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Sonntag, 5. Februar 2012

Portugiesische Winterimpressionen






Wie überall in Europa, so hat der Winter dieses Jahr auch hier in Portugal eiskalt zugeschlagen.
Zwar zeigen die Thermometer nicht so niedrige Temperaturen an wie z.B. in der Ukraine, in Polen oder in Deutschland, wo diese im Augenblick schon mal – 30° C anzeigen können, aber für portugiesische Verhältnisse ist der Winter 2011/ 2012 wirklich extrem kalt.

Hier in Lissabon hatten wir letzte Nacht gerade Mal + 3° C.
Im Norden des Landes, in den Städten Braga, Vila Real und Castelo Branco und im südlicheren gelegenen Alentejo, in den Städten Portalegre, Évora und Beja, erreichten die Temperaturen gerade Mal den Gefrierpunkt.
In Bragança, ebenfalls im Norden Portugals gelegen, zeigte das Thermometer letzte Nacht sogar rekordverdächtige – 9° C an.
Rekordverdächtig weil vor 67 Jahren, im Januar 1945, mit – 12° C die kälteste Nacht in der Geschichte Braganças, seit der Wetteraufzeichnung, gemessen wurde!

Seit Jahrzehnten gab es hier in Portugal keinen so kalten Winter mehr.
Aber trotz der Kälte hat der Winter zweifellos auch seinen Reiz. Die Luft ist jetzt wesentlich klarer und ein Spaziergang durch die Stadt oder am Strand ist jetzt so richtig erfrischend.
Die Meteorologen sagen für die kommenden Tage eine minimale Temperaturerhöhnung voraus. Aber die kalten Temperaturen sollen noch eine zeitlang so bleiben.

Mir kann das recht sein – so lange es nicht regnet!

Sonntag, 6. November 2011

Die Ruinen von São Cucufate






Vor genau einer Woche war ich mit Freunden im Alentejo.
Unter anderem besuchten wir die Ruinen von São Cucufate in Vila de Frades, im Distrikt Beja.

Ich hatte schon von den Ruinen von São Cucufate gehört und wusste das es sich bei ihnen um römische Überreste einer Wohnanlage handelte, konnte mir aber darunter nicht so recht etwas genaueres vorstellen.
Umso überraschter war ich dann, als ich diese recht großen Ruinen zu sehen bekam. In meinen Vorstellungen waren sie noch nicht einmal halb so groß gewesen.

Bei den Ruinen von São Cucufate handelt es sich ursprünglich um ein römischen Herrenlandhauses (port.. villa romana) und um ein späteres Augustinerkloster, den es an dieser Stelle bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gegeben hat.

Die ältesten Überreste des römischen Landhauses stammen aus dem 1. Jahrhundert nach Christus.
Im 2. Jahrhundert wurde die Villa um ein paar Gebäude vergrößert und im 4. Jahrhundert wurde sie dann palastartig erweitert. Aus dieser Zeit stammen dann auch die Überreste, die man heute besichtigen kann.

Die heutigen Ruinen zeugen von der Größe und Pracht des damaligen Herrenhauses.
Man kann heute die Überreste des großen zweistöckigen Haupthauses mit Arkaden und wunderschönen Wandmalereien bewundern und ebenso mehrere Lager- und Nebengebäude, ein Thermalbad, eine große Gartenanlage und einen Tempel, der religiösen Zwecken diente.
Anhand dieser Überreste kann man die ursprüngliche Konstruktion sehr gut erkennen.

Man weiß heute nicht mehr so genau, wer nach den Römern in das Herrenhaus einzog und ob es dann überhaupt bewohnt war, aber man weiß sehr wohl, dass sich ab dem 13. Jahrhundert Augustinermönche hier niederließen und aus der alten Villa ein Kloster machten.

Sie widmeten das Kloster dem Heiligen São Cucufate, einem katalanischen Heiligen, der im Jahre 304 den Märtyrertod gestorben war.
Ganze 400 Jahre blieben die Mönche dann hier an diesem Platz, bis sie dann im 17. Jahrhundert das Kloster verließen.
Nachdem die Mönche gegangen waren, wurde die Kapelle des Klosters weiterhin von der örtlichen Bevölkerung zu religiösen Handlungen genutzt.
Aber auch sie wurde irgendwann Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben.

