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Samstag, 20. Juni 2015

Sternenhimmel über dem Alentejo


„Ich seh den Sternenhimmel, Sternenhimmel, Sternenhimmel, oho…“

so in etwa ging der Refrain eines Liedes, den der Sänger Hubert Kah, einst eine Ikone der Neuen Deutschen Welle, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts sang.

Bestimmt hat Hubert Kah nicht an den portugiesischen Sternenhimmel gedacht als er seinen erfolgreichen Song zum Besten gab, aber Tatsache ist, dass er ohne Zweifel den Nachthimmel über dem Alentejo hätte meinen können – so sehr funkeln die Sterne hier in der Nacht.

Die dünne Besiedlung des Alentejo und die praktisch nicht vorhandene Lichtverschmutzung (port.: poluição luminosa) machen diese Gegend Portugals zum idealen funkelnden Paradies. Ein Paradies das man den Namen „Dark Sky“ gegeben hat und das von der UNESCO im Jahre 2011 zum weltweit erster „Starlight Tourism Destination“ (dt.: Touristisches Sternenlichtreiseziel / port.: destino turistico da luz de estrelas) auserkoren wurde.

Das „Sternenschutzgebiet Dark Sky“ (port.: Reserva Dark Sky) erstreckt sich über ein Gebiet von über 3.000 km² und schließt die Gemeinden Alandroal, Barrancos, Moura, Mourão, Portel, und Reguengos de Monsaraz ein.
Diese sechs Ortschaften liegen alle um den riesigen Alqueva-Stausee (port.: Barragem do Alqueva) – dem größten Wasserreservoir Europas.
Die sechs Gemeinden unterstützen mit verschiedenen Projekten das „Starlight Tourism Destination“. So haben sie sich u. a. alle vertraglich dazu verpflichtet jede Nacht die künstlich erzeugte Beleuchtung auf ein Minimum herabzusetzen.

Mit statistisch durchschnittlich 286 wolkenlosen und sternenklaren Nächten im Jahr, ohne eine Großstadt in der Nähe und somit praktisch ohne die geringste Lichtverschmutzung ist dieser Teil Portugals zweifellos einer der besten Orte weltweit, um die Milchstraße, den Mond, die Planeten und die Millionen und Abermillionen von funkelnden Sternen am spektakulären Nachthimmel zu beobachten und zu bewundern.

Wer einmal plant am Alqueva-Stausee oder in seiner Umgebung Urlaub zu machen, der sollte abends hier unbedingt zum Sternengucker werden.
Auch wenn man hier nicht nach den Sternen greifen kann, so hat man doch das Gefühl, dass man ihnen hier so Nahe ist wie kaum sonst wo auf der Welt!

Dienstag, 31. März 2015

Die „Heilige Woche“ in Portugal


Im streng katholischen Portugal nehmen kirchliche Feste, wie Ostern, natürlich einen besonderen Platz ein.
Von Palmsonntag (port.: domingo de Ramos), der an den triumphalen Einzug von Jesus Christus seinerzeit in Jerusalem erinnert, bis zum Ostersonntag (port.: domingo de Páscoa), dem Tag an dem die Christen der Auferstehung Jesu gedenken, feiert man hierzulande die Heilige Woche (port.: Semana Santa), in Deutschland Karwoche genannt.

An Palmsonntag ziehen traditionell katholische Christen hier in Portugal seit dem frühen Mittelalter in ihre Kirche mit Palm- und Olivenzweige ein, um sie dort vom Pfarrer oder Bischof segnen zu lassen. Nach der Segnung nehmen die Gläubigen die Zweige mit nach Hause und stellen diese, als Segenszeichen, in ihren vier Wänden auf.
In Deutschland werden, soweit ich mich noch erinnern kann, die Palm- und Olivenzweige von Buchsbaum und Weidenkätzchen ersetzt.

