Sonntag, 1. Dezember 2013

Der 01. Dezember – ein Feiertag für die Ewigkeit


Heute ist der 01. Dezember 2013.
Über mehr als 150 Jahre hinweg war der 01. Dezember der älteste politische Feiertag Portugals, bis er letztes Jahr, 2012, als solches abgeschafft wurde.
Dieser symbolträchtige Festtag wurde von der Monarchie Mitte des 18. Jahrhunderts als nationaler Feiertag eingeführt. Er hat dann die republikanische Revolution von 1910 überlebt, hat die knapp 50jährige faschistische Diktatur von Salazar überstanden und auch die Nelkenrevolution von 1974 überdauert.
Doch das 21. Jahrhundert, und die Krisenpolitik der letzten Jahre, hat er leider nicht überlebt.

Der erste Tag im Dezember, der hierzulande „Dia da Restauração da Independência“ genannt wird, erinnert uns Portugiesen an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Portugals von Spanien im Jahre 1640.
Damals hatten sich, nach einer 60jährigen kastilischen Herrschaft über Portugal, einige portugiesische „Verschwörer“ (port.: conjurados) erfolgreich gegen die spanischen Machthaber erhoben, den achten Herzog von Bragança als João IV auf den Thron gebracht und somit die Unabhängigkeit Portugals wiedererlangt (lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Die Verschwörer“, vom 15. Dezember 2011).

Ich persönlich bin ja der Meinung, man hätte, anstatt den Feiertag abzuschaffen, diesen Verschwörern ein Denkmal setzen sollen – jedem von ihnen!
Jeder von ihnen hätte für seinen Mut, seine Tapferkeit und seine Freiheitsliebe zweifellos solch ein Denkmal verdient; denn diesen Männer und dem 01. Dezember 1640 haben wir es zu verdanken, dass Portugal heute überhaupt als Nation existiert!

Ob nun Feiertag oder nicht – der 01. Dezember wird für uns Portugiesen immer der Tag sein, an dem wir die Souveränität als freie und unabhängiges Nation symbolisch feiern werden!
Und daran wird auch eine aktuelle politische (Finanz)Krise und ein Troika-Diktat nichts ändern!

Freitag, 29. November 2013

Es ist nicht leicht heutzutage ein Esel oder Portugiese zu sein


In ihrer heutigen Ausgabe hat die renommierte englischsprachige Tageszeitung „International New York Times“, die weltweit in 160 Ländern tagesaktuell erscheint und redaktionell sehr eng mit der original „New York Times“ zusammenarbeitet, einen sehr interessanten  Artikel über die vom aussterben bedrohte Eseln aus Miranda (port.: Burros-de-Miranda / engl.: Miranda donkeys) herausgebracht.

In diesem Artikel, den der Journalist Raphael Minder „Hard Times for a Small (and Fuzzy) Group of Europeans“ (dt.: „Harte Zeiten für eine kleine (und struppige) Gruppe von Europäern“ / port.: „Tempos difíceis para um pequeno (e desgrenhado) grupo de europeus“) nennt, schreibt er über die im Ausland völlig unbekannte Eselsart Burro-de-Miranda.

Beim Miranda-Esel handelt es sich um eine Hauseselrasse, die sich von anderen Eseln vor allem darin unterscheidet, dass er nicht so stur und dickköpfig ist, sondern eher genügsam.
Außerdem ist sein Deckhaar länger und er hat für gewöhnlich eine hell- bis dunkelbraune Farbe, die ihn leicht von seinen mausgrauen Vettern unterscheidet.

Das Besondere am Zeitungsartikel von Raphael Minders ist, abgesehen von der sehr guten Tierbeschreibung, dass der Journalist gewisse Parallelen zwischen dem portugiesischen Esel und dem portugiesischen Bürger sieht.

Wörtlich schreibt der Autor da, gleich zu Anfang, im zweiten Absatz seines Artikels:

„After decades of neglect and, some argue, misunderstanding, the fate of the donkey has come to resemble that of its human counterparts in hard-pressed European hinterlands: threatened by declining population and dependent for its survival on, yes, subsidies from the European Union.“

(dt.: „Nach Jahrzehnten der Vernachlässigung und Missverständnissen, so meinen viele, fängt das Schicksal der Esel dem des Menschen im bedrängten europäischen Hinterland immer ähnlicher zu werden: Beide sind sie vom Rückgang bedroht und gnadenlos von Subventionen der Europäischen Union abhängig, um zu überleben.“)

Ein, wie ich finde, interessanter und origineller Vergleich von einem Nichtportugiesen über uns vier- und zweibeinigen Portugiesen.
Wer den Artikel lesen will, hier ist der Link der International New York Times:

http://www.nytimes.com/2013/11/29/world/europe/despite-subsidies-hard-times-for-a-small-and-four-legged-group-of-europeans.html?_r=0

Dienstag, 26. November 2013

Der Haushalt 2014 ist (erst einmal) durch


Heute war hier in Portugal, vor allen Dingen hier in Lissabon, einiges los!

Da haben z.B. heute, inspiriert durch die Massenproteste im fernen Thailand, wo in Bangkok mehrere Regierungsgebäude besetzt wurden, hier in Lissabon ebenfalls mehrere Demonstranten das Finanzministerium (port.: Ministério das Finanças), das Umweltministerium (port.: Ministério do Ambiente), das Gesundheitsministerium (port.: Ministério da Saúde) und das Wirtschaftsministerium (port.: Ministério da Economia) einfach mal so annektiert.

Zur gleichen Zeit versammelten sich vor dem altehrwürdigen Palácio de São Bento, dem portugiesischen Parlament, tausende Rentner und Gewerkschafter des öffentlichen Dienstes und protestierten, zu Recht, gegen noch mehr Kürzungen ihrer Renten und Löhne.

Und auch im Parlament selbst, ging es heiß her.
Während das Hohe Haus, mit der Mehrheit der regierenden Koalition von Premierminister Pedro Passos Coelho, den Staatshaushalt ( port.: Orçamento de Estado) für das kommende Jahr mit 132 zu 98 Gegenstimmen, durchbrachte, machten mehrere Demonstranten ihren Unmut gegen die drastische Sparpolitik der Regierung kund, indem sie mit lauten Zwischenrufen die Parlamentssitzung störten und, in Folge dessen, den Plenarsaal verlassen mussten.

Die Regierung hat den Haushalt für das kommende Jahr 2014 durchgebracht.
Aber – obwohl gerade erst verabschiedet – so ist es doch eher zweifelhaft, ob die Regierung den Haushalt letztendlich halten wird können.

Die Opposition hat sofort nach der Verabschiedung des Etats angekündigt, dass sie das Verfassungsgericht (port.: Tribunal constitucional) einschalten wird, denn ihrer Meinung nach, ist der Haushalt im höchsten Maße Verfassungswidrig.
Sollte das oberste Gericht Portugals den Etat kippen – das Verfassungsgericht hat schon mehrere Gesetzte der jetzigen Regierungskoalition verworfen – dann könnte Premierminister Passos Coelho große Probleme bekommen.
Denn dann könnte er nämlich nicht, wie geplant, Mitte nächsten Jahres den Rettungsschirm von EU, IWF und EZB verlassen, was zur Folge hätte, das er höchstwahrscheinlich um einen zweiten Rettungsschirm bei der Troika anfragen müsste.
Das Wäre eine Katastrophe – eine Katastrophe die die Opposition anscheinend in Kauf nimmt!

Ob Portugal, knappe sechs Monaten vor dem Ende des Rettungsprogramms, also in eine noch größere Krise stürzt (wenn das gefühlsmäßig überhaupt noch möglich ist???) oder vielleicht doch eine hoffnungsvollere Zukunft vor sich hat – keiner weiß es heute genau.

Die nächsten Tage und Wochen werden es zeigen!

Sonntag, 24. November 2013

Einladung zum ökumenischen Advents-Basar 2013


Die beiden deutschsprachigen Kirchengemeinden Lissabons, die DEKL (dt.: Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Lissabon) und die KKdSL (dt.: Katholische Kirchengemeinde deutscher Sprache Lissabon), laden einmal wieder zu ihrem beliebten, alljährlich stattfindenden, Advents-Bazar ein.
Dieses Mal findet er am 1. Adventssonntag, dem 01. Dezember 2013, zwischen 11.00 Uhr und 17.00 Uhr statt.
Wie in den Jahren zuvor, so wird er auch dieses Jahr in der Schule der Salesianer (port.: Colégio dos Salesianos), im Lissabonner Stadtteil Campo de Ourique, stattfinden.

Wer will, wird auf dem Basar die Gelegenheit haben typisch deutsche Weihnachtsprodukte, wie z.B. Adventskränze, Kerzen, Weihnachtsbaumschmuck, Glühwein, Lebkuchen und leckeren Christstollen, käuflich zu erwerben.
Ein kleiner Flohmarkt, eine reich bestückte Kaffee- und Kuchentafel, ein Büchermarkt und eine Tombola sind nur einpaar Highlights des über die Stadtgrenzen Lissabons bei vielen Deutschen bekannten Basars.

