schuster.
Ein Jahr später, 1987, erschien dann die von Michel Bodmer übersetzte deutsche Ausgabe „Brasil“ im Marion von Schröder Verlag, in Düsseldorf.
Doch erst jetzt, 25 Jahre später, kam dieses leicht lesbare und absolut glaubwürdige historische Roman in meine Hände.

Besser spät, als nie!!!

Wer sich für die Geschichte, die Kultur und die Natur Brasiliens, sowie für die ursprüngliche Geschichte der Portugiesen in diesem wunderbaren Land interessiert, der sollte sich Zeit nehmen „Brasil“ zu lesen.
Er wird von diesem Roman gefesselt sein!

Freitag, 1. Juni 2012

Lissabon ist in Feierlaune




Mit einem riesigen Straßenevent, mitten im Herzen Lissabons, begannen gestern Abend die Feierlichkeiten für das diesjährige Lissabonner Stadtfest.
Unter der Regie der Eventfirma EGEAC, die weltweit für ihre ausgefallenen Events berühmt ist, boten zahlreiche Schauspieler und Akrobaten zwischen der Praça dos Restauradores und dem Rossio eine einmalige Show aus Feuer, Musik und bizarren Flugmaschinen dar, die den Namen „Firebirds“ trug.

Diese Performance, die einem gestern Nacht geboten wurde, war der Auftakt für das jedes Jahr stattfindende Lissabonner Sankt-Antonius-Fest (port.: Festas de Santo António) das dem Stadt- und Volksheiligen Santo António gewidmet ist.
Jedes Jahr feiert Lissabon im Juni mit viel guter Musik, Tanz, farbenprächtigen Umzügen, Konzerten, Kinoaufführungen, interessanten Ausstellungen und gutem Essen und Trinken sein Stadtfest.

Das Lissabonner Stadtfest wird an keinem speziell ausgewiesenen Ort gefeiert, so wie etwa in München auf der Theresienwiese das Oktoberfest gefeiert wird oder auf dem Frankfurter Messplatz immer die Dippemess stattfindet.
Nein, in ganz Lissabon finden diesen Monat auf zahlreichen öffentlichen und privaten Plätzen und Hinterhöfen Feste und Feiern statt, die man hierzulande „arraiais“ (dt.: Festplätze) nennt, und die zumeist nicht von der Stadt organisiert werden, sondern etwa von Vereinen, Schulen, Gemeinden, Innungen, Pfadfindern, Kindergärten, Sportclubs, usw.

Ein „arraial“ (dt.: Festplatz oder Rummelplatz), zumal wenn er privat organisiert ist, ist für gewöhnlich ein sehr farbenfroher, lebendiger und geselliger Ort, an dem die Bevölkerung des jeweiligen Stadtteils mit den anderen Lissabonnern und den Touristen aus aller Welt zusammenkommt.

Wer noch nie das Antoniusfest mit Freunden in einem „arraial“ gefeiert hat, der sollte es dieses Jahr unbedingt nachholen.
Denn zu keiner Zeit und an keinem Ort ist Lissabon so „lissabonnerisch“, wie im Monat Juni in einem „arraial“.

Anbei habe ich hier einmal ein paar „arraiais“ zusammengetragen, in denen ich mich jedes Jahr sehr wohl fühle und die ich nur weiterempfehlen kann:


1.
Arraial do Santana Futebol Club
Calçada dos Sete Moinhos
Stadtteil Campolide

2.
Arraial da Associação Grupo Os 16 do Bairro Padre Cruz
Rua Professor Almeida Silva
(genau gegenüber des Pavilhão Natália Correia)
Stadtteil Carnide

3.
Arraial do Clube Oriental de Lisboa
Praça David Leandro da Silva
Stadtteil Marvila

4.
Arraial dos Ingleses Futebol Clube
Rua Candido de Oliveira
Stadtteil Santa Maria dos Olivais

5.
Arraial do Bola Cintilante
Jardins Móveis do Cais do Sodré
Cais do Sodré
Stadtteil São Paulo

6.Arraial da Voz do Operário
Rua da Voz do Operário n° 9
Stadtteil São Vicente de Fora

7.
Arraial da Associação Desportíva e Cultura de Encarnação e Olivais
Bairro da Encarnação
Stadtteil Santa Maria dos Olivais

8.
Arraial do Grupo Desportivo da Pena
Beco São Luis da Pena
Stadtteil Pena

9.
Arraial da Academia de Santo Amaro
Rua Academia Recreativa de Santo Amaro
Stadtteil Alcântara

10.
Arraial do Corpo de Escutas Agrupamento 48 de Santa Catarina
Calçada do Combro
(genau neben der Kirche Santa Catarina)
Espaço do Olival
Stadtteil Santa Catarina

Montag, 28. Mai 2012

Die multiplen Persönlichkeiten des Fernando Pessoa





Vor Tagen veröffentlichte ich hier in meinem Blog eine kleine Biographie über den portugiesischen Schriftsteller Fernando Pessoa (Eintrag „Fernando Pessoa“ vom 23. Mai 2012).
In dem Text erwähne ich die Tatsache, dass Pessoa in seinem schriftstellerischen Leben an die 76 Heteronymen erschaffen hat.
Eine genaue Anzahl seiner Heteronymen ist auch heute nicht möglich, da nach Pessoas Tod immer wieder Figuren auftauchten und immer noch auftauchen, von denen man annahm, sie wären eigenständige literarische Persönlichkeiten gewesen, die sich aber dann im Nachhinein als Heteronymen von Pessoa entpuppen.

