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Donnerstag, 11. Juli 2013
Kompromiss der nationalen Rettung
Was sich hier in Portugal in den letzten zehn Tagen innenpolitisch abgespielt hat, wird einer Tragikomödie von Carl Zuckmayer oder Friedrich Dürrenmatt mehr als gerecht.
Da tritt am 01. Juli, zwar nicht ganz unerwartet aber für jedermann doch überraschend, Vitor Gaspar, der „Architekt der portugiesischen Sparpolitik“, von seinem Amt als Finanzminister zurück (bitte lesen sie hierzu meinen Blogeintrag „Ein längst fälliger Rücktritt“, vom 01.07.2013).
Noch nicht einmal 24 Stunden später, am 02. Juli, nimmt Außenminister Paulo Portas, weil er mit der Wahl der neuen Finanzministerin Maria Luis Albuquerque nicht einverstanden ist, seinen Hut (bitte lesen sie hierzu auch meinen Blogeintrag „Wenn einem Premierminister die Kabinettsmitglieder davonlaufen“, vom 02.07.2013).
Der Rücktritt von Paulo Portas, dem Vorsitzenden der konservativen Partei CDS-PP, die mit der PDS, der Sozialdemokratischen Partei von Premierminister Pedro Passos Coelho, eine Koalitionsregierung führt, hat zur Folge das Portugal, zu den gravierenden wirtschaftlichen Problemen die es schon hat, nun auch eine sehr ernste Regierungskrise bekommt.
Während Premierminister Pedro Passos Coelho nun in den folgenden Tagen versucht, mit deutlichen Zugeständnissen an den kleineren Koalitionspartner CDS-PP, seine Koalitionsregierung noch zu retten, fordern die linken Oppositionsparteien und die größten Gewerkschaften vehement sofortige Neuwahlen!
Da kommt nun Staatspräsident Anibal Cavaco Silva ins Spiel:
Laut der Portugiesischen Verfassung ist der Staatspräsident zwar befugt das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen, aber er hat auch die Pflicht den politischen Konsens zwischen den Parteien zu suchen und zu fördern.
Er muss nun entscheiden wie es politisch in Portugal weitergeht.
In einer mit Spannung erwarteten Fernsehansprache hat nun Staatspräsident Cavaco Silva gestern, seinem Volk mitgeteilt, zu welchem Ergebnis er nun, nach mehrtägigen Gesprächen mit allen im Parlament anwesenden Parteien, gekommen ist:
Staatspräsident Cavaco Silva schließt sofortige Neuwahlen – so wie sie von den Oppositionsparteien verlangt werden – kategorisch ab.
Er meint, und da muss ihm wohl jeder rational denkender Mensch Recht geben, das sofortige Neuwahlen die bisherigen mühevollen Fortschritte Portugals im Euro-Rettungsprogramm zu Nichte machen würden und das das Vertrauen der Geldgeber-Troika, bestehend aus der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfond, fortan stark gefährdet sein würde.
An Neuwahlen, so Cavaco Silva, wird wohl erst ab Juni 2014 zu denken sein, dann nämlich wenn Portugal den Euro-Rettungsschirm verlassen hat und sich dann hoffentlich selbständig an den internationalen Finanzmärkten behaupten wird können.
Er mahnte die Regierungsparteien und ausdrücklich auch die oppositionelle Sozialistische Partei PS fortan zu mehr politischem Konsens und zu einem „Kompromiss der nationalen Rettung“ (port.: Compromisso de salvação nacional“) an.
Somit bleibt die, in den letzten Tagen schon von vielen totgesagte Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho, weiterhin im Amt.
Paulo Portas, der diese schwere Regierungskrise mit seinem Rücktritt vor zehn Tagen erst verursacht hat, geht als Sieger aus diesem ganzen Theaterstück heraus.
Nicht nur das er als Minister im Amt bleibt, sondern Pedro Passos Coelho hat ihn zu seinem Vize-Premierminister gemacht.
Außerdem wird Portas ab jetzt die Verhandlungen mit der Troika übernehmen, eine Aufgabe die bis dato der Premierminister selbst innehatte.
Und damit nicht genug, die kleine Koalitionspartei CDS-PP wird zukünftig auch den Wirtschaftsminister stellen.
Pedro Passos Coelho scheint somit die Krise erst einmal überstanden zu haben und er hat seine Regierung retten können.
Aber zu welchem Preis?
Paulo Portas hat hoch gepokert, und er hat auf der ganzen Linie gesiegt.
Ob nur zum Wohl seiner Partei oder aber zum Wohl der Nation, das wird die Zukunft zeigen!
Dienstag, 29. März 2011
Sócrates, die Witzblattfigur

Ich habe heute einen Witz erzählt bekommen, über den ich mich noch vor einer Woche totgelacht hätte, der mich aber heute lediglich zum schmunzeln gebracht hat.
Nichtsdestotrotz will ich ihn hier noch einmal erzählen:
Der von vielen Portugiesen schon fast gehasste Premierminister José Sócrates steht vor seinem Bürofenster und meint zu seinem Staatssekretär:
„Ich werde jetzt einen 500-Euro-Schein aus dem Fenster werfen, und einen Portugiesen glücklich machen!“
Daraufhin meint sein Staatssekretär:
„Aber Herr Premierminister, werfen sie doch fünf 100-Euro-Scheine aus dem Fenster und machen sie gleich fünf Portugiesen glücklich!“
Daraufhin meint eine Bürodame zu Sócrates:
„Aber Herr Premierminister, werfen sie doch zehn 50-Euro-Scheine aus dem Fenster, dann sind gleich 10 Portugiesen glücklich!“
Sócrates erwidert daraufhin:
„Nein, ich werde 20-Euro-Scheine aus dem Fenster werfen, dann mache ich gleich 25 Portugiesen glücklich!“
Daraufhin meint der Papagei, der bei Sócrates im Büro im Käfig sitzt:
„Mensch Sócrates, wirf dich doch selber aus dem Fenster und du wirst sehen, du machst sofort 10 Millionen Portugiesen glücklich!...“
Wie gesagt, noch vor einer Woche wäre dieser Witz der Brüller gewesen.
Aber heute, nachdem Sócrates vor einpaar Tagen mit seinem vierten Sparpaket (port.: PEC IV) im Parlament gescheitert ist und er seinen Rücktritt bei Staatspräsident Cavaco Silva eingereicht hat, ist er nur halb so witzig.
Das Portugal jetzt, inmitten der schwersten wirtschaftlichen Krise der vergangenen 30 Jahre sich auf Neuwahlen einstellen muss ist bedauernswert, ließ sich aber nicht verhindern.
Nachdem José Sócrates und seine Minderheitsregierung das vierte Sparpaket innerhalb von 11 Monaten durchbringen wollte, verweigerte das Parlament ihm und seiner Partei die Gefolgschaft, mit all seinen Konsequenzen.
Das Sparprogramm sah massive Steuererhöhungen und weitere Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen, bei den Renten und auch bei den Sozialleistungen vor.
Sócrates hat schon angedroht bei den Ende Mai oder Anfang Juni stattfindenden Neuwahlen erneut für die Sozialistische Partei anzutreten.
Das klingt nicht nur wie eine Drohung, das ist auch eine!
Wer José Sócrates kennt, weiß dass er seine Drohungen für gewöhnlich wahr macht.
Portugal stehen politisch sehr turbulente Zeiten bevor!
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