Die Mönche gingen, aber Vila dos Frades, der Ort, der in der Nähe der Ruinen von São Cucufate mit den Jahren entstanden ist, zeugt heute noch durch seinen Namen, das sie einstmals hier lebten.
Vila dos Frades heißt nämlich ins Deutsche übersetzt so viel wie „Ort der Mönche“ oder „Dorf der Mönche“

Geblieben sind vom ehemaligen römischen Herrenhaus und dem ehemaligen Gotteshaus die Ruinen die man heute bewundern kann.
Die Ruinen von São Cucufate gehören heute zu den am besten erhaltenen römischen Bauten in ganz Portugal.

Freitag, 4. November 2011

Alvito






Alvito ist eine Kleinstadt (port.: vila) und Landkreis im Norden des Baixo Alentejo, die unweit der Distrikthauptstadt Beja liegt.
Alvito hat ca. 1.400 Einwohner und besticht vor allem durch seinen alten und gut erhaltenen Ortskern und die schöne Landschaft drum herum.

Die älteste menschliche Siedlung muss hier schon in der Bronzezeit gestanden haben.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. siedelten sich dann die Römer hier an.
Nach den Römern ließen sich zuerst die Westgoten hier nieder und dann später die Mauren.
Diese wurden im Jahre 1143, im Zuge der Reconquista, von den Portugiesen vertrieben.

Im Jahre 1251 macht König Afonso III seinem Kanzler (port.: chanceler-mor) Estêvão Anes, damals der zweite Mann im Staate, ein Gestüt zum Geschenk, welches sich an dem Platz befand, an dem heute die Burg steht.
Dieses Gestüt sollte einmal die Keimzelle der heutigen Stadt sein.
Unter seinem neuen Herren siedeln sich neue Menschen an und aus dem ursprünglichen Gestüt wird ein Dorf das regelrecht aufblüht.

Als Kanzler Estêvão Anes im Jahre 1279 stirbt, vermacht er den Ort dem kirchlichen Orden der Heiligen Dreifaltigkeit (port.: Ordem da Santíssima Trindade).

Knapp ein Jahr nach dem Tode Estêvão Anes, am 01. August 1280, bekommt das Dorf Alvito von König Dinis I die Stadtrechte (port.: carta foral) verliehen.
Im Jahre 1387 macht König João I dem Edelmann Diogo Lobo, einem Helden der Schlacht von Aljubarrota, die junge Stadt zur Schenkung.
Knapp 90 Jahre später, im Jahre 1475, vergibt König Afonso V dem Arzt João Fernandes da Silveira, der mit einer Nachfahrin Diogo Lobos verheiratet ist, den Titel eines Barons, und macht somit Alvito zur ersten Baronie Portugals.

Alvito ist in wenigen Jahrzehnten von einem kleinen unscheinbaren Dorf zu einer schmucken Stadt im Alentejo geworden, die es damals leicht mit der Metropole Évora aufnehmen konnte.
Bei der Volkszählung im Jahre 1527 hat Alvito bereits 1724 Einwohner, also viel mehr als heute, und immerhin 364 „fogos“ (dt.: = Wohnungen).
Welche Bedeutung Alvito damals wirklich politisch, wirtschaftlich und kulturell hatte, kann man heute noch an seinen bedeutenden Bauwerken ersehen.

Das imposanteste Bauwerk der Stadt ist wohl die palastartige Burg, die eigentlich mehr ein Herrschaftssitz ist, als eine Wehranlage.
Die Burg (port.: castelo), die auch als „Paço do Barão” (dt.: Palast des Barons) bekannt ist, wurde Ende des 15. Jahrhunderts, im Auftrag des zweiten Barons von Alvito, im manuelistischen Stil erbaut.
Im italienischen Stil sind dagegen der zur Burg gehörende schöne Park und der Gemüsegarten.
In dem Gebäude, das vor wenigen Jahren restauriert wurde, befindet sich heute eine Pousada.

Weitere Sehenswürdigkeiten dieser liebenswürdigen Stadt sind:

• die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche Igreja Nossa Senhora da Assunção, die die Hauptkirche (port.: Igreja Matriz) der Stadt ist. Das Innere der Kirche ist beachtenswert. Gotische, barocke und vor allem manuelistische Elemente machen sie, ohne Übertreibung, zu einer der schönsten des ganzen Alentejo

• die Kirche Igreja Nossa Senhora das Candeias, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert, mit wunderschönen Azulejogemälden aus dem 17. Jahrhundert und einem vergoldeten Altar

• die Kirche Igreja de Santo António aus dem 16. Jahrhundert

• die Kapelle Ermida de São Sebastião, ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert, die etwas außerhalb der Stadt liegt

Neben diesen Sehenswürdigkeiten, besitzt Alvito noch etwas ganz Besonderes, das hier eine Erwähnung verdient:
nämlich seine erdverbundenen, arbeitsamen und dennoch feierfreudigen Bürger.