Ein literarisches Heteronym ist vergleichbar mit einem Pseudonym.
Doch während ein Schriftsteller bei einem Pseudonym seine Werke lediglich unter einem andren Namen schreibt, erschafft er sich mit einem Heteronymen immer eine eigene schriftstellerische Persönlichkeit.
Das heißt, dieser Schriftsteller gibt dieser erfundenen Persönlichkeit nicht nur einen eigenen Namen, sondern erschafft diesem auch einen eigenen Geburtstag und Geburtsort, einen eigenen privaten und beruflichen Lebenslauf, eine eigene Familie, einen eignen schriftstellerischen Werdegang und sogar einen eigenen Schreibstil, der oftmals so gar nicht seinem eigenen entspricht.

Fernando Pessoa war ein wahrer Weltmeister, was die Erschaffung von Heteronymen anging.
Seine berühmtesten schriftstellerischen Persönlichkeiten waren Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis.
Aber er war auch der Schöpfer nicht so bekannter Schriftsteller und Dichter, wie etwa Dr. Caloiro, Joaquim Moura Costa und Bernardo Soares.

Heute würde man sagen, Fernando Pessoa litt zu Lebzeiten unter gespaltenen Persönlichkeiten – und das immerhin mindestens 76 Mal!

Hier nun eine Auflistung der bis heute bekannten Heteronymen die Fernando Pessoa erschaffen hat:


1. Chevalier de Pas – Er war Pessoas erste erfundene Persönlichkeit. Er erfand ihn 1894 im zarten Alter von nur sechs Jahren. Der Chevalier de Pas begleitete Pessoa bis an sein Lebensende

2. Alberto Caeiro – Mit vollem Namen nannte ihn Pessoa „Alberto Caeiro da Silva“. Er ließ ihn am 16. April 1889 in Lissabon auf die Welt kommen. Alberto Caeiro ist blond und blauäugig und besitzt nur eine einfache vierjährige Grundschulausbildung. Trotzdem ist er mit viel Bauernschläue gesegnet. Er ist der Autor von Werken wie „O Guardador de Rebanhos“ und „O Pastor Amoroso“ sowie „Os Poemas Inconjuntos“. Fernando Pessoa ließ ihn im Juni 1915, mit nur 26 Jahren, an Tuberkulose sterben

3. Álvaro de Campos – Er ist ein Prosaschreiber aus der Algarve, den Pessoa im Jahre 1890 in der Stadt Tavira auf die Welt kommen lässt. Als junger Mann zieht er nach Glasgow, in Schottland, um dort Schiffsbauingenieurswesen zu studieren. Nach seinem Studium zieht er nach Lissabon und fängt hier an zu schreiben. Er ist ein Neurotiker und Angsthase, der sich überall fremd fühlt

4. Ricardo Reis – Pessoa lässt Ricardo Reis am 19. September 1887 in Porto auf die Welt kommen. Ricardo Reis studiert Medizin und praktiziert zu erst auch als Arzt, bis er eines Tages beschließt zu schreiben. Er hat einen humanistischen Hintergrund, bringt sich selbst die alt-griechische Sprache bei und ab 1919 lebt er im brasilianischen Exil, wo er als Königstreuer vor den portugiesischen Republikanern geflohen ist. Er ist Verfasser verschiedener Oden und Neoklassiker

5. A. Francisco de Paula Angard – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“ und Autor verschiedener wissenschaftlicher Texte

6. Urban Accursio – Ein Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

7. Adolph Moscow – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“, der in dieser als Romancier tätig ist und als der Autor von „Os Rapazes de Barrowby“ benannt wird

8. Dr. Pancracio – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“ der in dieser als Journalist, Chronist und Dichter beschäftigt ist

9. Luís António Congo – Ein Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“ der in dieser als Chronist beschäftigt ist

10. Eduardo Lança – Ein brasilianischer Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

11. Pedro da Silva Salles alias Pad Zé – Redakteur der Zeitung „O Palrador“ und zuständig für die Witzabteilung der Zeitung

12. José Rodrigues do Valle, alias Scicio – Literarischer Direktor der Zeitung „O Palrador“

13. António Augusto Rey da Silva – Verwalter der Zeitung “O Palrador”

14. Pip – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor verschiedener humoristischer Geschichten

15. Dr. Caloiro – Journalist und Reporter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Werkes „A Pesca das Pérolas“

16. Morris – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

17. Theodor – Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“

18. Diabo Azul (Blauer Teufel) – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

19. Parry – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“

20. Gallião Pequeno – Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“

21. Cecília – Mitarbeiterin der Zeitung „O Palrador“

22. José Rasteiro – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und hier als Autor verschiedener Rätsel und zahlreicher Sprichwörter benannt

23. Marvell Kisch – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Romans „A Riqueza de um Doido“

24. Gabriel Keene – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Romans „Em Dias de Perigo“

25. Sableton-Kay – Mitarbeiter der Zeitung „O Palrador“ und Autor des Romans „A Lucta Aerea“

26. Dr. Gaudêncio Nabos – Mitarbeiter der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Palrador“. Dieser luso-englische Humorist ist bei der Zeitung als Journalist tätig

27. Nympha Negra – Mitarbeiter und Rätselschreiber bei der Zeitung „O Palrador“

28. Professor Trochee – Autor humoristischer Werke

29. Claude Pasteur – Franzose, Übersetzer von „Cadernos de Reconstrução Pagã“

30. Tagus – Mitarbeiter beim „Natal Mercury“ im südafrikanischen Durban

31. David Merrick – Dichter, Erzähler und Dramaturg

32. Lucas Merrick – Kurzgeschichtenschreiber und Bruder von David Merrick

33. Willyam Links Esk – Verfasser eines, mit Absicht, schlecht geschriebenen Briefes in englischer Sprache, das mit dem 13. April 1905 datiert ist

34. Charles Robert Anon – Dichter, Philosoph und Erzähler

35. Alexander Search – englischer Dichter und Kurzgeschichtenschreiber

36. Charles James Search – Bruder von Alexander Search, Übersetzer und Essayist

37. Herr Prosit – deutscher Übersetzer des Werkes „O Estudante de Salamanca“

38. Jean Seul de Méluret – französischer Dichter und Essayist

39. Pantaleão – Poet und Prosaschreiber

40. Torquato Mendes Fonseca da Cunha Rey – Autor verschiedener Texte

41. Pipa Gomes – Angestellter im Verlag von Fernando Pessoa, Ibis, und Autor verschiedener politischer Texte für die von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Phosphoro“