Hinzu wird es dieses Jahr ein reichhaltiges Programm für die Kleinsten unter den Advents-Basarbesuchern geben:
eine große Hüpfburg, eine Torwand, ein Kinderschminkbereich und eine Bastel- und Leseecke werden den kleinen Gästen das Warten auf den Weihnachtsmann, der sein Kommen schon mal im Voraus angekündigt hat, so angenehm und abwechslungsreich wie möglich machen.

Die Organisatoren erhoffen sich für den Tag  gutes Wetter und einen regen Besucherandrang, damit der Advents-Basar wieder ein voller Erfolg wird.
Der Erlös des diesjährigen Basars wird wieder den sozialen Projekten der beiden Gemeinden zugute kommen.


Samstag, 23. November 2013

Ich werde (vielleicht) nie wieder Pepsi trinken




Wie ich in meinem vorhergehenden Blogeintrag „El Comandante siegt gegen selbsternannten Gott“ beschrieben habe, hatte es die portugiesische Fußballnationalmannschaft vor ihrem WM-Playoff-Rückspiel gegen die schwedische Nationalelf am 19. November 2013 alles andere als einfach.
Die Portugiesen mussten in Solna, unweit von Stockholm (port.: Estocolmo), nicht nur in einem Stadion voller heimischer Fußballfans gegen eine motivierte schwedische Mannschaft antreten, sondern sie mussten auch gegen die verschiedensten Aktionen und Kampagnen der schwedischen Presse und Medien ankämpfen.

Eine dieser zweifelhaften Aktionen war eine polemische Werbekampagne des Brauseherstellers Pepsi in Schweden (port.: Suécia).
Der hatte nämlich mehrere Plakate publiziert, auf dem eine Voodoo-Puppe mit einem Portugaltrikot mit der Nummer 7 (die Rückennummer von Cristiano Ronaldo) zu sehen war.
Auf einem dieser Plakate war die Voodoo-Puppe gefesselt, auf einem Bahngleis liegend, dargestellt.
Ein anderes Plakat zeigte die Puppe von hunderten Nadeln durchspickt.
Und auf einer dritten Anzeige sah man, wie die Voodoo-Puppe von einer Pepsi-Getränkedose symbolisch erschlagen wurde.

Das fand man hier in Portugal überhaupt nicht witzig!

Vielleicht waren sich ja die Werbestrategen von Pepsi, als sie diese PR-Aktion lostraten, nicht darüber im Klaren, dass sie auch im Süden Europas ihre Brause vertreiben…
Wie dem auch sei: seit seiner geschmacklosen Kampagne wird der Brausehersteller hier in Portugal mit wütenden Protesten und mehreren Gegenaktionen konfrontiert.

So wird hierzulande auf verschiedenen sozialen Seiten im Internet, ziemlich erfolgreich wie es scheint, zu einem Boykott von Pepsi-Cola aufgerufen.
Zahlreiche Cafés, Restaurants und Bars haben Pepsi freiwillig aus ihren Kühlschränken und Regalen genommen.
An verschiedenen Orten des Landes wurden schon mutwillig Pepsi-Plakate, Pepsi-Werbesäulen und Pepsi-Getränkeautomaten beschmiert und vandalisiert.
Selbst die portugiesische Fluggesellschaft TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses) hat dieser Tage in Erwägung gezogen Pepsi, der einer ihrer offiziellen Lieferanten ist, aus ihren Flugzeugen zu verbannen. In einem am Mittwoch veröffentlichen Kommentar bezeichnet die TAP die Kampagne von Pepsi sogar als „groben Hooliganismus“ (port.: hooliganismo grosseiro“).

Angesichts solch heftiger Reaktionen, hat sich nun Pepsi bei Cristiano Ronaldo und den portugiesischen Fans in aller Form mit einem kurzen Statement auf ihrer facebook-Seite für die unglückliche PR-Aktion entschuldigt:

„Nunca quisemos dar ao desporto ou ao espírito de competição uma conotação negativa. Pedimos desculpa a todos aqueles que se sentiram ofendidos pelos posts – estes foram imediatamente retirados.“

(dt.: „Wir wollten niemals den Sport oder den Wettbewerbsgedanken in ein negatives Licht rücken. Wir entschuldigen uns, sollte sich jemand von den Beiträgen angegriffen gefühlt haben – wir haben diese augenblicklich entfernt.“)

Der Haken an der ganzen Sache ist nur:
Die Entschuldigung wurde nur auf der portugiesischen Seite von Pepsi und nicht etwa auf der offiziellen Seite des Weltunternehmens publiziert – und das ist für portugiesische Gemüter anscheinend zu wenig!

So gehen die Proteste hierzulande weiter.
Die eigens vor drei Tagen gegründeten facebook-Seite „Nunca mais vou beber Pepsi“ (dt.: „Ich werde nie wieder Pepsi trinken“) zählt heute Mittag schon über 187.000 Anhänger – und es werden immer mehr.

Aber, die Gemüter werden sich hier in Portugal in ein paar Wochen wieder beruhigen. Schließlich sind wir Portugiesen dafür bekannt nicht sehr nachtragend zu sein.
Für einen Konzern wie Pepsi wird der kleine Absatzverlust, den sie hier in Portugal wohl in nächster Zeit haben werden, leicht zu verschmerzen sein. Die Verantwortlichen wissen nämlich genau, dass hier in Portugal der Konkurrent Coca Cola die Nase vorne hat!

In wieweit Pepsi aber für seine unglückselige PR-Kampagne weltweit bezahlen wird, wird sich in der Zukunft zeigen.
Schließlich hat Cristiano Ronaldo überall auf der Welt seine Fans und auch sein Fußballverein Real Madrid hat überall auf dem Globus seine Anhänger.

Was mich betrifft, so muss ich ehrlich gestehen, dass ich nicht so gerne Pepsi trinke, genauso wie ich auch nicht so gerne Coca Cola trinke. Mir ist das ganze Zeug einfach zu pappig-süß!
So kann ich also, für meine Person, ruhigen Gewissens sagen:

„Ich werde (vielleicht) nie wieder Pepsi trinken!“


Dienstag, 19. November 2013

El Comandante siegt gegen selbsternannten Gott


Schweden (port.: Suécia) hat heute Abend alles, aber auch wirklich alles versucht, die portugiesische „Seleção“ im neuen Fußballstadion von Solna, nahe Stockholm (port.: Estocolmo), aus dem Konzept zu bringen.

So empfing z.B. eine Musikkapelle die portugiesische Elf bei ihrer Ankunft in Solna, wo heute Abend das Playoff-Rückspiel zwischen Portugal und Schweden stattfand, mit dem Kinderlied „Hier kommt Pippi Langstrumpf“ (port.: „Aqui vem Pippi das Meias Altas“ / swe.: „Här kommer Pippi Langstrump“).
Nur zwei Stunden vor dem Anpfiff ließen die schwedischen Verantwortlichen, das schließbare Schiebedach der „Friends Arena“ öffnen, um die Temperatur im Stadion zu kühlen, in der Hoffnung, die Portugiesen kämen mit den niedrigen Temperaturen, die es ja um diese Jahreszeit in Nordeuropa gibt, nicht zurecht.
Dann pfiffen die schwedischen Stadionbesucher, vor dem Anstoß, die portugiesische Nationalhymne regelrecht nieder.
Und während des ganzen Spiels schrieen dann tausende nordische Kehlen unaufhörlich im Chor laut nach „Messi“.

Das alles hat ihnen nichts genutzt!

Cristiano Ronaldo, der noch vor kurzer Zeit von Sepp Blatter so lächerlich als „El Comandante“ karikaturiert wurde, hat sich gegen das Großmaul Zlatan Ibrahimovic durchgesetzt.
Portugal hat heute 3:2 gegen Schweden gewonnen; alle drei Tore von Cristiano Ronaldo!

Somit nimmt Portugal nächstes Jahr an der Fußball-WM 2014 in Brasilien teil!

Ibrahimovic, der sich heute selbst tatsächlich als „Gott“ tituliert hat, hat vor dem Spiel vollmundig gemeint:
„Die WM braucht mich mehr als Ronaldo!“

Heute ist im schwedischen Solna bewiesen worden:
Auch Götter können sich irren!…

Sonntag, 17. November 2013

Alcobaça



Als ich gestern mit meiner lieben Freundin Annette nach Hause fuhr, lief im Auto das Radio.
Wir hatten den Sender „Rádio Amália FM- 92.0 FM Lisboa“ an, und hörten angenehme Fadomusik. Meiner persönlichen Meinung nach, ist dieser Radiosender hierzulande der beste im Äther, der diese Art von Musik spielt.
Eines der Lieder, das während der Fahrt gespielt wurde, und das Annette wegen seines angenehmen Taktes besonders gut gefiel, war der Evergreen „Alcobaça“ aus dem Jahre 1955, der von der populären Fadosängerin Maria de Lourdes Resende gesungen wurde.
Annette wollte nun von mir wissen, von was dieser Fado handelt, bzw. worüber Maria de Lourdes Resende singt.