Dem Palmsonntag folgen dann der heilige Montag (port.: Segunda-feira Santa), der heilige Dienstag (port.: Terça-feira Santa) und der heilige Mittwoch (port.: Quarte-feira Santa).
Diese drei Wochentage der Karwoche, die auch als die „Stillen Ostertage“ bekannt sind, werden vor allem in der katholischen Kirche für die Besinnung und Einstimmung auf Ostern genutzt.

Der Gründonnerstag (port.: Quinta-feira Santa), ist der Tag der an das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen zwölf Aposteln am Vorabend seiner Kreuzigung erinnert.
Hierzulande wird deshalb mancherorts dieser religiöse Tag auch „Abendmahldonnerstag“ (port.: Quinta-feira da Ceia) genannt.
In manchen Regionen Portugals war es früher üblich am Gründonnerstag sieben Kirchen aufzusuchen.
Dieser Brauch hat im heutigen modernen Portugal aber kaum noch eine Bedeutung.
Das liegt einerseits an der Tatsache dass man nicht mehr so religiös wie früher ist und anderseits haben die meisten Menschen heute kaum noch Zeit eine Kirche aufzusuchen, geschweige denn sieben…
Tsja, auch in der Kirche hat sich der Spruch von Benjamin Franklin – „Time is money“ – durchgesetzt.

Dem Gründonnerstag folgt der Karfreitag (port.: Sexta-feira Santa), der an das Leid, die Kreuzigung, den Tod und die Grablegung Christies erinnert, und der hierzulande ein strenger Abstinenztag ist.
So isst man hierzulande normalerweise an diesem Tag traditionell kein Fleisch, sondern nur Fisch oder Meeresfrüchte.
An Karfreitag wird üblicherweise hier in Portugal auch nicht gefeiert, getanzt, ins Kino oder ins Theater gegangen, obwohl es so etwas wie einen gesetzlichen „Veranstaltungsverbot“ für diesen Tag nicht gibt. Dafür wird an diesem Tag geshoppt was das Zeug hält…

Der Karsamstag (port.: Sábado de Páscoa) ist hier in Portugal unter mehreren Namen bekannt.
So bezeichnet man ihn in manchen Regionen als „Samstag des Halleluja“ (port.: „Sábado de Aleluia“), in anderen Gegenden heißt er „Schwarzer Samstag“ (port.: „Sábado Negro“) und in anderen Gebieten wiederum einfach nur „Heiliger Samstag“ (port.: „Sábado Santo“).
In der nordportugiesischen Stadt Montalegre begeht man an diesem Tag eine ganz besondere Ostertradition, die unter dem Namen „Queima de Judas“ (dt.: Verbrennung des Judas) über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Riesige Strohpuppen  werden überall in der Stadt angezündet, und so symbolisch der Verräter Judas verbrannt.
In Idenha-a-Nova, im Distrikt Castelo Branco, ist es Brauch in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag mit viel Lärm und Musik durch die Straßen und Gassen der Stadt zu ziehen, während zur gleichen Zeit die Pfarrer in den Kirchen ihre Gottesdienste abhalten.
Etwas weiter südlich im Alentejo, ziehen am Karsamstag viele Hirten mit ihren Herden in das Städtchen Castelo de Vide ein, um sich dort mit ihren Tieren segnen zu lassen.

Der letzte Tag der Kar- oder Osterwoche ist der Ostersonntag (port.: Páscoa), der im Christentum der Festtag der Auferstehung von Jesus (port.: Ressurreição de Jesus) und das Ende der achtwöchigen Fastenzeit ist.
Jeder Portugiese versucht an diesem Tag die Familie zusammenzubringen und in der Gemeinschaft zu feiern.
Das Essen spielt an diesem Tag eine große Rolle. Ein reich gedeckter Tisch, auf dem das traditionelle Osterlamm oder das Osterzicklein nicht fehlen dürfen, ist nach acht Wochen fasten und Enthaltsamkeit immer ein Festmahl.
Die zahlreichen Osterprozessionen (port.: procissões), die während der Osterwoche im ganzen Land stattfinden und bei denen zumeist Figuren des leidenden, Kreuz tragenden und auferstandenen Jesus Christus auf tragbaren Holzkonstruktionen durch die einzelnen Ortschaften getragen werden, erreichen am Ostersonntag ihren Höhepunkt.