42. Joaquim Moura Costa – satirischer Poet, militanter Republikaner, Mitarbeiter bei der von Fernando Pessoa gegründeten Zeitung „O Phosphoro“

43. Faustino Antunes alias A. Moreira – Psychologe und Autor des Werkes „Ensaio sobre a Intuição“

44. António Gomes – Philosoph, der an der „Univeristät der Unnützen“ studiert hat und Autor des Werkes „Historia Cómica do Sapateiro Affonso“ ist

45. Vicente Guedes – Übersetzer, Poet, Erzähler, Tagebuchschreiber und angeblicher Mitarbeiter in Fernando Pessoas Verlag Ibis. Bruder von Gervásio Guedes

46. Gervásio Guedes – Bruder von Vicente Guedes und Autor des Textes „A Coroação de Jorge Quinto“

47. Carlos Otto – Poet und Autor des Werkes „Tratado de Lucta Livre“

48. Miguel Otto – Bruder von Carlos Otto der das Werk seines angeblichen Bruders „Tratado de Lucta Livre“ ins englische übersetzt

49. Frederick Wyatt – Poet und Prosaschreiber der nur in der englischen Sprache geschrieben hat

50. Reverend Walter Wyatt – englischer Geistlicher und angeblicher Bruder von Frederick und Alfred Wyatt

51. Alfred Wyatt – Engländer der in Paris lebt, ein angeblicher Bruder von Frederick und Walter Wyatt

52. Bernardo Soares – Poet und Prosaschreiber

53. António Mora – Philosoph und Soziologe. Er ist ein Zögling von Alberto Caeiro

54. Sher Henay – Sammler und Schreiber verschiedener Vorworte in englischer Sprache

55. Frederico Reis – Essayist und Bruder von Ricardo Reis

56. Barão de Teive (Baron von Teive) – Ein brasilianischer Prosadichter und Autor von „Educação do Stoico“ und „Daphnis e Chloe“, den Pessoa Selbstmord begehen lässt

57. Maria José – Autorin des Werkes „A Carta da Corcunda para o Serralheiro“

58. Abílio Quaresma – Autor von Krimis und Polizeikurzgeschichten

59. Inspektor Guedes – Autor von verschiedenen Detektivgeschichten

60. Uncle Pork – Dieser Charakter ist Autor verschiedener Detektivkurzgeschichten

61. Pero Botelho – Chronist und Autor verschiedener Briefe

62. Efbeedee Pasha – Autor von humoristischen Geschichten

63. Thomas Crosse – Engländer voller Geheimnisse und Liebhaber der portugiesischen Kultur

64. I.I. Crosse – Unterstützer seines Bruders Thomas Crosse und ebenfalls Liebhaber der portugiesischen Kultur

65. A.A. Crosse – Rätselliebhaber und –schreiber

66. Rafael Baldaya – Ein langbärtiger Astrologe, der als Autor der Werke „Tratado da Negação“ und „Princípios de Metaphysica Esotérica“ benannt wird

67. Horace James Faber – Kurzgeschichtenschreiber und Essayist der nur in englisch schrieb

68. Navas – Übersetzer der Kurzgeschichten von Horace James Faber

69. António de Seabra – Literaturkritiker der Kritiken in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte

70. João Craveiro – Journalist

71. Dinis da Silva – Autor des Werkes „Loucura“

72. Dr. Pancrazio – Geschichtenerzähler

73. Henry More – englischer Autor und Prosadichter

74. Wardour – Dichter

75. J. M. Hyslop – Dichter

76. Sebastian Knight - Dieser Charakter wurde von Fernando Pessoa erfunden, aber nie literarisch verwendet

Samstag, 26. Mai 2012

Portugal zeigt Flagge



Als ich heute mit einem Freund in Richtung Costa de Caparica gefahren bin, konnten wir von der Autobahn aus die riesige portugiesische Flagge sehen, die nun an der Frontseite des Shopping-Centers Almada Forum prangt.
Diese überdimensionale Flagge wurde gestern, über Nacht, an der Glasfassade des zweitgrößten Einkaufscenters des Landes angebracht.
Sie ist 44 m breit, 25 m hoch und bedeckt eine Fläche von 1100 m².

Diese riesige Nationalflagge soll die portugiesische Fußballnationalmannschaft bei der kommenden EM in Polen und der Ukraine „mental unterstützen“ und für die vielen Nationalflaggen stehen, die einstmals bei der EM 2004 hier im eigenen Land, an jedem Ort zu sehen waren.

Damals schmückten tausende und abertausende portugiesische Flaggen jeden erdenklichen Ort.
Kein Haus, kein Auto, keine Straße und kein Balkon das nicht mindestens mit einem kleinen Portugal-Wimpel geschmückt war.
Und auch die Menschen blieben damals hierzulande vom grassierenden Nationalfarben-Fieber nicht verschont. Da wurden rot und grün zu Farben der „Kriegsbemalung“, und die eingefärbten Sonnenbrillen, die zweifarbigen Capis und die entsprechenden T-Shirts wurden mit Stolz getragen.
Psychologisch hat das alles damals, ohne Zweifel, die portugiesische Nationalmannschaft 2004 bis ins Finale gebracht.

Aber wir befinden uns heute nicht mehr im Jahre 2004, sondern im Jahre 2012.
Portugal muss heute mit einer enormen Schuldenkrise und all ihren negativen Folgen fertig werden.
Als Portugiese versucht man momentan eher mit der kollektiven Zukunftsangst zu Recht zu kommen als daran zu denken, wie man sein Auto oder sein Haus mit Fähnchen schmückt.
Die Freude auf die kommende EM 2012 ist hier in Portugal, gelinde gesagt, eher verhalten.
Und nach dem mickrigen 0:0 im heutigen Freundschaftsspiel gegen Mazedonien habe ich das Gefühl das die Freude auf die EM sogar noch geringer geworden ist.