Ich habe ihr gesagt, dass dieses Lied so eine Art „Liebeserklärung“ an eine sehr schöne mittelportugiesische Kleinstadt ist, die den Namen Alcobaça trägt, und die ca. 100 km nördlich von Lissabon liegt.
Annette, die erst seit kurzem von Mönchengladbach hier nach Portugal gezogen ist, sagte, sie hätte noch nie etwas von Alcobaça gehört, meinte aber, die Stadt müsse wohl etwas besonderes sein, wenn man ihr sogar ein „Liebeslied“ widmet.
Ich versprach ihr, bei Gelegenheit, mit ihr einen Abstecher nach Alcobaça zu machen, damit sie sich dann selber eine Meinung machen könne.

Alcobaça ist wirklich ein sehr schöner Ort.
Mit seinen ca. 57.000 Einwohnern liegt die Stadt in der ehemaligen Provinz Estremadura, in dem heutigen Distrikt Leiria, in Zentralportugal.
Schon die alten Römer lebten hier, und nannten ihre reizvoll zwischen den zwei Flüsschen Alcoa und Baça gelegene Siedlung „Helcobatiae“.
Nach den Römern kamen die Mauren, bauten eine mächtige Burg, von der heute nur noch Trümmern existieren, und nannten den Ort „Al-cobaxa“, was ins deutsche übersetzt soviel wie „Schafbock“ oder „Widder“ heißt.
Man ist sich heute uneins darüber, ob das arabische „Al-cobaxa“ Namensgeber des heutigen Alcobaça ist, oder ob sich der Name der Stadt aus den zwei Flüsschen Alcoa und Baça zusammensetzt, die den Ort durchfliesen.

Die Araber blieben bis 1147, dem Jahr als die Truppen des portugiesischen Königs Afonso Henriques den Ort von den muslimischen Mauren, im Zuge der Befreiung der Stadt Santarém, eroberten.
Im Jahre 1154, sieben Jahre nach der Besitznahme des Ortes, schenkte König Afonso Henriques seinem Freund, Glaubensbruder und Mitstreiter Bernhard von Clairvaux (port.: Bernanrdo de Claraval, fr.: Bernard de Clairvaux), die Stadt Alcobaça und riesige angrenzende Ländereien, zum Zwecke der Gründung eines Klosters.
Bernhard von Clairvaux, ein Zisterziensermönch und späterer Heiliger, hatte seinen Freund Afonso Henriques bei den schwierigen und langwierigen Verhandlungen über die päpstliche Anerkennung des neu geschaffenen Königreiches Portugal treu und tatkräftig zur Seite gestanden, und beim damaligen Papst Eugen III ein gutes Wort für den Portugiesen eingelegt.

Im Jahre 1178 begann der Orden mit dem Bau des Klosters der Heiligen Maria von Alcobaça (port.: Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça), der 1222 mit seinen wesentlichen Teilen fertig gestellt war, aber in den folgenden Jahrhunderten zahlreiche und weitreichende Veränderungen über sich ergehen ließ.
Gemäß der Ordensregeln der Zisterzienser beherbergte das Kloster stets „einen weniger als tausend“, also 999 Ordensbrüder, die in den Flusstälern des Alcoa und Baça Obstgärten und Weinberge anlegten und damit die Grundlage für das noch heute bedeutendste Obstanbaugebiet Portugals schufen. Die Mönche richteten hier in ihrem Kloster bereits im 13. Jahrh. die erste öffentliche Schule des Königreiches ein, von der später wesentliche Impulse zur Gründung der ältesten portugiesischen Universität in Coimbra ausgingen.
Zwischen dem 13. und 18. Jahrh. galt der Zisterzienserorden von Alcobaça (port.: Ordem de Cister de Alcobaça) zweifelsohne als eines der bedeutendsten Geisteszentren im Lande, das sogar den portugiesischen Königen manchmal als Zufluchts- und zur Meditationsort diente.

Der in seinen Grundlagen gotische Bau ist ein genaues Abbild der französischen Abtei von Clairvaux, dem Mutterkloster aller Zisterzienserabteien. Der Bau bedeckt einen annährend quadratischen Grundriss und umschließt neben der mächtigen Kirche und den üblichen Wirtschaftsräumen fünf Kreuzgänge, sieben Dormitorien, ein Hospendarium, eine Bibliothek und eine riesige Küche.
Im Querschiff der eindrucksvollen Klosterkirche, der größten Kirche ganz Portugals, stehen zu beiden Seiten des Hauptschiffes die prunkvollen Grabmäler von König Pedro I und seiner Geliebten Ines de Castro, die einstmals auf Geheiß von Pedros Vater, König Afonso IV, ermordet und von Pedro nach seiner Thronbesteigung exhumiert und post mortem in Coimbra in aller Form zur Königin gekrönt wurde.
Auf Wunsch Pedros wurden die Grabmäler in der Kirche so aufgestellt, dass sich die beiden Liebenden bei der Auferstehung am Jüngsten Tag sogleich erblicken können (die tragische Liebesgeschichte zwischen Pedro und Ines werde ich in einen meiner nächsten Blogeinträge hier in „Planet Portugal“ gerne erzählen).
Leider weisen die Sarkophage von Ines und Pedro, genauso wie andere Kunstschätze in der Kirche, erhebliche Beschädigungen auf. Diese entstanden im Jahre 1811, als die Truppen Napoleon Bonapartes Portugal überfielen, das Land gewaltsam besetzten und damals mutwillig alles zerstörten, was ihnen in die Quere kam.
Die Grabmäler der portugiesischen Könige Afonso II und Afonso III, die auch in der Klosterkirche von Alcobaça beigesetzt sind, weisen leider ebenfalls schwere Schädigungen aus dieser Zeit auf.

Im Jahre 1834 fand in Portugal die Trennung von Kirche und Staat, die so genannte Säkularisierung, statt, was zur Folge hatte, das alle Klöster des Landes aufgelöst wurden und sie fortan zu höchst profanen Zwecken verwendet wurden.
Dieses Schicksal blieb auch dem Kloster von Alcobaça nicht erspart.
Ein Jahr vor der Säkularisierung, 1833, wurde die Abtei geplündert und man brachte in dem Gebäude zuerst eine Kaserne unter, dann ein Altenheim und nach diesem, wurde aus dem Anwesen ein Lagerhaus, das danach zusehends verfiel.
Erst im Jahre 1930, knapp 100 Jahre nach seiner Aufgabe, besann man sich der kunsthistorischen Bedeutung des Klosters, renovierte es und stellte es unter Denkmalschutz.
1989 wurde der Mosteiro de Alcobaça in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen.

Wie früher, so gilt Alcobaça auch heute noch landwirtschaftlich, kulturell und industriell als eine der wichtigsten Regionen Portugals. Vor allem der Obstanbau und die Keramikindustrie sind über die Stadtgrenzen hinaus im ganzen Land berühmt.
Ein anderer bedeutender Industriezweig der Stadt und ihrer Umgebung ist zweifelsohne der Tourismus.
Alcobaça und sein Umland tragen seit der Jahrtausendwende den Beinamen „Terra da Paixão“ (dt.: „Land der Leidenschaft“), in Anlehnung an die Liebesgeschichte von Pedro und Ines.
Hier, im „Land der Leidenschaft“ liegen außer Alcobaça, noch einige andere geschichtsträchtige Orte und Landschaften, wie Leiria, Nazaré, Caldas da Rainha, Batalha, Aljubarrota oder Fatima.

Alcobaça ist eine sehr gastfreundliche Stadt, weitab vom hektischen Großraum Lissabons, die ihre Gäste für gewöhnlich mit offenen Armen empfängt und in der man sich als Besucher immer sehr wohl fühlt.
Ich werde demnächst mit Annette Alcobaça besuchen und ich bin mir sicher, dass wir dann in den Genuss dieser zitierten Gastfreundschaft kommen werden.
Ich werde dann hier im Blog gerne darüber berichten!

Mittwoch, 13. November 2013

Ich bin wieder da!



Nach einer zweimonatigen Blog-Abstinenz melde ich mich heute hier im „Planet Portugal“ zurück.
Wie es einigen von Euch, die diesen Blog verfolgen, bekannt ist, ging es mir in letzter Zeit gesundheitlich überhaupt nicht gut, so dass an eine regelmäßige Präsenz von mir hier bei „Planet Portugal“ überhaupt nicht zu denken war!
Aber das Schlimmste habe ich nun, so meinen meine Ärzte und so hoffe auch ich, hinter mich gebracht, und so kann und will ich mich jetzt endlich mit neuen Ideen und neuem Elan wieder an die Arbeit machen, und diesen Blog, Schritt für Schritt, „wiederbeleben“.