Wer nach Alvito kommt, sollte sich sehr viel Zeit lassen.
Denn Alvito mag zwar klein sein, aber es gibt dort viel zu entdecken!

Dienstag, 1. November 2011

Portel






Im tiefsten Alentejo, unweit der Distrikthauptstadt Évora liegt die Kreisstadt (port.: vila) Portel, die schätzungsweise 8.100 Einwohner zählt.
Zwischen Évora und Beja liegend, ist Portel heute eine Kleinstadt von großem historischem Wert.

Schon in der Bronzezeit muss die Gegend um Portel besiedelt gewesen sein. Überall hinterlassene Megalithsteine und Dolmen die aus dieser Zeit stammen und in unserer Zeit entdeckt wurden, beweisen dies.
Später besiedelten die Römer die Gegend um Portel.
Die Militärstraße vom römischen Liberalitas Iulia (port.: Évora) führte damals, unweit des heutigen Portel, nach Pax Iulia (port.: Beja).
Die erste feste Ansiedlung aber stammt wohl aus dem Jahre 700, und ist maurischen Ursprungs.
Die Mauren blieben über 500 Jahre in Portel, bis sie von den Portugiesen, im Zuge der Reconquista, Mitte des 12. Jahrhunderts vertrieben wurden.
Im Jahre 1261 wurde Portel von dem Edelmann João Peres de Aboim gegründet, und im darauf folgenden Jahr, 1262, erhielt der Ort, von König Afonso III, seine „carta foral“, seine Stadtrechte.

Im Jahre 1279 wurde auf Anweisung von König Dinis, mit dem Bau der örtlichen Burg (port.: Castelo de Portel), die heute das Wahrzeichen von Portel ist, begonnen.
Ganze 56 Jahre, bis 1325 also, sollte sich deren Vollendung hinziehen.
Sie ist heute das Wahrzeichen der Stadt.
Von ihrem Hauptturm, der Torre de Mensagem, auch Torre de Vale Aboim genannt, hat man eine besonders schöne Aussicht auf die umliegenden Ländereien, Olivenhaine, Felder und den Stausee von Alqueva.

Von historischem Wert in Portel sind, außer der schon erwähnten imposanten Burg, vor allem die vielen reich geschmückten Gotteshäuser.
Die schönsten von ihnen sind:

• die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Assunção (dt.: Hauptkirche von Maria Himmelfahrt) – Die im Jahre 1766 fertig errichtete Kirche ist, mit ihren riesigen Azulejobildern, ein Paradebeispiel für die regionale Architektur

• die Igreja da Misericórdia (dt.: Barmherzigkeitskirche) – Im Jahre 1630 ließ der damalige Herzog João von Bragança, der zukünftige König João IV, diese Kirche errichten

• die Igreja do Espirito Santo (dt.: Heiliggeistkirche) – Dieses Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Gotteshaus besticht vor allem durch seinen zweistöckigen Altar der im Rokokostil erbaut wurde

• die Igreja de São Paulo (dt.: Pauluskirche) – Diese Kirche gehört zum gleichnamigen Kloster, der im Oktober 1607 eingeweiht wurde

• die Ermida de São Brás (dt.: Kapelle des Heiligen Blasius) – Diese kleine Kapelle, am örtlichen Friedhof gelegen, ist berühmt für seine Wandfresken aus dem 17. Jahrhundert, die erst im Jahre 2004 bei Restaurationsarbeiten zufällig entdeckt wurden

Außer der Ermida de São Brás sind noch die kleinen Ermidas São Luis, Nossa Senhora da Saúde, Nossa Senhora da Serra, São Pedro, São Lourenço, Santo António und Santa Catarina sehr sehenswert. Die meisten von diesen kleinen Kapellen, die alle außerhalb der alten Stadtmauer liegen (eine „ermida“ ist eine außerhalb der Stadtmauern liegende Kapelle) sind mit einem überreichen Azulejoschmuck ausgestattet