Egal wie die Jungs von Nationaltrainer Paulo Bento bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine auch abschneiden werden, und egal ob die riesige Nationalflagge, die jetzt am Almada Forum hängt, dazu beitragen wird das die portugiesische Nationalmannschaft sich durch ihre Fans „getragen“ fühlt – wichtig ist nur, das die Menschen in den nächsten Wochen dieses sportliche Großereignis dazu nutzen werden, um zusammen zu kommen und um zusammen zu feiern.

Das würde ich uns allen wünschen!

Mittwoch, 23. Mai 2012

Fernando Pessoa



In meinem hier erschienenen Blogeintrag „Ach, wenn ich doch nur könnte…“, vom 19. Mai 2012, erwähne ich die Versteigerung des Mahagonischreibtisches und der Royal-Schreibmaschine des Schriftstellers Fernando Pessoa, die sich am gestrigen Dienstag im Auktionshaus World Legend, hier in Lissabon, ereignet hat.
Heute bin ich von meinem Arbeitskollegen Filipe Zavarsky gefragt worden, wer denn Fernando Pessoa sei.

Nun, der bedeutende Lyriker und Sprachvirtuose Fernando Pessoa, der mit vollem Namen Fernando Antonio Nogueira Pessoa hieß, wurde am Nachmittag des 13. Juni 1888, einem Antoniustag in Lissabon, im vierten Stock des Hauses mit der Hausnummer 4 im Largo de São Carlos, genau gegenüber des Opernhauses Teatro de São Carlos, geboren.
Sein Vater, Joaquim de Seabra Pessoa, war Beamter im Justizministerium und nebenbei Musikkritiker bei der Tageszeitung "Diário de Noticias". Seine Mutter war die aus der Azoreninsel Terceira stammende Maria Magdalena Pinheiro Nogueira Pessoa.

Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte er sehr glücklich im Kreise seiner Eltern, seiner Großmutter väterlicherseits Dionísia und den zwei älteren Hausangestellten Joana und Emilia.
Doch diese glückliche Kindheit wurde jäh unterbrochen, als er nämlich im Alter von nur fünf Jahren seinen Vater verlor, der am 24. Juli 1893 an der Schwindsucht starb.
Nach dem Tod des Vaters geriet die kleine Familie in sehr schwierige finanzielle Schwierigkeiten. So musste seine Mutter fast alle Möbeln veräußern und eine bescheidenere Bleibe in der Rua de São Marçal n° 104 suchen.
Ein paar Monate später, im Januar 1894, verstarb auch sein kleinerer Bruder Jorge, der noch nicht einmal sein erstes Lebensjahr erreicht hatte.

Kurz nach dem Tode seines Bruders lernte seine Mutter den Hauptmann João Miguel Rosa, einen Beamten des Außenministeriums, kennen und lieben.
Ende 1894 wurde João Miguel Rosa nach Durban in Südafrika beordert, um dort den Posten des portugiesischen Konsuls zu besetzen.
1895 wurde die Ehe zwischen Pessoas Mutter Maria Magdalena und João Miguel Rosa per procura in der Kirche São Mamede zu Lissabon geschlossen.

Nach der Hochzeit folgten Maria Magdalena Pessoa und ihr Sohn Fernando dem neuen Familienoberhaupt nach Südafrika.
Sie verließen Lissabon im Januar 1896 auf dem Passagierschiff „Funchal“ in Richtung der Insel Madeira.
Auf Madeira stiegen sie dann auf das englische Handelsschiff „Hawarden Castle“ um, der sie direkt an das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) brachte.

Im südafrikanischen Durban drückte Fernando Pessoa zum ersten Mal die Schulbank, nämlich in der West Street School, einer Grundschule die von irischen Nonnen geleitet wurde. Hier an dieser Schule kam er dann auch zum ersten Mal mit der englischen Sprache und Kultur in Berührung.
Im Jahre 1899 wechselte er in die Durban High School, wo er, so lange er auf dieser Schule war, jedes Jahr als einer der besten Schüler abschnitt.
Sein Englisch wurde so hervorragend, dass er im Alter von elf Jahren seine ersten Gedichte in dieser Sprache schrieb.
In dieser Zeit erschuf er eines seiner erstes Heteronymen (port.: heterónimos), nämlich Alexander Search, und fing an, durch diese erfundene Persönlichkeit, Briefe an sich selber zu schreiben.

1901 starb seine kleine Schwester Madalena Henriqueta im Alter von nur zwei Jahren.
Wenige Wochen nach dem Tod seiner Schwester reiste die Familie auf dem Handelsschiff „König“ nach Lissabon, um hier einen einjährigen Heimaturlaub zu verbringen.
An Bord der „König“ war auch der Leichnam seiner kleinen Schwester, welches in Portugal beigesetzt werden sollte.
In Lissabon wurde dann im Januar 1902 sein Stiefbruder João Maria geboren.

In dieser Zeit isolierte sich Fernando Pessoa immer mehr von seiner Mutter, die gewollt oder ungewollt, ihrem zweiten Ehemann und ihrem jüngsten Sohn immer mehr Aufmerksam schenkte, so empfand es jedenfalls der junge Fernando.
Dennoch verbrachte Fernando Pessoa, so schrieb er einmal später, damals wunderschöne Monate in Portugal. Er besuchte, unter anderem, die Familie seiner Mutter im Mai 1902 auf der Azoreninsel Terceira und auch den Verwandten seines Stiefvaters in Tavira, an der Algarve, stattete die Familie damals einen Besuch ab.