Den Ostermontag als Feiertag, so wie man ihn in Deutschland kennt, gibt es hier in Portugal nicht.
Nur Regional, wie z.B. in Portel bei Évora, im Alentejo, wird der Montag nach Ostern gefeiert.

In unserer modernen Zeit hat sich Ostern auch hier in Portugal leider zu einem „kleinen Weihnachten“ entwickelt, bei dem der Kommerz langsam aber sicher die wahre Bedeutung der Auferstehung verdrängt hat.
Nichtsdestotrotz ist dieses Kirchenfest in vielen Regionen dieses Landes auch heute noch ein traditionsreiches und brauchvolles Familienfest.

Mittwoch, 2. November 2011

Alentejo profundo





Portel ist eines jener gepflegten weißen Dörfer und Kleinstädte, wie
man sie im „Alentejo profundo“ (dt.: „tiefsten Alentejo“) sehr oft vorfindet.
Diese weißen Gemeinden verdanken ihr Aussehen, ihren weißgetünchten Häusern, die blaue oder gelbe Fenster- und Türenumrandungen haben.

Es gibt zwei Begründungen, warum die Bewohner im Alentejo ihre Häuser mit diesen farblichen Umrandungen versehen.
Beide Begründungen sind aber eher geschichtlich traditionell als logisch.

So wird seit altersher abergläubisch behauptet, dass die Alentejanos ihre Fenster und Türen deswegen mit blauer und gelber Farbe umrunden, um die bösen Geister fernzuhalten.
Die andere Behauptung ist die, dass ausgerechnet diese zwei Farben angeblich Fliegen und andere lästige Insekten von den Häusern fernhalten können.

Ob das bemalen der Fenster- und Türenumrandungen Geister fernhält, kann ich weder bestätigen noch abstreiten.
Die Behauptung aber, gelbe und blaue Fenster- und Türrahmen würden Fliegen daran hindern in die Häuser einzudringen, ist, gelinde gesagt, ein Ammenmärchen!

Der einzige Sinn, den diese farbigen Umrandungen an den strahlendweißen Häusern zu haben scheinen ist einfach der, dass sie wunderschön aussehen!

Dienstag, 1. November 2011

Portel






Im tiefsten Alentejo, unweit der Distrikthauptstadt Évora liegt die Kreisstadt (port.: vila) Portel, die schätzungsweise 8.100 Einwohner zählt.
Zwischen Évora und Beja liegend, ist Portel heute eine Kleinstadt von großem historischem Wert.

Schon in der Bronzezeit muss die Gegend um Portel besiedelt gewesen sein. Überall hinterlassene Megalithsteine und Dolmen die aus dieser Zeit stammen und in unserer Zeit entdeckt wurden, beweisen dies.
Später besiedelten die Römer die Gegend um Portel.
Die Militärstraße vom römischen Liberalitas Iulia (port.: Évora) führte damals, unweit des heutigen Portel, nach Pax Iulia (port.: Beja).
Die erste feste Ansiedlung aber stammt wohl aus dem Jahre 700, und ist maurischen Ursprungs.
Die Mauren blieben über 500 Jahre in Portel, bis sie von den Portugiesen, im Zuge der Reconquista, Mitte des 12. Jahrhunderts vertrieben wurden.
Im Jahre 1261 wurde Portel von dem Edelmann João Peres de Aboim gegründet, und im darauf folgenden Jahr, 1262, erhielt der Ort, von König Afonso III, seine „carta foral“, seine Stadtrechte.