Portel ist, wie alle Städte des Alentejo, eine ländliche Stadt.
Die Bürger der Stadt widmen sich ein wenig dem Weinbau und der Korkproduktion.
Doch das meiste Geld wird in Portel mit der Herstellung von Olivenöl (port.: azeite) gemacht.
In der „Cooperativa Agrícola de Portel“ (dt.: „Agrargenossenschaft von Portel“), dem einzigen großen Arbeitgeber der Stadt, wird das hier in Portugal sehr geschätzte Olivenöl „São Pedro“ hergestellt.
São Pedro Olivenöl ist recht dickflüssig, fruchtig und leicht grünlich. Kenner meinen, er schmecke nach Oliven mit einer leichten Apfel- oder Feigennote.
Ich selber konnte diesen gewissen Apfel- oder Feigengeschmack nicht herausschmecken, kann aber bezeugen, dass dieses Olivenöl besonders gut schmeckt.
In der Genossenschaft gibt es das kleine „Museu do Azeite“ (dt.: Olivenölmuseum), in dem es eine im Stile des 19. Jahrhunderts eingerichtete Ölmühle gibt und in dem man auch die flüssigen Schätze kosten kann.

Ein anderes Museum in der kleinen Stadt ist das wunderschöne und sehr informative „Museu da Freguesia“ (dt.: „Gemeindemuseum“).
Er liegt in der Rua do Espirito Santo, einer der Hauptstraßen des Ortes, und beherbergt eine kleine aber feine Sammlung regionaler Kunstschätze, wie z.B. verschiedene Musikinstrumente, landwirtschaftliche Geräte, alte Schulbücher, Möbel, Geschirr, Werkzeuge, Spielzeug, Küchengeräte und traditionelle Handarbeiten.

Mit seinen weißgetünchten Häusern und den gelb- oder blau bemalten Fenstern und Türen ist Portel auf den ersten Blick eine Kleinstadt, wie es viele in Südportugal gibt.
Aber es ist seine charakteristische Lage zwischen der Serra de Portel und den weiten Ebenen des Alentejo, die diese kleine Stadt zu einem wahren Juwel Portugals machen.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Alentejo






Gestern war ich im Alentejo.
Immer, wenn ich kann, statte ich dieser südportugiesischen Provinz einen Besuch ab.
Mit Freunden aus der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon machte ich gestern einen Gemeindeausflug in den Süden.
Mit dem Bus ging es über Évora nach Portel und Alvito, eine Gegend im Alentejo die ich noch nicht kannte.
Portugal mag flächenmäßig eine kleine Nation sein, aber der Alentejo ist groß – sehr groß!

Der Alentejo erstreckt sich über das endlos scheinende Tafelland des Tejo im Norden bis zur Algarve im Süden und reicht von der portugiesisch-spanischen Grenze im Osten bis zum Atlantischen Ozean im Westen.
Der Begriff, und somit auch der Name „Alentejo“, wird im Deutschen wörtlich mit „jenseits des Tejo“ (port.: „alem Tejo“) übersetzt.
Die Bezeichnung beruht auf der Tatsache, dass die Landschaft am Südufer des Tejo, also „jenseits des Tejo“, liegt.

Die Provinz Alentejo wird in zwei historische Gebiete unterteilt.
Einmal in den nördlich gelegenen „Alto Alentejo“ (dt.. Oberer Alentejo), mit seiner Provinzhauptstadt Évora und dann in den südlicher gelegenen „Baixo Alentejo“ (dt.: Unterer Alentejo“), mit der Provinzhauptstadt Beja.
Aus diesen zwei historischen Provinzen bilden sich heute die drei portugiesischen Distrikte Évora, Beja und Portalegre, sowie, aus einem Teil, auch der Distrikt Setúbal.

Die kaum gegliederte, ebene und karge Landschaft des Alentejo erinnert, bis auf die hohen Temperaturen die hier meistens herrschen, an nördliche Breiten. Sie steht im eigenartigen Gegensatz zu den anderen, meist gebirgigen und üppig bewachsenen, Provinzen Portugals.

Im Alentejo gibt es ein altes Sprichwort, das da lautet:
„O Alentejo, são três meses de inverno e nove meses de inferno“, was übersetzt so viel heißt wie:
„Der Alentejo, das sind drei Monate Winter und neun Monate Hölle“.
Dieses Sprichwort drückt, mit wenigen Worten, alles das aus, was es über das Klima im Alentejo zu sagen gibt, nämlich das die langen Sommermonate im Alentejo fast immer unerträglich heiß und dürr sind und das die kurze Winterzeit extrem kalt und unangenehm nass sein kann.

Diesen klimatischen Verhältnissen entsprechend, ist die Vegetation auf anspruchslose und immergrüne Pflanzen, Bäume und Hartlaubgewächse beschränkt.
Der Baumbestand an sich ist minimal, und so etwas wie einen Wald sucht man im Alentejo vergebens. Höchstens vereinzelte kleine Baumgruppen, vor allen Dingen Eichen, können ab und zu Mal auftreten.