Es ist in den letzten zwei Monaten unheimlich viel passiert hier im äußersten Südwesten Europas.
Es fanden in dieser Zeit viele wirtschaftliche, politische, soziale und kulturelle Ereignisse statt, über die ich hier im Blog, aus Gründen der Aktualität, nicht mehr so ausführlich schreiben werde.
Dennoch gab es das eine oder andere Geschehen, das ich hier gerne erwähnen würde.

So fanden hier in Portugal im September, genauso in Deutschland, wichtige Wahlen statt.
Während in Deutschland Kanzlerin Angela Merkel und ihre CDU/CSU-Union knapp die absolute Mehrheit bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 einholten und die SPD in den Keller rauschte, gewannen hier in Portugal die Sozialisten, am 29. September 2013, die wichtigen landesweiten Kommunalwahlen, und die Mitte-Rechts-Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho ging in den meisten Rathäuser des Landes baden.
Seit dieser Wahl sind nun, unter anderem die vier bevölkerungsreichsten Städte Portugals – Lissabon, Sintra, Vila Nova de Gaia und Porto – fest in sozialistischer Hand.
In einigen Kommunen des Landes, wie in Aveiro, Braga, Barcelos, Faro, Felgueiras, Porto, Ponte de Lima, Santo Tirso, Sintra, Soure, Valongo, Viana do Castelo und Vila do Conde sind jetzt auch Abgeordnete der portugiesischen Monarchischen Volkspartei (port.: Partido Popular Monárquico – PPM), in Koalitionen in den einzelnen Stadtparlamenten vertreten.

Im September, Oktober, und sogar jetzt im November, gab es im ganzen Land verschiedene Streiks. Einmal streikten die öffentlichen Verkehrsmittel, ein anderes Mal die Post und die verschiedensten Behörden, dann die Krankenhäuser und die Lehrer, usw., usw.
Für die kommenden Wochen sind weitere Streiks angekündigt, und somit bleibt das Thema hoch aktuell!

Ein anderes Thema, welches hierzulande in den letzten Wochen stark diskutiert wurde, ist der drastische Sparhaushalt für das kommende Jahr 2014. Von der Regierungskoalition eingebracht und von der Opposition stark kritisiert, wurde er Ende Oktober, unter starkem öffentlichen Protest, im Parlament zum ersten Mal beraten. Er wird wohl Ende November angenommen werden.

Sorgen macht den meisten Portugiesen im Moment auch die „Seleção“ (dt.: portugiesische Fußballnationalmannschaft).
Während Deutschland bereits das WM-Ticket nach Brasilien eingelöst hat, muss Portugal, nachdem es in der Qualifikationsgruppe F hinter Russland, auf den zweiten Platz gekommen ist, nun in den Playoffs noch diesen Monat gegen Schweden antreten.
Wer gewinnen wird – das wissen nur die (Fußball)götter.
Aber man stelle sich eine WM in Brasilien – ausgerechnet im Bruderland Brasilien – ohne Portugal vor!
Selbst ich, der ich kein Fußballfanatiker bin, kann mir solch ein Szenarium nicht vorstellen!

Wie in Deutschland, so hat auch hier letzten Monat die Abhöraffäre der NSA, wenn nicht gerade für Überraschung, doch für ein gewisses Misstrauen gesorgt. Denn urplötzlich wird es nämlich jedem Bürger wirklich bewusst, in wie weit wir alle in unseren fundamentalen Grundrechten heutzutage von einem Verbündeten beschnitten werden und wie massiv unsere Privatsphäre tagtäglich verletzt werden.
Das die Geheimdienste der USA sowohl die Bürger Portugals, Deutschlands, Brasiliens und anderer „befreundeter“ Nationen (wobei ja jeder immer den Wert einer Freundschaft anders interpretiert) abhört war unsereins ja schon lange klar.
Das die Politiker unserer Länder aber solange nicht dagegen protestiert und gehandelt haben und erst dann reagiert haben, als es sie persönlich betraf, das ist der eigentliche Skandal!
Diese Teilnahmslosigkeit so mancher Politiker und Politikerin gegenüber ihren Bürgern finde ich, persönlich, verantwortungslos.
Wobei ich mich allerdings auch manchmal frage, ob sich hinter dieser ganzen politischen Passivität nicht auch ein wenig Eigennutz steckt.
Ich meine, wie wäre z.B. die Bundestagswahl für Kanzlerin Merkel ausgegangen, wenn ihre Handy-Affäre vor dem 22. September öffentlich geworden wäre, und nicht erst zwei Wochen danach?
Wir werden es nie erfahren!

Natürlich ist mir klar, dass der Grat zwischen politischer Verantwortung und Verärgerung zwischen zwei verbündeten Nationen zweifellos manchmal sehr schmal sein kann – vielleicht zwischen den USA und Deutschland noch etwas mehr, als zwischen Portugal und den USA.
Aber kann, oder muss man nicht sogar, „Freunden“ auch mal die Meinung sagen können und sie, gegebenenfalls, zurechtweisen?
Ich denke schon!

Aber lassen wir nun, nachdem wir es ein wenig Revue passieren haben lassen, das Geschehene Vergangenheit sein, und konzentrieren uns fortan hier in „Planet Portugal“ wieder an die Zukunft!
Ich freue mich wieder da zu sein.

Ich bin wieder da!

Dienstag, 29. Oktober 2013

Em causa própria (dt.: in eigener Sache)



Es ist schon knapp acht Wochen her, das ich mich das letzte Mal hier in meinem Blog „Planet Portugal“ gemeldet habe.
Manchen ist vielleicht meine lange Abwesenheit gar nicht aufgefallen, aber viele haben sich doch in letzter Zeit schriftlich oder telefonisch bei mir gemeldet, und sich erkundigt was es denn mit meiner, doch zugegebenermaßen außergewöhnlichen, langen „Funkstille“ auf sich hat und warum ich mich in den letzten Wochen hier im Netz so rar gemacht habe.

Nun, der Grund meines langen Fernbleibens, hier im Blog, hat damit zu tun, das ich leider Anfang September schwer erkrankt bin, und ich deshalb seitdem gesundheitlich leider so ziemlich angeschlagen war, so das meine Aktivitäten hier im „Planet Portugal“ leider zurückstecken mussten.
In der Zwischenzeit geht es mir aber schon etwas besser und so bin ich guter Dinge, dass ich demnächst bald wieder hier im Blog mehr präsent sein werde.
Ich hoffe, meine Leserschaft gibt mir noch etwas Zeit, so das ich wieder im Alltag „Fuß zu fassen“ kann, und ich alles das, was ich in den letzten Wochen krankheitsbedingt nicht erledigen konnte und vernachlässigen musste, wieder „auf Vordermann bringen kann“.

Ich würde jetzt noch gerne in diesem Eintrag die Gelegenheit wahrnehmen, und all denen, die mich in letzter Zeit kontaktiert haben, und die sich nach meinem Befinden sorgevoll erkundigt haben, für die vielen aufmunternden, wohl tuenden und aufbauenden Worte und die lieben Genesungswünsche ganz herzlich bedanken!

Ich verspreche mich bald wieder fleißig und eifrig in „Planet Portugal“ bemerkbar zu machen.
An Themen und Ideen für neue Einträge und Veröffentlichungen mangelt es mir weiß Gott nicht!
Ich brauch nur noch etwas Zeit.
DANKE für Euer Verständnis, Euere Unterstützung und Eure Treue!

Ich komme bald wieder – versprochen!

Ângelo Paul:o)

Donnerstag, 5. September 2013

Rosh haShanah 5774


Ich wünsche all meinen jüdischen Freunden ein glückliches, friedvolles, erfolgreiches und von Gott gesegnetes neues Jahr 5774

Schönen Rosh haShanah!


Desejo a todos os meus amigos judeus um abençoado Ano Novo de 5774, cheio de felicidades, paz e sucessos

Feliz Rosh haShanah!


Wish all my Jewish friends a happy, peaceful, successful and God blessing New Year 5774

Happy Rosh haShanah!

Sonntag, 1. September 2013

Ein Wiedersehen


Es ist im Leben gar zu schön,
wenn sich alte Kollegen und Freunde wieder sehen.
Und schön ist es auch, wenn sie beisammen bleiben,
gemütlich sich die Zeit mit gutem Speis, Trank und Gespräch vertreiben.
Doch wenn sie schließlich wieder auseinander gehen,
dann ist das auch recht schön!
Ein Wiedersehen wird es sicherlich wieder geben,
man muss nur seine Kollegen und Freundschaften pflegen!

(Reim in Anlehnung an ein Gedicht von Wilhelm Busch)

Ângelo Paulo, Miguel, Conxi, Sandra, David, Nadja, Christina, Fitzer (und Malene, die später zu uns gestoßen ist) im Restaurant „Sabores do Tejo“, in Cacilhas.

