Dienstag, 11. August 2009

Wie isst man Lupinenkerne?


Viele in Deutschland werden keine Antwort auf diese Frage wissen.
Zumal die meisten ja noch nicht einmal wissen, was Lupinenkerne (tremoço) oder Lupinen (tremoceiro) eigentlich sind.
Wie sollen sie also da auch wissen, wie man diese isst?
Für die, die es nicht wissen, Lupinen sind Hülsenfrüchte und gehören zur Familie der Erbsen, Erdnüsse und Kichererbsen.

Für die deutschen Nachkriegskinder, die in den Jahren 1948 bis 1958 zur Erholung nach Portugal geschickt wurden, stellte sich der Verzehr der gelben Kerne, die als Snacks angeboten wurden und werden, aber durchaus als zunächst schwierige Aufgabe dar.

Der Zweite Weltkrieg hatte über ganz Europa Tod, Verwüstung und Vernichtung gebracht.
Abermillionen von Menschen waren in Konzentrationslager, auf dem Schlachtfeld oder auf der Flucht gestorben.
Die Überlebenden kämpften um ein Heim und um etwas Essen.
Da war vielen Familien das Angebot der Caritas in Deutschland mehr als willkommen, ihre Kinder in Länder zu verschicken, die es nicht ganz so schlimm getroffen hatte und wo die Versorgungslage besser war.

Die unterernährten Jungen und Mädchen wurden auf Antrag registriert und dann auf Portugal, auf die Schweiz, auf Schweden und Spanien verteilt.
Für insgesamt 6000 Kinder fanden sich in Portugal Familien, die bereit waren, ein Kind für Monate, manche sogar für Jahre, aufzunehmen.
Aber was hieß das konkret, eine neue Familie in einer neuen Heimat zu finden?

Nun, die Kinder, die meisten von ihnen waren zwischen vier und zwölf Jahren, mussten sich von ihren Eltern und Geschwistern, von ihren Freunden und von ihrer Heimat trennen.

Eine beschwerliche Reise im Nachkriegseuropa, unter teilweise erschreckenden hygienischen Bedingungen lag vor ihnen.
Was würde sie in dem fremden Land erwarten, von dem sie nicht einmal wussten, wo es lag?

Würde man sie gut behandeln?
Den meisten Jungen und Mädchen war noch nicht einmal bewusst, dass man in ihrer neuen Heimat eine andere Sprache sprach.
Später, als Erwachsene, wussten sie von sprachlichen Missverständnissen zu erzählen, die oftmals viel Anlass zum Lachen gaben.

Aber auch Trauriges gibt es zu berichten:
Von Kindern, die sich in ihrer portugiesischen Gastfamilie so wohl fühlten, dass sie nicht mehr in ihre Ursprungsfamilie zurückkehren wollten.
Von Kindern die ihre Muttersprache verlernt hatten, so dass eine Kommunikation mit den richtigen Eltern nur noch sehr schwer möglich war.
Von „Saudade“, dem Heimweh nach Portugal, Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit der zweiten Familie.

Viele sind über die Jahre in Kontakt geblieben, wenngleich die Elterngeneration auch nicht mehr lebt. Aber die portugiesischen Geschwister, Cousins und Cousinen laden nach wie vor zu Besuchen ein.
Familienfeiern werden gemeinsam begangen, ob in Portugal oder in Deutschland.

Und alle diese Kinder haben mit der Zeit dann auch gelernt, wie man am besten Lupinenkerne isst.

Natürlich kann man die Lupinenkerne ganz essen.
Aber am besten schmecken sie, wenn man sich die Mühe macht, die zarte Schale von dem Fruchtfleisch, dem eigentlichen Kern, abzupulen.
Die Kerne werden hierbei mit der Öffnung voraus in den Mund gesteckt und mit den Zähnen holt man den Kern aus der Schale und lässt ihn dabei in den Mund flutschen.
Das klingt zwar unheimlich kompliziert, ist aber sehr leicht!

Probieren sie es, bei ihrem nächsten Portugalurlaub, einfach mal aus.

Kommentare:

  1. Stimmt - Schöner informativer Beitrag für richtige Portugalfreunde, die es vielleicht noch werden wollen.

    Gruß, Reinhard

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  2. Hallo Ângelo,
    eigentlich habe ich nur mal wissen wollen, ob Lupinenkerne na, gesund sind!! Ich bin auch "back to the roots", aus verschiedenen Gründen.
    Finde diesen Beitrag wirklich sehr spannend und habe nicht im geringsten davon gewusst!
    Wie gut, dass ich Deine Seite gefunden habe, denn sooft treibe ich mich nicht im netz herum :-)

    Sei herzlich gegruesst...
    muitos cumprimentos do Vimeiro (entre Torres Vedras e Lourinhã)... Ângela
    Reis Ferreira

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  3. Olá Angelo,
    Ich vergesse immer wie sie auf Portugiesisch heissen und muss dann auf dem Markt verlegen auf die gelben flachen Teile zeigen.
    Aber: durch diese Unpässlichkeit bin ich jetzt auf deinen Blog gestossen. Petfeito!
    Ich bin kein "Native" mit roots in P. Als Schweizer haben wir uns im schönen Alentejo ein Haus gekauft. Abends auf der Terrasse ein Sagres Mini und Tremoços - so einfach kann das Glück sich zeigen.
    Liebe Grüsse, Charles

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