Wenn ich hier schon über den Alentejo schreibe, so muss ich auch die Bevölkerung dieser Provinz erwähnen.
Der „Alentejano“ ist in ganz Portugal als gutmütiger, gastfreundlicher und ehrlicher Mensch bekannt. Er hat den Ruf nicht übermäßig intelligent zu sein, aber doch sehr wohl eine gewisse Fuchsschläue zu besitzen.
Es gibt tausende Witze die auf Kosten der „Alentejanos“ gemacht werden. Man kann sagen, dass der Bürger des Alentejo für uns Portugiesen hier die gleiche Rolle übernimmt wie in Deutschland die Ostfriesen.

Mit etwas über 500.000 Einwohnern, das sind knapp 5% der Gesamtbevölkerung Portugals auf gut einem Drittel der Gesamtfläche des Landes, ist der Alentejo sehr dünn besiedelt.
Die Bevölkerung konzentriert sich in wenigen kleineren Städten und in etwas größeren Dörfern und ein großer Teil lebt auf dem platten Land als Viehbauer und Korkeichenbesitzer.
Die größten Städte des Alentejo sind Évora mit etwa 50.000 Einwohnern, Beja mit 26.000, Portalegre mit 18.000 und Sines und Montemor-o-Novo mit jeweils etwa 15.000 Einwohnern.

Doch auch wenn die Gegend sehr ländlich und landwirtschaftlich geprägt ist, handelt es sich beim Alentejo um ein uraltes Kulturgebiet.
Schon in der Steinzeit war die Provinz besiedelt, wie alte Dolmen und Menhire im Alto Alentejo bezeugen. Und auch die Lusitanier und Westgoten hinterließen hier ihre Spuren, ebenso wie die Römer und später die Mauren.

Alle diese Kulturen haben sich gerne hier in dieser Ecke Portugals aufgehalten.
Doch keine von ihnen hatte es leicht hier im Alentejo. Denn alle kämpften sie mit einem elementaren Problem:
der ständigen Wasserknappheit.
Erst in unserer heutigen Zeit ist es gelungen die Wasserarmut in dieser Region einigermaßen zu beheben.

Wasser ist für die Agrarprovinz Alentejo von ungeheuerlicher Bedeutung. Deshalb hat man in den letzten Jahren die größten Flussläufe, wie den Tejo, den Guadiana und den Chança, durch mehrere Talsperren gestaut und so deren Wasser in einem dichten Kanalnetz mittels Pumpen auf das Binnenland verteilt.
Eines dieser Wasserreservoirs ist der große Alquevasee (port.: Barragem de Alqueva), der seinen Namen dem kleinen Ort Alqueva verdankt, und der heute der größte künstliche Stausee Europas ist.

Obwohl mit einem Fünftel am portugiesischen Küstenland beteiligt, ist der Alentejo vollkommen auf das Binnenland ausgerichtet.
Diese Ausrichtung hat zur Folge, dass die endlosen breiten Strände menschenleer und kaum touristisch erschlossen sind.
Auch die Fischindustrie ist kaum erwähnenswert. Noch nicht einmal 1% der Fischereierträge Portugals stammt von hier.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass diese Küstenlandschaft Portugals größtes Küstenschutzgebiet beherbergt. Dieses 75.000 Hektar große Schutzgebiet reicht von der Stadtgrenze von Sines bis hin zur Grenze der Westalgarve.

Der Alentejo lebt praktisch nur von der Landwirtschaft. Trotz der großen Trockenheit liegt hier Portugals Kornkammer.
Neben den Getreidefeldern aus Weizen, Roggen und Mais prägen hier vor allem Olivenbäume und Korkeichen das Landschaftsbild.
Zu den Korkeichen sei noch zu sagen, dass sich hier im Alentejo, die weltweit größte Anbaufläche dieses Baumes befindet.

Die karge, aber dennoch wunderschöne Landschaft, und die liebenswürdigen Menschen die dieses Land bevölkern, machen aus dem Alentejo eines der schönsten und geschichtlich wertvollsten Gegenden Portugals.
Schon viele haben ein Loblied auf diese Landschaft gesungen. Und es ist tatsächlich nicht schwer, ins Schwärmen zu geraten, wenn man an die außerordentliche Gastfreundschaft, das gute Essen und die noch besseren Weinen denkt.
Am besten ist es, man entdeckt den Alentejo selber.
Man muss nur, aus Lissabon kommend, eine der beiden Brücken über dem Tejo überqueren um „jenseits des Tejo“, im Alentejo, zu sein!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Die fünf schönsten Liebesbriefe der Welt


Die Stadt Beja, mitten im Alentejo gelegen, kann zwar keine herausragenden Sehenswürdigkeiten präsentieren, doch die Vielzahl der schönen alten Bauten sowie die winkeligen Gassen der Altstadt und die strahlenden weißen Häuser machen Beja zu einem sehenswerten Ort in Portugal.