Sonntag, 11. August 2013

Die Legende vom Hahn von Barcelos



Vor kurzem traf ich mich mit meinen Arbeitskollegen zu einem Abendessen.
Mit anwesend an diesem Abend war auch Heike, eine Freundin meines Arbeitskollegen Miguel, aus Deutschland.
Heike fragte mich, welche Geschichte sich hinter dem „schwarz-bunten Hahn“ aus Ton verbergen würde, der ihr ständig hier in Portugal auf Schritt und Tritt begegnen würde.

Nun bei diesem „schwar-bunten Hahn“ handelt es sich um den Hahn von Barcelos (port.: galo de Barcelos), der im laufe der Jahrhunderte zu einer Ikone Portugals geworden ist und dessen Existenz einer alten und kuriosen Legende zugrunde liegt.  

Dieser Legende nach, fand vor langer, langer Zeit in der nordportugiesischen Kleinstadt Barcelos, in dem Haus eines wohlhabenden Bürgers der Stadt, ein großes, prächtiges Fest statt.
Aus allen Teilen des Königreiches reisten damals Freunde und Bekannte des Gastgebers an, unter ihnen reiche Edelleute, bedeutende Gelehrte und wohlhabende Bürger, um an diesem Fest teilzunehmen. Sogar aus dem nahen Galicien in Spanien fanden sich Gäste ein.
An diesem Abend tischte der Hausherr, der für seine großzügigen Bankette berühmt war, die edelsten Gaumenfreuden und die besten Weine auf, die man sich nur vorstellen kann.
Nach dem reichhaltigen Tafelgang gingen Hausherr und Gäste in einen anderen Saal, um den Abend ausgelassen mit viel Tanz und Musik fortzuführen.  

Doch der Tanz wurde abrupt beendet, als nämlich dem Hausherrn durch die Dienerschaft mitgeteilt wurde, dass das ganze Tafelsilber verschwunden war.
Wer hatte sich an dem wertvollen Tafelsilber vergriffen?
Wer war verantwortlich für solch einen dreisten Raub?
Der Hausherr hielt sich mit Anschuldigungen zurück, zumal ja der größte Teil seiner Gäste befreundete Edelleute, Gelehrte und Bürger der Stadt waren.
Dennoch musste noch in dieser Nacht ein Schuldiger gefunden werden.
Und er wurde gefunden!

Einer der Diener, der aus Galicien (span.: Galicia / port.: Galiza) stammte, wurde des Diebstahls bezichtigt und, obwohl dieser seine Unschuld beteuerte, sofort festgenommen. 
Am nächsten Tag wurde der Galicier vor einem Richter gebracht.
Der Richter wollte gerade speisen, und wollte sich durch ein langes und lästiges Gerichtsverfahren bei seinem Mittagessen nicht stören lassen.
Da der gebratene Hahn, der sein Mittagsmahl werden sollte, drohte kalt zu werden, verurteilte er den Galicier gnadenlos und ohne viel Federlesen zum Tode durch den Strang.
Als der Richter, quasi als letzte Amtshandlung, den Gefangenen fragte ob er vor seiner Hinrichtung noch ein paar letzte Worte zu sagen hätte, da antwortete ihm der Galicier:

„Euer Ehren ist bin des Raubes nicht schuldig!
Es ist so wahr, das ich unschuldig bin, wie dieser gebratene Hahn vor Euch gleich krähen wird, wenn ihr mich hängt!“
(port.: "Meritíssimo, eu não cometi o roubo. É tão certo eu estar inocente, como certo é esse galo cantar quando me enforcarem.")

Kaum hatte er diese paar Worte gesagt, da erhob sich auf wundersamer Weise der gebratene Hahn von seinem Teller und fing an zu krähen!
Der Galicier wurde sofort freigelassen und durfte die Stadt lebend verlassen!

Wie jede Legende, so ist auch die Legende vom Hahn von Barcelos nichts weiter als eine Geschichte mit vielen nicht nachweisbaren Tatsachenbehauptungen.
Aber aufgrund der vielen moralischen Werte der portugiesischen Kultur die diese Legende beinhaltet und erzählt, wie z.B. den Wert des Stolzes, der Gerechtigkeit, des Wunderglaubens und des Schicksals an sich, ist sie zweifellos eines der wichtigsten Legenden der portugiesischen Nationalität!


Donnerstag, 25. Juli 2013

Die neue portugiesische Koalitionsregierung



Nach einer dreiwöchigen Regierungskrise, die durch den Rücktritt des ehemaligen Finanzministers Vitor Gaspar (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Ein längst fälliger Rücktritt“, vom 01. Juli 2013) und dann 24 Stunden später, durch den Rücktritt des Außenministers Paulo Portas (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Wenn einem Premierminister die Kabinettsmitglieder davonlaufen“, vom 01. Juli 2013) entstanden ist, wurde am gestrigen Mittwoch die neue Regierung vereidigt.

Nachdem Staatspräsident Anibal Cavaco Silva noch versucht hat die regierenden Koalitionsparteien PSD und CDS-PP und die oppositionellen Sozialisten durch einen „Kompromiss zur nationalen Rettung“ zu einer Regierungsallianz zu bewegen, und dieser Versuch am letzten Wochenende kläglich gescheitert ist, hat Cavaco Silva, der sich kategorisch gegen Neuwahlen ausgesprochen hat, nun entschieden, die Regierungskoalition von Premierminister Pedro Passos Coelho im Amt zu belassen.

Der Staatspräsident, der nach der portugiesischen Verfassung sehr wohl das Recht hätte das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen, so wie es die Opposition verlangt, hat diese Woche bekannt gegeben das er in dem fortbestehen der bisherigen Koalition die einzige Möglichkeit sieht, die Regierungskrise erst einmal zu beenden.

Damit diese Koalition aber auf Dauer besteht, musste Premierminister Pedro Passos Coelho eine Regierungsumbildung vornehmen.
Diese neue Regierung wurde gestern vereidigt und setzt sich wie folgt zusammen:

- Pedro Passos Coelho (Premierminister)
- Paulo Portas (Vize-Premierminister)
- Rui Machete (Außenminister)
- Maria Luis Albuquerque (Finanzministerin)
- José Pedro Aguiar-Branco (Verteidigungsminister)
- Paula Teixeira da Cruz (Justizministerin)
- Assunção Cristas (Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt)
- Paulo Macedo (Gesundheitsminister)
- Miguel Macedo (Innenminister)
- António Pires de Lima (Wirtschafts- und Arbeitsminister)
- Nuno Crato (Minister für Bildung)
- Pedro Mota Soares (Minister für Soziales)
- Jorge M. da Silva (Minister für Umwelt, Raumordnung und Energie)
- Miguel Poaires Maduro (Minister für regionale Entwicklung und Assistent des Premierministers
- Luis Marques Guedes (Minister für Präsidentschafts- und Parlamentsangelegenheiten

Ob die neue Regierung über die Stabilität und den Zusammenhalt verfügt, die von Nöten sein werden, um die Regierungsgeschäfte bis zur nächsten vorgesehenen regulären Parlamentswahl zu ermöglichen, wird sich zeigen…

…aber an Krisen sind wir hier in Portugal ja langsam gewöhnt!

Dienstag, 23. Juli 2013

Sintra




Das 25 km von Lissabon entfernte romantische Städtchen Sintra liegt etwa 200 m über dem Meer, in den waldreichen Granitbergen der Serra de Sintra, auf einem von zwei Schluchten begrenzten Bergvorsprung.
Die heutige Kleinstadt wurde im November 1147 von König Afonso Henriques den Arabern abgerungen und diente seit dem 14. Jahrhundert, nicht zuletzt wegen seines angenehm ausgeglichenen Klimas, den portugiesischen Königen aus dem Hause Avis als Sommerresidenz.
Erst im 18. Jahrhundert wurde das Schloss von der nachfolgenden Bragança-Dynastie zugunsten von Mafra und Queluz vernachlässigt.

Wiederentdeckt wurde die Serra de Sintra und der abgeschiedene Ort in der Romantik, besonders von englischen Reisenden, die es auch zu schätzen wussten, wenn sich die „Gipfel“ der Umgebung in 500 m Höhe dramatisch in Wolken hüllten, so wie der englische Schriftsteller William Thomas Beckford, der 1787 die Serra de Sintra in den höchsten Tönen in seinen Tagebüchern pries.

Der britische Adlige George Gordon Noel Byron, der unter dem Namen Lord Byron weltberühmt wurde, sprach 1809 bewundernd von Sintra als einen „glorious Eden“ (dt.: glorreiches Eden), und in einem Brief an einen Freund schrieb er einmal über Sintra:

„…unter jedem Aspekt der entzückendste Ort Europas, mit Schönheiten jeder Art gesegnet, natürlicher wie künstlerischer. Paläste und Gärten breiten sich inmitten Felsen, Katarakten und Abgründen aus. Klöster stehen auf erstaunlichen Höhen, diese mit Aussicht auf den Atlantik und den Tejo. Es vereint sich hier die Wildheit der schottischen Westen Highlands mit dem grün des Südens Frankreichs…“

Und auch der Dichter Robert Southey, ebenfalls ein Brite, beschreibt Sintra, in einem Schreiben aus dem Jahre 1800, als ein „Paradies auf Erden, dem es nur an frischer Butter und guter Gesellschaft fehle“.
Also Butter, so kann ich aus eigener Erfahrung sagen, bekommt man heutzutage in Sintra problemlos!