Im Jahre 1279 wurde auf Anweisung von König Dinis, mit dem Bau der örtlichen Burg (port.: Castelo de Portel), die heute das Wahrzeichen von Portel ist, begonnen.
Ganze 56 Jahre, bis 1325 also, sollte sich deren Vollendung hinziehen.
Sie ist heute das Wahrzeichen der Stadt.
Von ihrem Hauptturm, der Torre de Mensagem, auch Torre de Vale Aboim genannt, hat man eine besonders schöne Aussicht auf die umliegenden Ländereien, Olivenhaine, Felder und den Stausee von Alqueva.

Von historischem Wert in Portel sind, außer der schon erwähnten imposanten Burg, vor allem die vielen reich geschmückten Gotteshäuser.
Die schönsten von ihnen sind:

• die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Assunção (dt.: Hauptkirche von Maria Himmelfahrt) – Die im Jahre 1766 fertig errichtete Kirche ist, mit ihren riesigen Azulejobildern, ein Paradebeispiel für die regionale Architektur

• die Igreja da Misericórdia (dt.: Barmherzigkeitskirche) – Im Jahre 1630 ließ der damalige Herzog João von Bragança, der zukünftige König João IV, diese Kirche errichten

• die Igreja do Espirito Santo (dt.: Heiliggeistkirche) – Dieses Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute Gotteshaus besticht vor allem durch seinen zweistöckigen Altar der im Rokokostil erbaut wurde

• die Igreja de São Paulo (dt.: Pauluskirche) – Diese Kirche gehört zum gleichnamigen Kloster, der im Oktober 1607 eingeweiht wurde

• die Ermida de São Brás (dt.: Kapelle des Heiligen Blasius) – Diese kleine Kapelle, am örtlichen Friedhof gelegen, ist berühmt für seine Wandfresken aus dem 17. Jahrhundert, die erst im Jahre 2004 bei Restaurationsarbeiten zufällig entdeckt wurden

Außer der Ermida de São Brás sind noch die kleinen Ermidas São Luis, Nossa Senhora da Saúde, Nossa Senhora da Serra, São Pedro, São Lourenço, Santo António und Santa Catarina sehr sehenswert. Die meisten von diesen kleinen Kapellen, die alle außerhalb der alten Stadtmauer liegen (eine „ermida“ ist eine außerhalb der Stadtmauern liegende Kapelle) sind mit einem überreichen Azulejoschmuck ausgestattet

Portel ist, wie alle Städte des Alentejo, eine ländliche Stadt.
Die Bürger der Stadt widmen sich ein wenig dem Weinbau und der Korkproduktion.
Doch das meiste Geld wird in Portel mit der Herstellung von Olivenöl (port.: azeite) gemacht.
In der „Cooperativa Agrícola de Portel“ (dt.: „Agrargenossenschaft von Portel“), dem einzigen großen Arbeitgeber der Stadt, wird das hier in Portugal sehr geschätzte Olivenöl „São Pedro“ hergestellt.
São Pedro Olivenöl ist recht dickflüssig, fruchtig und leicht grünlich. Kenner meinen, er schmecke nach Oliven mit einer leichten Apfel- oder Feigennote.
Ich selber konnte diesen gewissen Apfel- oder Feigengeschmack nicht herausschmecken, kann aber bezeugen, dass dieses Olivenöl besonders gut schmeckt.
In der Genossenschaft gibt es das kleine „Museu do Azeite“ (dt.: Olivenölmuseum), in dem es eine im Stile des 19. Jahrhunderts eingerichtete Ölmühle gibt und in dem man auch die flüssigen Schätze kosten kann.

Ein anderes Museum in der kleinen Stadt ist das wunderschöne und sehr informative „Museu da Freguesia“ (dt.: „Gemeindemuseum“).
Er liegt in der Rua do Espirito Santo, einer der Hauptstraßen des Ortes, und beherbergt eine kleine aber feine Sammlung regionaler Kunstschätze, wie z.B. verschiedene Musikinstrumente, landwirtschaftliche Geräte, alte Schulbücher, Möbel, Geschirr, Werkzeuge, Spielzeug, Küchengeräte und traditionelle Handarbeiten.