Während seine Mutter, sein Stiefvater und seine kleinen Geschwister im Juni 1902 zurück nach Durban reisten, blieb Fernando Pessoa zuerst in Lissabon bei seiner Großmutter zurück.
Erst drei Monate später, im September 1902, reiste er seiner Familie auf dem Dampfer „Herzog“ nach Südafrika nach.
Als er in Durban ankam, schrieb er sich an der Durban Commercial School, einer Handelsschule, ein und bereitete sich auf dieser für die Universität vor.
Er widmete sich immer mehr der englischen Literatur und las gerne, unter anderem, Werke von William Shakespeare, Edgar Ellen Poe und Lord Byron.

1903 bewarb er sich um einen Studienplatz für Literatur an der University of the Cape of Good Hope (port.: Universidade do Cabo da Boa Esperança), bestand aber nur knapp die Aufnahmeprüfung.
Nichtsdestotrotz schrieb er damals, am Tag der Prüfung, von 899 Kadidaten den besten Aufsatz in englischer Literatur, und erhielt dafür, mit gerade mal 15 Jahren, den Queen Victoria Memorial Prize (port.: Prémio Rainha Vitória) und somit die Aufnahme an die Universität.
Er widmete sich fortan immer mehr der englischen Poesie und den englischen Klassikern, obwohl er später in seinem Leben einmal sagen wird, das „alleine die portugiesische Sprache immer seine Heimat war“.
In seiner Zeit an der Universität von Durban erschuf er die zwei Heteronymen Charles Robert Anon und H. M. F. Lecher.

Im Jahre 1905 beschloss er sein Studium in Südafrika nicht mehr fortzusetzen und verließ die Universität, trotz der Bestnoten die er hatte.
Auch seine Professoren können ihn nicht davon überzeugen weiterhin in Südafrika zu bleiben.
Die Sehnsucht nach Portugal war wohl übergroß.
Noch im selben Jahr kehrte er in sein geliebtes Lissabon zurück – ohne Familie.
Hier lebte er mit seiner Großmutter Dionísia und zwei Tanten in der Rua da Bela Vista n° 17.
1906 schrieb er sich an der Philosophischen Fakultät (port.: Faculdade de Letras) der Universität von Lissabon ein, brach sein Studium dort aber nach noch nicht einmal einem Jahr aus Langeweile ab.

Ein Jahr später, im August 1907, starb seine geliebte Großmutter Dionísia und hinterließ ihm eine kleine Erbschaft.
Mit dem Geld das ihm seine Großmutter hinterließ, gründete er eine kleine Druckerei in der Rua da Conceição da Glória, die er auf den Namen „Empreza Ibis – Typographica e Editora – Officinas a Vapor“ (dt.: „Unternehmen Ibis – Buchdruckerei und Verlag – Dampfdruckwerkstatt“) taufte, mit der er aber alsbald bankrott ging.

Fernando Pessoa erholte sich nur schwer von dieser Niederlage und aus ihm wurde fortan ein unscheinbarer Büroangestellter und Fremdsprachenkorrespondent, der sich gerne hinter dicken Brillengläsern versteckte – jedenfalls vormittags.
Denn nachmittags saß er stundenlang in den Lissabonner Cafés und diskutierte, schrieb und trank und füllte eine große Truhe mit unzähligen Manuskripten.

Im Jahre 1912 veröffentlichte er in der Zeitschrift „A Águia“ seinen ersten Artikel über „Neue portugiesische Dichtung“ (port.: „A nova poesia portuguesa“) und Dank dieses Artikels bildete sich ein avantgardistischer Kreis, dem fortan Pessoa selbst, sein enger Freund Mario de Sá Carneiro, der vielseitige Künstler Almada Negreiros sowie die Maler Santa-Rita Pintor und Amadeo de Sousa Cardoso angehörten.
Dieser Kreis von Literaten, das sich fortan regelmäßig im Café „A Brasileira“ im Chiado traf oder aber auch im Café „Martinho da Arcada“ auf der Praça do Comercio zusammenkam, machte es sich zum Ziel, das in ihren Augen nach der Abschaffung der Monarchie im Jahre 1910 träge und selbstzufrieden gewordene Land, wachzurütteln. Außerdem wollten sie damals, wie sie es ausdrückten, „der Ignoranz, dem Fanatismus und der Tyrannei“ entgegentreten.

Mit dem Geld des wohlhabenden Vaters von Mario de Sá Carneiro erschien 1915 die um eine radikale Erneuerung bemühte literarische Zeitschrift „Orpheu“, die gleich am Erscheinungstag zum Skandal wurde.
Vom ersten Tag an, war „Orpheu“ das Tagesgespräch von ganz Lissabon und auf offener Straße wurde mit dem Finger auf Pessoa und seine Herausgeberfreunde gezeigt.
Der plumpe Hohn, den sich die Konkurrenz in den Tagen nach der Erscheinung der Zeitschrift erlaubte, war die beste Reklame für das aufmüpfige Unternehmen.
Die Werbung war so gut, dass nach drei Wochen die Auflage des „Orpheu“ vergriffen war.
Nur Sá Carneiros Vater war von der ganzen Sache nicht so begeistert und stellte gleich nach der zweiten Nummer der Zeitschrift die Finanzierung ein.
Nach dem Ende des „Orpheu“ zerfiel die Literaten-Gruppe um Fernando Pessoa allmählich. Als sein Freund Mario de Sá Carneiro 1916 in Paris Selbstmord beging, glitt Pessoa immer mehr in die Einsamkeit ab.

1917 versuchte sein Schriftstellerfreund Almada Negreiros an dem Erfolg des „Orpheu“ anzuknüpfen und gab die erste und einzige Nummer der Zeitschrift „Portugal Futurista“ heraus, in dem Fernando Pessoa, unter dem Heteronymen Àlvaro de Campos, einen sehr provozierenden Text mit dem Titel „Ultimato“ veröffentlichte.
Das Pessoa unter anderen Namen schrieb, war für ihn Selbstverständlich und mit der Zeit wurden Heteronymen ein Markenzeichen Fernando Pessoas.