In Wahrheit wird die Schönheit der Landschaft, in Verbindung mit dem prächtigen subtropischen Pflanzenwuchs und der Nähe zum Meer, wirklich nicht leicht übertroffen, so dass Sintra mit Recht als einer der schönsten und charmantesten Orte Portugals, ja der ganzen Iberischen Halbinsel, gilt.

Mittelpunkt von Sintra ist der Largo Rainha Dona Amélia, ein großer, zentraler Platz, an deren Nordseite sich der stattliche Palácio Nacional de Sintra (dt.: Nationalpalast von Sintra) erhebt.
Der geschichtsträchtige königliche Palast ist ein verwirrendes Konglomerat der Stile und Jahrhunderte. Seine zwei unverwechselbaren kegelförmigen Küchenschornsteine sind heute das Wahrzeichen Sintras.
König João I baute im frühen 15. Jahrhundert den alten gotischen Palast von König Dinis aus. Seine Nachfolger nahmen dann noch zahlreiche Erweiterungen und Änderungen vor. König Manuel I fügte um 1510 den Ostflügel mit den charakteristischen Doppelfenstern hinzu.
Weitere Umbauten folgten dann im 17. und 18. Jahrhundert.
Das Innere des Nationalpalastes ist reich an seltenen alten Azulejos, wie man sie im Arabischen Saal (port.: sala árabe), im Elsternsaal (port.: sala das pegas) oder im Meerjungfrauensaal (port.: sala das sereias) bewundern kann, reich an wunderbaren Kassettendecken, wie die in der Schlosskapelle (port.: capela do palácio), die im Wappensaal (port.: sala dos brasões) und die im Schwanensaal (port.: sala dos cisnes) bestaunt werden können und überraschenden, maurisch-inspirierten Innenhöfen.

Das Schloss von Sintra, mit all seiner Pracht und seinem Glanz – für einen König aus dem Hause Bragança wurde es zum Gefängnis; der seit Kindestagen gelähmte und geistesschwache Afonso VI, der von 1656 bis 1662 unter der Vormundschaft seiner Mutter, Königin Luisa de Gusmão, stand, wurde hier zum Spielball der Hofintrigen, in denen auch seine junge Frau, Königin Maria Francisca Isabela von Savoyen – die ihren Schwager Pedro, den nachfolgenden König Pedro II, viel interessanter fand als ihren Ehemann – eifrig mitmischte.
Afonso VI, so wurde damals von seinem Bruder Pedro in die Welt gesetzt, sei nicht im Stande die Ehe mit seiner Frau zu vollziehen.
Dies war dann schließlich der Grund weshalb die Ehe zwischen Afonso VI und Maria Francisca Isabella von Savoyen annulliert wurde und Afonso zum Thronverzicht 1668 gezwungen wurde.
Die letzten Jahre seines Lebens, bis zu seinem Tod am 12. September 1863, verbrachte Afonso VI als Verbannter und Gefangener im Schloss von Sintra.

Vor dem Nationalpalast steht ein zu einem Brunnen umgestalteter spätgotischer Pelourinho (port.: Pranger).
Südwestlich schließt sich an den Largo Rainha Dona Amélia die Praça da República an.
Dieser Platz wird von der ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammenden, später jedoch mehrfach umgebauten Igreja de São Martinho und dem Stadtmuseum (port.: Museu Municipal) begrenzt.
Einige hundert Meter weiter westlich ist das unvergleichliche Spielzeugmuseum (port.: Museu do Brinquedo), in einem ehemaligem Feuerwehrhauptquartier, untergebracht.

Außer diesen zentralen Highlights hat Sintra noch viele andere bedeutende und schöne Sehenswürdigkeiten die entdeckt werden wollen.
Die für mich wichtigsten Attraktionen in Sintra sind:

- Palácio de Monserrate (dt.: Palast von Monserrate) – dieser exotische Mogulschloss liegt in dem prächtigen Parque de Monserrate, die Beide alleine Dank der Phantasie des Engländers Sir Francis Cook, einem bedeutenden Kunstsammler seiner Zeit, entstanden sind

- Palácio de Seteais (dt.: Palast von Seteais) – dieser klassizistische Riesenpalast, dessen Name ins deutsche übersetzt so viel wie „Sieben Seufzer“ bedeutet, ließ sich der niederländische Konsul und Diamantenhändler Daniel Guildemeester im Jahre 1787 bauen. Heute ist in dem Palast ein Luxushotel untergebracht

- Palácio Nacional da Pena (dt.: Nationalpalast von Pena) – Dieser Palast erinnert an ein maurisch-manuelistischen Schloss Neuschwanstein. 1511 ließ König Manuel I, an der Stelle an der heute der Palast steht, ein Kloster errichten, das 1755 schwer unter dem Erdbeben litt und daraufhin verlassen wurde. Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzgemahl der portugiesischen Königin Maria II, kaufte 1838 die romantisch überwucherten Ruinen, und machte aus ihnen seine Sommerresidenz. In seinem Auftrag schuf der weit gereiste Ingenieur und Geologe Wilhelm Ludwig von Eschwege in zehn Jahren Bauzeit eine Phantasieburg, in der sich zahllose Details berühmter portugiesischer Gebäude wieder finden. Die alte maurische Klosterkirche mit Azulejos aus dem Jahre 1619 und einem Renaissance-Altar aus Alabaster und Marmor wurde dabei in den Neubau mit einbezogen. Der Park um den Palast sollte ursprünglich im englischen Stil angelegt werden, ist dann aber letztendlich so phantasievoll geraten wie der Palast

- Castelo dos Mouros (dt.: Maurenburg) – Im 8. Jahrhundert errichteten die arabischen Mauren hier eine Burg, die sie auch bis zu ihrer Eroberung durch König Afonso Henriques im November 1147, bewohnten. Nach ihrer Eroberung nutzten die portugiesischen Könige die Anlage kaum, obwohl sie nachweislich noch bis zum 14. Jahrhundert bewohnbar war. Von der ursprünglichen Burganlage ist heute leider nicht mehr viel erhalten, und das wenige was man heute noch bewundern kann, haben wir dem Ruinenverliebten Prinzgemahl Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha zu verdanken, der die Ringmauern einstmals, entsprechend dem Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts, restaurieren ließ

- Quinta da Regaleira (dt.: Landgut Regaleira) – Die Quinta da Regaleira ist ein etwa 4 ha großes Landgut, indem ein riesiges, luxuriöses Herrschaftshaus steht, das einstmals von dem visionären italienischen Architekten Luigi Manini für den Kaffeeplantagenbesitzer und Millionär António Augusto Carvalho Monteiro entworfen und gebaut wurde. Sowohl das Herrschaftshaus als auch der exotische Park, mit seinen vielen tropischen Pflanzen, den blauen Seen und den dunklen Grotten, sind wunderschön anzusehen

- Convento dos Capuchos (dt.: Kapuzinerkloster) – Bei dieser tief im Wald gelegenen Klosterruine handelt es sich um ein ehemaliges Kloster der Franziskaner aus dem Jahre 1560

- Museu do Ár (dt.: Luftfahrtmuseum) – Das interessante und sehenswerte Luftfahrtmuseum liegt im Ort Pêro Pinheiro, einer Gemeinde von Sintra, auf dem Gelände der Luftbasis Nr.1 (port.: Base Aérea n°1). Hier kann man zahlreiche historische Flugzeuge, Hubschrauber und viele andere aeronautische Objekte besichtigen (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Das Luftfahrtmuseum von Sintra“, vom 13.07.2013)

Zu Sintra gehören – last but not least – die Queijadas, kleine, süße Törtchen mit einer Frischkäsefüllung, deren Geschmack trotz des Namens, mit dem deutschen Käsekuchen nichts zu tun hat, auch wenn viele ausländische Reiseführer das Gegenteil behaupten. Die Queijadas de Sintra sind zweifelsohne der kulinarische Höhepunkt der Stadt Sintra.

Die ganze Serra de Sintra wurde im Jahre 1995 auf die Weltkulturlandschaftsliste der UNESCO aufgenommen, und deshalb empfehle ich jedem, der mit dem Auto und einer guten Straßenkarte oder einem brauchbaren Navigationssystem unterwegs ist, die Serra auf jeden Fall selber auf eigene Faust zu erforschen.
Er wird es auf keinen Fall bereuen!

Sonntag, 14. Juli 2013

João de Almeida Torto – Verrückt oder einfach nur ein Träumer?


