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Dienstag, 31. März 2015

Die „Heilige Woche“ in Portugal


Im streng katholischen Portugal nehmen kirchliche Feste, wie Ostern, natürlich einen besonderen Platz ein.
Von Palmsonntag (port.: domingo de Ramos), der an den triumphalen Einzug von Jesus Christus seinerzeit in Jerusalem erinnert, bis zum Ostersonntag (port.: domingo de Páscoa), dem Tag an dem die Christen der Auferstehung Jesu gedenken, feiert man hierzulande die Heilige Woche (port.: Semana Santa), in Deutschland Karwoche genannt.

An Palmsonntag ziehen traditionell katholische Christen hier in Portugal seit dem frühen Mittelalter in ihre Kirche mit Palm- und Olivenzweige ein, um sie dort vom Pfarrer oder Bischof segnen zu lassen. Nach der Segnung nehmen die Gläubigen die Zweige mit nach Hause und stellen diese, als Segenszeichen, in ihren vier Wänden auf.
In Deutschland werden, soweit ich mich noch erinnern kann, die Palm- und Olivenzweige von Buchsbaum und Weidenkätzchen ersetzt.

Dem Palmsonntag folgen dann der heilige Montag (port.: Segunda-feira Santa), der heilige Dienstag (port.: Terça-feira Santa) und der heilige Mittwoch (port.: Quarte-feira Santa).
Diese drei Wochentage der Karwoche, die auch als die „Stillen Ostertage“ bekannt sind, werden vor allem in der katholischen Kirche für die Besinnung und Einstimmung auf Ostern genutzt.

Der Gründonnerstag (port.: Quinta-feira Santa), ist der Tag der an das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen zwölf Aposteln am Vorabend seiner Kreuzigung erinnert.
Hierzulande wird deshalb mancherorts dieser religiöse Tag auch „Abendmahldonnerstag“ (port.: Quinta-feira da Ceia) genannt.
In manchen Regionen Portugals war es früher üblich am Gründonnerstag sieben Kirchen aufzusuchen.
Dieser Brauch hat im heutigen modernen Portugal aber kaum noch eine Bedeutung.
Das liegt einerseits an der Tatsache dass man nicht mehr so religiös wie früher ist und anderseits haben die meisten Menschen heute kaum noch Zeit eine Kirche aufzusuchen, geschweige denn sieben…
Tsja, auch in der Kirche hat sich der Spruch von Benjamin Franklin – „Time is money“ – durchgesetzt.

Dem Gründonnerstag folgt der Karfreitag (port.: Sexta-feira Santa), der an das Leid, die Kreuzigung, den Tod und die Grablegung Christies erinnert, und der hierzulande ein strenger Abstinenztag ist.
So isst man hierzulande normalerweise an diesem Tag traditionell kein Fleisch, sondern nur Fisch oder Meeresfrüchte.
An Karfreitag wird üblicherweise hier in Portugal auch nicht gefeiert, getanzt, ins Kino oder ins Theater gegangen, obwohl es so etwas wie einen gesetzlichen „Veranstaltungsverbot“ für diesen Tag nicht gibt. Dafür wird an diesem Tag geshoppt was das Zeug hält…

Der Karsamstag (port.: Sábado de Páscoa) ist hier in Portugal unter mehreren Namen bekannt.
So bezeichnet man ihn in manchen Regionen als „Samstag des Halleluja“ (port.: „Sábado de Aleluia“), in anderen Gegenden heißt er „Schwarzer Samstag“ (port.: „Sábado Negro“) und in anderen Gebieten wiederum einfach nur „Heiliger Samstag“ (port.: „Sábado Santo“).
In der nordportugiesischen Stadt Montalegre begeht man an diesem Tag eine ganz besondere Ostertradition, die unter dem Namen „Queima de Judas“ (dt.: Verbrennung des Judas) über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Riesige Strohpuppen  werden überall in der Stadt angezündet, und so symbolisch der Verräter Judas verbrannt.
In Idenha-a-Nova, im Distrikt Castelo Branco, ist es Brauch in der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag mit viel Lärm und Musik durch die Straßen und Gassen der Stadt zu ziehen, während zur gleichen Zeit die Pfarrer in den Kirchen ihre Gottesdienste abhalten.
Etwas weiter südlich im Alentejo, ziehen am Karsamstag viele Hirten mit ihren Herden in das Städtchen Castelo de Vide ein, um sich dort mit ihren Tieren segnen zu lassen.