Mit seinen weißgetünchten Häusern und den gelb- oder blau bemalten Fenstern und Türen ist Portel auf den ersten Blick eine Kleinstadt, wie es viele in Südportugal gibt.
Aber es ist seine charakteristische Lage zwischen der Serra de Portel und den weiten Ebenen des Alentejo, die diese kleine Stadt zu einem wahren Juwel Portugals machen.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Alentejo






Gestern war ich im Alentejo.
Immer, wenn ich kann, statte ich dieser südportugiesischen Provinz einen Besuch ab.
Mit Freunden aus der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon machte ich gestern einen Gemeindeausflug in den Süden.
Mit dem Bus ging es über Évora nach Portel und Alvito, eine Gegend im Alentejo die ich noch nicht kannte.
Portugal mag flächenmäßig eine kleine Nation sein, aber der Alentejo ist groß – sehr groß!

Der Alentejo erstreckt sich über das endlos scheinende Tafelland des Tejo im Norden bis zur Algarve im Süden und reicht von der portugiesisch-spanischen Grenze im Osten bis zum Atlantischen Ozean im Westen.
Der Begriff, und somit auch der Name „Alentejo“, wird im Deutschen wörtlich mit „jenseits des Tejo“ (port.: „alem Tejo“) übersetzt.
Die Bezeichnung beruht auf der Tatsache, dass die Landschaft am Südufer des Tejo, also „jenseits des Tejo“, liegt.

Die Provinz Alentejo wird in zwei historische Gebiete unterteilt.
Einmal in den nördlich gelegenen „Alto Alentejo“ (dt.. Oberer Alentejo), mit seiner Provinzhauptstadt Évora und dann in den südlicher gelegenen „Baixo Alentejo“ (dt.: Unterer Alentejo“), mit der Provinzhauptstadt Beja.
Aus diesen zwei historischen Provinzen bilden sich heute die drei portugiesischen Distrikte Évora, Beja und Portalegre, sowie, aus einem Teil, auch der Distrikt Setúbal.

Die kaum gegliederte, ebene und karge Landschaft des Alentejo erinnert, bis auf die hohen Temperaturen die hier meistens herrschen, an nördliche Breiten. Sie steht im eigenartigen Gegensatz zu den anderen, meist gebirgigen und üppig bewachsenen, Provinzen Portugals.

Im Alentejo gibt es ein altes Sprichwort, das da lautet:
„O Alentejo, são três meses de inverno e nove meses de inferno“, was übersetzt so viel heißt wie:
„Der Alentejo, das sind drei Monate Winter und neun Monate Hölle“.
Dieses Sprichwort drückt, mit wenigen Worten, alles das aus, was es über das Klima im Alentejo zu sagen gibt, nämlich das die langen Sommermonate im Alentejo fast immer unerträglich heiß und dürr sind und das die kurze Winterzeit extrem kalt und unangenehm nass sein kann.

Diesen klimatischen Verhältnissen entsprechend, ist die Vegetation auf anspruchslose und immergrüne Pflanzen, Bäume und Hartlaubgewächse beschränkt.
Der Baumbestand an sich ist minimal, und so etwas wie einen Wald sucht man im Alentejo vergebens. Höchstens vereinzelte kleine Baumgruppen, vor allen Dingen Eichen, können ab und zu Mal auftreten.

Wenn ich hier schon über den Alentejo schreibe, so muss ich auch die Bevölkerung dieser Provinz erwähnen.
Der „Alentejano“ ist in ganz Portugal als gutmütiger, gastfreundlicher und ehrlicher Mensch bekannt. Er hat den Ruf nicht übermäßig intelligent zu sein, aber doch sehr wohl eine gewisse Fuchsschläue zu besitzen.
Es gibt tausende Witze die auf Kosten der „Alentejanos“ gemacht werden. Man kann sagen, dass der Bürger des Alentejo für uns Portugiesen hier die gleiche Rolle übernimmt wie in Deutschland die Ostfriesen.