Heteronymen gehen über ein gewöhnliches Pseudonym weit hinaus.
Heteronymen werden immer mit einer eigenen Statur und Physiognomie, mit einem Horoskop und einem Lebenslauf, mit einer eigenen Persönlichkeit und einem eigenen Stil versehen.
Fernando Pessoa war beim erfinden solcher Persönlichkeiten ein wahrer Weltmeister!
Auf der Suche nach dem Ich, das er nie finden konnte, spaltete sich Pessoa in unterschiedliche „alter ego“ auf, die einander und Pessoa selbst widersprachen, sich gegenseitig kritisierten und alle unter ihrem erfundenen Namen literarisch tätig waren.

Zu Fernando Pessoas Phantasiegestalten gehörten Alberto Caeiro, der blonde und blauäugige Lissabonner ohne Schulbildung und Beruf, Ricardo Reis, der Arzt aus Porto mit einer humanistischen Bildung, der monokeltragende Àlvaro de Campos, der in Glasgow zum Schiffsingenieur ausgebildet wurde und provozierende Artikel schrieb und Chevalier de Pas, der Briefe an Pessoa verfasste.
All diese Personen waren zwar alle literarisch existent, aber sie waren nichts weiter als die reine Phantasiebildung eines Mannes.
So erfand Pessoa seine eigene, große Dichterfamilie, eine Familie die zum Schluss aus sage und schreibe mindestens 76 Heteronymen bestand!

Aber Fernando Pessoa war in Wahrheit ein einsamer Mann!
Er lebte sehr zurückgezogen, fast ohne menschliche Bindungen.
Schreiben war für Pessoa eine Mission, die mönchische Zucht verlangte und ihn völlig beanspruchte.
So ist auch nur eine Liebesbeziehung Fernando Pessoas bekannt.
Im Jahre 1920 verliebte er sich in Ophélia Queirós, einem fröhlichen, 19 jährigen Mädchen. Bei ihr suchte er so etwas wie einen Ausweg aus seiner inneren Isolation.
Sie trafen sich fast täglich, doch nach nur neun Monaten brach Pessoa seine Beziehung zu Ophélia ab.
Sein Schicksal, so schrieb er in einem Brief an das Mädchen, stehe unter einem anderen Gesetz.
Später, im Jahre 1929, lebte die alte Liebe zwischen Pessoa und Ophélia noch einmal auf, aber nach nur vier Monaten trennte sich das Paar erneut.

Am 17. März 1925 starb seine geliebte Mutter.
Er wurde nun zunehmend depressiv, trank immer mehr und öfters und stürzte irgendwann in eine große Identitäts- und Wahrheitssuche.
Er wendete sich immer mehr dem Okkultismus und der Esoterik zu, fing an englischsprachige theosophische Schriften zu übersetzen und interessierte sich immer mehr für den Sebastianismus.

Er erholte sich nach einiger Zeit wieder und fing erneut an zu schreiben.
Nach Jahren ununterbrochenen Umherziehens ließ er sich endgültig in einem Haus in der Rua Coelho da Rocha n° 16, im Stadtteil Campo de Ourique, nieder und lebte dort bis zu seinem Tod.
Dort schrieb er eines seiner größten Werke, das 1934 veröffentlichte lyrische Epos „Mensagem“.

Anfang November 1935 erkrankte Fernando Pessoa schwer.
Er war erst 47 Jahre alt, aber seine jahrelangen Alkoholexzesse und das starke rauchen machten sich nun negativ bemerkbar.
Am 29. November 1935 wurde er in das Krankenhaus Hospital de São Luís dos Franceses eingewiesen und die Ärzte diagnostizieren ihm eine schwere Leberzirrhose.
Ans Bett gefesselt, brachte er in englischer Sprache seine letzten Worte zu Papier:

„I know not what tomorrow will bring!“
(port.: „Não sei o que o amanhã trará!“ / dt.: „Ich weiß nicht, was der morgige Tag bringen wird!“)

In der Nacht fiel er ins Koma und am Tag darauf, dem 30. November, versagten seine Nieren und er erlag seinem schweren leiden.

In der Gestalt seines Heteronymen Alberto Caeiro sagte Fernando Pessoa einmal über sich selbst:
„Wenn ihr nach meinem Tod meine Biographie schreiben wollt, so ist nichts leichter als dies. Sie hat nur zwei Daten – Geburts- und Todestag. Alle Tage dazwischen gehören mir!“

Im Jahre 1988, anlässlich seines einhundertsten Geburtstags, wurden seine Gebeine vom Friedhof Prazeres (port.: Cemitério dos Prazeres) in das berühmte Lissabonner Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jeronimos), einem der portugiesischen Heiligtümer, überführt.
Hier ruht er nun neben Männern wie Vasco da Gama, Luis Váz de Camões und König Manuel I.
Ihm wurde damit eine Ehre zuteil, die ihm zu Lebzeiten stets verwehrt worden war.

Samstag, 19. Mai 2012

Ach, wenn ich doch nur könnte…


Nächsten Dienstag, den 22. Mai 2012, wird das Auktionshaus World Legend in Lissabon einen Schreibtisch und eine Schreibmaschine des portugiesischen Dichters, Lyrikers und Schriftstellers Fernando Pessoa versteigern.

Fernando Pessoa, der nach dem großen Luis de Camões als der bedeutendste Poet Portugals gilt und Autor solch berühmter Werke wie „O Banqueiro Anarquista“ (dt.: „ Ein anarchistischer Bankier“), „O Guardador de Rebanhos“ (dt.: Der „Schafhirte“) und „Mensagem“ (dt.: „Botschaft“) ist, benutzte sowohl den Schreibtisch als auch die Schreibmaschine als er bei der Portugiesischen Gesellschaft für Sprengstoffe (port.: Sociedade Portuguesa de Explosivos) als Fremdsprachenkorrespondent angestellt war.