Wenn man das Luftfahrtmuseum (port.: Museu do Ár) in Sintra besucht (lesen sie bitte hierzu auch meinen vorhergehenden Blogeintrag „Das Luftfahrtmuseum in Sintra“, vom 13.07.2013), kann man die verschiedensten aeronautischen und militärhistorischen Objekte bewundern.
Wenn man das Museum betritt, sieht man gleich, von der Eingangstür aus, die vielen verschiedenen Flugzeuge und Hubschrauber in der Ausstellungshalle stehen, so das man vom imposanten Gesamtbild der vielen Flugexponate erst einmal „erschlagen“ wird.
Erst mit der Zeit, bekommt man dann ein Gefühl für die vielen Details und Besonderheiten der einzelnen Stücke des Museums.

Und so fällt einem erst beim verlassen des Museums ein ganz besonderes Ausstellungsstück auf, das genau auf der rechten Seite des Eingangs/Ausgangs von der Hallendecke herunterhängt.
Es handelt sich bei diesem Exponat um die Attrappe eines Menschen mit Flügeln und einem Kopfhelm, der einem Vogelkopf nachempfunden ist.

Was hat es mit dieser merkwürdigen Flugattrappe, die einen sofort an Ikarus erinnert, auf sich?
Nun, das Exponat stellt João de Almeida dar, den die Geschichte später den Beinamen „o torto“ (dt.: „der Verrückte“) gab und der als der erste Flugpionier Portugals gilt.

João de Almeida Torto hat Anfang des 16. Jahrhunderts in der nordportugiesischen Stadt Viseu gelebt.
Ob er in dieser Stadt auch geboren wurde lässt sich heute nicht mehr sagen, aber sicher ist, dass er in Viseu gelebt und gewirkt hat.
João de Almeida war am dortigen Krankenhaus, dem Hospital de Santo António, Krankenpfleger und er hatte zwar nicht die Lizenz zum töten, aber sehr wohl eine Lizenz zum Aderlass, eine in der damaligen Zeit sehr verbreitete und anerkannte Art des Heilverfahrens.
Außerdem übte er den Beruf des örtlichen Barbiers aus.
Da er auch des Schreibens und Lesens mächtig war, verdiente er sich nebenbei auch ein bisschen Geld als Schreiber und verfasste hauptsächlich persönliche, nicht amtliche, Briefe und auch Liebesbriefe, für die er das doppelte Geld verlangte.
All diese vielseitigen Tätigkeiten zeugen davon, dass João de Almeida eher ein kluger und einfallsreicher Mensch war, aber keinesfalls ein „verrückter“, wie er später genannt wurde.

Aber wie kam João de Almeida zu seinem Spitznamen „o torto“, der Verrückte?
Nun, heute würde man sagen João de Almeida war ein Abenteurer, zwar einer der durchgeknallten Sorte, aber er war durch und durch ein Abenteurer.

Anfang Juni 1540 bringt João de Almeida ein selbst geschriebenes Schreiben in Umlauf, auf dem er den Bürgern der Stadt Viseu folgendes mitteilt:

„Ich tue den Einwohnern dieser Stadt kund, das noch bevor dieser Monat sich dem Ende neigt sie ein großes Wunder sehen werden, dann nämlich wenn ein Bürger dieser Stadt mit künstlichen Flügeln von der Spitze der Kathedrale bis zum Sankt Mathäusfeld fliegen wird, dies verspreche ich Euch mit meinem Wort – João de Almeida“)

(port.: „Saibam todos os senhores habitantes desta cidade, que não terminará este mês sem se ver a maior das maravilhas, a qual vem a ser um homem desta cidade voar, com asas feitiças, da torre da Sé ao Campo de São Mateus, pelo que responde por sua pessoa e bens – João de Almeida“)

Da er von der Kathedrale springen wollte, war sein Flugversuch von der Kirche genehmigt und sogar gefördert worden.
Dies war nur möglich, weil João de Almeida Torto mit der vollen Unterstützung des damaligen Bischofs von Viseu, dem Kardinal Miguel da Silva, rechnen konnte.
Kardinal Miguel da Silva war, bevor er zum Bischof von Viseu ernannt worden war, Jahre lang Botschafter Portugals beim Papst in Rom gewesen.
In Rom lernte Kardinal da Silva auch einen gewissen Leonardo da Vinci kennen und ließ sich von diesem mit Interesse dessen Ideen und Erklärungen für geplante und entworfene Flugapparate erklären.
Als der Kardinal nun in Portugal, in seiner Stadt Viseu, von einem Abenteurer hörte, der vorhatte, mit selbst gebastelten Flügeln zu fliegen, sicherte er diesem seine Unterstützung zu.
João de Almeida Torto bat also den Kardinal vom höchsten Punkt der Stadt, der Kathedrale, springen zu dürfen, und diesem, seinem Wunsch, kam der Kardinal ohne wenn und aber nach!

Und so kam es, das in den ersten Morgenstunden des 20. Juni 1540 sich eine riesige Menschenmenge vor der Kathedrale von Viseu versammelte, um dem Schauspiel, das ihnen João de Almeida Torto versprochen hatte, beizuwohnen.

Eigenhändig zog João de Almeida Torto an diesem Morgen, noch vor dem Sonnenaufgang, mit einem Seil seine selbstgebauten Flügel auf den Turm der Kathedrale hoch, auf den er alleine hochgestiegen war.
Die Flügel bestanden aus doppellagigem weißen Leinenstoff, die er mit jeweils drei Metallringen an jedem Flügel an seine Arme befestigte. Hinzu wurden die Flügel mit einem Riemen aus Rinderleder an seinem Rücken und seiner Brust angebunden. Sein Schuhwerk bestand aus dicksohligen Schuhen, die ebenfalls aus Rinderleder gefertigt waren.
Er trug zusätzlich noch einen Helm in Form eines riesigen Vogelkopfes, durch dessen geöffneten Schnabel er sehen konnte.

Er muss ziemlich exotisch und für viele damals auch angsteinflössend ausgesehen haben.
So etwas hatten die Bürger von Viseu noch nie gesehen!

Als die Uhr der Kathedrale die fünfte Stunde schlug, machte João de Almeida Torto einen Satz und sprang wie vorgehabt in Richtung des Feldes Campo de São Mateus.
Augenzeugen berichten, João de Almeida Torto wäre tatsächlich einige Meter geflogen, wäre dann aber ins trudeln geraten, da ihm der Vogelkopfhelm wohl verrutscht war, und er nichts mehr sehen konnte.
Es gelang ihm auf dem Dach der an der Kathedrale angrenzenden Kapelle São Luis unversehrt zu landen und er hätte hier seinen Flug ruhig beenden sollen.
Doch João de Almeida Torto war, wie schon erwähnt, ein Abenteurer und zwar einer der risikofreudigen.
Also beschloss er, aufgestachelt von einer grölenden Menge, seinen Flug in Richtung des nahen Campo de São Mateus fortzusetzen.

Als er vom Dach der Kapelle São Luis sprang fiel er auf die Erde wie ein Stein.
Schwer verletzt und bewusstlos wurde er in das nahe Krankenhaus Hospital de Santo António, wo er selbst als Krankenpfleger gearbeitet hatte, gebracht.
Zwei Stunden nach dem fatalen Sprung erlangte er noch einmal für kurze Zeit das Bewusstsein, fiel aber dann in ein Koma, aus dem er nie wieder erwachte.
Drei Tage nach seinem spektakulären Flugversuch, dem ersten von dem hier in Portugal berichtet wird, verstarb João de Almeida Torto in den Armen seiner Frau.

Am Tag vor seinem Sprung hatte João de Almeida Torto noch, auf Wunsch seiner Gattin, sein Testament vor einem Richter gemacht.
Da das Ehepaar keine eigenen Kinder hatte, und die wenigen Besitztümer im Todesfall von João de Almeida Torto dann automatisch an seine Brüder übergegangen wären und nicht etwa an seine Ehefrau, wollte sich diese, die einen möglichen unglücklichen Verlauf schon vorhergesehen hatte, auf alle Fälle finanziell absichern.

Vielleicht war João de Almeida Torto wirklich „verrückt“ wie ihn später alle nannten.
Aber vielleicht war er nur ein Mann, der den Menschheitstraum des Fliegens gelebt hat und für diesen Traum letztendlich mit seinem Leben bezahlen musste, getreu dem alten Sprichwort:


„Du bist nicht arm weil Du träumst, viel ärmer sind die, die noch nie geträumt haben!“ 

Samstag, 13. Juli 2013

Das Luftfahrtmuseum in Sintra








Am gestrigen Freitag war ich mit meinem Neffen und meiner Nichte in Sintra, im dortigen Luftfahrtmuseum (port.: Museu do Ár).
Wir hatten schon vorgestern versucht das Museum zu besuchen, aber Dank des Navi´s, das wir benutzt haben um dort anzukommen, sind wir in der Gegend herumgefahren und haben besagtes Museum nicht gefunden.
Gestern aber, nach einer intensiven Suche in Google-Maps, haben wir dann doch den Weg zum Museu do Ár entdeckt!