So nichts sagend Beja einem auf den ersten Blick auch erscheinen mag, umso überraschender ist es da, das ausgerechnet hier, laut Literaturkritikern, die „Fünf schönsten Liebesbriefe der Welt“ geschrieben wurden.

Diese Liebesbriefe, die als „Portugiessiche Briefe“ (port.: Cartas Portuguesas / fr.: Lettres Portugaises) in die klassische Weltliteratur eingegangen sind, wurden 1669 von einer Frau geschrieben, von der man es wohl am wenigstens erwartet.
Sie wurden von der Nonne Mariana Alcoforado an den französischen Marschall Noël Bouton de Chamilly, dem Marquis de Saint-Léger der von 1636 bis 1715 lebte, geschrieben.

Sóror Mariana Alcoforado, wie sie mit vollem Namen hieß, wurde am 02. April 1640, als Tochter des Offiziers Francisco Alcoforado und der vermögenden Leonor Menezes, in Beja geboren. Auf Wunsch ihrer Eltern trat sie schon als kleines Kind in das Kloster Unserer Lieben Frau der Unbefleckten Empfängnis (port.: Convento da Nossa Senhora da Conceição), in ihrer Heimatstadt ein.
Es war sicherlich nicht Marianas Wunsch gewesen dem Kloster beizutreten, aber wie so viele junge Frauen und auch Männer ihrer Zeit, blieb ihr nichts anderes übrig, als dem Willen ihrer Eltern zu folgen.

Sie muss den smarten französischen Offizier Chamilly wohl das erste Mal im Jahre 1665, von dem vergitterten Fenster ihrer Klosterzelle gesehen haben, der dort im Klosterhof mit seinen Kameraden exerzierte.
Einer dieser Kameraden war Luis Alcoforado, der Bruder von Mariana.
Noël Bouton de Chamilly befand sich in Portugal weil er an den Portugiesischen Unabhängigkeitskriegen (port.: Guerra da Restauração) gegen Spanien, unter dem Befehl Friedrichs von Schomberg, einem Waffenfreund des neuen portugiesischen Königs João IV, teilnahm.
Durch ihren Bruder Luis lernen sich Mariana und Chamilly kennen.

Was nicht sein durfte geschah dann doch:
Die Nonne und der Offizier verliebten sich ineinander, wobei die Liebe auf Marianas Seite wohl stärker war als auf seiner.
Ihr verbotenes Verhältnis dauert 3 Jahre lang, bis dann im Jahre 1668 Chamilly plötzlich, unter dem Vorwand sein Bruder sei schwer erkrankt, nach Frankreich zurückreiste.
Beim Abschied versprach er Mariana sie nach Frankreich nachzuholen.

Doch wie es im Volksmund so schön heißt:
„Aus den Augen, aus dem Sinn!“

Chamilly ließ nie wieder etwas von sich hören!
Alleine und verlassen fängt Mariana an, ihre Briefe zu schreiben – zuerst leidenschaftlich und hoffnungsvoll, später unsicher und zuletzt, aus dem Erkenntnis heraus, dass sie für den jungen französischen Adligen nur ein amüsantes Abenteuer gewesen ist, enttäuscht und distanziert.
So entstehen die schon erwähnten fünf Liebesbriefe, die später einen unbeschreiblichen Skandal hervorrufen sollten, sowohl im erzkatholischen Portugal als auch im konventionellen Frankreich.

Wie die Briefe an die Öffentlichkeit kamen ist heute ein Rätsel, aber man geht davon aus, das Chamilly selbst die Briefe in Umlauf brachte, denn er soll, so ist es überliefert, die Briefe amüsiert seinen Freunden vorgelesen haben.
Einer dieser Freunde war der französische Politiker und Übersetzer Gabriel de Guilleragues.
Man vermutet, dass es Guilleragues war, der die heute noch existierenden Briefe damals in französischer Sprache geschrieben hat.
Leider gibt es heute die originalen Briefe von in portugiesischer Sprache nicht mehr. Man nimmt an, dass die von Mariana verfassten Briefe mit den Jahren verloren gingen.