Die Sociedade Portuguesa de Explosivos, ehemals im 1.Stockwerk eines Hauses im Largo do Corpo Santo nº 28, unweit des Cais do Sodré gelegen, ist ein Ort den Pessoa mehrere Male in Briefen an seine Freunde erwähnt.
So schreibt er seinem Freund Mario de Sá Carneiro im Jahre 1915, wie er am Schreibtisch seines Büros sitzend, oftmals seine persönliche Korrespondenz und viele seiner Gedichte auf seiner Schreibmaschine Marke „Royal“ tippt.

Der schwere Schreibtisch aus Mahagoni, mit jeweils vier Schubladen auf der linken und auf der rechten Seite, soll dem Aktionshaus zwischen 10.000 und 20.000 Euro einbringen.
Die Schreibmaschine soll für 3.000 bis 5.000 Euro versteigert werden.

Bei diesen zwei Objekten handelt es sich also nicht um Dinge aus dem Privatbesitz des Künstlers, aber sehr wohl um Objekte aus dem Leben eines der größten Schriftsteller Portugals und der portugiesischsprachigen Literatur.
Hätte ich das nötige Kleingeld, so würde ich liebend gerne am kommenden Dienstag bei der Auktion mitbieten und so einiges dafür tun, um in den Besitz des Schreibtisches zu kommen.
Ach, wenn ich doch nur könnte…

Dienstag, 15. Mai 2012

Portugiesische Literatur in der Bibliothek von Shanghai


Das portugiesische Generalkonsulat in Shanghai (port.: Xanghai) hat letzte Woche, auf diplomatischem Wege, der Bibliothek von Shanghai, die nach der Nationalbibliothek in Peking die zweitgrößte öffentliche Bibliothek Chinas ist, eine Schenkung portugiesischsprachiger Bücher zukommen lassen.
Initiator dieser Schwenkung, die am vergangenen 08. Mai erfolgte, ist das portugiesische Sprachinstitut „Instituto Camões“ gewesen.

Die Bibliothek von Shanghai, die mit über 50 Millionen verschiedenen Schrift- und Tonstücken und knapp 2 Millionen Büchern zu den größten Bibliotheken der Welt gehört, erhielt anlässlich des „Tages der Portugiesischen Sprache“ (port.: „Dia da Lingua Portuguesa“), insgesamt 47 verschiedene Publikationen portugiesischer Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler.
Zu diesen Publikationen gehören verschiedene Bücher, Lexika, CD´s und DVD´s.

So erhielt die Bibliothek von Shanghai, unter anderem, eine Ausgabe des Heldenepos „Os Lusíadas“, des portugiesischen Nationaldichters Luís Vaz de Camões, eine Ausgabe von „A Viagem do Elefante“, des Nobelpreisträgers José Saramago und den Roman „O Esplendor de Portugal“, des von mir so geschätzten Autors António Lobo Antunes.
Zu der Schenkung gehören auch verschiedene poetische Werke des Romanciers Eça de Queiroz und ausgesuchte Fachliteratur über Musik, Moderne Kunst und die Geschichte Portugals.

China gehört zu den wenigen Ländern auf der Welt, in denen das Interesse an der portugiesischen Sprache und Kultur in den letzten Jahren merklich zugenommen hat.
So erlernen heutzutage, nach Angaben der chinesischen Behörden, fünf Mal mehr Chinesen die portugiesische Sprache, als es noch vor fünf Jahren der Fall war.
Die Bibliothek von Shanghai, die im Dezember 1996 ihre Türen für die Öffentlichkeit öffnete, hatte bis dato, nach Angaben ihres Direktors Wu Jianzhong, nur zehn verschiedene portugiesischsprachige Bücher in ihren Regalen stehen, die alle ursprünglich aus Macau stammten und stets vergriffen waren.

Mit der Schenkung die letzten Dienstag erfolgte, will nun das „Instituto Camões“ das Sortiment der Bibliothek von Shanghai ein wenig bereichern.

Samstag, 12. Mai 2012

Fatima, Altar der Welt



In dem Moment in dem ich diese Zeilen schreibe, laufen in den Abendnachrichten des portugiesischen Fernsehens beeindruckende Bilder der Lichterprozession in Fatima.
Der weltberühmte portugiesische Wallfahrtsort Fatima liegt mitten in Portugal auf dem einst öden Hochland von Cova da Iria, gut 20 km südöstlich der Stadt Leiria.
Alljährlich pilgern bis zu 5 Millionen Gläubige aus aller Welt an diesen Ort, um die Vergebung ihrer Sünden zu erbitten oder Heilung zu erflehen.
Die Hauptwallfahrten, die alljährlich am 13. Mai und am 13. Oktober stattfinden, werden immer von den von mir schon erwähnten großen Lichterprozessionen begleitet, die jeweils immer in der Nacht vom 12. auf den 13. stattfinden.

Am 13.Mai 1917, und weiterhin am 13. eines jeden Monats bis zum Monat Oktober desselben Jahres, soll den drei Hirtenkindern (port.: Três pastorinhos) Lucia de Jesus sowie Francisco und Jacinta Marto, nahe des damals unbedeutenden Dorfes Fatima die Muttergottes vom Rosenkranz (port.: „Virgem do Rosário) in einem Lichtstrahl erschienen sein, als sie ihre Schafe hüteten.