Der letzte Tag der Kar- oder Osterwoche ist der Ostersonntag (port.: Páscoa), der im Christentum der Festtag der Auferstehung von Jesus (port.: Ressurreição de Jesus) und das Ende der achtwöchigen Fastenzeit ist.
Jeder Portugiese versucht an diesem Tag die Familie zusammenzubringen und in der Gemeinschaft zu feiern.
Das Essen spielt an diesem Tag eine große Rolle. Ein reich gedeckter Tisch, auf dem das traditionelle Osterlamm oder das Osterzicklein nicht fehlen dürfen, ist nach acht Wochen fasten und Enthaltsamkeit immer ein Festmahl.
Die zahlreichen Osterprozessionen (port.: procissões), die während der Osterwoche im ganzen Land stattfinden und bei denen zumeist Figuren des leidenden, Kreuz tragenden und auferstandenen Jesus Christus auf tragbaren Holzkonstruktionen durch die einzelnen Ortschaften getragen werden, erreichen am Ostersonntag ihren Höhepunkt.

Den Ostermontag als Feiertag, so wie man ihn in Deutschland kennt, gibt es hier in Portugal nicht.
Nur Regional, wie z.B. in Portel bei Évora, im Alentejo, wird der Montag nach Ostern gefeiert.

In unserer modernen Zeit hat sich Ostern auch hier in Portugal leider zu einem „kleinen Weihnachten“ entwickelt, bei dem der Kommerz langsam aber sicher die wahre Bedeutung der Auferstehung verdrängt hat.
Nichtsdestotrotz ist dieses Kirchenfest in vielen Regionen dieses Landes auch heute noch ein traditionsreiches und brauchvolles Familienfest.

Samstag, 29. März 2014

Die Geschichte der Sommerzeit in Portugal


Es ist mal wieder soweit!
In einpaar Stunden werden in der heutigen Nacht zum Sonntag die Uhren in der ganzen Europäischen Union um eine Stunde vorgestellt, und die Sommerzeit tritt mal wieder in Kraft.
Hier in Kontinentalportugal und auf der Insel Madeira werden die Uhren dann in der Nacht von 01.00 Uhr auf 02.00 Uhr vorgestellt.
Auf dem portugiesischen Azorenarchipel weit draußen im Atlantik, wo der Zeitunterschied zu Festlandsportugal immer eine Stunde beträgt, da sich die Inseln in einer anderen Zeitzone befinden, werden die Uhren zur gleichen Zeit um Punkt Mitternacht auf 01.00 Uhr umgestellt.
In Portugal und auf Madeira gilt, im Gegensatz zu Deutschland wo man sich nach der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) richtet, die Westeuropäische Zeit (WEZ), auch Greenwich-Zeit genannt.
Auf den Azoren gilt die Azoren-Standard-Zeit (WEZ – 1 Stunde oder MEZ – 2 Stunden).

Die Geschichte der Idee einer Zeitumstellung in Portugal geht auf das Jahr 1807 zurück.
Damals besprachen Wissenschaftler der königlichen Akademie der Wissenschaften in Lissabon (port.: Academia das Ciências de Lisboa) mit dem portugiesischen Thronfolger Infante João, dem zukünftigen König João VI, eine Publikation des nordamerikanischen Staatsmannes und Naturwissenschaftlers Benjamin Franklin. Der hatte nämlich im Jahre 1784 die Sommerzeit in seinem Heimatland angeregt, zu einer Zeit in der es also noch keine Elektrizität gab, um im Sommer die Zeitspanne mit nutzbarem natürlichem Tageslicht zu erhöhen.
Doch genauso wenig wie Franklins Idee in den USA Anklang fand, so hatte sie auch in Portugal keinen Erfolg.
Nicht das in Portugal kein Interesse an Franklins Anregung bestanden hätte, schließlich verschlangen alleine die Kosten für Wachskerzen in den jeweiligen Haushalten, Palästen, Kirchen usw. zu dieser Zeit Unsummen an Geld.
Lediglich die unsichere politische Situation in Portugal im Jahre 1807 – die königliche Familie musste ein Jahr später vor den Truppen Napoleons nach Brasilien fliehen – verhinderte damals eine genauere Analyse der Situation.