Mit etwas über 500.000 Einwohnern, das sind knapp 5% der Gesamtbevölkerung Portugals auf gut einem Drittel der Gesamtfläche des Landes, ist der Alentejo sehr dünn besiedelt.
Die Bevölkerung konzentriert sich in wenigen kleineren Städten und in etwas größeren Dörfern und ein großer Teil lebt auf dem platten Land als Viehbauer und Korkeichenbesitzer.
Die größten Städte des Alentejo sind Évora mit etwa 50.000 Einwohnern, Beja mit 26.000, Portalegre mit 18.000 und Sines und Montemor-o-Novo mit jeweils etwa 15.000 Einwohnern.

Doch auch wenn die Gegend sehr ländlich und landwirtschaftlich geprägt ist, handelt es sich beim Alentejo um ein uraltes Kulturgebiet.
Schon in der Steinzeit war die Provinz besiedelt, wie alte Dolmen und Menhire im Alto Alentejo bezeugen. Und auch die Lusitanier und Westgoten hinterließen hier ihre Spuren, ebenso wie die Römer und später die Mauren.

Alle diese Kulturen haben sich gerne hier in dieser Ecke Portugals aufgehalten.
Doch keine von ihnen hatte es leicht hier im Alentejo. Denn alle kämpften sie mit einem elementaren Problem:
der ständigen Wasserknappheit.
Erst in unserer heutigen Zeit ist es gelungen die Wasserarmut in dieser Region einigermaßen zu beheben.

Wasser ist für die Agrarprovinz Alentejo von ungeheuerlicher Bedeutung. Deshalb hat man in den letzten Jahren die größten Flussläufe, wie den Tejo, den Guadiana und den Chança, durch mehrere Talsperren gestaut und so deren Wasser in einem dichten Kanalnetz mittels Pumpen auf das Binnenland verteilt.
Eines dieser Wasserreservoirs ist der große Alquevasee (port.: Barragem de Alqueva), der seinen Namen dem kleinen Ort Alqueva verdankt, und der heute der größte künstliche Stausee Europas ist.

Obwohl mit einem Fünftel am portugiesischen Küstenland beteiligt, ist der Alentejo vollkommen auf das Binnenland ausgerichtet.
Diese Ausrichtung hat zur Folge, dass die endlosen breiten Strände menschenleer und kaum touristisch erschlossen sind.
Auch die Fischindustrie ist kaum erwähnenswert. Noch nicht einmal 1% der Fischereierträge Portugals stammt von hier.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass diese Küstenlandschaft Portugals größtes Küstenschutzgebiet beherbergt. Dieses 75.000 Hektar große Schutzgebiet reicht von der Stadtgrenze von Sines bis hin zur Grenze der Westalgarve.

Der Alentejo lebt praktisch nur von der Landwirtschaft. Trotz der großen Trockenheit liegt hier Portugals Kornkammer.
Neben den Getreidefeldern aus Weizen, Roggen und Mais prägen hier vor allem Olivenbäume und Korkeichen das Landschaftsbild.
Zu den Korkeichen sei noch zu sagen, dass sich hier im Alentejo, die weltweit größte Anbaufläche dieses Baumes befindet.

Die karge, aber dennoch wunderschöne Landschaft, und die liebenswürdigen Menschen die dieses Land bevölkern, machen aus dem Alentejo eines der schönsten und geschichtlich wertvollsten Gegenden Portugals.
Schon viele haben ein Loblied auf diese Landschaft gesungen. Und es ist tatsächlich nicht schwer, ins Schwärmen zu geraten, wenn man an die außerordentliche Gastfreundschaft, das gute Essen und die noch besseren Weinen denkt.
Am besten ist es, man entdeckt den Alentejo selber.
Man muss nur, aus Lissabon kommend, eine der beiden Brücken über dem Tejo überqueren um „jenseits des Tejo“, im Alentejo, zu sein!