Die Nachricht der Erscheinung verbreitete sich rasch und zunächst verhielt sich die Kirche gegenüber diesen Visionen skeptisch, um nicht zu sagen ablehnend.
Dennoch pilgerten bei der letzten Erscheinung am 13. Oktober 1917 über 70.000 Menschen nach Fatima um der erhofften Marienerscheinung beizuwohnen.
Und angeblich wurden diese Menschen nicht nur Zeugen der Marienerscheinung, sondern auch eines merkwürdigen Naturschauspiels:
Bei strömenden Regen soll die Sonne damals plötzlich begonnen haben, sich als Feuerball um ihre eigene Achse zu drehen und dabei bunte Strahlenbündel auszusenden, die die Erde ringsum berührten.
In den Tagen nach diesen Ereignissen soll es zu einigen wundersamen Krankenheilungen gekommen sein: so konnten angeblich auf einmal Blinde plötzlich sehen, Lahme plötzlich gehen und Taube plötzlich hören.

Aber nur die drei Kinder konnten die Jungfrau sehen und nur Lucia konnte sie auch hören. Lucia war auch die einzige, der die Jungfrau Maria die drei Prophezeiungen von Fatima verkündete.
Die erste Prophezeiung betraf das Nahe Ende des 1. Weltkrieges.
Die zweite Prophezeiung sagte den Niedergang des kommunistischen Russlands voraus, und das wenige Wochen bevor die Kommunisten überhaupt die Macht in Russland übernahmen.
Die dritte Prophezeiung wurde bis zum Jahre 2000 verschlossen im Vatikan aufbewahrt und soll angeblich das Attentat auf Papst Johannes Paul II am 13. Mai 1981 vorausgesagt haben. Eine genaue Stellungsnahme ist aber hierzu bis heute nicht aus dem Vatikan herausgegeben worden.

Die kirchlichen Behörden untersuchten mehrere Jahre lang die Vorfälle und erkannten den Madonnenkult von Fatima schließlich 1930 offiziell an.
Erst am 13. Mai 1963 erteilte Rom seine Bewilligung für eine eigene Messe in der Basilika von Fatima, zu Ehren der „Nossa Senhora de Fatima“ (dt.: Jungfrau von Fatima).
Sechs Jahre später, am 13. Mai 1969, kam Papst Paul VI, als erster päpstlicher Pilger nach Fatima und titulierte den Wallfahrtsort mit dem Namen „altar do mundo“ (dt.: „Altar der Welt“), einen Namen den Fatima bis heute mit Stolz trägt.

Auch wenn man kein gläubiger Katholik ist, so ist Fatima alleine schon wegen seiner Bauwerke und wegen seiner riesigen Dimensionen ein Besuch wert.
Geradezu gigantische Ausmaße, nämlich über 150.000 qm², hat der Versammlungsplatz von Fatima, den viele gläubige auf den Knien rutschend, manchmal sogar auf allen vieren, durchmessen.
Wenn man bedenkt, dass der Petersplatz in Rom gerade mal nur halb so groß ist, wird man sich über die Dimensionen die in Fatima existieren erst richtig bewusst.

Beherrscht wird der Versammlungsplatz von der neobarocken Basílica Nossa Senhora do Rosário (dt.: Basilika der Muttergottes vom Rosenkranz) mit ihrem 65 m hohen zentralen Glockenturm.
Mit dem Bau der Basilika, die ein Werk des niederländischen Architekten Gerard van Krieken ist, wurde am 13. Mai 1928 begonnen.
Im Inneren befinden sich die Grabstätten der Geschwister Francisco und Jacinta Marto, die bereits 1919 bzw. 1920 verstarben, und das Grab ihrer Cousine Lucia de Jesus, deren sterbliche Überreste im Jahre 2006 hierher überführt wurden.
Nach beiden Seiten hin verbinden imposante Säulengänge die Basilika mit den ausgedehnten Kloster- und Hospitalgebäuden.

An der Stelle, an der die Jungfrau Maria 1917 den Kindern in den Zweigen einer Steineiche (port.: azinheira) erschienen sein soll, steht heute die Capela das Aparições (dt.: Erscheinungskapelle) vor der Basilika.
Ursprünglich stand hier eine kleine, schlichte Kapelle.
Diese Kapelle wurde damals vom 28. April bis zum 15. Juni 1919 von dem Maurer Joaquim Barbeiro, aus dem nahen Dorf Santa Catarina da Serra, aus einfachsten Mittel erbaut.
Am 06. März 1922 zerstörten Unbekannte bei einem Sprengstoffanschlag diese Kapelle.
Noch im selben Jahr wurde dann an gleicher Stelle wieder eine Kapelle erbaut, deren Fundamente die heutige Kapelle tragen.

Die Marienstatue der „Nossa Senhora de Fatima“ in der Kapelle ist das Wahrzeichen von Fatima. Sie ist ein Werk des Bildhauers José Ferreira Thedim und wurde am 13. Mai 1920 von Gilberto Fernandes dos Santos gestiftet.
Die Marienstatue, die aus brasilianischem Zedernholz ist, misst gerade mal 1,10 m.

Gegenüber der Basilika, auf der anderen Seite des riesigen Platzes, steht die am 13. Oktober 2007 eingeweihte Igreja da Santissima Trindade (dt.: Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit).
Diese Kirche, mit ihren 8.633 Sitzplätzen und einer überdachten Fläche von 40.000 qm², ist der viertgrößte Kirchenbau der Welt und ein Werk des griechischen Architekten Alexandros Tombazis.
Sie ist, und darauf legt die katholische Kirche großen Wert, alleine durch Spenden von gläubigen Fatimawallfahrern erbaut worden.
Unweit der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit steht ein 3,60 m hohes und 2.600 kg schweres Fragment der Berliner Mauer, das an die zweite Prophezeiung erinnern soll, die das Ende des Kommunismus voraussagte.

Wer generell nichts für Pilgerstätten übrig hat, sollte Portugals größten und bedeutendsten Wallfahrtsort meiden, denn dieser Ort hat heute leider mehr das Flair eines für die Abfertigung von Hunderttausenden konzipierten religiös angehauchten Disneylands als den eines wahrlich heiligen Ortes.
Nichtsdestotrotz ist Fatima ein außergewöhnlicher Ort, den man auf alle Fälle einmal besuchen sollte.