Genau Hundert Jahre später, 1907, regte der Brite William Willett erneut die Einführung der Sommerzeit an, und auch hier in Portugal wurde diese wieder einmal bei Hofe diskutiert.
Aber genauso wie Hundert Jahre zuvor, so waren auch diesmal die politischen Begebenheiten in Portugal alles andere als vorteilhaft. Wenige Monate später, im Februar 1908, wurde die portugiesische Monarchie durch eine republikanische Revolution weggefegt.

Es war Deutschland, das dann während des I. Weltkrieges, am 30. April 1916, als erstes Land der Welt die Sommerzeit einführte.
Im selben Jahr, am 17. Juni 1916, führte auch Portugal offiziell die Sommerzeit ein; diese ging im Jahr der Einführung bis zum 01. November 1916.
Da es damals, im Gegensatz zu heute, keine einheitlichen Termine für den Anfang und das Ende der Sommerzeit gab, waren die Termine oftmals länderübergreifend sehr unterschiedlich.
So begann die Sommerzeit in Portugal manchmal im Februar, andere Male im März oder im April und ging dann immer bis zum September, Oktober oder November.
Erst seit 1996 wurde die Sommerzeitreglung in der Europäischen Union vereinheitlicht. Seitdem fängt die Sommerzeit überall in der EU immer am letzten Sonntag im März an und endet dann immer am letzten Sonntag im Oktober.

In den Jahren 1922, 1925, 1930 und 1933 gab es in Portugal keine Sommerzeit.
1942, während des II. Weltkrieges, gab es in Portugal eine Sommerzeit in der Sommerzeit, d.h. im Jahre 1942 wurden die Uhren am 14. März um eine Stunde auf Sommerzeit vorgestellt. Sechs Wochen später, am 25. April wurden die Uhren nochmals um eine Stunde vorgestellt, d.h. es herrschte in dieser Zeit zwischen Portugal und Mitteleuropa zwei Stunden Zeitunterschied.
Am 15. August 1943 wurden die Uhren dann um eine Stunde zurückgestellt und am 24. Oktober wieder um eine Stunde.
Auch in den Jahren 1943, 1944 und 1945 wurde diese doppelte Sommerzeit praktiziert.

Im Jahre 1950 und zwischen 1966 und 1976 wurde die Sommerzeit in Portugal wieder nicht angewandt.
Erst im demokratischen Portugal wurde wieder eine Sommer- bzw. Winterzeit eingeführt.

1992 traf der damalige Prämierminister Aníbal Cavaco Silva, der heutige Staatspräsident, die Entscheidung die Westeuropäische Zeit in Portugal abzuschaffen und dafür die Mitteleuropäische Zeit  einzuführen, wie sie die meisten Länder in Europa haben.
Das hatte zwar ökonomisch einen verschwindenden kleinen Vorteil, hatte aber zur Folge dass im Winter die Sonne hierzulande erst recht spät aufging und es im Sommer oftmals nach 22.00 Uhr noch hell war.
Die Pharmaindustrie verdiente sich damals in dieser Zeit an Schlaf- und Beruhigungsmittel dumm und dämlich!
Als sich 1996 die politische Bühne in Portugal änderte, änderte man auch wieder die Mitteleuropäische Zeit zur natürlichen Westeuropäischen Zeit um.

Die diesjährige Sommerzeit wird bis zum 26. Oktober 2014 andauern. Ab diesem Tag gilt dann wieder die Winterzeit oder, eigentlich korrekter, die Legale Zeit in Portugal.