Wie dem auch sei:
Die Briefe wurden, so skandalös sie auch in der damaligen Zeit waren, später zu den schönsten Liebesbriefen der Welt erklärt.
Zahllose nationale und internationale Schriftsteller haben die Briefe übersetzt und neu verfasst.
Die Portugiesen Alexandre Herculano und Camilo Castelo Branco waren zwei von ihnen, die die Briefe neu interpretierten.
Die Deutsche Mathilde Mann übersetzte die Briefe im Jahre 1905 zum ersten Mal in die deutsche Sprache.
Rainer Maria Rilkes übertrug den Text 1913 und im gleichen Jahr wurden die Liebesbriefe auch von Georg Hecht nochmals übersetzt. Eine weitere deutsche Übersetzung erfolgte durch den Schweizer Walter Widmer im Jahre 1945.

In ihrem letzten Brief an Chamilly erwähnt Mariana auch die Möglichkeit, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen, doch muss es ihr gelungen sein, ihren Kummer zu bewältigen.
Denn sie stirbt erst am 28. Juli 1723, im hohen Alter von 83 Jahren, als Äbtissin in dem Kloster Convento da Nossa Senhora da Conceição, den Kloster den sie ein Leben lang nicht verlassen hat.

In dem erhaltenen Totenschein von ihr heißt es, dass sie sich fünfzig Jahre lang den härtesten Bußübungen unterzogen hat.

Dienstag, 4. Januar 2011

Es ist etwas faul im Staate Portugal


Wie jeder weiß und wie jeder (der eine mehr, der anderer weniger) es zu spüren bekommt, befinden wir uns hier in Portugal in einer Zeit voller Krisen.
Selten hat Portugal in den letzten 100 Jahren wirtschaftlich so schlecht dagestanden wie im Augenblick (so viel zum Thema „100 Jahre Republik“).

Mit Island, Irland und Griechenland als abschreckende Exempel vor Augen, bemüht sich die Nation das Schicksal dieser bankrotten Staaten nicht zu erleiden.
Aber es wird schwierig in den nächsten Monaten und Jahren, sehr schwierig!...

Und weil wir so schwere Zeiten haben, und uns gewiss noch schwierigere Zeiten bevorstehen, kann ich, wo doch von mir und den anderen Steuerzahlern erwartet wird, dass wir den Gürtel enger schnallen, nicht nachvollziehen wie andernorts das Geld regelrecht aus dem Fenster rausgeschmissen wird.

Und ich rede hier nicht von den staatlichen Institutionen, wie etwa dem Verteidigungsministerium, dem Verkehrsministerium oder dem Innenministerium, denn von denen sind wir sinnloses Geldausgeben schon gewohnt.
Nein, ich rede hier von den Kommunen und den Städten, die hier in Portugal, auf unsinnigste Art und Weise, öffentliche Steuergelder ausgeben und wo sich dann die Herren Bürgermeister lamentierend vor Fernsehkameras stellen und sagen, wie schlecht finanziell es um sie und ihre Kommunen bestellt ist.

Ich habe hier ein paar Beispiele aus dem letzten Jahr, die jedem normalen Bürger die Schamesröte ins Gesicht treibt, nicht so aber anscheinend den Stadtverwaltungen und den Kommunalpolitikern, die folgende Rechnungen an den portugiesischen Rechnungshof (port.: Tribunal de Contas) gesendet haben, in der Hoffnung der portugiesische Steuerzahler würde diese begleichen:

- So hat in Matosinhos, genauer gesagt im Matosinhos Habit, der Zentrale für städtischen Wohnungsbau, die Neuanschaffung der Eingangstür des Hauptgebäudes stolze 142.320.- Euro gekostet. Würde gerne nur mal wissen, aus was diese Tür besteht, denn schließlich kostet sie ja mehr, als so manche Eigentumswohnung hier in Lissabon.

- Die Hochschule für Technologie an der Universität der Algarve (port.: Escola Superior de Tecnologia da Universidade do Algarve) stellt dem Steuerzahler, den Hin- und Rückflug eines Professors zwischen Faro und der kroatischen Hauptstadt Zagreb, mit 33.745,- Euro in Rechnung. Nachdem ich die Internetseite der portugiesischen Fluggesellschaft TAP besucht habe, habe ich herausbekommen das der teuerste Flug zwischen Faro und Zagreb, hin- und zurück, mit Steuern, gerade Mal knapp 1.700,- Euro kostet. Macht den stolzen Unterschied von über 32.000,- Euro.