Das Luftfahrtmuseum liegt auf dem Gelände der Flugbasis Nr. 1 (port.: Base Aérea n°1), in dem kleinen Ort Pêro Pinheiro, einer Gemeinde der Stadt Sintra.
In ihm sind viele historische Flugzeuge, Hubschrauber, Flugzeugmotoren, Turbinen und zahlreiche Flugzeugmodelle ausgestellt.
Das Museum hat im Laufe der Zeit zahlreiche wertvolle militärhistorische Objekte gesammelt, diese liebevoll restauriert und sie dann hier ausgestellt.
Über insgesamt 10.000 einzelne Ausstellungsstücke bildet die wertvolle Sammlung des Museums.
Flugzeugliebhaber und Kenner der internationalen Luftfahrt bezeichnen das Museu do Ár, aufgrund seiner sehr gut erhaltenen historischen Flugapparate, als eines der besten Museen der Luftfahrt weltweit.

Die Anfänge des Museums gehen auf das Jahr 1968 zurück.
Am 21. Februar 1968 wurde es gegründet und dann, knapp 4 Monate später, am 01. Juli 1968, dem Tag der Portugiesischen Luftwaffe (port.: Força Aérea Portuguesa), offiziell eingeweiht.
In vier Hallen, ehemalige Flughangar, sowie auf einem Hallenvorfeld können Besucher über 100 Jahre portugiesischer Fluggeschichte bestaunen und erleben.

In der ersten Halle, der größten des Museums, sind verschiedene aeronautische Geräte sowie mehrere historische Flugzeuge, Hubschrauber und Doppeldecker ausgestellt.
So kann man hier z.B. eine alte Junkers JU52 aus dem Jahre 1930, einen Doppeldecker Avro Cadet aus dem Jahre 1931 und eine De Havilland DH-89 Dragon Rapide aus dem Jahre 1934 bewundern.
Eine De Havilland DH-87 Hornet, ebenfalls Baujahr 1934, und eine nordamerikanische F-86 Sabre, aus dem Jahre 1947, sind hier ebenso ausgestellt.

Die zweite Halle ist der portugiesischen Fluggesellschaft TAP (port.: Transportes Aéreos Portugueses) gewidmet.
Hier werden, unter anderem, verschiedene Flugkapitän- und Stewardessenuniformen, Geschirr, Flugzeugsitze und auch der erste Flugsimulator der Fluggesellschaft gezeigt.

In der dritten Halle, die das Historische Hangar (port.: Hangar histórico) genannt wird, befinden sich fast ausnahmslos Flugzeuge der Luftwaffe, die in den ehemaligen portugiesischen Überseegebieten in Afrika, wie Angola, Moçambique und Guiné-Bissau, unterwegs waren.
So sind hier z.B. eine Dassault Falcon, eine einstrahlige Lockheed T-33 sowie ein Northrop T-38 Talon Überschalljet ausgestellt.

In der vierten und letzten Halle, dem Saal der Pioniere (port.: Sala dos Pioneiros) wird den Männern gedacht (Frauen sind leider keine dabei!), die für die portugiesische Luftfahrt unglaubliches geleistet haben und als Flughelden in die Geschichte eingegangen sind.
So werden hier persönliche Gegenstände, Flugkarten und historische Bilder, von António Jacinto da Silva Brito Paes, dem ersten Menschen der im Jahre 1924 den ersten Flug von Portugal nach Macau vollzog und von José Manuel Sarmento de Beires, dem ersten, der 1927 den Südatlantik nachts überflog, gezeigt.
Ebenso zu sehen sind hier einige persönliche Exponate der Piloten Carlos Eduardo Bleck und Humberto da Cruz, die 1930 die Flugverbindung Lissabon – Angola, gründeten.
Auch den zwei größten Flugpionieren Portugals, Carlos Viegas Gago Coutinho und Artur de Sacadura Freire Cabral, den beiden Ersten Menschen, die 1922 den Atlantik von Osten nach Westen, von Lissabon nach Rio de Janeiro, erfolgreich überflogen, ist in dieser Halle ein Platz gewidmet.

Die Flugbasis von Sintra, auf der das heutige Museum steht und die auch eine Flugakademie (port.: Academia da Força Aérea) beherbergt, war die erste Militärflugbasis Portugals.
Das Museum kann, sofern sie den Weg dorthin finden, an jedem Wochentag, außer Montags, von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr besichtigt werden.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Kompromiss der nationalen Rettung


Was sich hier in Portugal in den letzten zehn Tagen innenpolitisch abgespielt hat, wird einer Tragikomödie von Carl Zuckmayer oder Friedrich Dürrenmatt mehr als gerecht.

Da tritt am 01. Juli, zwar nicht ganz unerwartet aber für jedermann doch überraschend, Vitor Gaspar, der „Architekt der portugiesischen Sparpolitik“, von seinem Amt als Finanzminister zurück (bitte lesen sie hierzu meinen Blogeintrag „Ein längst fälliger Rücktritt“, vom 01.07.2013).
Noch nicht einmal 24 Stunden später, am 02. Juli, nimmt Außenminister Paulo Portas, weil er mit der Wahl der neuen Finanzministerin Maria Luis Albuquerque nicht einverstanden ist, seinen Hut (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Wenn einem Premierminister die Kabinettsmitglieder davonlaufen“, vom 02.07.2013).

Der Rücktritt von Paulo Portas, dem Vorsitzenden der konservativen Partei CDS-PP, die mit der PDS, der Sozialdemokratischen Partei von Premierminister Pedro Passos Coelho, eine Koalitionsregierung führt, hat zur Folge das Portugal, zu den gravierenden wirtschaftlichen Problemen die es schon hat, nun auch eine sehr ernste Regierungskrise bekommt.

Während Premierminister Pedro Passos Coelho nun in den folgenden Tagen versucht, mit deutlichen Zugeständnissen an den kleineren Koalitionspartner CDS-PP, seine Koalitionsregierung noch zu retten, fordern die linken Oppositionsparteien und die größten Gewerkschaften vehement sofortige Neuwahlen!

Da kommt nun Staatspräsident Anibal Cavaco Silva ins Spiel:
Laut der Portugiesischen Verfassung ist der Staatspräsident zwar befugt das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen, aber er hat auch die Pflicht den politischen Konsens zwischen den Parteien zu suchen und zu fördern.
Er muss nun entscheiden wie es politisch in Portugal weitergeht.

In einer mit Spannung erwarteten Fernsehansprache hat nun Staatspräsident Cavaco Silva gestern, seinem Volk mitgeteilt, zu welchem Ergebnis er nun, nach mehrtägigen Gesprächen mit allen im Parlament anwesenden Parteien, gekommen ist:

Staatspräsident Cavaco Silva schließt sofortige Neuwahlen – so wie sie von den Oppositionsparteien verlangt werden – kategorisch ab.
Er meint, und da muss ihm wohl jeder rational denkender Mensch Recht geben, das sofortige Neuwahlen die bisherigen mühevollen Fortschritte Portugals im Euro-Rettungsprogramm zu Nichte machen würden und das das Vertrauen der Geldgeber-Troika, bestehend aus der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfond, fortan stark gefährdet sein würde.
An Neuwahlen, so Cavaco Silva, wird wohl erst ab Juni 2014 zu denken sein, dann nämlich wenn Portugal den Euro-Rettungsschirm verlassen hat und sich dann hoffentlich selbständig an den internationalen Finanzmärkten behaupten wird können.

Er mahnte die Regierungsparteien und ausdrücklich auch die oppositionelle Sozialistische Partei PS fortan zu mehr politischem Konsens und zu einem „Kompromiss der nationalen Rettung“ (port.: Compromisso de salvação nacional“) an.

Somit bleibt die, in den letzten Tagen schon von vielen totgesagte Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho, weiterhin im Amt.
Paulo Portas, der diese schwere Regierungskrise mit seinem Rücktritt vor zehn Tagen erst verursacht hat, geht als Sieger aus diesem ganzen Theaterstück heraus.
Nicht nur das er als Minister im Amt bleibt, sondern Pedro Passos Coelho hat ihn zu seinem Vize-Premierminister gemacht.
Außerdem wird Portas ab jetzt die Verhandlungen mit der Troika übernehmen, eine Aufgabe die bis dato der Premierminister selbst innehatte.
Und damit nicht genug, die kleine Koalitionspartei CDS-PP wird zukünftig auch den Wirtschaftsminister stellen.

Pedro Passos Coelho scheint somit die Krise erst einmal überstanden zu haben und er hat seine Regierung retten können.
Aber zu welchem Preis?
Paulo Portas hat hoch gepokert, und er hat auf der ganzen Linie gesiegt.
Ob nur zum Wohl seiner Partei oder aber zum Wohl der Nation, das wird die Zukunft zeigen!