- Die Regionalhauptverwaltung der Gesundheitsbehörde des Alentejo (port.: Administração Regional de Saúde do Alentejo), in Évora, hat 97.560,- Euro für die Anschaffung eines Büroschrankes, zwei Computertischen und drei Stühlen mit extra hohen Lehnen ausgegeben. Ich weiß nicht wie der aktuelle qm²-Preis für Büromöbel ist, aber entweder sind diese, vom Gesundheitsamt gekauften und in Rechnung gestellten Möbel, aus purem Gold oder man hat die Alentejanos, die sonst so stolz darauf sind genug Bauernschläue zu haben und sich nicht so leicht übers Ohr hauen zu lassen, ganz schön über den Tisch gezogen. Vielleicht hätte man vor dem Erwerb der Büromöbel einmal bei IKEA vorbeischauen sollen. Die haben nämlich ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis was Büromöbel angeht.

- Die Stadt Lagoa (port.: Município de Lagoa) an der Algarve hat für das Anbringen von Motorradtaschen an den von ihren Mitarbeitern benutzten Arbeitsmotorrädern stolze 106.596,- Euro ausgegeben. Ich weiß nicht wie viele Motorräder die Stadt Lagoa insgesamt diesen Umbaumaßnahmen unterworfen hat, aber es scheint ein teurer Spaß zu sein, wenn man sich an der Algarve sein zweirädriges Arbeitsgefährt umpimpern lässt.

- Eine weitere kuriose Rechnung hat die Stadtverwaltung von Ilhavo (port.: Município de Ilhavo) beim portugiesischen Rechnungshof eingereicht. Die bezahlte nämlich angeblich für drei Computer, einem Drucker, neun Telefonen und zwei Scannern insgesamt 380.666,- Euro. Es muss sich hierbei wirklich um ganz besondere PC´s handeln, wenn ein jeder von ihnen über 100.000,- Euro kosten tut.

- Das Rathaus von Loures (port.: Câmara Municípal de Loures) gelegen in einem Weinanbaugebiet, hat 652.300,- Euro für spanischen Rot- und Weißwein ausgegeben. Würde jetzt nur gerne wissen, warum ein Weinanbaugebiet über eine halbe Million Euro für spanische Weine ausgibt. Ist man vielleicht von seinen Weinen nicht überzeugt?

- Die Anschaffung eines Lieferwagens beläuft sich, laut der Stadtverwaltung von Vale de Cambra (port.: Município de Vale de Cambra), auf stolze 1.236.000,- Euro! Hierbei handelt es sich nicht etwa um einen Lieferwagen der Marke Porsche oder Bentley, sondern um einen der Marke Renault. Kein Wunder also das es der französischen Wirtschaft besser geht, als der unsrigen.

- Für die Einweihung des neuen Burgmuseums von Sines (port.: Museu do Castelo de Sines), wurde ein Festzelt angemietet, für den die Stadtverwaltung von Sines (port.: Município de Sines) 1.236.500,- Euro hinblätterte. So erfahren wir das das anmieten eines Festzeltes genauso teuer ist, wie das Anschaffen eines Lieferwagens der Marke Renault…

- Aber den Vogel schließt wohl die Stadtverwaltung von Beja ab. Die hat nämlich tatsächlich beim Rechnungshof hier in Lissabon eine Rechnung eingereicht, die an Dreistigkeit ihres gleichen sucht. Für einen multifunktionalen Fotokopierer der Marke Xerox, Model IRC30801, der im normalen Handel 7.698,- Euro kostet, bezahlte die Stadt Beja angeblich, sage und schreibe 6.572.983,- Euro, in Worten: sechsmillionenfünfhundertzweiundsiebzigtausendneunhundertachtunddreißig Euro!!!

Das es sich bei all diesen Rechnungen um glatten Betrug handelt steht, sowohl für den Rechnungshof als auch für jeden normal denkenden Menschen, außer Frage.
Ich wundere mich nur, warum keiner dieser Herren der Stadtverwaltungen festgenommen oder gleich an die nächste Wand gestellt worden ist.

Beruhigend für mich ist nur, dass der Rechnungshof keinem dieser Fantasierechnungen stattgegeben hat, d.h. es kam niemals zu einer Begleichung der jeweiligen Rechnung, jedenfalls in der gewünschten Höhe.
Aber, und hier wiederhole ich mich, ich kann nicht verstehen und nachvollziehen das all diese kommunalen Organe - Bürgermeister, Stadträte, und andere kommunalen Politiker - ohne eine Anzeige, ohne eine Verurteilung, davon gekommen sind.

Es ist etwas faul im Staate Portugal…